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Rezensionen verfasst von
Mathematical Sociologist

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Statistik für die Sozialwissenschaften: Grundlagen, Methoden, Anwendungen
Statistik für die Sozialwissenschaften: Grundlagen, Methoden, Anwendungen
von Steffen-M. Kühnel
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,99

3 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schlimmer Fehler!, 27. September 2011
Eine solch harte Bewertung eines Buches bedarf eines sehr wichtigen Grundes. Dieser Grund ist jedoch bei dem vorliegenden Buch gegeben. Ich beziehe mich auf die 4. Auflage von 2007. Wenn es hier auf Amazon technisch möglich wäre, hätte ich natürlich 0 Sterne vergeben. Um es ganz deutlich zu sagen: Dieses Buch ist mit einem Fehler behaftet, welcher grundsätzlich an der wissenschaftlichen Befähigung der Autoren zweifeln lässt. Daher sollten Studenten diesem Buch kein Vertrauen schenken!

Es gibt zwei Arten von Fehlern. Eine Art von Fehlern sind solche, welche auf normale menschliche Schwächen zurückführbar sind (Verrechnen, Schreibfehler etc.). Die andere Art von Fehlern sind solche, welche auf Inkompetenz der Autoren in Bezug auf ein bestimmtes Gebiet zurückführbar sind. Diese Rezension zeigt einen Fehler dieser zweiten Art in diesem Buch auf.

Auf S. 114 ihres monumentalen Werkes lesen wir:

"Die Tatsache, dass jedem Ereignis ein Komplementärereignis zugeordnet
werden kann, gilt auch für das Universum: Das Gegenteil zum Universum, dem
sicheren Ereignis, ist die leere Menge, das unmögliche Ereignis."

Und nun künden Kühnel/Krebs (Fußnote Nr.3) von der (frohen?) Botschaft einer neuen "Entdeckung":

"Dabei ergibt sich folgendes mengentheoretisches Paradox: Die Schnittmenge
von Universum und leerer Menge ist eine leere Menge ("Omega" geschnitten "Leere Menge" = "Leere Menge"); die Vereinigungsmenge von Universum und leerer Menge entspricht dem Universum ("Omega" vereinigt "Leere Menge" = "Omega"). Daraus folgt, dass die leere Menge eine Teilmenge des Universums ist. Da jedoch Universum (also "Omega"; Anmerkung von mir) und leere Menge disjunkte Ereignisse sind, kann die leere Menge keine Teilmenge des Universums sein."

1. Es ist doch schon sehr verwunderlich, wenn eine solche "Entdeckung" einer Paradoxie der Mengenlehre in die Fußnote abgeschoben wird.

2. Es ist eine absolute Dreistigkeit nach der Verkündung dieser Paradoxie einfach weiterzumachen, als sei nichts geschehen. Sollte die Paradoxie wirklich wahr sein, dann wäre auch ihr Aufbau der Wahrscheinlichkeitstheorie nichtig! Das scheint die Autoren aber nicht im geringsten zu stören.

Das Problem ist wie folgt: Kühnel/Krebs behaupten mit ihrer Aussage die Widersprüchlichkeit der Mengenlehre z.B. nach Zermelo-Fraenkel (ZF). Denn in ZF kann genau das Gegenteil hergeleitet werden. Da Widersprüche innerhalb der Mathematik verboten sind, wäre mit der Herleitung dieser Paradoxie tatsächlich die Ungültigkeit der Mengenlehre zumindest nach ZF gezeigt. Gegen die vermeintliche Paradoxie von Kühnel/Krebs kann nun nicht die bewiesene Widerspruchsfreiheit von ZF ins Feld geführt werden, da uns dieses Ergebnis leider nicht zur Verfügung steht (die Widerspruchsfreiheit wurde bis heute nicht gezeigt). Dies ist aber auch gar nicht nötig! Denn Kühnel/Krebs haben ja die Behauptung(!) aufgestellt, dass sie ihre Paradoxie herleiten können. Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Kühnel/Krebs BEHAUPTEN lediglich, dass ihre Paradoxie hergeleitet werden kann. Aber behaupten kann jeder etwas. Und genau hier ist es mit ihrer Kritik an der Mengenlehre vorbei. Im gesamten Buch sucht der Leser vergeblich nach einem Beweis ihrer Behauptung. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass Kühnel/Krebs diesen Beweis niemals geführt haben.

Um meinen Standpunkt ganz klar darzulegen: Gegen Behauptungen ist gar nichts einzuwenden. Behauptungen werden in der Mathematik regelmäßig aufgestellt. Die wissenschaftliche Redlichkeit hört aber dort auf, wo Autoren solche nicht mehr als Behauptungen kennzeichnen. Kühnel/Krebs sprechen von einer "Tatsache" ("Dabei ergibt sich folgendes Paradox..."). Wohlgemerkt handelt es sich bei diesem Buch sogar um ein Lehrbuch, welches als Vorbild für Studenten dienen sollte. Daher wiegt die Vorgehensweise in diesem Fall natürlich noch schwerer.

Abschließende Bemerkungen:

Ich hoffe nicht, dass Kühnel/Krebs der Fehler unterlaufen ist die Menge Omega
mit der Potenzmenge von Omega zu verwechseln. Denn dies würde bedeuten,
dass sie die grundlegenden Konzepte der Wahrscheinlichkeitstheorie nicht verstanden hätten. Dies ist jedoch nicht vereinbar mit dem Vorhaben ein Lehrbuch
zu schreiben, welches auch die Wahrscheinlichkeitstheorie behandelt. Auch
wenn dies natürlich an die spezielle Zuhörerschaft angepasst werden muss, so
sollte es doch nicht solche grundlegenden Fehler enthalten.

Angenommen es gehe um den Münzwurf. Dann wäre "Omega" = {K,W} und die
Potenzmenge wäre "P(Omega)" = {{K, W},{K},{W},Leere Menge} . Wie man sieht enthält
die Potenzmenge von Omega sowohl die leere Menge als auch Omega selbst als
Elemente. Omega enthält die leere Menge jedoch nicht als Element. Vielleicht
ist das die Quelle des Fehlers?

Zum Abschluss sei noch bemerkt, dass Kühnel/Krebs insgesamt durch eine
nachlässige Redensart auffallen, welche leicht in antinomische Zustände führt.
So z.B. auf S. 112, wo sie sagen: Die Gesamtheit aller Ereignisse wird als
Universum bezeichnet und durch Omega... symbolisiert. Und auf S. 114 sagen sie
(siehe Zitat ganz oben), dass Omega selber ein Ereignis sei und zwar das sichere
Ereignis. Dies würde ja bedeuten, dass Omega sich selbst als Element enthält.
In keiner Mengentheorie wird dies zugelassen, da es zu Widersprüchen führt.
Die Gesamtheit aller Ereignisse bildet eine Sigma-Algebra über Omega, für die dann
spezielle Eigenschaften gelten, wie z.B. wenn S eine Sigma-Algebra ist, muss Omega element S gelten. Omega selber enthält alle ELEMENTARereignisse.

Fazit:

Die empirischen Sozialforscher sollten endlich aufhören über Dinge, wie z.B. Mathematik, zu reden von denen sie keine Ahnung haben. In ihrer selbstherrlichen Übersteigerung haben nicht wenige von ihnen damit begonnen andere Wissenschaftler in den Sozialwissenschaften dafür zu diskreditieren, dass sie nicht mathematisch arbeiten. Wohl dem der sich seiner Fähigkeiten bewusst ist und wehe dem der den anderen zu richten versucht. Auch hier gilt das Schriftwort aus Matthäus Kapitel 7 Verse 1-5:

"Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit demselben Maß, mit dem ihr [anderen] zumeßt, wird auch euch zugemessen werden. Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen! ' und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen!"
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2012 12:38 PM CET


Building Experiments: Testing Social Theory
Building Experiments: Testing Social Theory
von David Willer
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,64

5.0 von 5 Sternen Ein besonderes Methodenbuch!, 16. April 2009
Dieses Buch schließt eine Lücke in der Methodenliteratur, da es das Konzept der theoretisch angetriebenen Experimente erklärt, was in der sonstigen Standardliteratur der empirischen Sozialforschung und experimentellen Psychologie nicht geschieht. Das Buch ist am besten geeignet für Personen, die ein Methodenkurs wie z.B. "Grundlagen der empirischen Sozialforschung" besuchen oder schon besucht haben. Das Buch kann jedoch keine Methodenveranstaltung ersetzen. Es versteht sich selbst als ein Diskussionsbeitrag zu den methodischen Grundlagen der Sozialwissenschaften und hier vor allem der Soziologie und Sozialpsychologie. Das Buch ist in verständlichem Englisch geschrieben und das Schriftbild ist sehr gut. Der Preis der Taschenbuchausgabe ist
angemessen.


Sozialwissenschaftliche Handlungstheorien: Eine Einführung
Sozialwissenschaftliche Handlungstheorien: Eine Einführung
von Christian Etzrodt
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gutes Lehrbuch!, 13. April 2009
Das Ziel des Buches ist es in die mikroökonomischen und mikrosoziologischen Handlungstheorien einzuführen. Alle behandelten Theorien bauen auf dem Prinzip des Methodologischen Individualismus auf, d.h. alle sozialen Phänomene werden auf das Individuum als unterste Handlungseinheit zurückgeführt. Daher entfallen konsequenterweise alle Arten von Systemtheorien. Auf Parsons' Strukturell-funktionale Theorie wird nur insoweit eingegangen, als dass ihre handlungstheoretischen Grundlagen besprochen werden. Luhmanns Funktional-strukturelle Theorie wird nicht behandelt.

Zum Aufbau des Buches ist zu sagen, dass ein einheitlicher Aufbau bei allen Theorien durchgeführt wird:

1.1. Grundlagen der Theorie
1.1.1. Ausgangspunkt der Analyse
1.1.2. Annahmen über den Menschen
1.1.3. Annahmen über die Gesellschaft
1.1.4. Methodologie
1.2. Beschreibung/Erklärung der individuellen Entscheidung
1.2.1. Elemente der Entscheidung
1.2.2. Prozess der Entscheidung
1.2.3. Ergebnisermittlung in der Entscheidung
1.3. Beschreibung/Erklärung der Interaktion
1.3.1. Elemente der Interaktion
1.3.2. Prozess der Interaktion
1.3.3. Ergebnisermittlung in der Interaktion
1.4. Ort der Handlung
1.5. Kritik

Dieses Schema wird bei allen Theorien durchgehalten. Beim Lernen und schnellen Nachschlagen hilft dies ungemein. Es gibt weiterhin einen Anhang zur Ethnomethodologie und einen weiteren zu der Anomaliendiskussion in der EU-Theorie. Die Anomaliendiskussion ist besonders hervorzuheben, da hier die Ergebnisse von verschiedenen Experimenten aufbereitet und diskutiert werden, was als guter Ausgangspunkt für die eigene Recherche dient.

Ein weiterer Pluspunkt dieses Buches sind die Übungsaufgaben. Zu jeder Theorie werden am Ende des Kapitels bis zu 13 Übungsaufgaben präsentiert, welche eine große Hilfe sind sein eigenes Wissen zu überprüfen. Die Lösungen sind leider nicht im Buch enthalten, aber die Aufgaben sind so gestellt, dass die entsprechenden Textstellen zur Überprüfung der eigenen Lösungen nicht schwer zu finden sind. Deshalb und weil andere Lehrbücher in diesem Bereich teilweise überhaupt keine Übungsaufgaben enthalten, gebe ich keinen Stern Abzug.

Zu den mathematischen Formeln und Symbolen im Text ist zu sagen, dass der Autor die Formeln auch in normaler Sprache erklärt und ein grundlegendes Verständnis auch beim Überspringen der etwas formaleren Abschnitte möglich ist. Wenn ein tieferes Verständnis des mathematischen Apparats gewollt ist, muss auf ein mathematisches Lehrbuch der Ökonomie zurückgegriffen werden, z.B. für das Verständnis der Methode der Lagrange Multiplikatoren.

Grafische Darstellungen von Sachverhalten und Zusammenfassungen in Tabellen erleichtern das Verständnis erheblich, z.B. die Darstellung der Spieltheorie mit Hilfe von Spielbäumen. Das Schriftbild ist gut lesbar und das Buch lässt sich gut aufschlagen. Am Ende des Buches werden in einer Tabelle die zentralen Sachverhalte der Theorien zusammengefasst. So sind ganz schnell auf einen Blick alle Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten erkennbar.

Insgesamt das nach meiner Kenntnis bisher beste deutsche Lehrbuch zu diesem Gebiet!
Daher von mir fünf Sterne.


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