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Rezensionen verfasst von
A. Hohm "Andrea Hohm" (Kiel)
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Knabenlese. Roman
Knabenlese. Roman
von Jürgen Ebertowski
  Gebundene Ausgabe

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mittelmäßiger Historienroman, 8. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Knabenlese. Roman (Gebundene Ausgabe)
Verspricht der Roman zu Beginn noch die Ankündigung des Umschlagstextes zu erfüllen, nämlich ein farbenprächtiges historisches Gemälde" zu sein, beginnen leider allzu schnell die erzähltechnischen Mängel die Überhand zu gewinnen.
Ebertowski benutzt einen durchaus angenehmen, einladenden Erzählstil, dem der Leser gerne bereitwillig auf eine Reise in das Osmanische Reich folgt; wirklich packen" vermag er ihn aber trotz des spannenden Themas nicht.
Ein Grund könnte die bisweilen klischeehaft männliche Schreibweise sein: Allzu oft verliert sich der Erzähler in einer viel zu detailierten (und beizeiten durchaus langweiligen) Schilderung blutiger Feldzüge und Saufgelage. Auch das Zur-Schau-Stellen der Schädel Hingerichteter findet ein wenig zu oft Erwähnung. Sicherlich zählte ein Menschenleben (meint in diesem Zusammenhang vor allem ein Mannleben") im Mittelalter wenig. Aber durch die ständige Erwähnung leidet die restliche Erzählung. Umso verhängnisvoller, bedenkt man, dass historische Romane vor allem von einer weiblichen Leserschaft geschätzt werden.
Und so wartet man (leider vergebens) bis zum Ende des Romans auf die imposante, farbenprächtige Schilderung des Lebens im Osmanischen Reich.

Dennoch verbirgt sich hinter der streckenweise geradezu langweiligen Erzählung eine durchaus faszinierende und auch schilderungswürdige Welt vergangener Zeiten und zeigt einmal mehr, dass die Machtverhältnisse schon immer einem stetigen Wandel unterzogen waren; vor allem auch der religiös motivieren.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 17, 2009 7:15 PM MEST


Tiefe
Tiefe
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Rausch der Tiefe, 21. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Tiefe (Taschenbuch)
Zweifelsohne gehört Mankell zu jenen Schriftstellern, die es geschafft haben, den Kriminalroman aus seiner Trivialität zu befreien. Auch in seinem neuen Werk TIEFE folgt er wieder seiner ganz eigenen Erzähltechnik, packt den Leser mit seiner Sprachgewalt und seinem Spannungsaufbau vom ersten Moment an und lässt ihn erst nach dem letzten gelesenen Wort wieder zur Ruhe kommen.

Das Thema ist allerdings Geschmackssache: Mir persönlich sagt die Seevermessung als literarisches Fundament nicht ganz so zu. Echte Wallander-Fans werden einen Kommissar vermissen. Überhaupt hat TIEFE nur noch wenig mit einem Krimi zu tun: Handelt es sich doch um die Schilderung eines Mörders und seiner Beziehung zu seinen Mitmenschen. Schön ist die Herausarbeitung des unverständlichen Handelns eines gewalttätigen, irrational handelnden Menschen. Letztendlich bleibt er auch sich selbst ein Rätsel.

Fans klassischer Kriminalromane und Thriller werden mit TIEFE jedoch weniger anfangen können.


Ich bin kein Berliner: Ein Reiseführer für faule Touristen
Ich bin kein Berliner: Ein Reiseführer für faule Touristen
von Wladimir Kaminer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein typischer Kaminer, 14. Mai 2007
Dabei war es eine benahe geniale Idee: Kaminer bewegt sich durch seine Stadt und sein Lieblingsthema BERLIN und lässt den Leser diesmal sogar mit praktischen Tipps für den nächsten Berlin-Trip an seiner Route teilnehmen. Alles ist ansprechend verpackt, mit einem netten Cover versehen und einem interessanten Titel bestückt. Der Autoren-Name tut das seinige zum Appetitmachen dazu, verspricht er doch einen durchaus literarischen Anspruch. Mit einem blutenden Herzen muss man sich jedoch schnell eingestehen, dass die Verpackung diesmal leider nicht hält, was sie verspricht.

Anfänglich balanciert er noch in gewohnter Kaminer-Manier zwischen charmant-lustigen bis zynisch-deftigen Anekdoten, kommt dann aber relativ schnell ins Schleudern, wankt zwischen einer allzu gewollt komischen Stimmung, plattem Witz und belanglosem Nonsens, um letztendlich für den Großteil des Werkes in der wenig amüsanten Blödelecke zu kampieren. Ein Beispiel findet sich auf der Seite 123. Seinen Informationen zu Folge wäre es durchaus denkbar, dass man im Tiergarten von einer türkischen, polnischen, koreanischen, arabischen oder griechischen Grillgesellschaft eingeladen wird. Höflichkeitshalber sollte man da nicht mit leeren Händen dastehen. Sein Fazit: <Deswegen sollte man auf alle Fälle immer ein paar Hühnerbeine in der Tasche haben.>
Kaminer wirkt beizeiten fahrig, unstrukturiert und gibt dem Leser das Gefühl, als hätte er nicht mehr wirklich etwas zu erzählen. Vielleicht hat er seine Lieblingsthemen BERLIN und PRENZLAUER BERG dann doch schon zu sehr abgegrast.

Zum Glück ist Kaminers sonst so geistreicher Witz aber nicht ganz verloren gegangen und kommt in wenigen Momenten dann doch zum Vorschein, wie beispielsweise im Kapitel BERLIN - EINE ARBEITERSTADT. Hier gelangt er wieder zu wahrer Größe und zeigt, wie feinfühlig und gewitzt er mit der deutschen Sprache jonglieren kann.

Kaminer-Fans werden um diesen Band wohl nicht rumkommen, für Einsteiger ist er aber wenig empfehlenswert, hier versprechen der Klassiker RUSSENDISKO oder ICH MACHE MIR SORGEN, MAMA dann doch ein amüsanteres Lesevergnügen.


Turnaround. Kriminalroman
Turnaround. Kriminalroman
von Fritjof Karnani
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leidenschaftlicher Business-Dschungel, 9. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Turnaround. Kriminalroman (Broschiert)
Fritjof Karnani ist mit TURNAROUND ein absolutes Highlight gelungen. Zwar als Kriminalroman deklariert und im Krimi-Verlag Gmeiner erschienen, bietet er dennoch weitaus mehr als ein gewöhnlicher Krimi. Das Schöne an TURNAROUND ist, dass er fernab von typischen Erzählstrukturen eines 08/15-Krimis ganz eigene Wege einschlägt.
Karnani hat es gewagt, zwei scheinbar widerstreitende Kräfte miteinander zu kombinieren und diese zu einer zugleich packenden, hoch spannenden und herzzerreißenden Erzählung zu vereinen. Zum einen liefert TURNAROUND eine faszinierende und mitreißende Schilderung der internationalen Business-Szene mit all ihren Facetten, Spielarten und Machenschaften. Zum anderen entführt er in die Spiritualität Indiens, verkörpert durch die Hauptperson Latika, ihrer indischen Cousine Aparna und Latikas Vater Krishna. Vor allem der Erzählstrang verbirgt eine gehörige Portion Bollywood.

Geradezu nebensächlich erscheint die Aufklärung eines Verbrechens durch einen Kommissar. Viel wichtiger sind die zwischenmenschlichen Beziehungen der unterschiedlichen Charaktere des Romans. Die hat Karnani dann auch besonders facettenreich bestückt: die beiden mitreißenden Powerfrauen Latika und Aparna, die mit ihrer exotischen Ausstrahlung und ihrem schneidenden Verstand so manchen in die Knie zwingen, der Lebenskünstler Julian, der mit seiner charmanten Art jeden noch so harten Business-Titan um den kleinen Finger wickelt und Ali, der seinen Anzug auch mal gegen Ökolatschen tauscht, wenn es darum geht, potenzielle Geschäftspartner zu überzeugen.
Karnanis Buch zeigt, dass vor allem Kreativität nötig ist um in den internationalen Märkten bestehen und gewinnen zu können. Und es zeigt auch wie viel Einzelne bereit sind für den Job zu opfern, wie sie krampfhaft an der Macht festzuhalten versuchen und dabei sogar im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen.

Allerdings sollte der Gmeiner-Verlag mehr auf das Lektorat achten. Es finden sich vor allem zum Ende hin einfach viel zu viele Tippfehler, sodass der Lesefluss beinahe ernsthaft gefährdet wird.


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