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Rezensionen verfasst von
petitboucle

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Solar
Solar
von Ian McEwan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genialer McEwan - Porträt eines genialen Menschen, 3. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Solar (Gebundene Ausgabe)
Ich habe bislang noch kein Buch von McEwan gelesen, das mich auch nur annähernd NICHT gefesselt hat. Am faszinierendsten finde ich, dass man durch seine Romane - neben den menschlichen Abgründen, die er wortgewandt und fesselnd beschreibt - fast nebenbei sehr viel Wissen über Gebiete erlangt, für die man sich sonst gar nicht interessiert hätte.
In "Solar" ist das Solarenergie, künstliche Fotosynthese. Selbst Lesern, die keinen Funken Ahnung von Physik haben, vermag es McEwan, dieses Phänomen näher zu bringen. Aber einige Rezensenten haben Recht: Es geht hier gar nicht hauptsächlich um den Klimawandel und die Erfindung einer neuen, sauberen Energiequelle. Was mich vor dem Lesen zugegeben eher "abgeschreckt" hat - ich interessiere mich zwar für den Klimawandel und lebe so umweltbewusst wie es geht - aber ein "Klimabuch" wollte ich nicht lesen. "Solar" ist das aber gar nicht, sondern ein vielschichtiges, faszinierendes Menschenporträt, über einen - und uns alle. Wie fast immer in seinen Romanen geht es um einen männlichen Protagonisten, der sich vor verschiedenste Probleme gestellt sieht. In "Solar" ist dies zwar tatsächlich eine eher unsympathische Figur - ein bindungsunfähiger, maßloser Nobelpreisträger - doch habe zumindest ich mich beim Lesen sofort auf seine Figur einlassen können, weswegen mich das Ende auch mehr als berührt hat. Obwohl er sich manchmal so ungerecht und verletzend verhält, bleibt Michael Beard doch eine zutiefst menschliche und bemitleidendswerte Figur, der man gern über 400 Seiten folgt.
Die Wendungen sind genial, der Protagonist auch, die Verweise auf den Klimawandel ebenfalls - und sprachlich fesselt McEwan wie gewohnt aufs Vorzüglichste. Ich habe dieses 400 Seiten-Buch wahnsinnig schnell ausgelesen und im Vergleich zum Roman-Vorgänger "Am Strand" (das Libretto-Buch mal ausgelassen), das mich vom Thema her zwar mehr interessiert hat, hat mich "Solar" bedeutend mehr bewegt, unterhalten und berührt. Dieses Buch ist jeden Cent wert und beim Zuklappen nach der letzten Seite hinterlässt es diese traurige, aber intime Gefühl, das der Leser eines McEwan-Romanes hat, wenn er den letzten Satz verschlungen hat.


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