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Rezensionen verfasst von
vully "vully" (Neuhausen)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Meets the Francy Boland - Kenny Clarke Big Band
Meets the Francy Boland - Kenny Clarke Big Band
Wird angeboten von all-my-music-rheingau
Preis: EUR 17,45

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Super Song-Auswahl, Superstimme, 11. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als Gitte 1968 - mit 22 - keine Lust mehr auf deutsche Schlager mit Klein-Mädchen-Texten hatte, musste sich ihre Plattenfirma EMI etwas einfallen lassen, um sie zu einer Verlängerung ihres Vertrages zu überreden.

Und da die Sängerin den Wunsch geäußert hatte, Jazz zu singen, durfte sie ein komplettes Jazz-Album mit der Francy Boland Kenny Clarke Big Band aufnehmen.

Die Song-Auswahl spart die üblichen Jazz-Standards aus und gibt der jungen Sängerin Gelegenheit, ihre ganze Bandbreite - gesangstechnisch wie vom Ausdruck - zu zeigen. Eine sehr schöne Platte.

Die Arrangements sind leider häufig etwas lärmend geraten - die Sängerin wird nicht wirklich zugedeckt, eine etwas schlankere Begleitung würde aber zu ihr und den Songs besser passen. Dafür der eine Punkt Abzug.

Gitte hat später noch einmal ein Jazz-Album aufgenommen, mit reiferer Stimme (was bei Jazz nie schaden kann) und kleinerem Begleitensemble.


My Fair Lady
My Fair Lady
Preis: EUR 10,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hurra, sie ist wieder da!, 10. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: My Fair Lady (Audio CD)
Längere Zeit war diese wunderbare Aufnahme nicht erhältlich - m. E. die beste von Frederick Loewes Meisterwerk nach George Bernard Shaws "Pygmalion" überhaupt. Und das nicht nur deswegen, weil sie die originale Besetzung der Uraufführung von 1956 bietet:

Die damals blutjunge Julie Andrews wurde mit dieser Produktion zum Star. Ihre Eliza ist entzückend, auch wenn sie schon von Anfang an die Lady in sich trägt. Aber die Eleganz von "I could have danced all night", der verträumte Charme von "Wouldn't it be loverly", das Temperament von "Without you" sind unübertrefflich.

Rex Harrison als Henry Higgins ist kein Sänger, sondern ein klassischer englischer Schauspieler mit großem komischem Temperament - wie er die Pointen praktisch auf dem Silbertablett serviert, ist mehr als hörenswert.

Stanley Holloway schließlich singt den Alfred Doolittle mit der Nonchalence und dem Schwung, der nötig ist, um diese sonst so leicht enervierende Rolle erträglich und sogar charmant erscheinen zu lassen.

Zu den Trümpfen der Aufnahme gehört schließlich John Michael King als Freddie Eynsford-Hill, der sein "On the street, where you live" sehr charmant und unkitschig interpretiert.

Die zwei Jahre später anlässlich und der Londoner Erstaufführung mit denselben Hauptdarstellern entstandene Aufnahme ist in den Tempi etwas extremer, und die Pointen wirken insgesamt etwas routinierter, weniger spontan. Deshalb ziehe ich die ältere Aufnahme vor.

Vor dem Soundtrack des 1964 entstandenen Films möchte ich warnen: Die Tonqualität ist unterirdisch, und die Eliza wird von zwei verschiedenen Sängerinnen gesungen - Audrey Hepburn und Marni Nixon, die zwar sehr schön, aber auch etwas glatt und v. a. mit amerikanischem Akzent singt, tödlich für dieses Stück.


Euryanthe
Euryanthe
Preis: EUR 15,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht ganz geglückte Rehabilitation, 10. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Euryanthe (Audio CD)
Carl-Maria von Weber wird heute in der Öffentlichkeit vor allem als Komponist des Freischütz wahrgenommen, daneben hört man im Konzert allenfalls seine Klarinettenkonzerte. Seine beiden letzten Opern - Euryanthe und Oberon - führen dagegen trotz wunderbarer Musik ein Schattendasein. Das liegt bei der Euryanthe vor allem an einem dramaturgisch ungeschickten Libretto, die es sehr schwer macht, das Stück, eine romantische Ritterromanze - ernsthaft auf die Bühne zu bringen.

Insofern hätte diese 1974 in Dresden (als Ost-West-Koproduktion) entstandene Aufnahme die Chance geboten, den musikalischen Reichtum der Oper aufzuzeigen. Leider gelingt dies nur teilweise:

Das liegt nicht an der Sängerin der Titelpartie, der jungen Jessye Norman, deren warme, unendlich reiche Stimme damals auch über die erforderliche Beweglichkeit für die enormen technischen Schwierigkeiten der Partie verfügte.

Leider ist die männliche Hauptrolle nicht gleichwertig besetzt: Nicolai Gedda ist nicht in Topform, versucht offenbar, seine lyrische Stimme künstlich zu vergrößern, um den Anforderungen der Partie, die vom Volumen einen jugendlichen Heldentenor erfordern würde, gerecht zu werden. Dabei kommen dann leider viele gequetschte, gepresste Töne heraus. Insgesamt klingt er mit 49 Jahren auch nicht mehr ganz so jugendlich, wie man es sich in dieser Partie wünschen würde. Schade, von der Papierform wäre er eine Idealbesetzung gewesen.

Rita Hunter singt die Intrigantin Eglantine mit etwas glattem Schönklang und teilweise irritierendem Akzent ("untergäähn") - das klingt zwar hübsch, passt aber nicht zur Rolle.

Der dazugehörige männliche Bösewicht Lysiart wird dagegen von Tom Krause angemessen düster und dämonisch dargestellt. Auch die Nebenrollen sind ausgezeichnet bis hervorragend besetzt (Siegfried Vogel als König!).

Chor (Rundfunkchor Leipzig) und Orchester (Staatskapelle Dresden) tragen zu einem insgesamt guten Eindruck bei - wenn mir auch die Tempi des Dirigenten Marek Janowski teilweise etwas zu flott sind, seine Interpretation etwas zu glatt.

Trotz kleiner Einwände ist diese einzige vollständige Gesamtaufnahme von Webers Spätwerk empfehlenswert.


Martha
Martha
Preis: EUR 11,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historische Aufnahme, musikalisch und technisch hörenswert, 10. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Martha (Audio CD)
Friedrich von Flotows Martha gehört zu jenen deutschen komischen Opern der Vor-Wagner-Ära (UA 1847), die bis vor ca. 40 Jahren an fast jedem deutschen Opernhaus zum Repertoire gehörten. Dank einer Inszenierung von Loriot hatte sie vor einigen Jahren noch einmal ein Comeback. Heute ist sie fast vergessen. Dabei war die Martha - auf Italienisch - einmal ein Welterfolg: Enrico Caruso entdeckte die männliche Hauptrolle für sich und sang sie immer wieder. Bis heute gehört Lionels Arie "Ach so fromm, ach so traut" als "M' appari" zu den Hits, die jeder italienische Tenor im Repertoire hat.

Kurz - eine sehr hörenswerte Oper, von der es leider zu wenige Aufnahmen gibt. Die älteste und für lange Zeit (25 Jahre) einzige Studioaufnahme entstand im Oktober 1944 (!) unter abenteuerlichen Verhältnissen im zerbombten Berlin mit einer bis heute unübertroffenen Besetzung:

Erna Berger war damals die berühmteste deutsche Koloratursopranistin und verfügte bis ins hohe Alter über eine unübertroffen jugendlich frische Stimme - eine Idealbesetzung für die junge, leichtsinnige Adelige Lady Harriet/Martha.

Ihr Lionel ist der 1954 mit nur 46 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommene Peter Anders - bis dahin galt er mit Recht als Deutschlands führender lyrischer Tenor, dessen männlich-kernige Stimme auch heute noch begeistern kann.

Als Pächter Plumkett überrascht der sehr junge Josef Greindl - der später als Wagnerinterpret berühmt gewordene Bass beweist hier einen großen Sinn für Komik, ohne die Rolle zur Witzfigur zu machen.

Die übrigen Rollen sind mit Else Tegetthoff (Nancy), Eugen Fuchs (Lord Tristan) und Franz Sauer (Richter) weniger prominent, aber ebenfalls sehr gut und rollendeckend besetzt.

Kein Wunder: Alle Sänger hatten ihre jeweiligen Rollen vor deren Brand 1941 schon in der Berliner Staatsoper gesungen, wenn auch nicht gemeinsam.

Dazu passen dann Chor und Orchester der Berliner Staatsoper, die vom Hausdirigenten Johannes Schuler zu einer sehr temperamentvollen, frischen Aufführung inspiriert werden.

Dazu kommt eine für Aufnahmedatum und -verhältnisse geradezu sensationell gute Mono-Aufnahmetechnik, die von vielen Aufnahmen der 50er-Jahre nicht erreicht geschweige denn übertroffen wurde.

Kurz - keine Angst vor dem Alter der Aufnahme! Sonst entgeht Ihnen eine entzückende Aufnahme einer viel zu selten gespielten, wunderschönen Oper.


Evita 2 CD
Evita 2 CD
Preis: EUR 14,54

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen überraschend gelungen, 22. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Evita 2 CD (Audio CD)
Die Evita-Verfilmung von und mit Madonna war eine prachtvolle, aufwendige Angelegenheit. Dies ist nun der Soundtrack, und ohne die Bilder muss er sich einfach mit den zahlreichen Audio-Aufnahmen des Musicals vergleichen lassen - angefangen mit dem Konzept-Album, das schon vor der Uraufführung entstanden war.

Das Ergebnis kann sich m. E. gut hören lassen:

Madonna musste sich anfangs einigen Spott dafür anhören lassen, dass sie viele Nummern, u. a. "Don't cry for me, Argentina", transponieren, also tiefer setzen ließ. Aber erstens haben das schon andere Sängerinnen getan, auch große Opernstars. Zweitens liegt die Rolle der Evita im Original so hoch, dass auch bei den meisten ausgebildeten Musicalsängerinnen viele Stellen einfach nur piepsig und scharf klingen. Das mag teilweise beabsichtigt gewesen sein, um die Künstlichkeit des Bildes zu betonen, das die Evita für die Öffentlichkeit von sich zeichnete. Aber Madonna erreicht den Ausdruck auch anders. Insgesamt empfinde ich eine sehr große Identifikation von Sängerin und Rolle. Rein stimmlich habe ich Madonna selten besser gehört. Mich überzeugt sie.

Auch Antonio Banderas' Leistung wurde zunächst belächelt, ebenfalls zu unrecht, wie ich finde. Er ist ein wunderbar rauer, sarkastischer Che. Ich habe die Rolle auch schon rein musikalisch sehr viel schlechter gehört, besonders die rockigen Nummern gelingen ihm gut.

Jonathan Pryce dagegen ist kein Sänger und versucht auch nicht, einer zu sein. Er legt den Peron als Sprechrolle an und ist in seiner Steifheit ein sehr überzeugender Kontrast zu den beiden Protagonisten.

Jimmy Nail schließlich ist ein herrlich schmieriger und doch charmanter Magaldi.

Die Version des Stückes selbst kommt dem ursprünglichen Konzept-Album näher als späteren Bühnenversionen - z. B. ist hier Ches herrlich schmissiges "The Lady's got potential" wieder enthalten. Das Arrangement ist ein Mittelding zwischen der ursprünglichen Rockband und dem späteren Bühnenorchester, etwas glatter und bombastischer als das Original, trotzdem sperrig genug.

Dass Madonna die wunderschöne Nummer "Another suitcase in another hall" annektiert hat, deren resignierte Melancholie eigentlich zur willensstarken Evita nicht passt - geschenkt, sie singt ihn immerhin sehr schön. Der für den Film extra von Sir Andrew Lloyd Webber neu komponierte Song "You must love me" ist im Vergleich zum übrigen Stück eher belanglos, stört aber nicht.

Insgesamt eine hörens- und habenswerte Aufnahme der Evita, wenn auch für mich das originale Konzeptalbum nach wie vor die erste Wahl ist.


Mozart - Konzert für Klarinette, Fagott, Flöte Nr. 2
Mozart - Konzert für Klarinette, Fagott, Flöte Nr. 2
Preis: EUR 20,36

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mozart mit Schwung, Herz und Witz, 22. April 2013
Es gibt unzählige Aufnahmen des Mozart-Klarinettenkonzerts - und auch vom 2. Flötenkonzert eine ganze Menge. Trotzdem haben die drei Werke auf dieser CD (als drittes Werk kommt noch das Fagottkonzert hinzu) das Zeug zu Lieblingsaufnahmen:

Claudio Abbado hat in den letzten Jahren die Liebe zu Mozart neu entdeckt und zu diesem Zweck extra ein neues Orchester gegründet - das Orchestra Mozart, mit dem er sich behutsam der historisch informierten Aufführungspraxis nähert. Zeichneten sich seine Aufnahmen früher vor allem durch große Transparenz und Präzision aus, kommt in den neuen Aufnahmen Witz und eine sehr lebendige Artikulation hinzu. So kann und soll man heute Mozart spielen.

Für seine Aufnahmen der Mozart-Konzerte hat sich der Dirigent durchgehend Solisten gesucht, die dieses Konzept mittragen. Die drei Solisten dieser drei Konzerte tun mehr als das, sie lassen keine Wünsche offen:

Alessandro Carbonare verfügt nicht nur über einen sehr feinen, lyrischen Klarinettenton, mit dem er dem zweiten Satz einen wunderbar träumerischen Charakter verleiht. Er hat endlich auch einmal den Pepp, den Schwung für den letzten Satz - nicht umsonst hat auch der Swing-Musiker Benny Goodman das Mozart-Konzert mehrfach aufgenommen, wenn auch nicht in dieser Qualität.

Jacques Zoon spielt das Flötenkonzert mit einem verspielt-volksliedhaften Charme, der einen an einen Singvogel denken lässt. Das ist unglaublich charmant und pfiffig.

Guilhaume Santana schließlich spielt das Fagott-Konzert mit einem feinen, etwas nasalen Ton sehr zurückhaltend nobel.

Kurz - eine rundum beglückende CD
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 28, 2013 3:27 PM MEST


Der Waffenschmied (Ga)
Der Waffenschmied (Ga)
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So macht deutsche Spieloper Spaß, 17. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Waffenschmied (Ga) (Audio CD)
Während man Albert Lortzings "Wildschütz" und "Zar und Zimmermann" wenigstens noch ab und zu auf der Bühne begegnen kann, ist der "Waffenschmied" fast vollständig von den Spielplänen verschwunden - musikalisch sehr schade. Das mag daran liegen, dass der Waffenschmied nicht ganz die unbeschwerte Komik der beiden anderen Opern hat, sondern öfter ins romantisch-gefühlige tendiert, was heute einfach nicht mehr modern ist. Zudem ist die Handlung nur schwer nachvollziehbar.

Musikalisch enthält die Oper einige der schönsten Einfälle Lortzings, wie die beiden Lieder des Knappen Georg oder die erste Arie der Marie, die nicht umsonst an die Agathe im Freischütz erinnert.

Die Aufnahme ist tatsächlich eine von nur zwei Studioaufnahmen der Oper und entstand 1964 im Rahmen der Lortzing-Reihe der EMI. Dirigent der Aufnahme ist Fritz Lehan - der mit sehr viel mehr Charme, Eleganz und Temperament dirigiert als Robert Heger, der Dirigent aller anderen Aufnahmen der Reihe. Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper musizieren unter Lehan wunderbar schlank und präzise. Die Musik hat hier die duftige Leichtigkeit, die sie braucht.

Die Besetzung ist nicht durchgehend so prominent wie in den Heger-Aufnahmen, aber keineswegs schlechter:

Die weibliche Hauptrolle Marie singt Lotte Schädle mit zartem Jungmädchen-Charme und in den wesentlichen Momenten mit der erforderlichen spitzen Zunge. Gerhard Unger war in den 50er- und 60er-Jahren der deutsche Spieltenor vom Dienst und beweist hier, dass er durchaus zu mehr fähig war: Der Knappe Georg ist nämlich durchaus mehr als der übliche Tenor-Buffo und hat mit seinen beiden Arien zwei der musikalisch stärksten Nummern der Oper. Besonders die erste davon ist auch gesangstechnisch anspruchsvoll - was Unger sehr eindrucksvoll beweist. Auch Gisela Litz ist eine überzeugende komische Alte.

Zu den Stars der Aufnahme gehört vor allem Hermann Prey, der den verkleideten Ritter mit Eleganz, männlichem Schmelz und Humor ideal verkörpert.

Der ebenfalls sehr prominente Bass Kurt Böhme in der Titelrolle überzeugt mich weniger:

Dem Sänger fehlt bei allem komischen Talent etwas die stimmliche Beweglichkeit für die Rolle, schnelle Textpassagen sind bei ihm kaum zu verstehen, werden auch weniger gesungen als gerufen. Die berühmte Arie im letzten Akt ("Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar") singt er zwar mit der erforderlichen Biederkeit, aber leider ohne die ebenfalls dazu gehörige Melancholie. Die EMI hätte für diese Rolle geeignetere Sänger unter Vertrag gehabt - z. B. Gottlob Frick oder Fritz Ollendorff, der in dieser Aufnahme in der kleinen Rolle des Ritters Adelhof aus Schwaben fast verschwendet ist.

Neben dem nicht ganz überzeugenden Kurt Böhme stört mich in dieser Aufnahme nur eines - die stark gekürzten Sprechtexte, die allein nicht ausreichen, um die Wendungen der Handlung wirklich nachzuvollziehen. Abgesehen davon: Große Empfehlung!


Fidelio
Fidelio
Preis: EUR 14,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anrührende Sängerleistungen, 17. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Fidelio (Audio CD)
Dieser 1961 für Westminster entstandene Fidelio ist eine Ausnahmeerscheinung - eine Studioaufnahme unter der Leitung von Hans Knappertsbusch. Entsprechend sehnlich dürften die Fans dieses heute vor allem für seine Wagner-Aufführungen berühmten Dirigenten diese Wiederveröffentlichung erwartet haben.

Und tatsächlich musiziert er hier mit Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper einen sehr kontemplativen, teilweise extrem langsamen (Duett "Oh namenlose Freude" halb so schnell wie üblich) Fidelio. Dass hierbei viele anrührende, dafür aber kaum unfreiwillig komische Momente entstehen, ist den Sängern zu verdanken, allen voran der Sängerin der Titelrolle:

Sena Jurinac hatte 1953 in Furtwänglers Fidelio-Aufnahme eine überragende Marzelline gesungen. Später wechselte sie dann zur Titelrolle, die neben dieser Aufnahme auch in einem Live-Mitschnitt aus London unter Klemperer, ebenfalls von 1961, dokumentiert ist - und zu den anrührendsten, herzzerreißendsten Darstellungen dieser Partie überhaupt gehört. Neben Gundula Janowitz meine absolute Lieblings-Leonore.

Ihr Florestan ist Jan Peerce, der die Rolle schon 1944 unter Toscanini (einem echten Kontrast zu Knappertsbusch) aufgenommen hatte und auch hier - mit 57 Jahren - mit völlig intakter Stimme und schönem, virilem Timbre beeindruckt und die musikalischen Klippen seiner Partie, an der viele jüngere und berühmtere Sänger gescheitert sind, locker umschifft. Es mag ausdrucksvollere Florestane gegeben haben (Vickers, Patzak, Dermota), aber kaum musikalisch sicherere.

Den Don Pizarro gibt Gustav Neidlinger, in den 50ern und 60ern der Alberich vom Dienst, wahrhaft dämonisch, wenn auch mit einigen Intonationsproblemen - die Partie lag für ihn offenbar unangenehm hoch. Zudem hat er mit Knappertsbuschs Tempi die größten Probleme und versucht v. a. in seiner großen Arie ("Ha, welch ein Augenblick"), sie erheblich zu beschleunigen - leider erfolglos, wodurch er dann mehrfach auf das Orchester warten muss.

Marzelline und Jaquino sind mit der silbrig zarten Maria Stader und dem soliden Murray Dickie ausgezeichnet besetzt. Nicht ganz dasselbe Niveau haben Deszö Ernsters orgelnder Rocco und Frederick Guthries sehr vorsichtig intonierender Minister. Chor und Orchester können heutigen Qualitätsansprüchen nicht mehr ganz entsprechen. Das stört aber nicht den insgesamt guten Eindruck.

Wer also mit sehr langsamen Tempi kein Problem hat, sollte zugreifen. Ebenso alle Fans von Sena Jurinac, denen sonst eine weitere große Aufnahme dieser auf Platten schmerzlich unterrepräsentierten großen Sängerin entgehen würde.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 29, 2013 9:41 PM MEST


Carmen (Deutsch Gesungen)
Carmen (Deutsch Gesungen)
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Triumph für Christa Ludwig, 8. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Carmen (Deutsch Gesungen) (Audio CD)
Als 1961 diese Gesamtaufnahme der Carmen erschien, war es auf deutschsprachigen Bühnen noch durchaus üblich, auch ursprünglich fremdsprachige Opern auf Deutsch aufzuführen. Aufnahmen wurden trotzdem - der besseren Vermarktung wegen - auch damals meist in Originalsprache gemacht. Und so ist diese Carmen eine Rarität.

Wer also den Text der Carmen auf jeden Fall auch ohne Booklet verstehen möchte, kann zu dieser Aufnahme greifen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir diese Aufnahme - besonders die nicht von Bizet stammenden Rezitative - recht unfranzösisch vorkommt.

Was die musikalische Qualität angeht, kann sich die Aufnahme durchaus hören lassen:

Das gilt vor allem für Christa Ludwig in der Titelrolle, die sich mit jeder anderen auf Platte mehr als messen kann - selten habe ich eine so elegante, präzise und trotzdem erotische Carmen gehört. Bei ihr stört mich die Sprache am wenigsten.

Das Gegenteil gilt für ihren Don José: Die EMI hatte damals einen Nicolai Gedda unter Vertrag (José neben Victoria de los Angeles und Maria Callas) oder den jungen Fritz Wunderlich - und nahm Rudolf Schock. Er singt allenfalls ordentlich, mit sehr deutscher Artikulation und ohne die Eleganz von Ludwig.

Hermann Prey ist wiederum ein hervorragender Escamillo, ein stolzer Macho, wie er im Buche steht. Melitta Muszely als Micaela muss man mögen - für heutige Ohren wirkt ihre Art zu singen recht altmodisch, passt aber gut zur Rolle.

Die Nebenrollen sind ausgezeichnet besetzt. Chor und v. a. das Orchester werden von Dirigent Horst Stein zu einer auch heute noch frischen und flotten Aufführung fern aller schwülen Spanienklischees angespornt.

Wie gesagt, wenn es deutsch sein soll, ist diese Aufnahme auch heute noch hörenswert, vor allem wegen Ludwig.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 17, 2014 6:17 PM MEST


Messe H-Moll Bwv 232
Messe H-Moll Bwv 232
Preis: EUR 17,99

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige Aufnahme in preiswerter Ausgabe, 8. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Messe H-Moll Bwv 232 (Audio CD)
Es gibt unendlich viele Einspielungen der h-moll-Messe, gilt sie doch als einsamer Höhepunkt der Chorliteratur. Im Schaffen des Komponisten ist sie eine große Besonderheit: Der Protestant Bach hat hier eine vollständige katholische Messe vertont, für die er neben neuen Teilen das beste aus älteren Kompositionen wieder verwendete (sogenannte "Parodien"). Entsprechend hoch sind die Ansprüche vor allem an den Chor, aber auch an die Solisten und das Orchester.

Unter vielen großartigen Aufnahmen (z. B. unter Jacobs, Hengelbrock,Brüggen) ragt diese Aufnahme von 1985 besonders heraus:

John Eliot Gardiner (der 2013 übrigens seinen 70. Geburtstag feiert) steht hier am Pult der beiden von ihm gegründeten Ensembles, des Monteverdi Choir und der English Baroque Soloists, die heute noch zur Weltspitze gehören. Zum Zeitpunkt der Aufnahme, als die "historisch informierte Aufführungspraxis" noch darum kämpfte, sich zu etablieren, waren die Homogenität und Perfektion von Chor und Orchester einmalig.

Gardiner kann es sich leisten, sämtliche Solopartien aus dem Chor heraus zu besetzen - mit Sängern, die Später auch als Solisten Karriere machten, wie Nancy Argenta, Lynne Dawson, Patrizia Kwella, Michael Chance oder Stephen Varcoe.

Die Tempi sind im Vergleich etwa zu Hengelbrock fast gemäßigt, Gardiners Vorliebe für Extreme ist hier noch weniger ausgeprägt. Er lässt den feierlichen Sätzen ihre Kraft, den intimen ihre Zartheit und schafft insgesamt eine sehr homogene Gesamtaufnahme. Es mag für einzelne Solopartien noch ausdrucksvollere Interpretationen gegeben haben. Insgesamt ist dies eine der bis heute überzeugendsten Gesamtaufnahmen des Werkes, einer meiner Favoriten.


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