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Rezensionen verfasst von
Joerg Mergenthaler "joergmergenthaler" (Metropolregion Rhein-Neckar)
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Der Medicus
Der Medicus
DVD ~ Tom Payne
Preis: EUR 14,99

90 von 114 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Buch, ein sehr guter Film, 25. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Medicus (DVD)
Eine Bemerkung vorab: Dieser Besprechung liegt der Kinobesuch zugrunde; die DVD erscheint erst ein Jahr später, ich werde sie mir aber mit Sicherheit kaufen! In der Zwischenzeit kann die Besprechung vielleicht als Anregung für einen Kinobesuch wirken. Ohne entsprechende große Kinofilme könnte Amazon auch keine DVD 's verkaufen! Und noch eine Vorbemerkung: Für das Buch gibt hier es mehrere hundert Besprechungen, die auch auf den Inhalt eingehen, insoweit sei hier auf die Kurzbeschreibung verwiesen. Die vielen Millionen, die das Buch gelesen haben werden noch nicht einmal diese benötigen.

Wenn ein großer und sehr erfolgreicher Roman verfilmt wird, dann hört man als Reaktion immer: „Das Buch ist besser gewesen“. Für die Verfilmung des „Medicus“ gilt dies nicht: Der Film ist etwas anderes, und zum Teil ist er sogar besser als die Romanvorlage. Letzteres deshalb, weil der bei einer Verfilmung immer gegebene Zwang zur Verkürzung und Dramatisierung hier dazu führt, dass einige historische Fehler der Romanvorlage mit weggekürzt worden sind. Das fängt gleich im ersten Teil des Films an, dem Leben des jungen Waisen Rob Cole im England kurz nach der ersten Jahrtausendwende. Der Roman schildert zwar auch ein hartes Leben, aber immerhin sorgt ein blühendes Zunftwesen (im Jahr 1020!) zumindest für ein ganz kleines Mindestmaß an sozialer Sicherung. Ein solches Zunftwesen gab es damals nicht. Der Film zeigt das elende Leben der einfachen, armen Bevölkerung mit aller Härte. Wenn ich das Buch erneut, dann zum dritten Mal, lese, werde ich diese Bilder im Kopf haben.

Natürlich ist die Verkürzung nicht immer gut: Für den ganzen Film gilt, dass die gigantische Willensanstrengung des Titelhelden, der sich immerhin in die jüdische Lebensweise einleben muss und auch noch Fremdsprachen wie arabisch zu lernen hat, überhaupt nicht rüber kommt. Schon bei seinem Bader in England war es für ihn (im Buch) eine Frage des Überlebens, mit möglichst vielen Bällen jonglieren zu lernen, im Film ist auch die Schaustellerei des Baders nur eine Randnotiz. Richtig schade habe ich einen, den wohl größten Schnitt gefunden. Die ganze Reise durch das mittelalterliche Europa, vom (heutigen) Frankreich auf dem Festlandweg über Byzanz und das Osmanische Reich bis nach Isfahan ist weitestgehend weggefallen. Das hätte tolle Bilder gegeben. Allerdings wäre der Film dann mindestens eine Stunde länger geworden, etwa so lange wie „Vom Winde verweht“, und das machen die Kinos heute wohl nicht mehr mit. Die ARD, die ja Mit-Produzent ist, hätte allerdings eine Mini-Serie draus machen können, 4 Folgen zu je eineinhalb Stunden; es wäre nicht das erste Mal, dass man von einem Kinofilm eine wesentlich längere TV-Fassung produziert. Herr Stölzl, Herr Hofmann, noch leben alle Schauspieler und sind nicht wesentlich gealtert, könnte man nicht ein paar Stunden nachdrehen? Zumal Tom Payne als Titelheld eine echte Entdeckung ist. Das gute an dem Schnitt: die grotesken historischen Fehler von Noah Gordon hinsichtlich der politischen Situation in Mitteleuropa sind so gleich mit weggefallen. Der Grenzübertritt vom schönen Frankreich ins finstere und gefährliche Deutschland, das es damals noch gar nicht gab; und das Ganze auch noch bei Straßburg, einer rein französischen Stadt? Man kann sich ja mal irren, aber gleich um mehr als ein halbes Jahrtausend?

Leider fehlt im Film damit auch die Schilderung des faszinierenden jüdischen Netzwerkes, von Europa bis zu Orient, mittels dessen Rob Cole sich bis nach Isfahan zu dem berühmte Ibn Sina durchschlagen kann. Er muss sich ja als Jude ausgeben, da er als Christ in den islamischen Staaten nie geduldet worden wäre. Allerdings auch hier eine positive Seite: Dadurch, dass Rob im Hafen von Dover das Schiff besteigt und in der nächsten Szene im Orient, in Ägypten wohl, wieder aussteigt wird der Kontrast zwischen dem damals zurückgebliebenen Europa und dem damals blühenden Orient um so deutlicher. Der unbändige Drang von Rob, dort lernen zu wollen, wird so umso verständlicher.

Bei der Schilderung von Isfahan im Film fängt dann richtig großes Historienkino an. Der Schah, wie im Roman ein halb aufgeklärter Tyrann, wird hervorragend von Oliver Martinez dargestellt: genauso habe ich ihn mir nach der Lektüre des Buches vorgestellt. Ben Kingsley wird auch in anderen Besprechungen als Idealbesetzung dargestellt, dem kann ich beipflichten. Mit der Figur der Rebecca (Emma Rigby) ist das so eine Sache: Der Roman ist in sexueller Hinsicht sehr freizügig; der Film ist auf eine FSK-Freigabe ab 6 Jahren getrimmt. Da Rebecca auch noch mehr Objekt als Handelnde ist bleibt sie relativ blass. – Dafür überzeugen großartige, monumentale Aufnahmen der Landschaft und der mittelalterlichen Stadt Isfahan (gedreht in Marokko), und auch der Schrecken einer mittelalterlichen Pest-Epidemie vermittelt sich dem Zuschauer eindringlich.

Nach Intrigen und der Eroberung von Isfahan durch die Seldschuken kehrt Rob als ausgebildeter Medicus nach England zurück. Warum tut der Drehbuchautor dem gelungenen Film ein solch abstruses Ende an: Der nach London zurückgekehrte Bader, der einst den jungen Waisen aufgenommen hatte, hat plötzlich keine Kunden mehr; er erfährt von einem Wunder-Medicus aus dem Orient namens Rob Cole, der ein Krankenhaus betreibt, wo selbst arme Bettler-Jungen stationär behandelt werden, mit Wunder-Medizin, in Betten mit weißen Laken, mit Musikberieselung. Und das im Jahr 1030 oder 1040 in London!!

Hat der Film auch eine Aussage? Oh ja, und sie kommt m.E. wesentlich deutlicher rüber als in dem 850-Seiten-Roman. Der Feind allen Wissens ist der Aberglaube, und wo die Grenze zwischen Religion und Glaube einerseits und Aberglaube andererseits ist, das ist so eine Sache. Schon der junge Rob Cole, der gerne wissen möchte, wie es im menschlichen Inneren aussieht, um besser helfen zu können, wird von seinem entsetzten Bader belehrt, dass allein schon der Wunsch dazu führen könnte, dass ihn seine christlichen Mitmenschen bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen zu Tode rösten. Und seine (bescheidene) Heilkunst darf auch nicht zu erfolgreich sein, sonst setzt er sich dem Vorwurf der Zauberei aus. Bedrohlich tauchen im Film denn auch einige Herren mit Mönchskutte und Tonsur auf. – Richtig ernst wird es in Isfahan, wo konservative Mullahs den Schah stürzen wollen, und natürlich auch dem sündigen Universitätsklinikum von Ibn Sina den Garaus machen wollen. Einige Szenen des Films könnte man in der Tagesschau als Zwischenschnitt einfügen, so aktuell wirken sie. Auch die Juden bekommen ihr Fett weg, als sie die schöne Rebecca wegen Ehebruch zu Tode steinigen wollen. Obwohl ihr Ehemann sie durch Handelsgeschäft doch rechtmäßig käuflich erworben hat. So gesehen ist der Film auch ein Aufruf zu Menschlichkeit und Rationalität, und gegen Intoleranz und Fundamentalismus, gleich durch welche Art von Religion, soweit deren Credo heißt: “Du sollst nicht erkennen“. Essen vom Baum der Erkenntnis als Ursünde, die zur Vertreibung aus dem Paradies geführt hat, dieser Film sieht das etwas anders.
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Target
Target
von Tom Cain
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Thriller, für Splatter-Freunde geeignet, 17. Juli 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Target (Taschenbuch)
„Samuel Carver ist ein Killer. Für geheime Regierungskreise lässt er Terroristen und Verbrecher von der Bildfläche verschwinden.“ Ich kannte den Klappentext, als ich das Buch gekauft habe, darf mich daher eigentlich nicht beschweren. Die Mischung aus Real Fiction und Verschwörungstheorie hat mich halt gereizt, das Buch als Urlaubslektüre zu kaufen. Was wäre, wenn 1997 der Unfall von Lady Di, der „Königin der Herzen“ in Wirklichkeit ein Attentat gewesen wäre? Spekulationen gab es ja, und es gibt sie heute noch. Aus dem Thema kann man was machen.

Was der Autor daraus gemacht hat: Einen atemberaubend schnellen Thriller mit sehr viel Action; wem das ausreicht, der kann das Buch trotz der schlechten Bewertung durch mich durchaus kaufen. Er wird sich dann auch nicht daran stören, dass der „Held“, Samuel Carver, etwas arg perfekt und außerdem praktisch unverwundbar ist. Wenn man vom Schluss absieht, wo er sich, von Liebe benebelt, freiwillig in die Hände der Russenmafia begibt, wo er fast zu Tode gefoltert wird. Das Motiv dafür, warum Lady Di sterben musste (sie störte den illegalen Waffenhandel) erscheint mir etwas zu konstruiert, aber bitte… . Nicht stören lassen darf man sich davon, dass Gewalt sehr detailliert beschrieben wird, und das immer und immer wieder. Fast genüsslich. Da wird niemand nur einfach erschossen, vielmehr zerplatzt der Schädel, und Blut, Gehirnmasse und Knochensplitter spritzen umher. So drastische Schilderungen kann man als Stilmittel in einem Thriller schon einsetzen; setzt man sie zu oft ein, dann verlieren sie ihre Wirkung. Höhepunkt der Gewaltschilderung ist dann die Folterung von Samuel Carver am Schluss des Werkes, die so genau beschrieben wird, dass ich das Buch fast dem Splatter-Genre zurechnen würde.

Wenn man großzügig ist, und ich bin schließlich nicht die FSK, dann könnte man sagen: Ein mitteprächtiger Thriller, nicht für jeden geeignet. Warum dann nur einen Stern? Weil es einige Dinge gibt, die m.E. auch in einem Thriller nicht zu akzeptieren sind. „Samuel Carver ist ein Killer. Für geheime Regierungskreise lässt er Terroristen und Verbrecher von der Bildfläche verschwinden.“ - 007, der mit der Lizenz zum Töten, ist eine Agentenparodie, und in einer Parodie mag es so was geben. In „Target“ wird vorausgesetzt, dass es so etwas tatsächlich gibt. „Verbrecher verurteilen wir durch die Justiz, und wenn wir ihnen nichts beweisen können, dann lassen wir sie umlegen.“ Durch Männer wie Samuel Carver. Die auftraggebenden Regierungskreise sind westliche Regierungen, nicht etwa Nord-Korea oder Iran. In dem Thriller fehlt jede Distanzierung von einer derartigen Vorgehensweise. Eine Distanzierung hätte z.Bsp. so aussehen können, dass nur ein einzelner skrupelloser Ehrgeizling in der Regierung so einen Mordauftrag erteilt. Tom Cain erweckt den Eindruck, als sei das alles Routine. Und das geht zu weit. Jetzt sind diejenigen, die uns regieren, unvollkommen. Sie machen Fehler, sie sagen uns oft die Unwahrheit. Manche wirtschaften möglicherweise in die eigene Tasche. Aber: Sie allesamt pauschal als Mörderbanden darzustellen, das ist absurd.

Aber genau das macht der Autor, denn das, was Samuel Carver im Auftrag dieser Regierungskreise macht, das ist Mord in Reinform. Nicht etwa Totschlag (das ist die vorsätzliche Tötung eines Menschen) sondern Mord. Der Unterschied: Mord liegt dann vor, wenn zum Totschlag noch etwas Erschwerendes hinzukommt. Niedere Beweggründe z.Bsp., oder aber die Verwendung gemeingefährlicher Mittel, so, wie sie Samuel Carver verwendet. Deswegen ist es völlig egal, dass der Held des Stückes nicht, wie ihm vorgegaukelt wurde, einen Sklavenhändler tötet, sondern Lady Di. Auch die Tötung des Sklavenhändlers wäre Mord gewesen. Der Irrtum wird vom Autor offenkundig benutzt, das Handeln von Samuel Carver moralisch in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Es ist nicht auszuschließen, dass so mancher Leser dem Gedankengang des Autors folgt. Und deswegen halte ich das Buch für schädlich.


Gottes Gehirn: Thriller
Gottes Gehirn: Thriller
von Jens Johler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Wissenschaftssthriller; aber weniger wäre mehr gewesen!, 9. August 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gottes Gehirn: Thriller (Taschenbuch)
Ich mag diese Form von Thrillern mit wissenschaftlichem Hintergrund; man hat gute Unterhaltung und tut gleichzeitig etwas für seine Allgemeinbildung. Unter der Voraussetzung, dass der Autor (oder hier das Autorengespann)bestimmte Spielregeln einhält und nicht in den Bereich der Fantasy abgleitet. Bei dem ansonsten sehr guten Thriller "Gottes Gehirn" ist das, vor allem am Ende, leider der Fall.

Davon abgesehen handelt es sich um einen spannenden Roman: Spitzenwissenschaftler, die alle an einer ganz bestimmte Konferenz teilgenommen haben, kommen reihenweise zu Tode. Fachmännisch hat man ihnen das Gehirn entnommen. Ein deutsches Journalistenpaar beginnt in den USA zu recherchieren. Durch die Befragung anderer Konferenzteilnehmer wird dem Leser einiges an Wissen aus unterschiedlichsten Bereichen wie Genetik, künstliche Intelligenz etc. vermittelt. Man ahnt Übles, wenn z. Bsp. der Schimpanse vorgeführt wird, dem man ein zweites Schimpansengehirn eingepflanzt hat und der sich dann menschenähnlich entwickelt hat und sprechen kann. Um dann, in gewählten Worten, von seiner Sehnsucht nach dem Urwald in Afrika zu sprechen, und wie gerne er einem anderen Affen den Bauch aufreißen möchte, um ihm bei lebendigem Leib die Eingeweide aufzufressen... . Das Buch bietet genug, um auch einen erfolgreichen Film daraus zu machen.

Seltsame Dinge geschehen auf der Welt: Die reichen Staaten erlassen der Dritten Welt auf einmal alle Schulden, von einem Tag auf den anderen. Israel und die Palästinenser werden auf einmal zu dicken Freunden und planen einen gemeinsamen Staat. Das Superhirn scheint etwas tolles zu sein. Aber warum werden Tiere auf einmal so aggressiv. Und warum verhundertfachen oder vertausendfachen Pflanzen plötzlich ihr Wachstum? Es soll hier nicht zu viel von der Handlung verraten werden. Aber manches ist nicht zu Ende gedacht, und manches ist hanebüchen. Ein Bsp. (weil es keine so große Rolle im Gesamtzusammenhang spielt): Der Schuldenerlass und die israelisch-palästinensische Aussöhnung werden dadurch erreicht, dass Superhirn sich mühelos in alle Regierungscomputer hacken kann und dort die Redemanuskripte verändert. Jetzt kommt es zwar vor, dass Politiker nur vom Blatt ablesen, man denke an Schabowski und die versehentliche Maueröffnung 1989. Trotzdem: So einfach? Kein einziger Außenminister, der sein Manuskript vorher mal durchliest? Keiner, der angesichts des dramatischen Kurswechsels Rücksprache mit seiner Regierung nimmt? Keiner, der gar kein Manuskript braucht, weil er frei redet? Und dass derartige Verträge von jedem einzelnen nationalen Parlament ratifiziert werden müssen ist auch kein Problem? Immerhin, hier wird noch versucht, eine nachvollziehbare Erklärung zu liefern. Bei anderem gleitet das Buch am Schluss in den Bereich der Fantasy ab. Und am Schluss kommt, wie im Western, die Cavalry (in Gestalt der Polizei) und bringt die Rettung.

Bis auf das Ende ist das bereits in den Neunzigern geschriebene Buch,das jetzt neu aufgelegt worden ist, absolut lesenswert. Nur sollte man halt nicht alles glauben.


Der Kulturinfarkt: Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention.
Der Kulturinfarkt: Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention.
von Dieter Haselbach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine hilfreiche Polemik, 23. März 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Denkansätze der Autoren sind absolut richtig, man kann nur hoffen, dass das Buch dazu hilft, die Diskussion um den modernen subventionierten Kulturbetrieb wieder etwas zu beleben. Ich hatte mir trotzdem etwas mehr erhofft: Mehr praktische Beispiele zum Beispiel. Belastbares Zahlenmaterial (mit Quellenangaben) z.Bsp.. Und insgesamt eine etwas strukturiertere Gestaltung. Da haben die Autoren leider einiges verschenkt.

Dies ist auch auf den geringen Umfang dieser Streitschrift zurückzuführen. Die Kulturszene ist extrem vielschichtig, und damit sind die sich stellenden Probleme überall anders. Die Situation der hochsubventionierten Theater (die in der Regel den Löwenanteil des Kulturetats verbrauchen) ist nur schwer mit der Situation von Museen oder Bibliotheken oder gar der freien Szene zu vergleichen. Manche Institutionen, die auch oder gerade Bildung und Wissenschaft dienen, werden bei einer Forderung nach einer Selbstfinanzierungsquote von 30 Prozent, die die Autoren aufstellen, zu Recht einwenden, dass das gar nicht geht. Bei Museen und vor allem Theatern würde dies eine Kulturrevolution auslösen, darüber muss man sich klar sein. Trotzdem ist es besser, wenn man endlich anfängt, kontrolliert Wildwuchs zu beseitigen, ehe es aus Geldmangel zum unkontrollierten Kollaps kommt (und das wird passieren).

Genial sind der Titel und der Untertitel des Buches ('Der Kulturinfarkt, von allem zuviel und überall das Gleiche'). Die Problematik, um die es geht wird dadurch auf den Punkt gebracht. Ein konkretes Beispiel aus meiner Heimatstadt Mannheim. Die Stadt mit gut 300000 Einwohnern verfügt über ein Stadttheater, dessen Oper bis in die 80er-Jahre zu den führenden Wagner-Bühnen Deutschlands gehörte. Der ganz überwiegende Teil des Kulturetats der Stadt fließt in dieses Theater. Ludwigshafen liegt auf der anderen Seite des Rheins, ist etwas kleiner. Die Fahrscheine des ÖPNV gelten in beiden Städten. Zum 200. Wagner-Geburtstag 2013 bringt Mannheim den 'Ring des Nibelungen' neu heraus. Was macht man in Ludwigshafen? Richtig, man bringt den 'Ring' neu heraus, alle vier Teile. Von allem zuviel, und überall das Gleiche' . Würde es einen Zwang zu betriebswirtschaftlichem Verhalten geben wäre das unmöglich. Mit der Straßenbahn kann man übrigens auch noch das Drei-Sparten-Theater in Heidelberg erreichen, das sind 20 km. In 50 bzw. 60 km erreicht man die Staatstheater in Darmstadt und Karlsruhe, und nach Stuttgart sind es mit dem ICE 37 Minuten! Und trotzdem wird jeder zum Leibhaftigen erklärt, der es wagt, eine Kooperation zu fordern.

Ich war 10 Jahre, bis Mitte des Jahrzehnts, im Betriebsausschuss (einer Art Aufsichtsrat) dieses Theaters. Es ist schon faszinierend, wie die Gremien, die über die Zuschüsse zu entscheiden haben, belogen und betrogen werden. Konkret: Die Hälfte meiner Amtszeit habe ich gebraucht, um zu erreichen, dass dem Aufsichtsgremium nicht die vom Intendanten 'aufbereiteten' Zuschauerstatistiken präsentiert werden, sondern die Rohdaten von der Kasse. Kann ich übrigens nur empfehlen! Als die Daten dann endlich vorgelegt wurden, da war schnell klar, was die Geheimniskrämerei bezweckte: Hohe Auslastungsquoten wurden etwa erreicht, indem ein Teil der Plätze als 'gesperrt' deklariert wurde. Der Rekord war eine Schüleraufführung im Opernhaus (ca. 1100 Plätze), da wurden 550 Plätze 'gesperrt'; die Aufführung war mit 550 Besuchern 'ausverkauft'. Oder aber man sperrt im Schauspielhaus den Zuschauerraum komplett und platziert die wenigen Zuschauer auf der Bühne. Oder: Opernpremiere von 'Carmen', eigentlich ein Blockbuster, der normalerweise für ein volles Haus sorgt. Wenn dann schon bei der Premiere 222 Freikarten (die Zahl konnte man sich gut merken) verteilt werden mussten, damit die Presse nicht über die vielen leeren Plätze berichten kann, dann hätte das in einem normalen Unternehmen zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen geführt.

Das sind einige wenige, willkürlich herausgesuchte Beispiele aus einer einzigen mittelgroßen Stadt. Wenn man gesucht hätte, dann hätte man bestimmt noch viele extremere Beispiele finden können. Hamburg, gab es da nicht was mit einer Philharmonie an der Elbe? Oder Berlin, 'arm, aber sexy', und das mit drei Opernhäusern, bezahlt mit westdeutschem Steuergeld?

Das Buch ist eine Polemik, deshalb darf man keine Ausgewogenheit verlangen. Wer sich auskennt, der weiß, dass die praktische Umsetzbarkeit radikaler Kürzungswünsche extrem schwierig ist. So unterliegen große Teile der Verwaltung, aber auch von Orchester, Opernchor etc. dem Recht des öffentlichen Dienstes und sind praktisch unkündbar. Feuern kann man Solisten und Schauspieler, auf Null setzen die Ausstattungsetats der Museen. Die Null wird dann wenigstens gut verwaltet.

Ich hatte das Vergnügen, die ersten Rezensionen der veröffentlichen Meinung in der Presse zu lesen. Wenn getroffene Hunde bellen, dann hat das Buch ins Schwarze getroffen!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 2, 2012 10:43 AM MEST


Die Skorpionin: Odenwald Krimi - Ein echter Thriller: Odenwald-Thriller
Die Skorpionin: Odenwald Krimi - Ein echter Thriller: Odenwald-Thriller
von Manfred H. Krämer
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von Rache und der Ethik eines Strafverteidigers, 29. September 2011
Mit "Die Skorpionin" hat Manfred Krämer einen Thriller vorgelegt, bei dem man es fast bedauert, dass er "nur" als Regional-Krimi erschienen ist. Ob ein Buch mit dem Untertitel "Odenwald-Thriller" sich in Bayern, Berlin oder dem Ruhrgebiet so gut verkaufen lässt, das kann bezweifelt werden. Verdient hätte "Die Skorpionin" es.

Bei der Skorpionin handelt es sich um eine starke Frau, die sich vom naiven Möchtegern-Model zur Inhaberin eines milliardenschweren Modeimperiums hocharbeitet. Anfangs geht sie dabei buchstäblich über Leichen, später schlägt das Schicksal bei ihr selbst zu. Aber auch als Opfer hat sie von ihrer alten Skrupellosigkeit nichts verloren. Mehr soll hier nicht verraten werden. - Die Handlung ist intelligent aufgebaut, viele anscheinend nicht zusammen gehörende Handlungsstränge fügen sich am Schluss logisch zusammen. Allzu zartbesaitet sollte der Leser nicht sein; so wird der skrupellose Kinderschänder dadurch vom Leben zum Tode gebracht, dass die Skorpionin, Mutter des geschändeten Kindes, dem Täter das Tatwerkzeug nebst angrenzender Körperteile bei lebendigem Leibe von einer ausgehungerten Ziege wegfressen lässt. Lecker! Hannibal lässt grüßen.

Damit ist auch klar, was diesen Thriller aus der Masse, die überwiegend aus dem angloamerikanischen Raum stammt, heraushebt: Der Leser wird gezwungen, sich mit einigen grundlegenden Problemen zu beschäftigen, hier mit dem Thema Selbstjustiz. Wie ist die Tat einer Mutter zu beurteilen, die fürchterliche Rache an dem Mann nimmt, der ihr das Liebste genommen hat? Man erinnert sich an den Fall Marianne Bachmeier.

Der Mannheimer Rechtsanwalt Stephan Glimm, dessen realer Name im Buch selbst offengelegt wird, hat die Verteidigung der Skorpionin übernommen. Und er erreicht tatsächlich, dass sie trotz der Grausamkeit der Tat nur zu einer relativ milden Strafe verurteilt wird. Jahre zuvor hat er den skrupellosen Kinderschänder verteidigt. Und ebenfalls erreicht, dass auch dieser extrem glimpflich davon kommt. Das führt zu der zweiten Frage, über die der Leser nachdenken muss: Ist ein Verteidiger, der es geschickt erreicht, dass ein Verbrecher unangemessen gut davon kommt, nicht so etwas Ähnliches wie ein Komplize des Täters? Wie kann der Anwalt so etwas vor sich selbst rechtfertigen? Hier hätte ich mir gewünscht, dass das Buch, wenn es diese Frage schon aufwirft, auch eine Antwort gibt. Ich bin selbst Rechtsanwalt und habe diese Frage für mich selbst auch beantworten müssen. Und ich weiß, dass viele Menschen sich derartige Fragen stellen.

Die Skorpionin jedenfalls sieht in dem Rechtsanwalt so etwas wie den Gehilfen des Kinderschänders; wie es aussieht hat sie auch ihn töten wollen. Deswegen steht sie nicht nur wegen der vollendeten Tötung vor Gericht, sondern auch wegen versuchtem Mord an Rechtsanwalt Glimm. Wie denn? Der ist doch ihr Verteidiger?! Richtig, und hier gleitet der ansonsten hervorragende Thriller ab ins Absurde. Schade eigentlich. Man stelle sich das vor:

Der bekannte Rechtsanwalt Glimm wird Opfer eines versuchten Mordes. Deshalb ist er automatisch einer der Hauptzeugen der Anklage. Und als Zeuge verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Gleichzeitig ist er der Verteidiger der Täterin, die zu belasten er als Zeuge eigentlich gezwungen wäre. Daran ändert auch das Geständnis der Täterin nichts. Das geht einfach nicht. Auch wenn Verteidiger nicht wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden können, sie dürfen (nach der Rechtsanwaltsordnung) auf keinen Fall widerstreitende Interessen vertreten. Dazu gehört auch ein Konflikt zwischen den eigenen Interessen des Herrn Glimm (als Geschädigter) und den Interessen seiner Mandantin. Kein Vorsitzender würde ihn als Verteidiger akzeptieren.

Überhaupt ähnelt die Schilderung der Gerichtsverhandlung dem, was uns in den Gerichtsshows des Privatfernsehens zugemutet wird. Bei einer Romanreihe, in deren Mittelpunkt ein Strafverteidiger stehen soll, besteht hier evtl. Nachbesserungsbedarf. So wird man es kaum je erleben, dass bei einem spektakulären Kapitalverbrechen nur ein Verhandlungstag angesetzt wird: Morgens Verlesung der Anklage, dann ein paar Stunden Beweisaufnahme (ohne den Hauptbelastungszeugen, der ja gleichzeitig Verteidiger sein soll), und am Nachmittag die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Wobei das Plädoyer des Verteidigers Glimm der Höhepunkt ist. Der eröffnet während seines Plädoyers einfach die (bereits geschlossene) Beweisaufnahme, was er in der Realität gar nicht könnte, er vernimmt ein Kind als Zeuge, was in der Realität nur der Vorsitzende darf, und er führt sämtliche entlastenden Beweismittel erst im Rahmen seines Plädoyers in die Verhandlung ein. Vom Gericht keine Reaktion. Sowas funktioniert nur bei RTL und SAT 1. Die armen Anwälte in Deutschland dürfen es dann ausbaden, wenn die Mandanten vollkommen falsche Vorstellungen davon haben, was vor Gericht geht und was nicht.

Die gute Bewertung erfolgt deshalb, weil die Käufer dieses Buches einen guten Thriller haben wollen und keine Nachhilfe in Strafverfahrensrecht. Wobei ich der festen Überzeugung bin, dass mehr Realitätsnähe der Spannung keinen Abbruch tun würde.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 22, 2011 9:27 AM MEST


Hardliner: Thriller
Hardliner: Thriller
von Mike Lawson
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wohltuend anders, 14. September 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hardliner: Thriller (Taschenbuch)
Als jemand, der Thriller liebt, bin ich sehr misstrauisch gegenüber den Erzeugnissen aus US-Produktion, die hierzulande schon in der 1. Auflage als Taschenbuch herauskommen. Zu oft landet man bei Romanen de B- oder C-Klasse, mit unglaubwürdigen Helden, die direkt von Superman abzustammen scheinen, und nervend viel Rumgeballere.

Hardliner" von Mike Lawson habe ich mir, zusammen mit einigen anderen Romanen, als Urlaubslektüre bevorratet. Und war angenehm überrascht.

Endlich mal wieder ein Thriller, in dem die Charaktere glaubwürdig angelegt waren. Daher braucht Lawson auch knapp 500 Seiten, wo andere nach 300 Seiten (mit großen Buchstaben und großzügigem Umbruch) auskommen. Aber seine Helden sind auch keine unverwundbaren James-Bond-Verschnitte, sie haben ein Eigenleben und Ecken und Kanten. Das führt dazu, dass der Leser (soweit er nicht selbst Superman ist) sich in die Handlung sehr gut selbst reindenken kann.

Der Plot ist spannend und soll hier nicht verraten werden; der Klappentext gibt schon einige Hinweise, wobei klar ist, dass das nicht die Lösung sein kann. Ein Hinweis noch: Derartige Thriller sind normalerweise nichts für Linksliberale und Pazifisten (ich selbst bin Tom-Clancy-Fan, bezogen auf seine frühen Werke). Am Anfang sieht es so aus, als seien die Konservativen (rechte Republikaner) die Bösewichte, und die (liberalen) Demokraten mit ihrem Kongresssprecher Mahoney die Guten. Abwarten... ! - Ich selbst bin neugierig geworden auf die bisher erschienenen Romane von Lawson.


Tod in Bayreuth
Tod in Bayreuth
von Brigitte Bühler
  Broschiert
Preis: EUR 10,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Krimi für Wagner-Fans und Normalos, 19. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Tod in Bayreuth (Broschiert)
Regional-Krimis sind häufig so eine Sache: Die Handlung ist mitunter etwas dünn, der Reiz liegt häufig nur darin, dass die Leser aus der Region die Handlungsorte kennen, was manchmal ganz vergnüglich sein kann. Ortsfremde Leser können mit solchen Romanen kaum etwas anfangen. Bei "Tod in Bayreuth" ist das anders. Den Krimi von Brigitte Bühler kann man guten Gewissens auch all den Lesern empfehlen, die die Gegend um Bayreuth nicht kennen, die intelligent angelegte Handlung funktioniert auch ohne Ortskenntnisse.

Trotzdem dürfte die Zielgruppe das Bayreuther Publikum sein, die Einwohner, aber auch und vor allem die Besucher der Bayreuther Festspiele. Letzteren kann man das Buch ganz besonders empfehlen, denn es geht auch um Richard Wagner und sein Werk. Keine Angst: Werkkenntnisse sind nicht nötig; umgekehrt hat man nach der Lektüre seinem Allgemeinwissen durchaus Gutes angetan. Denn die Bayreuther Polizei hat (natürlich nur in dem Roman?) überhaupt keine Ahnung, was es mit Wagners Werk auf sich hat und wird auf vergnügliche und allgemein verständliche Art sachkundig gemacht. Und der geneigte Leser gleichzeitig auch.

Der Krimi startet mit Knalleffekt: Bayreuth, als UNESCO-Weltkulturerbe nominiert, muss entsetzt erleben, dass ein unersetzliches Bauwerk nach dem anderen mit Bomben attackiert wird. Terroristen? Zunächst fliegt das wunderschöne Naturtheater Sanspareil mit seinem Felsentheater in die Luft. Die nächste Bombe zerstört nur Stunden später die Eremitage. Seitdem ist der Oberbürgermeister von Bayreuth spurlos verschwunden. Ein Anschlag auf das Neue Schloss in der Innenstadt kann gerade noch verhindert werden; die Spuren deuten auf einen islamistischen Hintergrund hin. Schließlich brennt auch noch das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel! Man merkt, dass die Autorin seit 2005 in USA lebt. Wenn schon dann muss es richtig krachen, spätestens seit 9/11.

Wie in Krimis häufig sind die zuerst erkennbaren Spuren alle irreführend. Emma Schiller, eine Ex-Polizistin, die nun beim "Nordbayrischen Kurier" ein karges Dasein als Journalistin fristet, ermittelt auf eigene Faust. An jedem der Tatorte findet sie merkwürdige Notenfragmente. Eine Professorin an der Musikhochschule Bayreuth klärt sie und die Polizei auf: Es handelt sich um sog. Leitmotive aus dem "Ring des Nibelungen" von Richard Wagner. Und die haben im Kontext des Werkes alle eine Bedeutung. Aus der eigentümlichen Anordnung dieser Leitmotive ergibt sich sogar eine Nachricht. Großalarm! Bombe im Markgräflichen Opernhaus! Und tatsächlich findet man dort eine Bombe. Jetzt ist sich die Polizei sicher, der Täter muss ein Musiker oder Musikwissenschaftler sein, was den Täterkreis enorm eingrenzen würde. Bedröppelt muss sie die Aussage der Professorin zur Kenntnis nehmen, dass so etwas in Bayreuth bei den Bürgern und bei zig-Tausenden von Festspielbesuchern zur Allgemeinbildung gehört. Stimmt übrigens.

Eine neue Fährte: Gerüchte tauchen auf, dass eine Partitur einer noch völlig unbekannten Wagner-Oper existieren würde. Der Hintergrund erscheint glaubhaft, Wagner soll in seinen Pariser Jahren für die nichteheliche Tochter seiner Frau Minna zum Trost die "Sieben Stadtmusikanten" zu einer kleinen Oper gemacht haben. Eine Kinderoper von Richard Wagner. Die Gerüchte besagten auch, dass sich in ihr viele Motive aus dem "Ring" finden, Jahr vor dessen Entstehung. Solche Motive, wie man sie auch an den Explosionsorten gefunden hat. Einmal abgesehen von der wissenschaftlichen Sensation wäre eine solche Original-Partitur zig Millionen wert. -

Es gibt auch noch einen "normalen" Mord mit musikalischem Bezug (das Opfer wurde mit der Saite einer indischen Sitar erdrosselt), einen Riesen-Korruptionsskandal im Bauamt von Bayreuth und einiges andere mehr. Es ist beeindruckend, was die Autorin alles auf 287 Seiten untergebracht hat. Die Lösung darf hier natürlich nicht angedeutet werden.

Meine Empfehlung: Für Besucher der Festspiele gibt es kaum eine bessere Urlaubslektüre, vergnüglich und spannend zugleich. Aber auch allen anderen kann dieser spannende Kriminalroman einige angenehme Lesestunden bescheren.


Hüttengaudi: Ein Alpen-Krimi (Alpen-Krimis)
Hüttengaudi: Ein Alpen-Krimi (Alpen-Krimis)
von Nicola Förg
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Frauen- und Alpen-Krimi, 6. Juni 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Frau Kommissar liegt, eingewickelt in Tücher und damit bewegungsunfähig, im Behandlungsraum eines Hotels im Allgäu, wo sie eine Schroth-Kur machen will. Ohne dass sie es ahnt liegt im Nebenraum ihr Ex-Mann, der ein ziemlicher Fiesling gewesen sein muss, genauso wie sie in Tücher eingewickelt. Zufälle gibt's! Und da in einem Krimi Leichen gebraucht werden wird der EX auch prompt ins Jenseits befördert, auf etwas ungewöhnliche Art, nämlich mit einer Insulinspritze.

Etwa zur gleichen Zeit wird in Garmisch, der Heimat von Kommissarin Irmi, ebenfalls eine Leiche gefunden, Todesursache ebenfalls Insulin. Der Allgäuer Kommissar, eigentlich ein liebenswürdiger Typ, nur ein bisserl faul, hat nichts Eiligeres zu tun, als den Fall, wegen des Sachzusammenhangs, an Kommissarin Irmi abzugeben und für drei Wochen in Urlaub zu gehen. Das weitgehend weibliche Ermittlerteam kann loslegen.

Wer Hüttengaudi" kauft, der will leichte Urlaubslektüre und keine juristische Abhandlung. Trotzdem, es gibt Fehler, die dürfen nicht passieren. Es wird und darf in der Praxis kaum vorkommen, dass bei der Polizei jemand mit der Leitung der Ermittlungen betraut wird, wenn der eigene (geschiedene) Ehemann eines der Mordopfer ist.

Wenn einen der konstruierte Anfang und der geschilderte Lapsus nicht stören, dann folgt nun ein gut lesbarer Krimi. Starke Frauen, vom Schicksal gebeutelte Frauen, alle weiblichen Charaktere werden glaubwürdig dargestellt. Gleichzeitig erfährt der Leser etwas über Mentalität und Lebensweise der Menschen im südlichen Bayern. - So einfühlsam und verständnisvoll die weiblichen Typen geschildert sind, so schlecht kommen die Männer weg. Und bei denen wird nicht hinterfragt, warum sie so böse oder raffgierig oder hinterlistig sind; sie sind halt so. Ein paar kräftige Hiebe noch in Richtung Politik: die ist sowieso schuld an allem, weil der Gemeinderat den Jugendlichen einen Bauwagen außerorts als Treff zur Verfügung gestellt hat. Daher ist die Politik schuld, dass es dort zu verstärktem Alkoholkonsum kommt, bis hin zum Komasaufen". Und weil der Bauwagen nicht im Ortszentrum steht muss man frühmorgens, nicht immer unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung, auf der Straße nach Hause laufen. Es kommt zum Unfall, und das Buch zu einem doch recht überraschenden Schluss. Für mich etwas zu überraschend.

Nebenbei: Etwas belustigt ist mir aufgefallen, dass der ebenso tote wie fiese EX von Frau Kommissarin den gleichen Nachnamen trägt wie ein bekannter anderer Autor von Alpen-Krimis (Jörg Maurer). Wer Krimis schreibt, der muss damit rechnen, dass so etwas auffällt... .


Der Nobelpreis: Roman
Der Nobelpreis: Roman
von Andreas Eschbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannendes Buch mit einer großen Macke, 21. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Nobelpreis: Roman (Taschenbuch)
Es wäre schade um dieses wirklich spannende Buch von Eschbach, wenn man hier die tatsächliche Handlung wiedergeben würde, weil damit auch die vom Autor gewollte Pointe" enttarnt werden würde. Der Leser soll glauben, es gehe um Korruption bis hin in angesehene und höchste Kreise, und die ganze Welt sei vom Satan beherrscht. Staaten, Weltfirmen, selbst das ehrwürdige Nobel-Komitee, alle käuflich, und vor Mord schreckt niemand mehr zurück.

Wer die anderen Bücher des Autors kennt, der wundert sich beim Lesen über die extrem negative Darstellung von Staat und Gesellschaft; ist Eschbach plötzlich zum Radikalen geworden? Unwillkürlich fallen einem Vorfälle der letzten Jahre ein, Hedge-Fonds, die nicht davor zurückschrecken, ganze Staaten wirtschaftlich zu ruinieren, Lehman-Pleite usw. .

In der Kurzbeschreibung und in zahlreichen anderen Rezensionen wird es ja bereits dargelegt: Der Sachverhalt, der dem Leser von einem "neutralen" Erzähler im ersten Viertel des Buches vorgelegt wird, ist unzutreffend. Der Leser erhält dadurch den gleichen Horizont und Kenntnisstand, den der Ich-Erzähler dann hat, als er nach etwas über 100 Seiten die Erzählung weiterführt. Dies wird dem Leser gegenüber allerdings erst am Ende des Buches offen gelegt. Bis dahin wundert man sich über doch arg viele Zufälle; wer, wie ich, allerdings bereit war, sich auf die spannende Erzählung einzulassen und diese ernst genommen hat, der ist dann doch etwas verärgert, wenn es am Ende heißt: "April, April". Zumal die Auflösung an Banalität kaum zu übertreffen ist.

In die Ecke gefeuert habe ich das Buch deswegen nicht. Es ist aber etwas unfair, dem Leser jede Möglichkeit zu nehmen, selbst auf die richtige Spur zu kommen. Denn an einer Stelle kam es mir schon so vor, als sei das Erpressungsopfer, Mitglied im Nobel-Komitee, möglicherweise selbst in die Sache verstrickt. Da man als Leser allerdings von den auf den ersten 100 Seiten geschilderten Fakten ausgehen muss habe ich den Gedanken gleich wieder verworfen.

Diesen Bruch hätte der Autor leicht umgehen können: Er hätte das anfangs geschilderte Szenario nicht als Faktum darstellen dürfen, sondern als die Story, die der Herr Professor seinem im Knast sitzenden Schwager auftischt. Dann hätte der Leser die Chance gehabt, die gleiche Frage zu stellen, die die Nobelpreisträgerin am Schluss des Buches auf Anhieb stellt und die zur Auflösung des Lügenkonstrukts führt.

Trotz einer gewissen Verärgerung gibt es drei Sterne, dann das Buch hat auch gute Seiten: Es liest sich zwischendurch sehr spannend. Hoch interessant ist die Schilderung, wie die Nobel-Preise vergeben werden. Sehr ernst nehmen sollte man die Schwierigkeiten, die der nach sechs Jahren aus der Haft entlassene Ich-Erzähler hat, sich in unserer immer schnelllebigeren Welt zurechtzufinden, wenn er etwa nach einer Telefonzelle sucht, von denen es aufgrund der Allgegenwart von Mobiltelefonen nur noch wenige gibt. Diese Schwierigkeiten können das Wiedereinfügen von Haftentlassenen in die Gesellschaft und den Beruf sehr erschweren.

Und es zeigt, wie eine allzu negative Sicht der Welt die Wahrnehmung verzerren kann: So hat ein Professorenkollege in seiner Schreibtischschublade Fotos junger asiatischer Mädchen zu liegen, versehen mit Datum und Strichliste. Automatischer Gedanke des knasterfahrenen Erzählers: Der Kollege meines Schwagers ist ein Päderast. Auflösung: Es handelt sich um Kinder, für die der Professor die Patenschaft übernommen hat... .
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2012 2:04 PM CET


Die große Liebe
Die große Liebe
DVD ~ Zarah Leander
Wird angeboten von hamburgmedia (mafrance24 com)
Preis: EUR 11,90

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Davon geht die Welt nicht unter, 5. Juni 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die große Liebe (DVD)
Mit ca. 27 Millionen Besuchern ist "Die große Liebe" einer der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten, wenn nicht der erfolgreichste überhaupt. Und das, obwohl der Besuch ab 1945 schlagartig auf Null ging, da die Besatzungsmächte den Film erst einmal verboten haben. Schon deshalb ist die DVD ein Dokument für jeden Filmliebhaber.

Die beiden Mega-Hits "Davon geht die Welt nicht unter" und "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn" sind häufig als "Durchhalteschlager" denunziert worden. In diesem Film kann man sie in technisch sehr guter Qualität erleben. Die recht preiswerte DVD ist schon deshalb ihr Geld wert. Gleichzeitig kann sich jeder davon überzeugen, dass es sich bei der "Großen Liebe" um einen Liebesfilm handelt, der halt 1941 spielt, und nicht um einen Durchhaltefilm. Dass derartige Behauptungen Unsinn sind ergibt sich schon aus dem Entstehungszeitpunkt 1941/42. Da befand sich das Dritte Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht, von "Durchhalten" sprach noch niemand.

Durch die Szenen aus dem alltäglichen Leben hat der Film auch einen gewissen dokumentarischen Charakter (Bsp.: Der Schaffner in der Straßenbahn, heute undenkbar und unbezahlbar). Áuch die Durchdringung des Alltags durch die NS-Ideologie wird m.E. realistisch gezeigt. - Wenn trotz der guten Bewertung noch nichts zur Handlung gesagt wurde, dann liegt dies daran, dass diese Handlung in der Tat nicht so doll ist. Dramatische Spannung kommt eigentlich keine auf, und die Fähigkeiten von Zarah Leander als Schauspielerin sind begrenzt. Sie hat sich wohl selbst vor allem als Sängerin gesehen, und als solche ist sie einzigartig.

Eine Absurdität ist die FSK-18-Eistufung des Films ("Wunschkonzert" und "Bismarck" teilen dies Schicksal). Zusätzlich wird dem Film noch ein pädagogisch-belehrender Vortrag vorangestellt. Nun ja, der Film kommt aus dem Filmstock der F.-W.-Murnau-Stiftung, die auch die sog. "Vorbehaltsfilme" unter Verschluss hält, da erübrigt sich jeder Kommentar. Auf der FSK-Webseite war leider keine Begründung für diese Einstufung zu finden. Zu den Vorbehaltsfilmen(die gar nicht, noch nicht einmal ab 18, freigegeben werden und auch bei der Murnau-Stiftung unter Verschluss gehalten werden) findet man häufig die Standardfloskel "verfälschte Wertevermittlung bezüglich allgemeiner Lebensnormen". Umkehrschluss: FSK-16-Filme wie Schulmädchenreport entsprechen wohl eher den Werten und Normen der FSK-Mitglieder... .
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 7, 2009 2:10 PM MEST


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