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Rezensionen verfasst von
Norbert Rügen "Norbi" (Rügen)

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Saturnine
Saturnine
Preis: EUR 19,07

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne gehen auf, 7. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Saturnine (Audio CD)
Manchmal muss man sich fragen, ob all die A&R's in den wirklich wichtigen Plattenfirmen eigentlich mehr tun, als sich wahlweise selbst zu feiern oder angesichts von Tauschbörsen in kollektive Depression zu verfallen.

Wie sonst kann man sich erklären, dass eine Band, wie Dante, an mir völlig vorbei ging - obwohl ich mich durchaus auch als Kenner und Liebhaber des weitläufigen Genres Progressive Rock / Metal bezeichnen würde. "Saturnine" ist bereits das zweite Album dieser, ja man muss es sagen, Ausnahmeband (dazu später). Das Debut wird irritierenderweise auf Amazon gar nicht vertrieben und ich kenne es auch (noch) nicht. Keine Kritik oder Rezension in den großen Zeitschriften, keine Interviews - eigenartig.

Warum mich das so beschäftigt? Geht man von dem hier vorliegenden Album aus, dass ich mir (eher zufällig) bei einem anderen Anbieter bestellt habe, handelt es sich hier schlicht um den besten Act, der, wenigstens in der deutschen Szene, seit langem in Erscheinung getreten ist.

Der Musik Dream Theaters nahestehend, entfalten Dante ein sehr eigenes Spektrum progressiver Töne - Irgendwo in der bisher unbesetzten Nische zwischen Progressive Metal und Progressive Rock. Das ist zunächst der Stimme geschuldet, die in ruhigen Momenten (Maybe One day, drifting, All my Life) absolut überragend erscheint, aber auch bei den (wenigen) konsequent harten Nummern des Albums (Last) überzeugen kann und überhaupt nicht dem Klischee vom typischen Metal-Sänger entspricht. Kein Kastratengesang und kein Pathos. Aber auch keinerlei Anleihen aus Nu-Metal und Co. Das allein ist schon sehr angenehm.

Noch angenehmer und wirklich bemerkenswert: Trotz Spielzeiten von zum Teil über 12Min hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es hier extrem versierten Musikern (wie leider sooft) nur um die Präsentation der eigenen Fähigkeiten geht. Endlich wieder eine Band, bei der trotz langer Spielzeiten, der Song und seine Aussage selbst im Vordergrund zu stehen scheint. Pink Floyd, Dream Theater, Yes, Porcupine Tree - alles findet sich auf Saturnine irgendwie wieder und doch klingt Dante so erfrischend eigenständig und vielversprechend dass der Begriff "Progressive" endlich auch einmal wieder Sinn macht.

Das Album ist schwierig, dann wieder zugänglich und ganz sicher nichts für völlig ungeübte Ohren. Was es den meisten aktuellen Veröffentlichungen aus diesen Genre (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) voraus hat ist eine ungewöhnliche emotionale Tiefe. Der Mittelteil und das Finale von dem Songmonster "Vanessa" ist im Zusammenspiel mit dem Text schlicht ergreifend und dürfte Pink Floyd wie Dream Theater Fans gleichermassen begeistern.

Ist "Saturnine" ein Meisterwerk des Genres wie etwa Dream Theaters "Scenes.." oder "a social Grace" von Psychotic Waltz? Das ginge sicher zu weit - dazu ist die Musik Dantes doch (noch) zu sehr von ihren offensichtlichen Vorbildern beeinflusst. Auch die für mich persönliche "Unart" des Instrumentals - in diesem Fall "Modal Acousma" hindert das Album in dem Verdacht zu stehen, ein Klassiker zu sein. Rockmusik, gleich welcher Spielart, braucht für mich eine Stimme. Es ist mir schleierhaft, warum Bands, die ohnehin in einem Genre spielen, in denen Instrumentalteile innerhalb der Songs gerne mal dominieren, diesbzüglich immer noch etwas drauflegen müssen. Hier verkommt die Musik zum Schwanzvergleich mit Anderen Musikern. Für den normalen Rock-Fan (wie ich finde) langweilig und überflüssig. Allerdings sind Dante da (leider) in prominenter Gesellschaft.

Ist "Saturnine " hingegen ein heisser Anwärter auf den Titel bestes Progressive Album 2010? Diese Frage würde ich definitiv mit JA beantworten. Mal sehen was noch so kommt.

Anspieltipps: "All my Life", "Never Return", "Vanessa", "Maybe one Day"

Das Ganze kommt übrigens auch noch mit einem extrem geilen Booklett daher, wie man es als Käufer viel zu selten in die Hände bekommt. Genau so sollte ein Album aufgemacht sein. Irre.

Für mich sind Dante und das Album "saturnine" trotz der wenigen Kritikpunkte eine der interessantesten Neuentdeckungen der letzten Jahre und daher gebe ich 5 Sterne ohne Wenn und Aber.

Zieht euch dieses Album rein und bildet euch eure eigene Meinung
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 16, 2013 10:22 PM MEST


Tränen der Sonne [Director's Cut]
Tränen der Sonne [Director's Cut]
DVD ~ Bruce Willis
Preis: EUR 5,99

45 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 16. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Tränen der Sonne [Director's Cut] (DVD)
Das Böse triumphiert dort, wo gute Menschen nichts unternehmen. Dieses Zitat Edmund Burkes ist sicherlich zitierenswert. Doch wie es sich mit klugen Thesen zu verhalten pflegt, wirft deren Erkenntnisgewinn meist neue Fragen auf. Im Falle obigen Zitates könnte eine bemerkenswert simpel sein: Wer kann wissen, ob er zu den Guten zählt oder der Böse ist ? Was, wenn das Böse denkt, gut zu sein ? Oder Das Gute, indem es triumphiert, böse wird ?
Philosophische Tiefenschärfe weist der Film „die tränen der sonne“ gewiss nicht auf, nimmt das aber auch nicht für sich in Anspruch. Der Plot ist klar: Eine militärische Elitetruppe hat den Auftrag, eine ihrer Staatsbürgerinnen aus einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land zu evakuieren. Die Hauptfigur, dargestellt von Bruce Willis, erfüllt diesen Auftrag zunächst mit emotionsloser militärischer Effizienz, gerät aber angesichts der Gräuel in einen ethischen Konflikt und entscheidet sich dafür „das Richtige“ zu tun und greift ein – Im Wissen, sein Leben und das seiner Männer im Widerspruch zu seinen Befehlen für Hilflose aufs Spiel zu setzen.
Da der weitgehend gesichtlose Gegner entsetzliche Gräueltaten begeht, lässt das Drehbuch keinen Zweifel an der moralischen Überlegenheit der Truppe und heroisiert sie zunehmend im Verlaufe des Films. Dies mag undifferenziert sein - wer sich hingegen einmal näher mit dem Genozid in Ruanda beschäftigt hat, der weiß, dass die Zeichnung des fiktiven Gegners auf durchaus realen Alltäglichkeiten in Afrikas Krisengebieten beruht. Hier liegt nicht die Schwäche des Films sondern eher seine Stärke. Auf die Hölle, die sich zuweilen in den Bürgerkriegsregionen Afrikas auftut, kann nicht drastisch genug hingewiesen werden. Und sei es durch einen Hollywood- Film.
„Tränen der sonne“ tut dies in der Tat. Die Bildhaftigkeit orientiert sich auffällig an „black hawk down“ was durchaus als gute Entscheidung der Verantwortlichen zu werten ist.
Der unerträgliche Pathos insbesondere gegen Ende des Filmes, nimmt ihm allerdings jede Aussicht darauf, ein bedeutender Film zu sein, geschweige denn eine (erwähnenswerte) Aussage zu haben. Außer vielleicht, man liebäugelt mit folgendem Standpunkt: „wenn alle „guten“ Soldaten eines „guten“ Landes am richtigen Ort auf die „bösen“ Soldaten eines „bösen“ Landes schießen würden, wäre die Welt gerecht und gut.
Wenn die Welt doch nur so einfach wäre. Das zuweilen durchaus naive Selbstverständnis der betreffenden Nation, zu der die im Film agierende Eliteeinheit zugehörig ist, tritt im Film nicht nur in den Vordergrund, gegen Ende glaubt man, einen Propagandafilm gesehen zu haben.
Spätestens dann wendet man sich mit leicht angewidertem Stirnrunzeln ab.
Ein interessantes Thema, eine tolle Kameraführung und die bestechend gute Inszenierung des Grauens machen noch lange keinen guten Film.
3 Sterne für einen zwiespältigen Film, der zumindest sehenswert ist.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 10, 2014 1:11 PM MEST


Plattform
Plattform
von Michel Houellebecq
  Taschenbuch

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwächeres Werk eines großen Schriftstellers, 22. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Plattform (Taschenbuch)
Liebe kann nicht von Bestand sein. Die Lebenswirklichkeit des Westens ist inhaltslos. Ethik und Moral sind wenig mehr als der massenpsychologische Versuch, die Blindheit und Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems zu kompensieren – kurz: alles ist verlogen. Das emotional obdachlose Individuum (männlich) , verdichtet in der trostlosen Figur Michel, findet Lebenszweck und Freude nur in der emotional unbelasteten sexuellen Handlung.
Prostitution als letztes Bollwerk der Aufrichtigkeit und Sinnfindung.
Den sprichwörtlichen Vogel schießt H. ab, indem er die Liebe zwischen Valerie und Michel als bedingungslos definiert, sich aber dann doch nur für die sexuelle Komponente dieser Beziehung zu interessieren scheint – die natürlich, aus männlicher Sicht, sich als geradezu ideal herausstellt. Er verkürzt sexuelle Hingabe und Leidenschaft auf eine bloße Männerfantasie und nennt das Ganze Glück und Liebe. Diese Verkürzung würde Sinn machen, wäre da nicht der Umstand, dass H. stellenweise vorgibt, über Natur und Handlungsspielräume der Liebe in einer als trostlos empfundenen Lebenswirklichkeit zu schreiben.
Die Liebe zwischen Michel und Valerie scheitert nichteinmal. Sie wird durch Kugeln, abgefeuert aus den Machinenpistolen islamistischer Terroristen beendet. Was diese Liebe, abgesehen vom blinden sexuellen Verständnis füreinander eigentlich dezidiert ausmachte, darüber schweigt der Autor sich aus.
Völlig irritierend: Michels Vater wird durch den Bruder seiner muslimischen Freundin ermordet. Diese Gegebenheit bildet den Ausgangspunkt des Romans. Auf der darauf folgenden Thailandreise Michels lernt die Hauptfigur Valerie kennen, die ihn aus seiner emotionalen Gleichgültigkeit befreit. Valerie wird wiederum von fanatischen Muslimen ermordet – diesmal bedeutet dies für Michel aber keinen Aufbruch sondern leitet den endgültige emotionalen Untergang ein . Was der Autor mit dieser Klammer in Bezug auf den Islam sagen will, bleibt sein Geheimnis.
Lesenswert und diskutierenswert ist „Plattform“ allemal. H. beschäftigt sich einmal mehr mit der Ohnmacht des modernen Individuums, keine Alternative zu einem als unzulänglich und unmenschlich empfundenen System formulieren zu können. Diesbezüglich hat der Roman wirklich große Momente.
Schade, dass H. sich und seinem Werk in „Plattform“ durch die übertrieben exponierten Sexszenen immer wieder selbst im Wege steht. Mehr als einmal, vertuschen sie den schwachen Spannungsbogen des Romans, mehr als einmal dienen sie nur sich selbst und nicht dem Text. Exemplarisch dafür könnte die Szenerie auf Kuba stehen: Nicht der alte Mann, der an seinem revolutionären Glauben an einen besseren Menschen gescheitert ist und darüber resignierend verzweifelt, steht im Mittelpunkt dieser Passagen, sondern eine „Menage a Trois“. Schade.
So gut dieser Roman des Autors im Verhältnis zu anderen Texten auch sein mag : Er gehört zu seinen unzureichenden Schriften. Die Bedeutung tritt hinter dem Skandal zurück.
3 Sterne mit Aufwärtstendenz


Hitch - Der Date Doktor
Hitch - Der Date Doktor
DVD ~ Eva Mendes
Wird angeboten von HAM GbR (Preise inkl. Mwst)
Preis: EUR 11,40

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen sehenswert, 21. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Hitch - Der Date Doktor (DVD)
"Hitch-der Date Doktor" ist das, was man den kleinsten gemeinsamen Nenner bei jedem DVD-Abend unter Freunden oder innerhalb der Familie nennen könnte. Diese amüsante Komödie wird jedem gefallen und behält seinen Unterhaltungswert auch dann noch , wenn man ihn schon ein paar Mal gesehen hat. Dies mag weniger an der Story liegen, deren Wendungen und Irrungen nicht unbedingt überraschend sind, sondern am charmanten und gutgelaunten Spiel der Beteiligten. Der Zuschauer schließt die Figuren nur zu gern in sein Herz.
Eine ambitionierten DVD-Sammlung muß auch Platz für amüsante Komödien haben, die kurzweilig unterhalten ohne dabei platt zu sein. Mit diesem Film liegt man da völlig richtig.
Sehenswert.


Bono über Bono: Gespräche mit Michka Assayas
Bono über Bono: Gespräche mit Michka Assayas
von Michka Assayas
  Gebundene Ausgabe

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert, 14. Dezember 2005
Der Versuch, Bono über geschickte Fragen seiner diversen Masken zu berauben und den Menschen hinter dem Rockstar, Teilzeitmessias und , ja man muss es sagen, Politiker, freizulegen und zu verstehen, mag der Vorsatz Michka Assayas gewesen sein, als er sich auf den zweijährigen Interviewmarathon, der in Form des Buches „Bono über Bono“ vorliegt, einließ. Das Ergebnis mag unbefriedigend aber auch überaus erhellend auf den Verfasser gewirkt haben. Unbefriedigend, weil sich Bono über weite Strecken des Buches als ein Meister der geschickten rhetorischen Ausweichmanöver entpuppt – auf kluge persönliche Fragen reagiert diese schillernde Persönlichkeit des Pop nicht selten mit einem weltpolitischen Diskurs oder mit religiösen Grundsatzfragen. Erhellend hingegen, weil genau dieser Umstand einen Menschen präsentiert, der überraschend uneins mit sich selbst zu sein scheint- So klar und deutlich seine Positionen insbesondere in politischen Fragen sind, so zerbrechlich und still wird Bono in seiner eigenen, ganz persönlichen Standortbestimmung.
Mit Eloquenz und Verve erläutert er sein (absolut bemerkenswertes) Engagement für Afrika, präsentiert sich als ein Mann von religiöser Klugheit und Bibelfestigkeit und auch als Vollzeitidealist; über seine Gefühle zu sprechen fällt ihm hingegen überaus schwer. Diese zweifelnde Menschlichkeit macht Bono auf eine merkwürdige Art greifbar. Wirklich erhellend ist zuweilen weniger was er sagt, sondern eher was er nicht sagt.
(Umso eindringlicher wirkt vor allem der erste Teil des Buches, der den Tod von Bonos Vater zum Inhalt hat ( „er verschwand hinter Spott und Schweigen...“). Nirgendwo öffnet sich Bono mehr als in diesem Kapitel.)
Der Leser erfährt viel in diesem Buch über die persönlichen Hintergründe, die Bono dazu veranlasst haben, sich politisch zu engagieren. Er erfährt und lernt vieles über das Denken dieses interessanten Mannes. Er wird Zeuge intelligenter Gespräche und intellektueller Auseinandersetzungen. Auch für manche Anekdote bleibt genügend Raum.
Wenig erfährt der Leser hingen über den Texter und Künstler Bono, sei es auf musikalischen oder literarischen Gebiet. Wenig Raum bleibt für U2. Es scheint beinahe so, als hätte Bono über alles reden wollen, aber eben nicht über den eigentlich bestimmenden Teil seines Lebens. Und schließlich ist man, was den Menschen hinter der Popikone Bono betrifft, nach der Lektüre des Buches fast genauso schlau wie vorher.
„Bono über Bono“ ist ein gelungenes Buch, für Nichtkenner U2’s gleichermaßen interessant wie für Fans. Es regt zum Nachdenken und zur Diskussion an. Merkwürdig höchstens: Letztendlich wirft das Buch mehr Fragen auf, als es Antworten zu geben vermag. Dieser Umstand erweist sich als die größte Schwäche und zugleich als die größte Stärke des Textes.
Manch einen wird das ratlos zurücklassen.
4 Sterne


Stromberg - Staffel 1 [2 DVDs]
Stromberg - Staffel 1 [2 DVDs]
DVD ~ Christoph Maria Herbst
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 16,10

13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geistreich und absolut fabelhaft, 9. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Stromberg - Staffel 1 [2 DVDs] (DVD)
Manch einer, der noch immer keine Folge der Serie Stromberg gesehen hat, könnte glauben, es aufgrund des Settings - ein Büro, ein offenbar durchgeknallter Chef - es mit einer weiteren, albernen Büro- Comedy deutscher Machart zu tun zu haben Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Zusammen mit Dittsche, bildet die Serie Stromberg die Speerspitze hochintelligenter, innovativer deutscher Fernsehunterhaltung. Stromberg ist geistreich, hat Witz und besitzt eine außergewöhnliche satirische Treffsicherheit. Loriot, der Meister des beobachtenden Humors, hätte seine wahre Freude an dieser Serie.
Stromberg ( virtuos dargestellt von einem brillanten und völlig entfesselten Claus Maria Herbst) , dieser wandelnde Alptraum eines jeden Angestellten und humanistisch / differenziert denkenden Menschen, gehört zweifellos zu den wenigen ganz großen Figuren des deutschen Fernsehens. Umso bemerkenswerter, dass es sich hier um eine Auftragsarbeit des Senders Pro7 handelt. Schon mit der Wahl der Erzählperspektive ist den Produzenten der Serie ein großer, innovativer Wurf geglückt. Hier bleibt der Zuschauer nicht stiller Beobachter, sondern sieht das Geschehen durch die Augen eines Kamerateams, das im Stil eines Dokumentarfilmes den Alltag in Strombergs Büro festzuahlten scheint- dies eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. In Stromberg interagieren die Figuren mit der Kamera dieses „Filmteams" und somit direkt mit dem Zuschauer - ein Novum wenn man bedenkt, dass es zu den größten Sünden eines Schauspielers gehört, die Kamera überhaupt zu bemerken.
Die wunderbare Besetzung, das fabelhafte Drehbuch und natürlich die Aussprüche, Taten und völlig realitätsfernen Selbsteinschätzungen der Hauptfigur Stromberg tun ihr Übriges, um diese Serie in den Olymp großer deutscher Produktionen zu katapultieren. Absolut fabelhaft.
Da die Serie seine Prioritäten klar auf Qualität statt auf Quantität setzt, umfasst die erste Staffel nur acht Folgen ( ca. jeweils 25 Min) und füllt damit, zusammen mit dem sehenswerten Bonusmaterial, gerade einmal 2 DVD' s. Das mag für diesen Preis ein wenig mager erscheinen, der gefühlte Wert dieser Serie ist jedoch noch um einiges höher.
Stromberg darf ganz einfach in keiner ambitionierten DVD- Sammlung fehlen.
5 Sterne ohne Wenn und Aber für eine Serie, die sich im Grunde schon jeder Kritik entzieht.


How to Dismantle An Atomic Bomb
How to Dismantle An Atomic Bomb
Preis: EUR 6,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kritik an einem großen Wurf, 8. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: How to Dismantle An Atomic Bomb (Audio CD)
Ist dieses Album für die Art konservativen Fan gemacht worden, der im Grunde alles, was U2 nach „the joshua tree“ gemacht haben stets in Zweifel zog, ganz nach dem Motto: „Meine Lieblingsband darf sich nicht verändern?“ Vielleicht. Sollte man diesen Umstand nach einer ganzen Dekade experimenteller Alben der Band ( 90er) kritisieren ? Das wäre sicher ungerecht. Die Feststellung sollte jedoch erlaubt sein, dass „How to dismantle...“ vielleicht das erste Album der Band überhaupt ist, das nicht zu überraschen vermag.
Betrachtet man die Diskografie der Band genauer fällt auf: „Joshua Tree“ überraschte seinerzeit durch seine unfassbare Qualität. . Mit „Achtung Baby“ ließen U2 dieses sichere Erfolgsrezept überraschend fallen – nichts wäre leichter gewesen als einfach beim gewohnten Stil zu bleiben. U2 entschieden sich fürs Risiko. „Zooroopa“ überraschte durch seinen Verzicht auf echte Singles und durch seinen Hang zur düsteren Ironie. „Pop“ – wieder ein sehr gewagtes Album, wohl das Gewagteste, mit dem U2 die Nerven ihrer Fans auf die Probe stellte. Mit „All that you can’t..” schließlich überraschte U2 die Fangemeinde durch ihre Rückbesinnung auf ihre Wurzeln.
Und „How to dismantle…” ? Macht einfach nur da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. Für U2- Verhältnisse bedeutet das nichts weniger als Stillstand. Allerdings auf unglaublich hohem Niveau. Darüber sollten keine Missverständnisse aufkommen. „How to dismantle an atomic bomb“ fehlt gar nicht mal soviel um ein echter Geniestreich zu sein. „miracle drug“, „one step closer“, „because of you“, „sometimes you can’t make it…” - das ist ganz großes Kino.
U2 haben es schon wieder getan: ganz große Songs geschrieben, deren Nachhaltigkeit bemerkenswert ist. Sicher könnte man kritiklos 5 Sterne zücken und es dabei belassen, wenn da nicht ein Schatten über dem Album läge, der zumindest mich stört und dafür sorgt, dass Euphorie weitgehend ausbleibt: Der Schatten der Berechenbarkeit.
Vieles auf diesem Album kommt einem Kenner der Band doch recht bekannt vor. Selbst das Bekenntnis der Band zu ihren Wurzeln ist nach dem Vorgängeralbum wahrlich nichts mehr Neues. Im Grunde überrascht „how to dismantle...“ dadurch, dass U2 ihren Stil zur Abwechslung gegenüber dem jeweiligen Vorgängeralbum überhaupt nicht überarbeitet haben. Will man sich in Details verlieren könnte man feststellen, dass das Album gegenüber „all that you can’t..“ einen Tick minimalistischer ausgefallen ist. Abgesehen davon hat sich die Band jedoch für die Vorhersehbarkeit entschieden. Manch einen dürfte das so sehr stören, dass er U2 anno 2005 trotz der großen Songs auf „how to dismantle...“ glatt Irrelevanz unterstellt. Selbst wenn darin ein Fünkchen Wahrheit stecken mag, verbietet sich aufgrund der musikalischen Qualität ein Verriss der CD kategorisch.
Den Rat an alle alten und jungen U2 –Fans, sich die CD zunächst lieber einmal Probezuhören um dann selbst zu entscheiden, ob man dieses Album persönlich nun „braucht“ oder nicht halte ich hingegen für angebracht.
5 Sterne.


Playing The Angel
Playing The Angel
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 5,94

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein relevantes Album allemal, 8. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Playing The Angel (Audio CD)
Wenn man lange genug hofft, das neue Album einer geliebten Band, die zuletzt enttäuscht hatte, würde ein Monster werden ist man zur Selbsthypnose bereit. Man will einfach einen weiteren Klassiker gekauft haben und hört ihn sich schön, auch wenn das Album eigentlich nicht das ist was man erwartet hat.
"Playing the angel“ hat auf mich diesen Effekt ausgeübt und ich vermute es geht und ging vielen Käufern so. Derart von der eigenen Rezeption getäuscht, fällt eine objektive Bewertung schwer. Einige Wochen nach dem Kauf sieht man klarer. Da Erwartungshaltungen etwas Unbewusstes sind habe ich versucht, die meinen zu vergegenwärtigen. Was hatte ich von der Platte erwartet ? Eine Weiterentwicklung ? Nein. Die Rückkehr zum vielzitierten analogen Sound ? Ja. Vielleicht sogar einen weiteren Klassiker wie „Violator“ oder „SOFAD“ ? Zumindest hatte ich die Hoffnung. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, war dies eine streng konservative Erwartungshaltung eines alten Fans. „Playing the Angel“ hingegen ist eine Weiterentwicklung des alten DM-Sounds mit alten Methoden. Das Album will auch kein zweites „Violator“ sein. Irgendwann reift im geneigten Hörer die Erkenntnis, dass „Playing the Angel“ den obengenannten Erwartungshaltungen nicht entspricht. „Precious“ bleibt die einzige wirkliche Remineszenz an vergangene Tage. Darüber kann man nun frustriert sein (war ich auch ne Weile) oder sich mit der CD ein weiteres Mal ernsthaft auseinandersetzen.
Was ist also „Playing the Angel“ ? Nun, es ist ein gutes Album und ein großer Schritt in die richtige Richtung. Wie gut Songs wie „the pain that I’m used to“ , „the sinner in me“ oder „suffer well“ wirklich sind, wird auch dem größten Nörgler spätestens beim Besuch eines Konzerts der Band. auffallen. Ja, da sind sie wieder, die übermächtigen Depeche Mode von früher, aufregend, fesselnd, düster und tanzbar. Aber da sind auch Songs wie „damaged people“ und „macrovision“. Man hat die Wahl zwischen belangloser Spielerei oder theatralischer Belanglosigkeit. Da ist auch „nothing impossible“ - anders wenn auch groß. Da ist auch „John the revelator“ – guter Synthiepop mit wenig Relevanz.
Ratlos lässt mich „Playing the angel“ im Regen stehen. Nein, ein wirklicher Klassiker der Band ist dieses Album nicht. Zwar klingt das Album, als hätte die Band tatsächlich den Anschluss an alte Großtaten im Sinn gehabt, doch Vorsatz und Umsetzung sind nicht deckungsgleich. Dazu entfalten sich die Kompositionen des Albums nicht überzeugend genug und verlieren sich zuweilen im Spannungsfeld zwischen zwanghafter Innovation und ängstlicher Routine.
Nichtsdestotrotz: „Playing the angel“ beweist unüberhörbar, dass mit Depeche Mode wieder zu rechnen ist und fügt der beeindruckenden Ansammlung fantastischer Songs, die DM in den letzten zwei Jahrzehnten der Welt geschenkt hat weitere, Gleichwertige hinzu. Das konnte man von „exiter“ nicht behaupten.
„Playing the Angel“ ist ein wirklich gutes und relevantes Album geworden, nicht großartig, aber gut. Ob das genügt, muss ein jeder für sich selbst entscheiden.
4 Sterne mit ganz leichter Abwärtstendenz.


One and One Is One
One and One Is One

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Entdeckung der ruhigen Töne, 30. November 2005
Rezension bezieht sich auf: One and One Is One (Audio CD)
Ob es daran liegt, dass Nova Int. bei ihrem Labelwechsel bittere Erfahrungen gemacht haben, weiß ich nicht. Tatsache ist jedenfalls: „one and one is one" ist ein sehr ruhiges, nachdenkliches Album geworden, auf dem Balladen klar dominieren.
Auf ihrem zweitem Album geht es Nova Int. weniger um die große Geste sondern feiern ihre persönliche Entdeckung der Zerbrechlichkeit - Und das ausgiebig. Schon die Entscheidung, die CD mit dem wundervollen und stillen „there she goes" zu eröffnen ist diesbezüglich ein klares Statement. Ein unkonventioneller Opener. Freilich ein Experiment, das als geglückt gelten darf. Die zerbrechliche Klangmästethik dieses Songs beeindruckt schwer und präsentiert eine merklich gereifte Band. Das darauffolgende chillige „Hey Joe" setzt einen poppigen Kontrapunkt und erinnert in der Tat an die Beatles. Interessant allemal. Erst nach dem abermals ruhigen und etwas durchwachsenen Stück „the summer we had" kommt der Nova Int. -Konzern mit dem großartigen „swirled" in Fahrt- wenn auch stets kontrolliert. Mit dem rotzigen „Let's get romantic" und dem Song „bored" geht die Band im Verlauf des Albums zwar auch einmal ungestüm zu Sache und beweist, dass sie die Tanzfläche nicht gänzlich aus den Augen verloren haben, doch diese Gewaltausbrüche erweisen sich angesichts der ruhigen, traurigen Grundstimmung des Albums als Fassade, dazu gemacht, abwechslungsreiche Klangmuster einzuarbeiten und live richtig einzuschlagen. Beide Songs können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Herz des Albums eher im frühen Coldplay- Rhythmus schlägt. . Wie gut das klingen kann, beweist der wunderbare und absolut überragende Song „drive in circles" und das nur wenig abfallende „pilot", die zusammen das Finale der fast ein wenig zu kurz geratenen CD bilden.
Eindeutig ist: Nova Int. haben auf ihrer zweiten CD deutlich andere musikalische Prioritäten gesetzt. Den Elektropop, ein nicht unwesentliches Element ihres Debut- Albums haben die vier Augsburger klammheimlich entsorgt. Mancher wird's vermissen, ich nicht.
Die Leichtigkeit und Verspieltheit, die zuweilen das Debut beherrschte, findet sich in dieser Form auf dem Nachfolger nicht. Wer wie ich Nova Int. bisher besonders wegen Songs wie „home alone", „lazy" oder „bond girl" in sein Herz geschlossen hat, wird „one and one is one" lieben.
Und unabhängig davon, ob man eher den ruhigen oder den rockigen Stücken der Band zugetan ist: In den Zeiten der dritten Auflage von „Deutschland sucht den Superstar" zieht der Musikliebhaber angesichts der Qualität der Musik, die Nova Int. auf „one and one is one" abliefern, einmal mehr verwundert die Augenbraue hoch. Das Verhältnis zwischen Musik und Bekanntheitsgrad der Band als Missverhältnis zu bezeichnen, wäre noch zu freundlich formuliert. Nova Int. spielen ganz weit oben mit und niemand scheint es, betrachtet man die Absatzzahlen, zu bemerken. Ob sich das durch „one is one is one" ändern wird, bleibt abzuwarten. Der wirklich ganz große Wurf ist der Band auch mit ihrem zweiten Album noch nicht gelungen. Wenn ich mir „drive in circles" anhöre, habe ich aber wenig Zweifel, dass ihnen auch das noch gelingen wird.
5 Sterne für ein wunderbares Album, dessen chillige Melancholie den optimalen Soundtrack zum Herbst bildet.
Anspieltipps: „there she goes", „crank it up", „bored", „drive in circles"


Rosenrot
Rosenrot
Preis: EUR 12,99

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein eigenständiger Zwilling, 29. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Rosenrot (Audio CD)
Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Meinungen vieler Fans der Band Rammstein darüber auseinandergehen , welches Album nun das Beste ist und ab welchem Zeitpunkt das kreative Schaffen der Band abfällt oder überhaupt erst interessant wird. Jemand, der die Musik von Rammstein überhaupt nicht kennt, könnte bei solchen Diskussionen glatt zur Überzeugung kommen, es mit einem musikalischen Chamäleon wie seinerzeit Paradise Lost ( vom Doom-Death Metal Act zum Depeche Mode- Klon ) zu tun zu haben.
Bleiben wir doch objektiv. Von „Herzeleid“ bis „Rosenrot“ haben sich Rammstein stilistisch gewandelt aber nicht wirklich maßgeblich verändert. Man könnte es auch künstlerische Fortentwicklung unter Beibehaltung aller Trademarks nennen. Verändert hat sich höchstens der Musikgeschmack gerade derer, die ernsthaft behaupten, früher seien die Lyrics der Band gut, heute peinlich und belanglos geworden. Eine meiner Meinung nach irritierende Aussage. Abgesehen davon, dass die Texte Rammsteins spätestens seit Reise, Reise wesentlich besser auf den Punkt kommen, bleibt fest zu stellen, dass diese je nach Sichtweise genauso peinlich oder genauso gut wie früher sind.
Der Vorwurf der Kommerzialisierung erscheint mir ebenfalls reichlich fehl am Platz zu sein. Seit „Sehnsucht“ und der Single „Engel“ haben Rammstein unmissverständlich klar gemacht, dass sie Erfolg nicht eben verteufeln. Kompromisslose Härte abseits jeglicher möglichen Vermarktungsstrategie war noch nie das Ding dieser Band. Eine Diskussion über dieses Thema erübrigt sich daher zumindest für all diejenigen, die das kreative Schaffen Rammsteins, wie der Autor, bereits seit "Herzeleid" verfolgen.
Lässt man diese Punkte beiseite, eröffnet sich erst die Möglichkeit zu einer objektiven Sicht auf die Musik, die auf „Rosenrot“ zu hören ist. Erwartungsgemäß ähnelt diese CD dem Vorgänger „Reise, Reise“ in vielerlei Hinsicht, entstammen doch viele der neuen Songs aus ein und derselben Kompositionsphase. Den vielzitierten Vorwurf, es handele sich um Ausschuss kann ich hingegen nicht folgen. „Rosenrot“ wirkt auf mich viel eher wie ein böser Zwilling des musikalisch eher freundlichen Vorgängers. Songs wie „Benzin“, „Zerstören“ hätten in ihrer rohen Brachialität meiner Meinung nach tatsächlich nicht auf „Reise, Reise“ gepasst. Vom grandiosen „Spring“ über den Titeltrack und „Wo bist Du?“ bis zu „Feuer und Wasser“ transportiert „Rosenrot“ auch über weite Strecken eine gewisse Traurigkeit und Düsternis, die dem Vorgängeralbum musikalisch und textlich nicht zu eigen war. Dennoch bleiben „Rosenrot“ und „Reise, Reise“ enge Verwandte – was natürlich auch bedeutet, dass Verächter des letztgenanntes Album , auch mit „Rosenrot“ nicht unbedingt warm werden dürften.
Allen Unkenrufen zum Trotz: Insgesamt ist Rammstein mit „Rosenrot“ ein weiteres starkes Album gelungen, das definitiv sein Geld wert ist und meiner Meinung nach leicht gegenüber dem Vorgänger abfällt. Ein Klassiker vor dem Herrn ist aber auch Rammsteins nunmehr fünftes Album nicht geworden.
Anspieltipps: „Spring“, „Wo bist du?“, „Zerstören“ und das augenzwinkernde und sehr starke Stück „Te quiero Puta“.
Daumen hoch und 4 Sterne.


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