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Rezensionen verfasst von
Ela Flury (Rastatt, Baden-Württemberg Deutschland)

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Ganz normale Helden
Ganz normale Helden
von Anthony McCarten
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach Superhero kommen die ganz normalen Helden und wie! Einfach genial!, 15. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
Sensationell, einfach sensationell! Anthony McCarten schafft es bereits mit seinem ersten Absatz, den Leser in seine Geschichte zu ziehen, die man kaum aus der Hand legen kann. Sehr schnell baut sich eine Spannung auf, die den Leser etwas mehr als 450 Seiten lang gefangen hält. Wäre da nicht die Arbeit und immer wieder vom langen Lesen gerötete Augen, man müsste das Buch in einem Rutsch verschlingen.
Es ist übrigens nicht notwendig „Superhero“ als Eingangsroman gelesen zu haben, um die Fortsetzung „Ganz normale Helden“ zu verstehen. Es wird alles gesagt, was nötig ist.
Gleich eingangs erfährt der Leser, weshalb Renata, Mutter von zwei Söhnen, so zwanghaft über das Tun und Lassen ihres Erstgeborenen informiert sein möchte. Ihr jüngster Sohn ist ein Jahr zuvor an Krebs gestorben und nun hat sie Angst, auch dem ihr verbliebenen Sohn könnte etwas zustoßen.
Es ist die Geschichte von drei Familienmitglieder, die - jeder auf seine Weise - versuchen diesen Schicksalsschlag zu verkraften. Während Renata ihrem Sohn Jeff ständig hinterher spioniert, Jeffs Vater sich für ihr Dafürhalten feige vor jedem ernsten Gespräch drückt, flüchtet Jeff schließlich von zu Hause und löst damit eine Lawine aus, die fast alles unter sich begräbt.
Jim, Jeffs Vater, Anwalt und kritischer Gegner von Internetspielen, die seiner Meinung nach nur das Gehirn aufweichen, findet plötzlich in den Tiefen einer fantastischen Spielwelt eine Möglichkeit, anonym seinem Sohn zu begegnen.
Die reale Welt und die im Cyberspace vermischen sich immer mehr, trüben sein ohnehin angespanntes Verhältnis zu seiner Frau noch stärker und bescheren ihm zudem unangenehme Wahrheiten, seinen Sohn betreffend. Aber was ist wahr und was ist Spiel? Die Grenzen sind fließend.
Kann er es schaffen, seinen Sohn wieder nach Hause bringen?
Mehr soll hier nicht gesagt werden, nur: Unbedingt Lesen, lesen, lesen! Ein wahrer Genuss!


funny girl
funny girl
von Anthony McCarten
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wieder ein toller Roman von Anthony McCarten,, 1. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: funny girl (Gebundene Ausgabe)
ich habe sie alle gelesen und diesen finde ich besonders gelungen!
Im Gegensatz zu manch anderen Rezensenten empfinde ich dieses Buch keineswegs konstruiert, auch wenn das natürlich die meisten Romane sind. Diese Geschichte ist dagegen so glaubwürdig und wenn man sich in dieser Szene auch nur ein wenig auskennt, auch so authentisch, dass man jedes Wort glaubt. Nicht umsonst hat der Autor eingangs darauf hingewiesen, dass die Ereignisse frei erfunden und Ähnlichkeiten mit realen Personen rein zufällig wären.
Azime, ein in London lebendes 20jähriges kurdisches Mädchen, steht stellvertretend für viele andere Jugendliche, die aus einer anderen Kultur mit ihren Eltern in einem westlichen Land leben und sich im ständigen Kampf befinden zwischen dem, was die Eltern aus ihren Traditionen heraus von ihren Kindern erwarten und dem, was für sie selbst in ihrer neuen Umgebung normal erscheint und von ihnen eingefordert wird.
In die Geschichte um die Identitätsfindung Azimes, ihren Kampf um persönliche Ziele und ihre Suche nach der Todesursache einer Schulfreundin, sind viele andere Konflikte mit eingewebt, die symptomatisch sind für Jugendliche zwischen zwei Welten. Dass Azime ein so herzerfrischend offenes und mutiges Mädchen ist, das nur selten ein Blatt vor den Mund nimmt, macht es dem Leser mehr als einfach an der Geschichte dranzubleiben; allein ihre Einfälle, wie sie heiratswillige Kandidaten, die von ihrer Mutter herbeigeschafft wurden, abwimmelt, sind köstlich und lockern das eigentlich ernste Thema so auf, dass man einfach Spaß am Lesen hat.
Azimes Hang zur Comedy ist als Idee schon umwerfend, zumal Humor, Scherze und Witze, dann auch noch von einer Frau vorgetragen ( und das auch noch in einer Burka auf der Bühne!!!) in ihrem Kulturkreis eher als anrüchig verschrien ist.
Doch als dann terroristische Anschläge in London, an die sich bestimmt noch viele Leser erinnern, die Stadt erschüttern, sieht Azime ihre Zeit gekommen, sich von ihrer Angst zu befreien und zu dem zu stehen, was ihr wichtig ist.
Als Vorwarnung für die, die das Buch noch nicht gelesen haben: Auch wenn im Titel das Wort FUNNY vorkommt, geht es nicht darum, den Leser zu bespaßen". Witze werden als Medium genommen um die verkrustete Vorstellung des Publikums (und durchaus auch des Lesers) bezüglich anderer Kulturen, Religionen und Traditionen aufzubrechen. Es ist ein eher schwarzer Humor mit mehr Hintergrund als im ersten Moment ersichtlich ist und das Lachen bleibt einem schon mal im Halse stecken, sofern man auf diese spezielle Art von Humor anspricht.
Für mich war das ein interessanter und bereichernder Roman mit viel Werbung für Mut und Toleranz ganz ohne plumpe Moral oder erhobenem Zeigefinger. Danke, Anthony McCarten!


Die Ordnung der Sterne über Como: Roman
Die Ordnung der Sterne über Como: Roman
von Monika Zeiner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein herausragender Roman in beeindruckender Sprache, 28. Juni 2014
Monika Zeiner? Noch nie gehört, dachte ich, als ich zum Geburtstag mit diesem Buch überrascht wurde.
Und jetzt hat sich dieser Name in mein Gedächtnis gebrannt, denn das, was diese Autorin an sprachlichen Wortschöpfungen, poetischen und völlig neu erdachten Metaphern und beeindruckend intelligentem Gedankengut in ihren Roman fließen lässt, ist so gut, dass man kaum Worte dafür findet.
Hervorragend komponiert, steht der Leser schon ziemlich am Anfang des Romans mit dessen Protagonisten Tom Holler neben einem Toten, Marc, der sein bester Freund war und den Holler nicht erkennen will, nicht finden kann in diesem wächsernen Gesicht. Die Szene ist so echt, so wirklich dargestellt, dass man jede Gefühlsregung mitempfindet, nicht die Spur rührselig, kein Pathos, keine überflüssigen Worte, nur das, was als Reaktion denkbar und nachempfindbar ist.
Es folgt die Geschichte von Tom und Marc vom ersten Kennenlernen an über ihr Leben in einer gemeinsamen Wohnung, ihre gelebte Liebe zur Musik und ihre Liebe zu Frauen bis hin zu der Situation, in der Holler neben seinem toten Freund steht. Dabei werden nach und nach die Charaktere der beiden Freunde herausgeschält, um allmählich dem Grund dieses Todes auf die Spur zu kommen – spannend, poetisch, ergreifend.
Den detaillierten Inhalt möchte ich keinem Leser vorwegnehmen. Für mich ist das Wichtigste an diesem Roman, dass jedes Wort ein Genuss ist, er fasziniert vom ersten Moment an, rief in mir oft stilles Einverständnis hervor, wenn zwischen den von Monika Zeiner erschaffenen Figuren in Gesprächen so wahre Gedanken, so treffende Reflexionen wiedergegeben werden, dass ich mich des öfteren dabei ertappte, wie ich unwillkürlich nickte und völlig mit dem Gedankengut verschmelzen konnte.
Für viele Leser wird jetzt schon das Warten auf den nächsten Roman dieser besonderen Autorin beginnen. Ein glänzendes Stück Literatur!
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 18, 2015 4:28 PM CET


Dreimal im Leben: Roman
Dreimal im Leben: Roman
von Arturo Pérez-Reverte
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Cary Grant lässt grüßen, 18. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Dreimal im Leben: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman wie aus einem anderen Jahrhundert! Natürlich - er spielt ja auch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, auch seine Sprache gibt dem Leser das Gefühl, der Autor sei ganz dort bei seinen Figuren, etwas schwülstig manchmal, elegant, ein bisschen altmodisch, an manchen Stellen knapp am Kitschigen vorbei und trotzdem fesselnd in der Mischung aus Sprache und Story.
Max Costa lebt von dem, was andere verdient haben. Die einen geben es ihm freiwillig, die anderen werden hinterrücks ausgenommen. Dies gelingt ihm durch sein besonderes Auftreten.
Er ist ein schöner Mann, was ihm immer wieder gesagt wird. Er hat vollendete Manieren, obwohl er sie auch hin und wieder vergisst, wenn er sich mit seiner Beute aus dem Staub macht, wirkt gebildet, da er es versteht anderen einiges abzuschauen, deren Worte im richtigen Moment als seine eigenen zu gebrauchen, hat Charme und ist ein Gentleman.( Irgendwie assoziierte ich Cary Grant, wie er als Juwelendieb John Robie ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA unterwegs ist).
Diese Attribute sind es, die ihn der höheren Gesellschaft zugehörig wirken lassen und wo er seine Opfer findet. Tatsächlich kommt er aber aus Argentinien, wo er in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen ist. Sein Talent, Tango zu tanzen, eröffnet ihm die Möglichkeit als Salontänzer auf Kreuzfahrtschiffen anzuheuern. Dort bezirzt er mit seinem Charme die Reichen und Schönen der Gesellschaft.
Als er Mecha Inzunza, eine verheiratete Frau, auf dem Schiff kennenlernt, beginnt eine Beziehung zwischen den beiden, die sich über Jahrzehnte hinzieht, obwohl sie sich nur dreimal für jeweils sehr kurze Zeit treffen. Diese Beziehung als Liebesbeziehung zu bezeichnen, fällt etwas schwer; die erotische Anziehungskraft steht zunächst im Vordergrund, Romantik Fehlanzeige, dafür Abgründe, in die der Leser blicken darf, verrucht wie ein Tango in einer zwielichtigen Kneipe( das Tangomotiv wird im Übrigen ausführlich thematisiert).
Als sich die beiden nach mehr als dreißig Jahren wieder treffen, gerät Max in ein Ränkespiel im Wettlauf um den Weltmeistertitel im Schachspiel, bei dem Mechas Sohn auf den Titel hofft.
Parallel wird vor dem Leser eine alte Geschichte aus Max` Leben aufgerollt, bei der es um Leben und Tod geht und, wie könnte es auch anders sein, ein Wiedersehen mit Mecha ihn beinahe sein altes Leben aufgeben lässt.
Weshalb ich nur vier Sterne zu geben vermag, liegt an den Charakterzeichnungen der zwei Protagonisten. Keiner der beiden wurde mir besonders sympathisch. Sie wirken kalt, gleichgültig und egoistisch. Zu spät lässt der Autor Max etwas Persönliches aus seiner Kindheit in Argentinien erzählen, was zu einem früheren Zeitpunkt im Roman vielleicht Verständnis oder Mitgefühl beim Leser hätte hervorrufen können, Mecha wirkt fast durchgängig unsympathisch, gefühlskalt und gleichgültig, das ist der Hauptkritikpunkt. Eigentlich schade, sonst wäre das für mich ein perfekter Schmöker geworden.


Der Altmann ist tot: Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln
Der Altmann ist tot: Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln
von Frl. Krise
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige, kabarettistische Tätersuche mit Frau Freitag und Frl. Krise, 25. Mai 2013
Günther Altmann, Lehrer einer Berliner Brennpunkt-Schule, wird tot am Fuße einer Treppe am Reichstag aufgefunden. Zunächst wird von einem Unfall gesprochen, doch keiner glaubt so recht daran - war es vielleicht sogar Mord?
Als diese Nachricht die Schule erreicht, gibt es ganz unterschiedliche Reaktionen und es stellt sich schnell heraus, dass Altmann nicht unbedingt der Liebling aller war. Schüler feixen, geben pietätlose Kommentare von sich, freuen sich, dass ein strenger Lehrer weniger an der Schule ist. Die Schülerinnen erinnern daran, wie schamlos der jetzt Tote ihnen immer auf die Brüste gestiert hat. Nicht viel anders im Lehrerzimmer: Nach dem ersten Entsetzen, hört man auch hier von ungebührlichem Verhalten, dass Altmann ein Frauenheld gewesen sei oder den Kollegen gegenüber unfair. Es gibt aber auch eine Fraktion, vornehmlich beim weiblichen Personal, die mit Tränen in den Augen kämpfen und kleine Altäre mit Kerze und Foto vom verstorbenen Günther aufstellen.
Sehr schnell wird jedenfalls klar, dass es eine ganze Reihe von potentiellen Tätern gibt. Ob in den Reihen der ungerecht behandelten Schülern, den betatschten Schülerinnen, unter den sitzengelassenen Exfrauen, deren neuen Lebensgefährten oder den Kollegen, so mancher hätte einen Grund gehabt, Altmann um die Ecke zu bringen.

Als sich Frau Freitag sagt: "Vielleicht unterrichte ich ja zukünftige Mörder. Auf jeden Fall müssen Mörder auch irgendwann zur Schule gegangen sein...", beginnen die Ermittlungen und zwar nicht nur durch die Polizei, nein hier treten Frau Freitag und Frl. Krise auf den Plan. Manch Leser kennt Frau Freitag schon aus CHILL MAL, FRAU FREITAG. Frl. Krise ist mit dem gleichen losen Mundwerk ausgestattet. Beide sind zwar Kollegen von Altmann gewesen, also von Beruf Lehrer, sprechen aber fast die gleiche Sprache wie ihre fast ausschließlich Türkischen Schüler, damit ist nicht Türkisch gemeint, sondern ihr ständig schnoddriger Ton.
Beide sind mit allen Wassern gewaschen, sind sich keiner Situation zu schade, ob verkleidet mit Perücke und Sonnenbrille auf Täterspur oder aufgebrezelt auf einer Türkischen Hochzeit.
Sie bewegen sich hauptsächlich in Berlin Mitte, Kreuzberg und Neukölln und um sie herum brodelt das Leben.
Der kabarettistische Krimi-Roman ist unterhaltsam, witzig, kurzweilig, genau das richtige für verregnete Tage und falls es dieses Jahr vielleicht doch noch Sommer wird, auch für sonnige Urlaubstage:)


Schiffbruch mit Tiger: Roman
Schiffbruch mit Tiger: Roman
von Yann Martel
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein fantastischer Roman mit einem Hauch Ringparabel aus Nathan der Weise, 21. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Schiffbruch mit Tiger: Roman (Taschenbuch)
Wenn Bücher gut sind, werden sie kurz nach dem Erscheinungsdatum zuhauf rezensiert.
Wenn Bücher gut sind, werden sie manchmal auch verfilmt und das führt dann meist zu einer zweiten Rezensionswelle, da doch die Leseratten unter uns zuerst mal das Buch lesen wollen, bevor sie sich den Kinofilm anschauen. So ging es mir auch und ich bin dankbar, dass das Buch inzwischen als Film erschienen ist, denn ich weiß nicht, ob ich den Roman sonst gelesen hätte.

Ich bin mehr als begeistert! Ein völlig aus den üblichen Klischees fallender Inhalt, gut erzählt mit tiefgründigem Hintergrund hat mich mit Macht an das Buch gefesselt.

Der Roman besteht aus vier Teilen. Nach einem Epilog, über dessen Notwendigkeit man streiten könnte, lernt der Leser den Indischen Jungen Piscine Molitor Patel, kurz Pi, kennen, dessen Vater einen Zoo betreibt. Pi ist ein intelligenter, aufgeschlossener Junge, der ohne Vorurteile durch die Welt geht. Er beschließt für sich, nicht nur e i n e r Religionsgemeinschaft angehören zu wollen, nachdem er sich in verschiedenen Gotteshäusern einen Einblick verschafft und zu der Einsicht gekommen ist, dass jede Religion den Menschen etwas Wichtiges zu geben hat. So ist er nicht nur Hindu, sondern auch Christ und Moslem.
Sein Glaube an Gott, Allah und an die Indischen Götter ist neben einer Lehrstunde über das Verhalten der Tiere, die ihm sein Vater gegeben hat, eine maßgebliche Hilfe für das Abenteuer, in das er im nächsten Teil des Romans gerät.

Pis Familie beschließt nach Kanada auszuwandern. Einige der Zootiere werden verkauft und befinden sich auch auf dem Schiff. Der Frachter, mit dem sich die Familie auf die Reise macht, sinkt und nur Pi, ein Zebra, eine Hyäne und ein Tiger überleben.
Wie Pi es schafft, am Leben zu bleiben, ist eine unglaubliche Geschichte, die so kunstvoll und intensiv erzählt wird, dass man meint, neben dem Jungen im Rettungsboot zu sitzen und das Salz auf der eigenen Haut brennen zu spüren. Sein täglicher Kampf um Wasser und Nahrung, um seine körperliche und psychische Gesundheit, berührt tief.

Im dritten Teil, in dem Pis Reise zu Ende ist, gibt es eine unerwartete Alternative, die Geschichte zu verstehen, was den Leser über die Geschichte hinaus ins Grübeln bringt und ihr eine noch tiefere Bedeutung gibt.

Ich bin jetzt schon sehr gespannt auf den Film und kann es kaum erwarten, die Bilder zu sehen, die vielleicht so oder ähnlich bereits in meinem Kopf existieren.
Einen Dank an Yann Martel für diese besondere Geschichte und einen besonderen Dank für seine Version der Ring-Parabel aus Lessings Nathan der Weise!


Skippy stirbt. Roman
Skippy stirbt. Roman
von Paul Murray
  Broschiert
Preis: EUR 26,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörende Geheimnisse pubertierender Jungs und ihr Kampf um Liebe in einem beispiellosen Roman mit Sogwirkung, 12. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Skippy stirbt. Roman (Broschiert)
Es gibt Bücher, die ihre Leser auch über deren Ende hinaus nicht gleich freigeben. SKIPPY STIRBT ist so ein Buch.
Ich befinde mich seit Tagen in seinen Fängen, seine Geschichten, seine Figuren, nichts davon will mich loslassen, macht mich fast zu einem verbalen Idioten, weil mir nur WOW! oder WAHNSINN! einfällt. Mein Inneres besteht aus den in Stein gehauenen Hallen des irischen Seabrook-Internats, von dessen Wänden mir die verstörenden Geheimnisse der pubertierenden Jungen entgegen flackern.
Dabei hätte ich den Roman um ein Haar nach den ersten hundert Seiten zur Seite gelegt. Murray macht es dem Leser anfangs nicht unbedingt leicht, da er sehr viele Personen gleichzeitig einführt. Es wimmelt von Namen, so scheint es zunächst, und kaum eine Figur wird ausdrücklich genug vorgestellt. Scheinbar unzusammenhängende Handlungsstränge liegen nebeneinander und harren ihrer Fortsetzung. Selbst die Erzählperspektive wechselt immer wieder. Der Leser hat keine Gelegenheit sich gemütlich zurückzulehnen, ständig muss er auf der Hut sein.
Doch dann ist plötzlich der Rahmen des Puzzles fertig und das eigentliche Bild kann entstehen: Ein gigantisches Bild aus unzähligen Einzelschicksalen, die alle irgendwie miteinander verwoben sind. Sie handeln von Liebe und Freundschaft, von unerwiderter Liebe und Vernachlässigung, von Verzweiflungstaten, Flucht zu Drogen, von Macht und Ohnmacht, es wird nichts ausgelassen.
Das Thema Sex ist allgegenwärtig, hat mit Liebe nichts zu tun, sondern wird fast ausschließlich in seiner schlimmsten Form, verbunden mit Macht, Erniedrigung und Missbrauch in Szene gesetzt. Der Grad des Erträglichen wird sicher für manchen Leser überschritten.
DENNOCH: Ein beispielloser Roman mit eindringlichen Bildern, komplexen Hintergründen und der eindeutigen Botschaft, wie wichtig es ist, als Mensch angenommen, respektiert und geliebt zu werden.
Der holprige Einstieg ist ganz schnell vergessen und man hat Mühe, das Buch auch nur für kurze Zeit aus der Hand zu legen.
Für mich eines der besten Bücher seit Jahren!!!


Unterholz: Alpenkrimi
Unterholz: Alpenkrimi
von Jörg Maurer
  Gebundene Ausgabe

44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein rundum gelungener, spannender , aber auch witziger Alpenkrimi mit originellen Einfällen, 10. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Unterholz: Alpenkrimi (Gebundene Ausgabe)
Als kompletter Neuling auf dem Gebiet der Alpenkrimis von Jörg Maurer muss ich zugeben, dass ich wirklich positiv überrascht bin! Was hatte ich mir denn eigentlich vorgestellt? Etwa irgendwelche hinterwäldlerische Polizisten, die einem Wilderer auf der Spur sind? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass mich UNTERHOLZ auf vielfältige Weise unterhalten hat:
Die Story: Eine Frauenleiche, deren raffinierte Identitätsauslöschung mehr als gruselig ist, wird zum Ausgangspunkt einer spannenden Mörderjagd, an deren Kopf Kriminalhauptkommissar Jennerwein steht. Unterstützt wird er von einem Team, dessen Zusammensetzung bestimmt die meisten Maurer-Fans schon länger kennen, für mich war es neu. Ich hätte mir vielleicht noch ein paar individuelleren Charakteristika über sie gewünscht, was vermutlich in den vorherigen Krimis schon angelegt wurde, aber der Story hat es keinen Abbruch getan.

Sie spielt inmitten einer für das Werdenfelser Land typischen Landschaft. Ich darf mich als Leser gleich zu Beginn mit der Wolzmüller Alm bekannt machen, die sich als schwer zugänglicher Ort hervorragend als Treffpunkt für Leute eignet, die gerne aus verschiedensten Gründen unbehelligt unter sich bleiben wollen und die auch zum Fundort der Leiche wird.

Danach legt Maurer seine für die Handlung mal mehr, mal weniger wichtigen Personen an, die aus ganz verschiedenen Kreisen kommen. Da ist der grobschlächtigen Sohn Michl, dessen Vater einst die Alm betrieben hat, es gibt ein beleibtes Bestatterpärchen, das schon so manche Leiche hat verschwinden lassen, ein sich nach jahrelanger Ehe hassendes Paar, das den jeweils anderen am liebsten loswerden würde, aber auch drei seltsame Inder, bei denen man sich als Leser schon fragt, was die wohl mit der Geschichte zu tun haben.
Maurer versteht es, den Leser mit auf die Suche nach dem Mörder zu nehmen, obwohl man als geübter Krimileser (der ich nicht bin!) vielleicht schon früher auf die Identität des Mörders kommen könnte.

Stil: Sprachlich begeistert mich Maurer mit seinen ortstypischen Metaphern und seinen witzigen Einfällen.
Ein kleines "Versucherl": - "Ein paar ganz frühe Kirchenvögel waren schon da und pickten Lobpreisungen aus den Gebetbüchern mit Goldrand" oder - "Auf den Kanaldeckeln tanzten die Nebelgeister der städtischen Wasserwerke". Solche und ähnliche Formulierungen erfreuen das Leserherz.
Humor: Beachtlich viele witzige Einfälle unterbrechen hin und wieder die Handlung, was der Lesefreude eine besondere Note gibt und sie sogar noch steigert. Besonders witzig empfand ich die kritische Betrachtung des vom Staat so gar nicht geförderten Beruf des Profikillers.

Und noch ein kurzes Zitat aus UNTERHOLZ, was ja schon fast einer Gesamtaussage über Maurers Krimis gleichkommt: "Es war eine herrliche idyllische Alm, das muss ich schon sagen. Glockengeläut, Vogelgezwitscher, die Ruhe vor dem Sturm....Geruch von wildem Schnittlauch...., da tötet es sich schon anders als hinter einer schmutzigen Mülltonne irgendwo in der Großstadt." (Aus Kapitel 37)
Zwischendurch muss man einfach laut auflachen!

Danke, Jörg Maurer, für diesen spannenden, wunderbar witzigen Alpenkrimi, es war bestimmt nicht mein letzter!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 6, 2014 6:15 PM MEST


Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
DVD ~ Omar Sharif
Wird angeboten von Joe2000
Preis: EUR 24,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Film voller Lebensweisheiten und Herz, 4. Februar 2013
Auch wenn ich das Buch schon vor Jahren gelesen habe, bin ich erst jetzt auf den Film gestoßen. Was für eine Perle in der Landschaft stereotyper vorhersehbarer Filme! Ein ganz und gar bezaubernder Film, der jedes Herz berührt!

Monsieur Ibrahim, gespielt von Omar Sharif, betreibt einen kleinen Lebensmittelladen in einer belebten kleinen Straße von Paris. Er freundet sich mit dem schüchtern wirkenden Jungen Moses (von ihm Momo genannt) an, der gleich gegenüber mit seinem schwierigen Vater lebt.
Moses ist beschämt, als er erkennt, dass Monsieur Ibrahim schon längst gemerkt hat, dass er ihn regelmäßig bestohlen hat. Die Großherzigkeit des alten Mannes beeindruckt ihn und er macht ihn zu seinem Vertrauten, zu dem er mit all seinen Fragen geht.
Monsieur Ibrahim lehrt ihn, was Glück ist und dass Glück nichts mit finanziellem Reichtum zu tun hat, dass die Zufriedenheit aus dem Herzen kommt, wie man sich jungen Frauen gegenüber so verhält, dass man etwas in ihnen zum Klingen bringt und welchen Wert ein Lächeln haben kann.
Als Momos Vater plötzlich verschwindet und seinen Sohn alleine zurück lässt werden die Bande zwischen den beiden noch enger und sie begeben sich auf eine gemeinsame Reise.

Ein großes Lob an Eric-Emmanuel Schmitt (Autor), an den Regisseur Francois Dupeyron, der die Handlung so verändert hat, dass die Idee erhalten blieb, aber noch mehr möglich wurde (prima gemacht!), an Omar Sharif als Monsieur Ibrahim (ganz wunderbar!) und an Pierre Boulanger als Momo, dessen für Heranwachsende typischen Probleme und Verhaltensweisen sehr authentisch von ihm dargestellt werden.

Für mich einer der schönsten Filme in den letzen Jahren, voller philosophischer Lebensweisheiten und bewegender Momente


Allmen und der rosa Diamant
Allmen und der rosa Diamant
von Martin Suter
  Audio CD
Preis: EUR 24,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dreamteam Allmen und Carlos, aber auch Suter und Gert Heidenreich, 28. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Allmen und der rosa Diamant (Audio CD)
Sieht so aus, als hätte Martin Suter mich endgültig für sich eingenommen, was an drei Dingen liegt:
1. Stilistisch und sprachlich einfach perfekt geschriebener Roman
2. Interessante, lebendige und spannende Story im Zeitgeist
3. Gert Heidenreichs unübertroffene Professionalität im Sprechen von Hörbüchern

Der in Wirklichkeit nicht gerade betuchte Herr von Allmen, der sich aber gerne als wohlhabender Aristokrat gibt, hatte mich schon in der Story ALLMEN UND DIE LIBELLEN für sich eingenommen, wo er sich als Meister der raffinierten Geldbeschaffung und gleichzeitig als Snob und Lebemann vorgestellt hatte.
Als ich auf das Hörbuch ALLMEN UND DER ROSA DIAMANT stieß, war die Vorfreude groß und wurde keineswegs enttäuscht. Im Gegenteil, den Plot empfand ich als noch weniger vorhersehbar als in der vorigen Geschichte und das ganze Drumrum ist sprachlich so souverän auf den Punkt gebracht, dass man jede Szene deutlich vor sich sieht. Wieder eine Story, die man unbedingt verfilmen sollte.
Suter legt nicht nur Wert auf eine komplexe Geschichte, sondern auch auf zwischenmenschliche Szenen, die der Handlung so viel Leben einhauchen, dass man unmittelbar mit von der Partie ist.

Allmen, wie immer abgebrannt, nimmt als Inhaber einer, trotz ihres Namens (Allmen International Inquiries) eigentlich sehr kleinen Detektei, einen Auftrag an, der - man ahnt es schon - eigentlich zu groß für ihn ist. Er soll einen verschwundenen rosa Diamanten finden, der ein Vermögen wert ist. Dessen Verschwinden ist geheimnisvoll und dessen Aufstöbern, auch das wird schon früh deutlich, kann gefährlich werden. Da im Erfolgsfall aber eine extrem hohe Geldprämie winkt, kann Allmen, schon mit Blick auf sein geschrumpftes Bankkonto, nicht ablehnen. Wie immer wird er in seinen Aufgaben unterstützt von Carlos, einem illegal in der Schweiz lebenden Südamerikaner.
Allein schon die Darstellung der beiden verschiedenen Persönlichkeiten ist ein wahrer Genuss. Während sich Allmen für jede Alltagsarbeit zu schade ist oder schlicht keine Ahnung davon hat, erledigt Carlos tatkräftig alles für seinen Herrn, dem er Dank schuldet, weil dieser ihn bei sich aufgenommen hat, ohne nach Papieren zu fragen. Wie ein englischer Butler wahrt er eine respektvolle Distanz und ist Allmens gute Seele, nicht nur im Haus, sondern auch in geschäftlichen Dingen.
Als die beiden feststellen, dass auch ein anderes Team auf der Suche nach dem rosa Diamanten ist, wird es lebensgefährlich.
Mein Fazit: Wundervolles Lesevergnügen! Wann kommt der nächste ALLMEN?


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