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Rezensionen verfasst von
Steppenrocker

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The Cherry Thing
The Cherry Thing
Wird angeboten von FLASH
Preis: EUR 9,32

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Traum, 29. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Cherry Thing (Audio CD)
Eine der besten Platten 2012 (und das ist mein voller Ernst), trotz des angeblichen Lärms und der angeblich schlechten Klangqualität. Für Neneh-Cherry-Fans aus ihrer Pop-Phase ist das aber eher nichts (zumindest sollten sie die Platte nicht blind kaufen), denn es ist keine Neneh-Cherry-Platte, sondern eine Platte von The Thing, die sich Cherry als Sängerin geholt haben. Natürlich sind The Thing ein Free Jazz Trio, nämlich eines der besten überhaupt, ihre Musik als Lärm abzutun, geht am Thema vorbei. Denn wenn man einen Blick auf die Songs dieser Platte wirft, dann erkennt man, dass Jazz hier wieder auf eine seiner Säulen zurückgeworfen wird: Sozialkritik. Die Stücke (zwei Eigenkompositionen und sechs Coverversionen) entwerfen ein düsteres Gesellschaftsbild und halten als mögliche Antwort den Traum dagegen (z.B. in "Dream Baby Dream" oder "Dirt"). Das kann nicht im Hochglanzformat präsentiert werden, weshalb die "schlechte" Klangqualität eindeutig beabsichtigt ist. Vielleicht ist "dreckig" hier der bessere Ausdruck. Eine sehr informative und ausführliche Kritik (wenn auch auf Englisch) findet sich hier: [...]


The Destroyed Room: B-Sides & Rarit [Vinyl LP]
The Destroyed Room: B-Sides & Rarit [Vinyl LP]
Preis: EUR 18,63

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Work in Progress, 28. November 2011
Tatsächlich sind Sonic Youth eine Band mit zwei Gesichtern. Man kann auch sagen, die Musiker haben unterschiedliche Vorlieben und Einflüsse, die nicht immer auf ihren regulären Veröffentlichungen erkennbar sind. Diese durchaus unkommerzielleren Stücke veröffentlicht die Band konsequenterweise unter ihren SY-Label, wobei da gerne Free-Jazz/frei improvisierte Musik oder Neue Musik à la John Cage gespielt wird. "The Destroyed Room" ist aber durchaus ein reguläres Sonic-Youth-Album, wenngleich auch etwas offener gestaltet. Der Opener "Fire Engine Dream" gibt den Takt vor: ein 10-minütiger Jam, der harte Riffs mit Atonalität paart. Aber in den Liner Notes zur Platte gibt die Band zu, dieses eher schwer zugängliche Stück absichtlich an den Anfang gestellt zu haben, man wollte sehen "who's here and who's not." Auch das nächste Stück geht noch in diese Richtung, ist aber deutlich kürzer. "Is it my Body?" und "Doctor's Orders" sind dann schon typische Sonic Youth-Stücke, die auf jedes Album passen würden, letzteres ist sogar auf "Experimental Jet Set, Trash and No Star", allerdings mit Kim Gordon am Gesang, während hier Thurston Moore singt. Die zweite Seite der ersten LP beginnt dann mit "Razor Blade", einem herrlichen Kim-Gordon-Folk-Blues, ihr Gesang wird fast nur von einer akustischen Slide-Gitarre begleitet. Auch das zweite Stück singt bzw. spricht Kim Gordon, hier klingt die Band eher so, als spiele sie eine Referenz an "The End" von den Doors. Seite drei sind dann tatsächlich instrumentale Stücke, aber hier bekommt man eben den geliebten Sonic-Youth-Lärm, den man auch auf "Goo" oder "Daydream Nation" so schätzt. "Beautiful Plateau" ist eine typische Sonic-Youth-Jam oder wie sie es nennen, eine "Rock'n'Roll meditation coming out of an extended noise jam." Daraus entstehen dann letztendlich ihre Songs. Die letzte Seite des Doppelvinyls wird vom Höhepunkt der Platte beherrscht: "The Diamond Sea" ist ein 25-minütiges Melodie-Noise-Monster, das Sonic Youth 1995 auf der Lollapalooza-Festival-Tour immer als letztes Stück gespielt haben. Zunächst noch ein typisches Stück mit einer wundervollen Melodielinie, franst es mit zunehmender Dauer immer mehr aus, verlässt aber nie völlig das Grundriff bzw. die Melodielinie - ein gigantischer Fade Out. Schon dafür allein würde sich der Kauf der Platte lohnen.
Man kann hier einer Band beim Entstehen eines Werks zusehen, work in progress wird hier zugänglich gemacht. Das ist für Fans natürlich Pflicht, sollte aber neugierige Hörer nicht abschrecken. Wer nur die sehr zugänglichen "Daydream Nation", "Goo" oder "Rather Ripped" mag, ist hier vielleicht falsch und auch als Einstieg ist die Platte nicht geeignet (aber es sind ja auch B-Seiten und Raritäten). Die Covergestaltung ist übrigens sehr liebevoll, es gibt zu jedem Song einen kleinen Text zur Entstehungsgeschichte und man kann sehen, wie sehr die Band sich auch in einen Kunstzusammenhang stellt. Für die LP sprechen der exquisite Klang und das schöne Cover, für die CD der beinahe schon lächerlich zu nennende Preis.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 4, 2012 7:23 PM CET


Lemming
Lemming
Preis: EUR 19,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Porträt der Künstler als reife Band, 15. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lemming (Audio CD)
Oho - das böse Wort ist ausgesprochen worden: Hype! Tatsächlich sind in wichtigen Zentralorganen der deutschen Musikpresse Hymnen auf dieses Album verfasst worden. Da das in letzter Zeit aber etwas wahllos geworden ist, sollte man bei so etwas tatsächlich immer genau hinsehen. "Lemming" weist Kontinuitäten zu seinen Vorgängeralben auf, ist aber auch anders als "Saurus", "Winter" oder "What matters is the Poem". Ein neues Album von Locas in Love hat sich immer von dem unterschieden, was die Band zuvor gemacht hat (eine ihrer großen Qualitäten). Wir haben es also einerseits auch hier wieder mit Popmusik im Zeitalter der Postmoderne zu tun, aber dieses Mal kann man erkennen, wie die Band versucht mehr als bloß ein tolles neues Album zu schaffen, sondern dass es hier um ein Gesamtwerk geht. Es gibt auf "Lemming" selbstverständlich die hübsch gestreuten Zitate (die textliche Reminiszenz an 'Let it be' in 'Spoiler Warning', das Sgt. Pepper's Riff in 'Die zehn Gebote' und die John-Cale-Paris-1919-Trompeten in 'Manifest'), die übereinander geschichteten Gitarren und vor allem in den Songschlüssen den Hang zum ausufernden Mäandern. Auch der typische Wall-of-Sound gepaart mit dem treibenden Velvet-Underground-Rhythmus ist wieder da, sogar ein fernes Echo aus Björn Sonnenbergs eigenem frühen Songwriting (Dackel 5) ist zu erkennen (bei 'Ist das Blut?', inklusive Pete Townsendschen Powerakkorden). So weit, so gut, so bekannt. Neu ist bei "Lemming", dass es kein überragendes Stück gibt, wie es auf dem letzten Album 'Saurus' oder 'Egal wie weit' waren, aber dafür auch kein einziges, das abfällt (auch das gab es auf den Vorgängern). Jeder Song ist hier auf seine Weise interessant und großartig. Neu ist auch, dass die Keyboardriffs deutlicher im Vordergrund stehen und die Songs häufiger tragen (z.B. die Yo-La-Tengo-Orgel in 'An den falschen Orten'). Und schließlich gibt es auch Verschiebungen bei den Texten, die auf "Lemming" weniger Geschichten erzählen und stattdessen assoziativer sind. Neben immer wiederkehrenden Themen und Metaphern wie Zerstörung, dem Affen auf der Schulter, dem Schrecken der Welt und der (Un)möglichkeit in einer von all dem durchdrungenen Welt zu leben, steht dieses Mal die Liebe noch deutlicher im Zentrum. Es ist die Liebe in den Zeiten des Spätkapitalismus, sie ist allumfassend, radikal, kompromisslos, schön. In den beiden zentralen Stücken des Albums wird sie aus weiblicher und männlicher Perspektive verhandelt (Björn in 'Manifest', Stefanie in 'An den falschen Orten'). Wie kann man verliebt sein, aber dennoch politisch bewusst zu handeln? Oder im Adornoschen Sinne im falschen Leben richtig leben? Um nichts weniger geht es hier. 'Wenn ich es in Worten sagen könnte, was ich zu sagen habe, gäb' es keinen Grund noch ein weiteres Lied zu schreiben, immer noch ein weiteres Album zu machen, aber ich kann es nicht, ich kann es nicht; und es wird immer, immer dasselbe sein, und es wird immer, immer so weitergehen'.
So ist es. Und warum soll es ein Hype sein, wenn die seit Jahren beste deutsche Band endlich das verdiente Lob bekommt?
Ich freue mich auf das Ennio-Morricone-goes-GodspeedyoublackEmperor-Instrumental-Doom-Album, die Neueinspielung von "Pet Sounds" oder den Soundtrack für einen Godard-Film. Oder einfach das nächste Album.


Woodstock am Karpfenteich: Die Jazzwerkstatt Peitz
Woodstock am Karpfenteich: Die Jazzwerkstatt Peitz
von Bert Noglik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Free Jazz Nirvana im Osten, 8. August 2011
Die Jazzwerkstatt Peitz bezeichnet mehrere Konzerte und Workshops, die von Uli Blobel und Peter "Jimi" Metag in der ostdeutschen Kleinstadt Peitz in den Jahren von 1973 bis 1982 organisiert wurden. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Free Jazz oder improvisierte Musik. Erstaunt liest man, wie abenteuerlich sowohl die Organisation als auch der Besuch dieser Konzerte gewesen sein muss, wieviel Herzblut die Organisatoren aufgewandt haben und auch wie naiv sie zum Teil gewesen sind. Auch wenn die Beiträge der damals beteiligten Musiker manchmal etwas pathetisch sind, wird das durch die durchaus kritischen Beiträge von Bert Noglik und Wolf Kampmann wieder wettgemacht. Über die Musik hinaus bekommt man ein sehr persönliches Stück Zeitgeschichte geliefert. Den Kauf allein wert sind schon die beiliegende CD mit so wohl noch nie veröffentlichten Aufnahmen (z.B. der Workshopformation mit Uli Gumpert, Peter Brötzmann, Johannes Bauer, Harry Miller und Willi Kellers), die Programmflyer (unglaublich, welche westlichen Free-Jazz-Stars die Organisatoren Blobel und Metag in den Osten gelockt haben) und die wunderbaren Schwarz-Weiß-Fotos. Sehr empfehlenswert.


The Seven Deadly Sins
The Seven Deadly Sins
Preis: EUR 19,76

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großer Modern Jazz, 29. März 2011
Rezension bezieht sich auf: The Seven Deadly Sins (Audio CD)
Was erwartet man, wenn man eine CD kauft, die The Seven Deadly Sins heißt? Till Brönner? Sollten die sieben Todsünden musikalisch etwa in vollkommener Harmonie dargestellt werden? Nein, nein. Joseph Daley hat hier alles richtig gemacht. Hier spielt ein wuchtiger Klangkörper zwischen notierter und improvisierter Musik, die einzelnen Stücke bedienen sich der großen amerikanischen Großformat-Tradition von Ellington über Marsalis bis zu David Murray und Teilen der Chicagoer AACM-Szene, wobei auch weltmusikalische Einflüsse durchscheinen (z.B. in Superbia mit seinen arabischen Anklängen). Natürlich kann Daley auch seine Vorbilder Charlie Haden und Carla Bley nicht verleugnen. Dass das nicht immer wohlklingend sein kann und schräge Töne hier zu Programm gehören, versteht sich von selbst.
Mit Getröte oder unstrukturiertem "Gehupe" hat das alles aber definitiv nichts zun tun. Ausnahmsweise hat Stereoplay mal eine richtige Auswahl bei der Platte des Monats getroffen, auch andere Fachzeitschriften und blogs loben diese CD zu Recht in den höchsten Tönen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 7, 2011 6:50 AM MEST


Winter
Winter

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bisschen Trost, 7. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Winter (Audio CD)
Seit Jahren veröffentlicht eine große Band wie Locas in Love herausragende Musik, ohne dafür von den Medien oder vom großen Publikum gewürdigt zu werden. Winter" sollte eigentlich nur eine EP werden, die die Zeit bis zum nächsten richtigen Album überbrücken helfen sollte. Dann stellte man aber fest, dass man doch genügend gute Stücke hatte, um einen Longplayer daraus zu machen. Wie Björn Sonnenberg und seine Band Songs von dieser Qualität aus dem Ärmel zu schütteln scheinen, ist wirklich unglaublich. Dieses Mal ist es ein Konzeptalbum zum Titel der Platte, alle Songs haben etwas mit Winter und/oder Kälte zu tun. Dabei verarbeitet die Band aber auch Themen, um die ihre Songs schon immer kreisen, um die Macht der Erinnerung, die einen bei der Rückkehr an Orte der Kindheit überkommt, oder um den Versuch des emotionalen Überlebens in der Gesellschaft. Musikalisch sind die Stücke im Vergleich zum Vorgänger Saurus" kürzer, aber opulenter arrangiert. Es gibt Bläser, Streicher, Glockenspiel, was man eben für eine Winterplatte braucht. Stefanie Schranks und Jan Niklas Jansens Stimmen harmonieren mit der Zeit immer besser mit der Sonnenbergs, auch ihre Stücke haben an Qualität gewonnen. Meine Favoriten sind Maschine" mit der herrlichen Textzeile Aber du kannst ihren Staat nur zersetzen durch deine Hoffnung / schreib es auf ein Kalenderblatt / ritz es in Schulbänke / ich will diese Parole auf Wänden sehen und auf Rucksäcken / und Kälte hin oder her, ich will nicht aufgeben / ich bin keine Maschine / ich werde nicht funktionieren", göttlichem Harmoniegesang, Velvet-Underground-Gedächtnis-Riff und Flügelhorn im Background und Bushwick", das Spicks and Specks" von den Bee Gees zitiert. Music from and for the Great German Songbook.


Saurus
Saurus
Preis: EUR 29,65

22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konkurrenzlos, 17. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Saurus (Audio CD)
Machen wir's kurz: Björn Sonnenberg ist der beste deutsche Songschreiber und Sänger seiner Generation! Umso unverständlicher ist es, dass seiner Band Locas in Love bislang so wenig mediale Beachtung geschenkt worden ist - im Gegensatz zu den unnötigen Sport und Pendikel, den fürchterlichen Fotos, den inzwischen peinlichen Tomte oder den völlig überschätzten Blumfeld. Locas in Love haben sich über die Jahre stetig weiter entwickelt und "Saurus" ist endlich das konstante Werk geworden, das man auf den Vorgängerplatten schon erahnen konnte. Vergleicht man sie mit anderen Bands, die auch deutsch singen, fällt auf, dass Sonnenberg nicht in den typischen enervierenden Singsang der Hamburger Schule verfällt, sondern sich vielmehr an amerikanischen Vorbildern aus der Country/Folk Ecke oder wahrhaft großen Pop-Bands wie den Jayhawks orientiert. Zugleich macht er nicht den Fehler, dass sich seine Texte unbedingt reimen müssen. So geht er einigen Peinlichkeiten souverän aus dem Weg. Herausragende Stücke sind der Opener "Sachen", das wunderbar leichte "Saurus" (das die Charts entern müsste, gäbe es eine gerechte Welt), "Honeymoon is over", das Herzstück der Platte mit einem sehr schönen Streicher-Outro, das ein musikalisches Thema aufgreift, das die ganze CD durchzieht und die Nick-Drake-Hommage "Rosa Mond". Der Höhepunkt ist aber "Egal wie weit", eine Geschichte der Rückkehr in die Heimatstadt, wie sie viele, die nach dem Abitur von zu Hause weggezogen sind und über die Weihnachtsfeiertage die Eltern besuchen, kennen. Über weite Strecken ist der Text melancholisch und versöhnlich, um einmal kurz auszubrechen und die wahre Gefühlslage zu benennen. "Dass du jedes Jahr an Weihnachten an Selbstmord denkst / und all die Vorwürfe, die du noch zu machen hättest / dass dein kolossales Scheitern letztlich hier anfing / wirst du nicht verraten, nicht einmal um dich selbst zu retten / und ihr tut so als wär' das hier kein besondrer Ort / doch wenn du noch vor deinen Eltern stirbst, begraben sie dich dort / aber so oder so will keiner wissen / was mit dir nicht stimmt / und sie werden dich vermissen / und ich werd dafür sorgen, dass in der Altstadt eine Straße nach dir benannt wird". Das ist wahrhaft groß und rührt zu Tränen. Respekt!


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