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Rezensionen verfasst von
Alba

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Mc Solaar
Mc Solaar
Wird angeboten von mario-mariani
Preis: EUR 24,90

5.0 von 5 Sternen Funky rimeur, 19. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Mc Solaar (Audio CD)
"Comme chez Cousteau tout se passe en profondeur
La convoitise et l’envie sont les pires des erreurs." (Je me souviens)

Sieben Jahre nach dem Début “Qui sème le vent récolte le tempo“, erscheint 1998 die Platte MC Solaar, s/t.

Auch diesmal klingt französischer Hip-Hop aus der Feder von Claude MC funky, groovy und “très“ smooth. Der Künstler erfreut uns mit einem stilvollen Mix aus Hip-Hop-Beats, Jazz, Funk und Soul. Die Melodien und Rhythmen fließen angenehm harmonisch und abwechslungsreich. Nichts kommt mit der Brechstange.

Wieder werden in einem intelligenten Jargon der Jugendsprache Geschichten erzählt und Großstadt-Alltag treffend charakterisiert.

Der Opener enthält eine Vielzahl politischer Anspielungen und glänzt mit einem Ennio-Morricone-Sample aus „Once upon a time in the West“.
Mir kommt diese schlaglichtartige Aufzählung von Namen und Orten vor wie reißerisch präsentierte Nachrichten im Clip-Format. Onzième Commandement würde ich daher auch nicht als elftes Gebot verstehen, obwohl dies natürlich sprachlich gesehen verlockend ist.
Ich denke eher an so etwas wie ein Himmelfahrtskommando.

Meine persönlichen Highlights auf dieser Platte sind die Stücke 3 bis 6: La cinquième saison, Perfect, Les songes, La vie n’est qu’un moment.

Zu meinen Lieblingszeilen gehört unter anderem:

Gangster, non je n’ai pas le temps
Pour moi la vie n’est qu’un moment.

Dans la vie du rap, je suis le Claudimat.
Je représente la rime hexagonale
Populaire, littéraire, pur scandale.
J’aime leur style mais crée le mien
Et n’ai rien à voir avec le rap américain.
Et si les rimes t’arrivent comme un calmant
C’est que la vie n’est qu’un moment.

Schön, dass es Platten wie diese gibt. Wem die französische Sprache und insbesondere auch der geschickte Gebrauch derselben gefällt, dem ist MC Solaar uneingeschränkt zu empfehlen.


Qui Sème le Vent Récolte le Tempo
Qui Sème le Vent Récolte le Tempo
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 132,91

5.0 von 5 Sternen Claude MC s'installe, 19. Februar 2015
Wer den Wind sät, der wird Sturm (la tempête) ernten. So heißt es jedenfalls im Alten Testament. Und damit war nichts Gutes gemeint. Wer etwas Böses tat, dem sollte das heimgezahlt werden.
MC Solaar wandelt die ursprüngliche Bedeutung des strafenden Gottes für seine Zwecke ab, indem er la tempête im Sinne von Geschwindigkeit und Rhythmus als Ziel seiner Kunst hervorhebt:

Le silence est d’or, mais j’ai choisi la cadence …
Le tempo est roi dans l’ arène musicale …

Erstaunlicherweise erschien diese Platte schon im Jahre 1991. Ich höre sie nach wie vor gerne, obwohl ich mich eigentlich nicht für Rap und Hip-Hop interessiere.

Ich gebe zu, ich mag diese Platte auch vor allem, weil MC Solaar auf Französisch singt, bzw. rappt. Und das macht dieser „maître de la rime urbaine“ hier auf eine sehr coole, gekonnte Art und Weise.

Die Texte sind sprachlich ausgefeilt und glänzen mit überraschenden Bezügen und geistreichen Formulierungen.

Die Platte überzeugt mich aber auch, weil sie sehr viel Musikalität besitzt und nach all den Jahren keineswegs verstaubt klingt. Sicher liegt das an den abwechslungsreichen Melodien, Stilen und Rhythmen. Manches klingt nach Jazz, anderes eher nach Soul, Funk oder auch nach Raggamuffin. Auch Freunde der Bass-Musik kommen auf ihre Kosten.

Des weiteren versteht es MC Solaar, interessante Geschichten zu erzählen oder Dinge aus seinem Alltag treffend zu beschreiben. Dies natürlich wie es sich für einen Rapper gehört: selbstbewusst und alles andere als bescheiden.

Herausragende Beispiele für das Geschichtenerzählen sind:
Victime de la mode, Armand est mort, Caroline (mit der schönen Zeile “Je suis l’as de trèfle qui pique ton cœur“) oder Bouge de là.
Diese Stücke könnte man sogar in einem guten Französisch-Kurs ab dem 10. Jahrgang einsetzen.

Andere Lieder sind eher beschreibender Natur wie z.B. Matière grasse contre matière grise, L’histoire de l’art oder La musique adoucit les mœurs.

Wenn der Begriff „flow“ in Rap und Hip-Hop relevant sein soll, dann vor allem in diesen kleinen sprachlichen Kunstwerken, die mit einer erstaunlichen Leichtigkeit dahinfließen.
Im Unterschied zu manch anderem Hip-Hop fehlt hier auch das bloße Herausschreien von Kritik und Ablehnung.

MC Solaar spielt mit den musikalischen und rhythmischen Vorzügen seines Sprechgesangs. Seine Raps klingen in der Regel angenehm melodisch. Die aufgeregte Heftigkeit von Quartier Nord und Ragga Jam ist da fast schon eine Ausnahme.

Solaar de la rime, pas Solaar de la frime
Histoire de dire et de prouver que ce style extermine. (L’histoire de l’art)

Volle Punktzahl für den „maître du swing linguistique“ (A temps partiel).


Musikzimmer: Avantgarde und Alltag
Musikzimmer: Avantgarde und Alltag
von Diedrich Diederichsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "... inspiriert behämmert daherlabern", 3. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Den gelungenen und scharfsichtigen Ausführungen des Rezensenten „henningninneh“ ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Das 2005 erschienene Buch „Musikzimmer – Avantgarde und Alltag“ ist eine lesenswerte sowohl informative als auch unterhaltsame Sammlung von Zeitungskolumnen.

Wie „Sexbeat“ so enthält auch dieses Werk ein Vorwort, indem es um die Bedeutung und Funktion von Pop-Musik sowie um das Schreiben darüber geht.

Das Schreiben über Pop-Musik führt nach Diederichsen oft zum Behandeln von Kunst und Politik. Es soll reich an Voraussetzungen, komplex und seriös sein.
Es reiche nicht, lediglich locker oder heiter-ironisch über den eigenen Geschmack und persönliche Jugenderinnerungen zum Bespiel im Stile des Flaneurs zu berichten.
Der Popmusik-Kritiker soll ein professioneller Rezipient sein (S. 14); er müsse, beobachten, beurteilen und vor allem bezeugen.
Ob ein Werk gelungen ist, hänge auch von der sozialen Welt ab, die es mit hervorbringt (S. 13). Wichtig sei die „qualifizierte soziale Rezeption“ (S. 13).
„Pop-Musik will in die Welt getragen und angewandt werden“ (S. 13). Die Aufgabe der Rezipienten besteht darin, ihren verbesserten Alltag, das schönere Leben, zu zeigen (S. 13).
Der Kritiker muss zwar einerseits die Rezeption von außen mit bewerten. Andererseits ist er aber auch Teil der Rezeption, indem er mit seinem Rezeptionserlebnis beispielhaft vorangeht (S. 14).

Gute Pop-Musik habe früher das Versprechen einer besseren Welt beinhaltet (S. 18). Heute hingegen könne Popmusik nichts mehr versprechen. Daher beschäftigt sich Diederichsen in diesem Werk vor allem mit Avantgarde, die den Vorteil habe, weniger langweilig zu sein als Popmusik, die nichts mehr versprechen kann (S. 20). Der Reiz der Avantgarde liegt laut Diederichsen in der „Kraft der Unterbrechung“ des Alltagsbewusstseins (S. 21).

Im Vergleich zu „Sexbeat“ ist das Vorwort von „Musikzimmer“ für mich zugänglicher und besser verständlich. Gleiches gilt auch für die Kolumnen selbst, trotz der oft sehr speziellen Thematik. Dies liegt auch daran, dass es sich um Texte handelt, die zunächst in einer Tageszeitung erschienen sind und somit einem gewissen Zwang zur Verständlichkeit unterlagen. Dem Ideal des Voraussetzungsreichtums werden durch das Medium Grenzen gesetzt.

Wie der Untertitel nahelegt, handeln diese Kolumnen nur am Rande von Pop-Musik. Viel häufiger ist von abseitigen Gebieten wie der Neuen Musik und dem (Free) Jazz die Rede, womit sich der Mainstream des durchschnittlichen Musikkonsumenten, Radiohörers und Konzertgängers wahrscheinlich eher selten beschäftigt.

Nichtsdestoweniger erfährt man in diesem überschaubaren Werk sehr viel Interessantes und Wissenswertes über mehr oder weniger ausgefallene Themen und Gebiete der Musik. Darin liegt für mich der besondere Reiz dieser Textsammlung.


Sexbeat
Sexbeat
von Diedrich Diederichsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Im Namen von Bohemia, 22. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sexbeat (Taschenbuch)
Kürzlich hörte ich einen Bericht über die neue Platte von Jan Delay, die angeblich eher eine Rock-Platte sein soll. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob und wie man Pop und Rock eindeutig voneinander trennen soll. Vielleicht ist es eine Frage der Haltung und Einstellung.

In seinem Buch Sexbeat aus dem Jahre 1985 setzt Diedrich Diederichsen das Gegensatzpaar Rock aus LA versus Pop aus London. Des weiteren gilt für ihn, vereinfacht gesagt: Rock ist eher dumpf, und Pop ist smart, obwohl doch gerade eine Punkrock-Band, nämlich der Gun Club, für ihn ein Schlüsselerlebnis darstellte. In dem Stück Sexbeat, das diesem Buch den Namen gab, singt Jeffrey Lee Pierce die schöne Zeile: We can f**** forever, but you will never get my soul.

Man redet ja zur Zeit wieder gerne über Pop-Musik und Pop-Theorie. Dem Wort Theorie entnehme ich: das muss wohl wichtig sein. Auch ich bin im Diederichsen-Fieber, lese allerdings erst einmal ein älteres Buch, Sexbeat, in der Neuausgabe aus dem Jahre 2002. Schon in der Einleitung, in der Diederichsen ausführt, eine Gegenposition zu seinen Gedanken um 1985 darzulegen, muss ich an vielen Stellen Fragezeichen setzen, da sich mir der Sinn nicht immer erschließt. Das liegt übrigens nicht so sehr am verschachtelten Satzbau. Meiner Meinung nach liegt das eher daran, dass einiges als bekannt vorausgesetzt wird, statt es dem Leser nahezubringen.

Die überzeugendsten und interessantesten Stellen des Buches sind für mich nicht diejenigen, wo akademisch theoretisiert wird, sondern die eher persönlich gefärbten, mit Leben gefüllten Darstellungen und sei es auch nur die Anteilnahme am HSV, der damals anders als heute ziemlich erfolgreich war. Das Theoretisieren halte ich angesichts des Gegenstandes, also der Pop-Kultur, die ich zu den schönen Nebensächlichkeiten zähle, für eher unangemessen. Ein Beispiel: Auf Seite 102 spricht der Autor im Zusammenhang mit der Pop-Kultur der 80er Jahre von der “offiziellen (Pop-) Geschichtsschreibung“. Die Jugendlichen, die sich über Äußerlichkeiten, wie Kleidung, Mode, Haarschnitt unterhalten, bzw. definieren, führen darüber einen “Diskurs“, die Beschäftigung mit Pop-Musik wird zu einer diskursiven Tätigkeit. Die bevorzugte Musik ist “referentiell“, also “Zitat-Pop“. Sie ist “so extrem referentiell … dass sie analog zur Sprache funktioniert.“ Was will der Autor damit sagen? Sprache funktioniert innerhalb einer Gemeinschaft, weil es eine Übereinkunft hinsichtlich eines Zeichensystems gibt. Gerne spricht der Autor auch von dem Kriterium der “Historizität“.

Zu meinen Lieblingsstellen gehören die Ausführungen zur “proletarischen Mode“: Zum Beispiel: „Je gefährdeter der Hauptschulabschluss, desto Princeton und Harvard das Sweatshirt.“ (S. 103)
Im Zusammenhang mit einer sogenannten “proletarischen Pop-Kultur“, die sich in der Kleidung im Tragen von Universitäts-Sweatshirts, in der Musik im Bevorzugen von Heavy Metal und in der Literatur in der Vorliebe für Perry Rhodan äußere, wird noch einmal die Sprachwissenschaft in Form von Saussure bemüht: Querverbindungen seien wichtiger als Inhalte (S. 103). Ähnlich erhält die sprachliche Form erst dadurch Bedeutung, dass sie in Beziehung zu anderen Formen steht.

Wie bereits oben erwähnt, werden manche Dinge in dem Buch Sexbeat meiner Meinung nach nicht hinreichend erklärt, sondern als bekannt vorausgesetzt oder in einem komplizierten Sprachgebrauch beschrieben.
Um es mit Saussure auszudrücken: die Schwierigkeiten des Textverständnisses liegen auf der Bedeutungsebene. Diederichsen neigt außerdem dazu, in seiner akademischen Ausdrucksweise Begriffe unterschiedlicher Wissenschaften zu vermischen, wobei er die Bereiche Philosophie, Soziologie und Kunst besonders schätzt. Wie er im Nachwort betont, spricht er “mit den Stimmen und Argumenten verschiedener … geschätzter Schulen“. Ein umfangreiches “name dropping“ ist eine natürliche Folge. Hut ab vor so viel Belesenheit.
Das alles macht die Lektüre nicht unbedingt zu einem angenehmen Zeitvertreib, sondern eher zu einem harten Stück Arbeit.
Druckfehler gibt es in der Neuausgabe übrigens auch noch einige. Es wäre sicherlich nicht schlecht gewesen, jemanden einmal Korrektur lesen zu lassen. Auf diese Weise hätte man auch noch einmal eine Rückmeldung bezüglich der Verständlichkeit der Sprache erhalten können. Aber vielleicht hat der Autor ja gar kein Interesse daran.

Auch wenn ich das Buch Sexbeat eher interessant als toll finde, so bewundere ich doch, was der Autor, mittlerweile Professor für Ästhetik an der Akademie der bildenden Künste in Wien, mit seinem Steckenpferd, der Pop-Musik und -Kultur, erreicht hat.
Allen Lesern wünsche ich viel Spaß und vor allem Durchhaltevermögen bei der Diederichsen-Lektüre.


Corollaries
Corollaries
Preis: EUR 20,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wo wart ihr, als ich dreißig war?", 29. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Corollaries (Audio CD)
Diese Frage soll der Musiker Lubomyr Melnyk vor nicht allzu langer Zeit in einem Interview gestellt haben. Sein neustes Werk, Corollaries ist eine wunderschöne Platte, die vor wenigen Monaten auf dem Label Erased Tapes erschienen ist.
Wie ich gelesen habe, ist Lubomyr Melnyk ein 1948 in München geborener kanadischer Pianist und Komponist mit ukrainischen Vorfahren. Seine Musik würde man in einem gut sortierten Plattenladen wahrscheinlich eher in der Abteilung "klassische Klaviermusik" finden.
Obwohl er schon sehr lange Musik macht, etwa seit den 70er Jahren, habe ich ihn erst vor kurzem in meiner Lieblingsradiosendung zufällig entdeckt, und zwar im Zusammenhang mit einem Bericht über das Haldern-Pop-Festival, auf dem er übrigens auch aufgetreten ist.
Die im Radio vorgestellte Musik hat mir so gut gefallen, dass ich mir den Namen merken und die Platte besorgen musste.

Diese virtuose Klaviermusik wird als "continuous playing" bezeichnet und ist durch ein ständiges, sehr bewegtes Fließen von Melodien und harmonischen Endlosschleifen gekennzeichnet. Für mich als Laien geht es einerseits in Richtung Liszt und vielleicht Chopin, andererseits ähnelt es einer sehr anspruchsvollen Form von akustischer Ambient-Musik, die den Hörer auf einer imaginären Reise durch endlos scheinende, harmonische Klanglandschaften davonträgt.
Svetlana hat alles Wesentliche zu dieser Musik in ihrer sehr schönen Rezension anschaulich und überzeugend dargestellt.
Wäre es nicht so abgegriffen, könnte man auch sagen: Dies ist Musik zum Träumen. Für mich ist Lubomyr Melnyk eine echte Entdeckung.
Absolute Kaufempfehlung für diesen Künstler und Klaviervirtuosen.


The Golden Age
The Golden Age
Preis: EUR 5,99

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tanz den Woodkid, 23. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: The Golden Age (Audio CD)
Woodkid habe ich das erste Mal auf dem diesjährigen Melt-Festival gehört und gesehen, genau gesagt also vor drei Tagen. Da ist mir wahrscheinlich etwas entgangen. Wie ich gerade gelesen habe, ist Woodkid bereits ein auf vielen Bühnen etablierter Star, z.B. auch in der Welt der Vermarktung so wichtiger Popstars wie Kate Perry. Und nun verwirklicht er sich mit seiner eigenen Musik.

Ich wundere mich über die Begeisterung, die diese Musik auslöst. Andererseits, wer das nicht mag, der wird in der Regel auch kaum Zeit verschwenden, um darüber zu schreiben.

The Golden Age ist meiner Meinung nach Mainstream pur, eingetaucht in die Welt der Fantasy- und Computerspiele. The Golden Age - da denke ich an große Kunst und Literatur, das 17. Jahrhundert in Spanien und Frankreich. Woodkid meint mit dem goldenen Zeitalter seine eigene Jugend. Klingt das nicht ein bisschen dick aufgetragen? Der Hang zur Übertreibung und Wichtigtuerei missfält mir an diesem Projekt. Warum diese Geheimnistuerei, warum dieser Salafisten-Bart, warum dieses bedeutungsschwangere Tattoo, je ein symbolträchtiger Schlüssel auf dem Unterarm. Mit Schlüsseln kann man etwas aufschließen, vorausgesetzt sie passen ins Schloss. Hier scheint so ziemlich alles zu passen, zumindest für den Mainstream des durchschnittlichen Festivalbesuchers. Ich dachte immer, Melt sei Underground und alternativ. Gibt es so etwas überhaupt noch? Melt tanzt den Woodkid und dieser verzaubert dabei die Herzen seiner Fans. Er versteht es, mit der Menge zu spielen. Hierin ist er ganz Rockstar, auch wenn er überhaupt nicht so klingt.

Woodkid ist weder Punk noch Rocker oder Hip-Hopper; er ist vom äußeren Erscheinungsbild her keiner üblichen Szene zuzuorden, aber als Normalo geht er auch nicht durch, dann schon eher als Mode bewusster Hoher Priester eines neuen, popmusikalischen Passionsspiels. Schau her, wie ich mich selbst feier; mach es genauso.
Sein Bekleidungscode ist wahrscheinlich noch ein unbeschriebenes Blatt, aber das wird sich bestimmt schnell ändern, denn Popstars setzen bekanntlich Maßstäbe und schaffen neue Dress Codes.
Es scheint so, als habe er sein Outfit dem Künstlernamen angepasst. Vielleicht trägt er ja auch deshalb einen Rauschebart, und meine Assoziation mit einer religiösen Bruderschaft stellt sich zum Glück als falsch heraus.

Die Mühe, die ich mir hier gebe, meinen Unmut zu äußern, soll aber letzten Endes auch etwas mit der Musik zu tun haben. Woodkid ist breit angelegter Orchestersound, der sich bestens zur Untermalung von Videospielen und Fantasy-Abenteuern eignet. The Golden Age hat Soundtrack-Qualitäten, wobei schnelle Marschrhythmen und getragene Balladen miteinander abwechseln.
Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass man diese Art von Soundtracks und Filmen auch mag. Schlecht ist es, wenn man eher vom Autorenkino kommt. Für mich gleicht dieser handwerklich gut gespielte Sound einer sehr mächtigen Sahnetorte. Zu viel davon führt zu Verstopfung.

Der Sänger, also Woodkid selbst, tut zwar sehr gekonnt äußerst cool und bedeutungsvoll, reißt mich aber nicht vom Hocker und berührt mich auch nicht, obwohl Rührung doch im Vordergrund stehen soll. Du sollst doch gerade gerührt sein von diesem Golden Age, das auch dir gehören könnte.
Ich habe im Konzert leider nicht sehr viel von den Texten verstanden. Ich müsste sie wahrscheinlich lesen, um mir ein Urteil über ihre Qualität erlauben zu dürfen. Andererseits muss ich nicht jede Zeile eines Songs verstehen und kann dennoch davon bewegt sein. Gerade in der Pop-Musik gibt es dafür einige schöne Beispiele.

In diesen Tagen habe ich seit langem wieder einmal The Smiths gehört, und ich muss sagen, sowohl die musikalischen Kompositionen als auch die Texte sind für mich nach fast dreißig Jahren immer noch faszinierend, obwohl ja auch die Songs der Smiths eher von the golden age of the Jugend handeln und für diese geschrieben wurden, nicht für alte Säcke wie mich. Aber dennoch haben sie für mich nichts von ihrem Charme und Ihrer Qualität eingebüßt.
Bevor ich übrigens zum ersten Mal Woodkid gehört habe, lief im Fernsehen das Melt-Konzert von Kettcar. Auch hier würde ich sagen: diese musikalischen Betrachtungen des Alltags berühren mich unendlich mehr als die Wichtigtuerei des Herrn der Schlüssel, also known as woodkid.

Die Musik von Woodkid ist natürlich nicht schlecht. Die einzelnen Musiker spielen alles professionell auf den Punkt genau und kreieren einen zumeist sehr bombastischen, melodiösen Orchestersound. Man muss so etwas nur mögen. Das scheint bei sehr vielen der Fall zu sein. Videospiele und Fantasy-Literatur haben ja bekanntlich auch größere Beliebtheit als Literatur im eigentlichen Sinne des Wortes.

Insgesamt drei Punkte: einen für die gute Brass-Section, einen für die fleißige Drum-Section und einen für den, bzw. die Keyboarder. Punktabzug für den eher talentfreien Gesang und natürlich auch für den Salafisten-Bart. Please, woodkid, go to the barber.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 6, 2013 4:22 PM CET


There Is Love in You
There Is Love in You
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen There is love in it, 20. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: There Is Love in You (Audio CD)
Diese Platte von Four Tet aus dem Jahre 2010 klingt wie der Titel es nahelegt. There is love in you ist eine sehr liebevolle Produktion elektronischer Musik, die bestens zum Entspannen geeignet ist, ohne dabei als simple Hintergrundmusik (eine gerne gebrauchte negative Verwendung des Begriffs Ambient) bezeichnet werden zu können.

Das Album klingt vor allem harmonisch und rhythmisch. Die Melodien sind sehr angenehm und einprägsam, auch wenn in einigen Fällen, so in dem neunminütigen Stück Love Cry das Stilmittel der Wiederholung in Form von Loops stark beansprucht wird. Die Gesamtwirkung ist aber eher hypnotisch als langweilig monoton. Das gilt zum Beispiel auch für Stück Nr. 3. Harfen ähnliche Klänge, Orgel und Klavier sorgen für eine klare Melodie, die sich im Kreise bewegt, daher der Titel Circling (?).
Auch in Plastic People ist die Wirkung der Wiederholung eher hypnotischer Art, wobei sehr klare Orgel- oder Klaviermelodien hinzukommen und für Abwechslung und Auflockerung sorgen, während der treibende Keyboard ähnliche Beat bis zum Ende durchgezogen wird. Fantastisch, großartig!
Die Stücke This Unfolds und She just likes to fight überraschen darüber hinaus mit Gitarrenklängen und Bongo-Trommeln. Sie rücken die Platte für einen Moment in Richtung Indie, was sehr sympathisch wirkt.

Für mich ist dies das erste Album von Four Tet, das ich bewusst höre. Unter dieser Voraussetzung muss mein Urteil natürlich anders ausfallen als bei einer Berücksichtigung aller bisherigen Veröffentlichungen dieses Musikers. Nichtsdestoweniger halte ich There is love in you für eine sehr empfehlenswerte Platte. Für mich persönlich eine echte Entdeckung!


Triangulation
Triangulation
Wird angeboten von LES GALETTES ARGENTEES
Preis: EUR 52,39

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intelligenter Dub Step, 19. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Triangulation (Audio CD)
Triangulation von Scuba ist eine wunderschöne Platte aus dem Jahre 2010, elektronische Musik, angesiedelt zwischen Dubstep, Drum & Bass und Ambient.
Für jemanden wie mich, der House nicht mag und altersbedingt weder Clubgänger noch Kenner der einschlägigen Dubstep-Szene ist, stellt diese Platte geradezu eine Entdeckung dar. Schön, dass es doch noch die eine oder andere Nische im Radio gibt, die auf solche Produktionen aufmerksam macht.

Diese Musik klingt für mich äußerst angenehm, bisweilen auch melancholisch. Sie ist in vielfältiger Weise rhythmisch und melodisch. Sie verbreitet in erfreulicher Weise das Gefühl einer entspannten Gelassenheit.

Sie erinnert mich ein bisschen an Burial, wenn man mir als Laien einen Vergleich gestattet, der unter Umständen hinken mag.

Scubas Triangulation ist ein akustischer Wohlgenuss und lädt ein zu einer imaginären Reise auf einer circa 60-minütigen Fahrt durch vornehmlich perkussive Soundlandschaften, in die aber auch gelegentliche Gesangspassagen eingefügt werden.

Es scheint mir nicht sinnvoll, ein einzelnes Stück wie "Latch", "Lights Out" oder "Three Sided Shape" besonders hervorzuheben. Die Platte sollte eher an einem Stück von Anfang bis Ende genossen werden. Viel Spaß beim Hören!


Odin
Odin
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 36,53

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich bin Zwilling, 14. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Odin (Audio CD)
Den beiden Herren, die bereits 2007 und 2011 Odin rezensiert haben, ist nur zuzustimmen. Dies hier ist eine fantastische Band der frühen 70er Jahre. Schade, dass sie keinen besonders großen Erfolg hatte und eher ein Geheimtipp geblieben ist. Sowohl ihr Debüt als auch die SWF-Session 1973 sind Sternstunden der Rockmusik. Jedem, der diese Platten bzw. CDs besitzt, kann nur gratuliert werden.

Wieder einmal ein Fall von später Einsicht. Ich hatte Odin nämlich bereits im Winter 1972 oder 1973, genau weiß ich es leider nicht mehr, bei meinen älteren Cousins in Rothenburg ob der Tauber live erleben dürfen. Das war in der Weihnachtszeit, also in den Schulferien. Das Konzert fand in einem Jugendheim oder einem Gemeindesaal statt. Vielleicht war es aber auch eine Sporthalle. Was ich aber noch genau weiß, ist folgendes: die jungen Zuhörer saßen auf Stühlen, was man sich heute bei einem Rock-Konzert kaum noch vorstellen kann. Der Abend stand für mich leider unter keinem guten Stern, weil ich voller Vorbehalte war. Ich hatte nämlich seltsamer Weise gerade zu viel Blues-Rock gehört, schwärmte von John Mayalls Back to he Roots und fand alles andere schlecht oder mittelmäßig.
Die Musik von Odin war danach lange Zeit ganz aus meiner Erinnerung verschwunden, auch weil ich nach diesem Konzert nichts mehr von dieser Band gehört habe. Dafür aber hing lange Zeit ein Poster von ihr, und zwar genau das Foto, das man auf der Rückseite dieser CD sieht, in meinem Zimmer an der Wand.
Durch Zufall kam ich vor einem oder zwei Jahren auf den Gedanken, etwas über Odin im Internet zu suchen. Auf diese Weise stieß ich auf das Label Long Hair und die von Odin bisher veröffentlichten drei CDs.

Das auf Long Hair veröffentlichte Debüt enthält ein sehr informatives und liebevoll aufbereitetes Booklet, in dem praktisch alles Wissenswerte über die Band ausführlich dargestellt wird. Dies gilt in gleichem Maße für die SWF Session 1973.
Die Musik kann man als Hard Rock oder Progressive Rock bezeichnen. Der Sound ist sehr melodisch, wobei der Orgel sehr viel Raum gelassen wird, aber auch Gitarre und Rhythmus-Sektion wissen zu überzeugen, sehr anschaulich z.B. in dem Stück Clown. Anders als meine beiden Vorredner halte ich die kurzen Stücke nicht für bloße Füllsel sondern ebenso für angenehme Kompositionen, die den Geist der damaligen Zeit sehr gut spiegeln.
Bei den orgelbetonten Stücken fühle ich mich erinnert an Brian Auger, Jon Lord, oder Colosseum. Frank Zappa (Tribute to Frank , Oh No, King Kong) sowie Steve Hammond und Quatermass (Gemini) lassen ebenfalls schön grüßen. Letztere wären von mir allerdings noch zu entdecken. Diese Vergleiche sollen nicht die Originalität der Band einschränken, sondern lediglich einen kleinen Eindruck davon vermitteln, was man bei Odin zu erwarten hat. Sowohl das Debüt als auch die SWF Session 1973 haben insgesamt eine sehr gute Klangqualität. Jedem, der sich für diese Zeit und Musikrichtung interessiert, kann ohne Vorbehalte zum Kauf geraten werden.
Man sollte jedoch unbedingt darauf achten, diese vorzügliche Band der frühen 70er Jahre nicht mit der gleichnamigen US amerikanischen Heavy-Metal-Formation der späten 80er Jahre (The Metal Years) zu verwechseln, denn das wäre katastrophal!
Unter dieser Prämisse also so schnell wie möglich zugreifen und genießen!


Presence
Presence
Preis: EUR 4,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Let there be rock, 12. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Presence (Audio CD)
Do Do Do ... Do you wanna ... Co Co ... Cocaine? Na Na Nain! Huuhuuh!
Oh, baby baby ... Yeahheah! It's all right! Huuhuuh!

Warum noch über Led Zeppelin schreiben, wo doch schon so viel Wichtiges über diese Band festgestellt wurde? Vielleicht weil man erstaunt feststellt, diese Platte lange Zeit übersehen zu haben.
Vielleicht auch weil es sich hier fast um so etwas wie ein Alterswerk handelt, was mit Blick auf die Qualität umso erfreulicher ist. Denn häufig ist es so, dass Bands mit fortschreitendem Alter aufhören, interessant zu sein.
Presence ist meiner Meinung nach die letzte gute Platte dieser Band. Hardcore-Fans wissen natürlich ebenso das Besondere des letzten Studio-Albums In through the outdoor hervorzuheben. Aber vergleiche nur einmal die beiden Covers, dann merkst oder vermutest du vielleicht den Unterschied. Das Cover von Presence ist einfach genial, weil das hier dargestellte Familienglück wahrscheinlich mit der damaligen Realität der Musiker nur wenig zu tun hatte.
Die Saloon-Szene von In through the outdoor passt hingegen zu den Alkohol- und Drogenexzessen, die man Led Zeppelin zuschreibt. Sie passt auch zu den schwächeren Stücken dieser Platte wie Southbound Suarez und Hot Dog, Stücke, die nach Südstaaten-Country-Rock oder schlimmer noch nach Country & Western klingen. Ich denke aber, dass man auch Fan bleiben kann, ohne jeden Song und jedes kleine Detail gut finden zu müssen.

Led Zeppelin war für mich so etwas wie eine Lieblingsband meiner Jugend. Das Album Led Zeppelin II war meine erste Langspielplatte überhaupt, die ich etwa 1970 von meiner Mutter auf meinen Wunsch hin geschenkt bekam. Vorher besaß ich nur ein paar Singles, unter denen sich sehr unterschiedliche Bands befanden wie Shocking Blue (Mighty Joe), in deren Sängerin ich natürlich verliebt war, das Sir Douglas Quintett (Nuevo Laredo), aber auch Black Sabbath (Paranoid).

Led Zeppelin II habe ich damals auf meinem Kofferplattenspieler rauf und runter gehört, so sehr, dass die Platte vom häufigen Aufsetzen der Nadel ziemlich verkratzt war, weshalb ich sie irgendwann für wenige Mark an einen Schulfreund verkaufte. Schade eigentlich, denn das Cover war noch in einem Top-Zustand.

Was mir an dieser Band, auf die sich immer noch viele Hardrocker und Metalheads berufen, besonders gefiel, das war die Vielfalt zwischen Rock, Blues, Folk und Country. Diese Vielfalt fehlt aber eher auf Presence.
Diese Platte ist ein Fels in der Brandung, ein Riff-Monster, mit Anleihen aus dem Funk (?). Prince müsste diese Platte eigentlich lieben.

Presence beginnt mit einem sehr schönen, meiner Meinung nach mit dem besten Stück der Platte, Achilles` Last Stand, das für mich trotz der rockenden und singenden Gitarrenwände und der treibenden Rhythmus-Sektion eine Pop-Perle ist. Yeah! Mehr davon wäre schön gewesen.
Dieser galoppierende Rhythmus hat etwas Faszinierendes und Mitreißendes. Auch der Gesang klingt angenehm. Alles in allem tatsächlich episch, und ich wüsste gerne, welche Geschichte da erzählt wird.

For Your Life (2) ist so ein Riff-Monster, allerdings eher langsam. Auch Royal Orleans (3) wirkt durch Gitarren-Riffs, die aber zum Teil sehr funky klingen. Das i-Tüpfelchen setzt hier John Bonhams Schlagzeug.
Auch Hots On For Nowhere ist Riff betont, funky und darüber hinaus erstaunlich gut gelaunt. Diese lockere Stimmung äußert sich vor allem im Gesang, insbesondere in dem geradezu fröhlich klingenden Refrain. Das passt aber irgendwie nicht ins Gesamtbild.

Meine Lieblingsstücke sind neben dem Opener Nobody's Fault But Mine (4) und Tea For One (7). Also einmal Pop, einmal Blues-Rock und einmal Blues bitte. Auf den Rest könnte ich gut verzichten.
Ungefähr die Hälfte der Platte ist zweifelsohne klasse, und das ist ein guter Schnitt, zumal auch die anderen Stücke an Virtuosität nichts zu wünschen übrig lassen. Sie berühren mich nur nicht so sehr, was jedoch rein subjektiv ist. Was auf Presence fehlt, das ist eine folkige Nummer wie zum Beispiel Tangerine.


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