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Rezensionen verfasst von
Dr. Michael Blume (Filderstadt, Baden-Württemberg, Germany)

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Verebben der Menschheit?: Neganthropie und Anthropodizee (Praktische Philosophie)
Verebben der Menschheit?: Neganthropie und Anthropodizee (Praktische Philosophie)
von Karim Akerma
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 43,00

5.0 von 5 Sternen Eine philosophische Schatztruhe - gerade auch für die empirische Demografie!, 11. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unter empirisch orientierten Forschenden gibt es da Vorurteil, nachdem Geisteswissenschaftler - und besonders Theologen und eben Philosophen - schon seit Jahrzehnten nur noch Berge von Papier produzieren, aber kaum Thesen, die die Wirklichkeit erklären und sich an ihr überprüfen lassen.

Karim Akerma hat mich mit diesem zwar teuren, aber eindrucksvollen Werk eines Besseren belehrt. Ich steckte in Spezialfragen der empirischen Demografie fest und kam nicht weiter, als mir ein Freund empfahl, mir doch mal die Frage der "Anthropodizee" anzuschauen. Und so fand ich nicht nur eine außerordentlich faktenreiche Arbeit vor, sondern auch tatsächlich neue Antworten für mein empirisches Forschungsgebiet.

Seitdem der Mensch nicht nur den nächsten Winter, sondern auch sein Fortpflanzungsverhalten vorausdenken und -planen kann, leben sie und er in einer Welt, in der Geistiges auch evolutionsbiologisch von erhöhter Relevanz geworden ist. Denn nun benötigen wir Menschen plötzlich Gründe (!), um uns für lange Bindungen und das enorme Engagement zu entscheiden, das mit dem Aufziehen von Kindern einher geht. Diese Gründe können ökonomischer Natur sein - wenn wir Kinder als Arbeitskräfte und Altersversorgung betrachten. Sie können emotionaler Natur sein, wenn wir lieben und geliebt werden wollen. Und sie können schließlich normativer Natur sein, also der Befolgung höherer Gebote wie der Weitergabe des Familiennames o.ä.

Die Aufklärung war vor allem durch die Frage der Theodizee geprägt - der Frage, ob sich ein Gottesglauben angesichts des Leidens in der Welt rechtfertigen lasse. Akerma und andere weisen nun auf die Anthropodizee - die Frage, ob die Weitergabe des eigenen Lebens überhaupt gerechtfertigt werden kann. Immerhin versuchen wir damit ja Leid und Tod - für die Kinder und andere Wesen (z.B. Nutztiere). Neu ist diese philosophische Frage nicht - Akerma weist sie schon bei antiken Philosophen wie Demokrit, Epikur und Platon (die sie allesamt eher negativ beantworten!) ebenso nach wie z.B. bei Kant, Schopenhauer und den Utilitaristen. Aber erst im 21. Jahrhundert wird angesichts um sich greifenden Kindermangels in den meisten wohlhabenden und gebildeten Populationen dieser Erde klar, dass es hier nicht um eine philosophische Schrulle, sondern um eine Schicksalsfrage geht.

Ich will dem umfangreichen Werk Akermas nicht vorgreifen - und stimme ihm auch nicht in allen Detailfragen zu - und doch kann ich nicht anders, als mich bei einem Philosophen bedanken, der mir nicht nur die Faszination seiner Disziplin, sondern auch die Tragweite der Anthropodizee - auch bei der Interpretation von Daten! - erschlossen hat. Wenn die Welt auch nur ein bißchen gerecht sein sollte, so wird man Akermas Arbeiten zur Anthropodizee einmal als Meilensteine der deutschen Philosophiegeschichte anerkennen.


Osama bin Laden schläft bei den Fischen: Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat
Osama bin Laden schläft bei den Fischen: Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat
von Ahmad Milad Karimi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegend und bereichernd, 9. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kaum eine Floskel fand ich in den Zuwanderungsdebatten verstörender als jene von der “Bereicherung“. Verweist dies auf den wirtschaftlichen Beitrag von Migranten, den kulinarischen, kulturellen?

In dem herausragenden Buch von Milad Karimi fand ich eine Antwort: Wir begleiten den Knaben durch das von Krieg zerstörte Afghanistan und auf einer verzweifelten Flucht der ganzen Familie. Wir sind bewegt, wie er sich an eine deutsche Schule kämpft und sich in die deutsche Sprache und Philosophie verliebt. Wir sind verblüfft und teilweise verwirrt, wie er die großen Fragen rund um ein vernünftiges oder zerstörerisches Islamverständnis an Mafiafilmen, Sade und Hegel debattiert. Wir entdecken, wie neue Perspektiven neue Räume eröffnen, vermeintlich Erkaltetes mit neuer Glut entfachen.

Milad Karimi stellt nicht nur sich und den Aufbruch islamischer Theologie in Deutschland vor. Wer ihn liest, wird auch überraschende Aspekte an sich selbst und der deutschen Kultur entdecken.

Dieses Buch belehrt nicht. Es bereichert...


Gesellschaft ohne Kinder: Woran die neue Familienpolitik scheitert
Gesellschaft ohne Kinder: Woran die neue Familienpolitik scheitert
von Stefan Fuchs
  Taschenbuch
Preis: EUR 49,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inhaltlich sehr starkes Buch!, 5. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als Fachmann im Bereich Religion & Demografie habe ich in den letzten Jahren eine Vielzahl von demografischen Büchern gelesen - und war, das gebe ich zu, oft enttäuscht von platten Wiederholungen, Auslassungen und Vermutungen.

Das Buch von Stefan Fuchs ragt jedoch aus dieser Masse heraus, indem der Autor 1. historisch die Debatten und Wahrnehmungen von Demografie in der jüngeren deutschen Politik und Wissenschaft reflektiert, 2. die "herrschenden" Lehren und ihre Schwächen darstellt und 3. alternative Erklärungen vorschlägt und mit empirischem Datenmaterial unterfüttert!

In der Summe ist so ein inhaltlich innovatives Buch entstanden, das sehr viel Aufmerksamkeit und lebendige Debatten verdient. Leider muss ich jedoch einen Stern für den allzu hohen Preis abziehen. In dieser Preisklasse können sich wohl nur Bibliotheken, Spezialisten und herausragend engagierte "Laien" das Werk leisten, das demnach davon bedroht ist, zu wenig wahrgenommen zu werden und zu wenig Wirkung zu entfalten.

Das ist schade, sogar traurig - denn die Argumente von Stefan Fuchs gehören in Wissenschaft und Öffentlichkeit!


Steine auf dem Weg zum Pass: Wenn Liebe religiöse Grenzen sprengt
Steine auf dem Weg zum Pass: Wenn Liebe religiöse Grenzen sprengt
von Anja Siouda
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,50

5.0 von 5 Sternen Überraschend und un-kitschig, 5. Februar 2014
"Du immer mit deinen Sachbüchern! Jetzt gönn dir doch auch mal wieder einen Roman!", mahnte meine Frau - und sie hatte Recht. Allzu dick sollte es nicht sein und einen Bezug zu den Themen, die mich als Religionswissenschaftler sonst so umtreiben, wollte ich auch schon haben.

Und fand "Steine auf dem Weg zum Pass" - die Geschichte einer Liebe zwischen einem Christen und einer Muslimin (der Konstellation, in der auch ich lebe). Kann man darüber einen guten Roman schreiben? Einen, der berührt und gleichzeitig nicht kitschig ist?

Anja Siouda kann. Schon das Setting - ein abgelegenes Bauernhaus - überrascht und fasziniert, die Charaktere, die jeweils eher am Rande ihrer Gesellschaften stehen, wirken nah und zugleich fremd. Bevor es sich die Leserin und, ja, der Leser versehen hat, stecken sie in einer Geschichte, die gängige Klischees hinterfragt und sprengt, die zum Nachdenken anregt, ohne zu verklären, die einen hoffen und bangen lässt und immer wieder Haken schlägt, wie es das echte Leben zu tun pflegt. "Steine auf dem Weg zum Pass" ist ein Roman, der die Freude am klugen und doch unterhaltsamen Lesen entfacht, das Buch ist liebevoll layoutet und bearbeitet und dabei preislich völlig angemessen. Danke für tiefe Stunden und 5 Sterne von mir!


Europa, Menschenrechte und Islam - ein Kulturkampf?
Europa, Menschenrechte und Islam - ein Kulturkampf?
von Heiko Heinisch
  Broschiert
Preis: EUR 24,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen (Islam-)Kritik geht auch sachlich!, 16. November 2013
Als Religionswissenschaftler und als Christ in einer christlich-islamischen Familie lebend muss ich immer wieder dümmliche und oft rassistische Texte ertragen, die sich mit dem Label "Islamkritik" aufzuhübschen hoffen - aber eben gerade keine vernünftige, differenzierte Kritik, sondern dumpfe Vorurteile anbieten. Mit dem Buch von Nina Scholz und Heiko Heinsch liegt nun endlich ein Werk vor, das sachlich, kritisch, aber eben auch konstruktiv und nicht unnötig verletzend geschrieben ist. In seiner Konsequenz dürfte es sogar einer ganzen Menge Muslime selbst aus dem Herzen sprechen!

Die Politikwissenschaftlerin Scholz und der Historiker Heinisch beziehen hier eine eindeutige Perspektive: Die der individualisierten Menschenrechte, wie sie 1948 in der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" durch die UNO formuliert und verkündet wurden. Ihren individualistischen Ansatz ziehen sie dabei so konsequent durch, dass ihnen schon Art. 29.1 der Erklärung ("Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist.") suspekt vorkommt.

Entsprechend ausgerüstet untersuchen sie die noch sehr stark "theozentrische" (von Gott her gedachte) und kollektivistische (der Gemeinschaft dem Vorrang vor dem Einzelnen gebenden) Kulturen der islamischen Welt und debattieren dies von Fragen des Bilderverbotes und Karrikaturenstreites über das Tragen von Kopftüchern bis zur Geltung der Scharia durch. Den Begriff der "Islamophobie" weisen sie dabei zurück - jede(r) müsse den Islam kritisieren dürfen, nur die Individuen seien vor "Muslimenfeindlichkeit" zu schützen. Ein starkes Kapitel über die Entstehung und Entwicklung der Menschenrechte als Zusammenfluss aus römisch-griechischer Antike und jüdisch-christlichem Monotheismus rundet das Buch ab; und die Erwartung und Forderung, die Muslime sollten "ihren eigenen Weg" gehen, um diesen Standard auch zu erreichen.

Ganz klar: Der konsequent individualistische Ansatz hat seine Schwächen - wie der Zerfall von Gemeinschaften, Familien und regional von Gesellschaft auch in Deutschland längst zeigt. Wenn jede(r) nur auf die eigenen Rechte pocht entsteht keine Zukunft. Aber gerade in der freundlichen, aber bestimmten Zuspitzung ihrer Positionen gelingt es Heinisch und Scholz, Leserinnen und Leser zum Nachdenken über die Schlagzeilen hinaus zu gewinnen. Ob Christ, Muslimin, Anders- oder Nichtglaubende(r) - dies ist ein Buch für Menschen, die nicht hassen, aber dennoch verändern wollen, die nachdenken statt rumgrölen, kurz: die denken. Dafür 5 Sterne!


Jakob Hutter - Gemeinsam glauben trotz Verfolgung
Jakob Hutter - Gemeinsam glauben trotz Verfolgung
Preis: EUR 7,49

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehenswert!, 14. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Geschichte von Jakob Hutter und der Glaubensgemeinschaft der Hutterer hat mehr Beachtung verdient; schon deswegen ist dieses Filmprojekt zu loben!

Und für einen Film ohne Millionenbudget sind die Aufnahmen, Szenen und vor allem schauspielerischen Leistungen mehr als ordentlich! Der Wechsel zwischen Spielszenen und quasi-dokumentarischen Erläuterungen gelingt nach kurzer Eingewöhnung, so dass sich Information und spannende Unterhaltung nicht im Wege stehen.

Ein wenig mehr Hintergründe und Ausführungen zu den theologischen Lehren Hutters hätte ich mir gewünscht. Wer waren seine Ideengeber und Vorbilder, wie und woher schöpfte er seine religiösen Überzeugungen und wie reagierten andere christliche Stimmen der Zeit (und der Zeit danach) auf ihn? Hutter war sicher einzigartig, aber auch in seiner Zeit doch nicht gedanklich völlig isoliert.

Von dieser kleinen Schwäche abgesehen kann ich den sehr guten Film zu Informations- und auch Lehrzwecken nur empfehlen und hoffe, dass er viele Menschen erreichen wird.


The Paladin
The Paladin
von C.J. Cherryh
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Großes Buch mit Schwächen im Abschluss, 14. November 2013
Rezension bezieht sich auf: The Paladin (Taschenbuch)
Als junger Erwachsener hatte ich diesen Roman schon einmal angelesen, war aber an mancher Länge gescheitert. Dass hier jedoch sehr tiefe und vielschichtige Charaktere entwickelt wurden, blieb hängen - und so fischte ich 10 Jahre später das Buch noch einmal aus dem Bücherschrank.

Und siehe da, nun war ich soweit, eine faszinierende Geschichte zu verschlingen, die über zweihundert Buchseiten "nur" den langsamen Vertrauensaufbau zwischen einem alternden, verbitterten Schwertkämpfer und einer jungen, nach Rache dürstenden Bauerstochter beschreibt.

Entsprechend eingeführt in diese an China angelehnte, vergleichsweise realistische Fantasy-Welt und zwei ganz besondere Helden, liest sich die zweite Hälfte - der wechselvolle Feldzug gegen die böse Regentschaft - wie von selbst.

Völlig überstürzt und leider verkürzt fallen dann leider die Schlussszenen aus - als ob das Seitenkonto aufgebraucht worden wäre, aber noch schnell eine Ende hätte geschrieben werden müssen. Für einen Roman, der im Aufbau so glänzt, ist so ein hastiger Abschluss ein Verlust!

Am Ende bin ich also hin- und hergerissen. Einerseits dürfte es wenige Fantasy-Romane geben, die so viel Zeit und Kunstfertigkeit auf die Entwicklung ihrer Haupthelden verwenden. Andererseits muss man für die entsprechenden Längen auch bereit sein - und dann mit einem überhasteten Abschluss leben können. So bleibt bei mir ein gemischter Eindruck zwischen Bewunderung, Faszination und leichter Enttäuschung.


Leib und Seele oder mind and brain?: Zu einem Paradigmenwechsel im Menschenbild der Moderne
Leib und Seele oder mind and brain?: Zu einem Paradigmenwechsel im Menschenbild der Moderne
von Marcus Knaup
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine philosophische Bibliothek in einem Buch, 9. November 2013
Über einen Artikel in einem Sammelband zum "Post-Physikalismus" war ich auf den Autor aufmerksam geworden und hatte mir daher seine philosophische Doktorarbeit besorgt. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Dieses Buch ist eine philosophische Bibliothek, die das Leib-Seele-Problem von der Antike bis zur Moderne gründlich darstellt und diskutiert. Descartes, Spinoza, Berkeley und die materialistischen Monisten seit Julien Offray de La Mettrie kommen ebenso zu Wort wie moderne Epiphänenomenalisten, Vertreter der Emergenz- und Supervenienztheorien, des Funktionalismus und natürlich des eliminativen Materialismus. Gegen diese Positionen bringt Knaup einen Klassiker in Stellung: Aristoteles, der mit seinem frühen Entwurf des Hylemorphismus bereits Materie und Geist, Leib und Seele zusammen dachte.

Mit diesem Ansatz diskutiert Knaup u.a. das Leib-Seele-Problem, die Fragen nach der Entstehung von Bewußtsein, Freiheit und den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung. Seinen Namen sollte man sich merken.

Mich hat Knaups Doktorarbeit überzeugt. Ich schätze sie schon jetzt nicht nur als überaus starkes Argument, sondern auch als Nachschlagewerk für zentrale Fragen heutiger Philosophie.


1984
1984
Preis: EUR 6,36

3.0 von 5 Sternen Zu Recht ein Klassiker! Aber teuer & unkommentiert, 17. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1984 (Kindle Edition)
Vor fast zwei Jahrzehnten stürzte ich mich schon einmal in die Welt von "1984" und war damals fasziniert und geschockt zugleich. Inzwischen auf die 40 zugehend, habe ich mir das Buch nun noch einmal als eBook in Englisch besorgt - und empfand die Tiefe und, ja, auch Aktualität der Dystopie sogar als noch beklemmender. Ein Buch, das zu recht Pflichtlektüre auf vielen Schullehrplänen ist!

Dass ich dennoch nur drei Sterne geben möchte, hat zwei Gründe: Erstens finde ich den Preis von über 6 Euro für ein etabliertes eBook deutlich zu teuer. Orwell wollte ein Aufklärungsbuch schreiben, keine ewige Gelddruckmaschine. Angesichts der geringen Stückkosten hätte der Verlag mit dem halben Preis auch noch große Summen verdient, zugleich aber mehr Leserinnen und Leser erreicht. Dies wäre im Sinne des Autors gewesen.

Und wenn schon ein erhöhter Preis, so hätte man doch einen ausführlichen Einführungstext erwarten dürfen. Eine Literaturwissenschaftlerin o.ä. hätte doch sicher ein ordentliches Kapitel zusammen bekommen, in dem Interessierte mehr über die Entstehung des Buches, über die ersten und folgenden Rezeptionen, die ausgelösten Debatten, Wirkungen und Verfilmungen des Romans hätten erfahren können. Angesichts eines Werk der Weltliteratur hätte man mehr als einen knappen Lebenslauf und ein paar Zeilen zu Varianten erwarten dürfen.

Also: Volle Punkte für Orwells 1984, aber Abzüge für diejenigen, die sein Werk hier eher gewinn- als literaturorientiert vermarkten.


Inhuman Fynomenon (Roman)
Inhuman Fynomenon (Roman)
Preis: EUR 2,99

5.0 von 5 Sternen Fantastischer Wahn-Sinn, 17. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Inhuman Fynomenon (Roman) (Kindle Edition)
Auf die Autorin wurde ich durch eine psychologisch fesselnd komponierte Kurzgeschichte im ersten Band von "Nocturno" aufmerksam. So entschied ich, auch ihren Romanen eine Chance zu geben - und das, wie ich jetzt sehe, zu Recht.

Inka Mareila gelingt es, klassisch wirkende Motive der Fantastik und des Thrillers mit kreativen Ideen und (Sprach-)Bildern zu etwas völlig Neuem zu verbinden. Leitstern ist dabei die menschliche Psychologie selbst: Mareilas Monster sind und kämpfen furchterregend, werden aber zugleich auch zu Spiegeln der dunklen Untiefen der Menschheit selbst. Auf ein plattes "Wir sind die Guten - die Fremden die Bösen" lässt sich die Autorin nicht herab, sondern konfrontiert ihre Leser mit der Entwicklung ihrer Plots zunehmend mit sich selbst. Und so fühlt man sich dadurch wieder "zu Hause" - um im nächsten Moment doch wieder über eine völlig unerwartete Wendung zu staunen. Phasen der Entspannung und des Humors wechseln sich mit adrenalingefüllten Kampf- und Actionszenen ab.

Beispielhaft darf hier der Ansatz genannt werden, einen Mutanten (bzw. Hybriden) in einer menschlichen Adoptivfamilie aufwachsen zu lassen und so Themen wie Liebe und Furcht, Vertrautheit und Fremdheit zu kontrastieren - bis man mit dem Jungen so mitfühlt, dass man sich vor jeder Gefahr (mit-)fürchtet. Mehr zu verraten liefe auf einen Spoiler heraus - aber ich denke Sie sehen schon, warum der Roman packt.

Sicher: Die junge Autorin hat auch noch Luft nach oben - manche kreative Idee verdient mehr Ausarbeitung, manchmal springt die Story zu atemlos zwischen Zeiten und Schauplätzen. Andererseits wird gerade auch dadurch deutlich, dass hier noch einiges Potential schlummert und eine wichtige Chance des eBooks genutzt wird: Kreativen Ideen und jungen Talenten eine Chance zur Entfaltung und zum Experimentieren zu geben, die es so früher vielleicht nicht gegeben hätte. Dafür sind (kostengünstige) eBooks gemacht!

Ich werde mich umgehend auf den zweiten Roman der Serie stürzen und freue mich auf weitere, spannende Stunden in den Welten eines kreativen Talentes!


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