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Rezensionen verfasst von
Stefan

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Reflektor
Reflektor
Preis: EUR 8,27

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meister der gegenwärtigen Rockmusik, 7. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Reflektor (Audio CD)
Gestandene Bands wie Arcade Fire müssen sich mit dem Neuen immer an dem Alten messen. An das in seiner musikalischen Reife vielleicht beste Album der Band, "The Suburbs" anzuknüpfen, das nichts weniger ist als ein Meisterwerk der gegenwärtigen Rockmusik, dürfte für die Band nicht ganz einfach gewesen sein. Könnte man zumindest vermuten. Zumal die erste Single "Reflektor" irgendwie Merkwürdiges erwarten ließ. Machen Arcade Fire jetzt Disco? Dann die Trackliste: Oh Eurydice? Hey Orpheus? Muss eine Pop-Band wirklich die griechische Mythologie und historische Figuren ("Joan of Arc") bemühen? Und dann stellt sich auch beim zweiten Song der bekannte und geliebte Arcade Fire-Sound nicht ein.
Wer all das verkraftet hat und "Reflektor" eine zweite, dritte, vierte, fünfte Chance gibt, wird merken, dass man es besser hätte wissen müssen und sich alle Vorurteile zerstreuen. Nach und nach schält sich aus den zunächst befremdlich klingenden Klängen nichts anderes heraus als: das nächste Meisterwerk.
Ja, vielleicht erscheint das Album irgendwie zu verkopft, zu sehr bemüht um Konzeption, zu viel auf einmal gewollt, zu kunsthandwerklich. Aber: Es ist eben gutes Kunsthandwerk und ein großer Genuss, "Reflektor" zu hören.


Die Zunge Europas
Die Zunge Europas
von Backstreet Boys
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wer Studio Braun mag..., 14. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Zunge Europas (Taschenbuch)
... wird sich mit diesem Buch langweilen. Ich gebe zwar zu, dass mich das Buch an einigen (wenigen) Stellen zum Lachen gebracht hat. Nach fünfzig Seiten musste ich mich dann aber fragen, warum ich ein Buch lesen soll von jemandem, der nicht schreiben kann. Nur wer es sehr gut mit dem Autor meint, schreibt diesem Buch so etwas wie literarischen Stil, Witz und Originalität zu. Ehrlich gesagt ist nichts davon zu erkennen. Die Sätze wirken willkürlich und unreflektiert, ohne Konzept hingeschrieben. Heinz Strunk findet keinen eigenen Ton, keinen eigenen Rhythmus des Erzählens. Ein Buch, das nicht anders als überflüssig zu bezeichnen ist.


Kennedys Hirn: Roman
Kennedys Hirn: Roman
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das große Dunkel, 11. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Kennedys Hirn: Roman (Taschenbuch)
Wenn Louise Cantor, die Hauptfigur in Mankells Roman, auf Seite 311 feststellt: „Dann habe ich immerhin etwas gefunden, was zusammenhängt“ – dann fragt man sich, was eigentlich auf den vorigen 310 Seiten so erzählt wurde. Leider nicht viel. Das Buch, Mankells vielleicht schwächster Kriminalroman (wenn es überhaupt ein Kriminalroman ist), ist in wenigen Worten: frei von Spannung, frei von Unterhaltung, sachlich fragwürdig, literarisch häufig anfängerhaft. Mankell ist natürlich kein Anfänger und hat oft genug bewiesen, dass er ein guter Erzähler ist. Ermüdend ist aber die in diesem Roman besonders oft verwendete, abgedroschen klingende Bildsprache (Beispiel: „Ihr war, als würde sie von einem Strudel in die Tiefe gezogen.“) sowie Beschreibungen, die für die Handlungen vollkommen irrelevant sind. Auf fast vierhundert Seiten hätte sehr viel mehr erzählt werden können. Dass die Geschichte am Ende des Buches nicht einmal zuende erzählt ist, lässt vermuten, dass dem Autor bei der Abfassung dieses Romans die Zeit oder die Motivation gefehlt hat. Anders ist dieses enttäuschende Buch kaum zu erklären.


Spieltrieb
Spieltrieb
von Juli Zeh
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu viel, 15. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Spieltrieb (Taschenbuch)
Juli Zeh zeigt in Spieltrieb, was für eine begabte, handwerklich starke und intelligente Schriftstellerin sie ist. Das hätte sie besser nicht tun sollen. Die Geschichte ist derartig konstruiert, realitätsfern, übermäßig intellektuell und sprachüberladen, dass einem die Lesefreude schnell vergeht beziehungsweise gar nicht erst aufkommt. Wer eher auf eine inhaltliche Auseinandersetzung oder geistige Anregung aus ist, stolpert permanent über die sich nur sehr mühsam erschließende Bildsprache und versteht irgendwann gar nicht mehr, worum es eigentlich gerade geht. Für Leser, die diese Herausforderung annehmen, mag dieses Buch ein gutes Buch sein. Für die meisten aber wird es auf eine arrogante Art und Weise zu klug und unlesbar geschrieben sein, und ist daher, ganz im Gegensatz etwa zu Zehs späteren Romanen "Schilf" oder "Corpus Delicti", nicht gelungen.


Noctourniquet
Noctourniquet
Preis: EUR 13,49

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neues Kapitel, alte Stärke, 31. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Noctourniquet (Audio CD)
Wie nicht anders erwartet haben The Mars Volta mit ihrem neuen Album wieder allerhand psychedelische Klänge im Angebot. 'Noctourniquet' ist nicht weniger eine Herausforderung als jedes Album zuvor. Gleichzeitig sind die Stücke - nach Mars Volta-Maßstäben natürlich - insgesamt übersichtlicher und reduzierter. Nicht ohne Grund haben Omar Rodriduez-Lopez und Cedric Bixler-Zavala auf die Dienste des langjährigen Keyboarders Isaiah Ikey Owens und des Studio-Gitarristen John Frusciante verzichtet sowie den allzu verspielten Schlagzeuger Thomas Pridgen durch den etwas bodenständiger und geradliniger spielenden Deantoni Parks ersetzt.

Wer ein bisschen Geduld mitbringt, hat einen Riesenspaß in diesem Sound-Delirium, das neuerdings mehr von Synthie-Klängen getragen wird als von ausufernden Gitarren-Exzessen. The Mars Volta beherrschen wie keine zweite Band die Fähigkeit, den Hörer aus der 'realen' Lebenswelt auf eine bewusstseins- und horizonterweiternde Reise in andere Klangwelten zu versetzen. Das beweisen sie mit Noctourniquet einmal mehr.
Leider erinnern manche Gitarren- und Schlagzeugeskapaden zu sehr an alte Stücke, der Gesang wirkt stellenweise uninspiriert, manche elektronischen Spielereien erscheinen nach mehrmaligem Hören noch immer überflüssig. Beim ersten und zweifelsohne besten Album der Band, 'De-loused in the Comatorium', sorgte Star-Produzent Rick Rubin dafür, dass alles Überflüssige verschwindet. Diese Kunst beherrscht Rodriguez-Lopez nicht. Seine musikalischen Vorstellungen sind aber ohnehin wie von einem anderen Planeten - was die Band letztlich auszeichnet. Angemerkt sei aber, dass Rodriguez-Lopez für die Zukunft mehr Demokratie angekündigt hat und The Mars Volta mehr zu einer Band machen will. Bis dahin darf man mit 'Noctourniquet' einen Höhepunkt dieses Musikjahres hören, mit dem The Mars Volta nach dem schwächeren 'Octahedron' die alte Stärke wiedergefunden haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 3, 2012 10:06 PM MEST


Angst
Angst
von Robert Harris
  Gebundene Ausgabe

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Welt in der digitalen Dimension, 5. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Angst (Gebundene Ausgabe)
Es ist immer leicht und naheliegend, einem Bestseller aus dem Thriller-Genre, in dem rätselhafte Überfälle, brutale Morde und spektakuläre Explosionen geschildert werden, zu wenig Tiefgang vorzuwerfen. In diesem Fall liegt man daneben. Denn wer sich auf Harris' intelligenten und fesselnden Roman einlässt, findet genügend Stoff darin, der zum nachdenken (und fürchten) anregt.

'Angst' wurde mancherorts als Roman zur gegenwärtigen globalen Finanzkrise bezeichnet. In Wahrheit ist es viel mehr: zuerst nämlich ein Buch über das Wesen des Menschen. Harris zeigt - in verschiedenen Variationen - menschliches Verhalten im Angstzustand. Er zeigt die Überheblichkeit und Realitätsferne von Händlern auf dem Finanzmarkt. Er zeigt, was passiert, wenn hoch entwickelte Wissenschaft auf die Aussicht auf Geld - auf viel Geld! - trifft. Es ist auch ein Buch über die Unkontrollierbarkeit digitaler Daten: "Wohin wir Menschen auch gehen oder fahren, was wir kaufen, welche Website wir anklicken, wir hinterlassen eine digitale Spur wie eine Schnecke ihre Schleimspur. Und Computer können diese Daten lesen, durchsuchen, analysieren und schließlich auf verschiedene Arten verwerten, die wir uns heute noch nicht einmal ansatzweise vorstellen können", heißt es an einer Stelle. Robert Harris' Thriller ist die Utopie - oder Dystopie, das ist Ansichtssache - einer Welt, die von einer künstlichen Intelligenz in Form von gebündelten Daten regiert wird, von unsichtbaren, virtuellen Algorithmen.

Die Figuren sind psychologisch vielschichtig dargestellt und als Ensemble stimmig und glaubwürdig. Allen voran natürlich der 'Held' des Romans: der geniale Mathematiker und Einzelgänger Alex Hoffmann, der am Ende für die anderen Beteiligten als psychotisch und schizophren gilt. Ist jeder, der irgendwie nicht normal und durchschaubar erscheint, gleich irre? Auch darüber lässt Harris uns nachdenken. Nicht zuletzt die Charaktere und ihre Lebensläufe und Beziehungen machen den Roman so lesenswert.

Ratsam ist es übrigens, hin und wieder Wikipedia zurate zu ziehen. Was ein Hedgefonds ist, wird zwar in einem tollen Dialog im Buch erklärt. An einigen anderen Stellen aber kann man dem Fachjargon nicht ganz folgen - vielleicht ist das aber auch Harris' Absicht. Zumindest schadet es dem Lesegenuss nur wenig. Einen Stern Abzug gibt es allein für die sich manchmal zu sehr überschlagenden Ereignisse, die dem Leser kaum die Zeit geben, die er vielleicht braucht, um zu verstehen. Und für eine Prise zu viel Action, die Harris möglicherweise schon mit dem Gedanken an eine groß angelegte Verfilmung eingearbeitet hat.


Der Fall Collini: Roman
Der Fall Collini: Roman
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

35 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein großartiger Erzähler! Aber ein wichtiges Buch, 4. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Ein grossartiger Erzähler!" steht auf dem Rücken des Buches, ein Zitat aus einer Spiegel-Rezension. Leider stimmt das nicht. Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt und mag Interessantes aus seinem Fachgebiet und seinem Erfahrungsschatz zu berichten haben. Zu Literatur machen kann er das nicht.

Der Inhalt des Buches klingt vielversprechend: Caspar Leinen, ein junger Anwalt, der die Pflichtverteidigung für einen brutalen Mörder übernimmt, der nie straffällig war und dessen Motive völlig unklar sind. Das Opfer: Der Großvater von Caspar Leinens bestem Freund. Und schließlich führt alles zurück "in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte", wie der Bucheinband verspricht. Man fragt sich fast, wie all das auf nur 193 Seiten entwickelt werden soll. Man erwartet die atemlose Lektüre eines Krimis, der nicht nur spannend ist, sondern auch einen bislang unbeachteten Sachverhalt der jüngeren deutschen Justizgeschichte interessant verarbeitet.

Letzteres tut von Schirach auch, aber erst nach 120 Seiten. Hier, wenn schon mehr als die Hälfte des Buches vorüber ist, wird es interessant. Davor: Viel Langeweile statt Atemlosigkeit. Schirach schien hier das dringende Bedürfnis gehabt zu haben, die eigene Berufserfahrung zu verwursten. Er hätte sich nur manchmal fragen müssen, ob das, was er schreibt, dem Roman überhaupt dient. Immer wieder völlig unnötige Beschreibungen wie diese: "Unten, aus dem Geschäft gegenüber, kam ein Mann mit seinen Einkäufen, er rutschte aus, fing sich, musste die Tüten loslassen, kleine orangene Schachteln fielen in den Schnee." An einer Stelle liest man: "Der Justiziar sagte immer weiter Sätze, die in solchen Besprechungen immer gesagt werden: 'Da bin ich ganz bei Ihnen', 'Das entscheiden wir zeitnah' und 'Wir bleiben in Kontakt'."
Warum lässt er seine Figuren dann solche Sätze nicht in guten Dialogen sagen? Schirachs 'großartige Erzählkunst' erschließt sich mir nicht. Man kann ihm zwar nicht vorwerfen, dass er nicht wüsste, wie man schreibt. Aber ein großartiger Erzähler hätte aus diesem Stoff mehr gemacht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 21, 2013 11:19 AM MEST


Am Ende kommen Touristen
Am Ende kommen Touristen
DVD ~ Alexander Fehling
Preis: EUR 4,99

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu normale Darstellung der Normalität, 8. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Am Ende kommen Touristen (DVD)
Am Ende kommen Touristen zeigt die Normalität des heutigen Auschwitz - ein Ort, an dem Normalität unmöglich scheint. Eine interessante Filmidee, aber in diesem Fall kein großes Kino. Wir sollen Einblicke erhalten in den Alltag dieser Stadt mit 40.000 Einwohnern, von der man im Film aber leider immer wieder die selben Figuren sieht, die immer wieder zufällig aufeinandertreffen.
Figuren, über die schon nach wenigen Szenen das meiste gesagt und bekannt ist. Die zwar nicht unangenehm oder überzeichnet sind, deren Charakter und Entwicklungen aber während des Films nie richtig sichtbar werden. Man versteht nicht ganz, wie der Zivildienstleistende Sven Auschwitz erlebt, ob und wie sich sein Bild und seine Haltung zu der Vergangenheit dieses Ortes ändern und ob er seine Gleichgültigkeit, mit der er seinen Dienst in der Jugendbegegnungsstätte begann, ablegt. Er wirkt interessiert, politisch korrekt, hilfsbereit, wie ein Zivi eben. Aber braucht man dafür einen Spielfilm? Wir sehen bei Sven keine Erkenntnisse, keinen Durchbruch, keine neue Energie, die er für sich gewinnt.
Die gesamte Handlung verläuft erwartungsgemäß, und das ist schade. Die sich anbahnende Liebesgeschichte entwickelt sich so, wie man es schon zu oft gesehen hat. Das gilt auch für sämtliche Dialoge. Der Film macht vielleicht vieles richtig. Aber er beeindruckt nicht, überrascht nicht, wirkt nicht nach, macht nicht richtig nachdenklich. Alltag und Normalität, und damit den Gegenstand des Filmes auf überraschende, spannende oder neuartige Weise darzustellen, gelingt hier leider nicht. Der Gehalt des gesamten Films ließe sich in einer halbstündigen Dokumentation oder einem Zeitungsartikel vermitteln. Der Titel könnte derselbe sein, Am Ende kommen Touristen, und im Bild sehen wir den Parkplatz für die vielen Besucher - und vielleicht noch weitere Bilder, die der Film uns leider nicht gezeigt hat.


Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
von Janne Teller
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

30 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Keine Philosophie, keine Literatur: Nichts, was in diesem Roman wichtig ist., 19. April 2011
Wer sich entschieden hat, dieses Buch zu lesen, dürfte mit der grundlegenden Aussage schon vertraut sein. Man stößt auf sie in Beschreibungen oder spätestens auf dem Buchrücken: 'Nichts bedeutet irgendetwas. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.' Damit man nicht vergisst, worum es geht, lässt die Autorin ihr Buch dankenswerterweise mit diesem Satz beginnen.
Ein Schüler kommt nicht mehr in die Schule, weil er herausgefunden hat, dass nichts etwas bedeutet. Das lässt er seine Mitschüler wissen und untermauert dies mit Aussagen wie 'Ich sitze im Nichts. Und lieber im Nichts sitzen als in etwas, was nichts ist!' Die Klassenkameraden sind davon unheimlich schockiert. Der Leser ist es nicht und zuckt mit den Achseln. Er dürfte schon lange vor der Lektüre dieses Romans für sich entschieden haben, was im Leben wichtig ist. Darüber erfährt er hier auch nichts Neues. Dass alles im Leben irgendwie gespielt, gelogen oder zumindest vergänglich ist, das erfährt er hier nicht zum ersten Mal. Und erst recht nicht führt diese Erkenntnis dazu, dass das Wichtige im Leben seinen Wert verliert.
Zurück zu den schockierten Schülern, die nun auf einem Berg aus Bedeutung einiges zusammentragen, was ihnen wichtig ist. Die 'Dramatik' des Buches soll sich wohl dadurch auszeichnen, dass nach und nach so etwas wie ein Hamster, ein ausgegrabener Sarg oder ein abgeschnittener Finger auf den Berg sollen. Kann man das glauben? Dass zehnjährige Kinder nachts heimlich zum Friedhof gehen und einen Kindersarg ausgraben? Oder dass sie diesen Sarg durch die Stadt zu einem stillgelegten Sägewerk tragen und dabei nicht bemerkt werden? Kann man glauben, dass ein Zehnjähriger das mit dem Satz 'Das ist ein Sakrileg!' kommentiert? Oder dass keine der Eltern sich zu wundern scheinen, dass die Schüler nach der Schule nicht nach hause, sondern in das Sägewerk zu ihrem Bedeutungsberg gehen? Das ist alles nichts, Janne Teller. Das einzig Lesenswerte an diesem Roman ist der Titel, der eine anregende philosophische Geschichte verspricht, die man in diesem Buch leider nicht findet.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 3, 2012 6:53 AM MEST


Das verlorene Symbol: Thriller
Das verlorene Symbol: Thriller
von Dan Brown
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 3,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Niemand in diesem Genre schreibt besser, 3. Dezember 2009
Dan Brown hat mit Das verlorene Symbol einen neuen Thriller vorgelegt, der in seinem Genre seinesgleichen sucht: wieder einmal spannend, spektakulär, hochinteressant und intelligent erzählt. Die Kritiker aber erscheinen noch lauter als bei früheren Werken. Zuerst natürlich wird der neue Robert-Langdon-Roman gemessen an den Vorgängern Illuminati und Sakrileg, und sieht dabei zurecht nicht glücklich aus. Wer dann erfährt, welche abgehobenen und irrationalen wissenschaftlichen Thesen diskutiert werden, der ist vielleicht geneigt, dieses Werk ungelesen beiseite zu legen. Genau das ist die Frage: wie viele der gnadenlosen Literaturkritiker haben dieses Buch tatsächlich gelesen?

Wer aber die rasante Geschichte erlebt hat spürt, dass wir es mit einer riesigen Leistung zu tun haben von einem Schriftsteller, der etwas versteht von seiner Arbeit. Und zwar mehr als viele Schreiber der sogenannten ernsten Literatur. Das verlorene Symbol ist hervorragend erzählt: Anspruchsvoll, spannend, überraschend - ein Buch, das lebt und Bilder malt.

Bei dieser wunderbaren Lektüre darf man die Schwachstellen aber nicht außer Acht lassen. Brown ging wohl davon aus, dass die Figur Robert Langdon dem Leser vertraut ist. Der Symbologie-Professor wird hier auf sein grenzenloses Wissen und Heldenhaftigkeit beschränkt und bleibt ansonsten eher farblos. Die Personenkonstellation ist zwar angemessen gewählt, doch mit Ausnahme des Bösewichts und Unmenschen Mal`akh sowie der rätselhaften CIA-Direktorin Sato bleiben die Figuren leider blass.

Diese Oberflächlichkeit sowie die ruhelose, oft zu rasante Handlung führen irgendwann zu einer Frage: Wollte Dan Brown hier das Drehbuch für eine weitere Roman-Verfilmung schreiben? Man kann den Eindruck gewinnen, das Buch liefert dafür bloß die Vorlage. Manchmal leidet das Leseerlebnis unter dieser Filmhaftigkeit, noch mehr aber unter sprachlichen Schwächen. Sätze enden immer wieder mit drei Punkten, Stilmittel und Wörter wiederholen sich häufig, vieles klingt einfach banal. Fraglich, was davon der Übersetzung zuzuschreiben ist, die innerhalb von nur zehn Tagen angefertigt wurde. Auffällig ist, dass die englische Originalausgabe fast 250 Seiten kürzer ist, bei Illuminati und Sakrileg lässt sich so ein Unterschied nicht beobachten.

Die Frage nach dem Umfang ist besonders relevant bei der Bewertung des Romans. Der Thriller-Fan mag sich langweilen, wenn historisches und wissenschaftliches Hintergrundwissen von der Handlung ablenkt. Der interessierte Leser wünscht sich mehr Tiefgang bei der Diskussion der Themen. Schließlich geht es angeblich um Themen von enormer globaler Bedeutung. Diese Bedeutung bleibt für den Leser unermesslich. Wo sind im Roman eigentlich die Menschen, die so betroffen sein sollen? Die Welt ist außen vor, die Ergriffenheit der Beteiligten ist oft unverständlich. Auch der Leser bleibt dadurch irgendwie unbeteiligt. Die Idee, die Intention, die These des Buches sind daher nicht ganz klar. Helfen würde es, sich vor oder während der Lektüre grob zu informieren, um die Bedeutung der Diskussionen und Vorgänge besser zu begreifen.

Das ist ja vielleicht das größte Qualitätsmerkmal von Dan Brown: Brisante und bedeutsame Themen aufzubereiten, die dem Leser vorher unbekannt waren, dennoch persönlich bewegen und dann brennend interessieren. Die in seinem neuen Buch diskutierten Erkenntnisse sind nicht weniger mutig und unglaublich als man es von Dan Brown gewohnt ist. Der bestätigt auch mit diesem Roman, außergewöhnliche, einzigartige und vor allem lesenswerte Gegenwartsliteratur zu schreiben, die auf seinem Gebiet niemand besser schreiben kann.


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