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vully "vully" (Neuhausen)
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Lucia di Lammermoor (Mono 53)
Lucia di Lammermoor (Mono 53)
Preis: EUR 16,02

5.0 von 5 Sternen Unverzichtbare Einspielung, 17. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Lucia di Lammermoor (Mono 53) (Audio CD)
Wer hören will, was für eine große, gesunde Stimme die Callas einmal hatte, wer eine wirklich erfüllte Lucia-Aufnahme erleben will, kommt an dieser Einspielung nicht vorbei:

Die erste Aufnahme der Sängerin bei ihrer Hausfirma EMI zeigt sie stimmlich noch, interpretatorisch schon in Bestform:

Anders als die meisten anderen Sängerinnen der Rolle bewältigt sie nicht nur die technischen Schwierigkeiten der Partie lehrbuchreif. Dazu verfügt sie über die Fähigkeit, durch perfekte Artikulation und Färbung der Stimme ein Charakterbild zu zeichnen zwischen Melancholie, Jubel, tiefstem Schmerz und dem fahlen Klang des puren Wahnsinns. Und während andere Sängerinnen die Koloraturkaskaden nur nutzen, um ihre technischen Fähigkeiten zu beweisen, dienen sie Callas als Mittel der Interpretation und Charakterisierung.

Dazu singt sie hier erstmals an der Seite ihres späteren Traumpartners Tito Gobbi, der einen ebenso dämonischen wie brutalen Enrico gibt - trotz einiger etwas geblökter Spitzentöne eine sehr beeindruckende Darstellung.

Giuseppe di Stefano protzt in jeder Szene mit seiner herrlichen Tenorstimme, die damals noch keine Abnutzungserscheinungen zeigte, und ist ein herrlich glühender Liebhaber, dem nur in seiner Arie im letzten Akt etwas die Pferde durchgehen.

Also die absolute Erfüllung? Nicht ganz: Zum einen ist das Orchester nicht ganz überzeugend - ein bei Donizetti zwar sicher nicht entscheidender, aber nicht ganz nebensächlicher Faktor.

Hinzu kommt das Problem Aufnahmetechnik: Die Aufnahme der italienischen EMI-Tochter litt ursprünglich unter einem sehr starken Grundrauschen, das die Techniker beim Remastering für die CD zwar fast vollständig weggefiltert haben, dafür klingen aber auch die Stimmen etwas dumpf - wenn ich auch das Gefühl habe, dass diese Ausgabe wieder etwas klarer klingt als die Erstausgabe.

Trotzdem eine wunderbare Aufnahme, die fast keine Konkurrenz (allenfalls die erste Aufnahme der Sutherland mit Cioni, Merrill) zu fürchten hätte, wäre da nicht die großartige Live-Aufnahme von 1955 mit Panerai statt Gobbi, Karajan statt Serafin aus Berlin: Diese ist technisch erstaunlich gut und wirkt in vielem einfach lebendiger als die Studio-Einspielung. Dafür war die Stimme der Callas '55 schon etwas angegriffener. Also - Geschmackssache. Ich habe und liebe beide!


Mozart-Opern
Mozart-Opern
Preis: EUR 23,68

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klemperers später Mozart - Geschmackssache, 1. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Mozart-Opern (Audio CD)
Zum 40. Todestag des legendären Dirigenten Otto Klemperer hat seine "Hausfirma" EMI mehrere Boxen mit Aufnahmen neu heraus gebracht - eine willkommene Gelegenheit für Fans, günstig an viele heute noch geläufige, aber auch selten gewordene Aufnahmen heran zu kommen.

Während Klemperers Aufnahmen des großen romantischen sinfonischen Repertoires auch heute noch beeindrucken, habe ich mit seinen späten Mozart-Opern-Aufnahmen Schwierigkeiten. Besonders den heiteren Szenen des Figaro und von Così fan tutte nehmen die sehr langsamen Tempi Klemperers viel von ihrem Charme. Der Don Giovanni ist in seinen düster-dramatischen Momenten sehr eindrucksvoll, die heitere Seite des "dramma giocoso" bleibt völlig ausgeklammert. Lediglich die Zauberflöte verträgt die Betonung des feierlichen gut, weist auch die beste Besetzung auf.

Hier die Kurzbewertung der einzelnen Aufnahmen:

- Le Nozze di Figaro (1970, NPO; Bacquier, Söderström, Grist, Evans, Berganza):
Sehr gemütliche, bedächtige, träge, unwitzige Einspielung trotz guter Besetzung; herausragend Evans' Figaro, Berganzas Cherubino, Söderströms Gräfin; ***

- Don Giovanni (1965, NPO; Ghiaurov, Berry, Watson, Ludwig, Freni, Gedda, Crass):
sehr dramatische, düster-monumentale Einspielung mit überragender Elvira (Ludwig), Leporello (Berry); Ghiaurov ist ein gewaltiger, kein erotisch-verspielter Don, Gedda leicht indisponiert; ***-****

- Così fan tutte (1971; NPO; M. Price, Minton, Popp, Alva, Evans, Sotin):
nicht so langsam wie der Figaro, die Komödie liegt hier praktisch unter dem Mirkroskop; außer Alva sehr schöne Stimmen; ***-****

Die Zauberflöte (1963, PO; Janowitz, Popp, Gedda, Berry, Frick, Schwarzkopf, Ludwig, Crass):
die älteste Aufnahme des Albums ist auch die Beste: die überzeugendste der feierlich ernsten Zauberflöten-Aufnahmen, herausragende Pamina (Janowitz), Königin der Nacht (Popp), Papageno (Berry), leider ohne gesprochene Dialoge; trotzdem: *****
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2013 1:23 PM MEST


Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 28,99

37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer noch einer der besten Ringe, 1. März 2013
In den letzten Jahren wurden mehrere Mitschnitte des Rings des Nibelungen von den Bayreuther Festspielen aus den 50er Jahren - aufwändig restauriert - wieder oder erstmals veröffentlicht (Clemens Krauss 1953, Keilberth 1955, Knappertsbusch 1956). Die Kritiken waren meist hymnisch, das Medienecho groß.

Dabei wurde vergessen, dass schon seit Jahren dieser Mitschnitt von 1966/67 erhältlich war, der mit den älteren Aufnahmen mindestens auf Augenhöhe steht:

Klangtechnisch kann von den älteren Ringen nur der unter Keilberth mithalten, selbst die Studio-Gesamteinspielung unter Solti ist in ihrer frühen Stereo-Technik nicht wirklich besser. Die Sänger sind sehr gut und präsent eingefangen, der Orchesterklang ist schlank und präzise.

Karl Böhm dirigiert einen temperamentvollen, rhythmisch geschärften, erfrischenden und quasi entstaubten Ring. Durch flotte Tempi und einen schlanken Orchesterklang legt er die harmonische Vielschichtigkeit der Musik offen und hilft den Sängern, die hier entspannt singen können. Damit hat er auch den Komponisten auf seiner Seite, der schon seine Uraufführungs-Dirigenten ermahnte, nicht zu langsam zu dirigieren, und sich von seinen Sängern einen "deutschen Belcanto" wünschte statt des später als "Bayreuth bark" geschmähten Gebrülls.

Die Sänger danken Böhm die Chance durch größtenteils sehr gute Leistungen:

Birgit Nilsson überragt als strahlend heldische Brünnhilde, Gustav Neidlinger als bis heute unübertroffen sinistrer Alberich. James King ist ein verführerisch kraftvoller Siegmund. Wolfgang Windgassens eher lyrische Stimme hat zwar gegenüber den älteren Aufnahmen etwas an Kraft eingebüßt, ist aber auch 16 Jahre nach seinem Bayreuth-Debut noch absolut intakt. Dank seiner Erfahrung und Böhms umsichtigem Dirigat ist er immer noch ein überzeugender Siegfried. Noch besser gefällt er mir aber als Loge - ein echter Trumpf im Rheingold. Sämtliche Nebenrollen sind sehr gut bis luxuriös besetzt - etwa Martti Talvelas Fasolt oder die Rheintöchter Siebert-Dernesch-Hesse. Nur Leonie Rysanek klingt mir schon etwas zu erwachsen für die Sieglinde. Diskutieren kann man auch über Theo Adams Wotan. Mich überzeugt sein eitler Machtpolitiker. Stimmlich habe ich ihn selten besser gehört. Seine Stimme hat genug Kraft, sein charakteristisches riesiges Vibrato hat er noch gut im Griff.

Fazit: Live-Atmosphäre, guter Klang, eine mitreißende Interpretation - was will man mehr? Neben dem Keilberth-Ring mein absoluter Favorit.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2013 12:03 AM MEST


Giuseppe Verdi: Sämtliche Werke (Limited Edition)
Giuseppe Verdi: Sämtliche Werke (Limited Edition)

48 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur für Sammler, 13. Februar 2013
Für Sammler gibt es zum 200. Geburtstag des Komponisten hier den wirklich gesamten Verdi auf 75 CDs in großenteils guten bis hervorragenden Aufnahmen aus den Archiven der Polygram (also Decca, DGG, Philips, inzwischen auch EMI).

Aber die Sammlung lohnt sich auch sonst: Für den Preis von nicht einmal 2,00 EUR pro CD findet man hier eben nicht nur viele Opern, die heute (leider!) überhaupt nicht mehr gespielt werden - nur etwa die Hälfte erscheint regelmäßig auf den Spielplänen -, sondern auch Ergänzungen und andere Werke, von deren Existenz viele Musikfreunde nicht einmal etwas ahnen; und die durch die Bank sehr hörenswert sind, wie z. B. viele der Lieder und das Streichquartett.

Besonders lohnend sind viele Aufnahmen der frühen Opern, die zeigen, dass auch das Frühwerk große Meisterwerke enthält wie z. B. Luisa Miller (nach Schillers Kabale und Liebe), Stiffelio und natürlich den Macbeth. Gerade diese Opern sind mit wenigen Ausnahmen mit den besten überhaupt erhältlichen Aufnahmen vertreten, viele davon unter der Leitung des sehr verdienstvollen Entdeckers Lamberto Gardelli, der immer auch großartige Sänger zur Verfügung hatte.

Aber auch viele der Aufnahmen der berühmten Opern gehören zu den allerbesten im Katalog (Maskenball und Don Carlo unter Solti, Aida unter Karajan, Kleibers Traviata). Fast alle anderen sind zumindest ausgezeichnet mit zwei Ausnahmen: Il Trovatore unter Giulini und Sinopolis Macht des Schicksals. Aber da kann man sich für wenig Geld noch Alternativen dazu stellen.

Die Box enthält folgende Aufnahmen (jeweils mit kurzer Einzelbewertung):

- Oberto (1996; Marriner, Urmana, Neill, Ramey) ****
- Un Giorno di Regno (1973; Gardelli, Wixell, Carreras, Cossotto, Norman) *****
- Nabucco (1965; Gardelli, Gobbi, Souliotis, Prevedi, Cava) ****
- I Lombardi (1996; Levine, Anderson, Pavarotti, Ramey) ***
- Ernani (1987; Bonynge, Sutherland, Pavarotti, Nucci, Burchuladze) ***
- I due Foscari (1976; Gardelli, Cappuccilli, Ricciarelli, Carreras, Ramey) ****
- Giovanna d' Arco (1972; Levine, Caballé, Domingo, Milnes) *****
- Alzira (2001; Luisi, Mescheriakova, Vargas, Gavanelli) ****
- Attila (1972; Gardelli, Raimondi, Milnes, Deutekom, Bergonzi) *****
- Macbeth (1975; Abbado, Cappuccilli, Verrett, Domingo, Ghiaurov) *****
- I Masnadieri (1982; Bonynge, Sutherland, Bonisolli, Manuguerra, Ramey) ***
- Jérusalem (2. Version von I Lombardi; Luisi, Mescheriakova, Scandiuzzi) ***
- Il Corsaro (1975; Gardelli, Norman, Caballé, Carreras) *****
- La Battaglia di Legnano (1977; Gardelli, Ricciarelli, Carreras, Ghiaurov) ****
- Luisa Miller (1974; Maag; Caballé, Pavarotti, Milnes) *****
- Stiffelio (1979; Gardelli, Carreras, Sass, Manuguerra) ****
- Rigoletto (1979; Giulini, Cotrubas, Domingo, Cappuccilli, Ghiaurov) ****
- Il Trovatore (1983; Giulini, Plowright, Domingo, Fassbaender, Zancanaro) **
- La Traviata (1977; Kleiber; Cotrubas, Domingo, Milnes) *****
- I Vespri Siciliani (1990; Muti, Studer, Zancanaro, Merritt, Furlanetto) **
- Simone Boccanegra (1976; Abbado, Cappuccilli, Ghiaurov, van Dam, Carreras, Freni) *****
- Aroldo (Luisi, Vaness, Shicoff, Scandiuzzi) ***
- Un Ballo in Maschera (1983; Solti, Pavarotti, M. Price, Bruson, Ludwig) *****
- La Forza del Destino (Urversion; 1995; Gergiev, Gortschakowa, Borodina, Grigorian, Kit) ****
- La Forza del Destino (2. Vers.; 1985; Sinopoli, Carreras, Plowright, Bruson) **
- Don Carlos (frz., 1984; Abbado, Ricciarelli, Domingo, Nucci, Raimondi) ***
- Don Carlo (ital., 1965; Solti, Tebaldi, Bergonzi, Bumbry, Fischer-Dieskau, Ghiaurov) *****
- Aida (1958; Karajan, Tebaldi, Simionato, Bergonzi, McNeil, van Mill) *****
- Otello (1993; Chung, Domingo, Studer, Leiferkus, Vargas) ****
- Falstaff (1982; Giulini, Bruson, Nucci, Ricciarelli, Valentini-Terrani) ***

- Messa da Requiem (1968; Solti, Sutherland, Horne, Pavarotti, Talvela), Quattro pezzi sacri ****
- Messe Solenne 1835 (Chailly, Florez, Gallardo-Domaz, Tarver) ****
- div. geistliche Werke (Chailly, """) ****
- div. Orchesterwerke (Chailly) *****
- div. Lieder (M. Price, Parsons) *****
- Arien und Romanzen (Scotto, Domingo, Washington) ****
- Streichquartett (Quartetto Italiano); Klavierwerke *****
- Ballettmusiken, Zwischenspiele (de Almeida, Bonynge, Chailly) *****
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 3, 2013 6:57 PM CET


The Great Operas
The Great Operas
Preis: EUR 52,99

35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwischen genial und "na ja", 31. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: The Great Operas (Audio CD)
Zum 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi im Jahr 2013 hat die EMI diese Sammlung von insgesamt 16 Opern herausgebracht. Anders als andere Alben erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit - erst ab Rigoletto sind alle Opern enthalten, davor nur wenige Werke - dass darunter ausgerechnet Giovanna d'Arco und Attila sind, nicht aber die bedeutenderen Opern Stiffelio oder Luisa Miller, ist wohl v. a. darauf zurückzuführen, dass die EMI sie im Katalog hatte.

Die Aufnahmen sind zwischen 1955 und 1990 entstanden, wobei die meisten aus den 70er und 80er Jahren stammen und von Ricardo Muti dirigiert sind. Leider hatte der Dirigent gerade in den neueren Aufnahmen nicht immer eine glückliche Hand für die Aufnahmetechnik - besonders bei einigen Live-Mitschnitten - oder Sänger. Und so ist die Qualität der Aufnahmen in dieser Box sehr unterschiedlich:

- Nabucco (Muti, 1977); Manuguerra, Scotto, Luchetti, Ghiaurov;
großenteils mitreißend musiziert und sehr gut gesungen, aber vom Stimmcharakter nicht ganz ideal besetzt (Vater klingt jünger als Tochter) - macht Spaß

- Ernani (Muti, 1982); Domingo, Freni, Bruson, Ghiaurov;
aufnahmetechnisch schlechter Live-Mitschnitt aus der Mailänder Scala, Freni und Ghiaurov indisponiert - schade

- Giovanna d’Arco (Levine, 1972); Domingo, Caballé, Milnes;
etwas merkwürdige Schiller-Adaption, musikalisch aber hörenswert - wunderbare Aufnahme

- Attila (Muti, 1989); Ramey, Zancanaro, Studer, Shicoff;
gute Aufnahme des Frühwerks

- Macbeth (Muti, 1976); Milnes, Cossotto, Carreras, Raimondi;
das Stück ein Meisterwerk, die Aufnahme eine der, wenn nicht die beste überhaupt - unbedingt habenswert

- Rigoletto (Serafin, 1955); Callas, di Stefano, Gobbi, Zaccaria;
Verdis Durchbruch zur Unsterblichkeit in einer wunderbaren Aufnahme, Callas und Gobbi setzen bis heute Maßstäbe

- Il Trovatore (Pappano, 2001); Gheorgiu, Alagna, Hampson, Diadkova, d'Arcangelo;
leider nicht die Callas-Aufnahme von 1956; Gheorgiu überzeugt, ohne zu bewegen, Alagna unfreiwillig komisch und überfordert

- La Traviata (Muti, 1980); Scotto, Kraus, Bruson,
beeindruckende interpretatorische Leistung der reifen Scotto, leider stimmlich nicht mehr in Topform, Kraus und Bruson wunderbar

- I Vespri siciliani (Muti, 1990); Zancanaro, Merritt, Studer, Furlanetto;
wieder ein Live-Mitschnitt, der technisch nicht überzeugt, uneinheitliches Sänger-Ensemble - hätte man lieber weglassen sollen

- Simon Boccanegra (Santini, 1957); Gobbi, Christoff, de los Angeles, Campora;
große Charakterdarsteller in einem überzeugenden Ensemble - überzeugendes Plädoyer für Verdis sperrigste Oper

- Un Ballo in maschera (Muti, 1975); Domingo, Arroyo, Cossotto, Cappuccilli, Grist; der junge Domingo in einer Paraderolle in einem fast ausnahmslos großartigen Ensemble - sehr schöne Aufnahme

- La Forza del destino (Muti, 1986); Freni, Domingo, Zancanaro, Zajic;
große Namen nicht in Topform - kann man anhören, muss man aber nicht; da hätte die EMI mit der Gardelli-Aufnahme von 1969 eine viel bessere Alternative gehabt

- Don Carlo (Giulini, 1970); Caballé, Domingo, Milnes, Raimondi, Verrett;
absolute Spitzenaufnahme, traumhafter Gesang

- Aida (Mehta, 1967); Nilsson, Corelli, Bumbry, Sereni;
Nilsson fehlbesetzt, Corelli brüllt, Sereni ist zu zahm; eine der schlechteren Aidas im EMI-Katalog; warum hier nicht die wunderbare Muti-Aufnahme von 1973?

- Otello (Karajan, 1973); Vickers, Freni, Glossop;
Soundtrack zu einem Film, deshalb klangtechnisch nicht ideal; Vickers ist ein mitreißender Otello, Freni eine sanft-ätherische Desdemona - nicht mein Favorit, aber gut

- Falstaff (Karajan, 1956); Gobbi, Panerai, Schwarzkopf, Moffo, Barbieri, Alva;
ein Höhepunkt der Box: die wahrscheinlich beste Aufnahme des Falstaff überhaupt; Gobbi ragt als großer Singschauspieler aus einem überragenden Ensemble heraus

Für das Preis-Leistungsverhältnis und viele gute und einige sensationelle Aufnahmen (Macbeth, Rigoletto, Don Carlo, Falstaff) insgesamt vier Sterne.


Partita Bwv 826,830 & Toccata Bwv 911
Partita Bwv 826,830 & Toccata Bwv 911
Preis: EUR 11,99

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingte Empfehlung, 28. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In den letzten Jahren galt es zunehmend als verpönt, Bachs Werke für Tasteninstrumente auf einem modernen Flügel zu spielen - einem Instrument, das es zu Lebzeiten den Komponisten schließlich noch gar nicht gab. Statt dessen galt das Cembalo als praktisch einzig legitime Alternative.

Gnade vor der herrschenden Meinung fanden fast nur noch die Aufnahmen des Tasten-Revolutionärs Glenn Gould. Und so ist es eigentlich folgerichtig, dass der junge französische Pianist David Fray oft mit dem großen Kanadier verglichen wird, seit er vor einigen Jahren gerade Bach zu einem Schwerpunkt seines Repertoires machte - und damit weltweit gefeiert wurde.

Diesen Vergleich lehnt Fray selbst ab - zu Recht, wie ich finde: Während Gould in seinen Bach-Interpreationen oft durch extensives Staccato-Spiel und eine besondere Betonung der Unterstimmen dem Cembalo-Klang nahekommt, bleibt Fray immer Pianist. Sein Ton ist weicher, farbenreicher, melodischer - ohne dass er die polyphone Struktur der Musik vernachlässigen oder verdecken würde. Man könnte sagen, sein Zugang ist selbstverständlicher, auch verspielter als der Goulds.

Während ich bei Frays hochgelobter CD mit Klavierkonzerten Bachs die klangliche Balance mit dem Orchester noch nicht ideal fand, ist diese CD m. E. ein großer Wurf:

Die c-moll-Toccata BWV 911, ein Werk aus Bachs Weimarer Zeit (1708-17) wird umrahmt von zwei Partiten, die als Teil des ersten Bandes der "Clavierübungen" erst 1731 veröffentlicht wurden. Alle drei Werke haben es verdient, als eigenständige Werke - statt als Teil einer größeren Sammlung - wahrgenommen zu werden und damit als die Meisterwerke, die sie sind.

Besonders spannend ist dabei der starke Kontrast zwischen der stilistisch (noch) stark an ein Orgelwerk erinnernden Toccata (mit Fugen) und den melodisch viel freieren, dabei unglaublich dicht konstruierten und pianistischeren Partiten. Besonders die 6. Partita entfernt sich dabei enorm weit von der Sammlung von reinen Tanzsätzen, die der Begriff einmal bezeichnet hatte.

Fray betont die motivischen Zusammenhänge der einzelnen Sätze ebenso wie deren Eigenständigkeit im Ausdruck, gibt den langsamen Sätzen eine fast meditative Ruhe, den Fugen die nötige strenge Größe - kurz, so kann ich jederzeit Bach auf einem modernen Flügel hören. Eine wunderbare CD.


Kander: Chicago (Gesamtaufnahme, New York 18.11.1996)
Kander: Chicago (Gesamtaufnahme, New York 18.11.1996)
Preis: EUR 16,53

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Revival - musikalisch zu brav, 15. Januar 2013
Für uns heute ist das Musical Chicago ein Klassiker. Als die Show 1975 am Broadway herausgebracht wurde, war sie eher ein Achtungserfolg als ein Hit und stand anfangs im Schatten von "A Chorus Line." Das Publikum war durch die amoralische Handlung verwirrt, konnte vielleicht auch mit der Idee nicht so viel anfangen, sämtliche Musiknummern wie Vaudeville-Acts zu choreographieren.

Erst die Neuinszenierung von 1996 mit ihrem coolen Look und der vorherrschenden Farbe schwarz - beides wurde auch in der Verfilmung übernommen - machte das Stück zum Hit. Auf dieser Aufnahme ist die Besetzung der Wiederaufnahme zu hören.

Gegenüber dem Original wirkt das Stück musikalisch stark geglättet, was auch an den Sängern liegt: Während Chita Rivera (Velma) und Gwen Verdon (Roxie) Broadway-Veteraninnen waren, die mit einer gewissen Coolness die Schlampen gaben, waren Bebe Neuwirth (Velma) und Ann Reinking (Roxie) sehr viel jünger und nahmen die Sache hörbar ernster. Das klingt musikalisch schöner, aber gerade bei Reinking auch sehr einstudiert und etwas brav. Dasselbe gilt für die übrige Besetzung.

Wie man technisch hervorragend singen kann und trotzdem die Komik und Drastik des Stückes adäquat wiedergeben kann, kann man schließlich in der Aufnahme der Londoner Wiederaufnahme von 1997 mit Ute Lemper (Velma), vor allem aber Ruthie Henshall (Roxie!) und Henry Goodman hören - das wäre meine Kaufempfehlung.


Chicago
Chicago
Wird angeboten von marvelio-germany
Preis: EUR 7,04

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der ursprüngliche Broadway-Cast - Kult, 15. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Chicago (Audio CD)
Für uns heute ist das Musical Chicago ein Klassiker. Als die Show 1975 am Broadway herausgebracht wurde, war sie eher ein Achtungs-Erfolg als ein Hit und stand anfangs im Schatten von "A Chorus Line." Das Publikum war durch die amoralische Handlung verwirrt, konnte vielleicht auch mit der Idee nicht so viel anfangen, sämtliche Musiknummern wie Vaudeville-Acts zu choreographieren.

Erst die Neuinszenierung von 1996 mit ihrem coolen Look und der vorherrschenden Farbe schwarz - beides wurde auch in der Verfilmung übernommen - machte das Stück zum Hit.

Diese Aufnahme lässt uns das Stück in seiner ursprünglichen Form erleben - mit der Uraufführungsbesetzung. Der Eindruck ist wilder, verspielter, auch weniger perfekt(ionistisch) als die neueren Aufnahmen und Aufführungen.

Chita Rivera (Velma Kelly) und Gwen Verdon (Roxie Hart) haben beide recht rauhe Stimmen und spielen ihre Rollen als Veteraninnen des Showbiz, die schon einiges durchgemacht haben - und immer mit einem Augenzwinkern. Schade, das man sie auf der Aufnahme nicht sehen kann, denn beide waren nicht zuletzt großartige Tänzerinnen. Jerry Orbach ist ein sehr viriler Billy Flynn, Mary McCarty eine großartige Mama Morton.

Insgesamt sind sicher einige neuere Aufnahmen perfekter produziert, bieten auch objektiv bessere Musical-Sänger auf. Das gilt v. a. für die London Cast Aufnahme von 1998 mit der fabelhaften Ruthie Henshall (Roxie) und dem ebenso großartigen Henry Goodman (Billy).

Trotzdem bleibt die ursprüngliche Aufnahme in ihrer Lebendigkeit ein Klassiker.


West Side Story
West Side Story
Preis: EUR 10,98

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einheitlichste Aufnahme von Bernsteins Meisterwerk, 14. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: West Side Story (Audio CD)
Wenn von Aufnahmen der West Side Story die Rede ist, werden eigentlich immer nur der Soundtrack des Films einerseits und die von Leonard Bernstein selbst in den 80ern dirigierte Aufnahme mit Opernstars miteinander verglichen, die beide nicht völlig überzeugen:

Der Soundtrack leidet unter einer unterirdischen Tonqualität und uneinheitlichen Gesangsleistungen. Die andere Aufnahme ist sehr opernhaft geraten und leidet vor allem unter José Carreras' Akzent - der Tony sollte eigentlich kein Latino sein.

Warum vergisst man eigentlich immer diese Aufnahme mit der originalen Broadway-Besetzung? Sie ist nämlich insgesamt die überzeugendste, sorgfältig produziert, mit ordentlicher Tonqualität und insgesamt sehr überzeugender Sängerbesetzung.

Das gilt vor allem für den Sänger des Tony, Larry Kert, einen wirklich guten Musical-Tenor, der gerade auch die rhythmischeren Nummern perfekt interpretiert - Something's coming etwa ist unglaublich mitreißend gelungen, kein Vergleich zum radebrechenden Carreras.

Nur die Maria (Carol Lawrence) ist im Vergleich zur entzückenden Dame Kiri te Kanawa etwas leichtstimmig besetzt - ganz im Gegensatz zur fabelhaften Anita von Chita Rivera.

Eine sehr erfreuliche Zugabe sind die von Leonard Bernstein mit dem New York Philharmonic Orchestra aufgenommenen "symphonic dances."
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 14, 2013 1:20 PM CET


Der Freischütz
Der Freischütz
Preis: EUR 14,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen unerfüllte Erwartungen, 12. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Freischütz (Audio CD)
Die EMI hatte 1958 - schon in Stereo - eine Referenzaufnahme des Freischütz unter Leitung von Joseph Keilberth vorgelegt. Diese 11 Jahre später beim selben Konzern erschienene Aufnahme muss sich zwangsläufig mit der älteren Einspielung messen - und die Besetzung liest sich erst einmal viel versprechend. Im Ergebnis aber behält die ältere Einspielung in jeder Beziehung die Nase vorn:

Das Problem der meisten Aufnahmen ist der Max. Hier ist er endlich einmal ideal besetzt mit Nicolai Gedda, der zur Zeit dieser Aufnahme die perfekte Stimme für das deutsche romantische Repertoire hatte. Im ersten Akt hat er allerdings einige bei ihm ganz ungewohnte Intonationsprobleme - da ist überraschenderweise Rudolf Schock bei Keilberth genauer und besser in Form. Im weiteren Verlauf der Oper steigert sich Gedda aber zu der erwarteten Topleistung.

Der Kaspar dagegen ist in beiden Aufnahmen gleichwertig - und sehr gut - besetzt, hier mit einem wahrhaft dämonischen Walter Berry.

Die eine große Schwierigkeit der Aufnahme ist die Besetzung der weiblichen Hauptrollen:

Die große Wagner-Sängerin Birgit Nilsson geht nach 20 Jahren Brünnhilden und Isolden zurück zu ihrer ersten Hauptrolle, der Agathe. Sie bemüht sich um eine zarte, intime Tongebung. Allerdings hat ihre Stimme keine Wärme, ihre Interpretation ist zu vorsichtig, zu steif, um ausdrucksvoll zu wirken. Die Rolle der Agathe verlangt keine triumphalen Ausbrüche in höchster Lage, ihre Spezialität, sondern die Intimität einer Mozart-Stimme. Mit der bis heute unübertroffenen Agathe der Keilberth-Aufnahme, Elisabeth Grümmer, kann sie sich nicht ansatzweise vergleichen. In einem Satz: Nilsson ist "keine Sängerin von Träumen und Schmerzen, sondern von Schlachtrufen" (J. Kesting). Und damit ist die Agathe nicht ihre Rolle.

Erika Köth, die Sängerin des Ännchens, singt zwar musikalisch genauer und auch witziger als Lisa Otto in der älteren Aufnahme, klingt aber mit Mitte 40 leider nicht mehr nach jungem Mädchen. Die Stimme ist etwas wackelig, und in der höheren Lage ist der gesungene Text bei ihr nicht verständlich.

Die Nebenrollen sind dann wieder untadelig besetzt - mit dem Luxus des Eremiten von Franz Crass, dem allerdings Gottlob Frick in der älteren Aufnahme nicht nachsteht.

Das Orchester der Bayerischen Staatsoper erreicht nicht im entferntesten die Präzision, das Temperament und die klangliche Präsenz der Berliner Philharmoniker in der älteren Aufnahme. Die Chöre sind etwa gleichwertig.

Dirigent Robert Heger wählt im Vergleich zu Keilberth (von Erich oder Carlos Kleiber gar nicht zu reden) eher träge Tempi, entwickelt wenig bis kein Temperament. Neben der Nilsson der Hauptkritikpunkt an der Aufnahme.

Schließlich ist auch die Dialogregie steif, der gesprochene Text wirkt uninspiriert und teilweise eher unfreiwillig komisch.

Und so muss man festhalten, dass merkwürdigerweise die neuere Aufnahme heute viel verstaubter, altmodischer wirkt als die ältere. Keilberth bleibt bis heute (neben der Carlos Kleiber-Aufnahme) einer der Klassiker im Katalog, die Heger-Aufnahme nur wegen der Einzelleistungen von Berry und bedingt Gedda und Köth hörenswert.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2013 12:12 AM MEST


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