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Kathrineverdeen

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Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken
Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken
von Sabaa Tahir
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein interessanter Auftakt, 13. Juli 2015
Es gibt eine Nacht, die Laia wohl nie vergessen wird: Die Nacht, in der ihre Großeltern kaltblütig ermordet und ihr Bruder festgenommen wurde, nur, um als Feind des Imperiums in einem Gefängnis gefoltert und irgendwann hingerichtet zu werden, wenn er genug Informationen über den Widerstand, dem er angeblich angehören soll, preisgegeben hat. Fast wäre auch Laia in die Hände einer Maske – einem Elite-Krieger des Imperiums – geraten, aber ihr gelang die Flucht. Jedoch nicht ohne den Schwur zu leisten, ihren Bruder aus den Fängen der herrschenden Klasse zu befreien. Als Sklavin getarnt, dringt sie in das Herzstück des Imperiums vor: Schwarzkliff - eine Militärakademie, an der die gefürchteten Masken ausgebildet werden. Dort trifft sie auf Elias, einem Jungen, der dort ausgebildet wird. Er erscheint ihr als nicht ganz so skrupellos und mordlustig wie alle andere Masken. Sie erhofft durch ihn an wichtige Informationen zu gelangen, um ihren Bruder zu befreien. Doch darf sie einer Maske vertrauen?

Mit viel beworbenen und besprochenen Büchern tue ich mich meist etwas schwer. Und auch "Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken" von Sabaa Tahir las ich mit etwas gemischten Gefühlen und hohen Erwartungen. Meine Erwartungen wurden von den zahlreichen sehr positiven Rezensionen gesteigert und ich befürchtete, dass diese nicht erfüllt werden könnten, weil die Idee zwar gut ist, aber nicht neu. Vielversprechend waren jedoch die neuen Elemente, an denen sich die Autorin bedient hat. Tahir erschafft mit verschiedenen kulturellen Einflüssen eine unverwechselbare Welt.

Aus sich abwechselnden Perspektiven erfährt der Leser mit jeder gelesenen Passage mehr aus Elias' und Laias Leben. Und diese beiden Menschen könnten nicht unterschiedlicher sein: Während Elias in einer Militärakademie zu einem Elite-Krieger ohne Erbarmen ausgebildet wird, der dem Imperium treu ergeben ist, muss sich Laia täglich vor der Willkür der Herrschenden fürchten, da sie als Sklavin keinerlei Rechte besitzt. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie sehnen sich nach Freiheit.

Die sehr divergenten literarischen Figuren sind interessant und facettenreich gestaltet und bieten einige Kontraste. Obwohl Tahir ihre Protagonisten mit einem auffallend schönen Schreibstil genau beschreibt, waren deren Taten für mich nicht immer nachvollziehbar. Wenn ein Mensch so etwas Furchtbares wie Laia erlebt, dann prägt es und verändert es ihn. Die literarische Figur Laia braucht viele hundert Seiten, um aus dem kleinen, sich selbst bemitleidenden Mädchen zu einer starken und kämpferischen jungen Frau zu werden. Aber nicht nur sie hat Probleme, sich weiter zu entwickeln. Auch alle anderen Charaktere werden erst zum Ende hin zu Figuren, mit denen man mitfiebert.

Tahir hat ihre Geschichte über Unterdrückung und Gewalt bis auf ein paar Längen sehr spannend gestaltet. In vielen der vor Blut triefende Passagen werden die Grausamkeiten genauestens beschrieben und nehmen dem Leser die Luft zum Atmen. Gerade deswegen sollten sich Leser mit schwachen Nerven gut überlegen, ob sie zu diesem Buch greifen. Für eine nette Abwechslung sorgen die Liebesgeschichten, die aber deutlich im Hintergrund gehalten werden und somit die Handlung nicht zu seicht werden lassen. Einige Begebenheiten ergeben keinen Sinn, werfen viele Fragen auf und werden bis zum Schluss nicht geklärt. Auch wenn "Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken" vom Verlag als Einzelband deklariert wurde, machen die Ereignisse des gesamten Buches deutlich, dass diese Geschichte der Auftakt einer Reihe ist.


Der Junge, der mit den Piranhas schwamm: Vorgelesen von Jörg Pohl. 3 CDs, Laufzeit ca. 3 Std. 40 Min.
Der Junge, der mit den Piranhas schwamm: Vorgelesen von Jörg Pohl. 3 CDs, Laufzeit ca. 3 Std. 40 Min.
von David Almond
  Audio CD
Preis: EUR 16,95

5.0 von 5 Sternen Eine besondere Geschichte, die nicht nur Kinder begeistern kann, 2. Juli 2015
Ich bin immer auf der Suche nach besonderen Geschichten und Autoren, die ich für mich entdecken kann. Vor einigen Wochen wurde mir David Almond empfohlen, der für seine Werke bereits zahlreiche Preise gewonnen hat und als einer der wichtigsten britischen Gegenwartsautoren gilt. Insbesondere wurde mir „Der Junge, der mit den Piranhas schwamm“ als Hörbuch nahe gelegt. Versprochen wurde mir eine außergewöhnliche Geschichte, in der Almond von beeindruckenden literarischen Figuren berichtet und dabei eine besondere Erzählkunst an den Tag legt. Davon wollte ich mich selbst überzeugen und wurde nicht enttäuscht.

Das Leben ist kein Goldfischteich … es gleicht eher einem Piranha-Becken. Das weiß auch Stanley Potts. Dieser führt kein einfaches Leben, seit sein Onkel Ernie arbeitslos geworden ist. Ernie hatte eines Tages die, wie er fand, grandiose Idee, die Wohnung seiner Familie in eine Fischfabrik umzufunktionieren. Seither steht die gesamte Familie von früh bis spät an den Maschinen, um hart zu arbeiten. Stan darf weder zur Schule gehen, noch darf er sich mit Freunden zum Spielen treffen. An Stans Geburtstag bekommt er einen Tag frei und begibt sich auf den Jahrmarkt, der seit Kurzem in der Stadt verweilt. Dort begegnen ihm viele interessante Menschen, wie der Schausteller Dostojewski. Dieser macht Stan ein verlockendes Angebot: Er soll als Gehilfe bei ihm anfangen und von Jahrmarkt zu Jahrmarkt reisen. Stan lehnt erst einmal ab, aber nachdem ihn sein Onkel mit einer unüberlegten Tat sehr enttäuscht und verletzt, beschließt Stan, sich ins Abenteuer Jahrmarkt zu stürzen und läuft von Zuhause fort. Und schon nach wenigen Wochen mausert er sich vom Gehilfen Dostojewskis zum Schüler von Pancho Pirelli. Von dem weltberühmten Bühnenmagier lernt Stanley, was keiner außer Pancho je wagte: in ein Becken voller hungriger Piranhas zu springen.

Bevor Stan sich auf diese abenteuerliche Reise begibt, durfte ich ihn erst einmal etwas besser kennenlernen. Ich erfuhr die Gründe für seine Flucht aus seinem alten Leben und warum der Jahrmarkt so reizvoll für ihn ist. Auf diesem von Almond erschaffenen Jahrmarkt gibt es nicht nur ungewöhnliche Buden und Stände, sondern auch ausgefallene Menschen. Gerne nehmen die Schausteller Stan in ihre Mitte und jeder von ihnen erzählt seine eigene kleine Geschichte, die Stan zeigt, was das Leben auf dem Jahrmarkt ausmacht. Stan verändert sich im Laufe der Geschichte und wird vom schüchternen und zurückhaltenden zu einem selbstbewussten und starken Jungen.

In einem angenehmen Tempo führt uns ein interessanter Erzähler - der sein Handwerk bestens beherrscht-, kindgerecht, mit einer bildgewaltigen und poetischen Sprache, durch die Geschichte. Er wechselt dabei immer wieder die Schauplätze, macht so den Leser neugierig auf kommende Ereignisse und hält stets die Spannung aufrecht. Manchmal spielt er mit seinen Zuhörern, um sie aus ihrer passiven Rolle zu holen und um ihre eigene Fantasie anzuregen. Der Erzähler berichtet von ungewöhnlichen Ereignissen, in die er seine authentische Hauptfigur Stan einfügt. Aber auch seine Nebendarsteller sind alle amüsant, interessant und facettenreich gestaltet und bestens in der tiefgründigen Handlung platziert. Sie wirken nie fehl am Platz, nehmen in der Geschichte eine wichtige Position ein und alle haben etwas gemeinsam: Man kann einiges von ihnen lernen. Meist sind sie trotz ihrer Ecken und Kanten sehr liebenswert. Es braucht nur etwas Zeit, um hinter ihre Fassaden zu blicken.

Das Hörbuch „Der Junge, der mit den Piranhas schwamm“ wird von dem Schauspieler Jörg Pohl gesprochen. Dieser Name war mir erst kein Begriff, aber ich war so begeistert von seinen stimmlichen Fähigkeiten, dass ich mich weitergehend informieren musste. Als ich dann ein Foto von ihm sah, war ich sehr erstaunt, dass er so jung ist, denn seine Stimme klang eher reif und konstant. Die zahlreichen außergewöhnlichen literarischen Figuren bekommen durch die verschiedenen Tonlagen eine Seele eingehaucht. Selbst den Doof-Baemten - ja, ihr lest richtig -, der mit seinem ausgeprägten Sprachfehler für viele lustige Momente sorgt, meistert Jörg Pohl mit Bravour.

„Der Junge, der mit den Piranhas schwamm“ von David Almond ist eine besondere Geschichte, die nicht nur Kinder begeistern kann. Es gibt viele traurige, schöne, bewegende und lustige Momente, die uns Zuhörern mahnen, nie aufzugeben und nie den Glauben an uns selbst zu verlieren.


Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt (3) - Ende des Universums: Folge 3 einer Trilogie. Gesprochen von Sandra Hüller. 2 CD. Laufzeit ca. 165 Min.
Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt (3) - Ende des Universums: Folge 3 einer Trilogie. Gesprochen von Sandra Hüller. 2 CD. Laufzeit ca. 165 Min.
von Finn-Ole Heinrich
  Audio CD
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig, lebendig, außergewöhnlich, bewegend und maultastisch, 24. Juni 2015
Es gibt Reihen, die mich so fesseln, dass ich den letzten Band buchstäblich herbeisehne, um zu erfahren, wie die Geschichte endet. Bei der für mich sehr besonderen Geschichte "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt" erging es mir jedoch etwas anders. Eigentlich konnte ich nicht genug von Maulinas Leben, ihren Problemen und ihrem Gemaule bekommen, trotzdem hatte ich etwas Angst vor dem letzten Teil. Ich wusste, dass es sehr schwer für alle werden wird: für Maulina und die liebenswerten literarischen Figuren aus dieser Geschichte … und für mich.
Wer die ersten zwei Bücher noch nicht kennt, sollte hier nicht weiterlesen und sich lieber mit meinen beiden ersten Rezensionen vergnügen.

In den ersten beiden Hörbüchern habe ich mit Maulina zahlreiche Abenteuer erlebt, viele Tränen vergossen, mit ihr gelitten und gelacht. Ich durfte sie ein Stück weit durch ihr Leben begleiten und mit ihr das geliebte Königreich Mauldawien zurückerobern. Ich durfte erleben, wie sich Maulina eine neue und intensive Freundschaft aufgebaut hat und wie sie ihre Schwierigkeiten mit ihrem Vater überwunden hat. Doch in dem sehr emotionalen und abschließenden dritten Hörbuch "Ende des Universums" habe ich Maulina durch eine enorm schwere und alles verändernde Zeit begleitet. Denn die Krankheit ihrer Mutter Clara schreitet stetig voran und ist kaum mehr aufzuhalten. Und wie der Titel dieses Hörbuchs schon erahnen lässt, bleibt Maulina nur noch wenig Zeit mit ihrer Mutter. Dieser dritte Teil ist aber nicht nur bedrückend, denn der Hörer erlebt viele unvergessliche, urkomische und glückliche Momente mit Maulina, ihrer Familie und ihren Freunden.

In "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Ende des Universums" habe ich viele neue Seiten an Maulina entdecken können. Die hinterlistige Krankheit ihrer Mutter hat auch sie schwer gezeichnet und ihr Leben für immer verändert. Maulina wirkt erwachsener und auch das liebenswerte Maultieren hat etwas abgenommen. Wahrscheinlich, weil sie ihrer Mutter nicht zur Last fallen möchte. Maulina philosophiert sehr intensiv über das Leben und welche Spuren es hinterlässt. Um den bevorstehenden Tod der Mutter zu verarbeiten, hält Maulina an ihrem vergangenen Leben und ihren Erinnerungen fest. Am liebsten würde sie alle Bestandteile konservieren und dabei begeistert sie erneut mit ihrem Ideenreichtum. Viele andere literarische Figuren haben sich außerdem gemeinsam mit Maulina entwickelt - wie Paul. Er hat sich von einem schüchternen Kind zu einem selbstbewussten Jungen entwickelt, der für Maulina eine große Stütze ist.

Beim Ende dieser außergewöhnlichen Geschichte ist der Autor Finn-Ole Heinrich sehr behutsam vorgegangen. Viele werden sich denken können, dass es sich hier um kein Happy End handelt, aber der Autor lässt Maulina davon träumen. Heinrich beschreibt weder den Tod der Mutter noch was danach geschieht. Er beendet die Geschichte mit einem wundervollen und sehr emotionalen Brief an Maulina.

Oft habe ich mich während des Hörens gefragt, wie schwer es Sandra Hüller wohl gefallen ist, die äußerst emotionalen Passagen vorzulesen. Ich habe manchmal ein Zittern in der Stimme erwartet oder eine belegte Stimme, aber die Sprecherin der gesamten Hörbuch-Reihe hat auch diese Passagen mit Bravour gemeistert.
Meine Lobgesänge könnte ich noch stundenlang fortsetzen und trotzdem würde es nicht annähernd beschreiben, wie großartig, lebendig, außergewöhnlich, bewegend und maultastisch die Geschichte um Maulina Schmitt ist. Es ist ein Herzensbuch für mich geworden, obwohl ich nie damit gerechnet hätte, weil ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Ich möchte sie wirklich jedem von euch ans Herz legen. Lasst euch von Maulinas Abenteuern begeistern!


Heldentage: Roman
Heldentage: Roman
von Sabine Raml
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen Ein Buch, das ich nur der Zielgruppe empfehlen würde, 8. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Heldentage: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Tagebuch ist etwas sehr persönliches und man vertraut ihm viele Gedanken und Erlebnisse an, von denen sonst niemand erfährt. Auch Lea schreibt sich in „Heldentage“ ihre Probleme von der Seele. Sie berichtet von ihren Träumen und ihren scheinbar unerfüllbaren Wünschen, ihrem ersten Liebeskummer und einem Leben, das von einer alkoholabhängigen Mutter und einem egoistischen Vater geprägt wurde.

Liest man in einem fremden Tagebuch, dann erfährt man einiges über dessen Besitzer. Man ergründet seine Persönlichkeit und erfährt gut gehütete Geheimnisse. Um etwas über Leas Persönlichkeit zu erfahren, muss man als Leser jedoch etwas geduldiger sein, denn man wird ohne eine kurze Einleitung mitten ins Geschehen geworfen. Lea erzählt sehr desorganisiert, so als würde sie voraussetzen, dass der Leser ihrer Passagen genau weiß, worüber sie schreibt. Sie springt von einem Thema zum nächsten, nur um diese kurz anzureißen und dem Leser tausend Fragen zu bescheren. Nach einigen gelesenen Seiten kann man die vielen Puzzleteilchen zusammensetzen und erfährt vieles über Leas Probleme. Zugegeben, viele davon sind recht oberflächlich: Sie findet sich nicht schön. Aber einige sind schwerwiegend: Eine Erkrankung, die ihr die Luft raubt, ein Freund, der sie abserviert hat, eine alkoholkranke Mutter, die nie das Haus verlässt, und ein Vater, der lieber seinen eigenen Lebenstraum verwirklicht ohne an seine Tochter zu denken. Lea lässt nur selten den Kopf hängen und versucht sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren.

Wenn man ein Buch mit dem Titel „Heldentage“ zur Hand nimmt, erwartet man Heldentaten. Bei dieser Lektüre finde ich den Titel jedoch etwas irreführend. Hier sucht man vergebens eine starke Persönlichkeit, die ihrem Schicksal trotzt und sich ihren Problemen stellt, um sie zu beseitigen. Lea ist meiner Meinung nach keine Heldin. Sie ist ein pubertierendes Mädchen, das viele Wünsche und Träume hat, die für sie unerreichbar scheinen. Obwohl sie ihre Probleme genauestens beschreibt, hat man das Gefühl, dass sie oft vor ihnen resigniert und vor ihnen wegläuft. Das finde ich wiederum sehr authentisch, denn man sollte sich beim Lesen immer wieder bewusst machen, dass Lea fünfzehn Jahre jung ist und keinen Halt bei ihrer Familie findet. Wie sollte sie es auch bei einer Mutter, die ihre Probleme mit Alkohol bekämpft, erlernen? Umso erstaunlicher fand ich es, dass Lea im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durchmacht und etwas mutiger im Umgang mit den Schwierigkeiten des Lebens wird.

Womit ich in diesem Buch nur schwer zurechtkam, war der Schreibstil von Sabine Raml. Lea darf ihre Geschichte erzählen und schreibt, wie es ihr gerade in den Sinn kommt. Manchmal etwas unorganisiert, widersprüchlich und kopflos. Die Autorin lässt Lea in ihrem Handlungsgerüst der Geschichte viele Freiheiten. In einem einfach gehaltenen Schreibstil beginnt die literarische Hauptfigur ein Thema, ohne dieses zu beenden, bevor sie sich mit einem neuen beschäftigt. Lea liebt es, ihre eigenen Sätze sarkastisch zu kommentieren und ich habe mich oft während ihres inneren Monologes gefragt, warum sie das ständig tut. Vielleicht möchte sie sich mit Selbstironie etwas unangreifbarer machen, denn es tut ja nicht so weh, als würden andere über sie scherzen. In den ersten Kapiteln möchte Raml die Intensität einiger Sätze und ihrer Bedeutung verstärken, indem sie Lea bestimmte Wörter des Öfteren wiederholen lässt – wenn sie Liebeskummer hat, schreibt sie immer dreimal den Namen des Jungen hintereinander. Aber Lea reiht nicht nur dieselben Worte aneinander – bei ihren Aufzählungen benutzt sie auch immer denselben Satzanfang. Nach der zehnten Aufzählung hatte ich dann wirklich keine Lust mehr weiterzulesen, weil sie die Ursachen ihrer Probleme sehr ausschweifend schildert. Im Laufe der Geschichte legt sie diesen Stil jedoch ab und ich wurde für mein Durchhaltevermögen belohnt, und konnte mich intensiver auf die Handlung konzentrieren.

Sabine Raml hat in ihrem Debüt „Heldentage“ den Schwerpunkt deutlich auf Leas Persönlichkeit, den Umgang mit ihren alltäglichen Problemen und wie sie an ihnen wächst, gelegt. Alle anderen Protagonisten werden zwar sehr oft von Lea erwähnt, sie bleiben jedoch alle sehr blass und nehmen kaum an der Handlung teil. Hier blieb viel Potenzial ungenutzt.

„Heldentage“ von Sabine Raml ist eine Geschichte, die durch den brisanten Schwerpunkt und einem ausgefallenen und lockeren Schreibstil besonders jüngeren Lesern zu empfehlen ist.


Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek: Roman
Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek: Roman
von David Whitehouse
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine außergewöhnliche Geschichte, 26. Mai 2015
Ich bin ein Tagträumer. Wenn mir der Alltag etwas zu viel wird, gebe ich mich gerne Tagträumen hin und stelle mir die unmöglichsten Dinge vor. Meistens, wie es wäre, die Welt auf vier Rädern zu bereisen und fremde Länder zu entdecken. Natürlich dürfen bei so einer langen Reise meine Bücher nicht fehlen. Doch wie soll man diese bloß alle transportieren? Da wäre ein großer Bus mit einer integrierten Bibliothek die beste Lösung. Träume sind Schäume … nicht immer, denn in meiner letzten Lektüre durfte ich mit außergewöhnlichen Menschen in eben so einem Bus reisen und eine wunderschöne Geschichte erleben.

Bobby Nusku ist einer dieser außergewöhnlichen Menschen. Er ist ein sehr einsamer Junge, dessen Tageinhalt aus dem Sammeln von Haaren oder dem Ausschneiden von kleinen Stofffetzen aus der Kleidung seiner verschwundenen Mutter besteht. Fein säuberlich wird alles archiviert, um es ihr bei ihrer herbeigesehnten Rückkehr zu präsentieren. Seitdem sie fort ist, führt Bobby ein Leben als unsichtbarer Schatten seiner selbst, denn im Haus seines grobschlächtigen Vaters gilt es, jedem Ärger aus dem Weg zu gehen. Aber auch außerhalb dieses Hauses lebt Bobby ein Außenseiterleben. Nur die Freundschaft zu Rosa, einem Mädchen aus der Nachbarschaft, gibt ihm neuen Mut. Rosa hat all das, wovon er immer geträumt hat: eine liebevolle Mutter und einen Zugang zu einem Bus, der ihn überall hinfahren kann und der bis unter die Decke mit guten Büchern gefüllt ist. Doch in einem unaufmerksamen Moment verliert Bobby seine Fähigkeit sich unsichtbar zu machen und die Ereignisse überschlagen sich auf dramatische Weise. Seinen einzigen Ausweg sieht er in der Flucht vor seinem alkoholkranken Vater und seinem gewohnten Leben und begibt sich auf eine turbulente Reise quer durch England mit Rosa, ihrer Mutter und dem gestohlenen Bücherbus.

Wir Leser werden durch den imposanten und bildhaften Schreibstil von David Whitehouse zu einem stummen Reisebegleiter und erleben viele Höhen und Tiefen einer Schicksalsgemeinschaft von Menschen, die ihr bisheriges Leben auf der Schattenseite der Gesellschaft verbracht haben. In gewaltigen Kulissen erfahren wir, wie die divergenten literarischen Figuren während dieser Fahrt im Bücherbus zueinanderfinden, ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit miteinander teilen und jeden Tag etwas näher zusammenrücken. Auch wenn die Protagonisten allesamt sehr verschieden sind, vereinen sie zwei Tatsachen: Sie sind auf der Suche nach einem Zuhause, in dem sie geliebt werden und sie lieben wundervolle Geschichten. Deswegen ist „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ auch eine kleine Expedition durch viele Klassiker der Weltliteratur.

Nur schwer lässt sich die literarische Figur Bobby Nusku beschreiben, denn sein Charakter ist, wie bei allen Figuren in diesem Buch, sehr komplex und facettenreich gezeichnet. Zu Beginn wirkt Bobby Nuskus ungewöhnliches Benehmen etwas befremdlich, aber im Laufe der Geschichte erfährt man, warum er oft so unsicher und überspitzt agiert. Für Bobby ist diese Fahrt fast so etwas wie eine Reise zu sich selbst, denn er wächst an den vielen komplizierten Ereignissen, legt viele Eigenschaften, die ihm das Schicksal auferlegt hat, ab. Am Ende fühlt er sich nicht mehr wie ein Fremdkörper dieser Welt und erlaubt sich einfach, etwas glücklich zu sein.

„Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ ist eine sehr tiefgründige Geschichte von der Härte des Lebens und wie man ihr entfliehen kann. Durch seinen hervorragenden Schreibstil lädt Whitehouse den Leser in vielen Passagen zum Verweilen und zu einer tieferen Betrachtung ein.

Wenn eine Geschichte mit dem eigentlichen Ende beginnt, ist das für mich als Leser immer etwas schwierig. Schwierig, weil ich mich das Gelesenene während der ganzen Geschichte begleitet und ich etwas voreingenommen an das Geschehen und seine literarischen Figuren herangehe. Mich beschäftigt oft auch die Frage: Wie konnte es bloß zu diesem Ende kommen? Meist kann ich mich dann nur schwer auf das Geschehen konzentrieren, ohne es mit dem Ende zu vergleichen. In „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ erging es mir wieder einmal so. Doch am Ende kommt es dann anders, als ich es vermutet hatte.

„Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ von David Whitehouse ist trotz meines kleinen Kritikpunktes eine außergewöhnliche Geschichte über Freundschaft, das Leben, seine mühsamen Herausforderungen und wie man an ihnen wachsen kann.


Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt. Mein kaputtes Königreich: Folge 1 einer Trilogie. Gesprochen von Sandra Hüller. 2 CD. Laufzeit ca. 145 Min.
Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt. Mein kaputtes Königreich: Folge 1 einer Trilogie. Gesprochen von Sandra Hüller. 2 CD. Laufzeit ca. 145 Min.
von Finn-Ole Heinrich
  Audio CD
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach maultastisch!, 22. April 2015
Viele Leser greifen auf der Suche nach besonderen Helden meist nach fantastischen Romanen und dort werden unerschütterliche Kreaturen mit unmenschlichen Fähigkeiten zutage gebracht. Auch wenn ich gerne etwas über solche Helden lese, bleiben sie und ihre Fähigkeiten, für mich immer unerreichbar. Als mir vor einigen Monaten ein Hörbuch buchstäblich vor die Füße fiel, entdeckte ich eine ganz besondere Heldin, die für mich völlig nachvollziehbar und somit greifbar war - maulig, beharrlich und fantasievoll: Paulina Schmitt alias Maulina. Für Maulina fühlt sich, als hätte sie das Unglück gepachtet. Sie muss nicht nur die Trennung ihrer Eltern verarbeiten, sondern auch mit den Folgen zurechtkommen: Sie muss ihr geliebtes Königreich "Mauldawien", in dem sie hemmungslos maulen konnte, verlassen, um mit ihrer Mutter nach "Plastikhausen" zu ziehen. Ein trister und steriler Ort, an dem es scheinbar keine anderen Kinder, sondern nur ältere Erwachsene gibt. Hinzu kommt, dass sie nun auch noch auf eine neue Schule gehen muss. Für diese ganze Misere hat Maulina auch sehr schnell einen Schuldigen gefunden: ihren Vater, den sie seit der Trennung nur noch "den Mann" nennt. Doch es gibt auch noch viele andere Schauplätze, um die Paulina sich kümmern muss, denn in ihrem früheren Reich verschwinden immer wieder Katzen. Kurzum trommelt sie alle alten Freunde zusammen, um den Katzendieb zu stellen.

Paulina hat sich mit ihrem großen Mundwerk und ihrem Temperament den sehr passenden Spitznamen Maulina verdient. Nicht nur, weil sie maulen und toben kann wie keine andere, sondern auch, weil sie über einen ausgezeichneten Humor verfügt und ihren Kopf grandiose Ideen entspringen. Maulina besitzt einen außerordentlich starken Charakter und ist ein lebensfrohes Mädchen, aber nicht von der ewig grinsenden Sorte. Sie weiß, was sie vom Leben haben möchte, nimmt es sich und ist dabei trotzdem sehr empathisch. Doch wenn das Leben mal wieder nicht das tut, was es ihrer Meinung nach tun sollte, und Maulina mit ihrem Erfindungsreichtum am Ende ist, bleibt kein Stein auf dem anderen. Dann tobt und maultiert Maulina und entwickelt sich zu einer kleinen Naturgewalt. Eine kleine Heldin ist sie für mich, weil sie vom Leben oft auf eine harte Probe gestellt wird und sie trotz zahlreicher Schicksalsschläge nie ihren Mut und ihren vortrefflichen Humor verliert. Sie ist so wunderbar unterhaltsam und amüsant; jedoch gibt es auch viele Momente, in denen sie mich mit ihrem bewegenden Schicksal sehr berührt hat.

Die sehr lebendige Trilogie um Maulinas Abenteuer, Freundschaft und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens fällt vor allem durch den Stil des Autors und seine authentischen, originellen und facettenreichen literarischen Figuren auf. Kurze Kapitel werden durch viele Wechsel von tragischen und urkomischen Momenten mit vielen grandiosen Wortexplosionen von Maulina und geistreichen Dialogen geprägt. Maulinas Probleme sind wohl für die meisten Zuhörer nachvollziehbar, denn viele schlagen sich mit ähnlichen Sorgen herum. Wahrscheinlich findet Finn-Ole Heinrich deswegen auch so schonungslose Worte für seine schwierigen und doch alltäglichen Themen. Seine Herangehensweise an diese sensible Thematik war für mich neu, und zu aller erst habe ich mich gefragt wie Kinder diese Geschichte wohl aufnehmen werden. Aber was nützt es, diese eindringlichen Themen zu verschönen und zu verpacken, wenn Kinder doch ein sehr feines Gespür für die Wahrheit haben? Indem der Autor viele sehr bewegende Szenen mit einer riesigen Portion Wortwitz auflockert und dem Leser die Möglichkeit gibt, zwischen einzelnen und in sich abgeschlossenen Episoden zu verweilen, um durchzuatmen und das vergangene Kapitel nachwirken zu lassen, wird das Geschehen nie zu bedrückend.

Obwohl ich Geschichten meist in Form von gedruckten Büchern bevorzuge, empfehle ich jedem, der diese Geschichte in vollen Zügen genießen möchte, sich das Hörbuch zu kaufen. Oder, wie in meinem Fall, sich einfach beide Varianten ins Regal stellen. Entscheidet man sich für das Hörbuch, entgehen einem zwar die Illustrationen, die die einzelnen Kapitel zieren. Man bekommt dafür allerdings eine großartige Sprecherin, die mit ihrer Stimmgewalt dem gesamten Geschehen und Maulina Leben einhaucht. Man könnte sogar sagen, Sandra Hüller liest nicht nur diese Geschichte, sondern lebt sie und verstärkt somit ihre Bedeutung. Mal mit einer ruhigen und angenehmen Stimme und manchmal schnaubend und tobend oder gar maultierend. Hier kann man der Hörcompany nur zur ihrer Wahl der Sprecherin gratulieren.

Egal ob jung oder alt: Ich kann und muss jedem die bezaubernde, eindringliche und lustige Geschichte über Maulinas Leben, das aus den Fugen geraten ist, empfehlen. Sie ist eine Bereicherung für jedes (Hör)Bücherregal und ein wahrer Genuss für alle Sinne…


Schimmert die Nacht
Schimmert die Nacht
von Maggie Stiefvater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

4.0 von 5 Sternen Eine explosive Liebesgeschichte, 2. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Schimmert die Nacht (Gebundene Ausgabe)
Immer wenn ein neuer Roman von Maggie Stiefvater erscheint, muss ich nicht lange überlegen, ob ich ihn lesen werde. Denn ihre Bücher haben alle einen besonderen Charme und eine sehr eigene Stimmung, welche sich nur schwer in Worte fassen lässt und mich jedes Mal aufs Neue wieder begeistert. Man liest ein paar Seiten und wird durch wundervolle Sätze mit der Geschichte verwoben. In ihrem unverwechselbaren Stil erschafft und beschreibt sie mysteriöse Wesen, die im Laufe der Geschichte für den Leser zum Leben erwachen und ihn bis in seine Träume begleiten. Auch Stiefvaters literarische Figuren sind so tiefgründig gestaltet, dass sie auch nach dem Lesen lange präsent sind. Am intensivsten habe ich jedoch die „Nach dem Sommer“-Trilogie erlebt. Zum einen, weil sie mich mit ihren fantastischen Ideen überrascht hat. Und zum anderen, weil sie mich die tiefen Emotionen, die in diesen Büchern schlummern, am eigenen Leib spüren ließ. Am meisten war ich jedoch von den Menschen fasziniert, die sich in Wölfe verwandeln, wenn es kühler wird. Diese wirkten sehr real und nicht so platt wie in anderen Geschichten. Umso größer war die Freude, dass zu dieser Trilogie - mit „Schimmert die Nacht“ - ein Spin-off über das explosive Traumpaar Cole und Isabel erscheint. Allerdings zeigt sich Maggie Stiefvater in diesem Buch von einer ganz neuen Seite.

Wir Leser lassen Eis, Kälte und den Schnee aus Mercy Falls hinter uns, und reisen mit Cole ins sonnige Kalifornien. In L.A. möchte er seiner Musikkarriere neu beleben, ohne sich erneut an ein Label zu binden. Das ist aber nicht der einzige Grund, denn auch Isabel hat hier ein neues Leben begonnen, um die vergangenen tragischen Ereignisse hinter sich zu lassen. Cole möchte Isabel gerne wiedersehen, weil er sie nie ganz vergessen konnte. Er möchte ihr, mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, seine Liebe beweisen um dann zu einem festen Bestandteil von Isabels Lebens werden. Doch er ahnt schon, dass er mehr als nur seinen unwiderstehlichen Charme benötigt um sie von seiner Liebe zu überzeugen. Zu groß ist Isabels Furcht davor, dass Cole wieder zu dem Rockstar wird, der er mal war: Vollgepumpt mit Drogen und Alkohol. Sie hat sich geschworen, sich nie wieder in ihn zu verlieben. Aber wie heißt es so schön: Sag niemals nie!

„Schimmert die Nacht“ ist von der Stimmung und der Thematik deutlich von der Trilogie zu unterscheiden. Zum einen weil L.A. sonnig ist und förmlich vor Lebendigkeit pulsiert. Aber auch Cole verleiht diesem Buch einen anderen Charakter, weil er einfach anders ist, als der Rest des Rudels. Er verabscheut den Wolf ins sich nicht abgrundtief und nutzt die Verwandlung gerne um sich zu erden, um alles hinter sich zu lassen, wenn das Leben wieder mal zu viel wird. Er möchte nicht zu seinem alten, drogenabhängigen Ich werden und kämpft gegen seine Sucht, indem er seinen natürlichen, animalischen Urinstinkten folgt.

Wie gewohnt schreibt Maggie Stiefvater aus sich abwechselnden Perspektiven und der Leser bekommt so einen guten Einblick in das Gefühlschaos von Cole und Isabel. Die beiden Hauptprotagonisten kennt man bereits aus der „Nach dem Sommer“–Trilogie und zusammen mit Grace und Sam waren sie eine kontrastreiche Mischung. Allein konnten mich Cole und Isabel jedoch nicht komplett überzeugen. Zu sehr standen sich beide selbst im Weg und gaben ihren wahren Gefühlen nur sehr wenig Freiraum. Sie haben sich im Laufe der Jahre und nach den vergangenen Ereignissen hinter dicken Mauern verschanzt, um niemandem die Möglichkeit zu geben, ihnen zu nahe zu kommen oder sie gar zu verletzen. Nach außen wirken beide jedoch als könne sie nichts und niemand erschüttern. Coles Fassade schimmert cool und lässig - eben ganz der Rockstar. Und auch bei Isabel ist es ähnlich, allerdings wirkt sie etwas frostiger. Manchmal beißt der Leser sich wahrhaftig die Zähne an den beiden aus und muss lange auf tiefe Emotionen warten.

Maggie Stiefvater legt ihren Schwerpunkt deutlich auf die Psychologie ihrer manchmal sehr widersprüchlichen Charaktere. Für mich glich es einer Charakterstudie, bei der ich beide literarischen Figuren ergründen und viele ihrer Taten interpretieren musste, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Mir hat es manchmal großes Kopfzerbrechen aber auch großen Spaß bereitet, die Tiefe beider Hauptfiguren zu erfassen und zu begreifen.

Die etwas komplizierte und rasante Liebesgeschichte steht in „Schimmert die Nacht“ merklich im Vordergrund und in nur sehr wenigen Zeilen schimmerte das durch, was den Reiz dieser Geschichte für mich ausmacht: Coles dunkles und mächtiges Geheimnis. Der Wolf, den er gerne willkommen heißt, den er aber auch vor Isabel und allen anderen verstecken muss. Leider schildert Maggie Stiefvater hier immer nur Bruchstücke. Wahrscheinlich auch, weil Cole sich meist im Verborgenen verwandelt und danach keinerlei Erinnerungen hat.

Maggie Stiefvater hat in „Schimmert die Nacht“ eine ganz neue Seite von sich präsentiert. Die Autorin verwendet nur selten fantastische Elemente, die man es aus ihren anderen Romanen kennt. Dadurch verleiht sie der Geschichte etwas weniger von der düsteren Atmosphäre, lässt sie klarer wirken, sodass man auch ohne Vorkenntnisse bestens folgen kann. So erobert Stiefvater sicher einige neue Fans, die den realistischen Liebesgeschichten den Vorzug geben.


Eleanor & Park
Eleanor & Park
von Rainbow Rowell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wundervolle Geschichte, 25. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Eleanor & Park (Gebundene Ausgabe)
Es gibt Tage, an denen man das Gefühl hat, dass die eigene Stimmung sich nicht bessern kann. Es erscheint einem, als sei alles trist und grau in grau. Bei mir ist es im Moment der Winter, der mir gehörig auf meine Stimmung schlägt. Doch wie holt man sich vorzeitig den Frühling ins Haus, wenn man einen Kater hat, der sämtliche Blumen vernichtet? Ganz einfach! Man liest Bücher wie „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell und erlebt eine intensive Liebesgeschichte. Diese Geschichte war wie ein Antidepressivum für mich. Allerdings muss man sich bei dieser Lektüre auf einige Nebenwirkungen einstellen. Selbst John Green wurde von diesen Nebenwirkungen überrascht und meint: "Dieser großartige Roman erinnert mich nicht nur daran, wie es ist, jung und verliebt in ein Mädchen zu sein, sondern auch daran, wie es ist, jung und verliebt in ein Buch zu sein." Und vortrefflicher hätte ich es nicht ausdrücken können.

Die Geschichte beginnt mit einer Szene, die sich wohl sehr oft in den Schulbussen der ganzen Welt abspielt: Ein pummeliges Mädchen betritt den Bus. In diesem Fall heißt sie Eleanor und fährt zum ersten Mal mit. Obwohl es genügend freie Plätze gibt, will sie keiner neben sich haben. Schon ihre Kleidung signalisiert, dass sie ein Mädchen ist, auf dem man gut rumhacken kann. Der zurückhaltende Park macht schließlich dann doch den Platz neben sich frei, obwohl es ihm äußerst unangenehm ist, neben Eleanor zu sitzen. Demonstrativ liest Park seine Comics und ist froh, von ihr ignoriert zu werden. Allerdings sitzt sie nun jeden Tag neben ihm und beginnt irgendwann seine Comics mitzulesen. Es entwickelt sich zunächst langsam eine Art stummer Dialog zwischen den beiden. Und dann wächst jeweils die Neugier auf die Person neben sich und beide beginnen, sich auszutauschen. Über Musik, Comics und ihre Vorlieben.
Bei Lesen dieser berührenden Annäherung erlebte ich jede noch so kleine Geste so intensiv, als säße ich zwischen diesen beiden. Es war fast so, als würden sie ihre Emotionen mit mir teilen.

Die literarischen Hauptfiguren sind sehr interessant gestaltet worden. Besonders Eleanor ist mir sehr ans Herz gewachsen. Anfangs habe ich mich oft gefragt, warum sie so ist, wie sie ist. Warum wehrt sie sich nicht gegen die fiesen Mobbing-Attacken ihrer Mitschüler und warum trägt sie so merkwürdige Kleidung? Nach einigen gelesenen Seiten entdeckt man hinter den dicken Mauern, die Eleanor sich zu ihrem eigenen Schutz errichtet hat, den wahren Charakter dieses Mädchens und mit ihm viele Geheimnisse, die es lieber nicht preisgeben möchte. Für Park ist es etwas schwieriger, denn er muss diese dicke Mauer erst zum Bröckeln bringen. Mit jedem Bröckchen bemerkt auch er, was für ein wundervoller Mensch dahinter gefangen ist.

Bevor wir Leser die beiden literarischen Hauptfiguren kennenlernen, werden wir in die 80er-Jahre zurückversetzt. Für viele junge Leser wird es wohl ein Kulturschock sein, dass die Protagonisten gänzlich ohne Handys, Mp3-Player und Computer auskommen. Stattdessen bespielen sie Kassetten mit ihrer Lieblingsmusik und lassen so das Flair der 80er wieder aufleben.

Rainbow Rowell hat mit „Eleanor & Park“ eine unvergessliche Geschichte über zwei Außenseiter geschrieben, die wie aus dem Leben gegriffen wirkt. Eine Geschichte, die über viele Vorurteile gegenüber Fremden berichtet. Sie schildert, was geschieht, wenn man sich die Mühe macht, einen für sich fremden und vielleicht ein wenig sonderbaren Menschen etwas besser kennenzulernen. Rowell beschreibt mit einem sehr eindringlichen Stil die Entwicklung dieser besonderen Beziehung zwischen Eleanor und Park. Ihre liebenswerten und authentischen Figuren brennen sich dem Leser ins Herz und lassen ihn auch nach dem Lesen nicht mehr los.

In diesem Buch stecken so viele wunderschöne Sätze und ich habe mir etliche notiert. Nichtsdestotrotz werde ich hier keinen einzigen davon zitieren: ich konnte mich einfach nicht für einen entscheiden - denn alle sind wundervoll. Deswegen müsst ihr sie selbst finden...

Und wenn euch eines Tages jene trübe Stimmung erwischt, solltet ihr unbedingt dieses Buch zur Hand nehmen. Lest es Buch und verliebt euch in eine wundervolle und berührende Geschichte und ihre umwerfenden literarische Figuren.


Vampire Academy: Schicksalsbande
Vampire Academy: Schicksalsbande
von Richelle Mead
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Ein solides Finale zu einer empfehlenswerten Reihe, 22. März 2015
3,5 Sterne

Verändert sich der Lesegeschmack eines Menschen im Laufe der Zeit? Genau das beschäftigt mich seit meiner letzten Lektüre. In den letzten Monaten sind die wenigen Minuten, die mir zum Lesen bleiben, besonders kostbar. Deshalb griff ich zu einem Buch, das schon sehr lange auf mich wartet und auf das ich mich besonders gefreut habe. Als eine Art Belohnung für die letzten Buch-freien Monate. „Vampire Academy – Schicksalsbande“ von Richelle Mead stand geduldig seit dem Erscheinungstermin in meinem Regal. Diese Reihe gehörte zu meinem absoluten Lieblingsreihen … vor 4 Jahren. Und das Finale sollte in einem ganz besonderen Moment gelesen werden. Liebhaber von Jugendbuch-Reihen werden „Vampire Academy“ kennen. Für alle, die sie jedoch nicht kennen, möchte ich sie kurz vorstellen, ohne zu viel zu verraten:

Die Vampire Academy (St. Vladimir’s) ist eine Schule für junge Vampire. Hier werden Dhampire - halb Mensch, halb Vampir - zu Wächtern ausgebildet um die meist royalen Moroi - die herrschenden Vampire – zu beschützen. Rose Hathaway ist eine Schülerin, die in St. Vladimir ausgebildet wird, um ihre beste Freundin Lissa, der letzten Überlebenden der Vampirfamilie Dragomir, zu beschützen. Im Laufe ihrer gemeinsamen Schulzeit passieren viele mysteriöse Dinge. Und es scheint fast so, als hätte es jemand auf Lissas Leben abgesehen. Rose ahnt, dass diese Ereignisse nicht zufällig passieren, und vertraut sich ihrem Lehrer Dimitri an … Nicht ohne Folgen.

Die 6–teilige Reihe vereint viele Details, die für mich als Leser wichtig sind. Alle Bände bestechen durch ihre handlungsreiche und spannungsgeladene Handlung, die nie zu platt wirkt durch ihre authentischen Figuren, die den Leser binnen kürzester Zeit für sich einnehmen. Das Sahnehäubchen ist die Liebesgeschichte. Richelle Mead lässt es buchstäblich zwischen den Seiten knistern, ohne ins Kitschige abzuschweifen. Ich habe alle Bände voller Begeisterung hintereinander verschlungen -bis auf den letzten. Der wartete, wie schon erwähnt, in meinem Regal auf einen besonderen Moment. Und dieser Moment war nun gekommen. (Alle, die diese Reihe noch nicht kennen, sollten hier mit dem Lesen aufhören um nicht gespoilert zu werden.)

Ich konnte es kaum erwarten, in die Welt der kämpferischen Dhampire und der royalen Moroi abzutauchen. Gespannt war ich vor allem auch, wie die besondere Liebesgeschichte von Dimitri und Rose weitergeht. Die Geschichte setzt nahtlos dort an, wo sie im 5. Band aufgehört hat: Rose' Leben ist ein riesiger Scherbenhaufen. Dabei war sie überzeugt davon, dass alles endlich gut werden würde, nachdem sie Dimitri von der Seite der Strigoi zurückholen konnte. Nun wird sie am königlichen Hof festgehalten, denn die Königin der Moroi-Vampire wurde ermordet und die Hauptverdächtige ist keine andere als Rose. Die Beweise gegen sie sind sehr belastend und es findet sich kaum jemand, der an ihre Unschuld glaubt. Doch wie soll man seine Unschuld beweisen, wenn man selbst im Gefängnis ist?

Wir Leser begleiten Rose im finalen Teil „Schicksalsbande“ auf der Suche nach Beweisen für ihre Unschuld. Und wer Rose kennt, weiß, dass sie ein Magnet für unvorhergesehene Komplikationen ist. Was für den Leser sehr unterhaltsam ist und die Handlung immer wieder vorantreibt, ist für Rose sehr kräfteraubend. Auch die Begegnungen mit Dimitri.

Richelle Mead hat ihren Schreibstil beibehalten. Sie verzichtet auf die Beschreibung von bildgewaltigen Kulissen zugunsten von spektakulären Kämpfen. Mead macht es dem Leser sehr leicht über die Seiten zu fliegen und doch hat mir etwas gefehlt. Es gab kaum überraschende Szenen. Und was mir am allermeisten gefehlt hat, weil es den besonderen Reiz dieser Bücher für mich ausgemacht hat, war das Knistern zwischen Dimitri und Rose. Kein Aufseufzen zwischen den Kapiteln, kein Mitfiebern und Schmachten. Neu war, dass man in die Handlung fast ausschließlich aus Rose' Perspektive erlebt. Die Ereignisse um Lissa erfährt man nur durch das Band, das Rose und Lissa miteinander verbindet. Obwohl sie für die Handlung wichtig ist, hätte ich sehr gerne auf diese Sichtweise verzichtet. Denn die Geschehnisse um Lissa habe ich als sehr träge und monoton empfunden. Da diese Szenen von der Autorin aber kurz gehalten wurden, geriet die Handlung kaum in Stocken. Am Ende konnte ich das Buch, trotz einiger Schwächen, zufrieden zuklappen.

Richelle Mead hat mit „Schicksalsbande“ ein solides Finale zu ihrer Vampire Academy abgeliefert. Jedoch scheint es fast so, als wären der Autorin ihre sonst so innovativen Ideen ausgegangen. Vielleicht bin ich aber auch mit den Jahren etwas kritischer geworden und würde heute die gesamte Geschichte anders empfinden.

Alle, die von dieser Reihe nicht genug bekommen können, sollten sich die "Bloodlines" Reihe etwas genauer ansehen. Hier wird die Geschichte von einigen interessanten Charakteren weitererzählt.


Nur ein Tag  (CD): Hörspiel, ca. 45 Min.
Nur ein Tag (CD): Hörspiel, ca. 45 Min.
von Martin Baltscheit
  Audio CD
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bezauberndes Hörspiel ..., 22. Dezember 2014
Was, wenn man nur einen einzigen Tag hätte ...

Bei einigen Menschen fragt man sich, was diese eigentlich nicht beherrschen. So ergeht es mir mit Martin Baltscheit. Denn alles, was dieses Multitalent hervorbringt, ob nun als Sprecher, Illustrator, Autor, als Regisseur oder Schauspieler, begeistert ein großes Publikum und wird nicht selten mit vielen Preisen überschüttet. Kürzlich gewann er wieder einen Preis: hr2 - Hörbuch des Jahres 2014 im Kinderbuchbereich für sein Hörspiel „Nur 1 Tag“. Das Hörspiel, das ursprünglich ein Theaterstück für Kinder war, beschäftigt sich mit den sehr bedeutsamen und ernsteren Themen Leben und Sterben.

Schon bevor die kleine Eintagsfliege geschlüpft, ahnten das Wildschwein und der Fuchs, dass es besser gewesen wäre abzuhauen. Jetzt sitzen sie mächtig in der Patsche. Denn wie soll man so einem frisch geschlüpften und bezaubernden Wesen beibringen, das sein ganzes Leben schon nach einem Tag vorüber sein wird? Und weil diese kleine Eintagsfliege einfach zu reizend ist, können sich beide nicht einmal mehr heimlich aus dem Staub machen. Aber die Wahrheit möchte auch niemand aussprechen und so stammeln Wildschwein und Fuchs eine kleine Notlüge, die es allen etwas leichter machen soll: Der Fuchs würde den heutigen Tag nicht überleben, weil alle Füchse nie länger als einen Tag leben. Sehr gerührt beschließt die frisch geschlüpfte Fliege den Fuchs wieder etwas glücklicher zu machen und plant sein kurzes Leben inklusive dem ganz großen Glück.

Als ich von diesem Hörspiel las, war ich sehr gespannt darauf, wie man diese bedeutungsschweren Themen verpacken muss, um sie Kindern etwas näher zu bringen, ohne sie zu verstören. Ich glaube, Kinder werden in ihrer Wahrnehmung oft unterschätzt. Und gerade deswegen muss man sensible Themen wie Sterben und Tod plausibel erklären. Martin Baltscheit tut dies auf spielerische Art, wie mit diesem Hörbuch, in dem er drei skurrile und liebenswerte Figuren eine ganz besondere Geschichte erzählen lässt.

Das Hörspiel „Nur 1 Tag“ verknüpft drei Schicksale miteinander und zwingt die Hauptcharaktere, sich miteinander zu arrangieren. Die Geschichte wird von der manchmal etwas komplizierten aber sehr lebhaften Schicksalsgemeinschaft bereichert. Denn jeder dieser drei divergenten Charaktere bringt seine persönlichen Eigenheiten mit und doch sind sich alle drei einem Punkt sehr ähnlich: Sie wollen das Leben in vollen Zügen genießen.

Es wird nichts beschönigt oder ausgeschmückt und doch bekommt man nie das Gefühl, die Handlung sei zu drückend. Manchmal wird es im Geschehen sehr poetisch und manchmal dominiert ein metaphorischer Stil. Viele dieser Szenen laden zum Verweilen und Nachgrübeln ein, weil sie immer eine tiefere Bedeutung haben. Aufgelockert werden diese Momente meist von sehr klaren, manchmal etwas ruppigen und wiederum sehr amüsanten Unterhaltungen der Protagonisten und einer großen Portion Situationskomik.

Die drei Sprecher dieses Hörspiels wurden meiner Meinung nach mit viel Geschick ausgewählt. Jeder von ihnen hat seiner Figur Leben eingehaucht und ihm gewisse Charakterzüge verliehen, die die naturgegebenen Unterschiede sehr verdeutlichen. Martin Baltscheit spricht den Fuchs. Durch die Flexibilität seiner Stimme wirkt dieser Charakter etwas unruhig und amüsant, aber sehr gerissen. Charly Hübner leiht dem Wildschwein seine tiefe und geruhsame Stimme, die ihm etwas sehr Liebenswertes gibt. Am meisten hat mich jedoch Annett Louisan als Eintagsfliege überrascht. Bis jetzt habe ich ihre Stimme nur in ihren Songs wahrgenommen und fand diese ein wenig schrill. Als kleine Eintagsfliege konnte sie mich mit sehr harmonischen und sanften Tönen überraschen.

„Nur 1 Tag“ ist ein bezauberndes Hörspiel, das mit viel Gefühl geschrieben und von allen Akteuren vortrefflich umgesetzt wurde.


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