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Rezensionen verfasst von
B., Silja "Flunderbar" (Aalen)
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In Plüschgewittern
In Plüschgewittern
von Wolfgang Herrndorf
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Warum dieses Buch?, 11. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: In Plüschgewittern (Taschenbuch)
Mit großer Begeisterung über den sprachlichen und Situations-Einfallsreichtum des Autors sowie über das (etwas 'pädagogische', aber komplett logische und menschlich schöne) Ende hatte ich zunächst "Tschick" gelesen und dann "In Plüschgewittern" ausgeliehen bekommen.

Oooo.k., der Sprachwitz ist auch in diesem (überarbeiteten) Erstling schon zu erkennen, auch der Wechsel der (v.a. erinnerten) Situationen hat seinen etwas verdrehten Charme ... Andererseits frage ich mich am Ende, was ich aus diesem Buch mitnehmen soll - die Erkenntnis, dass der namenlose 30jährige Protagonist, der eine Woche lang viel zu viel Alkohol konsumiert, keine feste Arbeit zu haben und auch nicht (mehr?) zu studieren scheint, sich ziemlich ziellos treiben lässt, einen Haufen sinnloser Gespräche führt, so viele Mitmenschen wie möglich vor den Kopf stösst, jedesmal ohne Abschied geht und nebenbei 'freundlicherweise' überall noch ein bisschen Unordnung/Zerstörung hinterlässt, sich weigert, erwachsen zu werden??? Was für eine Verletzung hat er am Ende am Bein und wie ist die zustande gekommen? Was für eine OP hat seine schwangere Schwägerin am Schluss - das wird (absichtliche Frustration der Lesererwartung?) nicht aufgelöst, auch viele andere Fäden laufen ins Leere, keine der Figuren scheint irgendeine Entwicklung durchgemacht zu haben. Schleichende Dissoziation des Protagonisten in der Gesellschaft?!? Generationenportrait?? Popliteratur?? Bin schlicht ratlos, wer (wenn ich nicht zufällig genau so ein Mensch wie der Protagonist bin) oder was mir an dieser Geschichte gefallen soll.

Irritierenderweise scheinen sich übrigens auch einige der anderen Kommentare auf andere Bücher zu beziehen (z.B. der Kunde, der einen Stern verteilt hat und schreibt "Um die interessantere, reifere Seite von Wolfgang Herrndorf kennenzulernen empfehle ich seinen Roman 'Gläserne Bienen' und seine Alterstagebücher 'Siebzig verweht'", nennt hier Werke von Ernst Jünger und kommentiert dessen Buch "In Stahlgewittern"; ein anderer Kunde "war ehrlich gesgat froh, das er an Schluss abkratzt" - tut er (der Ich-Erzähler) doch gar nicht (oder war das in der Erstfassung doch noch der Fall) - ?!?!?!?


Beste Jahre
Beste Jahre
von John von Düffel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht überzeugend, 27. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Beste Jahre (Gebundene Ausgabe)
Protagonist des Romans ist ein Schauspieler Anfang 40, der müde geworden zu sein scheint. Seine Ziele sind erreicht (in dem Alter schon?!), das Leben plätschert, nur mit dem Nachwuchs klappt es zunächst nicht. Als es endlich doch so weit ist, steigert sich der werdende Vater (typisch für eine Generation, die mit Anfang 40 erst - und auch nur noch auf reproduktionsmedizinischem Wege - Eltern wird?!?) in seine Rolle hinein - was zuweilen amüsant, hier und da ein bisschen und da und dort auch einfach komplett zuviel ist. Welche Frau will übrigens über die Maßen geschont und von ihrem Mann letzten Endes behandelt werden wie eine leicht Schwachsinnige, nur weil sie schwanger ist?!? Was tatsächlich passiert, ist eine beginnende Entfremdung - wie sie in dem Anfangs- und Endgedanken mit dem Japaner und in der (ebenfalls ansonsten unverständlichen) Knappheit des Endes recht gut ausgedrückt wird. Als Leser/in fragt man sich schon: Ist dieser Mann wirklich im Erwachsenendasein angekommen? Oder verliert er in seiner 'Lebens-Schläfrigkeit' langsam den Zugriff auf die Realität? Bis dahin ist das alles noch ganz nett zu lesen und manche Beobachtung schön beschrieben.

Mit dem Ende des Buches sieht es anders aus. Wollte der Autor von Anfang an nur einen zutiefst sinnlosen doppelten Ehebruch mit zwei obendrein unfreiwilligen Tätern (oder doch eher Opfern?) inszenieren?!? Der ist jedenfalls mehr als schwach motiviert: Konkrete Aussagen zum Thema Reproduktionsmedizin kommen im Grunde nicht vor. Hat der Autor sich wirklich damit beschäftigt??? Eine TESE mit anschließender ICSI z.B. wäre für einen gut verdienenden Staatsanwalt problemlos auch wiederholt finanzierbar gewesen; Hodenkrebs ist heutzutage in vielen Fällen kein zwingendes Aus mehr für eigenen Nachwuchs. Aber diese Vokabeln fehlen im Buch. Auch die Idee, den alten Jugendfreund zu so einem Dienst heranzuziehen, ist alles andere als überzeugend. Warum ausgerechnet einen Mann, der selbst nur mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ein Kind zeugen konnte?!? Warum HCs unglaubliche Rücksichtslosigkeit v.a. gegenüber den Gefühlen seiner Frau, aber auch denen des Freundes?!? Warum die überzogene Eile (terminsichere Eisprünge lassen sich öfter herstellen)?! Und wer - außer einem Mann, der mit der Realität so oder so seine Schwierigkeiten hat und sich (mal wieder, und daher vorhersagbar?) in so etwas hineinsteigert - würde auf so ein billiges Druckmittel überhaupt anspringen?!? Eine heterologe Samenspende für eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas wäre nicht nur vollkommen legal gewesen, sondern hätte auch deutlich höhere Befruchtungschancen geboten als bloßer Sex zum Eisprungstermin - und nebenbei die Gefühle aller Beteiligten geschont. Was natürlich vergleichsweise undramatisch und damit kaum erzählenswert gewesen wäre. Dennoch: Warum um alles in der Welt hat der Autor diese Mängel nicht behoben (und z.B. über zwei seit langem befreundete Paare geschrieben, die in einem längeren Prozess zu so einem Entschluss gelangen, und darüber, wie sie hinterher damit klarkommen, darüber, was die verschiedenen Formen von Elternschaft heute bedeuten (können))?!?!?!

Alles in allem eine eher hirnrissige Geschichte, mit deren Protagonisten ich nicht 'warm werden' konnte (was aber vielleicht auch gar nicht beabsichtigt war). Ein Gesellschaftsporträt?!? Wenn so unsere 'besten Jahre' aussehen sollten - oh je!

P.S. Den Übergang zwischen den Ich-, Du- und Er-Passagen fand ich ziemlich gut gemacht, im flüssigen Lesen fielen sie zunächst nicht auf (vorausgesetzt, man lässt sich auf die Geschichte ein und ist nicht eh' nur am Mäkeln).


Der Sohn der Schatten
Der Sohn der Schatten
von Juliet Marillier
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wunderschön mit einigen Konstruktionsmängeln, 22. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Sohn der Schatten (Taschenbuch)
Fast tut mir die 'herzlose' Überschrift meiner Rezension schon wieder leid - denn auch der zweite Band der Reihe ist wunderschön geschrieben; ich konnte ihn auch tief in der Nacht kaum aus der Hand legen ... Bis auf eine etwas zu 'glatte', durchgängig liebenswerte und mutige Heldin und ein, zwei doch vorhersehbare Szenen (erste und zweite Wiederbegegnung) habe ich eigentlich nur zwei kleine und zwei größere Kritikpunkte. Klein: Es nervt, wenn eine auch noch als langwierig und mühsam beschriebene Steißgeburt in der Übersetzung als 'Sturzgeburt' (= sehr rasche Geburt) bezeichnet wird. Unangemessen finde ich es auch, in einem Roman, der so weit in der Vergangenheit spielt, eine Figur ausgerechnet an Krebs sterben zu lassen - so hart wollen wir dann doch nicht in die heutige Realität zurückgeholt werden. Größere Punkte: Nicht nachvollziehbar finde ich, dass jemand, der als Dreijähriger aus seinem bisherigen Leben gerissen wird, als Erwachsener herausfindet, wer seine Eltern waren (obwohl es den Erwachsenen seiner Kinderzeit nicht klar war) und wem er folglich eine Schuld an seinem Leiden zuweisen kann - nicht aber, warum seine Mutter ihn tatsächlich in dieser Lage zurücklassen mußte. Ebenfalls unverständlich finde ich, dass der Tod der einen Heilerin als großer Verlust bezeichnet, das Fortgehen der zweiten, verbliebenen am Ende aber nicht einmal als problematisch thematisiert wird. Schade, dass solche (meiner Meinung nach vermeidbaren!) 'Konstruktionsunebenheiten' eine so wundervoll erzählte Geschichte dann doch 'dämpfen' ... Ach ja, über eine Beschreibung der Hochzeitsfeierlichkeiten an geeigneter Stelle wäre ich auch nicht böse gewesen. ;o)


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