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Rezensionen verfasst von
Nick Charles "NickCharles"

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Sin City 2 - A Dame to kill for [3D Blu-ray]
Sin City 2 - A Dame to kill for [3D Blu-ray]
DVD ~ Jamie Chung
Wird angeboten von bari_medienvertrieb Preise inkl. MwSt.
Preis: EUR 16,49

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen A Dame To Gähn For, 3. Mai 2015
Die schwache, überflüssige und komplett langweilige Fortsetzung eines Klassikers. Der erste Teil von Sin City war ohne jeden Zweifel ein revolutionärer Film, optisch grandios gestaltet, inhaltlich mit Sex & Crime aufgeladen, fantastisch gespielt. Der zweite Teil entstand aus genau dem Grund, aus dem es einen zweiten Teil von Flipper, einen zweiten Teil von Lassie, einen zweiten Teil von Rocky oder einen zweiten Teil von Die Lümmel aus der letzten Bank gibt: Money! Natürlich, wer in seinem Leben noch nicht viel gesehen hat, weil er vielleicht soeben die Grundschule mit summa cum laude hinter sich ließ, dem wird dieses Machwerk möglicherweise als etwas ganz besonders Schrilles, Verbotenes oder Revolutionäres erscheinen. Der Rest von uns möchte lediglich der völlig inakzeptablen Eva Brown, entschuldigung, Eva Green zurufen: "Mädel, zieh dir doch wenigstens gelegentlich mal was über. Erotik hat nicht das Geringste damit zu tun, ständig nackich rumzulaufen!" Es gibt in dem ganzen Streifen nicht eine einzige neue Idee. Praktisch alles, was dort zu beschauen ist, wurde bereits im ersten Teil behandelt, und, ich füge hinzu, deutlich besser behandelt! Selbst die revolutionäre Comic-Ästhetik, die den ursprünglichen Film zu einem Meisterwerk geraten ließ, verkommt in A Dame To Gähn For zu einem reinen Schauwert ohne jeden dramaturgischen Gehalt. Kurz und schlecht, ein Film für picklige Teenager, die davon träumen, ihren Mathe-Lehrer mit dem Samurai-Schwert zu enthaupten, um danach mit der Schulkönigin in den Sonnenuntergang zu reiten. Den übrigen Kinofans seien Filme anempfohlen, die mehr vom Leben zeigen, als unentwegt errigierte Nippel und weibliche Hinterteile aus der Manufaktur der kalifornischen Schönheitsindustrie. Beide Daumen nach unten!


Interstellar
Interstellar
DVD ~ Matthew McConaughey
Preis: EUR 5,99

34 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen In Morpheus' weichen Armen ruh'n ..., 7. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Interstellar (DVD)
Tja, da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können. Auch ich saß, als das Licht endlich wieder anging, noch fünf Minuten reglos im Kino - dann wurde ich durch meinen Sitznachbarn unsanft geweckt. Ich war eingeschlafen. Dabei ist es nicht so gewesen, dass Christopher Nolan bei mir erst Türen einrennen musste. Ich liebe seine Batman-Trilogie, ich bin ein Fan von Inception, doch das, ja, ich kann es nicht anders formulieren, war ein gigantischer Reinfall! Wenn Sie mich bitten würden, zu beschreiben, worum es in diesem Film ging - ich könnte es nicht. Irgendwas mit Schwarzen Löchern, Zeitreisen, Untergang des Planeten etc. blabla. Jede Folge der Original-Star-Trek-Serie, mit all ihren aufgeklebten Raumschiff-Fenstern, Pappmaché-Felsen und Schaumgummi-Aliens, besaß mehr Spannung, Witz, Charme und Innovation als dieses aufgeblasene Nichts. Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Offenbar ist Nolan nunmehr ebenfalls davon überzeugt, der wiedergeborene Stanley Kubrick zu sein, und in gewisser Weise stimmt das sogar: Auch "2001" war ja bekanntlich ein unglaublich langweiliger, ideenloser, bombasthafter und komplett überschätzter Haufen Mist! Demnach: Gratuliere, Mister Nolan, zu diesem neuen Meilenstein in der Geschichte des Kinos! Und wenn ich mal an ganz hartnäckiger Schlaflosigkeit leiden sollte, werde ich mir ganz bestimmt diese DVD bestellen. Versprochen! Augen zu und wegtreten!
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 23, 2015 10:42 AM MEST


Twin Peaks - Definitive Gold Box Edition [10 DVDs]
Twin Peaks - Definitive Gold Box Edition [10 DVDs]
DVD ~ Kyle MacLachlan
Preis: EUR 36,62

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wenn Geldgier und Inkompetenz aufeinandertreffen ..., 3. Januar 2015
Über die Bedeutung dieser Fernsehserie für all die innovativen Formate, die heute die Zuschauer begeistern, kann es eigentlich keine zwei Meinungen geben. Twin Peaks war seiner Zeit faktisch um fünfzehn Jahre voraus und hat die Sehgewohnheiten der Konsumenten radikal konterkariert. Insofern verdient die Serie MINDESTENS fünf Sterne. Was jedoch an dieser "Definitive Katzengold Box Edition" eine nachgerade hanebüchene Unverschämtheit darstellt, ist die Tonspur der deutschen Synchronisation. Ehrlich, sowas habe ich noch nicht erlebt. Ein Dreijähriger mit einem Cassettenrecorder würde bessere Ergebnisse erzielen. Die Dialoge sind teilweise komplett unverständlich, die Musik wirkt wie das Laufgeräusch einer defekten Waschmaschine und die Soundeffekte haben den Charme atmosphärischer Störungen in einem Kofferradio. FINGER WEG VON DIESEM MIST!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 8, 2015 3:13 AM CET


Sand. Roman
Sand. Roman
von Wolfgang Herrndorf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf Sand gebaut!, 2. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sand. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Mann erwacht in Nordafrika mit einer Kopfverletzung und kann sich nicht an seinen Namen erinnern. Eine geheimnisvolle Amerikanerin nimmt ihn als Gast in ihrem Hotelzimmer auf. Ein frustrierter Bulle reagiert sich an Prostituierten ab. Hinzu kommt eine Hippie-Kommune, wo die Blumenkinder gar nicht so entspannt sind, wie man gemeinhin annehmen sollte. Diverse Verwicklungen ergeben sich. Zum Schluß sind alle unglücklich oder tot oder beides.

Wäre dieses Buch von Eric Ambler geschrieben worden, hätte es ein klug und spannend konstruierter psychologischer Thriller sein können, der möglicherweise auch noch in hundert Jahren als Klassiker seiner Art gegolten hätte. So jedoch handelt es sich um ein veritables Monument der "ernsthaften deutschen Literatur" ("Schwere Kost", um mit Klitschko zu sprechen), auf dessen Umschlag, unsichtbar zwar, aber doch für alle, die Augen haben, gut zu erkennen, das eine tonnenschwere Wort prangt: BEDEUTUNGSSCHWANGER!

Wolfgang Herrndorf war ein sympathischer und hochbegabter Autor, der mit "Tschick" ein durchweg empfehlenswertes Buch vorgelegt hat, und leider viel zu früh verstorben ist. Ich bin sicher, wir hätten noch Außergewöhnliches von ihm erwarten dürfen. "Sand" allerdings erscheint mir genau in dem Maße stinklangweilig, verworren und überflüssig, um von den Salonlöwen des Feuilletons als "ganz große Schreibkunst" bejubelt zu werden. Mir hat es rein gar nichts gegeben. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass ich dagegen gefeit sei, "ganz große Schreibkunst" als langweiligen, überflüssigen Tinnef zu missinterpretieren. Letzeres an all die Herrndorf-Fans, die sich möglicherweise zu Lynchmord aufgerufen fühlen.


Tempest
Tempest
Preis: EUR 6,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DER RABE, 27. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Tempest (Audio CD)
Wenn eine neue Platte des großen alten Geschichtenerzählers das Licht der Öffentlichkeit erblickt, sehe ich mir bei Amazon bevorzugt jene Kritiken an, die das Werk nur mit einem kümmerlichen Stern und damit als von übelster Machart bewerten. Nicht, weil mich das, was die geschätzten Rezensenten dort schreiben, wirklich schockieren könnte. Vielmehr sind es die geharnischten bis hysterischen Kommentare der fundamentalistischen Dylan-Exegeten, ob dieser Gotteslästerung, die mich immer wieder herzhaft zum Lachen bringen. Und hier nun, um euch gleichsam den Wind aus den Segeln zu nehmen, liebe Bob Cats, mein ganz persönliches Glaubensbekenntnis: Ich bin Dylan-Aficionado seit Jahrzehnten und gedenke, es zu bleiben, bis einer von uns, er oder ich, das Rat Race am Ende ruhmreich aufgibt. Angesichts dessen jedoch, was ihr da in überwältigender Mehrheit zum Besten gebt, kann ich nur sagen: Oh Boy! Der Künstler ist definitiv zu wichtig, um ihn allein den Fans zu überlassen! (Schlag nach bei Clemenceau.)

Das nur vorab, und nun ein paar Worte zur Platte: TEMPEST ist gut, aber sicher kein Ehrfurcht gebietendes Meisterwerk. Warum auch? Dylan ist einundsiebzig Jahre alt. Er hat in seinem Leben von allem, was dick macht, mehr als genug gehabt: Frauen, Ruhm, Drogen, Geld. Konkret gefragt, was sollte ihn antreiben, nach all den Großtaten, die er vollbracht hat, ein weiteres Mal den Kids die Welt erklären zu wollen? Ich glaube, er möchte einfach nur ein bisschen Spaß haben und sich die Zeit bis zum Sonnenuntergang mit Singen, Spielen, Trinken und Erzählen vertreiben. Das hat er sich weiß Gott auch verdient.

Einige Songs auf TEMPEST haben durchaus Größe. TIN ANGEL zum Beispiel, eine wüste Geschichte um Liebe, Eifersucht und Mord, die lediglich auf einem einzigen, unablässig wiederholten Akkord dahinreitet. Oder PAY IN BLOOD, eine Rumpel-Rock-Nummer, für die Keith Richards glatt sein Holzbein hergeben würde. Ebenso sicher ist, dass weder das Titelstück TEMPEST (über den Untergang der TITANIC) noch der Lennon-Abgesang ROLL ON, JOHN das Rauschen wert sind, das im Blätterwald um sie veranstaltet wurde. DUQUESNE WHISTLE, der Opener, ist eine hübsche Cowboy-Ragtime-Nummer ohne übertriebene Ambitionen, NARROW WAY ein krachender Rock'n'Roller, der sein wirkliches Format erst auf der Bühne zeigen wird. EARLY ROMAN KINGS hieß früher MANNISH BOY und war von Muddy Waters, aber das dürfen wir nicht laut sagen, denn, wie sprach der zornige Alte im Hinblick auf jene Kritiker, die ihm einen gewissen Hang zum Plagiieren nachsagen: Ihr elenden Motherf...er mögt allesamt in den tiefsten Tiefen der Hölle verrotten.

Fazit: Es ist wundervoll, dass Bob Dylan auch im abendlichen Glosen seiner Karriere noch kreativ, aufmüpfig und politisch unkorrekt sein kann. Die Kamarilla um Jagger, McCartney & Co. ist schon vor Jahrzehnten in ein bequemes Rentner-Dasein hinübergedämmert. Nicht ersparen darf ich mir allerdings den Hinweis auf die Stimme des alten Raben. Selbst mit viel Nachsicht und bei bestem Willen: sie ist komplett hinüber. Das hat nichts mit all dem Gefasel über I've got the blood of the land in my voice zu tun. Das ist schlicht Ergebnis einer fünfzig Jahre währenden Karriere auf dem Hochseil im Rock'n'Roll-Circus. Lebt damit oder lasst es bleiben. Aber tut nicht so, als ob es anders wäre.

Keep on keepin` on, Bob!


Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes. Ausgewählte Werke: Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes, Bd.4, Ausgewählte Werke
Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes. Ausgewählte Werke: Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes, Bd.4, Ausgewählte Werke

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nepper, Schlepper, Bauernfänger!, 5. Juli 2012
Immer noch, glücklicherweise, gibt es Menschen, die den Drang zum Schreiben verspüren. Allerdings, das muss gesagt werden, sollte nicht jeder diesem Drang auch in der Öffentlichkeit nachgeben. Dieses Machwerk allerübelster Ausprägung dient einzig und allein dem Zweck, ahnungslose Zeitgenossen, die ihrer Eitelkeit nicht widerstehen können, über den Löffel zu barbieren. Ganz schnell vergessen! Nationalbibliothek des deutschprachigen Schwachsinns - das wäre wohl der richtige Titel. Wobei ich nicht genau weiss, ob ich die dort abgedruckten "deutschsprachigen Dichter" bedauern oder bemitleiden soll. In den Papierkorb damit!


True Grit
True Grit
DVD ~ Jeff Bridges
Preis: EUR 6,97

9 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen TRUE SHIT, 12. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: True Grit (DVD)
True Grit", ich muss es leider sagen, ist für mich nicht das Highlight des Kinojahres, sondern definitiv die größte Enttäuschung. Warum eigentlich? Ich bin ein Fan der Coen-Brüder, ich liebe Jeff Bridges, der Original-Film mit John Wayne zählt zu meinen persönlichen Evergreens. Und genau da, beim letzten Punkt, liegt der Hase im Pfeffer. Der Marshall", wie der deutsche Titel lautet, war kein cineastisches Meisterwerk. Längst hatte der Italo-Western die Regeln des Genres grundlegend auf den Kopf gestellt. Da musste diese, vom Regie-Dinosaurier Henry Hathaway altbacken inszenierte Pferde-Oper zwangsläufig hoffnungslos veraltet wirken. Aber darin liegt auch ihr ganz eigener Charme. Im Grunde lässt sich der Status, den dieser Film noch heute genießt, in zwei Worten zusammenfassen: John Wayne! Mit Auge-zwinkernder" Spielfreude demontierte der Duke das eigene Denkmal und offenbarte damit, wohl eher ungewollt, was er ja wirklich war: ein abgehalfterter Kino-Mythos, dick, versoffen, großkotzig, aber, wie Marlon Brando sehr richtig sagte, der sympathischste Reaktionär, der mir jemals begegnet ist". Jeff Bridges - und damit will ich ihm nicht zu nahe treten -, ist kein John Wayne. Schlimmer noch: er bemüht sich trotzdem einer zu sein und wirkt dabei phasenweise wie ein zweitklassiger Duke-Imitator auf einer Rodeo-Showbühne in Las Vegas. Seine Leistung ist nicht von eigenem Charme, sie ist indiskutabel. Nun zu den Coen-Brüdern. Die fast sklavische Treue zur Vorlage, mit der sie hier zu Werke gegangen sind, lässt das fertige Produkt wie eine Sechziger-Jahre-Produktion anmuten, die von ihren Machern auf Fünfziger Jahre getrimmt wurde. Ein bisschen Frechheit mit dem Original hätte dem Ganzen ohne jeden Zweifel sehr gut getan. Abgesehen mal von der nicht zu beantwortenden Frage, warum sie es überhaupt für nötig befunden haben, einen zweitklassigen Film zum zweiten Mal zu verfilmen, ohne dabei John Wayne erneut mit der Hauptrolle betreuen zu können. Der Rest ist schnell gesagt. Hailee Steinfeld in der Rolle der Mattie Ross macht ihre Sache recht ordentlich und vermeidet auf jeden Fall die Penetranz, die Kim Darby im Original an den Tag legte. Matt Damon spielt mit, fällt nicht weiter auf, macht insofern auch nichts falsch, hätte aber problemlos durch irgendeinen No-Name-Schauspieler ersetzt werden können. Die Bildgestaltung ist konventionell, die Musik recht hübsch, der Film zu lang. Insbesondere das vom Original abweichende Ende lässt den Zuschauer ratlos zurück. Während wir immer noch auf irgendeinen Paukenschlag warten, erfahren wir, dass Rooster Cogburn tot ist und sich die beiden, nämlich er und die nun erwachsene Mattie, nie wieder begegnet sind. Abspann. Im Original nimmt der fette, alte John Wayne nochmal die Zügel zwischen die dritten Zähne, gibt seinem Gaul die Sporen und reitet wie ein aufgeblasener Derwisch in die unendliche Prärie hinaus. Das, liebe Gebrüder Coen, das ist wahrhaft TRUE GRIT!


The Bootleg Series Vol.9: The Witmark Demos: 1962-1964
The Bootleg Series Vol.9: The Witmark Demos: 1962-1964
Preis: EUR 13,98

18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nun, wer's haben muss..., 14. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die neueste Ausgabe der Bob-Dylan-Bootleg-Series ist, um es gleich am Anfang zu sagen, eher etwas für die Altgereisten, denn für Neueinsteiger. Es handelt sich ausschließlich um Takes, die nie zur Veröffentlichung bestimmt waren, sondern lediglich zur Rechtesicherung bei Dylans damaligem Musikverlag. Nun kann man argumentieren, dass auch hier verborgene Perlen unter dem Schlick der Zeit schimmern und dass es sich immerhin um das zentrale Werk eines Großkünstlers des 20. Jahrhunderts handelt. Keine Frage. Doch, wenn ich ganz ehrlich sein darf, ich bin ein wenig gelangweilt. Sei's, weil ich die meisten Songs schon aus zig anderen, besseren Versionen kenne, oder sei's, weil ich die Handvoll wirklich noch (mehr oder weniger) unveröffentlichten Stücke für nicht so relevant halte, dass sie diesen Aufwand rechtfertigen würden. Dylan hat sich in den über vierzig Jahren, die seither vergangen sind, in immer neuen, immer wieder überraschenden Häutungen massiv weiter entwickelt. Deshalb hätte ich mir (wenn man mich denn gefragt hätte) viel lieber eine vernünftig editierte Sammlung von Live-Takes aus der Never-Ending-Tour gewünscht. Ich glaube, damit wäre sowohl den fundamentalistischen Hardcore-Fans, als auch den unbedarften Novizen ein größerer Dienst zuteil geworden. Oder, um es anders auszudrücken: Man muss nicht gleich jedes an den Rand des Codex Atlanticus hingekritzelte Strichmännchen von Leonardo da Vinci für den Heiligen Gral der Kunstgeschichte halten. Ebenso wenig wird die 1.138ste Version von Mr. Tambourine Man" dem Song gänzlich neue Seiten abgewinnen. Wer's haben muss...bitteschön. Allen anderen empfehle ich zum Fest eher etwas Zeitgemäßes vom alten Kojoten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 3, 2011 2:04 AM CET


Christmas in the Heart (Deluxe Edition inkl. Weihnachts-Grußkarten)
Christmas in the Heart (Deluxe Edition inkl. Weihnachts-Grußkarten)
Preis: EUR 28,46

43 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Merry Xmas, Onkel Bob!, 10. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die gute Nachricht zuerst: Mr. Tambourine Man nimmt wieder Drogen! Die schlechte: Es sind die falschen!" So oder so ähnlich dürften die Kommentare geklungen haben, als die ersten Gerüchte im Internet zirkulierten, dass Bob Dylan (Ja, der Bob Dylan!) eine Platte mit Weihnachtsliedern veröffentlichen würde. So oder so ähnlich habe auch ich gedacht, als ich davon las. Nun ist sie also da: Christmas In The Heart" - außen ein grauenhaft kitschiges Cover mit verschneiter Dorflandschaft, Pferdeschlitten, Kutscher und muffbewehrter Lady. Innen ein Pin-Up-Girl mit Santa-Mütze, rotweißem Mantel und pelzbesetzten Stiefelchen, das dem Betrachter die üppigen Brüste entgegen reckt. Columbia Christmas Recording" lese ich auf dem in festlichem Rot gehaltenen Silberling. Und dann? Here Comes Santa Claus, here comes Santa Claus" röchelt der alte Kannibalenhäuptling, und ein gar lieblicher Engelschor säuselt: Right down Santa Claus Lane". Ja, Onkel Bob nimmt wieder Drogen - aber diesmal sind es die richtigen. Um es kurz zu machen: Diese Platte ist ein Meisterwerk. Hätte Barbara Streisand die gleichen Songs im selben Arrangement aufgenommen, wäre das der ultimative Stimmungskiller unter dem Tannenbaum geworden. Verstaubter Mainstream bis zum Abwinken. Doch Onkel Bob ist nicht Barbara Streisand. (Die, falls Sie das nicht wissen sollten, ebenfalls der jüdischen Kultusgemeinde angehört und somit eigentlich keine Weihnachtslieder singen dürfte.) Dylan - und daran kann kein Zweifel bestehen! -, liebt diese Art von Musik. Wer das nicht glauben mag, sollte mal bei einer der um die hundert Folgen seiner Theme Time Radio Hour" reinhören. Er tut das, was man von einem Genie erwarten darf: Er tut das Unerwartete. Die ausgefeilten, ja, fast zuckersüßen Arrangements konterkariert er mit seiner Totengräber-Stimme und schafft es dergestalt, eine Hommage und gleichzeitig eine ironische und höchst unterhaltsame Dekonstruktion dieser zu Tode genudelten Standards abzuliefern. So wechseln Momente stiller Einkehr (Hark The Herald Angels Sing", The Christmas Blues", The Christmas Song") nahtlos mit Phasen augenzwinkernder Hintertriebenheit (Here Comes Santa Claus", Christmas Island"). Insgesamt handelt es sich um ein höchst homogenes Werk,. Dennoch erlaube ich mir, zwei persönliche Favoriten zu nennen: zum einen die herrlich überdrehte Polkaversion von Must Be Santa" - zweifelsohne die schnellste Nummer, die Dylan jemals abgeliefert hat. (So schnell, dass David Hidalgo an einer Stelle mit dem Akkordeon nicht mehr hinterher kommt! Ein kleiner, kostbarer Moment, der vom Produzenten Jack Frost (!) alias Dylan natürlich nicht korrigiert wurde!) Und zum anderen der ultimative Judy-Garland-Klassiker Have Yourself A Merry Little Christmas", den Dylan mit so viel Gefühl und Empathie singt, dass es einem Tränen in die Augen treibt. Natürlich ist das nur Spekulation, doch ich denke, der Meister hat sich hier ganz tief vor dieser Künstlerin verbeugt, die, wie er, aus Minnesota stammte, und leider viel zu früh an den Folgen ihres Ruhms zerbrach.

Bob Dyan ist 68 Jahre alt. Er hat Millionen Platten verkauft, Reichtum und Ruhm erworben, das Leben von ungezählten Menschen auf die ein oder andere Weise beeinflusst. Er muss niemandem etwas beweisen. Er muss keine Rücksicht auf Wen-auch-immer nehmen. Er tut das, was er tun will - und sein Status als lebende Ikone gibt ihm jedes Recht dazu. Wenn er sich demnächst entschließen sollte, Bach's Goldberg-Variationen auf dem Kamm zu blasen, so what? Größe und Talent kann man nicht kaufen - man muss sie sich verdienen. Merry Xmas, Onkel Bob!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2009 1:30 PM CET


Christmas in the Heart
Christmas in the Heart
Preis: EUR 13,05

18 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Merry Xmas, Onkel Bob!, 10. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Christmas in the Heart (Audio CD)
Die gute Nachricht zuerst: Mr. Tambourine Man nimmt wieder Drogen! Die schlechte: Es sind die falschen!" So oder so ähnlich dürften die Kommentare geklungen haben, als die ersten Gerüchte im Internet zirkulierten, dass Bob Dylan (Ja, der Bob Dylan!) eine Platte mit Weihnachtsliedern veröffentlichen würde. So oder so ähnlich habe auch ich gedacht, als ich davon las. Nun ist sie also da: Christmas In The Heart" - außen ein grauenhaft kitschiges Cover mit verschneiter Dorflandschaft, Pferdeschlitten, Kutscher und muffbewehrter Lady. Innen ein Pin-Up-Girl mit Santa-Mütze, rotweißem Mantel und pelzbesetzten Stiefelchen, das dem Betrachter die üppigen Brüste entgegen reckt. Columbia Christmas Recording" lese ich auf dem in festlichem Rot gehaltenen Silberling. Und dann? Here Comes Santa Claus, here comes Santa Claus" röchelt der alte Kannibalenhäuptling, und ein gar lieblicher Engelschor säuselt: Right down Santa Claus Lane". Ja, Onkel Bob nimmt wieder Drogen - aber diesmal sind es die richtigen. Um es kurz zu machen: Diese Platte ist ein Meisterwerk. Hätte Barbara Streisand die gleichen Songs im selben Arrangement aufgenommen, wäre das der ultimative Stimmungskiller unter dem Tannenbaum geworden. Verstaubter Mainstream bis zum Abwinken. Doch Onkel Bob ist nicht Barbara Streisand. (Die, falls Sie das nicht wissen sollten, ebenfalls der jüdischen Kultusgemeinde angehört und somit eigentlich keine Weihnachtslieder singen dürfte.) Dylan - und daran kann kein Zweifel bestehen! -, liebt diese Art von Musik. Wer das nicht glauben mag, sollte mal bei einer der um die hundert Folgen seiner Theme Time Radio Hour" reinhören. Er tut das, was man von einem Genie erwarten darf: Er tut das Unerwartete. Die ausgefeilten, ja, fast zuckersüßen Arrangements konterkariert er mit seiner Totengräber-Stimme und schafft es dergestalt, eine Hommage und gleichzeitig eine ironische und höchst unterhaltsame Dekonstruktion dieser zu Tode genudelten Standards abzuliefern. So wechseln Momente stiller Einkehr (Hark The Herald Angels Sing", The Christmas Blues", The Christmas Song") nahtlos mit Phasen augenzwinkernder Hintertriebenheit (Here Comes Santa Claus", Christmas Island"). Insgesamt handelt es sich um ein höchst homogenes Werk,. Dennoch erlaube ich mir, zwei persönliche Favoriten zu nennen: zum einen die herrlich überdrehte Polkaversion von Must Be Santa" - zweifelsohne die schnellste Nummer, die Dylan jemals abgeliefert hat. (So schnell, dass David Hidalgo an einer Stelle mit dem Akkordeon nicht mehr hinterher kommt! Ein kleiner, kostbarer Moment, der vom Produzenten Jack Frost (!) alias Dylan natürlich nicht korrigiert wurde!) Und zum anderen der ultimative Judy-Garland-Klassiker Have Yourself A Merry Little Christmas", den Dylan mit so viel Gefühl und Empathie singt, dass es einem Tränen in die Augen treibt. Natürlich ist das nur Spekulation, doch ich denke, der Meister hat sich hier ganz tief vor dieser Künstlerin verbeugt, die, wie er, aus Minnesota stammte, und leider viel zu früh an den Folgen ihres Ruhms zerbrach.

Bob Dyan ist 68 Jahre alt. Er hat Millionen Platten verkauft, Reichtum und Ruhm erworben, das Leben von ungezählten Menschen auf die ein oder andere Weise beeinflusst. Er muss niemandem etwas beweisen. Er muss keine Rücksicht auf Wen-auch-immer nehmen. Er tut das, was er tun will - und sein Status als lebende Ikone gibt ihm jedes Recht dazu. Wenn er sich demnächst entschließen sollte, Bach's Goldberg-Variationen auf dem Kamm zu blasen, so what? Größe und Talent kann man nicht kaufen - man muss sie sich verdienen. Merry Xmas, Onkel Bob!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 5, 2010 10:35 PM CET


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