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vully "vully" (Neuhausen)
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Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Preis: EUR 24,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großes Ensembletheater, 18. März 2013
Anfang der 90er erschienen in relativ kurzem Abstand zwei neue, im Konzept sehr unterschiedliche Gesamtaufnahmen der Meistersinger: Sir Georg Solti setzte in seiner zweiten Einspielung der Oper auf langsame Tempi und sehr scharfe dynamische Kontraste. Wolfgang Sawallisch dagegen, der 1 Jahr nach seinem Abschied als Generalmusikdirektor für diese Aufnahme noch einmal zu seinem Münchner Ensemble zurückkehrte, wählte durchgehend recht flotte Tempi und erspart einem auch den ständigen Griff zum Lautstärkenregler.

Trotzdem haben beide Dirigenten denselben Tenor gewählt, und das nicht ohne Grund: Ben Heppner schafft es, die technischen Fähigkeiten eines lyrischen Tenors mit der Kraft eines jugendlichen Heldentenors zu verbinden. Sein Stolzing ist endlich mal kein verhinderter Jung-Siegfried, der sich durch das Preislied brüllt, sondern er singt die Rolle so, wie ein Domingo oder Konya es wegen ihres starken Akzents nicht ganz konnten. Er allein würde den Kauf dieser Aufnahme lohnen.

Bernd Weikl hört man viele Jahre Erfahrung mit der Rolle des Sachs deutlich an: Er singt den Text ebenso selbstverständlich wie verständlich, ist ein sympathischer Sachs mit genau der richtigen Mischung aus Intelligenz und Volkstümlichkeit, bleibt dabei - gerade im problematischen Schlussmonolog - erfreulich unpathetisch. Dass er - Kehrseite der langjährigen Erfahrung - mit einigen Spitzentönen Probleme hat, stört da nur wenig.

Cheryl Studer ist eine sehr erwachsene Eva, die zeigt, dass Wagner ihre eigentliche Spezialität war. Siegfried Lorenz überzeugt als Beckmesser vor allem durch Ernsthaftigkeit und Musikalität: Er singt die Koloraturen seines "Preislieds" fast wie eine Bach-Arie und gibt der Rolle eine Würde, die ihr die meisten Konkurrenten (Geraint Evans!) leider verweigern.

Kurt Molls Stimme hat nicht mehr die Kraft seiner ganz großen Jahre, aber immer noch ihren schwarzen Samtklang, mit dem er einen sehr würdigen Pogner singt. Frisch und jugendlich schließlich klingt das Buffo-Paar van der Walt (David) - Kallisch (Magdalene). Die Nebenrollen sind ebenfalls hervorragend besetzt, teilweise mit späteren Stars (Pape, Schade, Wagenführer).

Die Sänger - und der ausgezeichnete Chor - werden auf dem weichen, runden, trotzdem transparenten Klang des Bayerischen Staatsorchesters sanft getragen, ohne je übertönt zu werden. Dadurch brauchen sie nicht so viel Kraft zu investieren und können natürlicher singen. Vor allem aber bleiben sie auch in den Finali verständlich. Das verstärkt ebenso wie die flotten Tempi den heiteren, komödiantischen Ton der Oper.

Und so hat sich Wolfgang Sawallisch nicht nur selbst ein sehr schönes Abschiedsgeschenk als GMD in München - mit "seinem" Ensemble - gemacht, sondern uns eine der heitersten, rundum überzeugendsten Gesamtaufnahmen der Meistersinger von Nürnberg überhaupt beschert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 24, 2014 11:06 PM MEST


Le Nozze di Figaro
Le Nozze di Figaro
Preis: EUR 15,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unter südlicher Sonne, 17. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Audio CD)
Diese Aufnahme von 1959 war eine Sternstunde der EMI-Arbeiten des großen Produzenten Walter Legge. Mit Ausnahme seiner Ehefrau Elisabeth Schwarzkopf und Eberhard Waechter hat er eine rein italienische Besetzung gewählt (die Amerikanerin Moffo zähle ich mal dazu), was dem Stück gut bekommt: Die Oper klingt anders als in vielen anderen Aufnahmen weniger nach Österreich als tatsächlich nach Südeuropa: Saftig, rund und fröhlich.

Die Sänger sind über jeden Zweifel erhaben: Waechters Graf zeigt genau die richtige Mischung aus erotischer Ausstrahlung und brutaler Autorität. Man glaubt, dass die Gräfin diesen Ehemann zurückhaben möchte. Für mich seine beste Aufnahme, besser auch als der legendäre Don Giovanni unter Giulini, der ihm m. E. etwas zu tief lag.

Die Schwarzkopf singt die Gräfin anrührend, zart und würdevoll, ist der Ruhepol der Oper - ihr Verzeihen im Finale ist von einer zarten Trauer, wie ich sie in keiner anderen Aufnahme wieder gehört habe.

Giuseppe Taddei war außerhalb Italiens zu Unrecht nie so berühmt wie viele Kollegen. Er gibt hier einen jugendlich-kraftvollen, aufmüpfigen und pfiffigen Figaro. Einer der wenigen Baritone, der mich in dieser Rolle wirklich überzeugt.

Anna Moffos Susanna ist ungewöhnlich erotisch in der Ausstrahlung - und an den richtigen Stellen herrlich zickig. Fiorenza Cossotto ist ein sehr vitaler und viriler Cherubin. Die restliche Besetzung ist ausgezeichnet bis luxuriös - von Ivo Vincos herrlich aufgeblasenen Bartolo über die wunderbar zickige Marzelline von Dora Gatta bis him zum großen Piero Cappuccilli als Antonio(!).

Carlo Maria Giulini lässt einen sehr entspannten, heiter sonnigen Figaro spielen - insofern der Gegenentwurf zu Claudio Abbados wahrhaft "tollen Tag". Die Aufnahmetechnik von 1959 ist sehr anhörbar - frühes Stereo, sauber wiedergebene Stimmen ohne Verfärbungen.

Lediglich die damals üblichen Striche im letzten Akt (je eine Arie der Marzellina und des Don Basilio)sind etwas bedauerlich (angeblich war die Aufnahme vollständig, wurde aber von der EMI vor der Veröffentlichung gekürzt). Ansonsten eine sehr schöne Aufnahme, besonders das Finale ("Contessa, perdono") für mich so anrührend wie in keiner anderen Einspielung.


I Puritani
I Puritani
Preis: EUR 21,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungenes Plädoyer für ein Meisterwerk, 17. März 2013
Rezension bezieht sich auf: I Puritani (Audio CD)
I Puritani, die letzte Oper des mit nur 34 Jahren verstorbenen Vincenzo Bellini, steht heute etwas im Schatten der großen Tragödie Norma. Dabei bieten auch die Puritaner nicht nur eine Fülle wundervoller Musik. Die Oper ist schlicht ein Meisterwerk der romantischen Oper und zeigt, in welche Richtung Bellini sich noch hätte entwickeln können: Die Orchesterbehandlung ist vielfältiger und farbenreicher als in früheren Opern, die Oper ist größtenteils durchkomponiert, viele der Soli werden in Ensembleszenen aufgelöst.

Diese Aufnahme von 1979 hat mit Ricardo Muti einen Dirigenten mit dem Gefühl für das Melodrama in Bellinis Musik, aber auch mit dem Blick für die Feinheiten und die Fortschrittlichkeit der Partitur. Die Hauptrollen sind mit Alfredo Kraus und Montserrat Caballé sehr prominent besetzt. Allerdings hat mich zunächst das Aufnahmejahr beunruhigt: '79 war Kraus bereits 52 Jahre alt und Caballé, immerhin auch schon Mitte 40, sang schon einige Jahre schwerere Rollen, die ihrer Stimme nicht eben gut taten.

Bei Kraus hätte ich mir keine Sorgen zu machen brauchen: Der Grandseigneur unter den Tenören singt den Arturo mit völlig intakter Stimme und der Eleganz und Stilsicherheit, die ihn über Jahrzehnte zum führenden Bellini- und Donizetti-Tenor machten. Eine großartige, bewegende Interpretation. Nur die absoluten Spitzentöne haben nicht mehr ganz die Leichtigkeit früherer Aufnahmen, das (nicht originale) hohe F in "Credeasi misera" lässt er glücklicherweise weg.

Auch Caballé zieht sich unerwartet gut aus der Affäre: Zwar hat sich ihre Stimme gegenüber ihren frühen Belcantoaufnahmen deutlich verhärtet, die virtuosen Passagen (v.a. das "son vergin vezzosa") singt sie etwas steif und vorsichtig, nicht ganz mit der selbstverständlichen Phrasierung einer Callas oder Gruberova. Die zarte Seite ihrer Rolle, besonders die Wahnsinnsszene, gelingt ihr dagegen wieder sehr anrührend.

Besonders gut sind hier auch die übrigen Rollen bis hin zu den Nebenrollen besetzt: Matteo Manuguerra überzeugt als verschmähter Liebhaber Riccardo mit wunderschöner, viriler Baritonstimme und untadeliger Artikulation nicht nur musikalisch, sondern weckt auch Sympathie für seine Rolle. Augustino Ferrin als Giorgio und Julia Hamari als Königin stehen ihm in nichts nach.

Ein besonderes Lob verdienen auch der Ambrosian Opera Chorus und das Philharmonia Orchestra London, die dabei helfen, Bellinis Musik von ihrem "Leierkasten-Image" zu befreien.

Insgesamt also kann ich diese Aufnahme nur wärmstens empfehlen. Ich kenne kein anderes ähnlich überzeugendes Gesamtpaket.


Lucia di Lammermoor (Mono 53)
Lucia di Lammermoor (Mono 53)
Preis: EUR 16,02

5.0 von 5 Sternen Unverzichtbare Einspielung, 17. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Lucia di Lammermoor (Mono 53) (Audio CD)
Wer hören will, was für eine große, gesunde Stimme die Callas einmal hatte, wer eine wirklich erfüllte Lucia-Aufnahme erleben will, kommt an dieser Einspielung nicht vorbei:

Die erste Aufnahme der Sängerin bei ihrer Hausfirma EMI zeigt sie stimmlich noch, interpretatorisch schon in Bestform:

Anders als die meisten anderen Sängerinnen der Rolle bewältigt sie nicht nur die technischen Schwierigkeiten der Partie lehrbuchreif. Dazu verfügt sie über die Fähigkeit, durch perfekte Artikulation und Färbung der Stimme ein Charakterbild zu zeichnen zwischen Melancholie, Jubel, tiefstem Schmerz und dem fahlen Klang des puren Wahnsinns. Und während andere Sängerinnen die Koloraturkaskaden nur nutzen, um ihre technischen Fähigkeiten zu beweisen, dienen sie Callas als Mittel der Interpretation und Charakterisierung.

Dazu singt sie hier erstmals an der Seite ihres späteren Traumpartners Tito Gobbi, der einen ebenso dämonischen wie brutalen Enrico gibt - trotz einiger etwas geblökter Spitzentöne eine sehr beeindruckende Darstellung.

Giuseppe di Stefano protzt in jeder Szene mit seiner herrlichen Tenorstimme, die damals noch keine Abnutzungserscheinungen zeigte, und ist ein herrlich glühender Liebhaber, dem nur in seiner Arie im letzten Akt etwas die Pferde durchgehen.

Also die absolute Erfüllung? Nicht ganz: Zum einen ist das Orchester nicht ganz überzeugend - ein bei Donizetti zwar sicher nicht entscheidender, aber nicht ganz nebensächlicher Faktor.

Hinzu kommt das Problem Aufnahmetechnik: Die Aufnahme der italienischen EMI-Tochter litt ursprünglich unter einem sehr starken Grundrauschen, das die Techniker beim Remastering für die CD zwar fast vollständig weggefiltert haben, dafür klingen aber auch die Stimmen etwas dumpf - wenn ich auch das Gefühl habe, dass diese Ausgabe wieder etwas klarer klingt als die Erstausgabe.

Trotzdem eine wunderbare Aufnahme, die fast keine Konkurrenz (allenfalls die erste Aufnahme der Sutherland mit Cioni, Merrill) zu fürchten hätte, wäre da nicht die großartige Live-Aufnahme von 1955 mit Panerai statt Gobbi, Karajan statt Serafin aus Berlin: Diese ist technisch erstaunlich gut und wirkt in vielem einfach lebendiger als die Studio-Einspielung. Dafür war die Stimme der Callas '55 schon etwas angegriffener. Also - Geschmackssache. Ich habe und liebe beide!


Mozart-Opern
Mozart-Opern
Preis: EUR 28,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klemperers später Mozart - Geschmackssache, 1. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Mozart-Opern (Audio CD)
Zum 40. Todestag des legendären Dirigenten Otto Klemperer hat seine "Hausfirma" EMI mehrere Boxen mit Aufnahmen neu heraus gebracht - eine willkommene Gelegenheit für Fans, günstig an viele heute noch geläufige, aber auch selten gewordene Aufnahmen heran zu kommen.

Während Klemperers Aufnahmen des großen romantischen sinfonischen Repertoires auch heute noch beeindrucken, habe ich mit seinen späten Mozart-Opern-Aufnahmen Schwierigkeiten. Besonders den heiteren Szenen des Figaro und von Così fan tutte nehmen die sehr langsamen Tempi Klemperers viel von ihrem Charme. Der Don Giovanni ist in seinen düster-dramatischen Momenten sehr eindrucksvoll, die heitere Seite des "dramma giocoso" bleibt völlig ausgeklammert. Lediglich die Zauberflöte verträgt die Betonung des feierlichen gut, weist auch die beste Besetzung auf.

Hier die Kurzbewertung der einzelnen Aufnahmen:

- Le Nozze di Figaro (1970, NPO; Bacquier, Söderström, Grist, Evans, Berganza):
Sehr gemütliche, bedächtige, träge, unwitzige Einspielung trotz guter Besetzung; herausragend Evans' Figaro, Berganzas Cherubino, Söderströms Gräfin; ***

- Don Giovanni (1965, NPO; Ghiaurov, Berry, Watson, Ludwig, Freni, Gedda, Crass):
sehr dramatische, düster-monumentale Einspielung mit überragender Elvira (Ludwig), Leporello (Berry); Ghiaurov ist ein gewaltiger, kein erotisch-verspielter Don, Gedda leicht indisponiert; ***-****

- Così fan tutte (1971; NPO; M. Price, Minton, Popp, Alva, Evans, Sotin):
nicht so langsam wie der Figaro, die Komödie liegt hier praktisch unter dem Mirkroskop; außer Alva sehr schöne Stimmen; ***-****

Die Zauberflöte (1963, PO; Janowitz, Popp, Gedda, Berry, Frick, Schwarzkopf, Ludwig, Crass):
die älteste Aufnahme des Albums ist auch die Beste: die überzeugendste der feierlich ernsten Zauberflöten-Aufnahmen, herausragende Pamina (Janowitz), Königin der Nacht (Popp), Papageno (Berry), leider ohne gesprochene Dialoge; trotzdem: *****
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2013 1:23 PM MEST


Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 28,99

38 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer noch einer der besten Ringe, 1. März 2013
In den letzten Jahren wurden mehrere Mitschnitte des Rings des Nibelungen von den Bayreuther Festspielen aus den 50er Jahren - aufwändig restauriert - wieder oder erstmals veröffentlicht (Clemens Krauss 1953, Keilberth 1955, Knappertsbusch 1956). Die Kritiken waren meist hymnisch, das Medienecho groß.

Dabei wurde vergessen, dass schon seit Jahren dieser Mitschnitt von 1966/67 erhältlich war, der mit den älteren Aufnahmen mindestens auf Augenhöhe steht:

Klangtechnisch kann von den älteren Ringen nur der unter Keilberth mithalten, selbst die Studio-Gesamteinspielung unter Solti ist in ihrer frühen Stereo-Technik nicht wirklich besser. Die Sänger sind sehr gut und präsent eingefangen, der Orchesterklang ist schlank und präzise.

Karl Böhm dirigiert einen temperamentvollen, rhythmisch geschärften, erfrischenden und quasi entstaubten Ring. Durch flotte Tempi und einen schlanken Orchesterklang legt er die harmonische Vielschichtigkeit der Musik offen und hilft den Sängern, die hier entspannt singen können. Damit hat er auch den Komponisten auf seiner Seite, der schon seine Uraufführungs-Dirigenten ermahnte, nicht zu langsam zu dirigieren, und sich von seinen Sängern einen "deutschen Belcanto" wünschte statt des später als "Bayreuth bark" geschmähten Gebrülls.

Die Sänger danken Böhm die Chance durch größtenteils sehr gute Leistungen:

Birgit Nilsson überragt als strahlend heldische Brünnhilde, Gustav Neidlinger als bis heute unübertroffen sinistrer Alberich. James King ist ein verführerisch kraftvoller Siegmund. Wolfgang Windgassens eher lyrische Stimme hat zwar gegenüber den älteren Aufnahmen etwas an Kraft eingebüßt, ist aber auch 16 Jahre nach seinem Bayreuth-Debut noch absolut intakt. Dank seiner Erfahrung und Böhms umsichtigem Dirigat ist er immer noch ein überzeugender Siegfried. Noch besser gefällt er mir aber als Loge - ein echter Trumpf im Rheingold. Sämtliche Nebenrollen sind sehr gut bis luxuriös besetzt - etwa Martti Talvelas Fasolt oder die Rheintöchter Siebert-Dernesch-Hesse. Nur Leonie Rysanek klingt mir schon etwas zu erwachsen für die Sieglinde. Diskutieren kann man auch über Theo Adams Wotan. Mich überzeugt sein eitler Machtpolitiker. Stimmlich habe ich ihn selten besser gehört. Seine Stimme hat genug Kraft, sein charakteristisches riesiges Vibrato hat er noch gut im Griff.

Fazit: Live-Atmosphäre, guter Klang, eine mitreißende Interpretation - was will man mehr? Neben dem Keilberth-Ring mein absoluter Favorit.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2013 12:03 AM MEST


Giuseppe Verdi: Sämtliche Werke (Limited Edition)
Giuseppe Verdi: Sämtliche Werke (Limited Edition)

49 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur für Sammler, 13. Februar 2013
Für Sammler gibt es zum 200. Geburtstag des Komponisten hier den wirklich gesamten Verdi auf 75 CDs in großenteils guten bis hervorragenden Aufnahmen aus den Archiven der Polygram (also Decca, DGG, Philips, inzwischen auch EMI).

Aber die Sammlung lohnt sich auch sonst: Für den Preis von nicht einmal 2,00 EUR pro CD findet man hier eben nicht nur viele Opern, die heute (leider!) überhaupt nicht mehr gespielt werden - nur etwa die Hälfte erscheint regelmäßig auf den Spielplänen -, sondern auch Ergänzungen und andere Werke, von deren Existenz viele Musikfreunde nicht einmal etwas ahnen; und die durch die Bank sehr hörenswert sind, wie z. B. viele der Lieder und das Streichquartett.

Besonders lohnend sind viele Aufnahmen der frühen Opern, die zeigen, dass auch das Frühwerk große Meisterwerke enthält wie z. B. Luisa Miller (nach Schillers Kabale und Liebe), Stiffelio und natürlich den Macbeth. Gerade diese Opern sind mit wenigen Ausnahmen mit den besten überhaupt erhältlichen Aufnahmen vertreten, viele davon unter der Leitung des sehr verdienstvollen Entdeckers Lamberto Gardelli, der immer auch großartige Sänger zur Verfügung hatte.

Aber auch viele der Aufnahmen der berühmten Opern gehören zu den allerbesten im Katalog (Maskenball und Don Carlo unter Solti, Aida unter Karajan, Kleibers Traviata). Fast alle anderen sind zumindest ausgezeichnet mit zwei Ausnahmen: Il Trovatore unter Giulini und Sinopolis Macht des Schicksals. Aber da kann man sich für wenig Geld noch Alternativen dazu stellen.

Die Box enthält folgende Aufnahmen (jeweils mit kurzer Einzelbewertung):

- Oberto (1996; Marriner, Urmana, Neill, Ramey) ****
- Un Giorno di Regno (1973; Gardelli, Wixell, Carreras, Cossotto, Norman) *****
- Nabucco (1965; Gardelli, Gobbi, Souliotis, Prevedi, Cava) ****
- I Lombardi (1996; Levine, Anderson, Pavarotti, Ramey) ***
- Ernani (1987; Bonynge, Sutherland, Pavarotti, Nucci, Burchuladze) ***
- I due Foscari (1976; Gardelli, Cappuccilli, Ricciarelli, Carreras, Ramey) ****
- Giovanna d' Arco (1972; Levine, Caballé, Domingo, Milnes) *****
- Alzira (2001; Luisi, Mescheriakova, Vargas, Gavanelli) ****
- Attila (1972; Gardelli, Raimondi, Milnes, Deutekom, Bergonzi) *****
- Macbeth (1975; Abbado, Cappuccilli, Verrett, Domingo, Ghiaurov) *****
- I Masnadieri (1982; Bonynge, Sutherland, Bonisolli, Manuguerra, Ramey) ***
- Jérusalem (2. Version von I Lombardi; Luisi, Mescheriakova, Scandiuzzi) ***
- Il Corsaro (1975; Gardelli, Norman, Caballé, Carreras) *****
- La Battaglia di Legnano (1977; Gardelli, Ricciarelli, Carreras, Ghiaurov) ****
- Luisa Miller (1974; Maag; Caballé, Pavarotti, Milnes) *****
- Stiffelio (1979; Gardelli, Carreras, Sass, Manuguerra) ****
- Rigoletto (1979; Giulini, Cotrubas, Domingo, Cappuccilli, Ghiaurov) ****
- Il Trovatore (1983; Giulini, Plowright, Domingo, Fassbaender, Zancanaro) **
- La Traviata (1977; Kleiber; Cotrubas, Domingo, Milnes) *****
- I Vespri Siciliani (1990; Muti, Studer, Zancanaro, Merritt, Furlanetto) **
- Simone Boccanegra (1976; Abbado, Cappuccilli, Ghiaurov, van Dam, Carreras, Freni) *****
- Aroldo (Luisi, Vaness, Shicoff, Scandiuzzi) ***
- Un Ballo in Maschera (1983; Solti, Pavarotti, M. Price, Bruson, Ludwig) *****
- La Forza del Destino (Urversion; 1995; Gergiev, Gortschakowa, Borodina, Grigorian, Kit) ****
- La Forza del Destino (2. Vers.; 1985; Sinopoli, Carreras, Plowright, Bruson) **
- Don Carlos (frz., 1984; Abbado, Ricciarelli, Domingo, Nucci, Raimondi) ***
- Don Carlo (ital., 1965; Solti, Tebaldi, Bergonzi, Bumbry, Fischer-Dieskau, Ghiaurov) *****
- Aida (1958; Karajan, Tebaldi, Simionato, Bergonzi, McNeil, van Mill) *****
- Otello (1993; Chung, Domingo, Studer, Leiferkus, Vargas) ****
- Falstaff (1982; Giulini, Bruson, Nucci, Ricciarelli, Valentini-Terrani) ***

- Messa da Requiem (1968; Solti, Sutherland, Horne, Pavarotti, Talvela), Quattro pezzi sacri ****
- Messe Solenne 1835 (Chailly, Florez, Gallardo-Domaz, Tarver) ****
- div. geistliche Werke (Chailly, """) ****
- div. Orchesterwerke (Chailly) *****
- div. Lieder (M. Price, Parsons) *****
- Arien und Romanzen (Scotto, Domingo, Washington) ****
- Streichquartett (Quartetto Italiano); Klavierwerke *****
- Ballettmusiken, Zwischenspiele (de Almeida, Bonynge, Chailly) *****
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 3, 2013 6:57 PM CET


The Great Operas
The Great Operas
Preis: EUR 52,99

35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwischen genial und "na ja", 31. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: The Great Operas (Audio CD)
Zum 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi im Jahr 2013 hat die EMI diese Sammlung von insgesamt 16 Opern herausgebracht. Anders als andere Alben erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit - erst ab Rigoletto sind alle Opern enthalten, davor nur wenige Werke - dass darunter ausgerechnet Giovanna d'Arco und Attila sind, nicht aber die bedeutenderen Opern Stiffelio oder Luisa Miller, ist wohl v. a. darauf zurückzuführen, dass die EMI sie im Katalog hatte.

Die Aufnahmen sind zwischen 1955 und 1990 entstanden, wobei die meisten aus den 70er und 80er Jahren stammen und von Ricardo Muti dirigiert sind. Leider hatte der Dirigent gerade in den neueren Aufnahmen nicht immer eine glückliche Hand für die Aufnahmetechnik - besonders bei einigen Live-Mitschnitten - oder Sänger. Und so ist die Qualität der Aufnahmen in dieser Box sehr unterschiedlich:

- Nabucco (Muti, 1977); Manuguerra, Scotto, Luchetti, Ghiaurov;
großenteils mitreißend musiziert und sehr gut gesungen, aber vom Stimmcharakter nicht ganz ideal besetzt (Vater klingt jünger als Tochter) - macht Spaß

- Ernani (Muti, 1982); Domingo, Freni, Bruson, Ghiaurov;
aufnahmetechnisch schlechter Live-Mitschnitt aus der Mailänder Scala, Freni und Ghiaurov indisponiert - schade

- Giovanna d’Arco (Levine, 1972); Domingo, Caballé, Milnes;
etwas merkwürdige Schiller-Adaption, musikalisch aber hörenswert - wunderbare Aufnahme

- Attila (Muti, 1989); Ramey, Zancanaro, Studer, Shicoff;
gute Aufnahme des Frühwerks

- Macbeth (Muti, 1976); Milnes, Cossotto, Carreras, Raimondi;
das Stück ein Meisterwerk, die Aufnahme eine der, wenn nicht die beste überhaupt - unbedingt habenswert

- Rigoletto (Serafin, 1955); Callas, di Stefano, Gobbi, Zaccaria;
Verdis Durchbruch zur Unsterblichkeit in einer wunderbaren Aufnahme, Callas und Gobbi setzen bis heute Maßstäbe

- Il Trovatore (Pappano, 2001); Gheorgiu, Alagna, Hampson, Diadkova, d'Arcangelo;
leider nicht die Callas-Aufnahme von 1956; Gheorgiu überzeugt, ohne zu bewegen, Alagna unfreiwillig komisch und überfordert

- La Traviata (Muti, 1980); Scotto, Kraus, Bruson,
beeindruckende interpretatorische Leistung der reifen Scotto, leider stimmlich nicht mehr in Topform, Kraus und Bruson wunderbar

- I Vespri siciliani (Muti, 1990); Zancanaro, Merritt, Studer, Furlanetto;
wieder ein Live-Mitschnitt, der technisch nicht überzeugt, uneinheitliches Sänger-Ensemble - hätte man lieber weglassen sollen

- Simon Boccanegra (Santini, 1957); Gobbi, Christoff, de los Angeles, Campora;
große Charakterdarsteller in einem überzeugenden Ensemble - überzeugendes Plädoyer für Verdis sperrigste Oper

- Un Ballo in maschera (Muti, 1975); Domingo, Arroyo, Cossotto, Cappuccilli, Grist; der junge Domingo in einer Paraderolle in einem fast ausnahmslos großartigen Ensemble - sehr schöne Aufnahme

- La Forza del destino (Muti, 1986); Freni, Domingo, Zancanaro, Zajic;
große Namen nicht in Topform - kann man anhören, muss man aber nicht; da hätte die EMI mit der Gardelli-Aufnahme von 1969 eine viel bessere Alternative gehabt

- Don Carlo (Giulini, 1970); Caballé, Domingo, Milnes, Raimondi, Verrett;
absolute Spitzenaufnahme, traumhafter Gesang

- Aida (Mehta, 1967); Nilsson, Corelli, Bumbry, Sereni;
Nilsson fehlbesetzt, Corelli brüllt, Sereni ist zu zahm; eine der schlechteren Aidas im EMI-Katalog; warum hier nicht die wunderbare Muti-Aufnahme von 1973?

- Otello (Karajan, 1973); Vickers, Freni, Glossop;
Soundtrack zu einem Film, deshalb klangtechnisch nicht ideal; Vickers ist ein mitreißender Otello, Freni eine sanft-ätherische Desdemona - nicht mein Favorit, aber gut

- Falstaff (Karajan, 1956); Gobbi, Panerai, Schwarzkopf, Moffo, Barbieri, Alva;
ein Höhepunkt der Box: die wahrscheinlich beste Aufnahme des Falstaff überhaupt; Gobbi ragt als großer Singschauspieler aus einem überragenden Ensemble heraus

Für das Preis-Leistungsverhältnis und viele gute und einige sensationelle Aufnahmen (Macbeth, Rigoletto, Don Carlo, Falstaff) insgesamt vier Sterne.


Partita Bwv 826,830 & Toccata Bwv 911
Partita Bwv 826,830 & Toccata Bwv 911
Preis: EUR 14,89

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingte Empfehlung, 28. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In den letzten Jahren galt es zunehmend als verpönt, Bachs Werke für Tasteninstrumente auf einem modernen Flügel zu spielen - einem Instrument, das es zu Lebzeiten den Komponisten schließlich noch gar nicht gab. Statt dessen galt das Cembalo als praktisch einzig legitime Alternative.

Gnade vor der herrschenden Meinung fanden fast nur noch die Aufnahmen des Tasten-Revolutionärs Glenn Gould. Und so ist es eigentlich folgerichtig, dass der junge französische Pianist David Fray oft mit dem großen Kanadier verglichen wird, seit er vor einigen Jahren gerade Bach zu einem Schwerpunkt seines Repertoires machte - und damit weltweit gefeiert wurde.

Diesen Vergleich lehnt Fray selbst ab - zu Recht, wie ich finde: Während Gould in seinen Bach-Interpreationen oft durch extensives Staccato-Spiel und eine besondere Betonung der Unterstimmen dem Cembalo-Klang nahekommt, bleibt Fray immer Pianist. Sein Ton ist weicher, farbenreicher, melodischer - ohne dass er die polyphone Struktur der Musik vernachlässigen oder verdecken würde. Man könnte sagen, sein Zugang ist selbstverständlicher, auch verspielter als der Goulds.

Während ich bei Frays hochgelobter CD mit Klavierkonzerten Bachs die klangliche Balance mit dem Orchester noch nicht ideal fand, ist diese CD m. E. ein großer Wurf:

Die c-moll-Toccata BWV 911, ein Werk aus Bachs Weimarer Zeit (1708-17) wird umrahmt von zwei Partiten, die als Teil des ersten Bandes der "Clavierübungen" erst 1731 veröffentlicht wurden. Alle drei Werke haben es verdient, als eigenständige Werke - statt als Teil einer größeren Sammlung - wahrgenommen zu werden und damit als die Meisterwerke, die sie sind.

Besonders spannend ist dabei der starke Kontrast zwischen der stilistisch (noch) stark an ein Orgelwerk erinnernden Toccata (mit Fugen) und den melodisch viel freieren, dabei unglaublich dicht konstruierten und pianistischeren Partiten. Besonders die 6. Partita entfernt sich dabei enorm weit von der Sammlung von reinen Tanzsätzen, die der Begriff einmal bezeichnet hatte.

Fray betont die motivischen Zusammenhänge der einzelnen Sätze ebenso wie deren Eigenständigkeit im Ausdruck, gibt den langsamen Sätzen eine fast meditative Ruhe, den Fugen die nötige strenge Größe - kurz, so kann ich jederzeit Bach auf einem modernen Flügel hören. Eine wunderbare CD.


Kander: Chicago (Gesamtaufnahme, New York 18.11.1996)
Kander: Chicago (Gesamtaufnahme, New York 18.11.1996)
Preis: EUR 16,43

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Revival - musikalisch zu brav, 15. Januar 2013
Für uns heute ist das Musical Chicago ein Klassiker. Als die Show 1975 am Broadway herausgebracht wurde, war sie eher ein Achtungserfolg als ein Hit und stand anfangs im Schatten von "A Chorus Line." Das Publikum war durch die amoralische Handlung verwirrt, konnte vielleicht auch mit der Idee nicht so viel anfangen, sämtliche Musiknummern wie Vaudeville-Acts zu choreographieren.

Erst die Neuinszenierung von 1996 mit ihrem coolen Look und der vorherrschenden Farbe schwarz - beides wurde auch in der Verfilmung übernommen - machte das Stück zum Hit. Auf dieser Aufnahme ist die Besetzung der Wiederaufnahme zu hören.

Gegenüber dem Original wirkt das Stück musikalisch stark geglättet, was auch an den Sängern liegt: Während Chita Rivera (Velma) und Gwen Verdon (Roxie) Broadway-Veteraninnen waren, die mit einer gewissen Coolness die Schlampen gaben, waren Bebe Neuwirth (Velma) und Ann Reinking (Roxie) sehr viel jünger und nahmen die Sache hörbar ernster. Das klingt musikalisch schöner, aber gerade bei Reinking auch sehr einstudiert und etwas brav. Dasselbe gilt für die übrige Besetzung.

Wie man technisch hervorragend singen kann und trotzdem die Komik und Drastik des Stückes adäquat wiedergeben kann, kann man schließlich in der Aufnahme der Londoner Wiederaufnahme von 1997 mit Ute Lemper (Velma), vor allem aber Ruthie Henshall (Roxie!) und Henry Goodman hören - das wäre meine Kaufempfehlung.


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