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Rezensionen verfasst von
Fantasy News "Darkstar" (Berlin)
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

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An den Feuern von Hastur: Ein Darkover Roman
An den Feuern von Hastur: Ein Darkover Roman
Preis: EUR 4,99

3.0 von 5 Sternen Rückkehr auf die Welt der blutroten Sonne, 31. Januar 2016
Vor Jahrhunderten hat sich ein terranisches Raumschiff in den Weiten des Alls verirrt und notlandete schließlich auf einem Planeten mit rauhem Klima, einer blutroten Sonne und vier Monden. Die Überlebenden tauften ihre neue Heimat Darkover, verbanden sich mit den einheimischen Rassen und gründeten eine neue Gesellschaft. Über die Epochen entstand eine mittelalterliche Kultur, deren adelige Herrscher Psi-Kräfte entwickelten – jegliche Erinnerung an ihre terranische Herkunft ging jedoch verloren.

Zu Beginn von “An den Feuern von Hastur” entdeckt ein Forschungsschiff des Terranischen Imperiums Darkover erneut. Während die Wissenschaftler und Raumfahrer auf einem der Monde ihre Basis aufschlagen, um von dort aus den Planeten zu untersuchen, ahnt eine junge Frau bereits, das eine fremde Macht aus den Sternen ihre Hände nach Darkover ausstreckt und das Schicksal ihrer Heimat für immer verändert: Leonie Hastur, 16 Jahre jung, schön, intelligent aber auch über die Maßen selbstbewusst und ehrgeizig verfügt über die stärksten Psi-Kräfte ihrer Generation.

Ein Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Kulturen – eine hochtechnisiert und sehr rational, eine andere mittelalterlich und intuitiv – scheint unvermeidlich.

“An den Feuern von Hastur” ist ein Darkover-Roman, auf dessen Cover neben Marion Zimmer Bradley auch Mercedes Lackey (“Heralds of Valdemar“) steht. Lackey, die zahlreiche ihrer frühen Kurzgeschichten an Zimmer Bradleys Anthologiereihe “Magische Geschichten” verkauft hatte, wurde seinerzeit von der Autorin und ihrem US-Verlag als “Erbin von Darkover” gehandelt, als jene Autorin, die den Staffelstab von Marion Zimmer Bradley übernehmen und neue Darkover-Romane schreiben sollte. Schlussendlich wich man von diesem Plan allerdings wieder ab, vermutlich, weil sich Lackey lieber auf ihre eigene, extrem populäre Romanreihe (“Heralds of Valdemar”) konzentrieren wollte.

“An den Feuern von Hastur” wirft also nicht nur Licht auf ein entscheidendes Kapitel in der Geschichte Darkovers, sondern vermittelut uns auch eine Ahnung dessen, wie die Saga heute aussehen würde, wenn Lackey sie fortgesetzt hätte. Und das macht die mittlerweile selbst zur Bestsellerkönigin avancierte Autorin auch gar nicht schlecht. Einige chronologische Ungereimtheiten zu den anderen Romanen fallen vermutlich nur Fans auf. Die Geschichte ist in sich schlüssig, und sowohl die Passagen, die aus Sicht der terranischen Wiederentdecker spielen als auch jene, die aus Sicht von Leonie Hastur geschildert werden, machen Spaß. Auch wenn man Leonie Hastur leider nur am Anfang ihrer Ausbildung als Bewahrerin begleitet und der Roman sich über ihre entscheidenden Ausbildungsjahre ausschweigt. Das ist schade, ebenso wie es schade ist, dass man das Annähern der terranischen Zivilisation und der darkovanischen Einwohner nur in ihrem Anfangsstadium erlebt. Hier weckt der Roman, der Darkovers Wiederentdeckung zum zentralen Thema hat, eindeutig mehr Erwartungen, als er schlussendlich erfüllt. Man erwartet von dem Buch etwas anderes, als es sein will.

Eignet sich der Roman zum Einstieg in den großartigen Science Fantasy-Zyklus? Eher nicht. Ich persönlich würde neugierigen Lesern empfehlen, mit “Herrin der Falken” oder u. U. auch “Das Zauberschwert” oder “Die zerbrochene Kette” zu beginnen.

“An den Feuern von Hastur” ist aber ein tolles Buch, um nach Jahren wieder mal nach Darkover zurückzukehren; um es neu zu entdecken. Es ist ein eher ruhiger Roman, trotz des zentralen Themas kein spannungsgeladener Pageturner. Vielmehr eignet er sich dazu, die Darkovanische Kultur etwas näher kennenzulernen. Und natürlich ist es ein aufschlussreicher Roman für all jene, die sich für die Jugend von Leonie Hastur interessieren – jener Bewahrerin, die in Darkover an sich und in “Der verbotene Turm” insbesondere eine so wichtige Rolle spielt.


Der Karussellkönig
Der Karussellkönig
von Fabienne Siegmund
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

4.0 von 5 Sternen Gegossen aus Mondlicht und Sehnsucht ..., 31. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Karussellkönig (Broschiert)
Da ist ein Karussel, gegossen aus Mondlicht und Sehnsucht, das am Rande unserer Wirklichkeit existiert und die Welt nur an drei Nächten im Monat berührt. Da ist ein Flötenspieler, dessen magisches Lied Kinder und Träumer gleichermaßen zu sich lockt. Da sind die Silbertiere des Karussells, die mehr sind als Blech und Stahl und Eisen. Und da ist Mina Drawen, die das Karussell findet, obwohl es sie nicht ruft. Sie will den Karussellkönig herausfordern, um ihre verschwundene Freundin zu retten ...

Die Inhaltsangaben zu Fabienne Siegmunds Erzählungen klingen immer poetisch-märchenhaft, und schon lange habe ich mir vorgenommen, etwas aus ihrer Feder zu lesen. Mit ihrem jüngsten Werk, "Der Karussellkönig", hat es endlich geklappt. Auf rund 100 Seiten erzählt sie eine lyrische Gesichte, die von magischen Momenten und geheimnisvollen Symbolen ebenso durchdrungen ist wie von großen Emotionen. In einem glühenden Vorwort vergleicht Christoph Marzi (Lycidas) die Geschichte mit Werken von C. S. Lewis, Astrid Lindgren und Peter S. Beagle. Nach Lesen des "Karussellkönigs" ahne ich, was er damit meint. Wie bei Beagle & Co. verbrämt Fabiene Siegmund ganz große Themen in ihrer poetischen Geschichte, deren symbolische Charaktere für sich stehen dürfen, etwas archaisch direktes und dennoch verzaubertes haben und in der es keine bis ins letzte Detail erklärte Antworten gibt, die die Erzählung zerfasern könnten. Wie Mina Darwen steht der Leser vor einer Spur aus Tränenscherben und Glasherzen, vor zerbrochenen Träumen und durchlebt mit ihr auch niedere, dunkle Stunden, die einem beim Lesen die Kehle zuschnüren.

Ich habe mich an Bücher aus meiner Kindheit zurückerinnert gefühlt. Die Bleistiftzeichnungen von Tatjana Kirsten, die sich fast auf jeder Seite finden, unterstützen diesen Eindruck noch. Wie die Zeichnungen fühlt sich die Atmosphäre des "Karussellkönigs" wie von scharfen Konturen gezeichnet an, auch wenn sie oft weich verblendet werden und an den Rändern verwischen.

Im "Karussellkönig" geht es um Angst und Traurigkeit ebenso wie um Hoffnung, um Helden - große und kleine und darum, füreinander da zu sein. Es ist keine Erzählung für Leser, die alles bis ins letzte Detail ausgeschmückt erzählt bekommen möchten, auch wenn Fabienne Siegmund ihrem Publikum am Ende keine Antworten schuldig bleibt. Es ist ein besonderes Buch, das eine kleine Geschichte erzählt, die emotional ganz groß ist. Und es ist ein Buch, das sowohl junge Leser als auch Erwachsene lesen können. Ein Buch, das anders ist. Und das hoffentlich viele Leser erreicht.


Zusammen werden wir leuchten
Zusammen werden wir leuchten
von Lisa Williamson
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Lockeres Transgender-Jugendbuch, dass sich nicht wie ein Problembuch liest, 2. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Zusammen werden wir leuchten (Broschiert)
Der 14jährige David ist anders als die meisten seiner Mitschüler. Das spürt sein Umfeld – und lässt es ihn spüren. In der Schule wird er offen gemobbt, seine Schwester will sich nicht mit ihm auf dem Pausenhof sehen lassen und seine Eltern haben sich emotional bereits darauf vorbereitet, dass sich ihr einziger Sohn bald als schwul outet.

Wie anders er ist, ahnen sie allerdings nicht. David ist nicht schwul, sondern transgender: ein Mädchen, das im Körper eines Jungen auf die Welt kam. Akribisch – und entsetzt – beobachtet David Woche für Woche, wie die Pubertät seinen Körper immer mehr in den eines Mannes verwandelt.

Sein Geheimnis kennen nur Essie und Felix, seine besten Freunde, die bedingungslos zu ihm halten. Doch dieses Jahr soll alles anders werden: David will seinen Eltern endlich reinen Wein einschenken. Doch das kostet verdammt viel Mut.

“Zusammen werden wir leuchten” ist aber nicht nur Davids Geschichte, sondern die von Leo, dem Neuen an der Schule, der ziemlich grimmig dreinblickt und sich sehr zurückzieht.

David und Leo könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein. Ersterer kommt aus einer idyllischen Mittelschicht-Familie wie aus dem Bilderbuch mit Haus, Hund und Vorgarten; Leo hingegen lebt mit seinen beiden Schwestern und seiner alleinerziehenden Mutter (die ihre Jobs fast ebenso schnell verliert wie ihre Männer) in einer heruntergekommenen Sozialwohnung.

Und doch ist da etwas, dass sie verbindet, dass sie aneinander anzieht wie das Licht die Motten. Ihr Kennenlernen, ihre sich zaghaft anbahnende Freundschaft ist es, durch die sich ihrer beider Leben schließlich zum Besseren wendet – auch wenn ein steiniger Weg vor beiden liegt. Ihre Geschichten werden in alternierenden Kapiteln erzählt.

Deshalb passt der deutsche Titel “Zusammen werden wir leuchten” auch so perfekt zum Buch. Im Original heißt der Roman “The Art of Being Normal”, also: “Die Kunst, normal zu sein”, ein mehrdeutiger, ebenfalls passender Titel.

Obwohl Lisa Williamson für ihren Roman ein sehr ernstes, wichtiges und immer noch oft totgeschwiegenes Thema gewählt hat und ich den Roman nicht durchlesen konnte, ohne hier und da ein paar Tränen zu verdrücken, liest sich “Zusammen werden wir leuchten” nicht wie ein klassisches “Problem-Buch”.

Das liegt sicher zum einen an Williamsons lockerem Schreibstil, der sich schnell und flüssig wegliest, als auch daran, dass David nie damit hadert, im falschen Körper geboren worden zu sein. Er macht sich Sorgen darum, wie sein Coming Out laufen wird und hat Angst vor der Reaktion der Menschen, die ihn lieben, aber er zweifelt nie daran, dass er ein Mädchen ist.

Ich hoffe deshalb, dass das Buch seinen Weg in die Hände – und Herzen – vieler Leser findet. Mit 382 Seiten ist es für eine Schullektüre vielleicht ein bisschen zu lang, aber in die Schulbibliotheken und öffentlichen Büchereien gehört das Buch auf jeden Fall.

“Zusammen werden wir leuchten” ist ein einfühlsames, packend geschriebenes Jugendbuch vor allem, aber nicht nur zum Thema Transgender und Anderssein. Wenn ihr euch jetzt unschlüssig seid, ob euch das interessiert, gebt dem Buch einfach eine Chance. Zusammen werden wir leuchten!


Nebelsilber
Nebelsilber
von Tanja Heitmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen Der Erl(en)könig im Spreewald, 30. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Nebelsilber (Gebundene Ausgabe)
twas Geheimnisvolles geht von dem von Nebel durchzogenen Spreewald aus. Das merkt die siebzehnjährige Edie sofort, als sie mit ihrem Vater in ein abgelegenes Waldhaus zieht, um dort ihre Wunden zu lecken. Denn Wasserruh ist ein Ort, an dem alte Sagen noch lebendig zu sein scheinen.

Die alte Rodriga, ihre sympathische Nachbarin, warnt sie vor dem Nebel, der seine nasskalte Finger nach unvorsichtigen Spaziergängern ausstreckt. Sie erzählt Edie vom andersweltlichen Erlenkönig und davon, dass er immer wieder Kinder in sein finsteres Reich lockt.

Und dann ist da noch das laute Schlagen eines Herzens, das niemand außer Edie zu hören vermag: ein Herzschlag, der sie lockt, der etwas in ihr zum Klingen bringt – und der sie zu Silas Sterner führt, einem jungen Mann, der vor zehn Jahren als kleines Kind spurlos in den Wäldern von Wasserruh verschwand.

Edie fühlt sich sofort stark von Silas angezogen. Aber nicht alle Bewohner von Wasserruh sind über dessen Rückkehr begeistert. Vor allem nicht, weil Silas sich weigert, über das zu sprechen, was ihm in den letzten zehn Jahren widerfahren ist. Selbst Rodriga hat Angst vor dem jungen Mann und beschwört Edie, vorsichtig zu sein. Denn die Schatten des Erlenkönigs scheinen an Silas zu haften. Ist der junge Mann Edies Schicksalsgefährte? Oder ihr Untergang?

Meine Meinung

Es ist vor allem das Setting, das “Nebelsilber” ausmacht: Tanja Heitmann hat ihren jüngsten Jugendroman im herbstlichen, nebeldurchzogenen Spreewald angesiedelt und spielt mit der Sage um den Erlkönig. Die von zahlreichen Wasserläufen durchzogene Landschaft, der bemooste Wald, die im Sternenlicht silbern glänzenden Erlenbäume – der Zauber der Umgebung wirkt nicht nur auf Edie, sondern auch auf den Leser und man bekommt richtig Lust, den Spreewald mal zur kalten Jahreszeit zu besuchen.

Eine andere Stärke des Romans sind die lebendig beschriebenen Figuren, mit denen die Autorin ihr Buch bevölkert: Neben Edie, Silas und Rodriga sind das Edies Freunde Marischka und Addo. Er ist ein für sein Alter eigentlich viel zu ernster Hochbegabter, sie eine durchgeknallte, lebensfrohe Tochter einer polnischen Einwandererfamilie, die mit ihren verrückten Einfällen das ansonsten ruhige Dorfleben gehörig aufmischt. Allesamt sind sie Sympathieträger, an deren Seite man die Geschichte gern verfolgt.

In der spielt – zumindest in den ersten beiden Dritteln – die Liebeskomponente eine größere Rolle als der Mythos, aber mir hat der Roman trotzdem Spaß gemacht. Ich mag es sehr gern, wenn deutschsprachige Autoren ihre Romane auch in hiesigen Gefilden ansiedeln und sich, anstatt die beliebten amerikanischen Muster zu bemühen, auf unsere eigenen Mythen und Sagen besinnen und diesen einen neuen Twist verleihen. Der Erlkönig ist zwar kein klassisch deutscher Mythos, sondern stammt eigentlich aus Dänemark, aber Goethe hat die Sagenfigur mit seinem Gedicht ja weltberühmt gemacht und die Verpflanzung in den Spreewald ist der Autorin hervorragend gelungen.

Stilistisch wurde der Roman für meinen Geschmack seiner geheimnisvollen Geschichte leider nicht hundertprozentig gerecht. Tanja Heitmann schreibt flüssig und nachvollziehbar. “Nebelsilber” hätte aber meiner Ansicht nach ein etwas märchenhafter, verspielterer oder verzauberter Stil gut getan.

Wer übrigens Angst hat, “Nebelsilber” sei der Auftakt einer Reihe, darf beruhigt sein. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Das heißt nicht, dass man die Handlung nicht fortsetzen könnte, es bleiben aber Ende des Buches keine Fragen offen.

Das Ende selbst war unerwartet. Das Buch wird auf den letzten Seiten sehr mythisch, was mir gut gefallen hat, und Tanja Heitmann konnte mich ein paar Mal aufs Glatteis führen und mit der Auflösung der Geschichte echt überraschen.

Insgesamt ist “Nebelsilber” für mich ein Buch für jugendliche Romantasy-Fans, die es auch mal etwas düsterer mögen. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist es die richtige Lektüre, um es sich daheim auf der Couch gemütlich zu machen und in die düstere Anderswelt des Spreewaldes abzutauchen.


Windfire
Windfire
von Lynn Raven
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solides Urban Fantasy Märchen, 25. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Windfire (Broschiert)
In der amerikanischen Glitzermetropole Las Vegas treffen sie aufeinander: die Windhexe Jessie, die zunächst nichts von dem magischen Erbe ahnt, das in ihr schlummert, und Shane, Sohn eines Dschinns und einer Sterblichen.

Während er in einem der dekadentesten Hotels der Stadt residiert, kann Jessie kaum die Miete für ihre winzige, heruntergekommene Wohnung aufbringen, die in einer heruntergekommenen Gegend liegt. Sie hat mehrere Jobs, weil sie für ihren kleinen, schwer kranken Bruder sorgen muss, dessen Arztrechnungen sie beinah erdrücken.

Und doch ist es Shane, der Jessies Hilfe braucht. Seine Brüder, die anderen Dschinns, sind wie vom Erdboden verschluckt, und ein geheimnisvoller Erpresser fordert von Shane, das er ihm “Das Herz des Simurgh” beschafft, ein geheimnisvolles Juwel, dass sich bis vor kurzem noch in Jessies Besitz befand. Inzwischen hat sie das Erbstück jedoch zum Pfandleiher gebracht, und der hat es weiter verscherbelt.

Als sich Shanes Suche nach dem “Herz” in eine verzweifelte Flucht verwandelt, wird Jessie in den ganzen Schlamassel mit hineingezogen. Und das, obwohl sie Shane zunächst nicht einmal sonderlich gut leiden kann. Je näher sie ihm kommt, desto mehr Funken fliegen zwischen den beiden, und während sie in Las Vegas und der alten Ruinenstadt Petra nach einem steinernen Herzen suchen, laufen die beiden unfreiwilligen Schicksalsgefährten Gefahr, ihre eigenen Herzen zu verlieren …

Der Dschinn und die Hexe

“Windfire” – bereits im Titel spiegeln sich die beiden Elemente wider, die das Leben von Shane und Jessie bestimmen. Er ist ein Dschinn und damit dem Element Feuer verschworen; sie ist eine Windhexe, auch wenn sie das erst im Verlauf des Romans entdeckt. Das Buch wird sowohl aus Shanes als auch aus Jessies Sicht geschrieben, wobei einige Kapitel auch Jessies verschollen geglaubter Familie gewidmet werden. Durch die alternierenden Kapitel wird die Handlung schnell voran getrieben.

Las Vegas erscheint im ersten Moment ein ungewöhnlicher Schauplatz für diese Urban Fantasy-Geschichte; das Setting verleiht dem Roman aber seinen ganz besonderen Flair und die nötige Würze. Gleiches gilt für die Wahl von Dschinns als wichtige Figuren, denn diese mythischen Gestalten bieten viel Potential und wirken noch lange nicht so abgenutzt wie das Standardrepertoire der Urban Fantasy (Vampire, Werwölfe, Elfen etc.). Schön auch, dass durch die Figuren aus Tausenduneine Nacht ein märchenhafter Flair das Buch durchzieht.

Die Liebesgeschichte zwischen Jessie und Shane funktioniert und gerade durch ihrer beiden komplizierten Familiengeschichten hat sich die Autorin auch noch Türen für eventuelle Fortsetzungen offen gelassen.

Klingt jetzt so, als wäre ich von “Windfire” hellauf begeistert? Das muss ich leider einschränken. Der Roman war solide und hat sich nett gelesen, aber irgendwie hat er mich auch kalt gelassen. Der Funke sprang einfach nicht über. Vielleicht liegt es daran, dass die Figuren und ihre Konstellation weniger originell waren als ihr Setting. Sie sind sympathisch, überrascht hat mich aber keine von ihnen über die kompletten 460 Seiten hinweg.

Deshalb gibt’s von mir heute durchschnittliche drei Sterne. Wenn ihr euch unsicher seid, ob das Buch etwas für euch ist, empfehle ich dringend einen Blick in die Leseprobe. Stilistisch merkt ihr gleich sehr gut, was euch erwartet, und wenn euch gefällt, was ihr lest, kommt ihr sicher auf eure Kosten.

Den Fairy Tale-Fantasy-Fans unter euch empfehle ich aber unbedingt den Roman “Der Spiegel von Feuer und Eis” der Autorin, der mich auf ganzer Linie überzeugt hat.


Uprooted
Uprooted
von Naomi Novik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,70

3.0 von 5 Sternen Stand alone Jugendfantasy mit Märchenflair - 3,5 Sterne, 23. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Uprooted (Gebundene Ausgabe)
No one went into the the wood and came out again.
At least not whole and themselves again.
Sometimes they came out blind and screaming.
Sometimes they came out twisted and so misshapen they couldn’t be recognized.
And worst of all: Sometimes they came out with their own faces
– but murder behind them, something gone dreadfully wrong within.

Agnieszka lebt in einem kleinen Dorf am Rand eines riesengroßen Waldes – eines verwunschenen Waldes, vor dem sich die Leute zu Recht fürchten. Jahr um Jahr versucht er, sich auszudehnen und den Menschen mehr Land abzutrotzten. Und die Gefahren, die zwischen den Baumstämmen lauern, sind ebenso unergründlich wie schrecklich.

Der Einzige, der gegen die Magie des Waldes etwas ausrichten kann, ist der Drache: ein mürrischer Zauberer, der in einem nahegelegenen Turm lebt und die Bewöhner der umliegenden Dörfer vor der verderbten Macht des Waldes schützt. Doch seine Hilfe hat einen Preis: Alle zehn Jahre kommt er in das Dorf und fordert ein junges Mädchen als Tribut.

Alle im Dorf wissen, dass die Wahl des Drachen in diesem Jahr auf Agnieszkas beste Freundin Kasia fallen wird – sie gilt als das schönste, strahlendste Mädchen ihrer Generation. Als der Drache deshalb statt ihrer Agnieszka erwählt, überrumpelt das alles.

Und als Agnieszka mit ihm geht, beginnt für sie ein Leben, das so ganz anders ist als alles, was sie sich je erhofft hat. Denn auch in Agnieszka schlummern magische Kräfte. Kräfte, die sie bereit ist zu nutzen, um ihre Lieben vor der Gefahr zu schützen, die unerbittlich vom Wald ausgeht …

“Uprooted” ist das erste Jugendbuch der US-Autorin Naomi Novik, die sich in den letzten Jahren mit ihrer phantastischen Alternativ-History-Reihe Die Feuerreiter seiner Majestät einen Namen gemacht hat – eine Reihe, mit der ich ehrlich gesagt nicht so recht warm geworden bin. Band 1 habe ich schließlich abgebrochen.

Aber ich war sehr gespannt, wie mir “Uprooted” gefallen würde, denn ich hatte hier und da gehört, dass der Roman sehr märchenhaft sei. Und tatsächlich kann ich das bestätigen. Auch wenn Novik hier kein klassisches Märchen adaptiert, so spinnt sie ihre Romanhandlung doch aus Motiven osteuropäischer Märchen. Das verleiht dem Buch einen eigenen, wunderschönen Charme. Ich bin gespannt, wie es sich auf der großen Leinwand schlägt, denn zumindest haben Warner Bros. die Rechte an einer Kinoverfilmung erworben und Ellen DeGenres möchte das Projekt produzieren.

Wer aufgrund des ursprünglichen Klappentextes befürchtet (oder hofft), es handele sich hier um eine “Die Schöne und das Biest”-Variante ist allerdings auf dem Holzweg. “Uprooted” ist ein klassisches Coming of Age-Märchen, in dessen Mittelpunkt ein Mädchen steht, in dem das Potential schlummert, eine große Zauberin zu werden. Sie hält sich nicht das ganze Buch über beim Drachen und im Turm auf, sondern erlebt ihre eigene Quest, die sie schließlich in die Reichshauptstadt an den Königshof führt, wo sie sich mit politischen Intrigen und einem drohenden Krieg auseinander setzen muss. Agnieszka selbst fand ich sehr sympathisch. Ein bisschen unsicher und ungeschickt, aber mutig und nicht auf den Mund gefallen. Sie spricht manchmal, bevor sie denkt, und sie macht Fehler, aber sie rappelt sich nach Tiefschlägen wieder auf. Zu Beginn erleben wir sie noch etwas unsicher, aber umso plastischer ist ihre Wandlung im Verlauf des Abenteuers.

Novik beschreibt zudem Agnieszkas Welt sehr greifbar: ein mittelalterliches Fantasy-Polen wie aus dem Märchenbuch. Auch die große Baba Yaga wird zumindest erwähnt und spielt in gewisser Weise eine Rolle in der Geschichte. Im Mittelteil gibt es zwar einige Längen, aber aufgrund des packenden Anfangs und des spannenden letzten Drittels kann ich darüber großzügig hinweg sehen. Zumindest ist “Uprooted” ein Buch, das mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

Wenn auch nicht ganz so stark wie etwa “Wildwood Dancing”, so dürften die Fans von Juliet Marilliers Jugendbüchern an “Uprooted” Gefallen finden!


Der Königsfluch (Die Rosenkriege)
Der Königsfluch (Die Rosenkriege)
von Philippa Gregory
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was, wenn die Linie der Tudors ausstirbt? (3,5 Sterne), 21. Dezember 2015
"Es gibt einen Fluch. Ich habe den Fluch ausgesprochen, zusammen mit meiner Mutter. Wer meine Brüder aus dem Tower holte und sie tötete, dessen Familie sollte dafür sterben. Was, wenn der Enkel des Mörders mein Junge ist? Was, wenn ich meinen eigenen Sohn verflucht habe?!"

Ich liebe die historischen Romane von Philippa Gregory. Mit “Die Schwester der Königin” hat sie mich damals echt vom Hocker gerissen. Einen Namen gemacht hat sie sich auch aufgrund ihrer Romane über die Rosenkriege, die sie aus weiblichem Blickwinkel betrachtet; die ersten Bände wurden als zehnteilige Mini-Serie unter dem Titel “The White Queen” verfilmt.

Mit “Der Königsfluch” verschmilzt sie nun ihre Rosenkrieg- und ihre Tudor-Reihe. Denn der neue Roman wird aus der Sicht von Margaret Pole erzählt, einer engen Vertrauten von Königin Katharina von Aragón und deckt zu einem Großteil die gleiche Zeitspanne ab wie “Die Schwester der Königin”. Nur, dass wir die Handlung diesmal nicht aus der Sicht einer Boleyn erzählt bekommen, sondern aus Sicht der gegnerischen Partei der Aragón-Anhänger.

Margaret, die Ich-Erzählerin des “Königsfluchs”, stammt aus der einst mächtigen Adelsfamilie der Plantagent, die jahrhundertelang über England regierten, ehe sie in den Rosenkriegen von den Tudors entthront wurden. Bereits als junge Frau hat Margaret ihre Verwandten, darunter ihren geliebten Bruder, sterben gesehen, hingerichtet vom König. Seither richtet sie ihr ganzes Streben darauf, ganz England zu demonstrieren, dass weder sie noch ihre Familie nach der Krone streben, sondern treue Untertanen des Königs sind. Zu ihrer Cousine Elizabeth, regierende Königin von England und Tochter von Elizabeth Woodville, der Königin der Weißen Rose, hat sie ein enges Verhältnis.

So erfährt sie von dieser auch von dem Fluch, die ihre Mutter und sie einst ausgesprochen haben. Um sich dafür zu rächen, dass ihre Brüder aus dem Tower of London entführt wurden, hat sie die Sippe jener Verbrecher verflucht. Aussterben soll diese. Jetzt fürchtet Elizabeth, dass sie mit dem Sohn der Frau verheiratet ist, die für die Schandtat von damals verantwortlich ist. Hat Elizabeth ihre eigenen Kinder verflucht?

In den folgenden Jahren muss Margaret noch oft an dieses Geständnis denken. Denn tatsächlich scheint das Haus Tudor unter keinem guten Stern zu stehen: Der Kronprinz Arthur stirbt und lässt seine junge Frau Katharina als Witwe zurück. Arthurs jüngerer Sohn Henry wird gekrönt und nimmt Katharina zu seiner Frau. Doch außer einem kränklichen Mädchen bringt Katharina nur Totgeburten zur Welt.

Über die Jahre hinweg verzweifelt Henry immer mehr über dieses Schicksal, seine Ungeduld verwandelt sich bald in Jähzorn und Wahnsinn. Entsetzt muss Margaret beobachten, wie ganz England unter den Launen des Königs leidet, wie er mit der katholischen Kirche bricht und schließlich seine Königin verstößt, um eine andere zu krönen: Anne Boleyn.

Wird ihr gelingen, dem König einen lebenden Erben zu schenken? Oder wird sich der Fluch auch als stärker erweisen?

Wer “Die Schwester der Königin” gelesen – oder im Geschichtsunterricht aufgepasst hat – weiß, wie diese Geschichte ausgeht. Das ist aber gar nicht schlimm, denn Philippa Gregorys Talent liegt ohnehin nicht darin, eine überraschende Wendung nach der anderen zu präsentieren, sondern vielmehr darin, mit viel Gespür und einer wirklich tollen Erzählstimme das mittelalterliche England der Tudor-Zeit wieder zum Leben zu erwecken.

Trotzdem leidet das Buch ein bisschen darunter, wenn man viele Handlungsverläufe bereits kennt. Ganz so stark wie “Die Schwester der Königin” oder “Die Königin der Weißen Rose” ist “Der Königsfluch” leider nicht, aber es macht trotzdem Spaß, das Buch zu lesen.

Ein Manko ist vielleicht, dass Margaret Pole zwar sehr nah am Geschehen ist, aber eher eine Beobachterin ist und nicht im Zentrum der dramatischen Ereignisse steht, die sich am Königshof abspielen. Das erste Drittel des immerhin ca 750 Seiten starken Romans, in dem Margaret zu Katharinas Vertrauter wird, und das letzte Drittel, in dem sie endlich den Mut fasst, gegen den Wahnsinn des Königs aufzubegehren, sind sehr spannend.

Wer noch nichts von Philippa Gregory gelesen hat, dem würde ich empfehlen, lieber mit einem ihrer zahlreichen anderen Romane anzufangen. Eher für Fans der Autorin. Wie mich.


Horrorstör: Thriller
Horrorstör: Thriller
von Grady Hendrix
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kurzweilig - nicht nur für regelmäßige Besucher schwedischer Möbelhäuser, 15. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Horrorstör: Thriller (Broschiert)
“Horrorstör” ist ebenso Horror wie Parodie – eine Spukhausgeschichte der etwas anderen Art, die sich klassischer Motive bedient, diese aber skurril inszeniert. Das spiegelt sich auch in der Aufmachung des Romans wieder: Das Buch selbst kommt rein optisch wie ein Möbelhaus-Katalog daher und schon allein das macht viel seines Charmes aus.

Hinzu kommt, dass sicher nahezu alle von uns schonmal im IKEA waren und dadurch die Atmosphäre des Romans gut auf uns wirken lassen können.

“Es ist nicht bloß ein Job. Es ist der Rest deines Lebens”

Hinzu kommt, dass die Protagonistin Amy echt sympathisch und realistisch daher kommt – wenn sie auch ihre Macken hat! Eigentlich mag sie ihren Job nicht besonders, aber sie ist dringend auf das Geld angewiesen, das sie hier verdient. Was eigentlich zu wenig ist, weshalb sie auch schon seit Tagen den gleichen Papp-Becher benutzt, weil sie sich damit gratis Kaffee nachfüllen lassen kann. Und sie weiß, dass sie ihre Arbeit nicht besonders pflichtbewusst erledigt, weshalb sie in ständiger Angst vor einer Kündigung lebt:

“Ihr einziges Ziel für heute – und für die nächsten paar Tage – bestand darin, um jeden Preis Basil aus dem Weg zu gehen. Solange er sie nicht sah, konnte er sie schließlich auch nicht feuern.”

Eine bestechende Logik – dumm nur, dass Fililalleiter Basil gleich mit Amy und weiteren Kollegen die Nachtschicht übernimmt. Dabei stellt Amy fest, dass er gar kein sooo schlechter Typ ist, wie sie zunächst dachte.

Ob freilich alle den Horrortrip im Möbelhaus überleben, das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Fest steht, dass Grady Hendrix eine witzige Idee hatte, die er ansprechend umgesetzt hat und die durch die geniale Aufmachung visuell noch einmal richtig stark aufgewertet wird.

“Horrorstör” bietet kurzweiliges Lesevergnügen – nicht nur für regelmäßige Besucher der schwedischen Möbelhauskette!


A Red-Rose Chain: An October Daye Novel
A Red-Rose Chain: An October Daye Novel
von Seanan McGuire
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,00

5.0 von 5 Sternen 4,5 Sterne - Tobys Geschichte geht auch nach THE WINTER LONG packend weiter!, 7. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nachdem die Ereignisse und Enthüllungen in “A Winter Long” Tobys Leben richtiggehend auf den Kopf gestellt haben, scheint für sie und Tybalt in “A Red-Rose Chain” endlich so etwas wie Ruhe einzukehren. Gar nicht gut, denn das bedeutet, dass sie sich mit den Plänen für die anstehende Hochzeit herumschlagen muss.

Und trotzdem wäre ihr das allemal lieber, als die Aufgabe, mit der Königin Arden sie betraut. Ausgerechnet Toby soll als Diplomatin in das benachbarte Königreich der Stille reisen, um innerhalb von drei Tagen einen drohenden Krieg zu verhindern: Denn dorthin hat sich Tobys alte Erzfeindin, die einstige Königin der Nebel geflüchtet.

Gemeinsam mit Tybalt, May, Quentin und dem Alchemisten Walther begibt sich Toby widerwillig in das benachbarte Königreich. Und schnell stellt sich heraus, dass sie somit genau dort ist, wo die Königin der Nebel sie haben will …

PACKENDES ABENTEUER FÜR TOBYS SCOOBY GANG

Nachdem in “The Winter Long” ein großer Storyarc, auf den Seanan McGuire unbemerkt bereits seit Band 1 hingearbeitet hatte, fulminant auf die Spitze getrieben wurde, war ich gespannt, wie sich “A Red-Rose Chain” schlagen würde. Immerhin mussten wir mit dem vorhergehenden Roman einige Dinge, von denen wir bisher fest überzeugt waren, zu unserem eigenen Erstaunen über Bord werfen. Insgeheim befürchtete ich, im neuen Roman würde uns eher eine gemächliche Geschichte erwarten im Stil von “A Local Habitation” (bzw. “Nebelbann“; Band 2) oder “Ashes of Honor” (Band 6) – meines Erachtens trotz einiger toller Szenen die beiden bisher schwächsten Bände der Reihe.

Umso überraschter war ich, wie rasant und spannend “A Red-Rose Chain” war. Ich konnte mich nur schwer vom Hörbuch losreissen, was freilich auch der hervorragenden Lesung von Mary Robinette Kowal zu verdanken sein könnte, die für mich inzwischen richtiggehend zu Toby geworden ist!

BLUT UND ROSEN

Und weil wir mit dem Kingdom of Silence unbekanntes Terrain betreten, lernen wir einige atemberaubende, magische Orte kennen, die Lunas Glasgarten oder dem Undinenreich im Golden Gate Park in nichts nachstehen: ein geheimnisvolles Reich der Rosen etwa, in dem Walthers Verwandte lebt, die etwas mit Luna gemeinsam hat. Überhaupt zieht sich das Motiv der Rosen – und das Motiv des Blutes – durch den ganzen Roman.

Was der Geschichte ebenfalls gut tut, ist die Gruppendynamik von Tobys “Scooby Gang” – schön insbesondere, dass May wieder einmal eine größere Rolle einnehmen darf. Im Verlauf des Abenteuers kommt es außerdem zu einem atemberaubenden Moment, als sich eine wohlbekannte Figur als transgender herausstellt. Und zwar völlig unerwartet und mit einer Selbstverständlichkeit, dass ich vor Seanan McGuire den Hut ziehen muss: very well done! Transgender Figuren sind eine Seltenheit in der Literatur, und entsprechend selten sind sie auch in der Phantastik zu finden. Umso positiver war ich überrascht, dass Seanan eine solche in die Reihe eingebaut hat – eine Figur, von der ich es nie, nie, niemals erwartet hätte!

Und ich bin richtig begeistert, dass auch nach neun Romanen dieser Urban Serie noch nicht die Luft ausgegangen ist.

So viele aufgegriffene Storyarcs sind noch unvollendet: das Verschwinden von August; die Luidaeg muss noch das Versprechen einlösen, dass sie den Selkies gegeben hat; was war wirklich Evening Winterroses Endgame und wer ist die alte Königin der Nebel eigentlich tatsächlich? Ich bin sicher, auf Toby und ihre Mutter wartet auch noch eine Auseinandersetzung; die Rückkehr von Oberon, Titania und Maeve könnte noch ausstehen und was geschah wirklich beim großen Erdbeben von San Francisco, dass ganz beiläufig in jedem Buch erwähnt wird … da kommt garantiert noch Gewaltiges auf uns zu!

So oder so: Bereits jetzt hat Seanan McGuire mit ihrer October Daye-Serie Gewaltiges geschaffen. Welt, Handlung und Charaktere machen süchtig und es ist eine Qual, immer ein Jahr auf einen neuen Roman zu warten. Umso besser, dass die Romane qualitativ so gut sind, dass man sie zwischendurch einfach wieder und wieder hören kann.


Tower of Thorns: A Blackthorn & Grim Novel
Tower of Thorns: A Blackthorn & Grim Novel
von Juliet Marillier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,24

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewoben aus Mythen und Märchenmotiven, 1. Dezember 2015
Irland im 9. Jahrhundert n. Chr.: eine Zeit, in der die Wesen der Anderswelt Kinder aus den Wiegen der Menschen stehlen und sie gegen Wechselbälger aus Moos und Stein austauschen; eine Zeit, in der Feenflüche Menschenjungen in Schwäne verwandeln können …

An der Grenze zweier Fürstentümer erhebt sich auf einer kleinen Insel der sagenumwobene Turm der Dornen. Darin eingeschlossen: eine geheimnisvolle Kreatur, deren Heulen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weit über das Land hallt und die Bewohner der Gegend quält. Niemand vermag den Turm zu betreten, denn eine unüberwindliche Hecke aus spitzen Dornen wehrt jeden Eindringling ab. Nur an Mittsommer, so will es der Volksmund, vermag eine Frau die Dornen zu durchschreiten.

Lady Geiléis, die Herrin über das Land, auf dem der Turm der Dornen steht, reist an den Hof von Prinz Oran, um diesen um Hilfe zu bitten. Sie selbst hat im vergangenen Jahr vergeblich versucht, den Fluch zu brechen und das Monster zu bannen. Orans Vertraute, die Heilerin Blackthorn, und ihr stiller Gefährte Grim, erklären sich bereit, Lady Geiléis zu helfen.

Gemeinsam mit der schönen Adeligen reisen sie zu deren Landsitz. Doch um den Fluch zu brechen, müssen sie ein Jahrhunderte altes Rätsel lösen, das ebenso verworren ist wie die Hecke der Dornen, die das Monster einschließt – oder schützt …

“Tower of Thorns” ist das zweite Abenteuer von Blackthorn und Grim – Juliet Marilliers ungewöhnlichem und unfreiwilligen Detektiv-Duo im mittelalterlichen Irland. Die Reihe spielt unbefähr zur gleichen Zeit wie Juliet Marilliers “Sevenwaters“-Reihe, Überschneidungen gibt es bisher aber leider keine. Ebenso wie “Dreamer’s Pool” ist “Tower of Thorns” in sich abgeschlossen und kann allein für sich stehend gelesen werden. Wenngleich natürlich die Geschichte von Blackthorn und Grim, den Protagonisten, fortgeschrieben wird.

Ging “Dreamer’s Pool” auf Blackthorns Vergangenheit ein, so verrät Juliet Marillier in “Tower of Thorns”, wie Grim zu dem schweigsamen, nachdenklichen Mann geworden ist, als den ihn Blackthorn kennenlernt. Auch ihm wurden vor vielen Jahren tiefe Wunden geschlagen, die noch nicht geheilt sind.

Ein bisschen schade ist es, dass der Roman nicht in Winterfalls spielt, jenem Ort, an dem Blackthorn und Grim auf Befehl eines undurchsichtigen Feenfürsten ihr Lager aufgeschlagen haben. “Dreamer’s Pool” hatte viel der mystischen Atmosphäre zu verdanken, die von der Waldhütte, dem magischen Teich und dem dichten Wald ausging. Die geheimnisvolle Geschichte des Dornenturms, die erst nach und nach gelüftet wird, trösten darüber aber gut hinweg. Über mehrere Kapitel erzählt Geiléis, einer Scheherazade gleich, die tragische Geschichte vom Turm der Dornen – ein eigener Handlungsstrang innerhalb dieses Romans, der ohnehin aus drei Perspektiven erzählt wird:

Zwei davon gehören natürlich wieder Blackthorn und Grim. Der dritte POV ist die geheimnisvolle Geiléis, hinter der mehr steckt, als sie gegenüber Blackthorn und Grim zunächst offenbart.

Anders als etwa “Tochter der Wälder”, “Wildwood Dancing” oder (zu einem bestimmten Grad) auch “Dreamer’s Pool” adaptiert “Tower of Thorns” kein einzelnes Volksmärchen. Wohl aber finden Motive keltischer Sagen und klassischer Märchen ihren Eingang in den Roman und werden zu einer dramatischen Geschichte verwoben, die durch und durch vom Charme der alten Erzählungen durchdrungen ist.

Wer “Dreamer’s Pool” mochte, dem wird auch “Tower of Thorns” gefallen.
Ich für meinen Teil freue mich bereits immens auf den nächsten Band, der für November 2016 bereits angekündigt ist.


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