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Cappuccino-Mama "."

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100 Dinge, die Mama einmal im Leben getan haben sollte
100 Dinge, die Mama einmal im Leben getan haben sollte
von GROH Verlag
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Ob zum Muttertag, Geburtstag oder zur Geburt eines Kindes..., 3. Mai 2015
...dieses liebevoll gestaltete Buch ist sicherlich für viele Jahre ein treuer Begleiter für junge und junggebliebene Mütter.

Nachdem mich schon die Aufstellbücher vom Groh Verlag begeistern konnten, die ich gerne zu verschiedenen Gelegenheiten verschenke, möchte ich heute mal ein kleines Büchlein vorstellen, das sich wunderbar als Geschenk für Mütter eignet.

Das Cover:

Das Buchcover ist matt gestaltet, lediglich der Buchtitel, der violett und in verschiedenen Schriftarten geschrieben ist, wurde glänzend hervorgehoben. Das Titelbild passt hervorragend zum Thema – auf dem Foto sieht man eine Frau, die ein Kleinkind auf dem Arm hält. Beide sind nur von hinten zu sehen, weil sie aufs Meer (oder auch auf einen See) hinausblicken.

Das Buch – Inhalt und Gestaltung:

Das Büchlein ist klein und handlich, findet also leicht sein Plätzchen – sei es in einer Schublade, einem Regal, oder auch als ständiger Begleiter in der Handtasche. Lediglich schlanke circa 16,5 cm x 12,5 cm misst dieses Buch. Versehen ist das Buch mit einem Lesebändchen in einem kräftigen Lilaton.

100 Tipps, wie der Buchtitel es bereits ankündigt, befinden sich in diesem Buch. Meist befindet sich ein Tipp auf einer ganzen Seite, selten sind es auch mal zwei Tipps. Seitenzahlen gibt es in diesem Buch nicht, diese sind aber auch unnötig, und sie würden den Charme dieses süßen Buches dann doch ein Stück weit zerstören.

Zu fast jeder Idee gibt es ein Foto (außer bei den Seiten, auf denen sich zwei Tipps befinden). Dabei ist allerdings die gesamte Seite farbig gestaltet – ob nun gemustert, oder eben nur mit einem einfarbigen Hintergrund. Die Abbildungen sind natürlich nicht immer einfach einfallslos mittig und gerade platziert, sondern oft schräg, oder das Motiv ist mit einer gestrichelten Linie umrandet, was an „Ausschneidebildchen“ erinnert.

Kurz gesagt: Die Buchgestaltung wirkt auf mich jung, frisch und auch witzig in der Umsetzung. Gut in Szene gesetzt, findet man zu Beginn einer jeden Idee die Nummer. Es folgt der eigentliche Tipp, danach ein oder mehrere Erläuterungen dazu, z.B.:

12 - SING DEINEN KINDERN ETWAS VOR – Auch wenn du meinst, kein Talent zu haben, der Nachwuchs wird sich immer daran erinnern – so oder so.

Am Ende des jeweiligen Tipps befindet sich das Wort „erledigt“, dahinter ein Kreis, in dem man den Tipp ankreuzen, oder auch abhaken kann. Für die bessere Übersicht hätte man allerdings auch am Ende des Büchleins zusätzlich eine Auflistung der Tipps hinzufügen können, um diese dort nochmals zu markieren.

Sehr schön fand ich auch das kurze Nachwort des Verlegers Joachim Groh – wiederum sehr hübsch gestaltet.

Meine Meinung:

Statt Pralinen und einer Flasche Sekt kann ich dieses kleine Buch nur weiterempfehlen, denn dieses ist ein weitaus originelleres Geschenk für Mütter oder werdende Mütter, und zudem hat man länger etwas davon, als von kalorienreichen Leckereien. Besonders geeignet finde ich das Büchlein als Geschenk zum Muttertag, aber auch zur Geburt eines Kindes, aber natürlich auch zu sonstigen Anlässen.

Ob sie alle Ideen aus dem Büchlein umsetzt, liegt an der Mutter selbst. Manche Dinge sind eigentlich ganz einfach – man muss sich nur trauen: STEH MORGENS ALS LETZTE AUF (Tipp 56), bei anderen muss man erst den inneren Schweinehund besiegen: STEH VOR DER SONNE AUF (Tipp 55), bei anderen darf man mal wieder ganz Kind sein: WAGE EINEN ROLLENTAUSCH (Tipp 4), oder man gönnt sich einen Urlaub vom Muttersein, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: ERKLÄRE EINEN TAG IM MONAT ZUM MAMA-HAT-FREI-TAG (Tipp 2). Oft sind es solche Ideen, auf die man eigentlich längst schon selbst hätte kommen können, aber manchmal muss einem eben zuerst die Nase auf das Naheliegende gestoßen werden.

Dachte ich zuerst noch, ich könnte nicht besonders viele der 100 Dinge abhaken, so stellte ich am Schluss fest, dass ich doch schon eine ganze Reihe dieser Ideen umgesetzt habe – ob es nun das Herstellen eines Kuscheltieres war, Marmelade habe ich ebenfalls schon selbst gekocht, sowie andere Dinge realisiert. Gedacht ist das Buch nicht nur für Mütter von ganz kleinen Kindern, denn einige wenige Ideen sind auch für Mütter von erwachsenen Kindern gedacht, z.B. BEREITE DICH AUF DAS LEBEN DANACH VOR (Tipp 99).

Besonders gut gefiel mir natürlich der Tipp Nr. 100, den man auf jeden Fall beherzigen sollte: SEI IMMER FÜR DEINE KINDER DA - Mamasein hört eben nie auf.

Mit 9,99 Euro scheint das Büchlein auf den ersten Blick nicht besonders preiswert zu sein. Doch der Blick ins Buch zeigt, dass der Preis gerechtfertigt ist. Erst einmal bestehen die Seiten aus relativ dickem und somit recht stabilem Papier, dazu kommt die durchweg farbige Gestaltung und zudem handelt es sich um eine hochwertige, gebundene Hardcover-Ausführung mit Lesebändchen. Ein gelungenes Produkt, das der Beschenkten mit Sicherheit Freude bereitet.

Mein persönliches Fazit:

Ein wunderschönes Buch für (junge) Mütter – egal zu welchem Anlass, ob zum Verschenken, oder um sich selbst etwas zu gönnen. Sicherlich wird nicht jedes der 100 Dinge letztendlich abgehakt werden, aber Inspirationen bietet das kleine Buch dennoch. Einige Dinge kann man mal gemeinsam mit Kindern, andere ohne Kinder durchführen. Die Ideen sind so verschieden wie die Mütter selbst – mal witzig, dann wieder total verrückt und manchmal ganz einfach nur schön – eine kleine Auszeit vom Familienleben oder Unternehmungen mit Kind und Kegel, an die man sich noch lange erinnern wird. Diesen Einfallsreichtum und die kreative Umsetzung belohne ich sehr gerne mit 5 Sternen.


Sonne, Mord und Ferne.
Sonne, Mord und Ferne.
von Mechthild Zimmermann
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine mörderisch gute Urlaubszeit, 28. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Sonne, Mord und Ferne. (Taschenbuch)
Sonne, Mond und Sterne war gestern, heute heißt es SONNE, MORD UND FERNE. Die schönste Zeit des Jahres kann ganz schnell zu einem Alptraum werden, aus dem es mitunter kein (gutes) Erwachen gibt.

Das Cover:

Zwei Dinge fielen mir hier ins Auge, zum einen das Motiv, das andere war die eher außergewöhnliche Platzierung des Buchtitels. Statt der üblichen Variante, bei der die Wörter in Zeilen untergebracht werden, ist hier der Titel von unten nach oben zu lesen – statt horizontal also vertikal – das fällt ins Auge, was von Vorteil sein kann.

Die Farben wurden hier gut gewählt – das Wort SONNE erstrahlt in einem kräftigen, „sonnigen“ Gelb, rot wie Blut, und damit auch passend, ist das Wort MORD. Und der Rest UND FERNE ist in einem Blau gestaltet – blau wie das Meer, oder der sommerliche Himmel darüber.

Die Illustration wirkt schlicht und dennoch aussagekräftig. Mit wenigen Strichen wurde eine Frau skizziert, die zusammengesunken dasitzt, den Kopf auf eine Hand gestützt, der Blick wirkt sauer, gefrustet, böse. Die Wellen des blauen Meeres „lecken“ an ihren Füßen. Was auf den allerersten Blick etwas aussieht, als würde es sich um blutige Schnitte handeln (bei diesem Titel wäre dies ja durchaus denkbar!), soll einen Bikini darstellen, erkennbar an den stilisierten Schleifchen.

Überladen wirkt das Cover nicht, doch ich hätte ich mir auf dem Cover noch eine kleine Ergänzung gewünscht, wie z.B. „Mordsgute Urlaubsgeschichten“ oder etwas Ähnliches, dazu die Namen der einzelnen Autoren, denn die findet man weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite des Buches – so wäre die große weiße Fläche gut und sinnvoll genutzt gewesen. Wer nimmt den nicht das Buch in die Hand, wenn ihm die Namen bekannter Autoren auf dem Cover ins Auge fallen? Vielleicht sogar die seiner Lieblingsautoren? Dass es sich um eine Anthologie handelt, ist leider auf dem Cover nicht klar erkennbar, den Hinweis findet man allerdings auf der Rückseite des Buches.

Die einzelnen Krimis / Geschichten / Gedichte / meine Meinung dazu:

Als ich einmal mit einer Frau, die ich im Kölner Karneval kennenlernte, eine spontane Weltreise unternahm (Michael Schoenen):

Ein Weltreisender wartet vergeblich darauf, dass seine Begleiterin Lisa ihn endlich „ranlässt“...

Dieses Gedicht mit seinem unglaublich langen Titel überzeugt durch seinen Humor. Sehr amüsant geschrieben, weshalb ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte – eine gelungene Einstimmung auf das Buch.

Shades of Ray (Klaus Stickelbroeck):

Rita möchte frischen Wind in die Beziehung mit Gerd bringen. Doch statt Lust herrscht eher die Angst...

Eine herrliche Geschichte, die mir wiederum sehr gut gefiel, beim Lesen habe ich mich köstlich amüsiert über die Kurzversion einer Parodie auf einen Bestseller.

Frieda macht frei (Nina George):

Zum 25jährigen Firmenjubiläum schickt der Chef seine drei Putzengelchen Lieschen, Hanni und Frieda zum „Entschleunigen“ in ein Land- und Wellnesshotel. Doch statt Erholung wird der Aufenthalt für die drei Damen zur Tortur. Doch Frieda weiß sich zu helfen...

Hier wird Wellness auf amüsante Art und Weise auf die Schippe genommen – statt Zigaretten, gutem Essen und Hochprozentigem gibt es Klangschalen, vegetarische Kost und jede Menge Entbehrungen.

Drei Tage Karpaten (Horst Eckert):

Man(n) sucht die Entspannung der ganz besonderen Art. Schon der Hinflug nach Rumänien wird Dank einer ganz besonderen Crew zu einem unvergesslichen Erlebnis...

Lustreisen und Korruption, dazu eine Bärenmutter, die auf Futtersuche ist. Diese Geschichte ist zwar weniger amüsant als die bisherigen Kurzgeschichten, behandelt aber ein Thema, das vor einiger Zeit durch die Presse geisterte.

Eingeweckt und eingecheckt (Regine Kölpin):

Zwanzig Jahre nach Kriegsende gönnt man sich einen mehrtägigen Urlaub an der Nordsee. Hans steht vor einer großen Herausforderung: Wie bringt man seine Eltern, Onkel und Tante, samt Gepäck und Unmengen an eingekochtem Essen in einem Auto unter?...

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben! Mitunter beginnt das Abenteuer schon vor der eigenen Haustür – wenn es ans Packen geht. Eine wunderbare Zeitreise in die Sechziger, als Mutti noch Marschverpflegung für eine ganze Armee einpackte, Roy Black noch lebte und die Reise musikalisch begleitete und eigentlich eher Italienurlaub „in“ war.

Schalentiere (Sabine Deitmer):

Als eine neue Mitbewohnerin in die WG von Ilse, Bernd und Rainer einzieht, sieht Ilse rot, denn sie ist nicht bereit, ihren Freund mit einer anderen Frau zu teilen. Ein Urlaub soll' s richten...

Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Ilse fordert eine Entscheidung, doch eine Entdeckung stellt die Weichen.

Barb goes Timmendorf (Regina Schleheck):

Barbaras Mutter lernt Jürgen kennen. Dessen Tochter Astrid lebt im wahrsten Sinne des Wortes in einer rosaroten Barbiewelt. Gemeinsam fahren sie ans Meer...

In der Kürze liegt die Würze – auf lediglich dreieinhalb Seiten erzählt die Autorin kurz und knackig aus dem Leben der rebellischen Barbara, dabei hat sie alles wunderbar aufs Wesentliche begrenzt und auf den Punkt gebracht.

Die Kehrseite der Liebe (Gisa Pauly):

Ein unverhofftes Treffen auf Sylt – am Nacktbadestrand! Lutz und Claudia suchen im Urlaub Erholung...

Nackte Tatsachen – und die ewigen Missverständnisse zwischen Mann und Frau. Lutz hat ein Faible für Frauenhintern, während Claudia, die vom Freund verlassen wurde, und deren Kinder längst eigene Wege gehen, mit ihrem Aussehen hadert.

Riders On The Storm (Rich Schwab):

Die Begegnung zweier ungleicher Urlauber – ein älterer Herr und eine Joggerin, die ihrem Verehrer kaum Beachtung schenkt. Doch eines Tages verändert sich alles...

Eine recht kurze Geschichte, dazu etwas ungewöhnlich - magische Momente inbegriffen, dank der Macht der Musik.

Unschuld sieht anders aus (Nessa Altura):

Ein Ehepaar, das angeblich im Urlaub ist, verbringt die „schönste Zeit des Jahres“ auf dem heimischen Dachboden – unbemerkt von den Nachbarn. Doch eines Tages kommt es zu einem schicksalhaften Zwischenfall...

Dieser Kurzkrimi gefiel mir wieder etwas besser als die letzten beiden, die nicht besonders spannend waren. Mir gefiel sowohl die Handlung, als auch der Erzählstil recht gut.

Ill silenzio dell'amore (Ricarda Oertel):

Thomas und Karola verbringen einen Liebesurlaub im sonnigen Süden, in Italien. Doch da ist noch Karolas Ehemann Max, und der ist mit Thomas befreundet...

Du sollst nicht begehren deines Freundes Weib – eine Frau zwischen zwei Männern. Der Leidtragende ist Max, denn der wird gleich von zwei Menschen betrogen, die ihm nahestehen. Wieder ein Krimi, der mir gut gefiel.

Weil wir böse sind (Jutta Maria Herrmann):

Bevor der Ernst des Lebens beginnt, und sich ihre Wege trennen, unternehmen vier Berliner Abiturienten eine Radtour durch Brandenburg. Doch dann beginnt für die vier Freunde ein Alptraum...

Mir gefiel hier der Aufbau der Geschichte – beginnend mit einer spannenden Stelle, danach der Rückblick. Sehr spannend geschrieben – beinahe stockte mir beim Lesen der Atem, angesichts der Handlung. Zweifellos ist dies eine meiner Lieblingsgeschichten im Buch.

Einmal Bergen und zurück! (Richard Birkefeld):

Tommy Heitinger hat hundertvierzigtausend Euro Spielschulden und die Frist, diese zu begleichen, läuft unbarmherzig ab. Doch Tommy weiß ganz genau, wie er an das Geld kommt – sein Plan ist bis aufs Detail ausgetüftelt und ein hilfsbereiter Bekannter, der sich gerne etwas dazuverdient, ist schnell gefunden...

Ein gut durchdachter, etwas längerer Krimi, mit mehreren Schauplätzen. Dass nicht alles nach Plan verläuft war bereits im Vorfeld meine Vermutung – doch ist dies auch eingetroffen?

Saison ist doch immer (Michael Schreckenberg):

Ferienzeit – Urlaubszeit. Auf den Weg in den Süden kreuzen sich die Wege verschiedener Urlauber. Man beschließt, einen Campingplatz anzusteuern und dort die erste Nacht zu verbringen. Doch am nächsten Morgen wird eine Frau vermisst...

Mir gefiel hier der lockere Erzählstil und die kurzweilige Handlung. Die Auflösung bot einige Überaschungen, war jedoch auch (erst einmal) etwas verwirrend.

Leiche auf dem Papier (Almuth Heuner):

Endlich Urlaub! Im Bikini auf dem Balkon liegen, einen Krimi lesen, neben sich einen eisgekühlten Drink und ab und zu ein kleines Nickerchen halten – einfach nur das Leben genießen. Alles könnte so schön sein, würde nicht plötzlich ein Mann an einem vorbei in die Tiefe fallen...

Die Protagonistin geht der Sache auf den Grund, bleibt jedoch auch noch am Schluss geheimnisvoll. Aber alles muss der Leser ja nicht erfahren – da bleibt noch Platz für eigene Vermutungen.

Fahrendes Volk (Ralf Kramp):

Hausmeister Gregor Mationka reist in seinem Urlaub mit dem Wohnmobil nach Südfrankreich. Von einer alten Zigeunerin lässt er sich seine Zukunft aus der Hand lesen. Ein Urlaub, der ihm für den Rest seines Lebens in Erinnerung bleiben wird...

Alles beginnt wie ein ganz gewöhnlicher Urlaub. Doch so idyllisch wie es erst zu sein scheint, ist es dann (leider) doch nicht. Eine fesselnde Handlung und ein lebendiger Schreibstil ließen hier die Seiten nur so dahinfliegen.

Der Abstieg (Karr & Wehner):

Schon viele Trekkingtouren hat Andreas Büchner gemeinsam mit Stephan, seinem Freund und Geschäftspartner, unternommen. Doch eines Tages gibt es in den Bergen Kolumbiens ein Unglück und Andreas macht sich auf den Weg zum Basislager, um Hilfe zu holen...

Manchmal kommt es nicht auf die Länge an – hier reichen nur wenige Seiten für die Handlung, die nicht besonders überraschend ist, aber mich dennoch gut unterhalten hat.

Das Sükrüt seiner Mutter (Carsten Sebastian Henn):

Am Ende seines Lebens macht sich Gustave Kreydenbach in seiner Heimat, im Elsass, auf die Suche nach dem Sükrüt seiner Mutter. Doch die Suche scheint im Nichts zu enden...

Sükrüt – dieses Wort war mir bislang unbekannt, so dass ich anhand des Titels vermutete, es würde sich um einen türkischen Begriff handeln. Tatsächlich handelt es sich bei Sükrüt aber schlicht und einfach um Sauerkraut. Mit einem besonderen Charme führt der Autor den Leser durch die elsässische Speisekarte, bestehend aus Flammekuech, Baeckeoffe und weiteren kulinarischen Spezialitäten, während der Protagonist den Tod bereits vor Augen hat. Eine schriftstellerisch wirklich hervorragend umgesetzte Idee – die wenigen Seiten Handlung – eine kleine literarische Zwischenmahlzeit.

Das Camp (Thomas Nommensen):

Nach zwanzig Jahren Ehe verbringen Lea und ihr Mann Karsten drei Wochen in einem Partner- und Selbsterfahrungs-Camp. Vielleicht nähert sich das Ehepaar im Zeltlager einander wieder an - so die Hoffnung von Lea...

Frauengespräche am Lagerfeuer, Überlebenstraining und die Schattenseiten einer Beziehung sind die Zutaten dieses Krimis. Ob die Eheleute wieder zueinander finden werden, oder ob sich die Wege der beiden trennen – alles ist möglich.

Frauentag in Las Palmas (Regula Venske):

Die Hamburger Sportlehrerin Isabel verbringt ihren Urlaub in Las Palmas. Dort macht sie die Bekanntschaft mit einem ganz außergewöhnlichen Mann...

Dieser etwas umfangreichere Krimi verfügt über viel Lokalkolorit, was zwischendurch auch nicht das Schlechteste ist, dazu einige ungewöhnliche Protagonisten und (leider) nur wenig Spannung.

Da ist alles drin (Dagmar Schönleber):

Anjita und ihr Mann verbringen einen All-inclusive-Urlaub auf Rhodos – samt lästigen Animateuren und vielen Drinks, um sich alles schön zu trinken...

Kriminell ist hier eher das nervige Verhalten der aufdringlichen Animateure – All-inclusiv-Urlaub bei dem jedes Klischee bedient wird – auf amüsante Art und Weise.

Es gibt immer eine Lösung (Heike Wulf):

Mallorca, wir kommen – Sven und Barbara lernen bereits auf dem Hinflug Daniel und Greta kennen und freunden sich mit ihnen an...

Zwar ist die Handlung teilweise vorhersehbar, aber dennoch unterhielt mich die Geschichte sehr gut – vor allem der Epilog brachte mich zum Schmunzeln.

Marmorhochzeit (Kerstin Lange):

Zum sechsundvierzigsten Hochzeitstag, der Marmorhochzeit, bekommt ein Ehepaar von seinen drei Kindern einen Urlaub auf Mallorca geschenkt – samt Schönheitsprogramm...

Eine langjährige Ehe, die trotzdem unglücklich ist – leider traurige Realität. Und Protagonist Hans war mir mehr als unsympathisch, während seine Frau mir einfach nur leid tat.

Rüdigers großer Coup (Elke Pistor):

Schauspieler Rüdiger Metzger träumt von einer Karriere in Hollywood. Ein Banküberfall soll ihm das dafür nötige Geld verschaffen. Gut getarnt stürmt er die Bank und trifft dort auf Fräulein Dilles und den Filialleiter. Doch eines hat Rüdiger sich vorgenommen – er will stets als Gentleman auftreten...

Mir kamen bei dieser Geschichte die Tränen – Lachtränen wohlgemerkt! Wie habe ich mich amüsiert über den einstudierten, durchgeplanten Banküberfall von Rüdiger, der seinen großen Auftritt so charmant meistert. Doch „leider“ (jedoch zu meiner Belustigung) neigt Rüdiger zu Träumereien (er sieht sich schon als Filmstar in Amerika am Pool liegen), was seiner Konzentration nicht gerade förderlich ist, und Pannen sind vorprogrammiert - trotz aller Vorbereitungen. Einer meiner absoluten Lieblingskrimis im Buch!

Ultra-all-inclusive (Guido Breuer):

Ein Schriftsteller will mit der besten Urlaubsbegleiterin von allen, seiner Frau, einen All-inclusiv-Urlaub im ägyptischen Hurghada verbringen. Doch schon bald wird das Plastikband, das eigentlich für freie Kost und freien Zutritt sorgen soll, zum Sklavenband...

Ein phantasievoller Krimi, der etwas wie eine Parodie auf mich gewirkt hat – All-inclusive-Urlaub, der zu einem Fluch werden kann.

Stellas Universum (Myriane Angelowski):

Stella hat alles für ihren erfolgreichen Mann Bruno getan. Doch eines Tages lernt dieser die junge Lara-Cheyenne kennen und verlangt die Scheidung. Bevor sie jedoch die Scheidungspapiere unterschreibt, fordert Stella von ihrem Mann einen letzten gemeinsamen Urlaub in Kanada...

Eine sehr spannend geschriebene, sehr kurzweilige Geschichte, die mir gut gefiel.

Le Président (Thomas Kastura):

Leichen pflastern ihren Weg - die sibirische Auftragskillerin Tin-Tun, die mit ihrem Aussehen Männern den Kopf verdreht, soll den korrupten französischen Präsidenten ermorden. Auf dessen Luxusjacht treffen die Killerin und der Politiker aufeinander...

Anfangs hatte ich Bedenken – zu sehr erinnerte mich die Handlung an Actionfilme, die nicht so mein Fall sind. Dennoch konnte die Handlung mich überzeugen – viel Action auf nur wenigen Seiten. Tin-Tun, die tödliche Verführerin, und Sicherheitspersonal, das sich nur allzu leicht becircen lässt. Ob das Glück ihr auch bei „le Président“ hold sein wird?

Mein letzter Wille (Daphne Zimmermann):

Vera tritt ihre letzte Reise an – gemeinsam mit ihrem Mann Manfredo – reist sie gen Süden, nach Italien. Während Manfredo quicklebendig am Steuer sitzt, liegt Vera mausetot im aufgeblasenen Schlauchboot auf dem Autodach und freut sich darauf, dass ihre Asche schon bald am Stromboli verstreut wird, so wie es ihr letzter Wille war...

Schwarzer Humor, makaber, aber wahnsinnig unterhaltsam – dieser Krimi ist zweifellos einer meiner Favoriten. Bei Veras Gedankengängen musste ich lachen: Frühlingsgrüner Nagellack sieht nicht gut aus an einem toten Fuß, das Fensterputzen vor dem Dahinscheiden hätte sie sich ersparen können, und es wäre wohl doch von Nutzen gewesen, sich zu Lebzeiten mit übersinnlichen Fähigkeiten zu befassen. Daumen hoch für diese tolle Geschichte.

Nez de Jobourg (Jutta Wilbertz):

Eine Witwe verbringt mit ihrer besten Freundin dort ihren Urlaub, wo sie einst mit ihrem verstorbenen Mann Micha glücklich war – in ihrer geliebten Normandie. Doch ständig nervt ihre Begleiterin Elke sie mit ihrer Schwärmerei für Irland...

Ich konnte mich sehr gut in die Witwe hineinversetzen – wer will schon mit jemanden verreisen, der immer ein Haar in der Suppe findet, und einem damit jede Freude zunichte macht.

Im Morgengrauen kam das Grauen (Ulla Lessmann):

Vier Autoren verbringen in einem Cottage in Irland, um dort zu schreiben. Doch Ratgeber-Autorin Sabine Drechsler, die einen Krimi schreiben will, fühlt sich zunehmend von den anderen Teilnehmern ausgegrenzt...

Da kann ich nur hoffen, das die geschilderte Situation in derartigen Workshops nicht der Realität entspricht.

Meine Meinung (Gesamteindruck):

Die üblichen Verdächtigen - einige der Autoren kannte ich bereits anhand ihrer Kurzgeschichten in anderen Anthologien, oder als Autoren von „herkömmlichen“ Krimis. Ich mag diese Kurzgeschichten-Sammlungen gerne, kann man doch auch zwischendurch mal ein oder auch mehrere davon genießen. Man hat hier die Qual der Wahl – liest man querbeet, oder ordentlich der Reihe nach? Jedenfalls hat man hier die Chance, neue Autoren für sich zu entdecken, deren Schreibstil oder Humor einem gefällt.

Herausgegeben wurde die Anthologie von Regina Schleheck, die ebenfalls eine Geschichte beigesteuert hat, sowie von Mechthild Zimmermann, die als Verlegerin zugleich Mitherausgeberin ist. Als Daphne Zimmermann verfasste sie für dieses Buch ebenfalls einen Krimi.

29 Kurzkrimis (+ ein Gedicht) warten auf die Leser – da ist für jeden Geschmack das passende dabei. Zur Einstimmung geht es mit einem Gedicht auf Weltreise, zum Schluss eine Verabschiedung in Form einer Autorenvorstellung im Anhang. Nicht immer gibt es Mord und Totschlag, auch wenn man dies mitunter vermutet. Ob im kühlen Norden oder heißen Süden – Mord und Totschlag gibt es immer und überall – selbst im Urlaub, der eigentlich doch der Erholung dienen sollte.

Übrigens: Zwei meiner Lieblingskrimis in dieser Anthologie (Rüdigers großer Coup, Mein letzter Wille) las sogar mein Mann, der absolut kein Krimileser ist – und er war begeistert. Ich sag ja – für jeden Geschmack ist etwas im Buch enthalten.

Im Anhang befinden sich die Porträts der Autoren, deren Geschichten in diesem Band vertreten sind. Ob man dieses Porträt nun, wie in diesem Buch, in einem Anhang unterbringt, oder das Porträt des jeweiligen Autors am Ende des Krimis platziert, ist wohl eher Geschmackssache. Bei letzterem ist der Vorteil, dass man sich hier das Blättern zum Anhang erspart. So wie es hier praktiziert ist, hat man alle Autoren beisammen, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass der Titel des jeweiligen Krimis nochmals vermerkt worden wäre. So muss man doch unter Umständen das am Anfang des Buches befindliche Inhaltsverzeichnis bemühen.

Das Inhaltsverzeichnis finde ich schön übersichtlich – Titel und darunter der Autorenname, beides in unterschiedlichen Schriftarten, das gefiel mir sehr gut. Auch schön fand ich die kleinen Illustrationen, die sich an einigen Stellen im Buch fanden. Der Zeichenstil hat Wiedererkennungswert, so auch die Covergestaltung – so erkennt man auch die weiteren Bücher dieser Serie sofort, wenn man sie erblickt.

Ich machte einen literarischen Urlaub an den verschiedensten Orten – angefangen auf Balkonien, über Sylt, das Elsass, Südfrankreich, Rhodos, Gran Canaria, und viele weitere Urlaubsorte, bis nach Südamerika. Ein tolles Extra wäre eine Weltkarte auf der Innenseite des / der Buchdeckel gewesen, auf der die Handlungsorte der einzelnen Geschichten markiert sind.

Einen kleinen Verbesserungsvorschlag, wie bereits erwähnt, hätte ich dennoch: Ich hätte mir gewünscht, dass sich auf dem Cover ein Hinweis findet, dass es sich um eine Anthologie handelt und auf der Buchrückseite (oder dem Cover) wäre die Auflistung der einzelnen Autoren wünschenswert gewesen. Auch wenn ich den ein oder anderen Autor vermisst habe, z.B. Tatjana Kruse oder Ingrid Schmitz, so gefiel mir die Zusammenstellung – die Geschichten sind sehr gut ausgewählt.

Fazit:

Eine Anthologie gleicht immer einer bunt gefüllten Pralinenschachtel. Die einzelnen Geschichten bieten Abwechslung - der eine Krimi entspricht mehr dem Geschmack des Lesers als ein anderer, und immer wieder gibt es die ein oder andere Überraschung – so mancher Autor zeigt von sich eine bislang unbekannte Seite. Es muss nicht immer Mord sein! - Während manche Geschichten vor krimineller Energie nur so strotzen, entpuppen sich andere als eher harmlos, was jedoch nicht bedeutet, dass sie weniger lesenswert wären.

Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und möchte dieses Buch daher gerne weiterempfehlen – ob nun als Begleiter in den Urlaub, als Lesestoff für erholsame Stunden auf Balkonien, oder als Einstimmung auf den Urlaub – von mir erhält das Buch 5 Sterne.


Meine Schwiegermutter, das Chaos und die Liebe
Meine Schwiegermutter, das Chaos und die Liebe
von Angelika Lauriel
  Broschiert
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen Chaotische Verhältnisse, die lieben Verwandten und eine Party..., 4. April 2015
Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen – man hat sie einfach, und muss mit ihnen leben – irgendwie...

Das Cover:

Das Buchcover besitzt zweifellos einen Wiedererkennungswert, denn SCHÜSSEL MIT SPRUNG, der Vorgängerroman, hatte ebenfalls einen orangefarbenen Buchtitel, und ein Teil des Buchtitels von MEINE SCHWIEGERMUTTER, DAS CHAOS UND DIE LIEBE ist im gleichen auffälligen Stil gestaltet. Abgebildet ist diesmal eine schlanke Frau in einem weißen Minikleid, wieder mit einem auffälligen Augen-Make-up. Mit geschlossenen Augen (vermutlich ist sie gerade mal wieder total genervt) lehnt sie an einer Wand. Währenddessen kippt gerade ein weißer, verschnörkelter Stuhl nach hinten und der rote Inhalt einer Tasse, oder auch ein Glas Rotwein,ergießt sich über Stuhl und weißem Boden. - Das Chaos ist perfekt!

Ein auffälliges Cover, das thematisch sehr gut passt, wobei ich aber in der dargestellten Frau nicht „meine“ Sanne wiedererkenne (die abgebildete Frau wirkt auf mich zu jugendlich und zu sehr durchgestylt), was ich allerdings überhaupt nicht schlimm finde. Aber das Schöne an Büchern ist schließlich, dass sich das Bild von den jeweiligen Protagonisten im Kopf des Lesers bildet. Und das ist auch gut so.

Die Handlung:

Endlich hat Susanne „Sanne“ Weiler ihr Haus wieder für sich, nachdem ihre Schwiegereltern wochenlang Gast bei Familie Weiler waren. Sanne könnte sich nun wieder ihren Lieben und ihrer Arbeit als Illustratorin widmen, doch ihr Mann Axel durchkreuzt ihre Pläne: Der bevorstehende 70. Geburtstag seiner Mutter Rosemarie soll bei ihnen im Garten gefeiert werden. Sanne macht gute Miene zum bösen Spiel und willigt ein.

Doch gerade jetzt hat Sanne viel zu tun: Die Einschulung von Töchterchen Lina steht an, ein wichtiger Abgabetermin rückt unbarmherzig näher, und Sannes Atelier soll fertiggestellt werden. Das frei gewordene Gästezimmer wird von Sannes Schwester Moni und deren lebhaften Sohn Tim als Zufluchtsort erkoren, die samt Hund bei den Weilers aufkreuzen – so zumindest der Plan. Doch dann muss Sanne schweren Herzens ihr Atelier zur Verfügung stellen.

Und dann verhält sich Schwiegervater Matthias plötzlich sehr sonderbar und Rosemaries Gästeliste wächst langsam ins Unermessliche - das Chaos ist komplett...

Meine Meinung:

Ich bevorzuge zwar immer ein gedrucktes Buch, doch mitunter kann ich auch bei einem eBook nicht nein sagen. Entweder weil ich die Werke der Autoren schätze (was hier eindeutig der Fall ist), oder weil mir die Buchbeschreibung zusagt (was ebenfalls der Fall ist). Schwiegermütter, bzw. -eltern sind doch immer wieder ein ergiebiges und oft auch witziges Thema (zumal man mit denjenigen aus Büchern nicht zusammenleben muss).

MEINE SCHWIEGERMUTTER, DAS CHAOS UND DIE LIEBE schließt nahezu nahtlos an das Buch SCHÜSSEL MIT SPRUNG an. Die Schwiegereltern sind gerade wieder weg, Sanne liegt mit ihren Illustrations-Aufträgen sehr gut in der Zeit, nachdem sie in der letzten Zeit immer erst in letzter Sekunde den Abgabetermin einhalten konnte. Alles wäre perfekt, wenn nicht... - ja, der Teufel ist ein Eichhörnchen, und natürlich ist gar nichts gut – dafür sorgt der Feind in den eigenen Reihen: Sannes Mann Axel. Dieser meint, man könne sich mit der Geburtstagsfeier für seine Mutter dafür bedanken, dass sie Sanne wochenlang im Haushalt unterstützt hätte! Wohlgemerkt: Die Schwiegereltern waren als Gäste im Haus. Männer und ihr Verständnis vom Zusammenleben . Da kann man mitunter nur mit dem Kopf schütteln (und sich als Leser köstlich amüsieren, sich aufregen und Sanne einfach nur bemitleiden).

Dabei hat Sanne auch so alle Hände voll zu tun – noch einmal will Sanne es nicht erleben, dass sie ihren Arbeitsplatz im Gästezimmer räumen muss. So bekommt sie nun endlich ein Atelier unterm Dach – ihr eigenes Reich, wo sie schalten und walten kann, wie sie möchte. Doch vorher müssen noch die letzten Arbeiten erledigt werden. Und dann ist da ja noch Linas Einschulung.

Sanne hat es nicht leicht mit ihrer Verwandtschaft: Ihre Mutter versucht noch immer, die längst erwachsene Tochter zu erziehen, indem sie ständig herumkritisiert, sei es an den Essenszeiten, oder auch am Speiseplan. Mitunter hatte man den Eindruck, durch die häufigen Telefonate würde sie Sanne geradezu überwachen. Das Leben mit Sannes Mutter ist wirklich anstrengend, wobei diese aber mitunter auch mal nett sein kann.

Doch nicht nur die Mutter erschwert Sanne das Leben. Da ist noch Moni, Sannes Schwester, die sich ständig über ihren Mann beklagt („Gunnar, der Arsch...“), und der seiner Familie zwar ein wunderschönes und luxuriöses Haus im Saarland gekauft hat, aber oft beruflich unterwegs ist. Seine Frau fühlt sich mit dem gemeinsamen Sohn überfordert – wobei ich fand, dass der kleine Tim ein ganz normales, gesundes und neugieriges Kind ist, das sich eben altersgerecht verhielt. Und mit dem Familienzuwachs in Form eines jungen Hundes kehrt auch keine Ruhe ein, im Gegenteil.

Axel – Sannes Mann hätte ich zu gerne ab und zu mal kräftig geschüttelt! Im ersten Buch quartierte er ja bereits seine Eltern für mehrere Wochen bei sich daheim ein, während er seine Geschäftsreise antrat. Schon damals erfuhr Sanne als Letzte von ihrem „Glück“. Und auch diesmal sagt er erst seiner Mutter Rosemi zu, bevor er seine eigene Frau vor vollendete Tatsachen stellt. Sanne schluckt nur kurz und nimmt alles hin, mehr oder weniger klaglos. Ich bewundere Sanne – bei mir wäre Axel so was von tot gewesen – natürlich nur im übertragenen Sinn. Wie gedankenlos kann man(n) nur sein!? Eigentlich fragt man da wohl erst mal den Partner, oder?

Keanu, der Sohn von Axel und Sanne wird langsam erwachsen. Nun will er möglichst schnell die Schule wechseln, nachdem er in seiner jetzigen Schule mit Problemen zu kämpfen hatte. Eigentlich ist alles wieder im Lot, dennoch will Keanu dort weg. Und dann scheint er auch noch Geheimnisse zu haben. Schnell war mir klar, dass da nur ein Mädchen dahinter stecken kann – die wechselnde Gesichtsfarbe spricht ja Bände. Auf mich wirkte Keanu für sein Alter schon recht reif.

Lina dagegen hat solche Probleme (noch) nicht – die „Piratenbraut“ steht kurz vor der Einschulung. Und die verläuft nicht gerade nach Sannes Vorstellung – sehr zu meiner Erheiterung. Die Mithilfe von Lina bei der Renovierung in Anspruch zu nehmen, ob das gutgehen kann? Aber eines muss man der jungen Dame, - ähhhh, Piratenbraut – lassen: Sie ist sehr selbstbewusst und lässt sich nichts gefallen. Und trotzdem – eines Tages, schon kurz nach der Einschulung reagiert Lina auf den bevorstehenden Schulbesuch mit heftigen Bauchschmerzen. Überhaupt findet sie die Schule plötzlich doof und will da keinesfalls mehr hin. Familie Weiler steht vor einem Rätsel...

Rosemi freut sich schon auf ihren Geburtstag, ist eifrig bei den Vorbereitungen und ganz in ihrem Element. Bei Perfektionistin Rosemi ist natürlich alles bis ins kleinste Detail durchgeplant – angefangen bei der Gästeliste bis hin zur Cateringfirma und der Tischdeko. Anfangs war ja von „nur“ 75 Geburtstagsgästen die Rede, doch dabei sollte es noch lange nicht bleiben – die Liste wuchs und wuchs. Doch was passiert, wenn bei einer Gartenparty das Wetter nicht mitspielt? Ich bewunderte Sanne, dass bei ihr keine Panik aufkam – oder war es nur die Schockstarre, die verhinderte, dass sie angesichts dieser Situation nicht die Nerven verlor?

„Der Deutschlehrer“ Matthias hingegen verhält sich mehr als seltsam. Er wirkt oft zerstreut und äußert sich nicht gerade sehr positiv über seine Frau. Da gab es so manche Spekulation, was sich wohl hinter einem solchen Verhalten verbergen würde, das so gar nicht zu einem sonst so korrekten Mann passte. Mit über siebzig Jahren war Matz doch wohl zu alt für die Midlife-Crisis, oder etwa doch nicht? Und dann ist Matthias plötzlich weg – und das kurz vor Rosemaries Geburtstag.

Matthias ist kein einfacher Mensch – eher ein „General“, der gerne mal bestimmt, wo es langgeht. Darunter musste im ersten Buch besonders Keanu leiden. Und auch diesmal mischt sich Matthias wieder mal kräftig ein, leider auch in Angelegenheiten, aus denen er sich besser heraushalten sollte.

Inspiriert von ihrem chaotischen Leben mit Mann, Kindern und Schwiegereltern, beginnt Sanne einen Blog zu schreiben (dadurch erfährt man einiges aus dem Vorgängerbuch). Eine Rubrik des Blogs nennt sich „Kindermund“. Beim Lesen musste ich da oft an meine Kinder zurückdenken – vor allem unsere Tochter war bei Wortschöpfungen schon als Kleinkind sehr kreativ. Kindermund – immer wieder schön und herzerfrischend. Jedenfalls erfreut sich Sannes Blog wachsender Beliebtheit. Und dabei hat Sanne ja eigentlich mal wieder gar keine Zeit, Beiträge für ihren Blog zu verfassen – eigentlich...

Ich kannte bereits den ersten Teil SCHÜSSEL MIT SPRUNG. Wer aber dieses Buch nicht gelesen hat, dürfte Dank der kurzen Rückblenden dennoch keine Probleme haben, dem Geschehen zu folgen – beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.

Langeweile? Die sucht man in diesem Buch vergeblich. Der Leser wird von der ersten bis zur letzten Seite unterhalten. Größtenteils ist die Handlung zwar humorvoll, es gibt allerdings auch Momente, die nachdenklich stimmen.

Ich liebe die Bücher von Angelika Lauriel – es ist bereits das vierte Buch, das ich von ihr gelesen habe. Ich mag den flüssigen Schreibstil ebenso sehr, wie ihren Sinn für Humor. Auch bei diesem Buch wurde ich wie gewohnt von der ersten bis zur letzten Seite hervorragend unterhalten. Ich hoffe doch sehr, dass die Sanne-Weiler-Serie noch um einige Bände ergänzt wird, denn diese Serie entspricht genau meinem Lesegeschmack.

Fazit:

So ist Familie – laut, chaotisch und unberechenbar! Geschichten, wie sie das Leben schreibt: Wer kennt sie nicht? Eltern und Schwiegereltern, die ihre Nase in alles stecken, was sie nichts angeht – sei es die Einrichtung der Wohnung, oder die Erziehung der Kinder. So geht es auch Sanne, die mal wieder vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Ein Buch zum Lachen, zum mitleiden und mitunter auch zum Nachdenken. Von mir erhält es eine Leseempfehlung und 5 Sterne.


Irgendwas ist doch immer!: Roman
Irgendwas ist doch immer!: Roman
von Daniela Nagel
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Das Mamiversum schlägt zurück – der ganz normale Familienwahnsinn, 1. April 2015
Kinder, Küche, Kirche war gestern. Heute heißt es Betreuung, Beruf, Beziehung. Das Mamiversum ist inzwischen auch bei Lektorin Alice angekommen und Vollzeit-Drillingsmutter Eve würde nach sechs Fahren Familienzeit gerne wieder beruflich durchstarten. Auf beide Frauen warten zahlreiche (neue) Herausforderungen – möge die Macht mit den Müttern sein!

Das Cover:

Vor einem blaugrünen Hintergrund, der mit Sternchen und Punkten versehen ist, sind zwei Babyfläschchen abgebildet, in denen sich eine rote Flüssigkeit befindet. Die Sauger sehen aus, als würden sie aneinandergedrückt, wodurch einige rote Tropfen hochspritzen. Hoch die Tassen – oder besser gesagt die Fläschchen – sieht aus, als würde man damit auf etwas anstoßen.

Farblich passt das Rot zum Buchtitel, der in einer etwas nostalgisch anmutenden Schriftart geschrieben ist. Optisch ist die rote Flüssigkeit zwar hübsch anzusehen, wurde aber von mir sofort mit Blut assoziiert – wobei es sich dann doch vermutlich eher um Saft oder Früchtetee handelt.

Dieses Buchcover passt zwar recht gut zu diesem Buch, leider fehlt aber ein verbindendes Element zum Buchcover von DAS LEBEN IST KEIN KINDERGEBURTSTAG, dem Vorgängerbuch. Das finde ich etwas schade, denn dadurch entsteht der Eindruck, die beiden Bücher würden nicht zusammengehören – es fehlt der Wiedererkennungseffekt. Hier hätte ich mir einen Hinweis gewünscht, entweder durch die Abbildung des vorherigen Covers auf der Rückseite, oder durch die Info „Die Fortsetzung von...“

Die Handlung:

Eve Keller, Mutter von sechsjährigen Drillingen, und Lektorin Alice Goldmann, Mutter einer kleinen, eineinhalbjährigen Tochter, leben nicht nur im gleichen Haus in Köln, sondern sind auch gute Freundinnen. Während Alice überzeugt ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, sieht ihr Umfeld das vollkommen anders: Ihre Freundin Isabel fühlt sich vernachlässigt und ist sauer und der Chef verlangt ihren vollen Einsatz.

Eve hingegen, die bislang Vollzeit-Mutter war, würde gerne ihren Horizont erweitern und nun endlich beruflich durchstarten. Aber statt Unterstützung werden ihr eher Steine in den Weg gelegt. Doch durch ihre Leidenschaft fürs Laufen hat sie plötzlich eine Idee, die sie gerne verwirklichen würde. Doch auch hier lauern Fettnäpfchen...

Meine Meinung:

Bereits vor einiger Zeit durfte ich die beiden Freundinnen Eve und Alice im Buch DAS LEBEN IST KEIN KINDERGEBURTSTAG kennenlernen. Alice, damals noch kinderlose Singlefrau, war der Auffassung, mit etwas Planung könne man Kinder, Haushalt und Beruf hervorragend bewältigen. Dieser Zahn wurde ihr inzwischen gezogen, denn inzwischen ist sie verheiratet und Mutter einer kleinen, süßen Tochter namens Clara.

Mit Eve, der Drillingsmutter, ist sie inzwischen eng befreundet, und bei der gegenseitigen Kinderbetreuung sind die beiden ein eingespieltes Team. Alles könnte so schön sein, doch auf Dauer wird das Zuhause von Alice zu eng und ihr Mann, der junge Arzt Sebastian träumt von einem Haus – leider in einer eher ländlichen Vorstadtidylle – und das entspricht so gar nicht Alices Geschmack! Und dann ist da noch der Reiz, für einige Zeit als Arzt im Ausland zu arbeiten.

Eve dagegen hat eher Ärger mit der unsympathischen Klassenlehrerin ihrer Kinder. Diese hört nicht nur die Flöhe husten, sondern meint auch, Alice ständig belehren zu müssen. Und überhaupt meint sie, über Eve als Vollzeitmutter verfügen zu können, denn ohne berufliche Verpflichtung kann Eve ja ohne weiteres bei Veranstaltungen Dienst schieben – so wohl die Meinung der Lehrerin.

Aber auch mit dem Wiedereinstieg in den Beruf klappt es nicht reibungslos. Das fängt schon bei der Arbeitsvermittlerin des Arbeitsamts an („Agentur für Arbeit“, wie sich diese Institution inzwischen großspurig nennt). Diese Arbeitsvermittlerin entspricht in ihrem Verhalten genau dem, was auch ich erfahren „durfte“ - wenig hilfreich, ohne große Bereitschaft eine Stelle zu vermitteln und auch etwas überheblich. Statt Arbeitssuchende zu motivieren und Mut zu machen, wird entmutigt – Beruf eindeutig verfehlt!

Drillingsmutter Eve wirkt auf mich inzwischen etwas selbstbewusster, wohl auch wegen des Einflusses, den Alice auf sie hat, die sie unterstützt und bestärkt. Als sie dann auch noch einen heimlichen Verehrer hat, fühlt sie sich als Frau begehrt und bestätigt – trotz ihrer glücklichen Ehe mit Martin. Doch leider weiß Eve nicht, wer der geheimnisvolle Verehrer ist, hat aber einen Verdacht. Doch ob sie damit richtig liegt?

Aber dann bezeichnen ihre Kinder Eve plötzlich als Angsthasenmutter. Herrlich fand ich die Fragen, die Eves Kinder ihr stellten, die brachten mich zum Schmunzeln und verlangten von Eve einiges an Diplomatie, um sie angemessen zu beantworten.

Doch da ist der Lauftreff – und Eve, die gerne joggt, hat mit einem Mal eine grandiose Idee. Im Chat unter lauter Gleichgesinnten lernt sie „Runnerboy“ kennen, der ihr seltsam vertraut vorkommt. Doch wer versteckt sich hinter diesem Pseudonym? Dummerweise hat Eve ein Foto von sich veröffentlicht, während sich „Runnerboy“ für ein Foto seiner Laufschuhe entschieden hat.

Alice dagegen hat sich von der Singlefrau zu einer ganz liebevollen Mutter gemausert, die nun merkt, dass doch nicht alles so einfach und reibungslos funktioniert, wie sie es sich als Kinderlose vorgestellt hatte – eine Vollzeitstelle und ausreichend Zeit, dazu eine zuverlässig funktionierende Kinderbetreuung, kann schneller als man denkt zu einem Problem werden. Nicht nur das Organisatorische kann zu einem Problem werden, auch die Psyche stellt sich mitunter quer – das eigene Kind in fremde Hände abzugeben, dazu gehört Vertrauen und bringt auch Zweifel mit sich, ob man auch wirklich richtig handelt.

So ganz einfach fiel Alice die Entscheidung für ein Kind sicherlich nicht, angesichts ihrer Herkunftsfamilie. Sie wuchs bei ihrer emanzipierten Mutter auf – ohne Vater. Bei wem es sich um ihren Vater handelte, erfuhr sie erst recht spät. Aber schön fand ich die Beziehung von Alice zu ihren Halbgeschwistern. Und Alice legt viel Wert auf eine gute Beziehung zu ihnen, setzt alles daran, dass es so bleibt. Auch die Mutter spielt wieder eine Rolle in diesem Buch – diesmal orientiert sie sich neu – sie kauft sich eine Wohnung und zeigt Interesse an einem Mann – für Alice eine vollkommen ungewohnte Situation.

Und dann stehen weitere Entscheidungen an, die es zu treffen gilt – sollen sich Sebastian und Alice, denen die Single-Wohnung mit dem wachsenden Bewegungsdrangs der Tochter zu klein wird, eine neue Wohnung suchen, oder sich zu einem Hauskauf entschließen? Wäre es an der Zeit, über ein zweites Kind nachzudenken, oder sollte Alice beruflich wieder in Vollzeit arbeiten?

Es ist ein wahrer Teufelskreis: Alice, die wieder ganztags arbeiten will, braucht eine Betreuung, doch Eve, die infrage käme, möchte ebenfalls arbeiten gehen. Eine echt schwierige Situation für alle Beteiligten. Doch da gibt es ja noch die Schwiegermutter – ob das eine gute Idee ist, Clara von ihrer Oma betreuen zu lassen?

Isabel, Alices Freundin, fand ich recht verständnislos und alles andere als sympathisch. Die Kinderlose wirkte auf mich oft sehr zickig, was vielleicht auch mit etwas Neid und Eifersucht zu tun hatte – schließlich führt Alice eine glückliche Ehe, und ist stolze Mutter der süßen Clara, dazu noch ein Beruf, der nicht geade der schlechteste ist, während Isabel noch nicht in festen Händen ist. Mit Kindern hat diese Freundin wohl nichts am Hut - Clara scheint sie gar nicht zu beachten. Doch Alice möchte ihre Freundin dennoch nicht verlieren, geht immer wieder einen Schritt auf sie zu, wenn die Freundschaft der beiden zu scheitern droht.

Was Martin, Eves Mann, und Eve praktizieren, gefällt mir sehr gut. Er tritt beruflich kürzer, um Eve im Haushalt und der Erziehung der Sprösslinge zu unterstützen und ihr so einen Freiraum zu verschaffen. Er wünscht sich, dass sie wieder in den Beruf einsteigt. Er würde im Gegenzug nochmals die Arbeitszeit reduzieren. Dieses Hand in Hand arbeiten sollte eigentlich immer möglich sein – gemeinsame Familienarbeit und wertvolle Familienzeit, dazu zufriedene Berufstätige, deren Leben nicht nur aus Arbeit besteht. Schade, dass dieses Lebenskonzept dann doch im wirklichen Leben eher die Ausnahme zu sein scheint.

Auffallend ist bei diesem Roman der Erzählstil. Die Ich-Perspektive wechselt mit jedem Kapitel – mal wird aus Sicht von Alice erzählt, mal aus der von Eve. Dadurch erhält man einen umfassenden Einblick in die jeweilige Lebenssituation, in das Gefühlsleben ebenso, wie in die Beziehung zu Mann und Kind(ern). Dadurch, dass jedes der Kapitel nur wenige Seiten umfasst, liest sich das Buch besonders zügig – hier kann man auch mal kurz zwischen Kind und Herd, zwischen Büro und Zuhause,... ein oder mehrere Kapitelchen lesen.

Schade fand ich allerdings, dass auch diesmal bei einem Szenen- und damit gleichzeitig dem Wechsel der Erzählperspektive, erneut (wie schon beim ersten Band) darauf verzichtet wurde, den Namen der jeweiligen Protagonistin über dem Kapitel, bzw. Abschnitt, zu vermerken – oder eben jeder der Frauen eine andere Schriftart zuzuteilen. Natürlich merkt man beim Lesen schon nach den ersten Sätzen, aus wessen Perspektive erzählt wird, wenn aber beispielsweise gerade Eve auf die kleine Clara aufpasst, ist das erst einmal verwirrend, denn man vermutet dann hinter der Erzählerin Alice – dadurch wird der Lesefluss dann doch in Ausnahmefällen etwas gebremst.

Auch wenn es sich bei diesem Buch um den zweiten Band handelt – man muss das erste Buch nicht zwangsläufig gelesen haben, um sich in dieser Fortsetzung zurechtzufinden. Beide Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen. (Wobei es natürlich immer schöner ist, wenn man die Vorgeschichte kennt.) Im ersten Band erhielt die junge Lektorin Alice von Eve einen Einblick ins „Mamiversum“, im Gegenzug coachte diese die Drillings-Mama in Sachen Lebensglück. Dieses „Projekt“ hat die beiden (anfangs so unterschiedlichen) Frauen zusammengeschweisst – aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft entwickelte sich eine gute Freundschaft.

Hier stimmt die Mischung: Sozialkritische Themen gepaart mit unterhaltsamen Episoden mit Kindern, sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und natürlich spielt auch die Liebe eine wichtige Rolle. Autorin Daniela Nagel, weiß ganz genau wovon sie schreibt, schließlich ist sie selbst fünffache Mutter, dazu berufstätig und kennt die Probleme von Müttern somit ganz genau. Wohl auch daher erkennt man beim Lesen so manche Situationen wieder, die das Buch authentisch erscheinen lassen.

IRGENDWAS IST DOCH IMMER! - Welcher Titel könnte besser für ein Buch passen, in dem es um Kinder und Beruf geht!? Immer wenn alles gerade rund läuft, kommt einem irgendwas in die Quere – sei es ein defektes Haushaltsgerät, eine Kinderbetreuung, die ausfällt, ein Krankheitsfall in der Familie – tatsächlich ist immer irgendwas!

Der Schluss – dazu verrate ich jetzt nichts, außer dass das Ende zwar nicht offen ist, aber sich geradezu für eine Fortsetzung anbietet. Ja, eigentlich schreit dieses Buch regelrecht nach einer Fortsetzung. Und ich würde mich darüber sehr freuen.

Fazit:

Zwischen Kochtopf, Klassenzimmer und Büro - IRGENDWAS IST DOCH IMMER! Ist eine gelungene Fortsetzung von DAS LEBEN IST KEIN KINDERGEBURTSTAG und mitten aus dem Leben gegriffen, wenn es um Familie und Beruf geht, sei es in Sachen Kinderbetreuung, oder bei der Suche nach einer Arbeitsstelle.

Beide Frauen, sowohl Alice als auch Eve, haben sich weiterentwickelt – die eine von der Singlefrau zur Ehefrau und Mutter, die andere von der Dreifachmutter zur selbstbewussten Frau, die den festen Willen hat, nun wieder in ihrem Beruf durchzustarten.

Auch wenn es sich um einen humorvollen (Frauen-)Roman handelt, hat er doch das Potential dazu, anderen Frauen Mut zu machen, neue Wege zu beschreiten – wenn nötig auch gegen alle möglichen Widerstände, denn leider werden auch Alice und Eve immer wieder Steine in den Weg gelegt. Von mir erhält dieses Buch eine Leseempfehlung und 5 Sterne.


Achtung Familienfeier: Betreten auf eigene Gefahr
Achtung Familienfeier: Betreten auf eigene Gefahr
von Dany R Wood
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Ein grüner Hirsch, ein unmoralisches Angebot und Familienzwist..., 24. März 2015
Nachdem ich mit Autor Dany R. Wood vor einiger Zeit nach Südafrika reisen durfte – natürlich per Buch – ging es nun für mich ins Saarland. Ich habe schon mehrere Bücher gelesen, die in diesem kleinen Bundesland spielen. Und als (oft unfreiwilliges) „Opfer“ so mancher Familienfeier – in Orten am Ende der Welt, oder mit einem Altersdurchschnitt von „Jenseits von Gut und Böse“, sprach mich das Buch auch an.

Wer kennt ihn nicht, den wohl bekanntesten Saarländer? Nein, ich meine jetzt weder den Politiker Oskar L., noch den ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich H., sondern vielmehr Heinz Becker und seine Familie.

Das Cover:

Dieses Buchcover ist vor allem eines: Sehr appetitanregend! Denn wer kann schon einer leckeren Schwarzwälder Kirschtorte widerstehen, wie sie auf dem Cover zu sehen ist. So steht sie auf der Tortenplatte vor einer gemusterten petrolfarbenen Wand und lacht dem Betrachter verführerisch entgegen. Doch der leuchtendgelbe Buchtitel warnt bereits: ACHTUNG FAMILIENFEIER und auf dem kleinen gelben Warnschild ist vermerkt BETRETEN AUF EIGENE GEFAHR. Das lässt nichts Gutes ahnen.

Der kleine runde Aufkleber in einem kräftigen Rot , der sich an einer Stelle bereits vom Buch löst, ist gar keiner, sondern nur ein Hinweis auf die Geheimrezepte von Mutti, die sich im Buch befinden.

Die Handlung:

Eva Backes steht Schweres bevor: Die 31jährige, die in einer Werbeagentur arbeitet, muss aus dem fernen Berlin zurück in ihre alte Heimat, das Saarland, reisen. Und damit muss sie sich, während des „Heimaturlaubs“anlässlich der Feier zu Oma Käthes Achtzigsten, als Single outen, was ihr sehr unangenehm ist, angesichts ihres Alters. Doch durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, lernt sie im Zug den mäßig erfolgreichen Schauspieler Sandro kennen, der ihr sofort sympathisch ist und der ihr Herz schneller schlagen lässt. Sie hilft ihm aus einer Notlage und greift im finanziell unter die Arme. In ihrer Not unterbreitet sie diesem ein unmoralisches Angebot: Er soll, während der Verweildauer bei ihrer Familie, Evas Freund spielen.

Und so willigt Sandro schließlich ein, denn aus seinem Rollenangebot wurde nun doch nichts, und seine Schulden bei Eva kann er so ganz easy loswerden – denkt er zumindest – was kann an einem (fast) ganz gewöhnlichen Wochenende bei einer Familienfeier schon Weltbewegendes passieren!? Doch einfach ist das Leben im beschaulichen Hirschweiler ganz und gar nicht, denn jeder erwartet etwas von ihm: Jupp spannt den vermeintlichen Schwiegersohn in spe erst einmal zu Gartenarbeit und Heimwerker-Tätigkeiten ein, Oma Käthe bezieht ihn in ihr straffes Fitnessprogramm mit ein, während Eva versucht, Sandros Herz zu erobern.

Und dann sind da noch die anderen Verwandten, die sich streiten und die intrigieren – von Familienfrieden kann keine Rede sein, wenn die attraktive Wüstenprinzessin Patricia, die biestige Christl, die heillos überforderte und unsagbar langsame Marion, sowie der liebestolle Onkel Karl mit seiner Freundin Ratana aufeinander treffen. Gibt es für Eva und Sandro unter diesen katastrophalen Umständen überhaupt eine Chance, sich näher zu kommen?...

Meine Meinung:

Die Fernsehserie FAMILIE HEINZ BECKER kenne ich bereits seit vielen Jahren, und der DENVER-CLAN ist mir schon seit Schulzeiten ein Begriff. Nun soll also dieses Buch diese beiden Serien vereinen – amerikanische Verhältnisse im kleinen Saarland.

Schon die Anfahrt verläuft abenteuerlich, denn Eva trifft auf der Zugfahrt auf beschwipste, leberwurstbrotessende Sex-and-the-City-(Land-)Frauen, auf einen ungeduldigen Schaffner und schließlich auf einen, auf seinen Durchbruch hoffenden, Schauspieler. Doch es kommt noch schlimmer: Die Heimat rückt näher und damit auch die anstrengende Verwandtschaft.

Tochter Eva hat schon vor einigen Jahren die Flucht vor ihrer Verwandtschaft ergriffen, als sie ins ferne „Feindesland“ Berlin ausgewandert ist. Dort hat sie sich fern von der Wurstdynastie ein Leben als Vegetarierin aufgebaut. Das Kind bleibt immer das Kind – selbst wenn es irgendwann schon selbst Nachwuchs hat! Genau so verhält es sich zwischen Eva und ihrer Mutter Inge. Aber eines verbindet die beiden Frauen dennoch: Ihre Naivität – ein Anruf zur frühen Morgenstunde, schon vermutet Eva einen Todesfall in der Familie, doch bis sich das Missverständnis aufklärt, das kann schon mal etwas länger dauern. Jedoch mangelt es Eva ganz gehörig am Selbstbewusstsein, das ihre Oma gerade zur Genüge hat, ansonsten würde Eva zu so manchem Mittel gar nicht erst greifen. Dem Leser kann es recht sein, denn sonst gäbe es diese Geschichte gar nicht.

Mutter Inge Backes, geborene Bohneberger („Bean Mountain“), trägt gerne mal das Herz auf der Zunge, was Eva manchmal sehr peinlich ist. Inge fehlt es schlichtweg oft am nötigen Feingefühl – manchmal sollte sie das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ beherzigen. Bei mir hinterließ Inge einen etwas naiven Eindruck. Gar nicht gefällt ihr, dass Eva in die Großstadt Berlin gezogen ist, wo es dort doch bekanntlich von kriminellen Elementen nur so wimmelt – zumindest spielen sich die schlimmsten Szenen in ihrem Kopfkino ab. Die hellste Kerze im Leuchter ist Inge jedenfalls nicht, was man in ganz alltäglichen Situationen merkt. Wer würde die Tochter, in der Annahme sie wäre in Gewalt der osteuropäischen Mafia, dazu auffordern, am Telefon zu nicken, falls sie gerade nicht reden könne!? Doch auch eine Inge Backes hat ihre geheimen Träume...

Vater Josef, genannt Jupp, ist der Dorfpolizist von Hirschweiler – der „grüne Hirsch“ lebt gerne auf kleinem Fuß, ist ein echter Sparfuchs. Und so werden auch die Privatfahrten mit dem Polizeiauto gerne mal als Dienstfahrten getarnt. Also nichts wie los – mit Blaulicht zum Bahnhof, um die Familie abzuholen. Doch obwohl Jupp als Geizkragen gilt, legt er Wert auf sein Pay-TV – es scheint also, als würde der Fußball die (finanziellen) Mittel heiligen.

Oma Käthe ist fast 80 und einfach nur cool – zum einen ist sie ein echter Fitness-Freak, zum anderen chattet sie für ihr Leben gerne – als Katharina66! Und Dank Energydrinks ist sie auch nachts noch hellwach, wenn die anderen längst schlafen, während sie im world wide web unterwegs ist. Ihre Familie? Nun ja, die ist ihr zu langweilig und zu bieder – geistig ist Oma der spießigen, buckligen Verwandtschaft haushoch überlegen. Käthe möchte raus aus dem spießigen Hirschweiler und etwas erleben. Frau ist so jung wie frau sich fühlt – und ganz sicher nicht so alt, wie es im Ausweis steht. Je oller, je doller! - Oma Käthe ist immer für eine Überraschung gut und mischt gerne mal die Familie auf. Käthe ist selbstbewusst und charakterstark und weiß auch ganz gewiss, was sie will – nämlich etwas erleben. Und ihrer Meinung nach soll ihre geliebte Enkelin Eva ihren ganz eigenen Weg gehen. Oma Käthe jedenfalls spreizt schon mal ihre Flügel, trotz ihres Alters und scheint nur darauf zu warten, endlich nochmal durchstarten zu dürfen. Und typisch Käthe: Sie hat auch so ihre Geheimnisse.

Evas Schwester Marion ist mit ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter total überfordert. In der Ruhe liegt die Kraft – in dieser Frau steckt so wenig Energie, man könnte ihr wunderbar während des Gehens die Schuhe besohlen – eine Trantüte, wie sie im Buche steht. Kein Wunder, dass ihre Kinder ihr auf der Nase herumtanzen, und die Jagd auf Männer erfolglos bleibt.

Christl, „das Biest“, ist Inges Schwester. Sie hat sich nach 27 Jahren Ehe von ihrem Mann Edgar getrennt. Das Biest ist ja eine Anlehnung an den DENVER-CLAN, in der zwei Frauen sich an die toupierten Haare gingen: Alexis und Krystle (wobei genau genommen Alexis als das Biest in die TV-Geschichte einging). Christl ist streitsüchtig und ihr Auftauchen bedeutet stets Ärger.

Onkel Karl hat eine Vorliebe für asiatische Frauen. Doch seine neue Freundin Ratana beherrscht die deutsche Sprache nur unzureichend und teilt ihrem Umfeld nur all zu gerne mit, wie „.... und fertig“ sie doch sei. Fast hat es den Anschein, dass diese Redewendung (bekannt aus BAUER SUCHT FRAU) das einzige ist, was an deutscher Sprache über ihre Lippen kommt.

Patricia, die hübsche Schwester von Inge, hat endlich ihren Mann fürs Leben gefunden. Noch dazu einen waschechten (Wüsten-)Prinzen, der allerdings mit seiner Familie zerstritten ist und mit Patricia ein bescheidenes Leben im Nomadenzelt führt. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, und so hofft Inge auf eine Hochzeit, bei der sie Seite an Seite mit Königin Silvia von Schweden, ihrem absoluten Idol, sitzen darf.

Sandro „Malte“ Sommer ist Evas Zugbekanntschaft. Eigentlich hoffte er ja auf einen Durchbruch beim „Tatort“ - als nackte Leiche – für 200 Euro plus Fahrtkosten. Doch daraus wurde nichts, und so kann er nun bei Familie Backes sein schauspielerisches Können unter Beweis stellen, indem er den Freund von Eva spielt. Und Eva wäre alles andere als abgeneigt, das Herz des künftigen Filmstars zu erobern.

Hirschweiler – ein Kaff, wo Hund und Katze Polka tanzen, sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, und in dem man nicht mal begraben sein möchte. Und gerade hierher verschlägt es den Großstadtmensch Sandro. Nicht ganz grundlos flüchtete Eva sich in die Anonymität der Großstadt, und die Rückkehr in das Dorf, in dem jeder jeden kennt und über alles Bescheid weiß, bereitet ihr Magengrummeln, Bauchschmerzen, Kopfzerbrechen, oder was auch immer. Und eine Familienfeier in diesem Dorf bedeutet eines: Krieg! Ob nun verbal, oder auch mit der Faust.

Mir hat in diesem Buch etwas ganz Wichtiges gefehlt: Der saarländische Dialekt, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Lediglich einige wenige Begriffe und Redewendungen waren vorhanden – für meinen Geschmack jedoch eindeutig zu wenige – viel zu reduziert. Hier hätte ich mir mehr Mut zum Dialekt gewünscht, schließlich wird FAMILIE HEINZ BECKER zum Vergleich herangezogen, und bei denen wird nun mal saarländisch gesprochen, da ist der Leser schon darauf eingestellt, dass es auch in diesem Buch der Fall sein wird, bzw. könnte.

Die Handlung selbst gefiel mir recht gut – es war Humor vorhanden, ebenso wie eine manchmal total verrückte Handlung. Wer die saarländische „Familie Heinz Becker“ kennt, wird Familie Backes lieben. Genauso treudoof wie Heinz und Hilde Becker, so schlurfen auch Jupp und Inge durch ihr ereignisloses Leben. Sie wirken nicht sonderlich intelligent, sind dem Nachwuchs peinlich, merken es aber scheinbar nicht mehr.

Zustände wie beim DENVER-CLAN? Ja, die sind durchaus zu erkennen. Da wird gerne mal Geld für unlautere Dienste versprochen, Blut ist nicht immer (entgegen der landläufigen Meinung) dicker als Wasser, und Ehemänner, die die (rachsüchtige) Ehefrau durch eine Jüngere ersetzen, gibt es ebenfalls. Aber wie heißt es so schön? Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!

Im Buch gibt es einen Anhang, in dem die Geheimrezepte von „Mutti“ veröffentlicht wurden (die somit ab sofort auch keine Geheimrezepte mehr sind). Wer allerdings das Rezept einer Schwarzwälder Kirschtorte erwartet, der hat sich getäuscht, denn die Rezepte sind allesamt in der saarländischen Küche zu finden. So findet man hier Dibbelabbes (Topfkuchen), Gefilde (Gefüllte Klöße), sowie Mehlknepp („Knöpfe“ aus Mehl). Der Autor bewertet diese Rezepte höchstselbst und vergibt für die Gerichte bis zu 5 Maggiflaschen.

Jedenfalls bin ich gespannt auf das nächste Buch – mal sehen, ob es tatsächlich einen saarländischen Regionalkrimi mit Inge und Jupp geben wird. Dann aber bitte mit Dialekt, lieber Herr Autor.

Fazit:

Eines steht schon mal fest: An Humor mangelt es diesem Buch ganz gewiss nicht. Dem ein oder anderen Leser mag es schon fast zuviel sein, mir jedoch gefiel es.

Ich durfte mit Autor Dany R.Wood bereits TRAUBEN RAUBEN IN KAPSTADT. Nun durfte ich ihn ins kleinbürgerliche Hirschweiler begleiten. Dass die Figuren vollkommen überzeichnet dargestellt wurden, hat mich keineswegs gestört – bei einer Parodie (und als solche kann man dieses Buch beinahe bezeichnen) darf auch mal hemmungslos übertrieben werden.

Denver-Clan trifft auf die Familie Heinz Becker! Kann ich teilweise bestätigen, denn Klamauk à la Heinz Becker war vorhanden, ein „Biest“ zwar ebenfalls, aber über Leichen ging man (oder frau) in diesem Buch dann doch nicht – im Saarland scheint es also gemächlicher zuzugehen, als im fernen Texas.

Ich hätte mir hier gerne mehr Mut zur saarländischen Sprache gewünscht. Dialekt in Büchern kann einem Buch manchmal erst so richtig Charme verleihen. Hier hat zwar die Handlung gepasst, lediglich das (entscheidende) Tüpfelchen auf dem i hat mir dann doch noch gefehlt. Aber dennoch möchte ich das Buch denjenigen empfehlen, die auf eine durchgeknallte Handlung und auf ebensolche überspitzten Charaktere stehen. Von mir erhält das Buch gute 4 Sterne.


Willkommen zuhause!: Roman
Willkommen zuhause!: Roman
von Katja Altenhoven
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Wechseljahre und Glück und Last der späten Jahre, 24. März 2015
Wieder einmal hatte ich mich auf ein Buch gefreut, in dem es um eine Wohngemeinschaft geht, in der die Bewohner jenseits der Vierzig sind. Alles klang sehr vielversprechend und ich erwartete ein humorvolles Buch, bei dem auch ernste Themen zur Sprache kämen. Nachdem ich bereits einige Bücher mit einer ähnlicher Thematik gelesen hatte, die mich voll und ganz begeistert hatten, war nun die Messlatte ziemlich hoch gelegt. Doch erfüllte das Buch nun meine Erwartungen?

Das Cover:

Das Motiv des Buchcovers ist mir so ähnlich schon begegnet. Ich persönlich finde es sehr passend. WILLKOMMEN ZUHAUSE!, und dann erst einmal eine Tasse Kaffee – oder auch Tee. In einer WG leben viele verschiedene Personen zusammen, die auch ihre Vorlieben haben, was sich auch in den verschiedenen (Lieblings-)Tassen wiederspiegelt, die sich bei gemeinsamen Mahlzeiten wie z.B. dem Frühstück, auf dem Kaffeetisch befinden.

Und so sieht man auf der Vorderseite des Buches eine rustikal wirkende, weiße Tischplatte mit den verschiedensten Tassen, die zu drei Stapeln aufgetürmt sind, sowie eine einzelne, umgekippte Tasse. Dieses Stillleben befindet sich vor einer mintgrünen / türkisfarbenen Tapete mit dezentem Blümchenmuster. Dieses Bild setzt sich über den Buchrücken hinweg auf der Rückseite fort. Auf der Rückseite sieht man eine etwas altmodisch wirkende blaue Kanne, sowie ein Sträußchen Sonnenhut in einer roten Vase.

„Leben allein macht nicht glücklich – Leben zu sechst vielleicht schon.“ Diese These befindet sich auf der Rückseite des Buches, zum Inhalt selbst findet man dort nur wenige Infos – kurz und bündig auf nur 5 Zeilen zusammengefasst. Alles weitere befindet sich dann recht ausführlich in der vorderen Klappe des Schutzumschlages – hier erhält man einen ersten Eindruck von den WG-Bewohnern. In der hinteren Klappe des Umschlags wird die Autorin kurz vorgestellt – natürlich mit Foto. Die Umschlagklappen haben einen kräftigen Orange-Ton, so wie das Buch selbst, wenn man den Umschlag entfernt. Das Lesebändchen ist mintgrün, passend zum Schutzumschlag.

Die Handlung:

Noch immer hat Renée den plötzlichen Tod ihres Mannes Martin vor einiger Zeit nicht überwunden – der Schmerz über den Verlust sitzt tief. Mit 45 Jahren zur Witwe zu werden – das Leben kann grausam sein! Doch das Leben geht weiter, und so wohnt Renée nun alleine in einer viel zu großen Wohnung.

Über 300 qm Wohnraum – was läge da näher, als mit Freunden eine Ü40-WG zu gründen? Und so ziehen schließlich, nach zwei Wochen Testurlaub in der Uckermark, fünf weitere Mitbewohner bei ihr ein. Sie alle wagen einen turbulenten Neuanfang...

Die Protagonisten:

Renée Winter ist 46 Jahre alt und verwitwet. Die Kinder, ihre Tochter Pauline und ihr Sohn Paul sind erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Nun sitzt Renée alleine in der Wohnung, in der sie so viele Jahre lang mit ihrem Mann glücklich war. Und alles erinnert sie an Martin, den sie so sehr vermisst, doch die Wohnung ist für eine einzelne Person viel zu groß.

Michael Vanroten ist der Ex-Freund von Renée und Arzt aus Leidenschaft und Berufung. Er ist ein feinfühliger Mensch, so auch im Umgang mit seinen Patienten, die er nicht einfach „abfertigt“, sondern sich ausreichend Zeit für jeden einzelnen nimmt. Renée ist seine Sandkastenfreundin, doch eine echte Beziehung hat er nie geführt.

Die 52jährige Anne Kilian ist Politikerin und kinderlos, allerdings ungewollt, was ihr auch zu schaffen macht. Sich selbst bezeichnet sie als „ewige Rotzgöre“, eckt mit ihrem schnoddrigen Tonfall auch öfters an. Sie zeigt in ihrer politischen Tätigkeit viel Engagement und setzt sich ein, um ihre Belange durchsetzen zu können, kämpft für ihre Ideale – versucht es zumindest.

Pavel, Annes 53jähriger Mann arbeitet in einem Alten- und Pflegeheim. Auch er setzt sich ein, um die Zustände dort stets zu verbessern. Doch er möchte nicht, dass seine Frau für eine weitere Wahlperiode kandidiert – er fordert sogar, dass sie ihre Karriere als Politikerin an den Nagel hängt.

Wilfried „Wille“ Haferkamp ist 64 Jahre alt, Jazzliebhaber und ein pensionierter Musiklehrer. Seine Frau Marianne starb bei einem Autounfall. In der WG findet er ein neues Zuhause und lernt eines Tages die 61jährige Amanda kennen. Doch leider bleibt ihr Glück nicht ungetrübt.

Judith ist eine Freundin von Renée. Die 46jährige Sekretärin arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma und kellnert. Finanziell gesehen geht es ihr schlecht, denn sie steckt mitten in einem Insolvenzverfahren, dank einer Bürgschaft, die sie gedankenlos übernommen hatte, ohne an die möglichen Folgen zu denken. Ihre Not ist ihr anzusehen, denn durch ihr spartanisches Leben ist sie sehr schlank.

Frank, Judiths 44jähriger Freund, ist alles andere als ein Traummann. Nach einer abgebrochenen Lehre hat er, der „bekennende Ossi“, zwei Kneipen in den Sand gesetzt, hatte drei Frauen und drei Kinder und ist zu allem Übel auch noch vorbestraft. Optisch wirkt er durch seinen muskulösen Körperbau, den Tattoos und den Pferdeschwanz recht furchteinflößend.

Meine Meinung:

Dem WG-Leben stehe ich persönlich sehr skeptisch gegenüber. Eine bunt zusammengewürfelte Wohngemeinschaft, in der jeder seine Bedürfnisse hat, seine Gewohnheiten und seine ganz eigene Lebenseinstellung – schlimmstenfalls prallen hier (auch im Freundeskreis) Welten aufeinander. Woran schon manche Ehe scheitert kann doch, zumindest theoretisch gesehen, in einer WG zu Konflikten führen – Raucher treffen auf Nichtraucher, Vegetarier auf Fleisch(fr)esser, Nachteulen auf Frühaufsteher, überzeugte Singles auf Schürzenjäger. Wird am Ende jeder seinen eigenen Weg gehen, oder überwiegt hier doch die Freundschaft, schweißt zusammen und stärkt so die Gemeinschaft?

Und kann man ein WG-Leben proben? Die potentiellen WG-Genossen starten in der Uckermark einen Probelauf, lernen dort eine Kommune kennen und sind zuversichtlich, was das Zusammenleben betrifft. Doch dieser Zusammenhalt muss sich erst im Alltag beweisen. Ein gemeinsamer Urlaub ist eine Ausnahmesituation und eher eine Momentaufnahme – ohne Konfliktsituationen, die erst im Zusammenleben auftreten.

Eine Wohnung mit über 320 qm – fast schon unvorstellbar! Renée und Martins Wohnung bestand aus mehreren Wohnungen (ursprünglich aus 4 Wohnungen), die zu einer verbunden wurde – eine Geldanlage in Form einer Immobilie. Eigentlich hatte Renée ja vor, sich eine neue Bleibe zu suchen. Ein Neubeginn, außerhalb der Wohnung, in der alles an den verstorbenen Partner erinnert? Doch da sind die Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre. Kann man da so einfach loslassen? Was läge näher, als eine Alters-WG zu gründen – ein Netzwerk, auf das man zählen kann, wenn Hilfe nötig ist, und im Alter nicht einsam in einer kleinen Wohnung zu versauern.

Anfangs fand ich Renée sehr sympathisch, doch nachdem herauskam, dass sie Martin immer wieder betrogen hatte, stand ich ihr doch etwas zwiespältig gegenüber, denn wie kann man denn jemanden mehrfach (!) betrügen, wenn man ihn doch so sehr liebt?

Manche Personen waren mir sehr sympathisch, so z.B. Michael und auch Pavel. Zwar war mir Anne nicht gerade unsympathisch, allerdings las ich die Abschnitte, in denen es um ihre politische Tätigkeit ging, nicht ganz so gerne.

So richtig überzeugen konnte das Buch mich zwar nicht, doch es berührte mein Herz dennoch, brachte mich zum Nachdenken, löste mitunter sogar ein etwas beklemmendes Gefühl bei mir aus, angesichts mancher Themen. Manchmal wurde gar die Angst vor dem zunehmenden Alter geschürt. Und so stellte sich irgendwann im Verlauf der Handlung auch die unvermeidbare Frage, ob ein Zusammenleben nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Tagen möglich sei – bei Krankheit ebenso, wie bei Gesundheit. Eine Frage, die sich in einer Studenten- WG wohl eher nicht stellen würde – außer bei einem konkreten Anlass.

Doch auch die Liebe in der zweiten Lebenshälfte spielt eine Rolle. Kann man in späten Jahren ungetrübt eine neue Beziehung beginnen, kann diese eine ebensolche Tiefe, Intensität und Qualität erreichen wie eine jahrzehntelange Ehe?

Sehr gut gefielen mir die recht kurzen Kapitel (48 Kapitel auf 335 Seiten) – da kann man eben zwischendurch mal eines oder auch mehrere lesen. Viele Gedanken, viele Gefühle dominierten das Buch. Vielleicht sogar zu viele? Manchmal kam es mir so vor, als kämen da eine Handlung oder gemeinsame Erlebnisse und Gespräche etwas zu kurz.

Eindeutig gefehlt hat mir hier der Humor, der zwar nicht komplett fehlt, aber nur sehr spärlich eingesetzt wurde – als Michael sich bei einem Telefonat mit dem Anrufbeantworter sich total verhaspelt, musste ich wirklich lauthals loslachen, und erst recht, als er wissen wollte, ob man diese Nachricht nicht „zurückholen“ könnte. Vielleicht wäre da doch ein Buch über eine Mehrgenerationen-WG um einiges leichter und lockerer gewesen!?

Glaube (dass das Zusammenleben funktioniert), Liebe (die kein Alter kennt), Hoffnung (dass man die Tücken des Alters gemeinsam meistert). Mein Gefühl, nachdem ich das Buch geschlossen hatte, war ein etwas beklemmendes, ein bedrückendes Gefühl. Ein Buch mit sehr viel Tiefgang hat nun mal (leider) oft nicht dieses typische Happy End.

Fazit:

Größtenteils konnte das Buch mich zwar überzeugen, doch irgendetwas fehlte mir dann doch. War es Gefühle, die trotz des Zusammenhalts der Bewohner zu kurz kamen, waren es die Protagonisten selbst oder fehlte mir etwas die humorvollen Episoden? So ganz sicher bin ich mir nicht.

Dennoch: Das Buch ist sehr tiefgründig, bringt einige ernste Themen zur Sprache, wie etwa Krankheit und das Sterben, wodurch leider oft der Spaßfaktor etwas zu kurz kommt – das Buch beschäftigt sich sowohl mit Krankheit, als auch mit sozialkritischen Themen. Daher möchte ich diesem Buch 4 Sterne geben.


Apfelrosenzeit
Apfelrosenzeit
von Anneke Mohn
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben, die Liebe und die Freundschaft..., 23. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Apfelrosenzeit (Taschenbuch)
Einst lebten sie zusammen in einer WG, nun treffen sie sich wieder, um den Haushalt ihrer tödlich verunglückten Freundin aufzulösen...

Ein altes Haus an der Kieler Förde, umgeben von Apfelrosen, vier Freundinnen und einige gemeinsame Wochenenden. Tagsüber wird ausgeräumt, abends sitzt man zusammen, trinkt Rotwein und redet über die Vergangenheit, das Leben und die Liebe. Der Stoff, aus dem Romane mit Herz entstehen. Ob meine hohen Erwartungen an dieses schon optisch wunderschöne Buch erfüllt wurden?

Das Cover / Buchgestaltung:

Wieder einmal war es Liebe auf den allerersten Blick – ich liebe die Natur und somit auch Heckenrosen, in diesem Buch als Apfelrosen bezeichnet, mit ihren leuchtendroten Hagebutten. Das Cover dieses Buches ist matt gehalten, lediglich die Zweiglein mit ihren Hagebutten wurden glänzend hervorgehoben – eine Gestaltung, wie ich sie sehr mag. Der Hintergrund besteht aus einer weißen Bretterwand, von der die Farbe abblättert – Shabby Chic nennt man das heutzutage. An einem (rostigen) Nagel hängt ein an den Rändern vergilbtes Stück Papier, auf dem der Name der Autorin steht, sowie der Buchtitel und das Wort Roman.

Hier gefällt mir sehr gut die harmonische Farbgebung, sowie die unterschiedlichen Schriftarten, die verwendet wurden: Während der Autorenname in rosa Großbuchstaben geschrieben ist, ist der Buchtitel leicht kursiv und mit etwas geschwungener Schrift dargestellt, wobei die drei Wortteile in jeweils einem anderen Grünton gehalten ist. Seitlich ragen oben und unten die Zweiglein mit den Hagebutten ins Bild.

Die Rückseite ist passend dazu gestaltet – sowohl vom Motiv, als auch von der Farbgebung her. Doch was mir besonders gut gefiel, ist die farbige Gestaltung der Buchdeckelinnenseiten – gleiche Optik (lediglich die Hagebutten wurden hier nicht glänzend gestaltet). Auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels wird die Apfelrose beschrieben, samt einer hübschen Zeichnung, auf der hinteren Innenseite wird die Autorin kurz vorgestellt, samt Farbfoto.

Erwähnen möchte ich noch ein hübsches Detail: Die Seitenzahlen befinden sich zwischen zwei winzig kleinen Hagebuttenzweigen.

Die Handlung:

Eines Tages erhält Sanne einen ungewöhnlichen Anruf. Brigitte, die Mutter von Isa, bittet sie, gemeinsam mit den ehemaligen WG-Freundinnen Mona, Fritzi und Kirsten, den Haushalt der tödlich verunglückten Tochter aufzulösen. Jahrelang lebten die fünf Freundinnen gemeinsam in Isas Haus, wo die vier Frauen nun fünfzehn Jahre später erneut aufeinander treffen. Zwar war der Kontakt nie ganz abgebrochen, aber nicht mehr besonders intensiv.

Die vier Frauen verbringen fortan gemeinsame Wochenenden im idyllisch gelegenen Haus an der Kieler Förde, das sie, umgeben von Apfelrosenhecken, an die alte Studienzeiten erinnert. Tagsüber räumen die Freundinnen das Haus leer, abends tauschen sie sich über ihr Leben aus. Doch jede der Freundinnen hütet ein Geheimnis, das sie für sich behalten will. Und auch Isa scheint nicht das Leben geführt zu haben, wie die Freundinnen dachten.

Aber dann fällt an einem kalten Dezembertag die Heizung aus. Als sich die Frauen deshalb am warmen Ofen versammeln, eskaliert die Situation und es kommt zu einem bösen Streit. Die Freundschaft steht auf der Kippe und überhaupt ist nichts mehr so, wie es einmal war...

Die Freundinnen:

Isa hatte das Haus einst im zarten Alter von 18 Jahren von ihrer Großmutter geerbt. Mit ihren Freundinnen verbrachte sie darin viele glückliche Stunden. Nach der Scheidung von ihrem Mann Dirk lebte sie alleine in ihrem Haus an der Kieler Förde. Doch dann starb Isa völlig unerwartet bei einem Autounfall. Nachdem bereits ein Jahr seit dem tragischen Unfall vergangen ist, bittet Isas Mutter Brigitte die Freundinnen, die Haushaltsauflösung zu übernehmen, um das Haus verkaufen zu können. Doch so manches Geheimnis scheint Isa mit ins Grab genommen zu haben.

Susanne „Sanne“ Brodersen führt auf dem Lande ein recht langweiliges und ereignisloses Hausfrauenleben, und hält ihrem Mann den Rücken frei. Die Kinder Sofie und Alex sind aus dem Gröbsten heraus, und ihr Mann Robert, ein erfolgreicher Architekt, ist beruflich viel außer Haus. In Sachen Ehe macht Sanne sich etwas vor – sie glaubt, eine perfekte Ehe zu führen. Doch Sanne hat einen Traum, jedoch nicht den Mut, zur Tat zu schreiten und ihn sich zu erfüllen – zu sehr steht sie im Schatten ihres erfolgreichen Mannes.

Mona Wagner ist beruflich als Moderatorin einer Kochsendung sehr erfolgreich. Sie genießt ihr (Single-)Leben und ihre Freiheit, auf Kinder hat Mona so gar keine Lust. Und doch gibt es einen Mann in ihrem Leben, aber die ganze Sache hat einen gewaltigen Haken.

Friederike „Fritzi“ von Bernsdorf ist alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter. Von Patrick, dem Vater ihrer Tochter Anna, hat sie sich vor einiger Zeit getrennt. Fritzi liebt es, sich modisch zu kleiden und kauft gerne teure Kleidung. Doch sie hat gleich zwei große Probleme, deren Lösung alles andere als einfach zu sein scheint.

Die kinderlose Kirsten Rathgeb ist Lehrerin und zudem die Stellvertreterin des Rektors, weshalb sie beruflich sehr stark eingespannt ist. Privat engagiert sie sich noch in einem Orchester, so dass nur wenig Zeit für Zweisamkeit bleibt. Mit ihrem Mann Bernd ist Kirsten schon seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Doch da ist eine Sache, weshalb Kirsten sehr unglücklich ist.

Meine Meinung:

„Egal, wer dir das Herz gebrochen hat und wie lange es braucht, um zu heilen – du schaffst es niemals ohne deine Freundinnen.“ Mit diesem wunderschönen und aussagekräftigen Zitat von Carrie Bradshaw aus SEX AND THE CITY wird dieser Roman eingeleitet.

Ich liebe diese Bücher, die von Frauenfreundschaften handeln, habe auch schon einige davon gelesen. Daher vergleiche ich die Bücher gerne miteinander, was den Unterhaltungswert und die Umsetzung betrifft. Der Maßstab aller Dinge waren bislang zwei Bücher der Autorin Tania Krätschmar – mit EVA UND DIE APFELFRAUEN und CLARA UND DIE GRANNY NANNYS hatte sie mich verzaubert. Das sind die Bücher, die man mit etwas Wehmut schließt, weil der Abschied von den Protagonisten so schwerfällt.

Anneke Mohn ist es hervorragend gelungen, ein ebenso bezauberndes Buch zu schreiben, bei dem Freundschaften auch mal harte Zeiten durchstehen müssen und auf den Prüfstand gestellt werden. Eine der Freundinnen weilt nicht mehr unter den Lebenden, die restlichen Freundinnen haben nach Jahrzehnten nicht mehr den Kontakt, den sie zu WG-Zeiten hatten, was auch ganz natürlich ist. Es wurden Ehen geschlossen, Kinder in die Welt gesetzt, oder man machte Karriere und verzichtete auf Nachwuchs. Jede der Freundinnen ging ihren ganz eigenen Weg.

Doch nun sind sie dazu „verurteilt“, ganze Wochenenden zusammen zu verbringen. Und nicht immer ist das Leben so verlaufen, wie es geplant war. Es gibt Geheimnisse, die es auch bleiben sollen. Das Entrümpeln des Haushalts wird zur Herausforderung, aber auch zugleich eine Reise in die Vergangenenheit. Da ist beispielsweise das Buch, das einst neben dem Telefon lag, und in dem die Freundinnen einander Nachrichten hinterließen (ich habe mich köstlich darüber amüsiert). Da werden bei den Frauen Erinnerungen wach, die längst nicht mehr präsent waren.

Soviel sei als kleiner Appetithappen verraten: Eine spielt ein falsches Spiel! Eine sitzt zwischen zwei Stühlen! Eine ist völlig ahnungslos! Eine hat Sehnsucht! Eine war einsam! Klingt spannend? Ist es auch!

Am sympathischsten war mir auf jeden Fall Sanne, die stets für ihre Familie da ist. Sannes Mann Robert hingegen fand ich sehr unsympathisch – scheinbar muss immer alles so geschehen, wie er es sich wünscht. Was für ein Egoist! Sein Elternhaus auf dem Lande wird zum Zuhause der Familie, obwohl seine Frau sich dort schon fast wie eine Fremde fühlt. Die Wohnungseinrichtung strahlt keine Wärme aus, sondern ist „durchdesignt“ und gleicht eher der Einrichtung aus einem Einrichtungsmagazin. Tochter Sophie scheint nicht ganz mit dem Verhalten der Mutter zufrieden damit zu sein, und Sohn Alex besucht freiwillig ein Internat, was einer Flucht aus dem Elternhaus gleicht. Dass ihre Ehe mit Robert eingeschlafen ist, will Sanne nicht wahrhaben, oder sie verdrängt es einfach. Wird es ihr gelingen, neuen Schwung in ihre Beziehung zu bringen? Meiner Meinung nach lässt Sanne sich viel zu viel gefallen – statt mal die Stimme zu erheben, schweigt sie stattdessen. Sanne ist wohl die Person, die im Buch den größten Stellenwert besitzt – zumindest war dies mein Eindruck.

Den Haushalt auflösen zu müssen, stellt Mona vor ein großes Problem, denn sie fürchtet die Konfrontation mit dem einstigen Zuhause, das nun durch Isas Tod verwaist ist, und sie fürchtet, der Situation nicht gewachsen zu sein. Beinahe hätte sie in ihrer Panik vor Krankenhäusern und Friedhöfen sogar die Beerdigung von Isa geschwänzt. Verantwortung zu übernehmen – für die lebenslustige, freiheitsliebende Mona ist das ein Fremdwort. Doch dann schlägt das Schicksal auch bei ihr unbarmherzig zu, und Mona muss wichtige Entscheidungen treffen.

Kirsten, wirkte auf mich erst etwas kühl, vielleicht auch deshalb, weil sie an das Leerräumen des Hauses recht emotionslos heranging. Sie ist von den Freundinnen, die Vernünftige, die scheinbar in der Lage ist, nüchtern an diese Aktion heranzugehen. Auf mich wirkte Kirsten geradezu humorlos und auch gefühlskalt, was sich dann jedoch für mich letztendlich (- und glücklicherweise) als Trugschluss herausstellte. Kirsten und ihr Mann führen eine glückliche und langjährige Ehe. Als Ehepaar wirken beide sehr harmonisch und Kirstens weiche, manchmal sogar verletzliche Seite kommt zum Vorschein. Dass sich Kirsten zu sehr in Arbeit stürzt und ihre Gesundheit damit gefährdet (ein drohender Burnout ist da nur eine Frage der Zeit), aber auch ihr Privatleben zu kurz kommt, scheint sie gar nicht wahrzunehmen oder erfolgreich zu verdrängen. Vielleicht versucht sich die ehrgeizige Kirsten mit Arbeit abzulenken, denn auch bei einer Frau, die alles unter Kontrolle zu haben scheint, läuft nicht immer alles nach Plan. Und Kirsten leidet unter einer scheinbar auswegslosen Situation.

Fritzi war mir anfangs nicht unsympathisch, doch das änderte sich im Laufe der Zeit immer mehr. Macht Liebe blind – manchmal wirkte Fritzi auf mich, als wäre sie ein verliebter Teenager – unbekümmert und die Liebe durch die rosarote Brille betrachtend. Dazu kam, dass sie Unsummen an Geld für teure Kleidung ausgab, das sie nicht hatte, was auch ihren Freundinnen nicht verborgen blieb. Geradezu verantwortungslos erschien Fritzi mir mitunter – sei es mit ihrem Verhalten, oder auch ihrer Tochter gegenüber.

Isas Haus besitzt eine Seele. Überall scheint es, als wäre die kreative Isa noch immer da. Die Gemütlichkeit, die dieses Haus ausstrahlt steht im krassen Gegensatz zu Sannes Zuhause. Ich wünschte mir oft, dass das Haus wieder Besitzer finden würde, die es so wie es ist, zu schätzen wüssten. Und so hoffte ich, dass vielleicht sogar eine oder mehrere der alten WG-Bewohnerinnen das Haus zu neuem Leben erwecken würden. Die Haushaltsauflösung einem Entrümpelungsunternehmen (was für ein schreckliches Wort) zu überlassen wäre respektlos der toten Freundin gegenüber – als wolle man deren Existenz einfach auslöschen, Erinnerungen vernichten. Und Brigitte, Isas Mutter, die fast Siebzig ist und in Süddeutschland lebt, fühlt sich außerstande, diese Aufgabe zu erledigen, weshalb sie sich an die pflichtbewusste Sanne wendet. Die übernimmt fast schon gerne diesen letzten Freundschaftsdienst für Isa – mit Hilfe der ehemaligen Mitbewohnerinnen. Die Gelegenheit, nach all den Jahren wieder einmal Zeit miteinander zu verbringen und sich auszutauschen.

Wo Frauen sind, sind auch Männer nicht fern – in diesem Roman finden sich Ehemänner, Geliebte und ganz besonders habe ich den Naturburschen Micha ins Herz geschlossen. Ein Mann zum Verlieben – Reitlehrer und Biolandwirt mit Hofladen, Hobbymusiker (Micha spielt in einer Rockband), gesegnet mit einem guten Charakter und einer liebenswerten kleinen Tochter. Ob er wohl das Herz einer der vier Freundinnen erobern kann?

Der Schluss: Einfach wunderbar, welchen Verlauf die Geschichte nimmt. Es gibt so manche unerwartete Wendung, einige Überraschungen und so manche der Freundinnen vollzog eine große Wandlung. Selbst „Tabu-Themen“, über die man nicht so gerne spricht, wurden zur Sprache gebracht, seien es nun Kaufsucht, Burnout, Depressionen oder andere Dinge. Liebe und Affären, Verrat und Freundschaft, Streit und Versöhnung, verschiedenste Lebenswege und Moralvorstellungen, sowie Geheimnisse – einfach eine tolle Mischung, die ein Garant für viel Gefühl ist.

Dieser Roman hinterlässt bei mir ein Glücksgefühl, obwohl ich das Buch zum Schluss mit etwas Wehmut geschlossen habe. Der Abschied von den so unterschiedlichen (und doch gar nicht so verschiedenen) Freundinnen fiel mir schwer, was für das Buch spricht. Ich hoffe ja, dass es eventuell ein Wiederlesen mit Sanne und ihren Freundinnen geben wird – man sollte ja so etwas nie ausschließen und es sind noch einige Fragen offen – ein schöner Grundstein für eine Fortsetzung.

Einen besonderen Stellenwert nimmt die Musik in diesem Roman ein. Infos zu sechs der im Buch erwähnten Lieder werden im Anhang in einem Quellenverzeichnis vorgestellt. Schade, dass die Liste nicht ganz vollständig ist. Toll wäre es gewesen, hätte es im Anhang noch einige Apfelrosen-Rezepte gegeben – das wäre das Tüpfelchen auf dem i gewesen.

Das Buch ist in sieben Kapitel unterteilt, die nach den Monaten der Handlung benannt sind – dementsprechend beginnt das Buch mit dem Kapitel „September“, dem Zeitpunkt, als ein Anruf Brigittes bei Sanne alles verändert. Das letzte Kapitel trägt die Überschrift „...und wieder September“. Ein Jahr ist vergangen, seit das Schicksal die Freundinnen wieder zusammengeführt hat – ein sehr ereignisreiches Jahr, mit vielen Höhen, aber auch Tiefen.

Die einzelnen Kapitel sind nochmals unterteilt, denn der Blickwinkel wechselt innerhalb eines Kapitels mehrfach. So wird aus den verschiedenen Perspektiven erzählt, weshalb über den verschiedenen Abschnitten der Name der jeweiligen Freundin steht, aus deren Sicht gerade berichtet wird. Dieser Erzählstil ermöglicht einen Rundumblick und gewährt Einblick in die Gefühlswelt der einzelnen Freundinnen.

Der einfühlsame, warmherzige, aber auch humorvolle Erzählstil der Autorin gefiel mir sehr gut. Es gab nicht eine Seite, die ich überflüssig fand – ich fühlte mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten. Der Name Anneke Mohn wird mir auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben, und sicherlich werde ich Ausschau nach weiteren Büchern dieser Autorin halten, die einem so tollen Herzensbuch Leben eingehaucht hat.

Fazit:

Das Buch konnte meine Erwartungen voll und ganz erfüllen – so viele witzige Momente, tolle Erinnerungen, aber auch traurige Ereignisse sorgten für ein Wechselbad der Gefühle. Manche Freundin musste man erst lieben lernen, andere konnte (oder wollte) man nicht recht verstehen, aber eines zeigte sich wieder einmal: Frauenfreundschaften sind und bleiben ein unerschöpfliches Thema. Hier wurde dieses Thema gekonnt umgesetzt – sowohl mit Humor, als auch Tiefgang, und die Handlung schaffte es, mein Herz zu berühren. Deshalb möchte ich diesen (Frauen-)Roman sehr gerne weiterempfehlen und gebe diesem Herzensbuch 5 Sterne.


Scary Harry - Meister aller Geister
Scary Harry - Meister aller Geister
von Sonja Kaiblinger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Von Poltergeistern, Sensenmännern und einer verliebten Fledermaus..., 23. März 2015
Sein Name ist Harry – SCARY HARRY! Und er ist Sensenmann, und das bereits in seinem 521. Dienstjahr...

Das Cover:

Ein Cover, das eindeutig den „wow!“- Effekt besitzt. Der matte Hintergrund ist in einem Petrol-Ton, also blaugrün gehalten, während das Motiv durch die vertieften Konturen richtig plastisch wirkt, geradezu 3Dmäßig.Zusätzlich wirkt das Motiv durch seinen seidenmatten Glanz. Erst vermutete ich beim Anblick des Sensenmannes, es würde sich dabei um Harold handeln, tatsächlich handelt es sich aber wohl doch um einen Sensenmann einer Spezialeinheit des SBI – erkennbar am chicen Anzug und der Designersense und der Sonnenbrille. Neben diesem Sensenmann befinden sich Otto und seine Freundin Emily, die die Spezialausrüstung zur Bekämpfung von Poltergeistern in ihren Händen halten. Und natürlich darf auch die Fledermaus Vincent nicht fehlen, der etwas schlecht gelaunt wirkt, angesichts der dunklen Rauchwolke über seinem Kopf und dem düsteren Gesichtsausdruck.

Auf der Buchrückseite ist Madame Olga abgebildet, die in ihre Glaskugel blickt, während ein Poltergeist seine Hände nach ihr ausstreckt.

Die Handlung:

Der zwölfjährige Otto lebt seit dem Verschwinden seiner Eltern bei seiner Tante Sharon im Radieschenweg Nr. 8, zusammen mit den Geistern Sir Tony, Bert und Molly, sowie der sprechenden Fledermaus Vincent.

Eines Tages zieht im Nachbarhaus die Wahrsagerin Madame Olga ein. Während sich Tante Sharon freut, endlich eine Freundin gefunden zu haben, betrachtet Otto und seine Freundin Emily die neue Nachbarin mit Argwohn, denn irgend etwas scheint mit ihr nicht zu stimmen. Und weshalb interessiert sich Madame Olga ganz offensichtlich so sehr für Tante Sharons alte Villa? Doch dann stellt sich heraus, dass im Nachbarhaus auch noch ein Poltergeist lebt. Und der bedroht Otto und Emily.

Helfen könnten da die „Meister aller Geister“, eine Spezialeinheit des SBI, des Seelen-Beförderung-Instituts. Diese sind zwar für die ganz üblen Fälle zuständig, sind aber viel zu beschäftigt, um sich um diesen Poltergeist zu kümmern. Da hilft es nur, sich selbst zu helfen. Aber zum Glück gibt es da noch den Sensenmann Harold und die Fledermaus Vincent. Werden Otto und seine Freunde den Störenfried dingfest machen können?...

Meine Meinung:

Sonja Kaiblinger schreibt wunderbare Kinder- und Jugendbücher. Nachdem mich bereits zwei ihrer Romane (VERLIEBT IN SERIE – ROSEN UND SEIFENBLASEN und KUHFLADENWALZER) voll und ganz begeistern konnten, bin ich nun beim dritten Teil der SCARY HARRY-Serie eingestiegen. Auch ohne Vorkenntnisse aus den beiden ersten Bänden gelang mir der Einstieg so gut wie problemlos, denn die wichtigen Details aus den vorherigen Bänden wurden gekonnt ins Geschehen mit eingeflochten. So erfuhr ich beispielsweise Folgendes:

Otto lebt bei seiner Tante Sharon in England, weil seine Eltern spurlos verschwunden sind. Seine beste Freundin heißt Emily und Otto hat sich mit den drei Hausgeistern angefreundet. In der Schule jedoch ist er eher ein Außenseiter und wird von seinem Mitschüler Stan oft geärgert. Wie gut, dass Emily stets zu ihm hält.

Tante Sharon ahnt nicht, dass in ihrem Haus Geister leben. Sharon besucht gerne den Flohmarkt, nicht zuletzt, um ihrer Uhren-Sammelleidenschaft zu frönen. Und Tante Sharon wirbelt gerne mit ihrem Staubsauger durchs Haus. Zwar kann sich Sharon nicht alles erklären, was in ihrem Haus vor sich geht, doch sie kann keine Geister wahrnehmen.

Sharons Mann Archibald ist Geisterforscher, auch dies weiß sie nicht. Auch Archibald ist verschwunden, er lebt im Jenseits in einer Blockhütte, ist aber nicht tot, sondern kann durch seinen langen Aufenthalt dort nicht mehr zurückkehren. Doch wo Archibald ist, wissen nur Otto und seine Freunde. Kontakt zum Onkel kann Otto halten, indem er die Schneekugel schüttelt, die Harold ihm zu Weihnachten geschenkt hat. Dann tritt der Archibald aus der kleinen Hütte in der Schneekugel und solange der Schnee umherwirbelt ist eine Kommunikation möglich.

Bert, Sir Tony und Molly sind die Hausgeister. Bert lebt meist im Kühlschrank (-obwohl er bereits längst tot ist, hat er immer viel Hunger), Sir Tony (eine Art Hüter des Hauses) hält sich gerne im Staubsauger auf und sieht in Tante Sharon eine Hausbesetzerin, während Mollys Lieblingsplatz die Waschmaschine ist (wo sie gerne mal Socken verschwinden lässt). Im Nachbarhaus lebt Fernando, ein spanischer Geist, der eine Vorliebe für seine spanische Telenovela hat.

Harold „Scary Harry“ ist ein Sensenmann, der bereits im 521. Dienstjahr ist, und der eine klapprige, dreirädrige „Rostlaube“ fährt. Sein Beruf ist es, mittels eines Schmetterlingsnetzes (einem Seelenfänger) Seelen der Verstorbenen einzufangen, diese in Gurkengläser zu stecken und mittels einer alten Pendeluhr ins Jenseits zu schicken. Angst verbreitet Harold übrigens nicht, er ist ein sehr netter Zeitgenosse, wirkt freundlich, gutmütig und hilfsbereit. Manchmal jedoch braucht Harold so seine Zeit, denn ohne Hirn denkt es sich nicht so schnell. Doch auch als Sensenmann hat man es nicht ganz einfach - ohne seine Sense ist der gute Harold sichtbar – in diesem Fall hilft nur ein gutes Versteck. Harold versteckt hinter einem Vorhang, lediglich seine bunten Sneakers schauten hervor – ein herrliches Bild, das ich da beim Lesen vor Augen hatte. Und dann ist da noch Harolds unerfüllter Berufswunsch. Übrigens gibt es auch Sensenfrauen, da kann ein Sensenmann schon mal erröten – und das, obwohl er doch über keinerlei Gesichtshaut verfügt.

Vincent ist eine Fledermaus, die bereits 326 Jahre alt ist, und die sprechen kann. Für sein Leben gerne versteckt er sich in Ottos Schultasche und treibt in der Schule allerlei Schabernack. Otto hofft, dass Vincent sich beherrschen kann und den vorlauten Mund hält.

Madame Olga ist erst im Nachbarhaus eingezogen. Sie ist eine Wahrsagerin, was Tante Sharon sehr interessant findet. Und so freunden sich die beiden Frauen recht schnell an, was Otto und Emily überhaupt nicht verstehen können, denn sie finden Madame Olga, ganz im Gegensatz zu Sharon, so ganz und gar nicht nett - halten sie für eine regelrechte Schreckschraube. Und selbst der spanische Geist Fernando ist schon ausgezogen, denn Madame Olga duldet keine Technik in ihrem Zuhause, also auch keinen Fernseher. Ein Leben ohne seine geliebte Serie – für den Geist einfach undenkbar! Und gegen eine Madame Olga ist selbst ein toter (ehemaliger) Stierkämpfer machtlos. Doch Otto weiß Rat und verhilft Fernando zu einer Unterkunft.

Und dann ist da noch Dragomir Satanescu. Schon alleine die Erwähnung dieses Namens kann einem Schauer über den Rücken jagen, denn Freundlichkeit strahlt so ein Name nicht gerade aus.

Schlaflose Nächte dürfte es auch bei den jungen Lesern nicht geben, trotz der etwas gruseligen Buchbesetzung. Die Geister in Tante Sharons Haus sind allesamt harmlos, ebenso wie der Geist von nebenan. Lediglich ein Poltergeist sorgt für Unfrieden. Stellenweise erinnert das Buch an die Filme MEN IN BLACK, was sogar im Buch erwähnt wird, als die SBI-Spezialeinheit beschrieben wird, aber auch an GHOSTBUSTERS, die sich ebenfalls auf die Jagd nach (Polter-)Geistern begaben und ähnliche Utensilien benutzten.

Ganze 18 Kapitel Lesevergnügen, verteilt auf ca. 235 Seiten – die Kapitel haben eine angenehme Länge und tragen statt schnöder Nummern Überschriften, was ich immer gut finde, weil diese oft die Neugier wecken. Vermutlich kann dieses Buch auch diejenigen Kinder in seinen Bann ziehen, die sonst nicht besonders von Büchern zu begeistern sind.

Erwähnen möchte ich noch die Illustrationen – ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Bestandteil eines Kinderbuchs. Als Kind habe ich stets zuerst die Bilder betrachtet und erst danach angefangen zu lesen. Besonders präsent ist hier die Fledermaus Vincent, die bei jedem Kapitel die Leser mit seiner Anwesenheit beglückt, und der als winzige Illustration neben den Seitenzahlen erscheint, sowie in die Buchgliederung integriert wurde. Und auch so manche Szene wurde von Fréderic Bertrand gekonnt umgesetzt. Selbst im Anhang treten Sonja Kaiblinger und er als Zeichnungen in Erscheinung.

Etwas schade fand ich, dass zu Beginn des Buches, z.B. auf den Innenseiten der Buchdeckel die Mitwirkenden nicht kurz vorgestellt werden. Da hätte ich mich über eine kleine Zeichnung der jeweiligen Protagonisten gefreut, am Besten mit einigen Infos, beispielsweise in Form eines kurzen Steckbriefs.

Wieder einmal ein gelungenes Buch, das Sonja Kaiblinger da geschrieben hat. Ihr Name ist ein Garant für unterhaltsame und humorvolle Kinder- und Jugendbücher - ich liebe Sonja Kaiblingers Wortwitz, der mich immer wieder zum Schmunzeln und Lachen bringt. Und ich freue mich bereits jetzt auf den nächsten Band, denn es gibt noch viele ungeklärte Dinge, so dass auf die bunt zusammengewürfelte Truppe sicherlich noch einige Abenteuer warten.

Fazit:

Eigentlich handelt es sich bei SCARY HARRY um eine Buchserie für junge Leser ab ca. 10 bis 12 Jahren, doch durch ihren Wortwitz und den humorvollen Schreibstil gelingt es Sonja Kaiblinger hervorragend auch Leser, die den Kinderschuhen bereits entwachsen sind, zu fesseln. Die Protagonisten des Buches scheinen größtenteils nicht von dieser Welt zu sein – Geister, Sensenmänner und sprechende Fledermäuse sind jedoch hervorragend dazu geeignet, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene in ihren Bann zu ziehen. Die Illustrationen tragen ihren Teil zu einem gelungenen Buch mit, ebenso wie das auffällige Buchcover. Von mir erhält das Buch eine absolute Leseempfehlung, und somit 5 Sterne.


Zwei Ostermärchen
Zwei Ostermärchen
Preis: EUR 0,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Hasen, Hühnern und Lämmern..., 19. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zwei Ostermärchen (Kindle Edition)
Die Osterzeit naht, und die Kinder können es kaum erwarten, auf Ostereiersuche zu gehen. Doch wer bemalt und verziert diese bunten Eier eigentlich? Ganz klar: Der Osterhase! Und um die Zeit bis zur Suche zu verkürzen, erzählt Emma Bieling den großen und kleinen Lesern ZWEI OSTERMÄRCHEN.

Das Cover:

Das Cover ist eher schlicht und einfach, aber dennoch sehr schön und thematisch passend: Platziert zwischen orangenen Kissen (erinnert mich an Karotten, die Hasen ja bekanntlich gerne mümmeln) sitzen dort ein Hasenmann mit einer riesigen Karotte im Arm und eine Hasenfrau mit einem rosafarbenen Osterei.

Die Märchen:

Der Osterhase, der keiner sein wollte:
Ein Hase des im Wald liegenden Hasendorfs verabscheut das Osterfest, und weigert sich, beim Bemalen der Ostereier zu helfen, indem er sich während dieser Zeit in seinem Hasenbau versteckt. Doch eines Tages, es ist kurz vor dem Osterfest, geschieht das Unglück: Ein starker Regen wäscht die Farbe von den bereits bunt bemalten Ostereiern und macht die Arbeit von vielen Wochen zunichte. Die fleißigen Hasen sind verzweifelt. Muss Ostern in diesem Jahr ausfallen?...

Das Osterlamm:
Eine Prinzessin wünscht sich zu ihrem achtzehnten Geburtstag das allerschönste Osterlamm. Die besten Jäger des Landes machen sich auf die Suche, um eine Belohnung zu erhalten. Doch dann kehrt ein junger Jäger zurück und präsentiert der Prinzessin ein ganz besonderes Lamm...

Meine Meinung:

Ein kleines Ostergedicht des Schriftstellers Hoffmann von Fallersleben, in dem es um die Ostereiersuche geht, leitet das eBook stimmungsvoll ein.

Emma Bieling, die ich vor allem als Autorin von humorvollen Liebesromanen kenne, überraschte mal wieder (zu Weihnachten veröffentlichte sie 2 WEIHNACHTSMÄRCHEN), diesmal passend zur Osterzeit, mit ZWEI OSTERMÄRCHEN für Kinder. Dass Emma Bieling ein Faible für Märchen hat, dürfte ihren Fans bekannt sein – so tragen ihre Romane ebenfalls märchenhafte Titel: CINDERELLA AUF SYLT und RAPUNZEL AUF RÜGEN. Sehr schön fand ich, dass die Autorin im Anschluss an die Märchen noch kurz vorgestellt wird.

Das erste Märchen DER OSTERHASE, DER KEINER SEIN WOLLTE überzeugt durch eine kindgerechte Sprache und einer anschaulichen Kulisse, z.B. mit den Tieren des Waldes (Kinder lieben ja fast immer Tiere – hier tauchen unter anderem Spechte, Eichhörnchen und Rehe auf). Nebenbei erfahren Kinder etwas über die Bedeutung des Festes (die Auferstehung Jesu) und über die Tradition (bemalte Eier als Freundschafts- und Liebesgabe). Dennoch werden diese Infos nur kurz erwähnt, so dass wirklich die Osterhasen im Mittelpunkt stehen. Dieses bezaubernde Märchen würde ich gerne als Bilderbuch in den Verkaufsregalen der Buchhandlungen entdecken.

Das zweite Märchen ist eher etwas für Kinder im Schulalter, da es nicht ganz so idyllische Szenen hat, wie das erste, denn der junge Jäger landet im Kerker. Aber natürlich hilft hier auch eine List, sich aus der misslichen Lage zu befreien. Und so manche Szene wird für Lacher sorgen – welche Prinzessin träumt schon davon, ihr Zimmer mit einem Lamm und somit auch mit dessen übelriechenden Hinterlassenschaften zu teilen!?

Dass die beiden Märchen relativ kurz sind (die Länge entspricht etwa 13 gedruckten Buchseiten), ist in diesem Fall mitunter sogar von Vorteil. So kann man jedes Märchen in einem Rutsch vorlesen, z.B. als Gute-Nacht-Geschichte oder Leseanfänger können diese Geschichten selbst lesen.

Mein Tipp wäre, den kleinen Lesern, bzw. Zuhörern eine Szene aus den Märchen malen zu lassen, um so die Zeit bis zur Eiersuche zu verkürzen. Mal sehen, ob die Osterhasen es geschafft haben, in diesem Jahr bunte Eier zu verstecken.

Fazit:

Wieder einmal gelang es Emma Bieling, mich mit ihren beiden neuesten Märchen zu überzeugen. Beide Märchen sind zwar sehr unterschiedlich, besitzen aber einen ganz eigenen Charme. Wundervolle Märchen zum Vorlesen oder Selberlesen für große und kleine Leser und alle, die Märchen lieben. Von mir erhält dieses kleine eBook eine absolute Oster-Lese-Empfehlung und 5 Ostersterne.


Sakrament des Todes: 13 Morde auf heiligem Boden
Sakrament des Todes: 13 Morde auf heiligem Boden
von Andreas M. Sturm
  Broschiert
Preis: EUR 12,00

4.0 von 5 Sternen Von erhörten Gebeten, Sündern, Heiligen und Teufeln..., 6. März 2015
Nachdem ich bereits mehrere Krimi-Anthologien aus dem fhl Verlag gelesen hatte, so z.B. die drei Bände der STAMMTISCHMORDE, aber auch die GIFTMORDE, war ich nun gespannt auf die Kirchenkrimis.

Das Cover:

Das Buchcover wirkt sehr idyllisch – eine alte Feldsteinkirche mit Rundbogenfenster unter einem dunklen Himmel ist abgebildet, jedoch bricht das Sonnenlicht durch den bewölkten Himmel.Im Hintergrund sind Berge zu sehen, im Vordergrund eine Wiese, zwischendrin einige Findlinge. Leider wurde im „Kleingedruckten“ vorne im Buch nicht erwähnt, wo sich diese verwunschene Kirche befindet. Tatsache ist, dass es sich um die „Kirche zum guten Hirten“ handelt, die in Neuseeland am Lake Tekapo (dem größten Binnensee in der Region Canterbury) zu finden ist. Diese 1935 erbaute Kirche zählt zu den am meisten fotografierten Kirchen Neuseelands.

Das Motiv passt hier einfach perfekt - die Farbgebung sorgt die für die richtige Stimmung, und die Kirche selbst wirkt geheimnisvoll – eigentlich ist dieses Titelbild unter den Covern der bisher von mir gelesenen Anthologien (und das sind einige) mein absoluter Liebling.

Die Krimis – Handlung und meine Beurteilung:

Anne Mehlhorn - SCHULD UND SÜHNE (Mater Dolorosa in Aue):

Anatol möchte ein neues Leben beginnen, dazu gehört, dass er fortan regelmäßig den Gottesdienst besucht. Doch dann erhält er eines Tages Besuch aus seiner Vergangenheit. Und dieser alte Bekannte hat nichts Gutes im Sinne...

Mir persönlich gefiel diese Geschichte sehr gut. Die Autorin fiel mir bereits in einer anderen Anthologie des Verlags positiv auf – ihr flüssiger Schreibstil konnte mich auch dieses Mal wieder voll und ganz überzeugen. Die Kirche in Sachsen wurde gut beschrieben, man hatte die baulichen Gegebenheiten (z.B. die Orgelempore oder der Altar, bzw. die Altarinsel, welche an eine Arche erinnert) direkt vor dem inneren Auge.

Franziska Steinhauer - GESTÖRTE BEZIEHUNG (Kloster Neuzelle):

Eine Frau fühlt sich bedrängt. Sie verdächtigt ihren Exmann, der Stalker zu sein, von dem sie sich verfolgt fühlt. Doch manches ist nicht so, wie es zu sein scheint...

Diesmal ist ein Kloster in der Lausitz, also in Brandenburg, der Schauplatz der Handlung. Die Geschichte ist sehr informativ, etwas verwirrend, aber dennoch gefiel sie mir recht gut. Die Autorin gelang es wunderbar, die Ereignisse von Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verknüpfen.

Frank Kreisler – MÖNCHSKRIEG (Bad Doberaner Münster):

Der Mönch Johann bekommt heimlich Gift überreicht, das er verstecken soll. Hermann und seine Büttel haben die Aufgabe, einen Giftmord zu verhindern. Dabei treffen sie auf Hexen und werden mit deren Visionen konfrontiert...

Die meisten Kurzkrimis dieser Anthologie haben ihre Handlung in der Gegenwart. Schon alleine daher hebt sich dieser historische von den anderen Krimis ab. Der damalige Landesherr Albrecht findet Erwähnung, was den Krimi authentisch erscheinen lässt. Wunderbar wurde das Thema Hexen in Verbindung mit Visionen umgesetzt, auch die Wahl eines neuen Priors (Klostervorstehers) spielt dabei eine Rolle. Einige Fragen blieben noch offen – dazu kann sich der Leser spekulieren, was ja grundsätzlich nicht schlecht ist – es muss schließlich nicht immer alles aufgeklärt werden. Leider war die Handlung stellenweise nicht ganz einfach zu verstehen. Aber auf jeden Fall wird wieder einmal deutlich, dass auch im Kloster keine Heiligen leben.

Regina Schleheck – KUNIBÄÄTSPÜTZ (St. Kunibert in Köln):

Eines Tages taucht, nach sechs Wochen der Ungewissheit, die Leiche von Clemens auf – mit Handschellen an eine Ankerkette eines Schiffes gefesselt. Der Jugendliche war in der gleichen Jugendgruppe wie Anna, Karsten und Nele, und in der Nacht vor seinem Verschwinden feierten die jungen Leute zusammen. Doch weshalb musste der junge Mann sterben?...

Dies war eine Geschichte, die mir so richtig gut gefiel. Pfarrer Pütz, der die Jugendgruppe leitete, wirkte mit seiner netten und humorvollen Art sehr sympathisch. Anna leidet besonders unter dem Verschwinden des Freundes. Und dann ist da noch Clemens, der Namensvetter des Verschwundenen und Bischof von Rom (die Bezeichnung „Papst“ gab es zu dessen Lebzeiten noch nicht), welcher der Legende nach an einen Anker gekettet im Meer versenkt wurde. Wieder einmal habe ich bei diesem Krimi etwas gelernt – sei es zum Thema Clemens und seinem Märtyrertod oder zur Bedeutung und der Herkunft des Wortes Pütz.

Andreas M. Sturm – PAKT MIT DEM TEUFEL (Maria am Wege in Dresden):

Holger lässt sich aus Liebe zu Daniela zu einem Kirchenraub überreden. Doch da ist auch noch Danielas Freund Sascha...

Und wieder einmal wurden meine Erwartungen erfüllt. Dieser Krimi hat eine nachvollziehbare Handlung, ist spannend und der Schreibstil von Andreas M. Sturm ist fesselnd – hätte mich nach den positiven Erfahrungen mit seinen Krimis auch gewundert, wäre das nicht der Fall gewesen.

Mandy Kämpf – DEI GRATIA (Pfarrei Liebfrauen in Leipzig):

Die Leiche einer Frau wird gefunden, an den Fußsohlen trägt sie eine rätselhafte Tätowierung. Doch dann taucht in einer Kirche ein zweiter Toter auf.

Eine ungewöhnliche Erzählperspektive, nämlich aus der Sicht eines Kolkraben. Es darf spekuliert werden. Mir gefiel die etwas mystisch anmutende Geschichte sehr gut.

Jan Flieger – FINSTERNIS (St. Marien in Tokyo):

Ein Deutscher möchte Natsuko, eine Deutsch-Japanerin, heiraten. Doch nicht jeder gönnt den beiden ihr Liebesglück...

Ich hatte erst etwas Bedenken – eine Kirche in Japan, eine zu exotische Handlung, die vielleicht nicht meinen Lesegeschmack treffen würde – doch ich wurde angenehm überrascht, denn dieser Krimi gefiel mir dann doch sehr gut - ob wohl der Christengott helfen wird? Gar nicht gefällt mir hingegen der eigenwillige, sehr moderne Baustil dieser Kirche.

Hughes Schlueter – DER BIBEL CODE (Kaiserdom in Frankfurt am Main):

Die Leidenschaft für außergewöhnliche Sammelobjekte bringt Daniel in Gefahr, denn der versucht, die Botschaften auf den bei Online-Auktionen ersteigerten Abendmahlskelchen zu entschlüsseln. Seine Freundin Fatima ist nicht gerade begeistert davon...

Dan Brown lässt grüßen – eine spannende Handlung zum Mitraten. Was verkünden die geheimnisvollen Botschaften, und was steckt dahinter? In dieser hervorragenden Verschlüsselung steckt sicherlich eine Menge Arbeit – schön ausgetüftelt, Herr Schlueter.

Patricia Holland-Moritz – DAS FEST (Notre Dame in Paris):

Ein deutscher Tourist wird gesteinigt vor der Notre Dame aufgefunden. Man verdächtigt ihn einer Straftat – zu Recht? Und wer ist der Mörder? Alles sieht nach einem Ritalmord aus. Und dem ermittelnden Kommissar Guibert wird dieser letzte Fall in seiner Berufslaufbahn mit Sicherheit in Erinnerung bleiben...

Schade, das mich diese recht umfangreiche Geschichte nicht fesseln konnte – trotz der ausführlich geschilderten Ermittlungsarbeit und des interessanten Kriminalfalls. Allerdings liegt das wohl eher nicht am Schreibstil der Autorin, denn ich hatte in einer anderen Anthologie des Verlags einen Kurzkrimi von ihr gelesen, der mich durchaus überzeugen konnte. Dass der Funke diesmal nicht übersprang war bedauerlich, kommt aber auch mal vor. Vielleicht lag es einfach am Schauplatz, denn Paris blieb mir persönlich in schlechter Erinnerung.

Eva Lirot – LIMBURG SUCHT DEN SUPERBISCHOF (Limburger Dom):

Ein neuer Bischof wird gesucht. Die Bewerber müssen sich einer kritischen Jury stellen...

Wer erinnert sich nicht an die Verschwendungssucht des Limburger Bischofs, die wochenlang durch die Presse geisterte und für jede Menge Empörung sorgte? Von Luxusbadewannen war da die Rede, ebenso wie von anderen Artikeln, die mit Bescheidenheit nicht das Geringste zu tun hatten. Dieses Thema hat die Autorin für ihren satirischen Krimi verwendet – inklusive parodistischer Details - mal ein etwas anderer Krimi. Und in der Jury dieser ungewöhnlichen Castingshow wird auf alte Bekannte angespielt: Dietmar van Balken (Dieter Bohlen), Jochen Hummel (Fernsehpfarrer Jürgen Fliege) und bei Marlies Buttermann wird sicherlich auf die Bischöfin Margot Käsmann angespielt. Selbst weibliche Bewerber treten vor die Jury – in der katholischen Kirche eigentlich undenkbar. Ansonsten: Krimis müssen nicht immer ernst sein, sondern dürfen auch mal eine große Portion Humor beinhalten.

Swenja Karsten – MARIA HAT GEHOLFEN (Zu unserer lieben Frau im Spindeltal):

Das Auto von Maik bleibt an einer abgelegenen Wallfahrtskirche stehen. Maik macht sich auf den Weg, um Sprit zu besorgen – sein Gepäck lässt er notgedrungen zurück...

In diesem Krimi gab es den ein oder anderen Moment, der mich zum Schmunzeln brachte, oder bei dem ich Schadenfreude empfand – wunderbar geschrieben und ein Krimi ganz nach meinem Geschmack. Die Ruinenkirche, im oberbayrischen Landkreis Eichstätt gelegen, wurde sehr anschaulich beschrieben.

Martina Arnold – VOM WUNDER DER HEILIGEN BARBARA (St. Barbara in Stuttgart-Hofen):

Jahrelang musste die Bäuerin Gertrud unter ihrer Schwiegermutter leiden. Balbina schikanierte sie, wann immer sie konnte – nie konnte sie es der alten Frau recht machen. Doch nun sucht Gertrud den jungen Pfarrer auf, und verlangt etwas Unglaubliches von ihm...

Eine wunderbare Geschichte, gespickt mit schwarzem Humor, schwäbischem Dialekt und einer kurzweiligen Handlung, die mich mitunter zum Schmunzeln oder gar zum Lachen brachte – richtig köstlich, wie die Autorin dem Volk „aufs Maul geschaut“ hat, einfach unterhaltsam und eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten in dieser Krimi-Sammlung.

Romy Fölck – TODSÜNDE (Kathedrale Ss Trinitatis in Dresden):

Eine junge Frau trägt seit ihrer Kindheit ein Geheimnis mit sich herum. Und eines Tages trifft sie auf einen alten Bekannten – eine Begegnung, die nicht ohne Folgen bleibt...

Nach dem letzten Kurzkrimi, der eher einen gelösten Eindruck bei mir hinterließ, schwenkte hier die Stimmung um. Die Handlung und die vermittelte Stimmung dieser Geschichte war einfach nur bedrückend und beklemmend – gegensätzlicher könnten diese beiden Geschichten gar nicht sein. Aber so ist das eben bei Anthologien, dass verschiedenste Krimis aufeinander treffen – und das ist auch ganz gut so. Mir jedenfalls gefiel dieser Krimi trotz der „schwierigen“ Thematik.

Meine Meinung:

SAKRAMENT DES TODES – 13 MORDE AUF HEILIGEM BODEN, so lautet der Titel dieser Sammlung an Krimis. So ganz trifft der Titel nicht zu, denn nicht immer wird gemordet – manchmal hilft Gott (oder die Heiligen) doch, und nicht immer findet der Mord direkt auf heiligem Boden statt.

13 – eine Zahl, die zur Kirche passt. Jesus und seine zwölf Jünger – 13 Personen, die sich zum letzten Abendmahl am Tisch versammelten. Dies ist eine der Informationen, die der Herausgeber Andreas M. Sturm in seinem Vorwort erwähnt. Und angeblich ist die 13 ja auch eine Unglückszahl – insofern passend zu einer Krimi-Anthologie.

In diesem Buch beschränken sich die Schauplätze auf katholische Kirchengebäude, ein weiterer Band soll erscheinen, in dem evangelische Kirchen als Handlungsorte dienen. Der Aufbau des Buches gefiel mir sehr gut, wobei ich doch einiges vermisste, doch dazu später mehr.

Jeder der Krimis hat eine Überschrift, die aus drei Zeilen besteht: Zuerst kommt die Zeile mit dem Namen des Autors, darunter in größerer Schrift der Titel des Krimis, und in der letzten Zeile der Name der Kirche, des Klosters,... . Zu jedem Krimi gibt es ein ganzseitiges Schwarz-Weiß-Foto, das das jeweilige Gotteshaus zeigt. Als Anhang gibt es kurze Autorenporträts samt Angabe der jeweiligen Website, so dass man ohne langes Suchen an zusätzliche Informationen gelangt. Sehr gut gefiel mir, dass sich auf der Buchrückseite gut sichtbar ein Verweis auf die Internetseite zu diesem Buch befindet. Unter [...] findet man weitere Informationen zu den jeweiligen Autoren und die Gotteshäuser.

Nicht so gut gefiel mir... - so möchte ich das jetzt gar nicht schreiben, sondern lediglich Anregungen dazu geben, was ich mir gewünscht hätte: Positiv fand ich ja, dass die Krimis einen Bezug zu echten Kirchengebäuden haben, die dann auch namentlich erwähnt wurden, samt Ortsangabe. Städtenamen wie Paris, Dresden, Leipzig, Köln,... kennt hoffentlich jeder, jedoch wo sich das Spindeltal befindet, in welchem Bundesland Aue liegt, oder das Kloster Neuzelle, das war mir ein Rätsel. Hier musste ich dann die geographische Lage der Handlung entnehmen oder das Internet zu Rate ziehen. Gewünscht hätte ich mir hier die Angabe der Region (z.B. Franken) oder des Bundeslandes (z.B. Sachsen). Ideal wäre hier eine grobe Deutschlandkarte gewesen (z.B. auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels), in der die jeweiligen Handlungsorte markiert gewesen wären – Paris und Tokyo hätte man dann eben außerhalb des Umrisses erwähnen, bzw. einzeichnen müssen.

Mir hätte zudem ein kurzer Steckbrief / Porträt zur Kirche gefallen – entweder im Anhang bei den Autorenporträts, oder beim Foto des jeweiligen Gebäudes – einfach das Foto etwas kleiner und dafür Infos, wie z.B. das Baujahr, Besonderheiten,... Und letztendlich finde ich es immer toll, wenn zu den Autorenporträts ein (kleines) Foto vorhanden ist.

Mir gefiel dieser bunte Krimi-Reigen sehr gut, auch wenn die ein oder andere Handlung mich leider nicht ganz und gar fesseln konnte, was aber der Normalfall sein dürfte. Manche Handlung ließ mich schmunzeln angesichts des schwarzen Humors oder auch vor Schadenfreude, mancher Krimi ließ meinen Atem stocken oder machte mich sprachlos. Eines hat das Buch jedoch auf jeden Fall geschafft: Es machte mich neugierig auf den nächsten Band. Mal sehen, wer dann in die Tasten hauen wird – vermutlich die üblichen Verdächtigen, vielleicht aber auch ein Ersttäter!?...

Fazit:

13 Autoren – 13 Kriminalfälle – ob in einer kleinen Kapelle, einer abgelegenen Wallfahrtskirche oder in einer großen Kathedrale. Mal heiligt der Zweck offensichtlich die Mittel, dann wieder scheint der Teufel seine Hände im Spiel zu haben, oder eine göttliche Macht greift ein. Gemordet wird aus den verschiedensten (meist niedrigen) Beweggründen – mal aus Habgier, dann wieder aus Liebe, oder auch aus Notwehr.

Eine Anthologie stellt immer ein Risiko dar, denn als Leser sagt einem nicht jeder Schreibstil gleich gut zu. Meist gefallen mir bei einer solchen Krimi-Sammlung nicht alle Geschichten gleich gut. Leider war dies auch hier der Fall, doch zum Glück gefielen mir die meisten Krimis gut bis sehr gut, ein Krimi der mir überhaupt nicht gefiel, Gott sei' s gedankt, war glücklicherweise nicht dabei. Das Schöne an einer Anthologie ist wiederum, dass man hin und wieder neue Autoren für sich entdeckt, deren Schreibstil überzeugen konnte – den ein oder anderen Namen werde ich auf jeden Fall im Gedächtnis behalten.

Von mir erhält dieses Buch eine Empfehlung für diejenigen, die gerne Kurzgeschichten lesen, die gerne neue Autoren entdecken und die sich für Gotteshäuser interessieren. Ich gebe diesem Buch 4 wohlverdiente Sterne.


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