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Rezensionen verfasst von
vully "vully" (Neuhausen)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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La Traviata
La Traviata
Preis: EUR 12,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Scotto leider nicht in Topform, 8. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: La Traviata (Audio CD)
Unter den vielen Verdi-Aufnahmen von Riccardo Muti sind viele großartige. Seine zwei Gesamtaufnahmen von La Traviata gehören nur bedingt dazu. Muti war zwar ein Meister der Atmosphäre, des großen Dramas. Die Innerlichkeit der Traviata ist allerdings bei Carlos Kleiber noch besser aufgehoben. Diese erste der beiden Aufnahmen - von 1980 - wurde anscheinend technisch sehr stark aufbereitet und wirkt damit etwas künstlich - vielleicht hat Muti deshalb später vor allem Live-Mitschnitte veröffentlicht. Das Hauptproblem ist jedoch das Aufnahmejahr:

1980 war Renata Scotto zwar erst 46 Jahre alt, hatte aber schon über 20 Jahre Weltkarriere hinter sich - und in den letzten Jahren auch einige sehr dramatische Rollen, die die Stimme hörbar beansprucht hatten. Wer die scheinbar grenzenlosen stimmlichen Ressourcen ihrer ersten Aufnahme von 1962 im Ohr hat, ihre mühelose Höhe, wird in der zweiten Aufnahme die Schärfe ihres Forte, die unsichere Höhe mit Bedauern hören. Bei mindestens einem Spitzenton hatte ich den Eindruck, es sei technisch stark nachgeholfen worden. Das ist umso bedauerlicher, als sie als Interpretin deutlich dazugelernt hat - seit Callas hatte es kaum eine Traviata gegeben, die die Tragik der Partie ähnlich überzeugend gestaltet hatte.

Bei Alfredo Kraus merkt man das Alter dagegen nicht - er klingt nicht wie 53, ist hier als Alfredo ein ebenso eleganter Interpret wie schon 1958 neben Maria Callas. Renato Bruson ist mit seiner einmalig schönen Baritonstimme ein fast zu sympatischer Germont Père.

Das übrige Ensemble und Orchester lassen keine Wünsche offen.

Insofern eine beeindruckend interpretierte Traviata, wenn auch nicht mein Favorit.


Macbeth
Macbeth

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen überwältigendes Drama, 7. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Macbeth (Audio CD)
Der Macbeth, entstanden 1847 und später mehrfach überarbeitet, war ein Wende- und erster Höhepunkt im Werk Giuseppe Verdis: Hier wagte er sich erstmals an eine Shakespeare-Vorlage, für die er noch dazu ein hervorragendes Libretto forderte und bekam (teilweise eine wörtliche Übersetzung des Originals ins Italienische)- und fand dafür die musikalischen Stilmittel, die ihn zu einem der größten Opernkomponisten aller Zeiten machen:

Erstmals gab Verdi hier einer Oper eine durchgehende, unverwechselbare musikalische Grundfarbe. Vor allem aber benutzte er die musikalische Form zur Charakterisierung der Figuren: Während die Nebenrollen Banquo und Macduff klassische Arien singen, äußert sich der Macbeth - der Mensch, der alle sozialen Normen hinter sich lässt - vor allem in Duetten und dramatische Rezitativen. Die Lady beginnt zwar mit einer klassischen zweiteiligen Arie, endet aber mit einer Wahnsinnsszene, die mit den verspielt-virtuosen Vorbildern in Opern von Donizetti oder Bellini nichts mehr zu tun hat. Trotzdem war die Oper zunächst nur ein mäßiger Erfolg, und es dauerte bis in die 50er-Jahre des 20. Jh., bevor die Oper sich - beginnend mit einer Inszenierung der Mailänder Scala mit Maria Callas in der Hauptrolle - langsam durchzusetzen begann.

Inzwischen gibt es zahlreiche Aufnahmen, von denen drei sehr empfehlenswert sind - unter Erich Leinsdorf (RCA/Sony, 1959, mit einem überragenden Leonard Warren, dazu Rysanek, Bergonzi, Hines), Claudio Abbado (DGG, 1975, sehr stringent dramatisch mit Cappuccilli, Verrett, Domingo, Ghiaurov), schließlich diese Einspielung von 1976, die mich persönlich insgesamt am meisten überzeugt - für mich ist es vielleicht sogar Riccardo Mutis beste Opernaufnahme überhaupt:

Chor und Orchester (Ambrosian Opera Chorus, New Philharmonia Orchestra London) musizieren mit derselben Präzision wie bei Abbado, aber mit mehr Ausdruck, Feuer, Temperament. So schaffen sie von vornherein eine geradezu gespenstische Stimmung.

Sherrill Milnes bietet in der Titelrolle eine seiner besten Leistungen überhaupt - mit vollem Einsatz seiner kernig-männlichen Stimme und großer Ausdrucksbandbreite zeichnet er ein großes Charakterportrait - spannender als Cappuccilli bei Abbado, wenn auch nicht so elegant wie Warren.

Fiorenza Cossotto ist eine hinreißend hysterische und technisch hervorragende Lady, für mich die beste Mezzosopranistin in dieser Rolle. Das metallische Timbre ihrer Stimme kommt hier ideal zur Geltung. Man muss erst die Callas in der (aufnahmetechnisch furchtbaren) Mailänder Live-Aufnahme hören, um zu merken, dass es in der originalen Sopranbesetzung noch besser geht.

Ruggero Raimondi singt einen sehr differenzierten, eleganten Banquo, und José Carreras gewinnt in einer seiner besten Aufnahmen den Vergleich gegen Domingo in der Abbado-Einspielung, weil er zurückhaltender im Ausdruck bleibt, ohne neutral zu werden.

Unbedingt empfehlenswert!


The Mozart Operas
The Mozart Operas
Preis: EUR 56,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen spannende Hommage, 3. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: The Mozart Operas (Audio CD)
Zum 100. Geburtstag des großen Dirigenten Sir Georg Solti hat seine Hausfirma Decca mehrere Boxen veröffentlicht, die jeweils einem Komponisten gewidmet sind, dessen Schaffen einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildete - neben Wagner, Verdi, Richard Strauss und Bela Bartok eben auch Mozart.

Die Box zeigt Solti größtenteils als Operndirigenten, auf der letzten CD auch als Pianisten. Die Opern-Aufnahmen sind zwischen 1969 und 1985 entstanden und zeigen eine Entwicklung des Dirigenten von einem sehr strengen, langsamen und voluminösen Klangideal hin zu einem viel frischeren, leichteren Klang seiner späten Jahre, der für Mozart viel geeigneter war. Deshalb sind auch die neueren Einspielungen grundsätzlich die gelungeneren. Leider enthält die Box in zwei Fällen (Zauberflöte, Don Giovanni) die ältere, weniger gelungene Aufnahme. Im einzelnen enthält die Box chronologisch sortiert diese Aufnahmen:

- Die Zauberflöte (Aufnahme aus 1969): Pilar Lorengar, Christina Deutekom, Stuart Burrows, Hermann Prey, Martti Talvela, Wiener Philharmoniker u.a.
Trotz sehr guter bis hervorragender Sängerleistungen nicht meine Aufnahme wegen Soltis damaligen - extrem langsamen - Tempi und Klangideal - das klingt mehr nach den Meistersingern als nach Zauberflöte. Mir wäre seine wunderbar leichte und märchenhafte zweite Aufnahme in dieser Box lieber gewesen.

- Così fan tutte (1973) mit Pilar Lorengar, Teresa Berganza, Jane Berbié, Ryland Davies, Tom Krause, London Philharmonic Orchestra u.a.:
Unterschätzte Einspielung, auch weil Solti mit leichter Hand und viel Temperament dirigiert und das Solistensextett sehr gut harmoniert. Berganza wertet die Dorabella unglaublich auf, Lorengars Vibrato muss man mögen, tut man's, bekommt man eine sehr innige Fiordiligi.

- Don Giovanni (Aufnahme aus 1978) mit Margaret Price, Lucia Popp, Bernd Weikl, Stuart Burrows, Kurt Moll, London Philharmonic Orchestra u.a.:
Interessante Aufnahme der selten zu hörenden Wiener Fassung - Price und Popp sind großartig, Moll als Komtur eine Wucht, Sass nicht in Topform, Weikl als Don (Erotik?) und Bacquier als Leporello (Stimme?) grenzwertig. Soltis Tempi sind mir auch hier zu getragen. Es gibt einen neueren Live-Mitschnitt mit Bryn Terfel, der mir insgesamt sehr viel besser gefällt.

- Le nozze di Figaro (1981) mit Kiri Te Kanawa, Lucia Popp, Frederica von Stade, Sir Thomas Allen, Samuel Ramey, Kurt Moll, London Philharmonic Orchestra u.a.:
Die beste Aufnahme der Box, eine der schönsten Gesamtaufnahmen des Figaro überhaupt, mit einem sensationell einheitlichen Sängerensemble.

- Die Entführung aus dem Serail (1985) mit Edita Gruberova, Kathleen Battle, Gösta Winbergh, Heinz Zednik, Martti Talvela, Will Quadflieg, Wiener Philharmoniker u.a.:
Etwas glatte Aufnahme, die v. a. auf ihren großen Star Gruberova setzt, die hier (wie Battle) sehr die Primadonna heraushängen lässt, Winberghs Belmonte ist solide, aber kein Wunderlich, Talvela allerdings ein Ereignis

- Bonus-CD (Solti als Pianist):
- Violinsonate Nr.32 B-Dur KV 454 mit Georg Kulenkampf (1948)
großartige Aufnahme des heute fast vergessenen große Geigers, kongenial begleitet vom jungen Solti, erstaunlich anhörbare Tontechnik
- Klavierquartett Nr.1 g-Moll KV 478 mit Mitgliedern des Melos Quartets (Aufnahme aus 1984): sehr sorgfältig und klangschön musiziert
Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll KV 466 mit dem English Chamber Orchestra (Aufnahme aus 1989): ziemlich kühle Einspielung
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 5, 2012 10:34 AM CET


Strauss: Die Fledermaus
Strauss: Die Fledermaus
Preis: EUR 20,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen gepflegte Langeweile, 29. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Strauss: Die Fledermaus (Audio CD)
Man kann dieser Aufnahme der Fledermaus nicht vorwerfen, dass nicht sehr schön gesungen würde - aber reicht das für eine gelungene Aufnahme der klassischen Wiener Operette schlechthin? Ich finde nicht. Und deshalb kann diese Einspielung mich nicht überzeugen:

Dirigent André Previn lässt die Wiener Philharmoniker weich und zart, aber nicht wirklich temperamentvoll spielen - da sprüht kein Champagner, da fließt ein schwerer Rotwein gemächlich vor sich hin.

Im Mittelpunkt des Sängerensemble steht Dame Kiri te Kanawa, die im opulenten Sissi-Kostüm auch das Titelbild schmückt - und so wie sie auf dem Cover aussieht, klingt sie auch: Wie immer überzeugt sie mehr durch die große Schönheit ihrer Stimme als durch ihr Temperament. Diese Rosalinde klingt wie eine Mischung aus Gräfin Almaviva und Marschallin - edel leidend.

Edita Gruberova dagegen ist eine herrlich überdrehte Adele, Brigitte Fassbaender wie immer ein idealer, herrlich eitler Prinz Orlofsky - auch wenn sie gegen Ende ihrer Karriere nicht mehr ganz die stimmliche Souveränität früherer Aufnahmen hat. Die beiden sind die einzigen, die der edlen Blässe dieser Aufnahme entgegen wirken und wirklich Operette spielen - auch wenn es ihnen der Dirigent mit seinen langsamen Tempi sehr schwer macht.

Der Eisenstein - eigentlich eine Tenor-Partie - ist wie so häufig mit einem Bariton besetzt, und Wolfgang Brendel bewältigt die Partie konzentriert, ohne forcieren zu müssen. Der Preis für seine musikalische Vorsicht ist eine untadelige, aber ziemlich blutarme Interpretation.

Dass Olaf Bär eigentlich durchaus ein Dr. Falke war, hat er unter Harnoncourt gezeigt - hier beschränkt er sich meist auf edlen Schöngesang. Tom Krause hat als Gefängnisdirektor seine beste Zeit hörbar hinter sich. Den Frosch habe ich schon viel spannender gehört.

Richard Leech leiht dem Alfred seine schöne, metallische Tenorstimme - neben Gruberova und Fassbaender gehört er zu den Positivposten der Aufnahme.

Besonders auffällig sind an dieser Aufnahme auch die holprigen Dialoge - wenn sich Rosalinde und Alfred mit deutlich hörbarem englischen Akzent durch den Text radebrechen und der Frank mit schwedisch kontert, muss man überlegen, ob man nicht wenigstens bei ihnen die Dialoge hätte doublen lassen sollen.

Kurz - eine für den internationalen Markt annehmbare, weil schön und sorgfältig musizierte, aber träge und unidiomatische Aufnahme - das Gegenteil der ebenso idealen wie authentischen Karajan-Aufnahme.


Don Giovanni (M. Proben-Ausz.)
Don Giovanni (M. Proben-Ausz.)
Preis: EUR 16,98

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Monumental - aber wo ist die Leichtigkeit?, 29. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Don Giovanni (M. Proben-Ausz.) (Audio CD)
Im Gegensatz zu Otto Klemperers auch sehr langsamer, in ihrer Strenge und Ausdruckstiefe aber trotzdem mitreißenden Aufnahme der Zauberflöte gehört seine Einspielung des Don Giovanni von 1966 nicht zu meinen Favoriten:

Sicher - keiner hat die Höllenfahrt des Don Giovanni gewaltiger, monumentaler dirigiert als Klemperer, die Friedhofsszene düsterer und den Mord am Anfang brutaler. Aber das Drama beschränkt sich ja nicht auf diese drei Szenen. Das besondere am Don Giovanni ist ja gerade die Vielschichtigkeit. Mozart bezeichnet es nicht umsonst als "dramma giocoso," als "heiteres Drama." Ein wichtiger Asspekt ist der Kontrast zwischen der höfischen Steifheit (und erotischen Verklemmtheit) des Adels und der volkstümlichen Heiterkeit (und Verspieltheit) der Bauern, Grenzen, die der Don Giovanni als einziger überwindet, weil er sie ignoriert - Klemperer leider auch. Generell fehlen dieser Aufnahme Tempo, Leichtigkeit, Humor und vor allem Ironie - im Gegensatz zu der einige Jahre früher entstandenen Giulini-Einspielung, die nicht nur in dieser Hinsicht die Nase vorn hat.

Auch die Sänger können mich nicht durchgehend voll überzeugen:

Auf der Positivseite steht allerdings zunächst mit Walter Berry der m. E. beste Leporello des 20. Jahrhunderts in seiner besten Aufnahme der Rolle. Stimmlich und darstellerisch ist er für mich in seiner hintergründigen Bosheit unübertroffen. Ein ganz großer Trumpf ist auch die Donna Elvira von Christa Ludwig. Eine sehr verletzte und verletzliche Darstellung, ein echter Gegenentwurf zu Elisabeth Schwarzkopfs Exaltiertheit bei Giulini.

Knapp dahinter folgt Mirella Frenis Zerlina - kleine Schwierigkeiten mit tiefen Passagen und das fehlende Lächeln in der Stimme in der zweiten Arie verhindern eine absolute Spitzenleistung. Franz Crass singt den Komtur wunderschön - allerdings für den steinernen Gast besonders im Vergleich zu Ghiaurovs Don zu menschlich.

Das Paar Anna-Ottavio macht auch nur bedingt glücklich: Claire Watson erinnert im Timbre an die beste Donna Anna der 50er Jahre, Elisabeth Grümmer, die die EMI leider schon in der Giulini-Aufnahme übergangen hatte. Vielleicht war Grümmer dem Produzenten mit damals 54 Jahren für die Neuaufnahme schon zu alt. Leider klingt Watson nicht wesentlich jünger, hat einige Schärfen in der Höhe und leichte Intonationsprobleme. Eine gute, keine überragende Anna. Nicolai Gedda singt mir zu technisch und nicht ausdrucksvoll genug - dass er in der ersten Arie kurzatmig klingt, mag an Klemperers extrem langsamen Tempi liegen oder einer Indisposition.

Und Ghiaurov in der Titelrolle? Eine riesige Stimme, metallisch kernig im Timbre, höhensicher, gewaltig, insofern ideale Voraussetzungen für die Rolle. Leider ist Ghiaurov zumindest in dieser Aufnahme (vielleicht wegen der langsamen Tempi?) kaum erotisch oder verspielt. Ein Vergewaltiger, kein Verführer. Nur in der Romanze "Deh vieni alla finestra" und - natürlich - im Duett "Là cì darem la mano" gönnt sich Ghiaurov etwas zärtlichere Töne. Er hätte einer der ganz großen Don Giovannis des Jahrhunderts sein können wie Ezio Pinza oder Cesare Siepi, die ähnliche Stimmen hatten. Diese Möglichkeit verschenkt er etwas. Gerade in der Finalszene wünscht man sich im Vergleich zur weichen Stimme von Franz Crass, dass beide umgekehrt besetzt worden wären.

Insgesamt also gute Gesangsleistungen bei einem nicht schlüssigen Gesamtkonzept. Da ist die Giulini-Aufnahme insgesamt überlegen, zumal die Sänger dort nicht schlechter sind.

Das besondere an dieser Ausgabe ist die vierte CD mit Probenmitschnitten, die aber nur bedingt interessant sind - vieles geht in allgemeinem Gemurmel unter.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2013 8:10 PM CET


Komplette Kammermusik (Ga)
Komplette Kammermusik (Ga)
Preis: EUR 38,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr viel Musik fürs Geld, 17. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Komplette Kammermusik (Ga) (Audio CD)
Die Kammermusik begleitete Johannes Brahms über seine gesamte Karriere hinweg, vom jugendlich überschwänglichen Klaviertrio op. 8 bis zu den altersweisen Klarinettensonaten op. 120. Auf dieser Sammlung ist alles versammelt mit Ausnahme der Werke für Klavier solo, und damit ein einmaliger Überblick über die stilistische Entwicklung des Komponisten über 40 Jahre hinweg - und bei der er sich doch immer treu blieb.

Insgesamt benötigt die DGG 11 CDs für die gesamte Sammlung - schon allein das würde sie angesichts des Preises zu einem einmaligen Schnäppchen machen. Dazu kommt aber noch, dass die Aufnahmen der einzelnen Werke größtenteils gut sind, teilweise zu den besten überhaupt gehören:

Die Aufnahmedaten erstrecken sich von 1966 bis 2007, die Solisten sind durchgehend sehr prominent.

Besonders hervorheben möchte ich die eleganten Aufnahmen der Violinsonaten mit Augustin Dumay und Maria Joao Pires und die Cellosonaten in der einmalig ernsthaften Interpretation von Mstislav Rostropovitch und Rudolf Serkin.

Dazu kommen u. a. das Hagen-Quartett (mit sehr temperamentvollen Aufnahmen der Streichquintette), das Amadeus- und das Emerson-String Quartett sowie das Quartetto italiano (mit Maurizio Pollini), Karl Leister u. a..

Eine empfehlenswerte Sammlung für alle, die den Kammermusiker Brahms kennenlernen wollen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 9, 2014 2:49 PM CET


The Wagner Operas
The Wagner Operas
Preis: EUR 79,99

26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solti-Wagner, 12. September 2012
Rezension bezieht sich auf: The Wagner Operas (Audio CD)
So bedeutend Sir Georg Solti als Dirigent sinfonischer Musik war, so erfolgreich mit seinen Einspielungen der Opern von Mozart, Verdi oder Richard Strauss, denkt man bei seinem Namen doch zunächst an seine Wagner-Einspielungen, v. a. an seine Gesamteinspielung des Rings des Nibelungen - die erste Studio-Produktion des gesamten Rings überhaupt.

Jetzt hat die Decca zum 100. Geburtstag ihres großen Stars eine Box mit Aufnahmen aller 10 von Wagner selbst für die Bayreuther Festspiele autorisierten Opern heraus gebracht - angesichts des Inhalts von 37 (!) CDs ein echtes Schnäppchen. Insgesamt sind alle Aufnahmen historisch bedeutend und sorgfältig produziert. Im einzelnen enthält die Box - nach Aufnahmedatum sortiert - folgende Aufnahmen:

- Der Ring des Nibelungen (1958 - 65):
-Das Rheingold (mit George London, Set Svanholm, Kirsten Flagstad, Wiener Philharmoniker u.a)
-Die Walküre (mit James King, Régine Crespin, Birgit Nilsson, Hans Hotter, Wiener Philharmoniker u.a.)
-Siegfried (mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Hans Hotter, Wiener Philharmoniker u.a.)
-Götterdämmerung (mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Wiener Philharmoniker u.a.)
Die berühmte Einspielung hat heute noch viele Fans, ist aber in der Rückschau etwas uneinheitlich - auch durch die lange Entstehungsdauer bedingt: Durchgehend großartig das Rheingold, eine große Ensembleleistung die Götterdämmerung, Siegfried und v. a. die Walküre leiden unter dem indisponierten Hans Hotter. Die frühe Stereotechnik mit im Verhältnis zu den Sängern sehr lautem Orchester - besonders die knalligen Blechbläser - und einigen merkwürdigen Soundeffekten überzeugt nur noch bedingt.

-Tristan und Isolde (1960): (mit Birgit Nilsson, Fritz Uhl, Regina Resnik, Tom Krause, Arnold van Mill, Wiener Philharmoniker u.a.)
Solti lässt gerade im Vergleich zum knalligen Ring sehr sensibel und feinnervig musizieren. Selten hat man Birgit Nilsson so vorsichtig singen hören - mir gefallen ihre Live-Mitschnitte als Isolde mehr. Uhl überzeugt als Tristan nur bedingt. Resnik ist eine mütterliche Brangäne, Krause und van Mill eine gute Wahl als Kurwenal und Marke.

-Tannhäuser (1970): (mit René Kollo, Helga Dernesch, Victor Braun, Christa Ludwig, Hans Sotin, Wiener Philharmoniker u.a.)
Eine der ganz großen Aufnahmen der Pariser Fassung der Oper - unschlagbar Ludwigs Venus als erotisches Überweib, sehr überzeugend Kollos Titelheld, balsamisch Brauns Wolfram, auch die übrige Besetzung musiziert sich mit Solti in einen Rausch.

-Parsifal (1972): (mit René Kollo, Hans Hotter, Christa Ludwig, Gottlob Frick, Dietrich Fischer-Dieskau, Wiener Philharmoniker, u.a.)
Ähnlich überzeugend wie der Tannhäuser, mit einigen großartigen Spätleistungen (Frick!) und einer wunderbar singenden Kundry (Ludwig).

-Die Meistersinger von Nürnberg (1975): (mit Norman Bailey, Hannelore Bode, Bernd Weikl, René Kollo, Kurt Moll, u.a.)
Leider die weniger überzeugende von Soltis Meistersinger-Aufnahmen: Bailey singt schön, aber etwas ausdrucksarm und nicht akzentfrei, Kollo stemmt mehr als in der früheren Karajan-Aufnahme, Weikl chargiert. Langatmige Tempi, wenig Temperament. Tipp: Noch die zweite Aufnahme (mit van Dam, Heppner, Pape, Mattila) dazu kaufen, in der Solti der Komödie auch vertraut, und die Sänger besser harmonieren.

-Der fliegende Holländer (1976). (mit Norman Bailey, Janis Martin, René Kollo, Martti Talvela, Chicago Symphony Orchestra, u.a.)
Großartig dirigiert, leider außer Talvela keine gleichwertigen Sängerleistungen, ordentlich, nicht sensationell.

-Lohengrin (1986): (mit Jessye Norman, Plácido Domingo, Hans Sotin, Siegmund Nimsgern, Eva Randova, Wiener Philharmoniker u.a.)
Sehr schön, aber etwas blutarm und temperamentlos musizierte Aufnahme, Domingo radebrecht sich durch den Text. Der Rest ist Schönklang, aus dem die hysterische Ortrud der Randova heraussticht.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 21, 2014 12:36 AM MEST


Aida,un Ballo in Maschera,Don Carlos
Aida,un Ballo in Maschera,Don Carlos
Preis: EUR 53,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Porträt eines großen Verdi-Dirigenten, 10. September 2012
Dieses Album versammelt Claudio Abbados Aufnahmen von Verdi-Opern für die Deutsche Grammophon aus über 20 Jahren, die meisten davon mit dem Ensemble der Mailänder Scala, deren Musikdirektor er von 1968 bis 1986 war.

Einige der Aufnahmen gehören zu den besten der aufgenommenen Werke, insbesondere die beiden ältesten:

Macbeth (1975) ist mit Piero Cappuccilli, Shirley Verrett, Placido Domingo und Nicolai Ghiarov in den Hauptrollen sehr gut besetzt und von einer einmaligen dramatischen Stringenz im Ensemble.

Während es vom Macbeth noch Alternativen gibt, ist die Einspielung von Simone Boccanegra (1976/7) einmalig gelungen: Mit Cappuccilli, Ghiaurov, José van Dam in den drei Hauptrollen, dazu der entzückenden Mirella Freni und José Carreras singt hier ein großartiges Ensemble.

Die Aufnahmen von Un Ballo in Maschera (1979), Aida (1981) und Don Carlos (1983/4) sind wahrscheinlich so gut besetzt, wie es damals möglich war, im Vergleich zur älteren Konkurrenz ist die Besetzung allerdings etwas uneinheitlich - das gilt v. a. für die Sopranistin Katia Ricciarelli, die mit Amelia, Elisabeth und insbesondere Aida schlicht überfordert war. Auch Placido Domingo ist nicht durchgehend in der gewohnten Topform. Für Sternstunden sorgen Edita Gruberova (Oscar), Lucia Valentini Terrani (Eboli) und Elena Obraszova (Ulrica, Amneris). Insgesamt sind die Aufnahmen spannend und gelungen. Don Carlos ist hier in einer 5-aktigen Fassung auf Französisch vertreten, allerdings nicht in der Urversion, sondern mit den späteren Änderungen der italienischen Endfassung - editorisch ist das nicht ganz verständlich.

2001 lieferte Abbado - diesmal mit den Berliner Philharmonikern, deren Chefdirigent er damals war - eine sehr schwungvolle, saftige Version des Falstaff nach. In der Titelrolle glänzt Bryn Terfel als echter Pfundskerl, als Gegenspieler Ford macht Thomas Hampson eine sehr gute Figur. Auch die restlichen Rollen sind - u. a. mit Adrienne Pieczonka und Dorothea Röschmann - stilsicher besetzt. Eine der besten neuen Aufnahmen von Verdis großem Abschiedswerk.


The Verdi Operas
The Verdi Operas
Preis: EUR 48,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen gelungene Hommage, 7. September 2012
Rezension bezieht sich auf: The Verdi Operas (Audio CD)
Sir Georg Solti gehörte zu jener Dirigentengeneration, deren Karriere mit der technischen Entwicklung der Aufnahmetechnik einher ging - und deshalb sehr ausführlich auf Tonträger dokumentiert ist. Neben zahlreichen Aufnahmen des klassischen sinfonischen Repertoires (v. a. mit dem Chicago Symphony Orchestra) liegen auch zahlreiche Opernaufnahmen vor, teilweise sogar mehrere desselben Werks.

Dieses Album enthält folgende Aufnahmen:

- Un ballo in maschera (1961): Birgit Nilsson, Giulietta Simionato, Carlo Bergonzi, Cornell McNeill, Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia u.a.:
Hier wäre mir Soltis zweite Aufnahme von 1983 (mit Margaret Price und Luciano Pavarotti) lieber gewesen, weil Solti den leichteren Ton dieser Oper in der zweiten Aufnahme besser trifft und Nilsson keine Verdi-Stimme hatte. Bergonzi ist allerdings großartig.

- Aida (1961): Leontyne Price, Jon Vickers, Rita Gorr, Robert Merrill, Orchestra del Teatro dell'Opera di Roma u.a.:
Ein unverzichtbares Dokument von Price als Aida in Topform, Gorr und Merrill sind großartig, Vickers Geschmackssache. Soltis Dirigat überzeugt v. a. in den Ensembleszenen, die triumphal wie nie zuvor klingen.

- Falstaff (1963): Sir Geraint Evans, Mirella Freni, Robert Merrill, Giulietta Simionato, Alfredo Kraus, Ilva Ligabue, RCA Italiana Opera Orchestra u.a.:
Sehr gutes Ensemble, besonders Freni und Kraus entzückend, eine unterschätzte Aufnahme.

- Don Carlo (1965): Renata Tebaldi, Grace Bumbry, Carlo Bergonzi, Dietrich Fischer-Dieskau, Nicolai Ghiaurov, Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden:
Auch wenn Tebaldi etwas über den Zenit ist und Fi-Die polarisiert, mein absoluter Lieblings-Don Carlos.

- Otello (1977): Margaret Price, Carlo Cossutta, Gabriel Bacquier, Wiener Philharmoniker u.a.:
Cossutta bleibt blass als Otello, Price entzückend, großartige Nebenrollen, Chor und Orchester, überzeugend dirigiert

- Simon Boccanegra (1988): Kiri Te Kanawa, Leo Nucci, Giacomo Aragall, Paata Burchuladze, Orchestra del Teatro alla Scala di Milano u.a.:
Außer te Kanawa leider keine ideale Besetzung

- La Traviata (1994): Angela Gheorghiu, Frank Lopardo, Leo Nucci, Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden u.a.:
Sensation bei ihrem Erscheinen, immer noch sehr überzeugend: Dieses Debut machte Angela Gheorgiu gleich zum Weltstar - mit Recht!

Als Zugabe:
- Opernchöre mit dem Chicago Symphony Chorus und dem Chicago Symphony Orchestra


Carmen (Ga)-Deluxe Edition
Carmen (Ga)-Deluxe Edition
Preis: EUR 20,69

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen hörenswerte Neuaufnahme, 31. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Carmen (Ga)-Deluxe Edition (Audio CD)
Diese Neuaufnahme der Carmen gehört zu einer fast schon ausgestorbenen Gattung: Eine klassische Studio-Gesamtaufnahme statt der heute üblichen, weil preiswerter zu produzierenden Live-Mitschnitte. Und das Ergebnis - das voraus - kann sich hören lassen, auch im Vergleich zu der wahrlich nicht raren Konkurrenz:

Sir Simon Rattle dirigiert am Pult seiner Berliner Philharmoniker eine sensible, feine, farbenreiche Carmen, verzichtet auf ostentative Spanienklischees zugunsten der französischen Opéra Comique, die die Carmen nun einmal ist, und lässt den Sängern genug Luft zum Atmen und entspannten Aussingen - das gelingt ihm im Studio sehr viel besser als live.

Die Titelrolle singt Rattles Ehefrau Magdalena Kozena - und auch sie profitiert vom Studio: Hier kann die eigentlich eher bei Mozart beheimatete Sängerin frei aussingen, ohne forcieren zu müssen. Und so kann sie etwa die Habanera mit feiner Ironie gestalten, die Séguedille mit hintergründigem Charme - fast wie ein Chanson. Es hat viele Carmens mit mächtigeren Stimmen gegeben haben, die vielleicht im Finale mehr Wucht entwickelt haben. Mich überzeugt Kozena sehr, sowohl musikalisch als auch von der Gestaltung der Rolle.

Ein weiterer Trumpf der Aufnahme ist die entzückende Micaela von Genia Kühmeier. In ihrer verträumten Naivität erinnert sie an die junge Mirella Freni - und ein größeres Lob gibt es kaum.

Jonas Kaufmann singt den Don José routiniert und mit baritonal-mächtigem Timbre. Ich habe den Eindruck, dass es seine Technik langsam wieder etwas umstellt und den Ton wieder etwas verschlankt - zum Vorteil seines Timbres und der Haltbarkeit seiner Stimme. Deshalb ein guter, für meinen Geschmack immer noch etwas zu heldischer José.

Kostas Smoriginas schließlich vervollständigt das Solistenquartett als etwas rauhstimmiger, grimmiger Escamillo, kein charmanter Verführer, aber ein glaubwürdiger Draufgänger - und dankenswerterweise ein Bassbariton, der deshalb auch mit der tückischen Tiefe seiner Auftrittsarie gut zurecht kommt.

Die Nebenrollen sind gut bis sehr gut besetzt. Der Chor (und Kinderchor) der Berliner Staatsoper passen sich in ein spielfreudiges, temperamentvolles Ensemble ein. Die Berliner Philharmoniker schließlich spielen federnd, farbenreich, elegant - als wäre es für sie nichts besonderes, eine Oper zu begleiten.

Kurz: Eine sehr erfreuliche Bereicherung des Carmen-Katalogs.


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