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Rezensionen verfasst von
B. Gutleben (Oberhausen)

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Das Proust-Album. Leben und Werk im Bild.
Das Proust-Album. Leben und Werk im Bild.
von Pierre [Hrsg.] Clarac
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Sammlerstück für Proust-Fans, 21. April 2016
Das Proust-Album ist eine Art Vorläufer von Marcel Proust: Leben und Werk in Texten und Bildern. Beim Vergleich der beiden Bücher würde ich behaupten, dass der Anteil der Bilder im Album um einiges höher ist, dafür wirken die Abbildungen dort verhältnismäßig grau und meist unschärfer. Man könnte sich die Mühe machen und mal auszählen, wie viel von dem Bildmaterial in beiden Ausgaben wiedergegeben wird und worin das jeweilige Sondergut besteht. Wer jedenfalls die Insel-Ausgabe von Frau Wiggershaus hat, braucht im Grunde das Proust-Album nicht. Aber es soll ja Liebhaber geben, die nach der Lektüre der ausufernden »verlorenen Zeit« auch noch ähnlich viel Sekundärliteratur um sich haben wollen. Und die sollten ein wenig die Angebote der verschiedenen Antiquariate vergleichen und sich dann das Teil gönnen. Habe ich ja auch getan...


Das achte Astrolabium
Das achte Astrolabium
von Kathrin Lange
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Die Himmelsschmiedin..., 13. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Das achte Astrolabium (Gebundene Ausgabe)
Keine schriftstellerische Spitzenleistung, aber immerhin ein spannend zu lesender historischer Roman, der mir im Krankenhaus die langen Stunden bis zur Entlassung verkürzen half. Thematisch stehen im Mittelpunkt astronomische Erkenntnisse (die Erde ruht nicht fest im Mittelpunkt des Universums), die ihrer Zeit (13. Jahrhundert) noch weit voraus sind und im Widerspruch zur herrschenden Lehre der Kirche stehen. Ein altes Buch und ein von einem eingeweihten Meister konstruiertes Astrolabium werden als Dokumente dieses gefährlichen Wissens von wenigen miteinander auf verschiedene Weise vernetzten Menschen sorgfältig gehütet und verborgen, um sie und ihre Besitzer vor Schaden zu bewahren. Wie schnell der eintreten kann, macht der historische Kontext deutlich, in den die Romanhandlung eingebettet ist: der Albigenserkreuzzug, der in Südfrankreich (Okzitanien) viele Opfer forderte. Machen diese Kampfhandlungen den Hauptfiguren das Überleben bereits schwer, kommen verschärfend noch familiäre Verstrickungen hinzu, die auf immer wieder neue Weise die Themen persönliche Schuld und Rache in den Fokus rücken. In der Tat verlieren im Verlauf der Handlung viele Menschen ihr Leben und können sterbend nur noch Bruchstücke ihrer Botschaft hinterlassen, so dass der Leser mehr als einmal Sorge haben muss, ob denn am Ende noch Licht ins Dunkel kommt und die eingebettete Lovestory ein glückliches Ende findet... Für meinen Geschmack hat Kathrin Lange etwas zu viel Actionszenen und Spannungsbögen verwendet, um das durchaus interessante (und wie die Zugaben im Anhang belegen von ihr auch ordentlich recherchierte) Sachthema zu transportieren. Für alle, die keine zu hohen literarischen Ansprüche haben und das Genre historische Romane mögen, ist das durchaus eine spannende Lektüre.


Europe Central
Europe Central
von William T. Vollmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

3.0 von 5 Sternen Lisca rediviva, 27. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Europe Central (Gebundene Ausgabe)
Einen umfangreichen Roman wie diesen mit rund 1.000 Seiten sollte man nur angehen, wenn man ziemlich sicher ist, dass man relativ gut durchkommt... Ich hatte nach flüchtigem Reinblättern das Gefühl, es könnte gelingen, zwischendurch allerdings eine Handvoll Momente, wo ich mich doch fragte, ob das eine gute Wahl war. Gleich das erste Kapitel ist schon eine hohe Hürde, denn es erschließt sich eigentlich erst, wenn man das ganze Buch gelesen hat.
Ein »Weltkriegsroman« im engeren Sinne ist das nicht: der Zweite Weltkrieg steht zwar im Zentrum des Geschehens und der Belagerung Leningrads, dem Ringen um Stalingrad und der Panzerschlacht bei Kursk wird einiger Raum gewährt, aber es gibt sowohl einen Vorspann, der etwa mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution beginnt, wie auch ein Nachspiel, das die deutsche Teilung, den Kalten Krieg und die Zeit nach Stalin in den Blick nimmt. Dass die erzählte Zeit sich der Gegenwart bis 1975 nähert, hat allerdings weniger mit politischen Zäsuren als der Lebensspanne der Hauptperson zu tun. Zwar haben HItler und Stalin ihren Platz, sie wirken jedoch die meiste Zeit eher dämonisch aus dem Hintergrund. Feldherren wie die Generäle Paulus oder Wlassow sind gewiss wichtige Figuren, aber sie treten alle hinter den Komponisten Schostakowitsch zurück. Vollmann widmet dessen Werk, seinem heiklen Liebesleben und seinem Lavieren zwischen Selbsterhaltung und künstlerischem Anspruch weite Passagen und gibt selbst zu, dass er den großen Bogen des jahrzehntelangen Schmachtens des Komponisten nach seiner ersten Liebe Elena Konstantinowskaja zu den ansonsten eingehend recherchierten Fakten hinzugedichtet hat. Neben den für meinen Geschmack zu raumgreifend angelegten Schostakowitsch-Kapiteln hat Vollmann aber auch viele weitere Kulturschaffende in das Personal seines Romans aufgenommen, von Käthe Kollwitz über den Regisseur Karmen bis hin zu kleineren Chargen wie dem mit nur 20 Jahren schon erloschenen Filmsternchen Lisca Malbran, die durch »EuropeCentral« wieder eine Chance auf Unsterblichkeit bekommen hat. Vielleicht sind es gerade diese Erst- und Wiederbegegnungen mit für mich bis dato randständigen Personen wie meinetwegen der Lyrikerin Achmatova oder dem widersprüchlichen Kurt Gerstein, die für mich den Hauptertrag der Lektüre bilden, denn die großen Linien der politischen Strukturen oder militärischen Aktionen waren mir als Historiker ja längst vertraut und sie wurden je nach Themenschwerpunkt und Blickrichtung schon oft genug zuvor literarisch bearbeitet. Dieser Ertrag hatte allerdings auch seinen Preis: denn während Vollmann über weite Passagen die Erwartungen an einen historischen Roman erfüllt und sich einer traditionellen Erzählweise bedient, schert er gerade in den unterschiedlichen Künstlern gewidmeten Teilen aus dem vertrauten Muster aus. Dadurch wird das Erzählte (nach des Autors eigenen Worten) »aufs Gleichnishafte reduziert und dann hier und da mit Spinnweben des Übernatürlichen verziert.« Dieses Dickicht muss man während der Lektüre mehr als einmal durchdringen und wieder auf den Boden der historisch (hier sogar in einem für Romane eher unüblichen Quellenverzeichnis) belegten Ereignisse zurückfinden. Diese Stilbrüche und manch andere Eigenwilligkeiten Vollmanns tragen zu meinem letztlich ambivalenten Gesamteindruck bei, der zwar nicht auf einen Verriss hinausläuft, aber auch nur eine bedingte Lesempfehlung beinhaltet.


Mahlers Zeit: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Mahlers Zeit: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Daniel Kehlmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,00

3.0 von 5 Sternen Rasch verglüht..., 26. Februar 2016
Dieser Roman lässt sich relativ schnell weglesen - zum einen weil er nicht besonders umfangreich ist, zum andern, weil er nach einem irritierenden Auftakt bald Fahrt aufnimmt und immer rascher einem Showdown entgegenstrebt - nach dem jedoch aus meiner Sicht nicht viel mehr als ein Häufchen Asche übrigbleibt.
In dem Genre Wissenschaftsthriller, wenn ich mal diesen Begriff verwenden darf, gibt es durchaus substantiellere Leistungen als die vom noch jungen Kehlmann. Ein wenig habe ich als naturwissenschaftlicher Laie den Eindruck, dass der Autor im Grunde auch nicht viel mehr Kenntnisse vom Sujet Wissenschaftsbetrieb und theoretische Physik hat als viele seiner Leser und sich hier und da doch mit Andeutungen und Klischees begnügen muss. Seine Erzählweise scheint ein wenig demonstrieren zu wollen, worum es seinem Protagonisten geht: die Linearität und Richtung der Zeit in Frage zu stellen: mit Flashbacks, Déja-Vus und anderen Stilmitteln verunsichert er uns; ebenso wie Träume, Visionen oder Wahnvorstellungen die Grenzen zwischen äußerer Realtität und innerer Welt verschwimmen lassen, so dass es lange in der Schwebe bleibt, ob der anscheinend geniale Mahler wirklich eine grundstürzende Entdeckung gemacht hat, deren Kundgabe durch obskure Mächte (oder gar Gott selbst) verhindert wird, ob er sich zunehmend in einen Wahn hineinsteigert oder ob es sich bei den meisten geschilderten Phänomenen nur um die Vorboten eines Herzinfarkts handelt...
Wie gesagt, das macht die Lektüre hinreichend spannend - und wenn man nicht im Laufe seines Arbeitsalltages genug andere Dinge zu tun hätte, könnte man das Buch wohl auch in einem Rutsch verschlingen. Aber es fehlt die Nachhaltigkeit: das ist ordentliche Unterhaltung, aber keine existenzielle Herausforderung. Von daher bleiben mir die über 50% 5-Sterne-Beurteilungen hier eher fremd...


Immortal Memory
Immortal Memory
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Stark, 8. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Immortal Memory (Audio CD)
Ich bin erst vergleichsweise spät (2015) auf Lisa Gerrard aufmerksam geworden und habe mir dann zügig mittels der einschlägigen Internet-Ressourcen einen Überblick verschafft, was sie in den letzten drei Jahrzehnten für Musik gemacht hat (Dead Can Dance, Soundtracks, Solo-Projekte mit verschiedenen Partnern). Manches war wunderbar, einiges irritierend und manches vielleicht der Grund dafür, dass sie mir zuvor nicht aufgefallen war. Als ich mich mit den zusammengeklaubten mp3s nicht zufrieden geben wollte, habe ich mir eins ihrer Alben zum Geburtstag gewünscht und mich dabei für »Immortal Memory« entschieden, was ich nicht bereue. Auch wenn einige Tracks sich ein wenig länger hinziehen als sie müssten, ist das insgesamt eine sehr dichte Stunde Musik. Die Grundstimmung ist eher dunkel (aber nicht düster), oft hat die Musik einen sakralen Touch (auch wenn nicht die Orgel mitspielt wie am Ende) und gefällt mir rundum gut: Lisa Gerrard als eine Art »Über-Enya«... Den fünften Stern halte ich zurück: wie einige andere Rezensenten auch schon angemerkt haben, wäre die Produktion der Perfektion näher gekommen, wenn man ein reales Streichorchester hinzugezogen hätte.


Die seltsamsten Orte der Welt: Geheime Städte, Wilde Plätze, Verlorene Räume, Vergessene Inseln
Die seltsamsten Orte der Welt: Geheime Städte, Wilde Plätze, Verlorene Räume, Vergessene Inseln
von Alastair Bonnett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Topophilie und Psychogeographie, 16. Dezember 2015
Angesichts der Vorankündigungen für dieses Buch ging ich von einer gewissen Verwandtschaft zum Atlas der abgelegenen Inseln aus; allerdings unterscheiden sich die beiden Publikationen doch in wichtigen Punkten. Während Schalanskys Atlas grafisch gestaltet ist und darüberhinaus eine nahezu bibliophile Ausstattung aufweist, transportiert Bonnetts Publikation fast ausschließlich Text. Während bei Schalansky die Texte zu den jeweiligen Inseln vergleichsweise kurz sind, fast literarisch und die Fantasie anregend, schreibt der britische Geograf Sachtexte, die eher wie Reportagen oder Essays anmuten, die man sich auch als Artikelfolge in einer Zeitschrift vorstellen kann.
Dabei thematisiert er in subjektiver Auswahl geowissenschaftliche Randerscheinungen in verschiedenen Kategorien, die durch den Untertitel des Buches schon treffend angedeutet werden. Erstaunliches und Irritierendes wird zutage gefördert, geheime und aufgegebene Siedlungen, rechtsfreie Räume, vergängliche Inseln und zahlreiche Phänomene, die darauf verweisen, dass der Gegenstand der geografischen Betrachtung beständigem Wandel unterworfen ist, der immer häufiger und nachhaltiger durch menschliches Handeln hervorgerufen wird.
Das ist alles lehrreich, besonders für den interessierten Laien, der in diesem Buch für meinen Geschmack allerdings mehr vorgesetzt bekommt als er möchte, manche Kategorien hätten nicht mit so zahlreichen, einander ähnelnden Beispielen gefüllt werden müssen. (Hingegen hätte ich mich - ganz subjektiv - über einen Beitrag zu California City gefreut...)


Transit: Roman
Transit: Roman
von Anna Seghers
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Gestrandet..., 15. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Transit: Roman (Taschenbuch)
»Transit« als Klassiker der deutschen Exil-Literatur war mir schon seit Jahrzehnten ein Begriff und ich hatte viel darüber gelesen bevor ich den Roman nun auch tatsächlich in die Hand bekommen habe.
Während andere bekannte Exilromane Paris in den 1930er Jahren als beliebtes Ziel deutscher Nazigegner und -opfer schildern, ist es damit seit dem deutschen Einmarsch 1940 vorbei. Viele, die es noch konnten, flohen in den unbesetzten Süden Frankreichs, der aber auch für einen Verbleib auf Dauer zu unsicher war, weshalb viele nach Marseille strebten, um von dort aus mit einem Schiff den Kontinent zu verlassen. Was aber duchaus nicht allen gelang, da nicht nur die Plätze für eine Überfahrt nach Amerika oder sonstwo knapp und teuer waren, sondern im Vorfeld auch eine ganze Menge Papiere erforderlich waren: Visa, Transits, Ausreisegenehmigungen usw. Seghers schildert sehr eindringlich die zahlreichen Enttäuschungen und immer wieder aufkeimenden Hoffnungen unter den Ausreisewilligen, kafkaesk anmutende Szenen in Konsulaten und Behörden, konspirative Treffs in Cafés und Hinterhöfen - das macht es einem heute Lebenden leichter, sich die Nöte der damaligen und auch der heutigen Flüchtlinge vorzustellen.
Für alle, deren historisch-politische Lesemotivation weniger ausgeprägt ist, kann der Roman noch ein wenig punkten mit einer etwas verqueren Liebesgeschichte. Der namenlose Ich-Erzähler macht vor seiner Flucht nach Südfrankreich noch einen Abstecher nach Paris, wo er den Auftrag bekommt, einem dort untergetauchten antifaschistischen Schriftsteller eine Nachricht seiner bereits geflohenen Frau zu überbringen. Da er diesen jedoch nicht mehr lebend antrifft (weil er offenbar aus Verzweiflung Selbstmord begangen hat) gelangt er in den Besitz von dessen Nachlass und benutzt seine Papiere, was ihm in Marseille mitunter zum Vorteil gereicht. Zum Problem wird ihm jedoch seine falsche Identität, als eine Frau namens Marie, die sein besonderes Interesse geweckt hat, sich als die Witwe des Schriftstellers erweist. Mehrere Anläufe des Erzählers, sie über den Tod ihres Mannes zu informieren, scheitern an ihrer hartnäckigen Hoffnung, ihn noch lebend wiederzusehen, die nicht zuletzt durch Berichte Dritter genährt wird, die ihn zeitnah in Marseille gesehen haben wollen. Als dem Erzähler klar wird, dass er selbst durch seine gegenüber den Behörden verwendete falsche Identität für diese Täuschung verantwortlich ist, wird seine Liebesaffäre zunehmend prekär und lässt sich letzten Endes nur durch die gelingende Ausreise von Marie lösen, für die er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einsetzt.
Seghers verwebt in ihrem Roman also die Schilderung historisch-politischer Verhältnisse mit denen verschiedenartiger persönlicher Beziehungen, zu denen neben Liebe auch Freundschaft und Aspekte wie Solidarität, Verlässlichkeit, Eigennutz und Selbstlosigkeit gehören. Insofern dominiert nicht irgendeine politische Doktrin sondern die verschiedenen Verhaltensweisen, in denen sich der Lebens- und Überlebenswille der Einzelnen äußert. Dadurch ist das Buch meines Erachtens durchaus lesenswert und nicht alle sollten mit der eigenen Lektüre so lange warten wie ich...


Rudolf Breitscheid: Vornehmste Aufgabe der Linken ist die Kritik: Publizistik 1908-1912
Rudolf Breitscheid: Vornehmste Aufgabe der Linken ist die Kritik: Publizistik 1908-1912
von Sven Crefeld
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Nach über 100 Jahren wieder an Tageslicht gebracht, 7. Dezember 2015
Herausgeber Sven Crefeld plant offensichtlich mehrere Bände, in denen publizistische Arbeiten von Rudolf Breitscheid (1874 - 1944) einem interessierten Publikum wieder zugänglich gemacht werden sollen. Dass die hier vorliegende erste Sammlung sich auf Beiträge aus den Jahren 1908 bis 1912 konzentriert, ist keine willkürliche Terminierung, sondern entspricht dem Zeitraum, in dem Breitscheid der 1908 gegründeten Demokratischen Vereinigung angehörte, die am Vorabend des Ersten Weltkrieges den linken Rand des bürgerlichen Liberalismus repräsentierte. Insofern ist Breitscheids Engagement in der DV, für die er bis 1912 als Vorsitzender fungierte, quasi die Schnittstelle zwischen seinem ursprünglich linksliberal-freisinnigen und dem späteren, deutlicher in Erinnerung gebliebenen sozialdemokratischen Engagement, in dessen Rahmen er u.a. von 1920 bis 1933 Mitglied des Reichstags war (zunächst für die USPD, anschließend für die SPD).
Den Hauptteil des Bandes bilden 55 publizistische Beiträge von Breitscheid, deren Erstveröffentlichung in verschiedenen Periodika erfolgte, darunter »Das Blaubuch«, die »Berliner Volkszeitung« oder »Das freie Volk«. Neben einer etwa 30seitigen Einführung, in der er auf manche Ungenauigkeiten bisheriger Breitscheid-Biografien aufmerksam macht, liefert Crefeld im Anschluß an die Originaltexte noch hilfreiche Zusatzinformationen. Dazu gehören ein kurzer Editionsbericht, Anmerkungen, eine Gesamtliste von Breitscheids bislang bekannten Veröffentlichungen aus dem fraglichen Zeitraum, eine Bibliografie und ein Personenregister. Da bleiben wenig Wünsche offen und mit einem Preis von unter 20 Euro ist das Buch sogar recht erschwinglich.


Büchernärrinnen
Büchernärrinnen
von Marion Voigt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,00

3.0 von 5 Sternen Frauen, die Bücher liebten, 3. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Büchernärrinnen (Gebundene Ausgabe)
Ein relativ großformatiger Band mit einer ganzen Mange schwarz-weißer Illustrationen, der den so genannten Büchernärrinnen gewidmet ist: Frauen, die selbst Bücher geschrieben haben oder sich deren Herstellung und Vertrieb gewidmet haben. Zu den etwa ein Dutzend in Wort und Bild porträtierten Bibliophilen gehören bekannte Namen wie Virginia Woolfe, Colette oder die Brontë-Schwestern, aber auch mehr im Hintergrund wirkende und mir bislang unbekannte Personen wie Adrienne Monnier, Madge Jenison oder Nancy Cunard. Ein letztes Kapitel ist den Büchernärrinnen als literarischen Figuren gewidmet. Eine Reihe von Quellen- und Literaturhinweisen am Ende geben Hinweise, wo der oder die Interessierte weitere Informationen zu den hier prägnant aber doch nur recht kurz vorgestellten Bücherfrauen finden kann.


Zeiden, im Januar
Zeiden, im Januar
von Ursula Ackrill
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Dutzendware..., 8. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Zeiden, im Januar (Gebundene Ausgabe)
Ursula Ackrills Erstling ist ein gutes Beispiel für die Feststellung, dass Bücher, die von der offiziellen / professionellen Literaturkritik hoch gehandelt werden, oft die durchschnittlichen Leseerwartungen nicht erfüllen. Wer hier eine im traditionellen Erzählstil daherkommende Geschichte erwartet, die am Ende vielleicht noch so etwas wie einen spannenden Höhepunkt bietet, mag nach den ersten Seiten das Buch enttäuscht beseite legen, was einige Rezensenten hier offenbar auch getan haben. (Nebenbei bemerkt: da das Werk mit seinem letzten Kapitel und einer mit »Nachher« betitelten Szene beginnt, ist ein möglicher Spannungsbogen gleich zu Beginn schon »geknickt«.)
»Zeiden« besteht aus einer großen Zahl von meist minutiös datierten und lokalisierten Einzelszenen, von denen einige schlüssig aneinandergereiht erscheinen, während andere durch Ortswechsel, Zeitsprünge und wechselnde Akteure es zumindest anfangs schwer machen, den Zusammenhang des Ganzen zu erschließen. Später sieht man etwas klarer, dass auf der Gegenwartsebene des Romans nur drei Tage im Januar 1941 geschildert werden, während alles andere Erinnerungen und Rückblicke sind, die wichtige Erlebnisse und prägende Strukturen im Vorleben der Hauptpersonen darstellen. An wirklicher Handlung ist der Roman eher arm, seine Fülle resultiert eher aus der exemplarischen Schilderung von Mentalitäten und sozialgeschichtlichen Details. Aus vielen Puzzle-Stücken wird ein Mikrokosmos zusammengesetzt, der quasi unter der Lupe oder gar dem Mikroskop betrachtet den Weg der Siebenbürger Sachsen, der lange Zeit privilegierten deutschstämmigen Minderheit in Rumänien zeigt, bis sie sich vom Einfluss völkischer und nationalsozialistischer Agitation mitreißen lassen und die Bedenken gemäßigterer Kräfte beiseite schieben.
Die wichtigste lokale Gegenspielerin ihrer zu Hitlerdeutschland tendierenden Landleute ist Leontine Philippi, eine hochgebildete bürgerliche Mittfünfzigerin - man spürt, dass sie die Sympathieträgerin der Autorin ist, hat aber auch den Eindruck, dass diese Figur ein wenig konstruiert wirkt, gerade auch was ihre Denkweise und ihren Wortschatz angeht. Überhaupt ist es so, dass die Autorin sprachlich eine ganze Menge Register zieht, was einerseits beeindruckt, aber streckenweise auch ein wenig bemüht oder manieriert wirkt.
Mein Fazit: ein bemerkenswertes Debut, das jedoch nicht breitentauglich ist, da es viele enttäuschen und sicher bei einigen auch anecken wird.


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