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Rezensionen verfasst von
Melville

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Helplessness Blues
Helplessness Blues
Preis: EUR 9,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioser Nachfolger - Album des Jahres, 10. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Helplessness Blues (Audio CD)
Mit "Helplessness Blues" knüpfen die Fleet Foxes nahtlos an ihr großartiges und immens erfolgreiches Debütalbum an, ohne jedoch auf der Stelle zu verharren. Noch immer beherrschen wunderbar mehrstimmige Harmoniegesänge die meisten Songs, verzücken die Melodien schon beim ersten Hören. Doch hier ist alles noch etwas ausgefeilter und ambitionierter. Die Instrumentierung reichhaltiger und verspielter, die Klangteppiche dichter, was dann z.B. in dem lustvoll verspielten Instrumentalsong "The Cascades" gipfelt. Fleet Foxes überzeugen durch sehr komplexe Arrangements, durch eine harmonische Vielstimmigkeit, die eben auch ganz ohne Gesang noch funktioniert und den Hörer verzaubern kann.

Der eigentliche Genuss aber, und fast schon unverschämte Überfluss der Fleet Foxes sind natürlich ihre perfekt vorgetragenen Harmoniegesänge, die den Hörer ahnen lassen, wie in der Musik selbst vor langer Zeit einmal alles angefangen haben muss; und wie bezaubernd und mitreißend vermeintlich schlichte Musik sein kann, in welcher der reine Gesang in den Vordergrund rückt.

Einen schlechten Song wird man auf diesem Album nicht finden, freilich aber hat jeder seine ganz persönlichen Lieblingstracks. Meine Favoriten sind: "Battery Kinzie", "Helplessness Blues", "Grown Ocean" und "The Plains / Bitter Dancer". Und dann gibt es da noch das Herzstück des Albums - das 8 Minuten lange, ziemlich wilde und unfassbar schöne "The Shrine / An Argument". Ein Anwärter auf den Song des Jahres.

Seit über einem halben Jahr schon läuft das Album bei mir rauf und runter. Im Gegensatz zu vielen anderen Alben, an denen man sich mit der Zeit satt gehört hat, oder viele Songs nach mehrmaligem Hören herausfallen, kann man sich an den Fleet Foxes gar nicht satt genug hören. Es ist vor allem eine so angenehm entspannte Hörerfahrung, dass man ihr zu allen Stimmungslagen lauschen kann und möchte. Musik, die einen selbst an schlimmen Tagen niemals nervt, die einen stattdessen tröstet und aufrichtet und belebt. Und was mehr kann man von Musik verlangen?


Black Swan [Blu-ray]
Black Swan [Blu-ray]
DVD ~ Natalie Portman
Wird angeboten von cook29
Preis: EUR 16,48

29 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anmutiger Tanz in die Finsternis, 24. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Black Swan [Blu-ray] (Blu-ray)
Mein erster Eindruck, als der Abspann über die Leinwand rollte, als sich erst zögerlich von einzelnen Seiten Beifall erhob und schließlich immer mehr einstimmten, und mir selbst Tränen in den Augen standen und ich am ganzen Laib zitterte, war in etwa: Ach du Scheiße! oder auch: Oh mein Gott!

Da sich hiermit kaum jemand begnügen dürfte, möchte ich etwas ausführlicher auf das einmalige Seh- und Hörerlebnis namens Black Swan eingehen. Zunächst einmal zum eigentlichen Inhalt, straff zusammengefasst, denn man sollte sich diesen Film mit möglichst wenig Vorwissen zu Gemüte führen. Erzählt wird die Geschichte von Nina (Natalie Portman), einer jungen und aufstrebenden Ballerina aus New York City, die noch immer bei ihrer Mutter (Barbara Hershey) wohnt, welche früher selbst Ballerina war. Als der neue künstlerische Leiter Thomas Leroy (Vincent Cassel) auf die Bühne tritt, und eine Neuinszenierung von "Schwanensee" ansteht, winkt Nina endlich die seit Jahren erhoffte große Hauptrolle und der Durchbruch. Allerdings verlangt es die Rolle der Schwanenkönigin, dass die Ballerina den weißen als auch den schwarzen Schwan spielt, was der neue Leiter ihr nicht zutraut, denn dazu fehlt es ihr an Sinnlichkeit und Verführungskraft. Zudem droht noch Konkurrenz durch eine neu eingetroffene Tänzerin namens Lily (Mila Kunis), welche ihr die Rolle streitig zu machen droht. So beginnt Ninas unaufhaltsamer Abstieg in die Finsternis.

Black Swan ist eine faszinierende Kombination aus Ballettdrama und Horrorelementen, an dessen Ende man kaum noch weiß, was Wirklichkeit ist und was nicht. Im Grunde geht es jedoch nicht so sehr darum, alles zu durchschauen, sondern mitzuerleben, wie sich Nina unaufhaltsam in einer Welt aus Wahnsinn, Psychosen und Furcht verliert. Hinzu kommen die Themen der sexuellen Reife und ihrer Unterdrückung (mit einigen durchaus expliziten Szenen), die Zwiespältigkeit eines jeden Menschen in seiner guten und seiner bösen Seite, und die totale künstlerische Selbstaufopferung für das Streben nach Perfektion. Keine leichte Kost, und ganz bestimmt auch kein Gute-Laune-Film. Stattdessen knappe zwei Stunden, in deren Verlauf bis hin zum überwältigenden Ende keinerlei Kompromisse gemacht werden.

Regisseur Darren Aronofksy hat abermals mit bescheidenen Mitteln und einem begrenzten Budget (13 Mio. $) einen so ungewöhnlichen wie scheinbar sperrigen Film geschaffen, der sich entgegen aller Erwartungen als kleines Boxoffice-Wunder entpuppte und auf dem besten Weg ist, allein in den USA über 100 Mio. $ einzuspielen. Keine geringe Leistung, aber mit Geringem gibt sich der Macher von "Requiem For A Dream", "The Fountain" oder "The Wrestler" ohnehin nicht zufrieden. Black Swan ist eine Mischung aus seinen vorigen Filmen. Düster, verstörend, bisweilen alptraumhaft, ganz auf den Protagonisten fokussiert, hinzu kommen nun noch weitere Komponenten: Anmut, Grazie, Schönheit.

Gedreht wurde der Film ausschließlich mit Handkameras, aber die Bilder sind keineswegs hektisch oder verwackelt wie in vielen Actionfilmen, sondern elegant, grazil und vor allem bei den zahlreichen Tanzszenen mittendrin im Geschehen, was wiederum auch den Zuschauer mitten in die aufwendig choreographierten Tänze reißt. Hinzu kommen viele erlesene Einstellungen, oft noch verstärkt durch den konsequenten Einsatz von Schwarz-Weiß-Motiven oder Spiegeln. Nichts wurde bei den verschiedenen Sets dem Zufall überlassen, jedem noch so kleinen Element kommt eine Symbolik zu. Und die Musik! Tschaikovskys weltberühmte Komposition lauert mal wie ein Schatten im Hintergrund, tritt dann wieder gewaltig und markerschütternd in den Vordergrund. Ein Augen- und Ohrenschmaus also.

Nun aber zu der einen Komponente, die nicht nur den ganzen Film beisammen hält, sondern überhaupt erst so intensiv und glaubwürdig macht. Natalie Portman in der Hauptrolle liefert hier eine derart schonungslose, bravouröse, ja schlicht phänomenale Leistung ab, dass man sich schon sehr bemühen muss, überhaupt noch angemessene Superlativen für ihre Darstellung zu finden. Sie brilliert in den vielen kleinen, stillen Momenten des Films (beispielsweise der Anruf bei ihrer Mutter, nachdem sie die Rolle der Schwanenkönigin bekommen hat). Sie staffiert ihre Figur mit so vielen Nuancen aus, und meistert hierbei das ganze Repertoire zwischen hellster Freude und tiefster Erschütterung so spielerisch...es ist eine schauspielerische Offenbarung. Und wenn sie dann zum Ende hin ihre Wandlung vollzieht und das Ballettstück endlich aufgeführt wird, lässt sie auch diese kaum noch zu überbietende Brillianz hinter sich und erklimmt schauspielerische Höhen, welche nur sehr selten erreicht werden. Ganz abgesehen davon, dass sie sich auf ihre Rolle über ein Jahr akribisch vorbereitet, den Großteil ihrer Szenen selbst getanzt, und sich auf ein fast beängstigendes Gewicht runter gehungert hat. Wie gesagt, nicht weniger als eine Offenbarung.

Der restliche Cast steht klar in ihrem Schatten, was in diesem Fall aber immer noch bedeutet, dass auch Mila Kunis, Barbara Hershey und vor allem Vincent Cassel grandios aufspielen. Sie reihen sich mühelos in eine exquisite und vollkommene Komposition ein.

Black Swan ist einer jener Filme, die bestimmt nicht allen gefallen werden. Hierfür wagt der Regisseur zu viel, ist seine Vision stellenweise zu unangenehm, verlangt dem Zuschauer zuviel ab. Andere Filme werden in diesem Jahr wohl mehr Auszeichnungen einheimsen, da sie weit weniger Angriffsflächen bieten und im Rahmen bleiben. Filme auf die sich die meisten einigen können und an denen es wenig auszusetzen gibt. Black Swan liefert jedoch meiner Meinung nach das sehr viel beeindruckendere Seherlebnis ab, nämlich ein bewegendes und unvergessliches Stück Kunst, dass einen daran erinnert, warum man das Kino und die Filme liebt. Was scheinbar auch andere so empfanden. Nach langer Zeit habe ich mal wieder einer Filmaufführung beigewohnt, zu deren Abspann Beifall geklatscht wurde.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2011 1:44 PM CET


The Social Network (2-Disc Collector's Edition)
The Social Network (2-Disc Collector's Edition)
DVD ~ Jesse Eisenberg
Wird angeboten von RAPIDisc
Preis: EUR 13,90

13 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselnde Geschichte von Aufstieg und Fall, 13. November 2010
Als vor nicht allzulanger Zeit bekannt wurde, dass es sich beim nächsten Projekt vom Ausnahmeregisseur David Fincher um die Ursprünge von Facebook und dessen Gründer Mark Zuckerberg handeln würde, war erst einmal Ratlosigkeit angesagt. Solch ein Unterfangen klang einfach nicht sonderlich prickelnd, und es setzte schon ein wenig Vertrauen in Finchers Fähigkeiten und seinen zielsicheren Geschmack voraus, um sich für all das begeistern zu können. Glücklicherweise ist Fincher bei der Auswahl seiner Projekte äußerst sorgfältig, und nichts anderes erwartet man von dem Macher von Sieben, Fight Club und Zodiac.

The Social Network ist ein Film unserer Zeit. Kommunikation erfolgt heutzutage über allerlei technische Errungenschaften. Weltweit kommunizieren unterschiedlichste Menschen miteinander, doch der technische Fortschritt hat auch seine Schattenseite. Spannender noch ist die Frage, welch menschliche Opfer eine solch sagenhafte Erfolgsgeschichte wie die von Facebook erfordert. Nicht umsonst heißt es schon im Trailer: "Man kommt nicht zu 500 Millionen Freunden, ohne sich nicht ein paar Feinde zu machen".

Aufs Wesentliche reduziert, handelt The Social Network nicht zwangsläufig von Facebook selbst, sondern vielmehr von der Gründung durch Mark Zuckerberg und seinem ganz persönlichen Weg zum jüngsten Milliardär aller Zeiten als Inhaber eines 500-Millionen-Benutzer umfassenden Dienstleistungsgiganten. Nicht nur ist ein solcher Weg steinig, sondern auch ein moralischer Prüfstein für alle Beteiligten. Zuckerberg wird als weltfremder Kauz, als Egozentriker und Unsympath dargestellt, der sich zunehmend isoliert und für den man am Ende sogar Mitgefühl empfindet.

Als geniales Gespann erweist sich Fincher in Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Aaron Sorkin. Die Dialoge sind messerscharf, voller Zündstoff und kluger Beobachtungen, und von den Darstellern in einem atemlosen Tempo vorgetragen. Das Drehbuch gehört zu den Besten, dass je verfasst wurde. Angemerkt werden muss noch, dass sich Sorkin einige künsterlische Freiheiten erlaubt hat zugunsten einer besseren Dramatik (z.B. die Anfangssequenz ist komplett erfunden).

Vor der Kamera hat sich ein beeindruckender Cast versammelt. Jesse Eisenbergs Verkörperung von Zuckerberg ist bis hinein in die letzte Faser perfekt. Andrew Garfield spielt sich als gutgläubiger Freund in die Herzen der Zuschauer und wird zukünftig immerhin Spiderman verkörpern. Justin Timberlake stellt einmal mehr seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis. Rooney Mara als Ex-Freundin ist ebenso wunderbar, und hat Fincher so gut gefallen, dass er sie gleich als Lisbeth Salander für sein nächstes Projekt besetzt hat. Alles in allem eine überzeugende, junge Darstellerriege.

Zusammen mit dem energetischen Elektro-Soundtrack und der virtuosen Hand Finchers entsteht so ein Film, der einen vom Auftakt bis zum Abspann mitreißt und nicht eine Sekunde langweilt. Einer der besten Filme des Jahres, dem bei der Oscarverleihung einige Trophäen winken. Ein Film, der auf dem Papier schrecklich langweilig klingt, in bewegten Bildern umgesetzt jedoch nicht enttäuschen wird. Versprochen!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2011 8:56 PM CET


Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
DVD ~ Michael Cera
Preis: EUR 4,99

43 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Durchgeknalltes Comic-Spektakel, 8. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (DVD)
Um das Mädchen seiner Träume zu bekommen, muss Scott Pilgrim ihre 7 teuflischen Ex-Freunde besiegen. Wem diese Prämisse ziemlich verrückt und absurd erscheint, und dennoch oder gerade deshalb interessiert ist, einen Blick in diesen Film zu wagen, dem sei dies ausdrücklich ans Herz gelegt. Einen wilderen, abgefahrerenen und unterhaltsameren Film wird man so schnell nicht finden.

Doch der Reihe nach. Scott Pilgrim ist eine von inzwischen unzähligen Comic-Verfilmungen. Klar, die Ausgangsidee ist herrlich bekloppt und vielversprechend, aber eine zündende Idee rettet noch keinen Film über die volle Distanz. Scott Pilgrim funktioniert deshalb so wunderbar, weil der ganze Film als eine Mischung aus Comic und Videogame inszeniert ist. Das geht dann weit über die Kämpfe zwischen Scott und seinen Widersachern hinaus. Bildausschnitte sind mit Texten belegt, physikalische Gesetze und die uns bekannte Logik außer Kraft gesetzt, Schnitte und Zooms sind so abenteuerlich wie furios, der Soundtrack und die übertriebenen Soundeffekte bilden einen fetzigen, mitreißenden Klangteppich. Eine ganze Welt also, die innerhalb ihrer Grenzen tatsächlich funktioniert und die Eigenarten von Comics und Videogames mit einem Augenzwinkern auf die Leindwand transportiert.

Natürlich kann all das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film an sich ohne tieferen Sinn daherkommt. Aber wen kümmert das schon, wenn er hierbei so perfekt unterhält, auf so irrwitzige Weise übertreibt und den Zuschauer von einem verrückten Setting zum nächsten jagt?

Mehr soll an dieser Stelle nicht gesagt werden, denn es ist kaum möglich, den Irrwitz dieses Films angemessen in Worte zu kleiden. Wer über diese Rezension auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich unbedingt den Trailer ansehen, um einen noch genaueren Eindruck zu erhalten. Vielleicht genügt es aber schon zu wissen, dass es sich bei dem Regisseur um Edgar Wright handelt, welcher uns bereits den Kultfilm "Shaun Of The Dead" beschert hat.

Ein großer Spaß.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 10, 2010 2:46 PM CET


Der Ghostwriter
Der Ghostwriter
DVD ~ Ewan McGregor
Preis: EUR 6,49

50 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmender Polithriller, 25. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Ghostwriter (DVD)
"Der Ghostwriter" ist ein ruhiger, abgründiger Politthriller. Weder beginnt er spektakulär, noch endet er spektakulär. Und dennoch erzeugt er von der ersten Minute an eine unterschwellige Spannung, die den Zuschauer wie ein Sog mit sich zieht.

Welch spektakulären Zündstoff enthalten die Memoiren des Ex-Premierministers Adam Lang? Wie ist der Vorgänger des Ghostwriters ums Leben gekommen? Welche Rolle spielt die Ehefrau des Ministers? Warum verfrachtet man den Ghostwriter für die Wochen des Schreibprozesses auf eine abgelegene Insel? Warum bedrängen ihn all die zwielichtigen Gestalten? All diese und mehr Fragen drängen sich auf, und werden zum Ende hin logisch und stimmig aufgelöst. Keine abstrusen Twists, sondern die konsequente Zusammenführung zuvor gestreuter Hinweise.

Wer Polanskis Filme kennt, weiß dass man auch hier ein wenig Geduld mitbringen muss. Wer auf rasant geschnittene Thriller, Verfolgungsjagden im Minutentakt und ähnlichem steht, könnte sich hier schnell langweilen.
Die Inszenierung ist ruhig, viele Details und Unstimmigkeiten werden nur subtil angedeutet, und es dauert ein wenig, bis der bald dramatische Handlungsverlauf so richtig in Schwung kommt. In diesem Sinne ist es ein fast schon altmodischer Film, was das Sehvergnügen aber keineswegs schmälert. Auch die finale Filmszene beantwortet zwar die noch offen stehenden Fragen, ist aber zugleich wieder so ambivalent und bitterböse, dass sich neue Fragen auftun und einen noch über den Abspann hinaus beschäftigen. So sollte es auch sein.

Handwerklich ist der Film auf höchstem Niveau umgesetzt. Meisterregisseur Roman Polanski zieht im Hintergrund mit sicherer Hand und viel Feingefühl die Strippen. Vor der Kamera glänzen Ewan McGregor, Pierce Brosnan und Olivia Williams in ihren jeweiligen Rollen. Optisch ist der ganze Film in düsteren und bedrückenden Grau- und Blautönen gehalten. Alle Handlungsorte stehen in einem diffusen Licht, was auch die zwiespältigen Charaktere unterstreicht.

Kein Popcorn-Kino, kein Film den man sich mal eben zur reinen Unterhaltung anschaut. Stattdessen ein tiefgründiger, spannender und nachdenklich stimmender Politthriller. Und das wiederum ist ja dann für manche auch perfekte Unterhaltung.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 3, 2011 10:49 PM MEST


Solitary Man
Solitary Man
DVD ~ Michael Douglas
Preis: EUR 7,25

11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Passabler Mix aus Komödie und Drama, 25. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Solitary Man (DVD)
Ben Kalman, ehemaliger Chef einer Autohauskette und notorischer Schürzenjäger steuert nach seiner Entlassung unaufhaltsam von Unglück zu Unglück, ohne ein Fettnäpfchen auszulassen. Hin- und hergerissen zwischen der Verantwortung, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, und der ewigen Versuchung junger Frauen, steht sich Kalman immer wieder selbst im Weg.

Zwar wird "Solitary Man" als Komödie beworben, bis auf einzelne Ausnahmen ist er jedoch nicht wirklich humorvoll. Hierfür sind viele Szenen zu ernst, die Dialoge nicht spritzig genug, und das Tempo insgesamt zu behäbig. Was dem Film jedoch wunderbar gelingt, ist die Demontage des alternden Womanizers, dem hier eben nicht alles gelingt, der nicht jede Frau ins Bett bekommt, und der auch die Erkenntnis über sein fortgeschrittenes Alter nicht ewig aufschieben kann.

Michael Douglas in der Hauptrolle trägt den Film souverän auf seinen Schultern. Seine Darstellung ist überzeugend und nuanciert, was nicht weiter wundert: Tatsächlich gehört er zu den wenigen Schauspielern, die noch nie eine schlechte Darstellung abgeliefert haben. Auch die Nebenrollen sind hochkarätig besetzt: Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon als seine Ex-Frau, Jenna Fischer als seine Tochter, und Jesse Eisenberg als Universitäts-Bekanntschaft.

Leider hat der Film auch etliche Längen, und insgesamt fehlt ihm einfach eine gewisse Wucht. Weder Komödie noch Tragödie, ist das Ergebnis ein mitunter halbgarer Mix aus beidem. Das ist dann zwar immer noch sehenswert, aber auch nicht mehr, und nach wenigen Tagen schon wieder vergessen.


Salt (Deluxe Extended Edition) [Deluxe Edition]
Salt (Deluxe Extended Edition) [Deluxe Edition]
DVD ~ Angelina Jolie
Preis: EUR 5,99

37 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannende Inszenierung, hanebüchene Story, 21. September 2010
Vorweg muss man sich fragen, was man von einem Film wie "Salt" erwartet. Einen lediglich unterhaltsamen Actionfilm oder einen tiefschürfenderen Spionagethriller?

Wer auf pure Unterhaltung aus ist, wird mit "Salt" bestens bedient. Nach nur wenigen, gemütlichen Minuten entfesselt der Film eine wahre Orgie an Action- und Martial Arts-Sequenzen. All das ist rasant und mitreißend inszeniert, meist sogar recht originell. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf. Überhaupt sind die zahlreichen Verfolgungs- und Kampfszenen sowie die ansehnlichen Spezialeffekte der große Trumpf des Films.

Von nicht geringerer Bedeutung ist zudem die Besetzung der Hauptrolle. Ursprünglich als Vehikel für Tom Cruise angedacht, wurde das Drehbuch nach dessen Absage kurzerhand umgeschrieben. Angelina Jolie verkörpert nun die Agentin Salt, von der man nie so recht weiß, auf wessen Seite sie eigentlich steht, mit großem Einsatz und dem ihr so eigenen Mix aus Härte und Sinnlichkeit. Schauspielerisch gefordert wird sie allerdings kaum.

Was zudem mitunter fragwürdig erscheint (und wohl auf die geschlechtsbedingte Umwandlung der Hauptfigur zurückzuführen ist), sind zahlreiche Kampfszenen, in denen Jolie einem oder mehreren männlichen Widersachern gegenüber steht, allesamt ein bis zwei Kopf größer und nahkampferfahren. Mit welcher Leichtigkeit sie diese teilweise durch eine Abfolge von Schlägen und Tritten außer Gefecht setzt, verlangt schon einiges an gutem Willen seitens des Zuschauers. Jolies eher schmächtige Statur steht der Glaubwürdigkeit oftmals im Wege.

Hieran schließt sich dann auch der wesentlichste Kritikpunkt, nämlich die unglaubwürdige Handlung. Anfangs beginnt es ungemein spannend, bald aber folgt Wendung auf Wendung auf Wendung, die immer unwahrscheinlicher wirken und der finale Showdown mitsamt seiner Auflösung ist dann - vorsichtig formuliert - nur noch haarsträubend. Statt sich auf seine Stärken zu besinnen, nämlich die Protagonistin und die bestens inszenierte Action, versucht der Film cleverer zu sein, als er es tatsächlich ist. Wer für das persönliche Sehvergnügen eine plausible Handlung und zumindest elementarste Logik verlangt, wird sich bei "Salt" wohl nur ärgern.

So kann die eingangs gestellte Frage wie folgt beantwortet werden: "Salt" funktioniert nur als reiner Actionfilm, unterhält angesichts dieser Erwartungshaltung auch ziemlich gut und bietet so ein insgesamt kurzweiliges Sehvergnügen. Wer von einem Film jedoch mehr erwartet als die aufgeführten Punkte, wird wohl enttäuscht werden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 7, 2010 10:19 AM CET


Die wilden Detektive: Roman
Die wilden Detektive: Roman
von Roberto Bolaño
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahnsinniger, wilder und ausschweifender Ritt über literarisches Neuland, 20. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Die wilden Detektive: Roman (Taschenbuch)
Bolanos Werke entziehen sich jeder Einordnung, trotzen den üblichen Lesegewohnheiten. Wo also nur anfangen?

Anfangs ist vor allem Geduld gefragt. Es dauert eine Weile, ehe sich erste Handlungsstränge und Zusammenhänge abzeichnen. Allmählich verdichten sich die unzähligen Biografien und Erzählungen wie Mosaiksteinchen zu einem wilden Gesamtkonstrukt. Sobald die Gruppe um Belano und Lima aufbricht, um nach der verschollenen Gründerin des Realviszeralismus zu suchen, verlieren sich ihre Spuren. Sie gehen selbst verschollen, werden zum Mysterium und Inhalt obskurer Geschichten, die man sich an abgelegenen Orten erzählt. Nun ist es der Leser, der in die Detektivrolle schlüpft, sich an ihre Fersen heftet und begierig den verschiedensten Fährten folgt.

"Die wilden Detektive" ist insgesamt stimmiger, schlüssiger konstruiert als "2666", stellt jedoch auch höhere Anforderungen an den Leser. Die ständigen Zeitsprünge zwischen Figuren aus mehr als zwei Jahrzehnten, die Stilbrüche und nicht enden wollenden Lebensläufe beanspruchen viel Aufmerksamkeit. Ein weiterer wesentlicher Unterschied: "Die wilden Detektive" ist bei weitem nicht so düster und beklemmend, oft sogar ziemlich witzig, sofern man sich mit dem Humor Bolanos anfreunden kann. Vor allem die oft verschrobenen Dichter und den Literaturbetrieb an sich zerpflückt er genüsslich. Überhaupt ist Literatur das bestimmende Thema.

"Die wilden Detektive" gehört für mich mit zum Aufregendsten, was Literatur zu bieten hat. Rätselhafte, hochintelligente, vor Sprachgewalt strotzende Prosa, die völlig mühelos zwischen den Figuren, Zeiten und Orten hin- und herspringt. Zudem werden einzelne Ereignisse oft aus mehreren Perspektiven beleuchtet, was zusätzliche Spannung schafft. Jede der Figuren, die erzählt, hat eine ganz eigene Ausdrucksweise und entsprechendes Vokabular: Von obszönen Schimpftiraden bis hin zu hochtrabendem Intellektuellen-Gelaber ist alles vertreten. All die einzelnen Geschichten sind hierbei so raffiniert aneinander gereiht, dass die vielen kleinen Episoden, die anfangs noch zusammengewürfelt wirken, sich in Wahrheit als stimmige Gesamtkomposition erweisen.

Vermutlich wird aus dieser Rezension niemand so richtig schlau. Vielleicht ist es die eigene Unfähigkeit, das Wesen des Romans zu erfassen und begreiflich zu machen. Vermutlich aber ist es dieses Wesen, das sich gar nicht erfassen lässt. Man kann sich kaum eine Vorstellung davon machen, ehe man "Die wilden Detektive" nicht selbst gelesen hat. Und das sollte man unbedingt.


Windabgeworfenes Licht: Gedichte
Windabgeworfenes Licht: Gedichte
von Dylan Thomas
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wirr, waghalsig und wunderschön - meisterhafter Wortzauber, 20. September 2010
Die in diesem Band enthaltenen Gedichte umfassen ein breites Spektrum aus Thomas' Schaffen. Enthalten sind sowohl frühe Jugendgedichte, als auch seine zentralen und bekannten Gedichte, nicht zuletzt liegen etliche Gedichte hier erstmals in deutscher Übersetzung vor. Den Gedichten vorangestellt ist ein informatives Vorwort. In einem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis sind sämtliche Gedicht mitsamt ihrem jeweiligen Übersetzer aufgeführt.

Nicht alle Übersetzungen haben mich überzeugt, aber zum einen sind Thomas' Gedichte ohnehin schwer zu übersetzen, andererseits liegt die Ausgabe ja nicht umsonst zweisprachig vor. Man hat jederzeit das Original vor Augen. Da die jeweiligen Versionen der Gedichte nebeneinander angeordnet sind (linke Seite das Original, rechte Seite die entsprechende Übersetzung), kann man mühelos Satz für Satz vergleichen.

Über die Gedichte selbst maße ich mir kein Urteil an. Mir gefallen sie sehr, Thomas' unbändige Phantasie, seine ungestümen Assoziationen, und vor allem der im Original wunderbare Rhytmus und Klang - all das hat mich von Beginn an fasziniert. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht ein, zwei Gedichte aus diesem Band lese. Persönliche Favoriten: "Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben" sowie "Liebe im Irrenhaus".

Eine rundum gelungene und umfangreiche Ausgabe also. Wer sich für die Gedichte des walisischen Ausnahmedichters interessiert, kann hier bedenkenlos zugreifen.


Reise ans Ende der Nacht
Reise ans Ende der Nacht
von Louis-Ferdinand Céline
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schonungslose Abrechnung mit der Spezies Mensch, 20. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Reise ans Ende der Nacht (Taschenbuch)
Die Reise ans Ende der Nacht führt von der Front des ersten Weltkriegs, über die französischen Kolonien im tiefsten Dschungel Afrikas, den Großstädten Amerikas zurück nach Frankreich. Hier schließt sich für den Protagonisten der Kreis: Nach abgebrochenem Studium und einem Aufbruch in die Armee, beendet er nach vielen Jahren sein Medizinstudium und fristet fortan an sein Leben als Arzt in heruntergekommenen, elenden Vierteln, in denen die meisten Bewohner zu arm oder geizig sind, um seine Dienste zu bezahlen.

Soviel zur Handlung, einen roten Faden gibt es nicht. Spannung im eigentlichen Sinn kommt nicht auf, man ist nicht daran interessiert, was als nächstes geschehen wird, wohin die Reise noch führen könnte, sondern wie der Protagonist diese Ereignisse wiedergibt, wie er die Lebensumstände in drastischen Bildern einfängt, und die Personen mit all ihren Schwächen vor dem Leser entblößt.

Die Stimme, mit der der Protagonist erzählt, ist schonungslos ehrlich und unverblümt. Nichts und niemanden schont er, nicht einmal sich selbst. Er ist kein strahlender Held, kein Außenstehender, kein besserer Mensch der über den Verhältnissen steht, und das weiß er auch. Mitunter radikal, immer authentisch. Die Sprache, die er verwendet, ist so wandelbar wie ein Chamäleon. Sie schwankt zwischen dem Banalen, dem Vulgären, dem Philosophischen und Poetischen. Ziemlich wild. Was er erzählt, ist selten angenehm oder erheiternd. Als Pessimist, Misanthrop und chronischer Pechvogel schildert er die Welt als eine "Kloake des Elends". Die Menschen, bis auf wenige Ausnahmen, sind Schweinehunde, das Dasein generell bedauernswert. Die Überlegung zum Selbstmord stellt er mehrmals an, prinzipiell stimmt er auch zu, ist aber von seinem Dasein so benommen, so lust- und mutlos, dass er sich nicht einmal hierzu aufraffen kann.

All das Schlechte, was der Roman schildert, ist nicht überzeichnet, sondern glaubhaft. Zudem hat es stark autobiografische Züge, die diesen Eindruck nur verstärken. Die Lektüre empfand ich nicht als deprimierend oder bedrückend. Viele Stellen habe ich mit einem Kopfnicken begleitet, und da der Protagonist allem, was er erlebt, so seltsam apathisch begegnet, von einem ziemlich bescheidenen Zustand in den nächsten gleitet, und all das mit unverblümten Worten kommentiert, ist die Lektüre stellenweise sogar sehr witzig. Beispielsweise sein Aufenthalt in einem Militärkrankenhaus, in dem sich die Soldaten mit erfundenen Heldentaten zu übertrumpfen versuchen; oder seine Überfahrt per Schiff nach Afrika, wo er der Feindschaft der gesamten Besatzung ausgeliefert ist und um sein Leben fürchten muss.

Der ganze Roman wirkt, als habe Cécile eines Tages entschieden, seine Erlebnisse zu Papier zu bringen, und einfach so in einem Zug alles niedergeschrieben, was ihm gerade in den Sinn kam. Der Text hat außer der zeitlichen Chronologie keine Struktur, keinen Spannungsbogen, mitunter gibt es abenteuerliche Zeitsprünge und Ortswechsel. Zudem ist es selten unterhaltsam, man will auch nicht wirklich wissen wie es denn ausgeht. Die Geschichte endet so abrupt, wie sie anfängt. Interessant und lesenswert war es dennoch, da die Sprache und Ehrlichkeit des Protagonisten erfrischend sind, und all die Missstände und absurden Verhaltensweisen, die er anprangert, von zeitloser Relevanz.

Kein Roman, den man gelesen haben muss. Ich habe jedoch bislang nichts Vergleichbares gelesen, allein deshalb war es schon lohnenswert. Empfehlenswert? Ja, aber wohl nur für die Wenigsten. Und die werden nach Lesen der Inhaltsangabe und vielleicht auch dieser Rezension selbst wissen, ob "Die Reise ans Ende der Nacht" etwas für sie ist.


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