Profil für vully > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von vully
Top-Rezensenten Rang: 159
Hilfreiche Bewertungen: 5774

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
vully "vully" (Neuhausen)
(TOP 500 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Franz Schubert: Sinfonie 9
Franz Schubert: Sinfonie 9
Preis: EUR 8,98

5.0 von 5 Sternen Gelungene Aufnahme der "Großen C-Dur-Sinfonie", 12. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Franz Schubert: Sinfonie 9 (Audio CD)
Schuberts letzte Sinfonie wurde erst 1839, 11 Jahre nach dem Tod des Komponisten von Robert Schumann wieder entdeckt und von Felix Mendelssohn mit dem Gewandhausorchester Leipzig uraufgeführt - und ist seitdem ebenso legendenumwoben wie die vorangegangene "Unvollendete". Schumann pries in einem Artikel in seiner Zeitschrift die "himmlischen Längen" des Werkes - das mit einer Aufführungsdauer von fast einer Stunde für damalige Verhältnisse in der Tat sehr umfangreich war. Aus einigen Briefen Schuberts kann man schließen, dass er ein Gegenstück zu Beethovens 9. plante.

Sir John Eliot Gardiner ist einer der Vorreiter und großen Protagonisten der historischen Aufführungspraxis und Gründer eines der heute noch besten spezialisierten Orchester, der English Baroque Soloists. Trotzdem hat sich immer mal wieder "Seitensprünge" mit konventionellen Orchestern gegönnt, meist wie hier mit den Wiener Philharmonikern. Hier ist dabei eine sehr schlanke, transparente, dramatisch geschärfte Aufnahme mit dem typischen, hell strahlenden Klang der Wiener herausgekommen.

Es mag Einspielungen geben, in denen die Ausbrüche des ersten Satzes emotionaler daherkommen, die mehr auf die "Größe" der Sinfonie setzen, dafür aber oft mehr nach Tschaikowsky oder Bruckner klingen. Gardiner dagegen arbeitet die Strukturen sehr klar heraus, ohne akademisch zu klingen - im Gegenteil: Besonders der letzte Satz mit seinen immer neuen dramatischen Aufschwüngen hat hier eine große Innenspannung.

Ergänzt wird die CD durch den "Gesang der Geister über den Wassern" auf einen Goethe-Text, gesungen vom Monteverdi Choir - ein sehr sperriges, aber spannendes Werk.

Eine nicht nur zu diesem Preis sehr hörenswerte CD.


West Side Story
West Side Story
Preis: EUR 29,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neuaufnahme aus San Francisco, 11. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: West Side Story (Audio CD)
Nachdem es Amazon mal wieder geschafft hat, sage und schreibe 14 (!) Rezensionen falsch zuzuordnen, hier mal eine Kritik zu der hier vorliegenden Aufnahme:

Es handelt sich um einen neuen Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus San Francisco von Dezember 2011 mit dem San Francisco Symphony Orchestra unter seinem Chefdirigenten Michael Tilson Thomas, einem engen Vertrauten des Komponisten der West Side Story, Leonard Bernstein, und auch ein ausgesprochener Spezialist für dessen Werke. Im Vergleich zu Bernsteins eigener Aufnahme sind Thomas' Tempi flüssiger, der Klang weniger opulent symphonisch.

Dadurch und durch die Sängerbesetzung ist die Aufnahme näher an der Aufnahme mit der Besetzung der Uraufführung:

Hier wie dort finden wir keine Opernsänger (wie bei Bernstein), sondern ausgebildete Musical-Darsteller, angeführt von Broadway-Star Cheyenne Jackson als Tony und Alexandra Silber als Maria.

Im Vergleich zieht Jackson gegen Larry Kert in der Broadway-Aufnahme den kürzeren - einige wackelige hohe Töne und rhythmische Ungenauigkeiten stören eine ansonsten überzeugende Performance. Alexandra Silber dagegen ist eine ideale Maria - ihr Timbre erinnert an die wundervolle Kiri te Kanawa in der Bernstein-Aufnahme, sie klingt aber jünger.

Die Anita von Jessica Vosk klingt ungewohnt jugendlich im Vergleich zur legendären Chita Rivera, hat aber genügend Biss. Die übrigen Rollen sind ausgezeichnet besetzt, wenn auch die einzelnen Stimmen relativ ähnlich klingen.

Alles in allem eine willkommene Neuaufnahme, auch wenn sie für mich die Broadway-Cast-Aufnahme nicht ganz als Referenz ablösen kann.


Original Broadway Cast Recordi
Original Broadway Cast Recordi
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 14,94

5.0 von 5 Sternen Broadway Cast von 1987 = Patti LuPone, 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Original Broadway Cast Recordi (Audio CD)
Anything Goes ist nicht nur einer der beliebtesten Songs des unsterblichen Cole Porter, sondern auch der Titel seines nach "Kiss me Kate" zweiterfolgreichsten Musicals.

Die reichlich alberne Handlung hätte auch aus einer Gilbert & Sullivan-Operette stammen können - eine Kreuzfahrt voller Identitätstäuschungen und Liebesverwicklungen - und sorgte dafür, dass bei jeder Wiederaufnahme größere Änderungen vorgenommen wurden. V. a. wurden immer neue Hits aus anderen Porter-Musicals ein- und wieder ausgebaut, wobei es "Friendship" und "De-Lovely" dauerhaft in das Stück geschafft haben und die Hitdichte noch erhöhen - zusammen mit "I get a kick out of you", "You're the top" und natürlich dem Titelsong.

Nach der Originalproduktion von 1934 und einer Off-Broadway-Produktion von 1962 kehrte "Anything goes" erst 1987 an den Broadway zurück. Diese CD ist ein Mitschnitt dieser Produktion, die über zwei Jahr lang lief, für 10 Tony Awards (der Broadway-Oscar) nominiert war und 3 gewann.

Das Arrangement war schlanker orchestriert als das Original, und unter den Sängern ragte vor allem eine hervor: Patti LuPone als Reno Sweeney: Die Sängerin war die erste "Evita" am Broadway, die erste Fantine in "Les Misérables" im Londoner West End, und damals schon Legende. Hier singt sie die drei größten Hits des Stückes mit großer Wärme und Nonchalence - ihr leicht verhauchtes Timbre sagt mir sehr viel mehr zu als die sehr präsente, aber auch etwas oberflächliche Performance von Sutton Foster in der 2011er Wiederaufnahme oder die perfekte, aber kühle Kim Criswell.

Howard McGillin (das ewige Phantom der Oper) als Billy, Bill McCutcheon als Moonface und Anthony Heald as (sehr klassischer Crooner) Lord Evelyn singen die männlichen Hauptrollen ebenso sympathisch wie authentisch. Auch die übrige Besetzung glänzt durch große Spielfreude.

Der Star ist und bleibt aber LuPone. Für mich die lebendigste Aufnahme des Musicals.


Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Preis: EUR 17,98

3.0 von 5 Sternen Konturenscharf und spannend, 27. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Holländer (Audio CD)
Wer auf dem Cover "Weltersteinspielung" und in der Besetzung Namen wie "Donald" und "Georg" liest, erwartet ein völlig neues Stück. Statt dessen hören wir den fliegenden Holländer größtenteils so, wie wir ihn kennen, mit nur wenigen Ausnahmen - hinter den unbekannten Namen verbergen sich einfach Daland und Erik. Der auffälligste Unterschied ist die einen Ton höher gesungene Senta-Ballade, die es aber auch schon auf der Bayreuther Sawallisch-Aufnahme von 1961 gab.

Und so kann und muss diese Aufnahme sich mit allen anderen Einspielungen dieser Oper vergleichen lassen und erweist sich als sehr interessante Alternative:

Der eigentliche Star ist das Orchester: Der Orchesterton wirkt archaisch, streng, dunkel leuchtend (durch die tiefere Stimmung der historischen Instrumente), aber alles andere als dumpf, sondern sehr transparent, an den richtigen Stellen fast brutal. Das ermöglicht Bruno Weil eine ebenso sensible wie temperamtvolle Interpretation, ohne dass er dabei zu extrem schnellen Tempi greifen würde. Obwohl das Orchester erheblich kleiner besetzt ist als in vielen anderen Aufnahmen, hat man nie den Eindruck, dass es an Durchschlagskraft fehlte.

Entsprechend seinem Konzept vom entschlackten Wagner hat der Dirigent im Verhältnis eher leichtere Stimmen besetzt, mit unterschiedlich überzeugendem Ergebnis:

Terje Stensvold ist ein guter Holländer mit einer an Bernd Weikl erinnernden, etwas nasalen, aber angenehmen Baßbaritonstimme, dessen leichter Akzent mich nicht weiter stört. Allerdings hat er in dieser Live-Aufnahme einige Intonationsprobleme.

Astrid Weber als Senta ist für mich die eigentliche Enttäuschung und eine der schlechtesten Sentas, die ich kenne. Die Stimme klingt hart, in der Höhe schrill, flackernd, jammernd, wird offenbar unter starkem Druck erzeugt. Zudem singt sie in der Ballade fast durchgehend deutlich zu tief. Mit dieser Rolle ist sie offensichtlich völlig überfordert. Ihretwegen nur drei Sterne.

Die übrigen Sänger dagegen lassen keine Wünsche offen:

Jörg Dürrmüller als Georg/Erik setzt Maßstäbe mit seiner leichten, gut sitzenden, lyrischen Stimme - so kann man auch einen Tamino singen oder den Max (Freischütz). Er macht die von vielen Tenören als undankbar verschriene Partie zur Hauptrolle. Franz-Josef Seelig singt den Daland sehr komödiantisch und mit charakteristischer Stimme. Er genießt es offenbar ebenfalls, leisere Töne anschlagen zu können. Kobie van Rendsburg ist ein sehr leichtgewichtiger Steuermann, was aber im Verhältnis zu Dürrmüller stimmig ist.

So ist dies eine sehr interessante Aufnahme, insbesondere vom Orchesterklang her, aber wegen der Besetzung der beiden Hauptrollen eben nicht die einzig selig machende. Da ist der - leider derzeit nicht erhältliche - Bayreuther Mittschnitt unter Sawallisch mit dem großartigen Franz Crass und der sehr engagierten Anja Silja immer noch das Maß der Dinge.


RVG für Anfänger
RVG für Anfänger
von Horst-Reiner Enders
  Taschenbuch
Preis: EUR 43,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverzichtbar, 29. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: RVG für Anfänger (Taschenbuch)
Wenn dieses Buch einen Fehler hat, dann ist es der Titel:

Ich arbeite seit dessen Einführung vor 10 Jahren täglich mit dem RVG (und vorher mit der BRAGO) und würde mich sicherlich nicht als "Anfänger" bezeichnen. Trotzdem ist dieses Buch auch für mich noch eine große Hilfe, weil es einfach sehr übersichtlich gestaltet ist, aber auch alle wesentlichen Fragen beantwortet.

Zwar ersetzt es die maßgeblichen Kommentare (Gerold/Schmidt, Schneider/Wolf) nicht völlig, bietet aber immer den Einstieg in das Problem, wenn man "auf dem Schlauch steht."

Für den Anfänger ist der Enders schlicht unverzichtbar.


Tristan und Isolde
Tristan und Isolde
Preis: EUR 24,85

4.0 von 5 Sternen Großartige Sängerleistungen - aufnahmetechnisch ok, 20. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Audio CD)
Der Grund, warum wir diese fast 80 Jahre alte Live-Aufnahme heute noch kaufen können, ist natürlich das Traumpaar Flagstad-Melchior in den Titelrollen - und das völlig zu Recht.

Trotzdem ist für mich die eigentliche Sensation ein anderer Sänger: Herbert Janssen galt zu seiner Zeit als weltweit bester Sänger der lyrische(re)n Bariton-Rollen Wagners, insbesondere Wolfram und eben Kurwenal - und er ist es m. E. bis heute geblieben. Janssen verfügte über eine samtweiche, trotzdem kräftige und glänzende Stimme. Sein Kurwenal wirkt einfach, ungekünstelt, aber nicht plump, und dadurch wahrhaftiger und bewegender als jede andere.

Kirsten Flagstad war als Isolde selten besser als in dieser Aufnahme - und auch sonst keine Sängerin vor oder nach ihr: Wer nur ihre späten Aufnahmen kennt und den Klang ihrer Stimme als voll, warm, bronzen in Erinnerung hat, kann hier zusätzlich Gold hören: Eine noch jugendliche, trotzdem schon extrem reiche und volle Stimme. Flagstad war nie eine erotische, stürmische Isolde wie Mödl, Braun, Nilsson oder Meier. Dafür ist ihre Hingebung, die jubelnde Entschlossenheit ihres Opfers umso ergreifender.

Lauritz Melchior beeindruckt wie immer mit seiner metallisch strahlenden Riesenstimme, die mühelos noch die größten Ausbrüche bewältigt, aber im zweiten Akt auch zart und weich klingen kann. Im dritten Akt allerdings greift er zu Effekten, die auf der Bühne sicher Eindruck gemacht haben, auf CD aber eher stören - Sprechgesang, rhythmische Freiheiten, falsettierte hohe Töne. Das konnte zumindest er selbst (wenn auch sonst nur wenige) besser. Trotzdem ist er ein fabelhafter Tristan - ob man seine überrumpelnde Energie vorzieht, die weniger heldische, melancholischere Interpretation von Ludwig Suthaus oder die unendliche Tragik von Jon Vickers, ist dann pure Geschmackssache.

Sabine Kalter und Emanuel List ergänzen das Ensemble ausgezeichnet, haben beide anrührende Momente, ohne stimmlich ganz das Niveau von Flagstad, Janssen und Melchior zu erreichen.

Hörenswert ist auch das energische Dirigat Fritz Reiners - für die damalige Zeit sehr flott, aber nicht überhetzt, sondern stets flexibel. Ein Gegenentwurf zu Furtwänglers gewaltigen Klangwogen und ein Vorläufer moderner Dirigenten wie Carlos Kleiber.

Die Tonqualität ist überraschend gut: Das starke Rauschen des ersten Akts wird im Laufe des zweiten und besonders des dritten Aktes schwächer, die Stimmen klingen recht natürlich und kaum verzerrt. Studio-Aufnahmen dieser Zeit klangen meist nicht besser. Der einzig wirkliche Nachteil ist die teilweise stark schwankende Lautstärke der Stimmen - bei alten Live-Aufnahmen mit wenigen Mikrophonen, von denen die Sänger zwangsläufig unterschiedlich weit entfernt standen, unvermeidlich und angesichts der Qualität des Mitschnitts zu verkrafen.

Und so ist dies eine für Liebhaber großer Stimmen unverzichtbare Ergänzung zu den großen Aufnahmen unter Furtwängler (mein Favorit), Böhm oder Kleiber.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 9, 2014 3:35 PM MEST


La Traviata
La Traviata
Preis: EUR 15,51

5.0 von 5 Sternen Wenn es nur eine Traviata-Aufnahme sein soll, dann diese, 13. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: La Traviata (Audio CD)
Es gibt unendlich viele Aufnahmen von La Traviata - da kann man leicht eine übersehen. Das wäre bei dieser Einspielung von 1967 sehr schade - ist sie doch m. E. eine der, wenn nicht die insgesamt überzeugendste Gesamtaufnahme der Traviata überhaupt:

Als Maria Callas einmal gefragt wurde, wen sie als ihre Nachfolgerinnen betrachte, antwortete sie: "Caballé! Nur Caballé!" Wenn man eine Aufnahme als Beleg für diese Auffassung sucht, bitte, hier ist sie: Montserrat Caballé war immer eine technisch brillante Sängerin, beschränkte sich aber in vielen ihrer späteren Aufnahmen häufig darauf, ihre Virtuosität und ihre schwebenden Pianissimi in höchster Lage zur Schau zu stellen. Hier dagegen bietet sie eine herzzerreißende Darstellerung der liebenden und sterbenden Frau - und zeigt sich deshalb wirklich als legitime Callas-Nachfolgerin.

Ihr Alfredo ist Carlo Bergonzi, der anerkannt eleganteste und stilsicherste Verdi-Tenor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wie in nahezu allen seinen Aufnahmen erweist er sich auch hier als Idealbesetzung.

Der Amerikaner Sherrill Milnes schließlich singt den Georges Germont gewohnt ausdrucksvoll und trotzdem mit feiner Phrasierung. Allerdings fehlt seinem jugendlich-hellen Timbre noch etwas das dunkel-autoritäre Element, dass diese Vaterfigur auch braucht, um zu überzeugen, besonders in den Dialogszenen mit seinem "Sohn" - Bergonzi war zum Zeitpunkt der Aufnahme 43, Milnes erst 32. Musikalisch ist es ein Genuss, ihm zuzuhören.

Die Nebenrollen sind ausgezeichnet besetzt, Chor und Orchester der RCA Italiana musizieren präzise und klangschön.

Erfreulich ist auch, dass die Aufnahme vollständig ist: Anders als in vielen älteren Aufnahmen sind die Arien des Alfredo und Germont père komplett einschließlich der beiden Cabalette, ohne die beide Rollen oft reichlich verkürzt waren und deren Entfernung zu unschönen Schnitten geführt hatte.

Wenn man etwas bemängeln möchte, dann vielleicht das etwas betuliche Dirigat von Georges Prêtre, der den dramatischeren Momenten der Oper einiges von ihrer Wirkung nimmt.

Insgesamt bietet diese Aufnahme das vielleicht überzeugendste "Gesamtpaket":

Die einzige Studio-Traviata der Callas leidet unter indiskutablen Mitstreitern, die zahlreichen Live-Aufnahmen unter der Technik; Sutherlands erste Aufnahme ist musikalisch gleichwertig, aber nicht ganz so ausdrucksvoll; Scottos zweite Aufnahme stimmlich schon etwas überreif, usw.. Nur Carlos Kleibers großartige Münchner Aufnahme finde ich als Ensembleleistung ähnlich überzeugend. Allerdings fehlt auch ihr die großartige Caballé.


The Sting
The Sting
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Genialer Soundtrack, 13. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Sting (Audio CD)
The Sting (Der Clou) mit Robert Redford und Paul Newman in den Hauptrollen ist bis heute ein Klassiker unter den Gaunerkomödien. Der Film lässt auf geniale Weise das Chicago der 30er Jahre mit seinen kleinen und großen Gangstern wieder auferstehen und hat nicht umsonst 7 Oscars gewonnen: Bester Film, Regie, Ausstattung, Kostüme, Drehbuch, Schnitt und - natürlich - Musik.

Auch wenn Marvin Hamlisch den Oscar bekam - eigentlich war der Gewinner Scott Joblin, der Meister der Ragtime, der damals praktisch vergessen war, bis er durch diesen Film praktisch ein Comeback feierte. Auch wenn die Musik streng genommen nicht in die Zeit des Films passt - Joblin komponierte die im Film verwendeten Nummern zwischen 1899 und 1909 -, bestimmen sie doch die Atmosphäre mindestens so sehr wie Kulissen und Kostüme. Im Mittelpunkt stehen dabei "Solace", der "Pineapple Rag" und natürlich der berühmte "Entertainer", die jeweils in verschiedenen Arrangements mehrfach im Film erscheinen.

Den einen Punkt Abzug gibt es für die Aufnahmequalität - 1973 legte man leider noch nicht so großen Wert auf den Klang der eigentlich nur als Tonspur für den Film gedachten Filmmusik. Trotzdem bleibt dies eine echte Gute-Laune-CD, die ich immer wieder gerne höre.


Don Giovanni (Ga)
Don Giovanni (Ga)
Preis: EUR 19,53

3.0 von 5 Sternen Zähe Angelegenheit, 12. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Don Giovanni (Ga) (Audio CD)
Eigentlich hatte Karl Böhm im Rahmen seines Projekts, für die Deutsche Grammophon die "großen" Mozart-Opern aufzunehmen, bereits 1966 einen Don Giovanni vorgelegt, der jedoch von der Kritik wenig gnädig behandelt wurde. Dies mag der Grund dafür sein, dass er 11 Jahre später eine Aufführungsserie der Oper bei den Salzburger Festspielen mitschneiden ließ. Um es vorab zu sagen, das Ergebnis ist nicht wirklich besser:

Schon aufnahmetechnisch überzeugt der Live-Mitschnitt nicht wirklich - viel Hall, viele Nebengeräusche und nicht optimal eingefangene Stimmen. Das hätte eigentlich 1977 besser möglich sein müssen, wie nicht nur der Vergleich mit dem von Böhm dirigierten legendären Tristan von den Bayreuther Festspielen 1966 (!, auch DGG) zeigt.

Böhm selbst war live meist inspirierter und temperamentvoller als in seinen sehr präzisen, aber oft auch trockenen Studioaufnahmen. Dieser Don Giovanni bestätigt diesen Trend nur teilweise - der 83-jährige Dirigent lässt einen sehr langsamen, melancholischen Mozart spielen, was zu einigen magischen Momenten führt, den heiteren Seiten des "dramma giocoso" aber viel von ihrem Charme nimmt und einige Darsteller zum Chargieren veranlasst.

Bei den Sängern gibt es Licht und Schatten:

Teresa Zylis-Gala ist eine innig-melancholische Donna Elvira, deren Trauer sehr überzeugt. Anna Tomowa-Sintows weiche und volle Stimme leidet noch nicht unter dem ausufernden Vibrato, das einen in der Karajan-Aufnahme von 1985 oft zweifeln ließ, welchen Ton sie eigentlich singen wollte. Einschränkungen gibt es nur bei den Koloraturen, die sie aber dank Böhms langsamen Tempi bewältigt.

Auch Peter Schreiers Don Ottavio gefällt erheblich besser als in Böhms 66-er Aufnahme - nicht nur, weil sein italienisch besser ist und seine Stimme mehr Kraft hat. War er damals nur Stichwortgeber, ist er hier ein ausdrucksvoller Interpret der Rolle.

Edith Mathis als Zerlina leidet am meisten unter den langsamen Tempi, die gerade ihre beiden Arien sehr zerdehnen. Trotzdem ist sie mehr als das Püppchen, das Reri Grist in der 66-er Aufnahme präsentiert.

Walter Berry in der Form der Klemperer-Aufnahme von 1965 wäre eigentlich die Idealbesetzung für den Leporello gewesen. Hier ist er leider stimmlich nicht in Topform. V. a. aber lässt er sich zum hemmungslosen Chargieren hinreißen - schade. Der Masetto von Dale Duesing tut es ihm nach. John Macurdys Komtur ist schlicht schwachbrüstig.

Der größte Einwand betrifft leider den Hauptdarsteller: Sherrill Milnes dürfte der unerotischste aller Don Giovannis sein. Seiner mächtigen Bariton-Stimme fehlt die Wärme, die zärtliche Ausstrahlung eines Cesare Siepi oder Ruggiero Raimondi. Er ist in keinem Moment erotisch erregt, sondern nur zornig und brutal - ein Jago, der sich in die falsche Oper verirrt hat.

Damit fehlt der Oper das Zentrum, der eigentliche Beweggrund. Und damit kann sie nicht gelingen.


Flaviano Labo: Operatic Recital (Dmwr)
Flaviano Labo: Operatic Recital (Dmwr)
Preis: EUR 10,98

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unterschätzter Tenor, 10. Mai 2014
Flaviano Labò - ein Name, der heute nur noch wenigen Opernhörern etwas sagen wird. Dabei hatte er eine durchaus lange und erfolgreiche Karriere, die ihn an alle großen Theater Italiens, aber auch an die MET und die Wiener Staatsoper führte. Sein Pech war, dass seine Karriere in eine Zeit fiel, die wahrlich nicht arm war an großen Tenorstimmen. Und so wurde der 1927 geborene Italiener, der 1954 debutierte und erst 1987 seinen Bühnenabschied feierte, von den Plattenfirmen weitgehend übergangen - erst zugunsten von Giuseppe di Stefano, Mario del Monaco und Jussi Björling, dann Franco Corelli und Carlo Bergonzi, schließlich Placido Domingo. Es gibt nur eine einzige große Opern-Gesamtaufnahme mit ihm, einen sehr hörenswerten Don Carlo (DGG, 1961, Santini, neben Stella, Cossotto, Bastianini, Christoff).

Heute sehnt man sich nach einem Tenor mit seinen Qualitäten: Eine warme, männlich kernige Stimme, im Timbre Carlo Bergonzi ähnlich, aber runder, weicher, auch robuster. Eine echte Verdi-Stimme - dessen großen Tenor-Partien fast die Hälfte seines Repertoires ausmachten. Seine größten Erfolge hatte er als Alvaro (Forza del Destino) und Don Carlos - die auch auf diesem Recital vertreten sind und den größten Eindruck machen. Bei Puccini, vor allem als Rodolfo (La Bohème) wirkt er dagegen etwas steif.

Die CD ist in der neuen Reihe der Decca von Sängerportraits erschienen, in der regelmäßig die (für heutigen Verhältnisse arg kurzen) ursprünglichen LPs mit anderen Aufnahmen derselben Sänger aufgefüllt werden. Und so sind auch hier mehrere Titel doppelt vertreten. Das stört nicht wirklich, zumal der Qualitätsunterschied gering ist.

Eine sehr willkommene Wiederentdeckung.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20