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Beiträge von Myschkin
Top-Rezensenten Rang: 172.897
Hilfreiche Bewertungen: 22
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Rezensionen verfasst von Myschkin (Frankfurt/Main)
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2.0 von 5 Sternen
Quälend, 19. Januar 2013
Ich kenne die Kolumne des Autors in der Zeit nicht; habe das Buch als Geschenk bekommen; die Lektüre also völlig unbefangen und unvorbelastet gelesen. Die ersten zwei oder drei der dreiundzwanzig Geschichtchen fand ich noch ganz interessant, dann stellt sich aber entsetzliche Langeweile an. Dreiundzwanzig verschiedene Männer? Nein, es ist immer derselbe langweilige Typ, mit dem gleichen Verhaltensmuster, der gleichen Art zu denken (die arme Frau N. ist immer an den gleichen Mann geraten -was nicht für sie spricht, nebenbei bemerkt). Interessant wäre vielleicht gewesen, sie hätte in der einen Geschichte etwas mit dem Schlossgärtner gehabt (die einzig interessante Figur des ganzen Buches), aber das war ja nur eine Dekorations- und diabolische Nebenfigur (aber die ist wirklich gut gelungen!). Auch die Protagonistin, die ominöse Mrs. N. gewinnt keinerlei Kontur, sie ist fad, anstrengend und langweilig - mit Ausnahme vielleicht im ersten Durchgang: Da erfährt man doch ein bisschen was von ihr, entsteht ein Hauch von einer Gestalt - und man ahnt, es hätte spannend werden können. Hätte! (Voraussetzung hierfür wäre gewesen, der Autor hätte sich wirklich für diese Figur interessiert - er tat es so wenig wie seine männliche Kollegen und Helden) Man erfährt nichts Neues über Beziehugen und Sex; nichts wirklich Überraschendes. Sinnloses intellektuelles Spiel, so unterscheidbar wie die verschiedenen Tetris-Spiele. Vielleicht genau das Richtige für die pseudo-intellektuellen Prosecco-Leser der Zeit - für mich nicht. Ein Stern - naja, wegen der Gärtnerfigur zwei Sterne!
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Wohltuende Einordnung, 30. Dezember 2010
Was ich an Raders Biografie sehr mag, ist die vorsichtig-behutsame Einordnung der Geschehnisse, die ständige Überprüfung und Nennung der beurteilenden Quellen, den immer vorhandenen Hinweisen, dass man die Dinge auch anders interpretieren kann, ja das sie im Laufe der Geschichte, je nach Motivlage, auch anders interpretiert worden sind. Auch die nach Themenkomplexen eingeordnete Struktur finde ich gelungen und sehr vorteilhaft. Und das ist auch der Hauptpluspunkt dieses Buches: Es ist ein Korrektiv für alle, die sich schon ein wenig mit dem Stauferkaiser beschäftigt, schon eine Biografie oder schon über die geschichtlichen Zusammenhänge in jener Epoche etwas gelesen haben. Rader sortiert die Faktenlage und ordnet sie wohltuend unemotional und sachlich ein, ohne Friedrich zu glorifizieren und ohne ihn zu verschmähen. Er unterscheidet exakt zwischen dem, was man über die Person des Kaisers nach heutigem Stand wissen kann, und dem, was in diese Person von wem und warum auch immer, hinein interpretiert wurde. In einem größeren Zusammenhang lernt man, mystifizierende Anhaftungen von geschichtswirkenden und gerade charismatischen Menschen nüchterner zu beurteilen. An einer Stelle wird es aber doch emotional: Der nachgezeichnete Kampf um das Wort zwischen den päpstlichen und den kaiserlichen Schreiber liest sich wie ein spannender Krimi. Eine literarische Meinungsschlacht um die Propagandahoheit. Da kann der Autor seinen Genuß daran -und seine Hochachtung für Petrus von Vinea, Friedrichs Protonotar und Kanzler- nicht verschweigen. Für jemanden, der sich völlig neu mit dem Stauferkaiser beschäftigt, ist das Buch allerdings schwierig zu lesen, da lauern doch viele Verständnisschwierigkeiten und da gewinnt auch die Gestalt des Protagonisten, eben durch die unchronologische Erzählweise, kein Fleisch und Blut.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Äthiopische Fundstücke, 30. Dezember 2010
Mit sehr intelligentem und humorvollem Blick, mit sehr viel Liebe für das Detail, zeichnet Asfa-Wossen Asserate ein Deutschland mit Sympathie und Warmherzigkeit, das man sich als Deutscher, der gewohnt ist, sein Land wo es nur geht durch den Fleischwolf zu drehen, nur wundern kann: Sind wir hier in Deutschland wirklich so liebevoll-schrullige Menschen? Gibt es in diesem Land wirklich so viel Kultur, Belesenheit und gutes Benehmen? Das ist wirklich sehr ungewohnt, und ein Deutscher der gestreichelt wird, ist erst einmal zutiefst mißtrauisch. Doch Asfa-Wossen Asserate hat auch sehr kritische Anmerkungen, allerdings immer im freundlich-wohlwollendem Ton (Und liefert damit, nebenbei gesagt, ein Musterbeispiel für gelungene Pädagogik). Er arbeitet spielerisch viele Kleinigkeiten und Eigenarten unseres Alltäglichen heraus, die wir selber gar nicht bemerken, die für uns selbstverständlich sind und uns nicht weiter auffallen, weil uns die Perspektive von Außen, das Aufgewachsensein in einem völlig anderen Kulturraum fehlt. Was ich sehr amüsant und nachdenklich finde ist, dass er den typischen und Allzu-Deutschen wie eine vom Aussterben bedrohte Tierart beschreibt. Eine duchr den globalen Einheitsbrei und Anpassungs- und Selbsthaßmanie allzu leichtfertige Spezies, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ihre Eigenarten so schnell wie möglich abzustreifen um ein Global Player zu werden. Ganz großartig sind neben den deutschen Fundstücken, die Konnotationen, kleine Nebensätze, Geschichten, historische Annekdoten, die für mich sehr gewinnend und auch lehrreich waren: Die Entstehung des Melitta-Filters, der Empfang bei Margaret Thatcher und ihre vermeintlich negative Einstellung gegenüber Deutschland, die Geschichte von Fürst Pückler und Machbuba und etliche Dinge mehr. Man lernt auch viel über Äthiopien, obwohl die äthiopischen "Fundstücke" oft nur als Kontrastmittel eingesetzt werden. Und das war bei mir seltsamerweise die stärkste Wirkung: Nach der Lektüre habe ich ein starkes Interesse mehr über das Land Äthiopien zu erfahren.
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