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Rezensionen verfasst von
Marita Ducesa

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So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen, Es ist soweit
So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen, Es ist soweit
von Hoimar von Ditfurth
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Was man über die Welt und das Leben wissen muss, 15. März 2014
"Es steht nicht gut um uns" - so beginnt die Einleitung. HvD weist nach (präzise, faktenreich, wissenschaftlich), dass die zwei größten Bedrohungen der Menschheit (1988!) im atomaren Waffen- und Müllhaufen und in der Vernichtung der Biosphäre bestehen. Und ist es heute (2014) besser geworden? NEIN, schlechter! Deswegen widmet er den zweiten Teil des Buches den Auswegen und Überlebenschancen. So es welche gibt ...


Universe from Nothing
Universe from Nothing
von Lawrence Krauss
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,40

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was alles so aus "nichts" entsteht!, 24. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Universe from Nothing (Taschenbuch)
L. Krauss ist ja in einschlägigen Kreisen bekannt als hervorragender Wissenschaftler und überzeugter Atheist. Das macht er auch schon am Anfang klar. Dann baut er seine Hypothese bzw. Beweisführung streng logisch auf. Schade nur, dass auch ein halbwegs naturwissenschaftlich gebildeter Leser irgendwo in der Mitte abschnallt: Es wird einfach zu komplex. Dabei hatte ich mir extra die Originalversion gekauft, weil einige Rezensenten eine ungenaue Übersetzung beanstandet hatten. Trotzdem: extrem lesenswert. Auch das Nachwort von R. Dawkins.


Stufen zum Leben. Die frühe Evolution im Visier der Molekularbiologie
Stufen zum Leben. Die frühe Evolution im Visier der Molekularbiologie
von Manfred Eigen
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komplexe Materie, 24. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein zweifellos interessantes und wichtiges Buch, aber für den Laien schwer bis gar nicht zu lesen. Man muss sich schon gut in der Physik und Biologie auskennen - dann aber hat man sicher einen Gewinn davon.


memo Wissen entdecken, Band 7: Naturwissenschaften, mit Riesenposter!
memo Wissen entdecken, Band 7: Naturwissenschaften, mit Riesenposter!
von Dorling Kindersley Verlag
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Guter Überblick, 24. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Guter, schneller, informativer, aktueller, leichter Überblick über das Thema. Zu empfehlen für die, die die wichtigsten "Errungenschaften" kennen lernen wollen.


Biotechnologie für Einsteiger
Biotechnologie für Einsteiger
von Reinhard Renneberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Standardwerk für Laien und Fachleute, 10. Juni 2013
Bevor ich inhaltlich auf das Buch eingehe, muss ich erst einmal meine Bewunderung für das Gesamtwerk zum Ausdruck bringen. Eine enorme Leistung, hier Inhalt, Abbildungen, Karikaturen, Gastbeiträge, Info-Boxen, Glossar, Register u.v.a.m. zu synchronisieren und konsistent zu halten. Hier hat sich die Co-Autorin Viola Berkling hervorgetan, denn das ist ja eine höchst wichtige und verdienstvolle Tätigkeit, das Wissen der Fachleute "ins Deutsche zu übersetzen".

Als halbwegs gebildeter Laie kenne ich zwar den inhaltlichen Unterschied zwischen DNA und DNS (keiner) und kann nach einem Glas Rotwein das Wort "Desoxyribonukleinsäure" flüssig aussprechen, aber mehr auch nicht. Also gehe ich mit der richtigen Haltung ans Werk und arbeite mich kapitelweise durch (was aber wegen der hervorragenden Gliederung und der umfangreichen Verzeichnisse nicht notwendig ist). Doch lassen wir uns nicht täuschen von diesem bezaubernden Blätterbilderbuch: es kommt knallharte Bio-Wissenschaft. Schon im ersten Kapitel merkt man: Dies ist kein PopSci-Buch, es ist ein Lehrbuch. Bestimmte Begriffe und Inhalte werden vorausgesetzt bzw. müssen nachgeschlagen werden (super: Glossar und Stichwortverzeichnis). Das Ganze ist spannend wie ein Dan Brown, liest sich aber natürlich für einen Laien wie mich nicht so flüssig. Man muss schon das Gehirn einschalten. Durch den modularen Aufbau (unterstützt durch "Infoboxen" mit kurzen, in sich abgeschlossenen Themen) lässt es sich aber selektiv lesen. Die theoretischen und praktischen Fragen am Ende jedes Kapitels können einem schon den Schweiß auf die Stirn treiben (Beispiel: "Warum haben Waschmaschinen in Japan kein Heizprogramm?"), sind aber wertvoll zur Verständniskontrolle. Positiv zu vermerken sind auch Informationen über Preise, Marktanteile und –interessen, die über das Biologisch-technische hinausgehen und auch einen gesellschaftlichen Aspekt bieten.

Hier sind die einzelnen Kapitel (bei einigen Kapiteln hätte sich der Systematiker eine Fortsetzung der Überschriftsstruktur "Kapitelüberschrift – Untertitel" gewünscht):
1. Bier Brot Käse - schmackhafte Biotechnologie
2. Enzyme - molekulare Superkatalysatoren für Haushalte und Industrie
3. Die Wunder der Gentechnik - (Untertitel fehlt!)
4. Weiße Biotechnologie - Zellen als Synthesefabriken
5. Viren, Antikörper und Impfungen
6. Umwelt-Biotechnologie - weg von Einbahnstraßen, hin zu Kreisläufen!
7. Grüne Biotechnologie
8. Embryonen, Klone und transgene Tiere
9. Herzinfarkt, Krebs und Stammzellen - rote Biotechnologie als Lebensretter
10. Analytische Biotechnologie und das Humangenom

Biotechnologie - das war bisher nur ein Wort und hatte (ähnlich wie "Gentechnologie") einen negativen Beigeschmack. Dass sie aber zu den kulturellen Wurzeln der Menschheit gehört, unser tägliches Leben bequemer, sicherer, variationsreicher und gesünder macht (die alkoholische Gärung reinigt verschmutztes Wasser!), diese Erkenntnis verdanke ich den Autoren. Natürlich kann sie wie jede Technologie ("Technik" wäre das korrektere Wort) auch zum Bösen verwendet werden - das ist eine Trivialität.

Das Buch befriedigt nicht nur den Wissensdurst der (angehenden) Fachleute, sondern liefert auch viele (teils überraschende) Erkenntnisse für den Alltag. Zum Beispiel die Antwort auf die Frage: "Warum werden wir, ein Eldorado für Bakterien, nicht innerhalb weniger Tage wie eine faulende Tomate von ihnen aufgefressen?" (Kap. 5).

Die Zahl der "Rosinen" in diesem Buch ist unübersehbar, z. B. "Der Trick der Enzyme" (S. 43), "Nachdenkliches zur Gentechnik" (S. 114), "Alzheimer im Aquarium" (S. 290) , "DNA-Wanderkarte" unserer Ahnen (S. 368) – um nur 1 % der Highlights zu nennen. Selbst die Deckelinnenseiten zeigen noch Bilder von Proteinen und Zellen.

Stöbern Sie in diesem Buch wie ein neugieriges Kind in einem Lexikon oder ziehen Sie sich für einen Monat in eine Klosterzelle zurück, um es von vorne bis hinten durchzulesen. Es wäre es wert!


Schöpfung oder Zufall?: Wie Spiritualität und Physik die Welt erklären - Ein Streitgespräch
Schöpfung oder Zufall?: Wie Spiritualität und Physik die Welt erklären - Ein Streitgespräch
von Deepak Chopra
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert - aber mit Einschränkungen, 24. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Einschätzung dieses Buches hängt natürlich mit dem wissenschaftlichen Weltbild der Rezensentin zusammen. Mit diesem (aus Sicht des gesunden Menschenverstandes normalen, aus Sicht des der Spiritualität einseitigen) Blickwinkel sind die Texte Chopras verworren, unlogisch und unklar, die des Autors Mlodinov meist das Gegenteil. Aber auch er muss sich Kritik gefallen lassen: vieles ist pädagogisch schwach und unklar --- selbst wenn man sich in der Materie einigermaßen auskennt. Schon das erste Sachthema ("Wie entstand das Universum?") ist von Mlodinov in vielen Bereichen unverständlich und mit zu vielen Fachbegriffen (Raumzeit, Inflation, Quantenfalten) gespickt beschrieben.

Chopra dagegen greift tief in die Kiste der undefinierten Begriffe, schwammigen Formulierungen und unbewiesenen Behauptungen (S. 108 "Wenn die Gedanken aufhören zu fließen, tut dies auch die Zeit" und S. 109 "Das ganze Universum ist nicht mehr als die Bewegung der Gedanken"). Und leider greift er auch auf die unselige Geschichte von "Shakespeares Affen" zurück, um die Unwahrscheinlichkeit eines Zufalls in der Evolution zu illustrieren. Damit beweist er nichts --- außer seinem Unverständnis von Emergenz und Autopoiese (Selbsterzeugung) und dem Zusammenspiel von Zufall und systemischen Gesetzen. Denn dieses Beispiel ist einfach falsch: der Zufall erzeugt nicht das (unwahrscheinliche) Endergebnis der Evolution, sondern lenkt nur einzelne Schritte, die danach gesetzmäßig ablaufen (so wird z. B. das Prinzip der Vererbung - einmal "erfunden" - in allen Lebewesen gleichartig genutzt, vom Einzeller über die Gänseblume bis zu uns). Auch unzulässige Anthropomorphismen ("die Zelle erinnert sich" / "die DNS lernt") sind schön zu lesen, erzeugen aber Verwirrung.

Aber ich will ja nicht die jeweiligen Ansichten kritisieren, sondern das Buch als solches beurteilen. Es stellt zu jedem der wichtigen philosophischen Themen (z. B. "Was ist Leben?", mehr nachlesbar im Inhaltsverzeichnis) jeweils je eine Antwort der beiden Autoren vor, wobei der zweite auf die Position des ersten Bezug nehmen kann (aber nicht umgekehrt). Deswegen wechseln sie sich zu jedem Thema in der Position ab. Deepak Chopra argumentiert aus Sicht der Spiritualität, die im Prinzip an höhere Mächte glaubt (nicht unbedingt unser christlicher "Gott"), an ewiges und unendliches Bewusstsein im Universum, an eine mit Sinn und Bedeutung erfüllte Welt. Leonard Mlodinov (Co-Autor von Stephen Hawking) vertritt die materialistische Weltsicht eines Physikers: wahr ist alles, was nachweisbar und belegbar ist. Der Rest ist Spekulation, Behauptung, Glaube --- nicht das Spielfeld des Wissenschaftlers.

Hier eine kleine Kostprobe (leicht abgewandelt). Chopra argumentiert: »Die Spiritualität jedenfalls muss nicht auf ein Wunder zurückgreifen, um das Leben zu erklären, sobald man sich von der Idee eines toten Universums verabschiedet hat... Denn für meine Ansicht gibt es ein zwingendes Argument: Das Universum brachte komplexe Lebensformen hervor, weil das Leben darin schon immer existiert hat, schon vor der Entstehung unseres Universums.« Mlodinov hält mit einer lustigen Analogie dagegen: "...sehen wir uns doch einmal an, wie es logisch funktioniert, wenn wir es in einen etwas gewöhnlicheren Kontext stellen, zum Beispiel das Frühstück. Das hieße: »Wir müssen nicht auf ein Wunder zurückgreifen, um zu erklären, wie das Spiegelei mit dem Dotter nach oben auf meinem Teller landete, sobald wir uns vom Konzept eines eilosen Tellers verabschiedet haben.... Eine bessere Erklärung als das Wunderbare ist das Argument, das Universum habe ein Spiegelei mit der Dotterseite nach oben hervorgebracht, weil das Ei in dieser Form schon immer existiert hat, schon zu der Zeit, als der Teller geschaffen wurde.« Diese Erklärung ist offensichtlich nicht besonders einleuchtend." Na gut, das schrammt knapp an der Grenzen zum Trivialen vorbei (meist sind die wissenschaftlichen Argumente Mlodinovs stringenter), aber es entlarvt die nebulöse Sprache und die unbegründeten Annahmen der spirituellen Sicht.

Dies, wie gesagt, mit der materialistischen Brille der Rezensentin. Denn wo die Wahrheit liegt, das wissen nur die Götter. So es sie gibt.

Also (trotz und wegen des Gesagten): Lesenswert für alle, die das Denken des "gegnerischen Lagers" ausführlich kennen lernen wollen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 7, 2012 7:27 PM MEST


Die Zehn Gebote: Eine Ethik für heute - Ein SPIEGEL-Buch
Die Zehn Gebote: Eine Ethik für heute - Ein SPIEGEL-Buch
von Mathias Schreiber
  Gebundene Ausgabe

23 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die Zehn Gebote - eine Moral für die Schlichten, 10. Oktober 2010
Der Autor preist sein Buch bei seinem Arbeitgeber an (Mathias Schreiber in SPIEGEL online: 09.10.2010 Plädoyer für die Zehn Gebote "Du sollst das Prophetengeraune achten!") und schreibt quasi seine eigene Rezension. Er stellt auch dort die Kernfrage: "Enthalten diese Gebote bloß eine Moral für die Schlichten?".
Meine Antwort ist: Ja! Und für die ewig Gestrigen, muss man (frau) hinzufügen, denn im Dekalog "Exodus 20, 17" wird die Frau mit dem restlichen Besitz eines Mannes (Haus, Sklaven oder Vieh) auf eine Stufe gestellt. Und - Achtung! - Gott ist ein "eifersüchtiger Gott: Bei denen, die ihm Feind sind, verfolgt er die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation" (Exodus 20, 5). Sippenhaft, wie im "3. Reich" erfreulicher Weise wieder eingeführt. Da kann der Autor in seiner Selbstrezension schon davon schwärmen: "Diese Zehn Gebote sind und bleiben das Faszinosum der Kulturgeschichte, der unerschütterliche Prüfstein für humanes Ethos, dafür, ob ein Mensch Charakter hat oder auch nicht. Die stetige Orientierung an dem Grundgesetz dieser Gebote ist trotz allen historischen, moralphilosophischen, kasuistischen und naturwissenschaftlichen Einwänden gegen sie notwendig, wenn es mit der Menschheit noch ein paar Jahrtausende gutgehen soll."
Andere Meinungen sind dem Autor unbekannt, z. B. die ausführliche und durchdachte Kritik von Prof. Lehnert in "Warum ich kein Christ sein will" Kapitel 5.3 ("Ist Moral ohne Gott möglich?") oder die Alternativvorschläge in Form von "10 Angeboten" für den mündigen Menschen (statt Geboten) von Schmidt-Salomon in "Manifest des evolutionären Humanismus". In den 10 Geboten kann ein denkender Mensch den vom Autor behaupteten "Kodex der Vernünftigkeit" nicht entdecken - es ist wohl eher ein theologischer PR-Artikel.
"Wenn es mit der Menschheit noch ein paar Jahrtausende gutgehen soll" (O-Ton Schreiber), dann sollte sie sich schnellstens auf ethische und moralische Werte besinnen, die nicht mehr auf alttestamentarischem Nieveau stehen. Vielleicht sollte der Autor den Kernsatz seiner Selbstrezension beherzigen ("Sich selbst Gesetze, auch "Prinzipien" genannt, verordnen zu können, ist die ethische Erfüllung der menschlichen Freiheit. Das ist die Pointe der Aufklärung, wie Kant sie verstand.") und sein Buch einstampfen lassen.
Fazit: Nicht lesenswert.


Wasserfächer von Bellima 30 Stück
Wasserfächer von Bellima 30 Stück
Wird angeboten von Wasserstore, alle Preise inkl. Mwst.
Preis: EUR 7,00

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es wirkt!!, 23. August 2010
Viele Geräte zur "Wasseraufbereitung" beruhen auf pseudowissenschaftlich-esoterischen Bahauptungen und ziehen den Dummen das Geld aus der Tasche. Umso mehr begeistert ein einfacher Papierfächer, der FUNKTIONIERT!


Nur Wissen kann Wissen beherrschen: Macht und Verantwortung der Wissenschaft
Nur Wissen kann Wissen beherrschen: Macht und Verantwortung der Wissenschaft
von Bernd O Küppers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 8,44

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellente Lektüre, 23. August 2010
Absolut lesenswert, klare Sprache, sauberes Denken. Eine Absage an alles metaphysische Geschwätz, mit dem Pseudo-Philosophen und Heilsbringer die Menschheit "beglücken".
Warnung: nichts für Gläubige und Abergläubische!


Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung
Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung
von Uwe Lehnert
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

32 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn ein Schuster NICHT bei seinem Leisten bleibt, 23. August 2010
Den 18 positiven Rezensionen und der 19., deren 2-*-Gebrabbel leider die Notwendigkeit dieses Buches beweist, ist schwer etwas hinzuzufügen. Deswegen konzentriere ich mich auf einige besonders bemerkenswerte Aspekte:

Ich zitiere aus dem Vorwort:
"Meine Ansichten und Bekenntnisse in diesem Buch gründen auf der Überzeugung, dass es richtig und vernünftig ist, soweit es irgend möglich ist, sich seines Verstandes zu bedienen."
und
"Sich seines Denkvermögens zu bedienen, heißt deshalb für mich, nichts zu »glauben«, was dem Verstand und wissenschaftlicher Erkenntnis eindeutig widerspricht. Zwar kann auch Wissenschaft nicht alles erklären, aber Glaube erklärt gar nichts."
und
"Dieses Buch ist von einem Laien geschrieben worden. Ich bin Nichtfachmann in Sachen Philosophie und Theologie, auch die hier zusammengetragenen Erkenntnisse über Kosmologie, Mikrophysik, Evolutionsbiologie und Hirnforschung habe ich als Laie verfasst, allerdings immer in dem entschiedenen Bemühen, diese Dinge erst selbst zu verstehen, um sie anschließend verstehbar darzustellen."

Das ist der rote Faden, der sich durch die gesamte Argumentation zieht: logisch nachvollziehbare, in verständlicher und doch präzise-eleganter Sprache gehaltene Fakten, die jedermann und jederfrau einleuchten. Keine gelehrte Haarspalterei, sondern "gesunder Menschenverstand" auf höchster Ebene. Ein interdisziplinärer Schuster, der entgegen dem Sprichwort über die Grenzen seines "Leistens" hinausschaut und selbstverständlich nie auch nur in die Nähe des Stammtischniveaus gerät, wo Leute über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben. Ein exzellentes Beispiel, wie eine wissenschaftliche Schulung zur Übertragung allgemeiner Prinzipien der Logik und des folgerichtigen Denkens auf nur scheinbar sachfremde Gebiete zum Erfolg führen kann. Und ebenso überraschend wie erfreulich, dass auch bei vermeintlich "trockenen" Themen immer auch Gefühle und Stimmungen sichtbar werden, die den Grund und die Bedeutung des Gesagten erkennbar und nachvollziehbar machen (z. B. in Kapitel 2 "Raum und Zeit: Unbegreiflich in Dimension und Wesen").

Am Anfang legt der Autor ein solide betoniertes Fundament für sein Gedankengebäude: die Stellung des Menschen im Universum (zeitlich, räumlich, evolutionär) und die Grundlagen wissenschaftlicher Erkenntnis und Methodik. Fakten und Tatsachen, die die Breite und Tiefe der unbezweifelbaren Gegebenheiten dieser Welt ausmessen. Widerspruchsfrei und konsistent - die "Insel des Wissens im Meer des Glaubens". Doch ehrlich und schonungslos demonstriert er auch (z. B. anhand der modernen Physik), dass die Ränder dieser Insel unsicher und unbegreiflich zu werden beginnen. Dagegen setzt er danach die endlose Weite des Glaubens, des Ungewissen, Vermuteten, Behaupteten, Inkonsistenten und Widersprüchlichen. Erfreulich auch, wie offen und ehrlich der Autor seine Schwierigkeiten beim Verständnis des Unbegreiflichen (kleinste atomare Längen, größte kosmische Entfernungen, die gehirnverwirrenden Tatsachen der Relativitätstheorie und der Quantenphysik) schildert - und dass wir auch hier "glauben" müssen, dieser "Glauben" aber fundamental etwas anderes ist als der an ein "höheres Wesen".

Mutig und souverän bringt der Autor auch Argumente zur Sprache (z. B. im Kapitel 4 über Willensfreiheit), die gegen seine eigene Überzeugung sprechen. In der zweiten Hälfte des Buches, wenn er zum eigentlichen Thema kommt, wird der vorher streng sachliche (aber nie nüchterne) Stil des Buches etwas pointierter, durchaus mit hanseatisch unterkühltem und stellenweise bissigem Humor gewürzt. Das bleibt nun mal nicht aus beim "Nachdenken über Gott und Moral" (Titel des Kapitels 5) und den Merkwürdigkeiten, die dabei zum Vorschein kommen.

Erstaunlich, wie gründliches Nachdenken die Absurditäten der Glaubensinhalte und der "Heiligen Schrift" entlarven kann! Nein, es muss nicht einmal "gründlich" sein - so manche einfache "Zwischenfrage" leistet das schon (z. B.: "Ab wann eigentlich verfügte der aus dem Tierreich sich entwickelnde »ebenbildliche« Mensch über eine Seele?" oder "Wenn Gott uns wirklich etwas zu sagen hat, warum sagt er es uns nicht selbst? ... Warum bedarf es einer Priesterkaste?"). Vorausgesetzt, der Geist ist so frei von religiöser Beeinflussung geworden wie der des Autors.

Die Gehirnforschung legt ja die Deutung nahe, dass der Glaube an Gott der Schläfenlappen-Epilepsie verwandt ist und zu den Halluzinationen gehört. Der Glaube "kann Berge versetzen", spendet Trost und Halt, Hoffnung und Zuversicht, sorgt für Mitgefühl und Nächstenliebe (gelegentlich). Unbestritten. Er "wirkt", so wie die wirkstofflosen Substanzen der Homöopathie (manchmal). Ist Gott ein Placebo? Das wäre ja noch zu akzeptieren, gäbe es da nicht die ausführlich geschilderten "Risiken und Nebenwirkungen": Ausschaltung vernünftigen Denkens oder die Angst vor den angedrohten Höllenqualen. Also verzichten wir auf dieses "Medikament"! Verlieren wir damit eine Halt und Hoffnung spendende Lebensperspektive? Nein, der Autor lässt uns nicht frierend und unbehütet in einer kalten "gottlosen" Welt stehen, sondern er entwirft ein humanistisches Weltbild und eine allgültige (ohne Drohungen lebbare) Ethik. Nebenbei: "Glück" als Sinn des Lebens kommt im Christentum nicht vor, zumindest nicht im Diesseits - dies allein wäre schon ein Grund, nach besseren Alternativen zu suchen.

Noch ein letztes Zitat: "Der physische, psychische und moralische Zustand unserer Gesellschaft wäre mit Sicherheit weitaus befriedigender, wenn die in der Summe ungeheueren geistigen Anstrengungen unzähliger Theologen, das angebliche Wort Gottes, wie es in der Bibel niedergelegt ist, mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen, sich auf die Bewältigung konkreter, die Menschen tatsächlich bedrängender Probleme gerichtet hätten."

Und so könnte man weiter Satz für Satz aus dem Buch zitieren - Sätze, denen man nur voll zustimmen kann. Bis auf die Meinungen, die man nicht teilt (z. B. zur Willensfreiheit) - aber auch da fällt es der Rezensentin schwer, der glasklaren Argumentation zu widersprechen. Als Fazit wäre ein Satz von Prof. Harald Lesch angebracht: "Vernunft verwirrt Dogmatiker" - aber leider hatte er Unrecht. Denn sie erkennen sie nicht mal, wenn sie sie sehen.


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