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vully "vully" (Neuhausen)
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Strauss: Die Fledermaus
Strauss: Die Fledermaus
Preis: EUR 18,88

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen gepflegte Langeweile, 29. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Strauss: Die Fledermaus (Audio CD)
Man kann dieser Aufnahme der Fledermaus nicht vorwerfen, dass nicht sehr schön gesungen würde - aber reicht das für eine gelungene Aufnahme der klassischen Wiener Operette schlechthin? Ich finde nicht. Und deshalb kann diese Einspielung mich nicht überzeugen:

Dirigent André Previn lässt die Wiener Philharmoniker weich und zart, aber nicht wirklich temperamentvoll spielen - da sprüht kein Champagner, da fließt ein schwerer Rotwein gemächlich vor sich hin.

Im Mittelpunkt des Sängerensemble steht Dame Kiri te Kanawa, die im opulenten Sissi-Kostüm auch das Titelbild schmückt - und so wie sie auf dem Cover aussieht, klingt sie auch: Wie immer überzeugt sie mehr durch die große Schönheit ihrer Stimme als durch ihr Temperament. Diese Rosalinde klingt wie eine Mischung aus Gräfin Almaviva und Marschallin - edel leidend.

Edita Gruberova dagegen ist eine herrlich überdrehte Adele, Brigitte Fassbaender wie immer ein idealer, herrlich eitler Prinz Orlofsky - auch wenn sie gegen Ende ihrer Karriere nicht mehr ganz die stimmliche Souveränität früherer Aufnahmen hat. Die beiden sind die einzigen, die der edlen Blässe dieser Aufnahme entgegen wirken und wirklich Operette spielen - auch wenn es ihnen der Dirigent mit seinen langsamen Tempi sehr schwer macht.

Der Eisenstein - eigentlich eine Tenor-Partie - ist wie so häufig mit einem Bariton besetzt, und Wolfgang Brendel bewältigt die Partie konzentriert, ohne forcieren zu müssen. Der Preis für seine musikalische Vorsicht ist eine untadelige, aber ziemlich blutarme Interpretation.

Dass Olaf Bär eigentlich durchaus ein Dr. Falke war, hat er unter Harnoncourt gezeigt - hier beschränkt er sich meist auf edlen Schöngesang. Tom Krause hat als Gefängnisdirektor seine beste Zeit hörbar hinter sich. Den Frosch habe ich schon viel spannender gehört.

Richard Leech leiht dem Alfred seine schöne, metallische Tenorstimme - neben Gruberova und Fassbaender gehört er zu den Positivposten der Aufnahme.

Besonders auffällig sind an dieser Aufnahme auch die holprigen Dialoge - wenn sich Rosalinde und Alfred mit deutlich hörbarem englischen Akzent durch den Text radebrechen und der Frank mit schwedisch kontert, muss man überlegen, ob man nicht wenigstens bei ihnen die Dialoge hätte doublen lassen sollen.

Kurz - eine für den internationalen Markt annehmbare, weil schön und sorgfältig musizierte, aber träge und unidiomatische Aufnahme - das Gegenteil der ebenso idealen wie authentischen Karajan-Aufnahme.


Don Giovanni (M. Proben-Ausz.)
Don Giovanni (M. Proben-Ausz.)
Preis: EUR 13,99

9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Monumental - aber wo ist die Leichtigkeit?, 29. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Don Giovanni (M. Proben-Ausz.) (Audio CD)
Im Gegensatz zu Otto Klemperers auch sehr langsamer, in ihrer Strenge und Ausdruckstiefe aber trotzdem mitreißenden Aufnahme der Zauberflöte gehört seine Einspielung des Don Giovanni von 1966 nicht zu meinen Favoriten:

Sicher - keiner hat die Höllenfahrt des Don Giovanni gewaltiger, monumentaler dirigiert als Klemperer, die Friedhofsszene düsterer und den Mord am Anfang brutaler. Aber das Drama beschränkt sich ja nicht auf diese drei Szenen. Das besondere am Don Giovanni ist ja gerade die Vielschichtigkeit. Mozart bezeichnet es nicht umsonst als "dramma giocoso," als "heiteres Drama." Ein wichtiger Asspekt ist der Kontrast zwischen der höfischen Steifheit (und erotischen Verklemmtheit) des Adels und der volkstümlichen Heiterkeit (und Verspieltheit) der Bauern, Grenzen, die der Don Giovanni als einziger überwindet, weil er sie ignoriert - Klemperer leider auch. Generell fehlen dieser Aufnahme Tempo, Leichtigkeit, Humor und vor allem Ironie - im Gegensatz zu der einige Jahre früher entstandenen Giulini-Einspielung, die nicht nur in dieser Hinsicht die Nase vorn hat.

Auch die Sänger können mich nicht durchgehend voll überzeugen:

Auf der Positivseite steht allerdings zunächst mit Walter Berry der m. E. beste Leporello des 20. Jahrhunderts in seiner besten Aufnahme der Rolle. Stimmlich und darstellerisch ist er für mich in seiner hintergründigen Bosheit unübertroffen. Ein ganz großer Trumpf ist auch die Donna Elvira von Christa Ludwig. Eine sehr verletzte und verletzliche Darstellung, ein echter Gegenentwurf zu Elisabeth Schwarzkopfs Exaltiertheit bei Giulini.

Knapp dahinter folgt Mirella Frenis Zerlina - kleine Schwierigkeiten mit tiefen Passagen und das fehlende Lächeln in der Stimme in der zweiten Arie verhindern eine absolute Spitzenleistung. Franz Crass singt den Komtur wunderschön - allerdings für den steinernen Gast besonders im Vergleich zu Ghiaurovs Don zu menschlich.

Das Paar Anna-Ottavio macht auch nur bedingt glücklich: Claire Watson erinnert im Timbre an die beste Donna Anna der 50er Jahre, Elisabeth Grümmer, die die EMI leider schon in der Giulini-Aufnahme übergangen hatte. Vielleicht war Grümmer dem Produzenten mit damals 54 Jahren für die Neuaufnahme schon zu alt. Leider klingt Watson nicht wesentlich jünger, hat einige Schärfen in der Höhe und leichte Intonationsprobleme. Eine gute, keine überragende Anna. Nicolai Gedda singt mir zu technisch und nicht ausdrucksvoll genug - dass er in der ersten Arie kurzatmig klingt, mag an Klemperers extrem langsamen Tempi liegen oder einer Indisposition.

Und Ghiaurov in der Titelrolle? Eine riesige Stimme, metallisch kernig im Timbre, höhensicher, gewaltig, insofern ideale Voraussetzungen für die Rolle. Leider ist Ghiaurov zumindest in dieser Aufnahme (vielleicht wegen der langsamen Tempi?) kaum erotisch oder verspielt. Ein Vergewaltiger, kein Verführer. Nur in der Romanze "Deh vieni alla finestra" und - natürlich - im Duett "Là cì darem la mano" gönnt sich Ghiaurov etwas zärtlichere Töne. Er hätte einer der ganz großen Don Giovannis des Jahrhunderts sein können wie Ezio Pinza oder Cesare Siepi, die ähnliche Stimmen hatten. Diese Möglichkeit verschenkt er etwas. Gerade in der Finalszene wünscht man sich im Vergleich zur weichen Stimme von Franz Crass, dass beide umgekehrt besetzt worden wären.

Insgesamt also gute Gesangsleistungen bei einem nicht schlüssigen Gesamtkonzept. Da ist die Giulini-Aufnahme insgesamt überlegen, zumal die Sänger dort nicht schlechter sind.

Das besondere an dieser Ausgabe ist die vierte CD mit Probenmitschnitten, die aber nur bedingt interessant sind - vieles geht in allgemeinem Gemurmel unter.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2013 8:10 PM CET


Komplette Kammermusik (Ga)
Komplette Kammermusik (Ga)
Preis: EUR 45,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr viel Musik fürs Geld, 17. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Komplette Kammermusik (Ga) (Audio CD)
Die Kammermusik begleitete Johannes Brahms über seine gesamte Karriere hinweg, vom jugendlich überschwänglichen Klaviertrio op. 8 bis zu den altersweisen Klarinettensonaten op. 120. Auf dieser Sammlung ist alles versammelt mit Ausnahme der Werke für Klavier solo, und damit ein einmaliger Überblick über die stilistische Entwicklung des Komponisten über 40 Jahre hinweg - und bei der er sich doch immer treu blieb.

Insgesamt benötigt die DGG 11 CDs für die gesamte Sammlung - schon allein das würde sie angesichts des Preises zu einem einmaligen Schnäppchen machen. Dazu kommt aber noch, dass die Aufnahmen der einzelnen Werke größtenteils gut sind, teilweise zu den besten überhaupt gehören:

Die Aufnahmedaten erstrecken sich von 1966 bis 2007, die Solisten sind durchgehend sehr prominent.

Besonders hervorheben möchte ich die eleganten Aufnahmen der Violinsonaten mit Augustin Dumay und Maria Joao Pires und die Cellosonaten in der einmalig ernsthaften Interpretation von Mstislav Rostropovitch und Rudolf Serkin.

Dazu kommen u. a. das Hagen-Quartett (mit sehr temperamentvollen Aufnahmen der Streichquintette), das Amadeus- und das Emerson-String Quartett sowie das Quartetto italiano (mit Maurizio Pollini), Karl Leister u. a..

Eine empfehlenswerte Sammlung für alle, die den Kammermusiker Brahms kennenlernen wollen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 9, 2014 2:49 PM CET


The Wagner Operas
The Wagner Operas
Preis: EUR 89,99

25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solti-Wagner, 12. September 2012
Rezension bezieht sich auf: The Wagner Operas (Audio CD)
So bedeutend Sir Georg Solti als Dirigent sinfonischer Musik war, so erfolgreich mit seinen Einspielungen der Opern von Mozart, Verdi oder Richard Strauss, denkt man bei seinem Namen doch zunächst an seine Wagner-Einspielungen, v. a. an seine Gesamteinspielung des Rings des Nibelungen - die erste Studio-Produktion des gesamten Rings überhaupt.

Jetzt hat die Decca zum 100. Geburtstag ihres großen Stars eine Box mit Aufnahmen aller 10 von Wagner selbst für die Bayreuther Festspiele autorisierten Opern heraus gebracht - angesichts des Inhalts von 37 (!) CDs ein echtes Schnäppchen. Insgesamt sind alle Aufnahmen historisch bedeutend und sorgfältig produziert. Im einzelnen enthält die Box - nach Aufnahmedatum sortiert - folgende Aufnahmen:

- Der Ring des Nibelungen (1958 - 65):
-Das Rheingold (mit George London, Set Svanholm, Kirsten Flagstad, Wiener Philharmoniker u.a)
-Die Walküre (mit James King, Régine Crespin, Birgit Nilsson, Hans Hotter, Wiener Philharmoniker u.a.)
-Siegfried (mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Hans Hotter, Wiener Philharmoniker u.a.)
-Götterdämmerung (mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Wiener Philharmoniker u.a.)
Die berühmte Einspielung hat heute noch viele Fans, ist aber in der Rückschau etwas uneinheitlich - auch durch die lange Entstehungsdauer bedingt: Durchgehend großartig das Rheingold, eine große Ensembleleistung die Götterdämmerung, Siegfried und v. a. die Walküre leiden unter dem indisponierten Hans Hotter. Die frühe Stereotechnik mit im Verhältnis zu den Sängern sehr lautem Orchester - besonders die knalligen Blechbläser - und einigen merkwürdigen Soundeffekten überzeugt nur noch bedingt.

-Tristan und Isolde (1960): (mit Birgit Nilsson, Fritz Uhl, Regina Resnik, Tom Krause, Arnold van Mill, Wiener Philharmoniker u.a.)
Solti lässt gerade im Vergleich zum knalligen Ring sehr sensibel und feinnervig musizieren. Selten hat man Birgit Nilsson so vorsichtig singen hören - mir gefallen ihre Live-Mitschnitte als Isolde mehr. Uhl überzeugt als Tristan nur bedingt. Resnik ist eine mütterliche Brangäne, Krause und van Mill eine gute Wahl als Kurwenal und Marke.

-Tannhäuser (1970): (mit René Kollo, Helga Dernesch, Victor Braun, Christa Ludwig, Hans Sotin, Wiener Philharmoniker u.a.)
Eine der ganz großen Aufnahmen der Pariser Fassung der Oper - unschlagbar Ludwigs Venus als erotisches Überweib, sehr überzeugend Kollos Titelheld, balsamisch Brauns Wolfram, auch die übrige Besetzung musiziert sich mit Solti in einen Rausch.

-Parsifal (1972): (mit René Kollo, Hans Hotter, Christa Ludwig, Gottlob Frick, Dietrich Fischer-Dieskau, Wiener Philharmoniker, u.a.)
Ähnlich überzeugend wie der Tannhäuser, mit einigen großartigen Spätleistungen (Frick!) und einer wunderbar singenden Kundry (Ludwig).

-Die Meistersinger von Nürnberg (1975): (mit Norman Bailey, Hannelore Bode, Bernd Weikl, René Kollo, Kurt Moll, u.a.)
Leider die weniger überzeugende von Soltis Meistersinger-Aufnahmen: Bailey singt schön, aber etwas ausdrucksarm und nicht akzentfrei, Kollo stemmt mehr als in der früheren Karajan-Aufnahme, Weikl chargiert. Langatmige Tempi, wenig Temperament. Tipp: Noch die zweite Aufnahme (mit van Dam, Heppner, Pape, Mattila) dazu kaufen, in der Solti der Komödie auch vertraut, und die Sänger besser harmonieren.

-Der fliegende Holländer (1976). (mit Norman Bailey, Janis Martin, René Kollo, Martti Talvela, Chicago Symphony Orchestra, u.a.)
Großartig dirigiert, leider außer Talvela keine gleichwertigen Sängerleistungen, ordentlich, nicht sensationell.

-Lohengrin (1986): (mit Jessye Norman, Plácido Domingo, Hans Sotin, Siegmund Nimsgern, Eva Randova, Wiener Philharmoniker u.a.)
Sehr schön, aber etwas blutarm und temperamentlos musizierte Aufnahme, Domingo radebrecht sich durch den Text. Der Rest ist Schönklang, aus dem die hysterische Ortrud der Randova heraussticht.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 21, 2014 12:36 AM MEST


Aida,un Ballo in Maschera,Don Carlos
Aida,un Ballo in Maschera,Don Carlos
Preis: EUR 60,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Porträt eines großen Verdi-Dirigenten, 10. September 2012
Dieses Album versammelt Claudio Abbados Aufnahmen von Verdi-Opern für die Deutsche Grammophon aus über 20 Jahren, die meisten davon mit dem Ensemble der Mailänder Scala, deren Musikdirektor er von 1968 bis 1986 war.

Einige der Aufnahmen gehören zu den besten der aufgenommenen Werke, insbesondere die beiden ältesten:

Macbeth (1975) ist mit Piero Cappuccilli, Shirley Verrett, Placido Domingo und Nicolai Ghiarov in den Hauptrollen sehr gut besetzt und von einer einmaligen dramatischen Stringenz im Ensemble.

Während es vom Macbeth noch Alternativen gibt, ist die Einspielung von Simone Boccanegra (1976/7) einmalig gelungen: Mit Cappuccilli, Ghiaurov, José van Dam in den drei Hauptrollen, dazu der entzückenden Mirella Freni und José Carreras singt hier ein großartiges Ensemble.

Die Aufnahmen von Un Ballo in Maschera (1979), Aida (1981) und Don Carlos (1983/4) sind wahrscheinlich so gut besetzt, wie es damals möglich war, im Vergleich zur älteren Konkurrenz ist die Besetzung allerdings etwas uneinheitlich - das gilt v. a. für die Sopranistin Katia Ricciarelli, die mit Amelia, Elisabeth und insbesondere Aida schlicht überfordert war. Auch Placido Domingo ist nicht durchgehend in der gewohnten Topform. Für Sternstunden sorgen Edita Gruberova (Oscar), Lucia Valentini Terrani (Eboli) und Elena Obraszova (Ulrica, Amneris). Insgesamt sind die Aufnahmen spannend und gelungen. Don Carlos ist hier in einer 5-aktigen Fassung auf Französisch vertreten, allerdings nicht in der Urversion, sondern mit den späteren Änderungen der italienischen Endfassung - editorisch ist das nicht ganz verständlich.

2001 lieferte Abbado - diesmal mit den Berliner Philharmonikern, deren Chefdirigent er damals war - eine sehr schwungvolle, saftige Version des Falstaff nach. In der Titelrolle glänzt Bryn Terfel als echter Pfundskerl, als Gegenspieler Ford macht Thomas Hampson eine sehr gute Figur. Auch die restlichen Rollen sind - u. a. mit Adrienne Pieczonka und Dorothea Röschmann - stilsicher besetzt. Eine der besten neuen Aufnahmen von Verdis großem Abschiedswerk.


The Verdi Operas
The Verdi Operas
Preis: EUR 40,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen gelungene Hommage, 7. September 2012
Rezension bezieht sich auf: The Verdi Operas (Audio CD)
Sir Georg Solti gehörte zu jener Dirigentengeneration, deren Karriere mit der technischen Entwicklung der Aufnahmetechnik einher ging - und deshalb sehr ausführlich auf Tonträger dokumentiert ist. Neben zahlreichen Aufnahmen des klassischen sinfonischen Repertoires (v. a. mit dem Chicago Symphony Orchestra) liegen auch zahlreiche Opernaufnahmen vor, teilweise sogar mehrere desselben Werks.

Dieses Album enthält folgende Aufnahmen:

- Un ballo in maschera (1961): Birgit Nilsson, Giulietta Simionato, Carlo Bergonzi, Cornell McNeill, Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia u.a.:
Hier wäre mir Soltis zweite Aufnahme von 1983 (mit Margaret Price und Luciano Pavarotti) lieber gewesen, weil Solti den leichteren Ton dieser Oper in der zweiten Aufnahme besser trifft und Nilsson keine Verdi-Stimme hatte. Bergonzi ist allerdings großartig.

- Aida (1961): Leontyne Price, Jon Vickers, Rita Gorr, Robert Merrill, Orchestra del Teatro dell'Opera di Roma u.a.:
Ein unverzichtbares Dokument von Price als Aida in Topform, Gorr und Merrill sind großartig, Vickers Geschmackssache. Soltis Dirigat überzeugt v. a. in den Ensembleszenen, die triumphal wie nie zuvor klingen.

- Falstaff (1963): Sir Geraint Evans, Mirella Freni, Robert Merrill, Giulietta Simionato, Alfredo Kraus, Ilva Ligabue, RCA Italiana Opera Orchestra u.a.:
Sehr gutes Ensemble, besonders Freni und Kraus entzückend, eine unterschätzte Aufnahme.

- Don Carlo (1965): Renata Tebaldi, Grace Bumbry, Carlo Bergonzi, Dietrich Fischer-Dieskau, Nicolai Ghiaurov, Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden:
Auch wenn Tebaldi etwas über den Zenit ist und Fi-Die polarisiert, mein absoluter Lieblings-Don Carlos.

- Otello (1977): Margaret Price, Carlo Cossutta, Gabriel Bacquier, Wiener Philharmoniker u.a.:
Cossutta bleibt blass als Otello, Price entzückend, großartige Nebenrollen, Chor und Orchester, überzeugend dirigiert

- Simon Boccanegra (1988): Kiri Te Kanawa, Leo Nucci, Giacomo Aragall, Paata Burchuladze, Orchestra del Teatro alla Scala di Milano u.a.:
Außer te Kanawa leider keine ideale Besetzung

- La Traviata (1994): Angela Gheorghiu, Frank Lopardo, Leo Nucci, Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden u.a.:
Sensation bei ihrem Erscheinen, immer noch sehr überzeugend: Dieses Debut machte Angela Gheorgiu gleich zum Weltstar - mit Recht!

Als Zugabe:
- Opernchöre mit dem Chicago Symphony Chorus und dem Chicago Symphony Orchestra


Carmen (Ga)-Deluxe Edition
Carmen (Ga)-Deluxe Edition
Preis: EUR 23,99

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen hörenswerte Neuaufnahme, 31. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Carmen (Ga)-Deluxe Edition (Audio CD)
Diese Neuaufnahme der Carmen gehört zu einer fast schon ausgestorbenen Gattung: Eine klassische Studio-Gesamtaufnahme statt der heute üblichen, weil preiswerter zu produzierenden Live-Mitschnitte. Und das Ergebnis - das voraus - kann sich hören lassen, auch im Vergleich zu der wahrlich nicht raren Konkurrenz:

Sir Simon Rattle dirigiert am Pult seiner Berliner Philharmoniker eine sensible, feine, farbenreiche Carmen, verzichtet auf ostentative Spanienklischees zugunsten der französischen Opéra Comique, die die Carmen nun einmal ist, und lässt den Sängern genug Luft zum Atmen und entspannten Aussingen - das gelingt ihm im Studio sehr viel besser als live.

Die Titelrolle singt Rattles Ehefrau Magdalena Kozena - und auch sie profitiert vom Studio: Hier kann die eigentlich eher bei Mozart beheimatete Sängerin frei aussingen, ohne forcieren zu müssen. Und so kann sie etwa die Habanera mit feiner Ironie gestalten, die Séguedille mit hintergründigem Charme - fast wie ein Chanson. Es hat viele Carmens mit mächtigeren Stimmen gegeben haben, die vielleicht im Finale mehr Wucht entwickelt haben. Mich überzeugt Kozena sehr, sowohl musikalisch als auch von der Gestaltung der Rolle.

Ein weiterer Trumpf der Aufnahme ist die entzückende Micaela von Genia Kühmeier. In ihrer verträumten Naivität erinnert sie an die junge Mirella Freni - und ein größeres Lob gibt es kaum.

Jonas Kaufmann singt den Don José routiniert und mit baritonal-mächtigem Timbre. Ich habe den Eindruck, dass es seine Technik langsam wieder etwas umstellt und den Ton wieder etwas verschlankt - zum Vorteil seines Timbres und der Haltbarkeit seiner Stimme. Deshalb ein guter, für meinen Geschmack immer noch etwas zu heldischer José.

Kostas Smoriginas schließlich vervollständigt das Solistenquartett als etwas rauhstimmiger, grimmiger Escamillo, kein charmanter Verführer, aber ein glaubwürdiger Draufgänger - und dankenswerterweise ein Bassbariton, der deshalb auch mit der tückischen Tiefe seiner Auftrittsarie gut zurecht kommt.

Die Nebenrollen sind gut bis sehr gut besetzt. Der Chor (und Kinderchor) der Berliner Staatsoper passen sich in ein spielfreudiges, temperamentvolles Ensemble ein. Die Berliner Philharmoniker schließlich spielen federnd, farbenreich, elegant - als wäre es für sie nichts besonderes, eine Oper zu begleiten.

Kurz: Eine sehr erfreuliche Bereicherung des Carmen-Katalogs.


Madama Butterfly
Madama Butterfly
Preis: EUR 21,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen atmosphärisch dichte, zum Ende bewegende Aufnahme, 17. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Madama Butterfly (Audio CD)
Puccinis Madama Butterfly gehört wie Verdis Traviata zu jenen problematischen Rollen, die während des Stücks eine große persönliche Entwicklung durchmachen und eigentlich mehrere verschiedene Stimmen erfordern - zwischen dem ersten und dem zweiten Akt liegen immerhin mehrere Jahre. Muss die Cio-Cio San am Anfang noch ein ganz naives junges Mädchen sein, ist sie am Ende eine stolze, schließlich verzweifelte Frau.

Wenige Sängerinnen haben diesen Wechsel ganz überzeugend hinbekommen, bleiben entweder junges Mädchen (Freni, Moffo) oder sind schon am Anfang Frau (Scotto, Gheorgiu). Tebaldi gehört in die zweite Kategorie, obwohl sie sich im ersten Akt hörbar zurückzunehmen versucht. Ihre Gestaltung der Rolle im zweiten Akt gehört dann jedoch zu den bewegendsten Darstellungen der Rolle, die ich überhaupt kenne.

Dazu kommt mit Carlo Bergonzi ein Pinkerton der absoluten Extraklasse und mit Fiorenza Cossotto eine Luxusbesetzung als Suzuki. Enzo Sordello ist ein zumindest ordentlicher Sharpless. Die restlichen Sänger enttäuschen ebenfalls nicht.

Altmeister Tullio Serafin am Pult garantiert eine atmosphärisch dichte, kitschfreie Interpretation von Puccinis Musik. Die Klangtechnik von 1958 ist auch heute noch erstaunlich gut anhörbar.

Wer die Stimme von Maria Callas nicht mag (die die Wandlung der Butterfly wirklich hinbekommt), sollte dieser Aufnahme auf jeden Fall eine Chance geben - und sich vielleicht als Alternative auch die Aufnahme unter Sir John Barbirolli (mit der jungen Renata Scotto und ebenfalls Bergonzi) anhören.


La Traviata
La Traviata
Preis: EUR 19,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Brillanter Belcanto - wenig Drama, 17. August 2012
Rezension bezieht sich auf: La Traviata (Audio CD)
Als die Decca 1979 ersmals die Digitaltechnik bei einer Opernaufnahme einsetzen wollte, lag es nahe, das mit einem großen PR-Clou zu verbinden und eines ihrer Opern-Traumpaare mit einer der populärsten Opern überhaupt zu betrauen. Das Ergebnis ist mehr als zwiespältig:

Dame Joan Sutherland war zum Zeitpunkt der Aufnahme 53 Jahre alt, und bei aller Hochachtung für diese großartige Sängerin muss ich sagen: Sie klingt einfach nicht mehr jung genug für die junge Kurtisane - ihre Stimme hatte schon ihren gaumigen, etwas zerkauten Altersklang angenommen, in tieferer Lage ist die Intonation nicht mehr ganz sattelfest. Sie versucht aus der Not eine Tugend zu machen und gestaltet die Rolle als große Belcanto-Virtuosenrolle, singt Verzierungen und interpolierte Spitzentöne, die von großen Primadonnen des 19. Jahrhunderts überliefert sind. Das klingt für unsere Ohren befremdlich und passt nicht wirklich zur Rolle. Man sollte Sutherlands Violetta nicht in dieser Aufnahme hören, sondern in der fast 20 Jahre älteren Pritchard-Einspielung, in der sie wirklich mit den großen Darstellerinnen der Partie konkurrieren konnte.

Luciano Pavarotti ist als Alfredo hier dagegen hörbar besser in Form als in seiner späteren Aufnahme unter James Levine.

Die dritte Hauptrolle, den Vater Germont, singt Matteo Manuguerra, ein eleganter, stilsichererer Sänger mit ausnehmend schöner, weicher Baritonstimme, der allerdings für den Vater einfach zu jung klingt.

Richard Bonynges Dirigat würde man ab und zu auch etwas mehr Schwung wünschen, im Vergleich zu Pritchard ist er aber ein echtes Plus. Die übrige Besetzung, Chor und Orchester lassen keine Wünsche offen.

Und die Tontechnik? Brillant, transparent, aber sehr kühl - akustisch spielt diese Traviata in einem sehr großen, aber nicht sehr warmen Raum. Auch dies kommt der Intimität des Werkes nicht entgegen.

Ich schwanke zwischen zwei und drei Sternen - wirklich empfehlen kann ich diese Aufnahme nicht.


Les Contes D'hoffmann
Les Contes D'hoffmann
Preis: EUR 18,97

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ultimative Künstleroper, 10. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Les Contes D'hoffmann (Audio CD)
Jacques Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" nach mehreren Geschichten von E.T.A. Hoffmann gehört seit ihrer Uraufführung zu den meistgespielten und beliebtesten überhaupt. Dabei war sie nie auch nur annähernd so zu hören, wie der Komponist sie sich vorgestellt hatte:

Offenbach war noch vor der Uraufführung verstorben, bevor er eine endgültige Fassung fertig gestellt hatte. Der Intendant des Opernhauses ließ daraufhin einen ganzen Akt - den Giulietta-Akt - streichen. Durch einen Brand des Hauses einige Jahre später gingen schließlich viele der Original-Noten verloren.

Die Praxis hat sich daraufhin aus dem restlichen Material - und älteren Offenbach-Werken - mehrere spielbare Fassungen zusammen gezimmert, die die Genialität des Stückes nur ansatzweise wiedergaben. Erst seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde und wird auf Grundlage von immer neuen Notenfunden versucht, das ursprüngliche Stück zu rekonstruieren. Die hier aufgenommene Fassung hatte der Forscher Michael Kaye Anfang der 90er Jahre erstellt und sie ist ein überzeugendes Zwischenergebnis: Kaye stellt die fünfaktige Form der Oper wieder her, macht die Muse/Nicklausse wieder zur Hauptfigur und zeigt, dass Offenbach nicht nur E.T.A. Hoffmann ein würdiges Denkmal gesetzt hat, sondern auch ein großes Portrait des romantischen Künstlers schlechthin - mit stark autobiographischen Zügen - geschaffen hat.

Die Aufnahme selbst lässt kaum Wünsche offen:

Francisco Araiza ist für mich der beste Hoffmann der Neuzeit - ein lyrischer Tenor mit weichem, leicht melancholischem Timbre (perfekt für die Rolle) und glänzender Höhe, dessen Stimme über die Jahre genug Volumen auch für dramatischere Rollen wie den Hoffmann angenommen hatte.

Anne-Sofie von Otter wertet die Muse zur Hauptrolle auf - sie ist am Ende die eigentliche Frau an der Seite des Künstlers. Dass Offenbach eine Spezialität der wandelbaren Schwedin war und ist, hat sie immer wieder gezeigt.

Samuel Ramey leiht den vier Gegenspielern seine mächtige Bassstimme und seine dämonische Ausstrahlung. Auch er ist konkurrenzlos

Jessye Norman ist mit ihrem warmen, weichen Timbre eine Idealbesetzung für die Antonia - wie so oft ist der dritte Akt der geschlossenste. Cheryl Studer überzeugt als kalte, eitle Kurtisane Giulietta. Eva Lind singt die Olympia ordentlich, aber mit etwas scharfer Stimme, unkontrolliertem Vibrato und nicht mechanisch genug für die Puppe. Die Nebenrollen sind gut und stilsicher besetzt.

Jeffrey Tate dirigiert am Pult der sehr klangschön spielenden Staatskapelle Dresden eine ebenso lebendige wie stimmungsvolle Aufnahme - für mich bis heute die schönste einer der besten romantischen Opern überhaupt. Unbedingte Empfehlung.


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