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Rezensionen verfasst von
Alba

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Disconnected
Disconnected
Preis: EUR 18,73

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz in Grau, 19. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Disconnected (Audio CD)
Nomen est omen. Dies gilt sowohl für den Bandnamen Greymachine als auch für den Albumtitel Disconnected, und das Artwork des Covers entspricht ebenfalls diesem Eindruck.

Die Vorderseite des Covers zeigt ein unklares, verschwommenes Schwarzweiß-Foto in vornehmlich Grau- und Schwarztönen. Man sieht einen windschiefen Stacheldrahtzaun auf einem Feld und einen wolkenverhangenen Himmel (?).
Der Himmel ist grau, und das verheißt hier leider nichts Gutes. Beim Hören der Platte stellt sich bei mir persönlich kein Gefühl der Freude ein. Mehr noch, es ist extrem schwer für mich, ein halbwegs positives Verhältnis zu dieser Platte aufzubauen. Ich fühle mich tatsächlich disconnected, unverbunden, abgetrennt. Diese Platte eignet sich meiner Meinung nach nicht dazu, sich von ungeliebten Weichspülern oder von Hauptstrom lastigen Erzeugnissen abzugrenzen.

Wieder einmal bestätigt sich mir die Binsenweisheit, dass es ratsamer ist, vor dem Kauf zu prüfen, als auf eine Hörprobe zu verzichten. Die Namen J. K. Broadrick und Aron Turner (Isis) sollten nicht zu der Bequemlichkeit verleiten, die Platte ungehört zu erwerben.

What about the music? Sie erscheint mir wie übermäßig druckvolle Maschinengeräusche. Das ist ein unförmig fließender, breiter, grauer Strom. Das ähnelt einer kalten Wand aus Lärm und Krach, die kaum Form und Konturen aufweist und aus diesem Grund durch die Wörter Greymachine und Disconnected vollends charakterisiert wird.
Ich frage mich allen Ernstes: in welcher Verfassung muss man sich befinden, um so etwas zu kreieren? Wie muss ich drauf sein, um das zu mögen? Diese Musik bereitet Schmerzen, aber daraus erwächst für mich, zum jetzigen Zeitpunkt wenigstens, kein angenehmes, erhebendes oder reinigendes Gefühl, kein Trost, keine Katharsis und auch kein Interesse, eher schon Langeweile.
Hab ich bisher zu wenig oder Falsches gehört, um diese Platte zu verstehen? Das Prinzip Noise" als positive kreative Kraft ist mir durchaus bekannt. Vor einer halben Ewigkeit habe ich so unterschiedliche Bands wie die Neubauten, Sonic Youth oder My Bloody Valentine gesehen, gehört und geliebt. Diese Bands fand ich trotz des Lärms aber immer auch irgendwie interessant.

Greymachine kommt mir ein bisschen wie eine extreme, technisch vervollkommnete Variante der frühen Swans vor.Um es einmal positiv auszudrücken: Die Platte Disconnected ist für meinen Geschmack eine Nummer zu abgefahren. Ich bin dafür wahrscheinlich einfach noch nicht bereit, weshalb ich sie jetzt noch als zu formlos und undifferenziert beschreibe. Es liegt an mir, wenn ich vor allem den Eindruck eines mächtigen Lärmgewitters habe, bei dem auf tieftönige oder hell aufkreischende, sägende Gitarren unablässig eingeschlagen wird und der Gesang einem elektronisch verfremdeten, infernalischen Heulen gleicht. Dieses Prinzip wird besonders intensiv im zweiten Stück (Vultures descend") durchexerziert .
Vielleicht aber kommt man auch nur zu so einem Urteil, When attention just isn't enough" (= Stück Nr. 3). Dann fühlt man sich einfach nur Wasted" (= Stück Nr. 4).

Gerechterweise muss man jedoch zugeben, dass hier etwas in Reinheit, voller Überzeugung und Konsequenz durchgezogen wird. Weniger Wahnsinn und mehr Abwechslung könnten vielleicht mehr bewirken. In dieser geballten Form aber ist dies zu derbe Kost für meine geschundene Seele.


Armageddon
Armageddon

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Battlements, 17. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Armageddon (Audio CD)
Das Wichtige vorab: Die Platte ist bemerkenswert gut. Obwohl sie schon ziemlich alt ist, wirkt sie keineswegs verstaubt und bleibt hörenswert. Sie sollte in keiner gut sortierten Rock-Musik-Sammlung fehlen. Die Anschaffung ist mehr als lohnenswert.

Leider habe ich diese Band Mitte der 70er Jahre gar nicht zur Kenntnis genommen. Dies geschah erst viel später, als ich mich näher über das Ende von Steamhammer informieren wollte.

Armageddon ist die einzige Platte der gleichnamigen Band, bestehend aus Keith Relf, Martin Pugh, Louis Cennamo und Bobby Caldwell. Sie entstand im Jahre 1975. Bekanntlich starb kurz darauf, 1976, der Sänger Keith Relf durch einen Stromschlag beim Gitarre Spielen.

Sowohl die Band als auch die Platte blieben unterbewertet und sind heute vermutlich außer bei einem eher kleinen Kreis von Spezialisten fast vergessen. Zu Unrecht, denn die Platte enthält schöne Riffs und Melodien.

Pugh und Cennamo kannten sich von Steamhammer, hatten gemeinsam getourt und Speech herausgebracht. Auch Relf war ihnen dabei den Credits zufolge behilflich. Schon auf Speech lässt sich eine härtere Gangart und ein Stil festmachen, den man gerne als progressive Rock-Musik" (?) bezeichnet, abweichend vom Blues-Rock der vorausgehenden Steamhammer-Alben.

Relf spielte bei den Yardbirds ebenfalls eine Art Blues-Rock. Mit Renaissance folgt seine Abkehr in Richtung der ruhigeren Stile Folk und Klassik-Rock. Umso erstaunlicher ist seine Rückkehr zu einer härteren Gangart , zum Hard Rock von Armageddon. Wie und warum es zu dieser Rolle rückwärts" kam, das wird wohl eines der ungelösten Geheimnisse der Rock-Geschichte bleiben.

Cennamo zupfte sowohl bei Steamhammer als auch bei Renaissance den Bass, ist also eine Art Bindeglied.
Bobby Caldwell schließlich trommelte für Johnny Winter, hatte also ebenfalls einen vom Blues-Rock geprägten Hintergrund.

Armageddon - der Ort der letzten Schlacht, das ist ein seltsam martialischer Band-Name, der eher zu einer Metal Band passt. Vielleicht sollte man den Namen nicht überinterpretieren. Andererseits aber kann man diese Band auch als so etwas wie den letzten Versuch nach einer Reihe frustrierender Rückschläge sehen. Das letzte Gefecht auf dem Schlachtfeld popmusikalischer Eitelkeiten. Verkohlte Baumstämme ragen in den orangerot gefärbten Abendhimmel, und im Hintergrund steigen Rauchwolken auf. Auf dem Cover sehen wir vier Krieger auf einem zerstörten Schlachtfeld sitzen. Die alten Kumpane Cennamo und Relf, die sich mit Renaissance in ruhigere Gefielde der Pop-Musik begeben hatten, umrahmen ihre hardrockenden Mitstreiter Caldwell und Pugh.

Relf war sicher nicht nur vom langen Touren vor allem mit den Yardbirds gesundheitlich erschöpft, sondern wahrscheinlich auch enttäuscht über den ausbleibenden großen Erfolg. Erfolgreich waren andere, z.B. Clapton, Beck und Page, alles ehemalige Gitarristen der Yardbirds.

Den großen Erfolg konnte Relf zuvor leider auch mit Renaissance nicht genießen. Dazu hätte es eines längeren Atems bedurft. Mehr als nur ein Anreißen von Möglichkeiten wäre erforderlich gewesen. Schade, denn gerade diese Band hatte eine sehr interessante erste Platte herausgebracht, und auch der Nachfolger Illusion besitzt trotz personeller Schwierigkeiten und weitgehender Umbesetzungen schöne Momente.

Im Falle von Armageddon könnte man ebenso den Eindruck haben, dass Relf irgendwie fehl am Platze ist; denn die Band strebt insgesamt in Richtung Hard Rock, wohingegen Relf sich eher im Bereich Pop wohl zu fühlen scheint.

Louis Cennamo berichtet allerdings in einem Interview des Jahres 1994, dass die
Band auf Initiative von Keith Relf gegründet wurde. 1974 ging man nach Kalifornien, wo man mit Hilfe von Peter Frampton einen Plattenvertrag erhielt. Die Band hatte jedoch nur verhältnismäßig wenig Material. Hinzu kamen persönliche und gesundheitliche Aspekte. Laut Cennamo erschwerten vor allem Drogenprobleme das Proben und Zusammenarbeiten. Daher verschwand die Band bedauerlicherweise genau so schnell wie sie erschienen war. Man hätte ihr einen längeren Atem und mehr Glück gewünscht.

Wie bereits festgestellt, entstand die Platte unter widrigen Begleitumständen, mit begrenztem Material und in relativ kurzer Zeit.
Armageddon ist Hard-Rock, der seine Wurzeln, den Blues-Rock nicht leugnet. Diese Wurzeln zeigen sich zum Beispiel an den Stellen, wo die Blues Harp des Sängers Keith Relf zum Einsatz kommt, aber auch im Gitarrenspiel von Martin Pugh, trotz der zum Teil rasanten Geschwindigkeit.

Die Platte besteht aus lediglich fünf zumeist längeren Stücken. Trotz ausgedehnter Passagen und gelegentlicher Wiederholungen driften die Stücke aber nicht in Richtung Langeweile ab, sondern behalten einen gewissen Spannungsbogen.

Armageddon - das ist eine eher kleine, aber feine Band, die man gerne zu seinen Lieblingsplatten, zu seinen all time favorites" zählt.

Für mich persönlich ist Armageddon darüber hinaus auch so etwas wie das schlechte Gewissen von Steamhammer bezüglich der leider verunglückten letzten Platte Speech. Es ist der Versuch, etwas sich selbst und den Fans gegenüber gut zu machen: Seht, bzw. hört her, wir können es besser!

Yes, ladies and gentlemen, diese Platte ist richtig gut. Es lohnt sich auch, einmal einen Blick auf die Songtexte zu werfen. Mein Eindruck ist, dass die Band sich bemühte, gute Texte zu schreiben. Manches bleibt allerdings ein wenig klischeehaft. Zum Beispiel: Slither and slide, ready to hide deep down inside - waiting with pride" (Buzzard). Hier soll sich einfach nur etwas reimen.

1. Buzzard
Das Eingangsstück ist ein echter Kracher und erinnert stark an das Stück Battlements auf der Platte Speech. Battlements ist jedoch kurz und rein intrumental, Buzzard hingegen ist über acht Minuten lang. Wie Louis Cennamo in einem Interview 1994 darlegt, haben er und Martin Pugh auf Steamhammer-Elemente bei der Arbeit an Armageddon zurückgegriffen. Das wird hier besonders deutlich. Auch in diesem fetzigen Stück Hard-Rock holt die Blues Harp gegen Ende wieder einiges zurück zu den Wurzeln.

Der Text beschreibt zunächst das Jagdverhalten eines Adlers (?). Dieses Bild wird dann in die Welt des Zuhörers übertragen:
"Mit glänzenden Flügeln und mit scharfen Augen in der Höhe fliegend,
wartet der Adler darauf zuzuschlagen und den hilflosen Schrei zu hören.
In der Zwischenzeit, in dem Moment, in dem du nicht darauf gefasst bist, musst du noch einmal Brücken überqueren, die du schon überquert zu haben glaubtest."
Was hat aber die Eingangsbeschreibung mit dem Überqueren von Brücken zu tun? Es wird in dieser ersten Strophe auch nicht ganz klar, welche Stellung das angesprochene Du einnimmt. Ist es die des Gejagten?

In der zweiten Strophe wird das Jagdverhalten des Adlers näher beschrieben und mit einem Blitz verglichen, der dem Donner vorausgeht.
Rätselhaft erscheint mir dann wieder der folgende Satz: "But the meek will stand understanding nature."
Das schwache Beutetier wird unterliegen und dabei die Natur verstehen (?). Mit anderen Worten: es muss dem Gesetz des Stärkeren zufolge mit seinem Leben bezahlen. Der Text würde demnach vom Kampf ums Überleben und von einem Gesetz des Stärkeren handeln.
Insbesondere am Ende wird eine gewisse Todesnähe spürbar, was sich auch in der Wortwahl äußert: shadows, dark, depth.
Besonders deutlich aber wird die Todesbereitschaft in der Aufforderung "Enter my space to take my grace from me."

2. Siver tightrope
Dies ist eine circa achtminütige Ballade. Anfangs ein wenig glatt und gefällig, gewinnt das Stück jedoch zunehmend an Prägnanz und Schönheit. Der Text ist anspruchsvoll, scheint es sich doch um einen Bezug auf die Bibel zu handeln: das Band, das die Toten mit den Lebenden verbindet:
"Ich schließe meine Augen vor den weltlichen Himmeln.
Ich lasse den Tag hinter mir,
und tief in mir werde ich beginnen, meine Gedanken zu vertreiben.
Da mich geliebte Gedanken festhalten,
fließt ihre Stärke in mich hinein, um mich aus blindem Leid in die Ewigkeit zu werfen."
Das ist ein mystisch anmutender, meditativer Text, der mich an die Gedankenwelt von Gurus erinnert. Wie bereits in Buzzard so wird auch hier ein Gefühl der Weltflucht zelebriert.

3. Paths and planes and future gains
Ein irgendwie seltsamer Titel (Pfade, Ebenen und künftige Gewinne), aber immerhin reimt er sich. Außerdem rockt das Stück heftigst. Der geradlinige Rhythmus steht m.E. im Gegensatz zu dem eher bizarren, einem Traum ähnelnden Erleben einer Schlacht.
"Silberne Trompeten rufen,
künden von glänzender Rüstung,
so heller Rüstung, dass es selbst den Blinden blendet."

4. Last stand before
Dieses Stück erinnert mich musikalisch vor allem an Led Zeppelin. Der Titel hingegen scheint an die Schlachtbeschreibung aus dem vorhergehenden Song anzuknüpfen. Ich würde ihn daher mit einem letzten Gefecht vor dem Untergang übersetzen. Bei näherer Betrachtung scheint es hier jedoch um das Thema Drogen zu gehen.
In der ersten Strophe wird der Jumping Jack Flash der Rolling Stones zitiert, für den das Leben vor allem aus Drogen besteht und der hier daher in der Kritik steht ("in the pan"). Er ist stets in Eile ("took a look and ran"). Morgen wird er es (Drogen?) kaufen und in einer Dose verschließen.
In der zweiten Strophe folgt eine Anspielung auf die Beatles und ihren Song "Lucy's in the sky with diamonds", ein Titel, den man auch als Abkürzung für LSD lesen kann. Das Thema Kaufen" geht weiter und wird nun zu Lucy's Suche nach dem Dealer (trying to find her man) und zu einem Verkaufen von Ringen und anderen Dingen. Armageddons Lucy wäre sogar bereit, sich selbst zu verkaufen.
Auch in der dritten Strophe scheint es sich um eine Anspielung auf die Beatles und ihr Album Sgt. Pepper's zu handeln. "Henry`s eyes tell no lies" könnte sich auf "Henry the horse dances the waltz" beziehen.
Die Wörter "Henry" und "horse" standen im Slang für Heroin. Die dritte Strophe würde somit ebenfalls das Thema Drogen beschreiben: Man fühlt sich zunächst gut und frei von Ängsten, außer in der Dunkelheit.
Die vierte Strophe handelt von der Schwierigkeit der Drogenbeschaffung: Man ist stets in der Stadt unterwegs und immer auf den Beinen, muss jedoch einen Ort finden, um auszuruhen: "Gotta find a place to lay down from the night-time".
Im folgenden werden die Konsequenzen dargestellt. Das Leben erscheint hier als Abfolge von Kämpfen, die über Erschöpfung ("Gotta find a place to lay down ..."), Verlust ("Lost a friend, met his end, way before his time"), Gefahren der Abhängigkeit (tried it once, tried it twice, didn`t notice the signs"), Hilflosigkeit ("Oh Lord, do something") und Verzweiflung ("Sometimes I think you don't hear me calling ...") zum Untergang führen ("Feel like I'm gonna drown"; My brother's falling ... I'll join him in his last stand"). Das "Rock & Roll"-Leben ist gefährlich und kann das Leben kosten:
"Rock and roll, moving your soul, took a few as well
on the line, out of time, shooting stars that all fell."
Die letzte Strophe zieht schließlich eine Art Schlussfolgerung:
"Alle Fragen und alle Lügen werden bald zu deiner Überraschung beantwortet werden.
Alle Zweifel und alle Tränen werden über die Jahre hinweg zu Asche."
Damit wird noch einmal die Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles Seienden hervorgehoben.

5. Basking in the white of the midnight sun
Die Musik spannt den Bogen von Rock bis Blues. Der Text (Ein Bad im Weiß der Mitternachtssonne) ist ein Liebeslied, handelt vom Verlust der geliebten Frau und geht in Richtung Psychedelia und Hippie-Feeling:
"Ich sitze an einem verlassenen Strand
und halte in einer Hand den Schatten
einer geliebten Flamme, die ich einst mein nannte,
auf einem Flecken leuchtenden Sandes.
Ach, Prinzessin, musst du so deutlich sein?
Ich habe die Zeichen gelesen, die deinen Weg markieren.
[...]
Oh, Liebling, flieg nicht so bald davon.
Meine Liebe brennt so rot wie der Sommerhimmel im Juni.
Raum und Zeit sprechen die einzige Wahrheit,
[...]
Und wie man sagt, werden alle Dinge vergehen."
Wie schon zuvor so steht auch hier wieder am Ende der Gedanke der Vergänglichkeit.

6. Brother Ego
Dies ist die Fortsetzung von Basking in the white of the midnight sun, jedoch kein Liebeslied, sondern eher Bestandsaufnahme einer persönlichen Lebenskrise (?):
"Bruder Ego, du verbrennst deine Flügel wie die Motte, die immer wieder um die Flamme kreist,
und du fühlst den Schmerz.
[...]
Wie sehne ich mich nach dir, um dich zu wärmen an meiner Seele,
[...]
Aber statt dessen bin ich wieder in Schwierigkeiten.
Du stehst draußen genau neben mir in der Kälte.

Bruder Ego, du läufst im Kreise.
Warum kommst du nicht ins Haus, das stets hell erleuchtet ist?"

7. Basking in the white of the midnight sun (Reprise)
Nach dem Einschub Brother Ego wird noch einmal an das Liebeslied vom Anfang angeknüpft und der Verlust der Geliebten beklagt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Texte zeugen von dem Bemühen, etwas Bedeutendes zu schaffen. Einiges klingt dabei m.E. nach einem bereits enttäuschten Lebensgefühl der Sixties, nach Drogengenuss, erstrebter Bewusstseinserweiterung sowie meditativen oder persönlichen Erfahrungen. Brother Ego zeigt dies besonders deutlich. Das lyrische Ich (oder der Erzähler) spricht hier zu Brother Ego, also einem Teil von sich selbst, den es außerhalb von sich selbst wahrnimmt und (zu sich) zurückruft.
Wiederkehrende Themen dieser Platte sind vor allem Kampf und Untergang, Verlust und Vergänglichkeit. Dieser vom Inhalt her negativen Stimmung entspricht aber nicht eine ebensolche musikalische Tonlage. Die Musik klingt im Vergleich zu den Texten geradezu unbeschwert.
Die Texte und der Bandname passen zueinander. Das Ergebnis kann man als Konzeptalbum bezeichnen.
Trotz gewisser Einschränkungen bezüglich der Klarheit und Verständlichkeit, woran ein native speaker wahrscheinlich anders als ich gar nichts auszusetzen haben wird, halte ich Armageddon für eine bemerkenswerte Band, die eine erstaunlich gute Platte gemacht hat. Leider nur eine, und daher sollte sie nicht in Vergessenheit geraten.


Fashion Victim
Fashion Victim

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Larvae, was sonst?, 19. Oktober 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fashion Victim (Audio CD)
Im Jahre 2003 erschien auf dem Label Ad Noiseam die CD Fashion Victim von Larvae. Bisher verband ich diesen Namen lediglich mit Matthew Jeanes. Auf dieser Veröffentlichung werden aber des weiteren C. Burnett und B. Meng genannt, Namen, mit denen ich selbst zwar nichts, Kenner der Elektonik-Szene jedoch bestimmt etwas anfangen können.
Alle Stücke wurden von mjeanes geschrieben und produziert, das zweite unter wesentlicher Mitwirkung von Genetic.

Die Platte ist m. E. vom ersten bis zum letzten Ton gelungen und hörenswert. Sie bietet natürlich Rhythmus betonten, jedoch durchaus melodischen Drum & Bass, eingebettet in eher dunklen, aber nichtsdestoweniger interessanten Klanglandschaften. Das Tempo schwankt zwischen moderatem Midtempo und rasantem Alegro ma non troppo. Bisweilen knistert, rappelt und rumpelt es heftig in der Kiste. Das Ergebnis ist wirklich beachtlich gut, verbreitet beste Laune und Lust auf mehr.

Warum erst jetzt ein Hinweis auf eine CD aus dem Jahre 2003? Besser spät als gar nicht. Larvae hätte es verdient, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Vielleicht hat auch der eine oder andere Larvae vor kurzem auf dem Maschinenfest in Krefeld erlebt. Ich hatte leider nicht das Vergnügen. Dafür aber konnte ich tags zuvor dabei sein, als ein Verwandter im Geiste, nämlich Mick Harris bei einer sehr konzentrierten Laptop-Performance mit seinen Rhythmen und seinen tiefen Basslinien die Kulturfabrik bis ins Mark erschütterte.

Auch Larvae spielt wie Mick Harris keine herkömmlichen Instrumente mehr, sondern man komponiert und programmiert den Sound am Laptop. Ähnlich wie bei Scorn dreht sich alles um Rhythmik sowie um Bass und atmosphärische Klanglandschaften. Geräuschkulissen und Stimmen werden als Samples genutzt.
Die Musik klingt jedoch insgesamt weniger sperrig und leichter zugänglich.
Auf dem Titelstück Fashion Victim hört man Geigen ähnliche Klänge, die mir arabisch vorkommen.
Stück Nr. 4, I owe you, ist eine Perle, was Rhythmus und Melodie betrifft, und geht fast schon in Richtung Pop.
Als exemplarischen Anspieltipp möchte ich das Stück Nr. 5, Red Line Version hervorheben, das bereits in seiner ursprünglichen Fassung als Red Line im Jahre 2000 auf der wegweisenden CD Low End Recon erschienen ist, einem empfehlenswerten Sampler aus dem Hause Empty Light / Hed Nod / Hushush.
In Red Line Version kracht und rumpelt es besonders heftig. Man möchte meinen, das rockt. Darüber liegt ein seltsames, klirrendes Geräusch wie von Triangeln, was sehr schön anzuhören ist.
Das Angenehme an dieser Platte ist, dass bei aller Betriebsamkeit auch Raum und Zeit für einen Ruhepol bleibt wie zum Beispiel im Falle von Philistine. Die Schönheit und der Reiz dieses Stückes liegen in der ruhigen Gelassenheit, mit der dieser Track vor sich hin fließt. Gelungen ist auch der nahtlose Übergang in das folgende, wieder heftigere Stück, Unbranded.
Mein Gesamteindruck von dieser CD lautet daher: Steht wie eine Eins.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 17, 2010 3:47 PM MEST


Logghi Barogghi
Logghi Barogghi
Wird angeboten von Earache Records
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Barocke Orte, 4. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Logghi Barogghi (Audio CD)
Diese CD ist Scorns letzte Veröffentlichung auf dem Label Earache, das man eigentlich im Zusammenhang mit Grindcore, Death Metal und ähnlichen Hochgeschwindigkeitsdisziplinen kennt. Earache's Mosh Nummer 3 war übrigens Scum von Napalm Death. Umso erstaunlicher ist es, dass Logghi Barogghi rein gar nichts mit Metal zu tun hat und dennoch 1996 in einem solchen Umfeld erscheint.
Diese CD unterscheidet sich deutlich von ihren Vorgängern, also von Gyral, Ellipsis und Evanescence, die man als Triptychon Scornschen Wohlklangs bezeichnen könnte, der noch einmal 1999 auf Anamnesis, einer Zusammenstellung seltener Stücke (Rarities) der Jahre 1994 bis 1997 anklingt.
Logghi Barogghi aber ist alles andere als harmonisch. Von verschiedener Seite wurde immer wieder das Schwierige und Sperrige dieser Platte angesprochen, so auch in der Rezension von Matthew Jeanes (Larvae).

Schon das Cover, ein Foto von Anthony Burnham, macht es einem nicht leicht. Aber ich glaube, man muss es nur senkrecht halten. Dann könnte man einen männlichen Unterkörper erkennen, sowie dahinter einen weiteren Körper in gebückter Haltung, vielleicht auch ein Gesicht.

Allen Unkenrufen zum Trotz sollte man diese Platte nicht als schwierig oder unhörbar in der Versenkung verschwinden lassen. Vielmehr scheint es angebracht, sich Zeit für sie zu nehmen, um sie genügend oft und genau zu hören. Dann erschließt sich neben dem nervenden oder verstörenden Charakter durchaus auch ein gewisser Charme. Allerdings muss man immer wieder durch Dissonanzen hindurch. Was mich betrifft, so zähle ich mittlerweile Logghi Barogghi zu meinen Lieblingsplatten.

Das erste Stück, Look At That, lebt wie viele andere vor allem vom Rhythmus und nervt keineswegs. Es ist problemlos hörbar, zum Beispiel morgens früh, bei gymnastischen Lockerungsübungen oder aber bei nächtlichen Autofahrten. Ich würde sogar so weit gehen, ihm eine gewisse Ohrwurmqualität zuzusprechen. Daher steht es auf dieser CD durchaus an der richtigen Stelle.

Das zweite Stück, Do the Geek, hingegen nervt schon eher wegen dieser beklemmend depressiven, menschlichen Stimme, die wiederholt zu ertragen ist. Im Vordergrund wirkt der Schlagzeugrhythmus, im Hintergrund hört man leise hellen, synthetischen Keyboardklang. Beides befindet sich mit geringfügigen Variationen in einer Art Endlosschleife. Als weitere Tonspur, ebenfalls in einer Endlosschleife, ist so etwas wie eine bedrohliche, dunkle Klangwalze auszumachen. Das Stück endet mit einem angenehmen Halleffekt (¿Dub?).

Hat man die Hürde des zweiten Stückes genommen, so wird man mit The Next Days geradezu belohnt. Das ist der Knaller dieser Platte schlechthin. Je öfter ich das Stück höre, desto mehr entwickelt es sich für mich zu einem all time favourite.
The Next Days beginnt mit sphärischen Klängen, die Wind oder Sturm suggerieren. Dann setzt das Schlagzeug ein und rührt den Takt. Hinzukommt ein wundervoller subharmonischer Bass, der bei normaler Lautstärke kaum wahrnehmbar ist, aber dennoch für eine bedrohliche Stimmung sorgt, die immer wieder durch die bereits erwähnten hellen Keyboard- oder Synthesizersequenzen sowie durch das Geräusch eines herannahenden Sturmes durchschnitten wird. Des weiteren kann man bei genauem Hinhören in weiter Ferne leise so etwas wie Vogelgezwitscher vernehmen. Eine weitere Besonderheit ist, wie hier an einigen Stellen das Schlagzeug geradezu verhallt, bzw. der Takt zu entgleiten oder auszubrechen scheint.

Nun gut, derart gerüstet, schaffe ich es durch die schräge Vielfalt und das verstörende Etwas, das sich Spongie nennt. Aber um Himmels willen, was soll daran schwammartig oder porös sein? Ich muss eher an Baustellen denken, an das Errichten von Stahlkonstruktionen oder an Schweißerarbeiten.
Spongie beginnt mit einem Winseln oder Wimmern, das wie verfremdete Babyschreie anmutet oder aber an das Heulen der Wale erinnert. Dieser Gesang ist in einen blubbernden Keyboardbrei und einen präzisen Schlagzeugtakt eingebettet. Zu ihnen gesellt sich dann noch der gewohnt tiefe Bass. Wenn das Wimmern an sich schon bizarr ist, so wird dies noch durch Zweistimmigkeit gesteigert. Bemerkenswerte Details sind das perkussionsmäßige Zischen, Rascheln und Klappern sowie weitere Geräusche, die den industriellen Charme von Baustellen versprühen. Wirkungsvoll ist auch der verhallende Ausklang des Stückes.

Im Vergleich zu Spongie stellt Out Of die Steigerung eines negativen Gefühls dar. Das Stück macht einen sehr lauten und heftigen Eindruck. Es beginnt mit einer aggressiven Männerstimme, deren verzerrte Schreie noch einige Male sequenzartig wiederholt werden, aber für mich unverständlich bleiben. Auch der Rhythmus ist von einer geradezu verletzenden Schärfe und Härte. Außerdem hat man das Gefühl, als würde man Störgeräusche hören. Neben der Rhythmusspur gibt es eine weitere wiederholt eingeschobene Sequenz, die fast wie himmlische Harfen oder genauer gesagt wie Gitarren klingt.

It's On bedeutet Erholung, da hier auf Stimmen verzichtet wird. Druckvolles, staccatoartiges Schlagzeug, Bass und Keyboard- bzw. Synthesizerklänge sorgen für ein schön bedrohliches Ambiente.

Wer es bis hierhin geschafft hat, der lernt Mick Harris nun auf dem kürzesten Stück der Platte von einer ganz neuen Seite kennen, nämlich humorvoll. Das Titelstück ist aber nicht nur erstaunlich melodisch und am Ende durch den zweimal skandierten, an Fußballstadien erinnernden Schlachtruf Logghi Baroggi amüsant. Es ist auch leider nur eine knappe Minute lang, ansonsten wäre es durchaus tanzbar.

Black Box II kommt wie eine mächtige Walze daher und überzeugt durch ein tiefes, basslastiges Schaufeln, schrille Hammerschläge auf einen Amboss, helles Flirren und Klirren; eine Straßenbahn, die gerade um eine Kurve biegt; Schleif- und Spülgeräusche; ein zunächst leichter Wind, der zu einem heftigeren Sturm anwächst. Das alles wird von wundervoll hypnotischen Halleffekten zusammengehalten. Die Baustelle lebt.

Ähnliches gilt für Nut, das allerdings eine deutliche Spur lauter, etwas schneller und härter ist. Letzteres ergibt sich durch so etwas wie heftige Keyboardbreitseiten. Außerdem ist der Rhythmus weniger hypnotisch, dafür aber am Beat orientiert. Im Hintergrund sphärische Klänge sowie äolische Energie. Am Ende verhallt auch hier alles, jedoch anhaltender und ausufernder als davor in Black Box II.

A Mission verfügt abermals über diese gewisse hypnotische Wirkung und enthält wiederum eine verstörende Stimme, die ich leider nicht ganz verstehe. Ich höre so etwas wie write the spirit (?).
Das Stück hat einen klaren Schlagzeugrhythmus, einen Keyboard ähnlichen Klangteppich sowie ein seltsam in die Länge gezogenes, verzerrtes, metallisch klingendes Surren, wie man es vielleicht durch Betätigen einer elastischen Stahlfeder oder eines Plastikstabes erzeugen könnte.

Pithering Twat ist ein geniales Stück, in dem wie gehabt, jedoch mit sehr viel Gefühl und Verstand verschiedene Spuren übereinander gelegt, bzw. ineinander verschachtelt werden. Das Stück beginnt sehr leise und sehr dunkel, bevor der Schlagzeugrhythmus einsetzt und anschließend ein helles, flirrendes Geräusch im Hintergrund zu vernehmen ist. Ich höre wundervoll subharmonischen Bass, Schlagwerk mit fantastischen, ausufernden Halleffekten, ein kontinuierliches Hämmern, wiederum Flirren und Klirren im Hintergrund, Keyboardähnliches und Windmaschinengeräusche. Ganz großartig!

Auch Fumble vermag aus gleichem Grunde zu gefallen. Allerdings ertönt in diesem Stück neben angenehmen Orgelpassagen ein ständiges Wimmern oder Kreischen, das mich noch einmal ein wenig an das Heulen von Walen erinnert. Des weiteren kratzt es in diesem Stück wie auf einem schlecht eingestellten Radiosender. Fumble endet überraschend abrupt, als hätte man die Endlossequenz des Wimmerns übereilt abgeschnitten.

Ebenso unverhofft setzt Weakener mit dunklem Bass und sehr hellem, metallisch klingendem Schlagzeug ein. Noch etwas böser wird es dann aufgrund der eingeschobenen, verzerrten Stimme. Ähnlich wie im Titelstück ertönt auch hier ein kurzer Schlachtruf zum Wachrütteln, was man aber auch durchaus humorvoll aufnehmen kann. Darüber hinaus bietet Weakener eine hörbare Klaviersequenz, eine Art Vogelgezwitscher und eine wunderschön schwingende zweite Rhythmusspur neben dem hellen, metallischen Schlagzeug.

Das letzte Stück, Go, hört sich nach aufgebrachten, gequälten Menschenmassen an. Ähnlich wie in den vorhergehenden Stücken werden die Schreie verzerrt wiedergegeben und durch Hall verfremdet. Am Ende steht somit keine Beruhigung. Das würde auch verwundern.

Es ist gut, dass diese wundersame Platte auf Earache erschienen ist. Hier steht sie neben Metal-Antihelden wie Napalm Death, Morbid Angel, Carcass, oder Bolt Thrower, ohne direkte Berührungspunkte mit ihnen zu haben. Als Gemeinsamkeit aber könnte man eine ähnliche Kraft und Kompromisslosigkeit erkennen.

Je öfter ich Logghi Barogghi höre, desto mehr gerate ich in den Bann dieser großartigen Platte, die so voller Ecken und Kanten ist, an denen man sich stoßen kann, und die dem Hörer geradezu nahe legen, lieber die Finger, bzw. die Ohren davon zu lassen. Durch dieses Tor aber musst du hindurchgehen, dann gibt es kaum noch einen Grund sich abzuwenden.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 3, 2012 9:43 PM CET


Evanescence
Evanescence
Wird angeboten von Seven-Hills-Records
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dunkle Lichter, lichte Dunkelheit, 18. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Evanescence (Audio CD)
Der Rezensent Thilo Staab scheint Scorn mit der Metal-Band Evanescence zu verwechseln; denn der von ihm erwähnte Titel Fallen ist eine Platte von Evanescence und nicht von Scorn. Er spricht zwar von einem Fehler, macht aber nicht klar, worin dieser liegt.

Die Band Scorn gibt es schon ein wenig länger, und im Jahre 1994 erschien von ihr eine viel gelobte CD mit dem Titel Evanescence.

Eine sehr anschauliche Kritik über Scorns Evanescence schrieb der Rezensent Sukrow, Filmfreak aus Aachen. Da ich sie an dieser Stelle vermisse, möchte ich einige überzeugende Aussagen von Sukrow hier zitieren, in der Hoffnung, dass letzterer mir das nicht übel nimmt. Zum Beispiel bezeichnet er die CD zutreffend als das Gebetbuch des Ambient Dub, womit er nicht nur ausdrückt, dass es sich um eine schöne Veröffentlichung handelt, sondern ihre Bedeutung für das Genre unterstreicht.
Auch hebt er den Kern der Sache völlig richtig hervor mit seiner folgenden Beschreibung: Rhythmen, die monoton zwar, aber nicht langweilig sind. Düsternis als helle Freude.
Überzeugender kann man es wohl kaum auf den Punkt bringen.

Im Unterschied zu späteren Veröffentlichungen ab etwa Logghi Barogghi herrscht auf dieser CD noch ein ziemlich bewegtes Tempo vor. Auch wird zum Teil gesungen, oder gesprochene Passagen werden in den Sound eingefügt. Des weiteren ergänzen Mick Harris ein leibhaftiger Bassist, Nicholas James Bullen, ein Gitarrist, James Plotkin, und ein Digeridoo-Spieler, Nick Garnett. Die Rhythmen klingen nach echtem Schlagzeug, die Soundlandschaften sind nicht nur spannend bis bizarr, sondern auch durchaus melodisch.

Antony Burnham stellt noch einmal die Frage nach dem Genre: Wird hier Ambient Dub neu definiert? Meiner Meinung nach im Prinzip ja. Aber im Hinblick auf die weitere Entwicklung von Scorn sei dies eher eine Sackgasse. Denn nach dem Album Evanescence, das oft als eine Art Höhepunkt angesehen wird, verließ Nick Bullen die Band, und Mick Harris führte sie alleine in anderen, neuen Richtungen weiter.

Scorns Evanescence ist eine fesselnde Reise durch die Nacht, ein Werk, das in sich stimmig ist und dessen Wirkung vor allem auf dem Gesamteindruck beruht.
Wichtig ist dabei laut Antony Burnham das Stilmittel der Wiederholung und ein unerbittlicher Schwung (drive).


Stealth
Stealth
Preis: EUR 17,68

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durch Nacht und Wind, 15. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stealth (Audio CD)
Im Oktober 2007 erschien mit Hilfe der Labels Jarring Effects, Ad Noiseam und Ohm Resistance die CD Stealth von Scorn. Es war selbstverständlich, dass ich sie mir so schnell wie möglich bestellt habe, ohne auch nur einen einzigen Ton vorab gehört zu haben.

Zunächst möchte ich ein paar positive Dinge feststellen. Diese CD fällt durch eine einfache, aber schöne Gestaltung auf. Die Vorder- und Rückseite des Covers ziert jeweils ein Foto, das ein Feuchtbiotop zeigt: Man sieht Schilf, bzw. Röhricht am Ufer eines Gewässers. Klappt man das Cover auf, so entdeckt man auf braunem Untergrund zwei Fische, der eine am linken und der andere am rechten Rand aus dem Bild verschwindend.
Spätestens seit Zander weiß man ja, dass Mick Harris gerne Angeln geht. In diesem Zusammenhang sei auch auf die verspielte Beschriftung der CD selbst hingewiesen. Darauf lesen wir das Verbotsschild: Private waters. Trespassers will be prosecuted. Wir befinden uns also auf einem Privatgelände, auf dem nicht jeder Zutritt hat.

Wie auch schon in der Vergangenheit wird wichtigen Personen Dank gesagt. Diesmal richtet er sich unter anderem an Kurt (Gluck), der als Submerged oder Method of Defiance eine zum Teil vergleichbare Art elektronischer Musik macht, die meiner Meinung nach allerdings eine deutlichere Nähe zu Drum&Bass aufweist.

Bevor ich auf die einzelnen Stücke von Stealth eingehe, möchte ich meinen Gesamteindruck beschreiben: Es handelt sich nicht um schöne Musik, auf jeden Fall aber um schwere Kost, sperrige Sounds, die sich durch ein eher langsames Tempo und monotone, metallisch hart klingende Rhythmen charakterisieren lassen. Diese scheppernden Killer-Beats werden dem geneigten Hörer geradezu um die Ohren geschlagen. Wer soll damit niedergestreckt werden? Das ist kein Wohlklang und auch nicht sehr melodisch. Aber es ist durch und durch rhythmisch, wenn auch zum Teil monoton, und darin liegt die Kraft und Energie dieser Platte.

Wie kann man diese CD einordnen? Sie klingt natürlich anders als die frühen Veröffentlichungen, die zwischen Industrial, Dark Ambient und Dub angesiedelt waren.
Sie klingt aber auch anders als die Drum&Bass-Phase (Overload Lady, Shortcut to connect) oder der minimalistische Techno in der Zeit zwischen den Hednod Sessions und List of Takers.

Wie soll man diese Form elektronischer Musik bezeichnen? Vielleicht als downtempo rhytm and sound? Auch würde sich der bereits anderweitig vergebene Begriff illbient anbieten, weil diese Musik irgendwie kaputt und krank klingt, eine eher negative Kraft ausstrahlt und im Hinblick auf die Klanglandschaften an Ambient erinnert.

Wie bereits erwähnt, trägt die CD den Titel Stealth, was soviel wie Heimlichkeit oder auch Heimlichtuerei bedeutet. Wir hoffen, dass dies eher ironisch gemeint ist, da wir uns natürlich klare Positionen und Aussagen wünschen.

1) Stripped back hinge: Meine Güte, was für ein Titel aus dem Sprachgebrauch eines Heimwerkers! Da wird ein Scharnier, bzw. Drehgelenk zurückgezogen.
Der Opener kommt ziemlich laut und heftig, allerdings relativ schleppend daher. Mir gefällt mehr der Rhythmus im Hintergrund, dieses klappernde Geräusch, das sich so anhört, als würde man Holzstöcke auf- oder gegeneinander schlagen. Dadurch entsteht eine bedrohliche Klanglandschaft, die einen futuristischen Film zwischen Mad Max und Blade Runner untermalen könnte.
Was mir jedoch gar nicht gefällt, ist dieses wummernde Geräusch im Vordergrund, das vermutlich durch Knöpfchendrehen an einem Sampler entsteht.
Als Opener ist dieses Stück meiner Meinung nach ungeeignet, da es insgesamt durch das Dröhnen einen eher nervigen Eindruck hinterlässt. Es fehlen Hit- und Ohrwurmqualitäten, die man hingegen dem ersten Stück auf Logghi Barogghi gerne bescheinigt.

2) Rove: Umherziehen, schweifen, nicht genau wissen, wohin es gehen soll.
Das zweite Stück ist meines Erachtens weitaus eingängiger, weil gefälliger und weniger nervig als das erste. Ansprechend ist auch hier wieder vor allem das, was sich im Hintergrund abspielt. Sind das etwa Dub-Effekte, was mir daran so gut gefällt? Auch dieses Stück, das mich ein wenig an Gyral erinnert, hat Soundtrack-Qualitäten, und zwar mehr noch als der Opener.

3) Glugged: Das Oxford Advanced Learner's Dictionary gibt mir keine Auskunft über dieses Wort. Vielleicht handelt es sich um eine Wortschöpfung in Anspielung auf den Freund Kurt Gluck?
Auch hier liegt ein langsamer Rhythmus zugrunde, der wieder an die metallische Härte und Monotonie von Stripped back hinge anknüpft. Auch hier wieder fesselt mich das, was sich scheinbar unbemerkt, aber stetig aus dem Hintergrund nach vorne schiebt, ohne dort jemals ganz anzukommen. Dub-Effekte (?) sorgen für eine knisternde Spannung.

4) Running rig: Eine laufende Aufrüstung, bzw. Maschinerie.
Hier wird die Stimmung und Thematik der beiden vorigen Stücke weitergesponnen. Der Schlagzeugtakt ist wieder vordergründig metallisch hart. Interessant sind aber vor allem die eingestreuten perkussiven Splitter, die in einem weitaus schnelleren Tempo gespielt werden. Das Brummen ist hier verträglicher als beim Opener. In der Ferne sind außerdem orgelähnliche, synthetische Klänge zu vernehmen.

5) Snag: Ein unerwartetes Hindernis, eine verborgene Schwierigkeit.
Das Tempo wird wieder zurückgefahren. Dumpfe, brummende Geräusche werden mit orgelähnlichen Klängen gepaart. In den langsamen, scheppernden Beat werden schnellere Klopflaute eingefügt. Im Hintergrund baut sich eine Stimmung auf, die einen Sturm ankündigen könnte.

6) The palomar: Der Taubenschlag.
Das Tempo wird wieder etwas gesteigert und der Takt leicht variiert. Außerdem schiebt sich das dumpfe Dröhnen wieder in den Vordergrund, das vermutlich mit dem Gurren in einem Taubenschlag assoziert werden soll.

7) Enough to hold bottom: Hier scheint es wohl um die Bodenhaftung (?) zu gehen.
Der Sound kehrt zurück zur metallischen Härte sowie zum Krach von Sampler-Klängen, die an den Opener erinnern. Der Hörer wird erneut durch ein penetrantes Wabern, Wimmern und Wummern hindurchgeschickt. Wenn dies Bodenhaftung ist, so vermag sie mir nicht besonders zu gefallen. Das Stück klingt endzeitlich wie zur Untermalung einer Science Fiction Story. Es wirkt auf mich aber nicht nur monoton, sondern auch ein wenig langweilig. Dies kann auch der gefühlvolle Ausklang nicht mehr verhindern.

8) 1.75 tc
Die bereits erwähnte Endzeitstimmung und somit die Soundtrack-Qualität wird in einem sehr langsamen Downtempo-Beat fortgesetzt. Die Hinter-grundgeräusche klingen wieder schön bedrohlich und kreieren eine gewisse Spannung: Gefahr ist im Verzug.

Somit wird Mick Harris am Ende der Platte trotz einiger Einschränkungen wieder einmal seinem Ruf als Schöpfer fesselnder Beats und ebensolcher Soundlandschaften insgesamt gerecht.

Als Einstiegsdroge in die Musik von Scorn scheint mir Stealth allerdings nicht so sehr geeignet. Wer Mick Harris kennen lernen möchte, der sollte vielleicht zunächst ältere Veröffentlichungen wie Evanescence, Gyral oder Anamnesis aus der Dark-Ambient- und Dub-Phase hören oder aber auch vorzugsweise zu den Drum&Bass-Platten greifen.
Fans hingegen sollten sich die Mühe machen, Stealth mehrmals zu hören. Sie werden dann gewiss nicht nur den Eindruck von etwas Sperrigem haben, sondern viele kleine Schönheiten entdecken, die m. E. weniger in der Nutzung des Samplers, sondern vor allem in rhythmischen und perkussiven Details zu finden sind.

Trotz der erwähnten Abstriche ist Stealth ein Muss im Scorn-Universum und verdient vier von fünf Punkten auf der für Unbefugte nicht geeigneten Seltenheitsskala, die sich dem Mainstream entzieht und auf private waters konzentriert. Petri Heil.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 12, 2008 2:22 PM MEST


Equations Of Eternity
Equations Of Eternity

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gleichung mit Unbekannten, 1. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Equations Of Eternity (Audio CD)
Eraldo Bernocchi, Bill Laswell und Mick Harris veröffentlichten 1996 eine sehr schöne Platte auf dem Label Wordsound. Sie gaben ihr den gleichen gravitätischen Namen wie das Projekt, unter dem sie hier firmieren, also ins Deutsche übertragen: Gleichungen der Ewigkeit. Dies ist gewiss kein geringer Anspruch. Aber wer wie Bill Laswell den Einfluss der Sterne („interstellar influence“) heranzieht, ist für solche hohen Ziele prädestiniert.

Die Platte besteht aus neun, ungefähr gleich langen und ähnlich strukturierten Stücken, die bisweilen sogar recht „funky“ klingen. Am Anfang steht eine Art ritueller Gesang, der auch von Eingeboren stammen könnte. Seine Herkunft ist dem spärlichen Booklet leider nicht zu entnehmen. Dieser Gesang wird mit einem bedrohlich klingenden, dunklen Brummen (drones) unterlegt, an das sich sogleich ebenso dunkle Bassläufe anschließen, die in einen Sound aus Schlagzeug und elektronischen Klängen eingebettet sind, wobei die Musik in einem eher langsamen Tempo unermüdlich voranschreitet.

Abgesehen von den merkwürdigen Stimmen des Anfangs, die noch einmal in Stück 6 anklingen, gilt dieses Kompositionsmuster mit gewissen Nuancen und Besonderheiten insgesamt für alle Stücke der CD, deren Grundstimmung mit den Begriffen Dub und Dark Ambient zu umschreiben ist. In der Regel stehen Bass und / oder Schlagzeug im Vordergrund. Sie werden durch elektronische Geräusche ergänzt.und zusammengehalten.

Dem Booklet zufolge ist diese CD der Herkunft der drei Musiker entsprechend an drei unterschiedlichen Orten entstanden, nämlich in Mailand, Birmingham und New York, und zwar zwischen 1995 und 1996. Dies könnte unter Umständen auch bedeuten, dass die drei Musiker gar nicht gleichzeitig und an einem gemeinsamen Ort miteinander musizierten.

Den abrundenden Schliff soll die CD in Italien durch den Mix und die Produktionstätigkeit von Eraldo Bernocchi erhalten haben.

Was die Instrumente betrifft, so werden „electronics“, „treated guitars“, welche kaum als solche wahrzunehmen sind, „programming“ und „bass“ genannt. Das Schlagzeug kommt demnach ganz aus dem Computer.

Sowohl die einzelnen Titel der CD als auch die äußere Gestaltung machen auf mich einen geheimnisvollen Eindruck. Klarheit und Eindeutigkeit werden hier bewusst vermieden. Dies gilt bereits für das Cover, das auf schwarzem Untergrund eine Maske oder. einen Schädel darstellt sowie auf der Rückseite eine Teilansicht dieser Maske, bzw. dieses Schädels. Dies gilt ebenso für die innere Gestaltung des Booklet, in dem seltsame Sentenzen von Aleister Crowley in einem nicht minder seltsamen Englisch zitiert werden. Hinzukommen zwei weitere graphische Darstellungen, die ebenfalls mysteriös erscheinen oder zumindest durch ihre Form sowie mit Zahlen und Zeichen die Phantasie anregen. Des weiteren spielt die Darstellung auf der letzten Seite mit dem Stilmittel der optischen Täuschung.

Nichtsdestoweniger macht die Musik selbst auf mich einen sehr kompakten und äußerst gelungenen Eindruck, der aufgrund ihrer Vielschichtigkeit auch nach mehrmaligem Hören erhalten bleibt. Der eindringliche, fast rituelle Sound zieht den Hörer in den Bann eines „sacred system“ und will ihn nicht mehr loslassen. Erstaunlicherweise findet man diese CD nicht in deutschen Plattenläden.


Speech
Speech
Wird angeboten von numusi
Preis: EUR 11,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Speech Revisited", 16. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Speech (Audio CD)
Speech, die vierte und letzte, nach dem Tod des Schlagzeugers Michael Bradley, im Februar 1972 auf dem schönen Label Brain Metronome erschienene Platte von Steamhammer, soll Gegenstand dieser Betrachtungen sein.

Zugegeben, ich habe mir die Platte damals vor allem wegen des Covers, einer Mischung aus Dalí und Kubricks „2001 – Odysee im Weltraum“, gekauft.

Es war schwer und fast ein auswegloses Unterfangen, diese Platte im Gespräch mit Freunden zu verteidigen. Die drei Vorgängeralben von Steamhammer waren allesamt geniale Scheiben, eine besser als die andere, spitzenmäßig gute Musik. Blues-Rock war Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre einfach angesagt. Darüber hinaus haben Steamhammer in Deutschland viele glänzende Auftritte gehabt. Vielleicht hat man sie hier sogar mehr geliebt als in ihrer Heimat England.

Und dann erschien 1972 diese in mancherlei Hinsicht erstaunliche Platte „Speech“. Sie wurde dem vermutlich kurz nach den Aufnahmen verstorbenen Schlagzeuger Mick Bradley gewidmet. Als Verfasser der Lyrics erscheinen die mir unbekannten Namen Elizabeth Romilly und Karl Williams. Lead-Sänger ist leider nicht mehr Kieran White, sondern ein mir unbekannter Herr namens Garth Watt-Roy. Bei den Danksagungen erscheint unter anderem der Name des ehemaligen Yardbirds-Sängers Keith Relf. Auch am Bass gab es eine Umbesetzung. An die Stelle von Steve Davy war Louis Cennamo getreten.

Was war geschehen? Who knows?

Die Platte, bzw. CD besteht aus drei Stücken, die in Aufbau und Form sehr strukturiert wirken und sich den Anschein ernsthafter Kompositionen geben. Schon die Titel verbreiten eine eher gedrückte Stimmung.

„Penumbra“, ursprünglich die A-Seite der LP, gliedert sich in fünf Teile, die auf meiner CD leider nicht einzeln angewählt werden können. Um das Stück 1d) zu hören, muss ich mit 1a) beginnen, was man durchaus beanstanden kann. Denn „Penumbra“ beginnt mit einer eher nervigen Einleitung, „Entrance“ genannt. Dieses Eingangsstück besteht aus schräg klingenden Streichersätzen, die vermutlich nicht auf Geigeninstrumenten, sondern auf Bass und Gitarre gespielt wurden. Das ist keine leichte Kost und auch kein Wohlklang, zudem mit ca. drei Minuten etwas zu lang.

Dieses eher ärgerliche Intro geht nahtlos über in ein schnell und druckvoll heruntergedroschenes Gitarrengewitter, das trotzdem melodiös ist. Treffender Titel: „Battlements“. Besser hätte man es nicht bezeichnen können. Auf diese Schlacht, die den Hörer erwartungsvoll stimmt, folgt eine langsamere, getragenere „Passage to Remorse“. Tempo und Gesang geben dem im Titel genannten Gefühl der Reue bestens Ausdruck. Die gedrückte Stimmung wird durch Chorgesang im Hintergrund verstärkt. Das Tempo steigert sich jedoch im weiteren Verlauf. Auch das Zusammenspiel mit dem Schlagzeug, das einen Marschrhythmus vorgibt, und einem filigranen Bass kann überzeugen. Die Gitarre trägt die Melodie, dies allerdings mit dem Stilmittel der Wiederholung. Variation entsteht durch Verzerrung der Klangfarben oder Veränderung der Tonhöhe. Insgesamt vielleicht ein wenig zuviel des Guten. Mehr Abwechslung und weniger Monotonie wären durchaus wünschenswert gewesen.

Ein Paukenschlag leitet das beste und schönste Stück der Platte ein, im Grunde genommen das einzige, das ich hier mit dem Namen Steamhammer verbinden kann. „Sightless Substance“ setzt vom Titel her zwar die verkopfte Angehensweise fort, unterscheidet sich aber wesentlich vom Rest der Platte, weil hier unbeschwert krautiges Blues-Jazz-Rock-Feeling völlig entspannt zelebriert wird. Natürlich dominiert die Gitarre, aber sie harmoniert bestens mit Bass und Schlagzeug. Hier und nur in diesem Stück klingt die Band m.E. nach Steamhammer. Schade nur, dass die Stimme von Kieran White fehlt. Leider endet die A-Seite mit dem für meinen Geschmack enttäuschenden „Mortal thought“. Schöner Gesang zwar, aber das Stück wird geradezu zersägt von wiederholten, mit Bogen gestrichenen Bass-Attacken, die bereits nach wenigen Malen ein gewisses Verlangen nach Ruhe und Erholung auslösen.

Zusammenfassend: „Penumbra“ enthält einige schöne Passagen, hat jedoch keinen überzeugenden Anfang; gleiches gilt für das Ende.

Das nächste Stück, Telegram (Nature’s Mischief), das mit ca. 12 Minuten wahrscheinlich als Höhepunkt des Albums gedacht war, eröffnete die B-Seite der LP. Passend zum Titel kommt hier vor allem auch der Sänger zum Einsatz, verstärkt durch Chorgesang im Hintergrund. Der vermutlich problemorientierte Text (Nature’s Mischief) bleibt mir leider größtenteils verschlossen.

Das Stück selbst funktioniert nach dem Aufbauprinzip der Aufeinanderfolge von schnellen und langsamen, lauten und leisen Passagen. Hinzukommt etwa in der Mitte wieder ein getragener Marschrhythmus, der nach etwa 9 Minuten fast verstummt, um schließlich und unerwartet in das wilde Rock-Motiv des Anfangs umzuschlagen, bevor das Stück dann wiederum leise ausklingt - „slightly fading away“. Ende und Anfang entsprechen sich somit weitgehend.

Nicht schlecht und durchaus hörenswert. Dies ist jedoch kein Blues-Rock, wie man ihn von den vorherigen Platten kennt, sondern eher als „progressive Rockmusik“ zu bezeichnen.

„For against“ beginnt ebenfalls mit einem leisen Gitarren-Intro das sich schnell steigert und beschleunigt, um nach etwa 2 bis 3 Minuten in ein Schlagzeug-Solo überzuleiten, welches etwa 8 Minuten dauert und abrupt endet. Fast wie nachträglich zur Abrundung an das Ende gefügt, erklingen danach noch einmal zusammen in einem kurzen, das Intro aufgreifenden, abschließenden Thema Gitarre und Bass, ohne Schlagzeug.

Trotz einiger Ungereimtheiten und trotz des in gewisser Weise enttäuschenden Gefühls, dass sich hier innerhalb weniger Monate ein radikaler Bruch mit der früheren Spielweise vollzogen hat: dennoch 3 von 5 Punkten auf der Skala für Sammler und Hardcore-Fans. Um es mit einem der unvergessenen Steamhammer-Stücke auszudrücken: I wouldn’t have thought …


Speech
Speech
Preis: EUR 10,45

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "A certain Speech", 29. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Speech (Audio CD)
Speech, die vierte und letzte, nach dem Tod des Schlagzeugers Michael Bradley, im Februar 1972 auf dem schönen Label Brain Metronome erschienene Platte von Steamhammer, soll Gegenstand dieser Betrachtungen sein.

Zugegeben, ich habe mir die Platte damals vor allem wegen des Covers, einer Mischung aus Dalí und Kubricks '2001 ' Odyssee im Weltraum', gekauft. Es war schwer und fast ein auswegloses Unterfangen, diese Platte im Gespräch mit Freunden zu verteidigen. Die drei Vorgängeralben von Steamhammer waren allesamt geniale Scheiben, eine besser als die andere, spitzenmäßig gute Musik. Blues-Rock war Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre einfach angesagt. Darüber hinaus haben Steamhammer in Deutschland viele glänzende Auftritte gehabt. Vielleicht hat man sie hier sogar mehr geliebt als in ihrer Heimat England.

Und dann erschien 1972 diese unsägliche, in mancherlei Hinsicht enttäuschende Platte 'Speech'. Welch ein bedeutungsschwangerer Titel! Außerdem: Dedicated to Mick Bradley. Als Verfasser der Lyrics erscheinen die mir auch heute noch unbekannten Namen Elizabeth Romilly und Karl Williams. Geht es hier um anspruchsvolle Texte? Lead-Sänger ist leider nicht Kieran White, sondern ein mir unbekannter Herr namens Garth Watt-Roy. Was war geschehen? Waren da vielleicht schlechte Drogen im Spiel? Who knows?

Die Platte besteht aus drei Stücken, die in Aufbau und Form sehr strukturiert wirken und sich den Anschein ernsthafter Kompositionen geben. Das letzte Stück, 'For against' besteht größtenteils aus einem Schlagzeug-Solo.

Schon die Titel verbreiten eine negative Stimmung. Wer im Halbschatten steht oder lebt, dem fehlen zumindest zur Hälfte Licht und Sonne. 'Penumbra', die A-Seite der LP, gliedert sich in fünf Teile, die auf meiner CD leider nicht einzelnen ausgewählt werden können. Um das Stück 1d) zu hören, muss ich mit 1a) beginnen, was äußerst ärgerlich ist.

Denn 'Penumbra' beginnt mit einer eher nervigen Einleitung, 'Entrance' genannt. Dieses Eingangsstück belästigt den Hörer mit schrägen Streicherorgien, die vermutlich nicht auf Geigeninstrumenten, sondern auf Bass und Gitarre gespielt wurden. Kein Wohlklang und darüber hinaus auch nicht sonderlich interessant, zudem mit ca. drei Minuten zu lang.

Dieses eher ärgerliche Intro geht nahtlos über in ein schnell und druckvoll heruntergedroschenes Gitarrengewitter, das trotzdem melodiös ist. Treffender Titel: 'Battlements'. Besser hätte man es nicht bezeichnen können. Nach etwa zwei bis drei weiteren Minuten folgt auf diese Schlacht, die den Hörer erwartungsvoll stimmt, eine langsamere, getragenere 'Passage to Remorse'. Tempo und Gesang geben dem im Titel genannten Gefühl der Reue bestens Ausdruck. Die gedrückte Trauerstimmung wird durch Chorgesang im Hintergrund verstärkt. Das Tempo steigert sich jedoch im weiteren Verlauf. Auch das Zusammenspiel mit dem Schlagzeug, das einen Marschrhythmus vorgibt, und einem filigranen Bassgezupfe kann überzeugen. Die Gitarre trägt die Melodie, dies allerdings mit dem Stilmittel der Wiederholung. Variation entsteht durch Verzerrung der Klangfarben oder Veränderung der Tonhöhe. Insgesamt vielleicht ein wenig zuviel des Guten. Mehr Abwechslung und weniger Monotonie wären durchaus wünschenswert gewesen.

Ein Paukenschlag leitet das beste und schönste Stück der Platte ein, im Grunde genommen das einzige, das ich hier mit dem Namen Steamhammer verbinden kann. 'Sightless Substance' setzt vom Titel her zwar die verkopfte Angehensweise fort, unterscheidet sich aber wesentlich vom Rest der Platte, weil hier unbeschwert krautiges Blues-Jazz-Rock-Feeling völlig entspannt zelebriert wird. Natürlich dominiert die Gitarre, aber sie harmoniert bestens mit Bass und Schlagzeug. Hier und nur in diesem Stück klingt die Band m.E. nach Steamhammer. Schade nur, dass die Stimme von Kieran White fehlt. Leider endet die A-Seite mit dem für meinen Geschmack völlig enttäuschenden 'Mortal thought'. Schöner Gesang zwar, aber das Stück wird geradezu zersägt von unerträglich oft wiederholten, mit Bogen gestrichenen Bass-Attacken, die bereits nach wenigen Wiederholungen einfach ätzend klingen und ein unwiderstehliches Verlangen nach Ruhe und Erholung auslösen.

Zusammenfassend: 'Penumbra' enthält einige schöne Passagen, hat jedoch einen eher hässlichen Anfang und ein ebensolches Ende.

Die B-Seite beginnt mit Telegram (Nature's Mischief), das mit ca. 12 Minuten längste Stück, das wahrscheinlich als Höhepunkt der Platte gedacht war. Passend zum Titel entfaltet der Sänger ein umfangreiches Mitteilungsbedürfnis, wiederum verstärkt durch Chorstimmen im Hintergrund. Der vermutlich problemorientierte Text (Nature's Mischief) bleibt mir leider größtenteils verschlossen.

Das Stück selbst funktioniert nach dem Aufbauprinzip der Aufeinanderfolge von schnellen und langsamen, lauten und leisen Passagen. Hinzukommt etwa in der Mitte wieder ein getragener Marschrhythmus, der nach etwa 9 Minuten fast verstummt, um schließlich und unerwartet in das wilde Rock-Motiv des Anfangs umzuschlagen, bevor das Stück dann wiederum leise ausklingt - 'slightly fading away'. Ende und Anfang entsprechen sich somit weitgehend.

Nicht schlecht und durchaus hörenswert. Dies ist jedoch kein Blues-Rock, wie man ihn von den vorherigen Platten kennt, sondern vielleicht eher als 'progressive Rockmusik' (?) zu bezeichnen.

'For against' beginnt ebenfalls mit einem leisen Gitarren-Intro das sich schnell steigert und beschleunigt, um nach etwa 2 bis 3 Minuten in ein Schlagzeug-Solo überzuleiten, welches etwa 8 Minuten dauert und abrupt endet. Fast wie nachträglich zur Abrundung an das Ende gefügt, erklingen danach noch einmal zusammen in einem kurzen, das Intro aufgreifenden, abschließenden Thema Gitarre und Bass, ohne Schlagzeug.

Trotz einiger Ungereimtheiten und trotz des in gewisser Weise enttäuschenden Gefühls, dass sich hier innerhalb weniger Monate ein radikaler Bruch mit der früheren Spielweise vollzogen hat: dennoch 3 von 5 Punkten auf der Skala für Sammler und Hardcore-Fans. Um es mit einem der unvergessenen Steamhammer-Stücke auszudrücken: I wouldn't have thought '
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 13, 2013 2:20 PM MEST


Anamnesis: Rarities 1994-1997
Anamnesis: Rarities 1994-1997
Preis: EUR 20,05

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Albas Anamnese, 1. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Anamnesis: Rarities 1994-1997 (Audio CD)
Warum wird diese CD als "Anamnesis: Rarities 1994-97" aufgeführt? Auf meiner Ausgabe der CD steht an keiner Stelle das Wort "Rarities". Dieser Hinweis auf etwas Seltenes scheint erst nachträglich in der Besprechung der CD hinzugefügt worden zu sein.

Wie man von Scorn-Exegeten wie mjeanes oder Anthony Burnham erfahren kann, handelt es sich um Stücke aus den Jahren 1994 bis 1997, die wegen ihrer Verstreutheit und relativ schwierigen Verfügbarkeit noch einmal auf einer CD zusammengefasst und somit einem breiteren interessierten Publikum zugänglich gemacht wurden. Das ist lobenswert, handelt es sich doch um eine durchweg gelungene Zusammenstellung, die sich nicht nur als Collector's Item, sondern auch als Einstieg in die Musik von Scorn empfiehlt.

Neben einer gewissen Unverwechselbarkeit lassen sich von "Vae solis" bis zu dem genialen "List of takers" natürlich über die Jahre hinweg auch Entwicklungen und Veränderungen feststellen. Die erste Phase beinhaltet dabei die Loslösung vom Metal und Hinwendung zu Industrial, Dub und Ambient. Auch Anamnesis fällt in diese Zeit und ist vor allem von Dub und Ambient gekennzeichnet.

Wer Schlagzeug, tiefe Bassläufe, langsames, monotones, reiteratives Brummen sowie schräge industrielle Klänge und Soundlandschaften mag, ist mit dieser CD bestens bedient. Vielleicht wird er sie sogar lieben und zu den kostbaren Dingen zählen, die er auf eine einsame Insel mitnehmen würde.

Die weitere Entwicklung von Scorn ist m.E. noch stärker durch Experiment, Drum'n'Bass sowie minimalistischen, langsamen Techno gekennzeichnet. Als Bruchstelle, bzw. Ausgangspunkt würde ich dabei die zwar sperrige, aber dennoch interessante Veröffentlichung "Logghi Barogghi" bezeichnen.


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