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Rezensionen verfasst von
Regina Karolyi
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Mammuts: Riesen der Eiszeit
Mammuts: Riesen der Eiszeit
von Adrian Lister
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassendes, informatives Werk für interessierte Laien, 10. Dezember 2009
Bücher, in denen Mammuts mehr als ein kurzer Abschnitt gewidmet ist, gibt es selten - obwohl die Mammutforschung eine Fülle an Erkenntnissen vorzuweisen hat. Eine Ausnahme stellt das hier besprochene Buch aus dem Verlag Thorbecke dar.
Der erste Abschnitt ordnet die Mammuts in den evolutionären Rahmen ein; im zweiten Kapitel geht es um Mammutfunde - sowohl gezielte Ausgrabungsarbeiten als auch Zufallsfunde, zu denen die meisten tiefgefrorenen Mammuts aus dem Permafrost gehören, die bislang entdeckt wurden.
Der Abschnitt "Die Naturgeschichte der Mammuts" beschreibt das Leben der Mammuts so detailliert, wie das die Auswertung der bisherigen Funde und Rückschlüsse aus dem Verhalten der verwandten Elefanten heute zulassen. Hierzu gehören Körperbau, Ernährung, Fortpflanzung, Sozialverhalten, Feinde und vieles mehr.
Anschließend wird die Rolle des Mammuts in der menschlichen Kultur untersucht, von der viele archäologische Zeugnisse vorliegen. Schließlich betrachtet ein weiteres Kapitel die mutmaßlichen Hintergründe für das Aussterben der Mammuts.
Ein Glossar sowie Kartenmaterial, eine Übersicht über Fundorte und Museen und eine Bibliografie runden das Buch ab.

Fesseln soll das Buch, dabei aber nie den inhaltlichen Anspruch zugunsten eines fragwürdigen Sensationsjournalismus zurückstellen. Und dieser schwierige Spagat gelingt. Einerseits können sogar ältere Kinder die Inhalte verstehen, nicht zuletzt dank dem Glossar und der ausreichend gründlichen Erläuterungen, andererseits überträgt sich die Faszination, die von der Arbeit an diesem Thema ebenso wie von den Mammuts selbst ausgeht, unmittelbar auf den Leser. Gerade die Berichte von den einzelnen berühmten Funden geben einen packenden Eindruck davon, wie die heutigen Erkenntnisse zustande gekommen sind. Ebenso werden die modernen Verfahren der Mammutforschung detailliert erläutert.
Sorgfältig, stets an der Faktenlage orientiert, werden auch die verschiedenen Thesen zum Aussterben der Mammuts diskutiert.
Das Buch ist hervorragend illustriert, sowohl mit Zeichnungen, die einen Zugang zur Lebenswelt der Mammuts schaffen, als auch, wo es sich anbietet, Diagrammen und anderen Übersichten sowie vor allem zahlreichen beeindruckenden Fotos.
Umfassender und kurzweiliger kann sich der Laie wohl kaum über Mammuts informieren.


Der Überdruss: Roman
Der Überdruss: Roman
von Yan Mo
  Gebundene Ausgabe

41 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Originell konzipiertes Epos mit Witz und Tiefgang, 6. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Überdruss: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Zuge von Maos Landreform wurde der Grundbesitzer Ximen Nao von Landarbeitern und Kleinbauern gelyncht. Seither hat er mit dem Fürsten der Unterwelt, Yama, hartnäckig gestritten: Er verlangt nichts anderes, als dass Yama den Ximen Nao zufolge zu Unrecht erlittenen Tod revidiert und ihn wieder lebendig macht.
Nach zwei Jahren erhört Yama den lästigen Anklagesteller, jedoch nicht, ohne ihn aufs Kreuz zu legen. Ximen Nao wird zwar wiedergeboren, jedoch als Eselhengst. Und dies just in dem Stall, der früher zu seinem Anwesen gehörte. Er wird dem Besitz seines früheren Angestellten Lan Lian zugeschlagen und beobachtet entsetzt, wie sehr sich die Welt während seines Totseins verändert hat: Seine Hauptfrau, wie er von hohem Stand, wird nun als Klassenfeindin vom Dorfkollektiv gequält; Lan Lian hat Ximens Geliebte geheiratet, die beiden Kinder, die sie mit Ximen hat, zu sich ins Haus genommen und mit ihr einen weiteren Sohn gezeugt. Ximens zweite Geliebte wurde von einem weiteren Angestellten geheiratet.
Der Esel erlebt nun den komplexen Verlauf der Familiengeschichte, aber auch die durch Mao eingeleiteten Veränderungen auf dem Lande aus seiner Perspektive mit, die teils jener eines Esels, teils jener des ehemaligen Gutsherrn entspricht.
Der Esel wird während der großen Hungersnot von den Dorfbewohnern getötet und verspeist. Ximen erlebt Wiedergeburten als Stier, Schwein und Hund - und in diesen Gestalten die fulminanten Wendungen der chinesischen Politik und Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ximen Nao hat in all seinen Gestalten seiner Familie und der des Lan Lian treu gedient. Er muss sich noch einmal als Affe bewähren, ehe er unter höchst ungewöhnlichen Umständen als Mensch neu geboren wird.

Dieser Achthundert-Seiten-Roman fesselt den Leser vom ersten Augenblick an. Hierzu trägt nicht zuletzt der häufige, dialoghafte Wechsel der Erzählperspektive zwischen Ximen Nao, oder vielmehr der Figur seiner letzten, menschlichen Wiedergeburt, und Lan Lians Sohn Lan Jiefang bei. Immer wieder tritt in diesen Erzählungen auch Mo Yan, der Schriftsteller, als recht lächerliche Nebenfigur in Erscheinung.
Unerbittlich, mit vorzüglicher Beobachtungsgabe, zeichnet der Autor aus der Sicht von Esel, Stier und den anderen Tieren die menschliche Natur nach, wie sie durch das Kollektiv, doch auch durch Extremsituationen wie Hungersnot und sexuelle Obsession oder auch Macht und allzu rasch erworbenen Reichtum, deformiert wird. Oder ist es anders herum: Handelt es sich bei dem um die wahre Natur des Menschen, was nach einem plötzlichen Verlust der dünnen oberflächlichen Schicht einer althergebrachten Kultur zutage tritt?
Mo Yan zeichnet seine Figuren plastisch und farbenfroh. Die Handlung, wiewohl üppig gestaltet, entzieht sich niemals dem roten Faden, auch wenn dieser stellenweise erst im Rückblick auf die vollendete Lektüre erkenntlich werden mag. Und sie ist oft brutal, voller Gewalt; dennoch schwingt als Oberton Humor mit - mal leicht und spritzig, mal pechschwarz-sarkastisch bis hin zum harten Zynismus.
Ein packendes, mitreißendes Epos voller Sprachgewalt und Witz, brillant konzipiert und in Anbetracht des Umfangs bemerkenswert stimmig ausgeführt!


Camorrista: Roman
Camorrista: Roman
von Giampaolo Simi
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender Psychothriller, 4. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Camorrista: Roman (Gebundene Ausgabe)
Rosas erster wichtiger Auftrag als Polizistin ist die Überwachung eines erst 18-jährigen Camorra-Bosses, Cocíss genannt, der ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurde.
Rosa nimmt ihren Auftrag ernst, auch wenn sie Cocíss sofort verabscheut. Schnell stellt sie fest, dass die Camorra den angeblich so geheimen Ort, an dem Cocíss untergebracht wurde, längst ausfindig gemacht hat.
Deshalb erkennt sie auch, dass die Leute, denen sie Cocíss wie geplant übergeben soll, keineswegs Fallschirmjäger sind. Sie rast mit dem Camorrista davon und bringt ihn ihrerseits in einem Versteck unter. Dort schließt sie mit Cocíss eine Art Pakt. Sie wird ihn schützen, außer Landes und möglichst außer Gefahr bringen; er wird ihr gehorchen und ihr den großen, anonymen Boss der Camorra ausliefern, den Mann ohne Gesicht.
Doch fast bis zum Ende ihrer Mission weiß Rosa nicht, ob Cocíss sie nicht einfach nur benutzt - und welche Rolle ihre Vorgesetzten in dem Fall spielen.

Die Camorra spielt vor allem in Süditalien nach wie vor eine bedeutende Rolle und bestimmt dort Wirtschaft und Politik massiv mit. Im Kriminalroman "Camorrista" werden ihre Macht und die Schnittstellen zwischen Camorra und Polizei, zwischen Camorra und Wirtschaft thematisiert. Rosa, zwar bereits dreißigjährig, doch noch relativ unerfahren, gerät zwischen die Fronten und muss ihren eigenen Weg finden zwischen Gewissen, Pflichterfüllung und Auflehnung gegen die interne Disziplin.
Zwischen Cocíss und ihr entwickelt sich eine eigenartige Beziehung, zunächst von gegenseitiger Verachtung geprägt, dann von beginnendem Respekt und sogar etwas wie Zuneigung.
Giampolo Simi spielt mit Stimmungen, mit dem Zauber und Rätsel zwischenmenschlicher Bindungen. Vor allem versteht er es, die komplizierte Psychologie zwischen einem jungen Gewalttäter und einer Polizistin mit vielerlei komplexen privaten Problemen zu analysieren und glaubwürdig darzustellen, jenes Wechselbad der Gefühle zwischen tiefer menschlicher Abneigung, professionellem Verantwortungsgefühl und diffuser Zuneigung.
Ein ungewöhnlicher Thriller, stellenweise mit furiosem Tempo, zum Teil ein wenig "dümpelnd", immer jedoch mit unterschwelliger Spannung und verblüffenden Wendungen in petto!


Lippels Traum
Lippels Traum
von Paul Maar
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannendes Abenteuer zum Vorlesen und Selberlesen, 27. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Lippels Traum (Gebundene Ausgabe)
Philipp, genannt Lippel, erfährt von seinen Eltern, dass sie eine Woche ohne ihn (er hat ja Schule) nach Wien fahren wollen und ihn in dieser Zeit von einer ihnen auch noch nicht unmittelbar bekannten Dame namens Frau Jakob betreuen lassen werden. Diese Woche wird für den Viertklässler zu einem echten Abenteuer, denn nicht nur erweist sich Frau Jakob als regelrechter Hausdrachen, sondern auch in der Schule und in seiner Straße gibt es eine Menge spannende Ereignisse.
So kommen zwei Geschwister namens Arslan und Hamide in Lippels Klasse, mit denen er sich anfreundet. Und er befreundet sich mit einem streunenden Hund, den er Muck nennt.
Vor Reiseantritt haben die Eltern Lippel das Buch "Tausendundeine Nacht" geschenkt. Frau Jakob nimmt es ihm aber zur Strafe für einen kleinen Regelverstoß weg, als er gerade mitten in einer fesselnden Geschichte steckt. Und zu seinem Erstaunen träumt Lippel Nacht für Nacht die Geschichte weiter. Freilich stecken in diesen Träumen Personen, die doch sehr an die Menschen aus seinem derzeitigen Alltag erinnern, und nicht zuletzt Muck. Irgendwann fällt es Lippel zunehmend schwer, Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Dieses Buch war Lektüre meines Sohnes in der 4. Klasse. Die Kinder sollten ihren Eltern jeden Tag eine Viertelstunde daraus vorlesen, was mir definitiv sehr viel Spaß gemacht hat und meinem Sohn auch, weshalb meistens mehr als eine Viertelstunde daraus wurde. Die Geschichte ist spannend - so spannend, dass der beträchtliche Umfang Grundschulkinder nicht überfordert; sie bleiben bei der Stange. Natürlich können die Eltern zur Abwechslung auch mal vorlesen.
Die kleinen Sorgen und Nöte eines Viertklässlers kommen ebenso zur Sprache wie das Thema Integration, und Freundschaft gehört ebenfalls zu den wichtigen Aspekten. Alles wird geschickt in die komplexe, aber nicht zu komplizierte Geschichte eingewoben.
Besonders raffiniert ist der Einbau von realen Personen wie Frau Jakob, den beiden neuen Klassenkameraden, dem Kunstlehrer und der netten Nachbarin Frau Jeschke, nicht zu vergessen Hund Muck, in die Träume. Diese Träume sind ebenfalls sehr spannend angesichts der morgenländischen Verfremdung von Lippels realen Abenteuern. Zum Schluss kommt alles sozusagen stimmig zusammen. Nur vermisst man am Ende Muck, der im Traum bei den Protagonisten geblieben ist, in der Wirklichkeit jedoch auf Frau Jakobs Betreiben im Tierheim landete ohne Aussicht auf eine "Adoption" durch Lippels Familie. Das hätte leicht eingeschoben werden können.
Uns liegt eine Auflage von 2009 vor. In dieser ist das 1984 erschienene Buch in der neuen deutschen Rechtschreibung gesetzt.
Ein tolles Abenteuer - eines der besten Bücher von Paul Maar!


Spurensuche: Eine Nachforschung Roman
Spurensuche: Eine Nachforschung Roman
von Iván Sándor
  Broschiert

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine starke, psychologisch dichte Aufarbeitung des ungarischen Holocaust, 26. November 2009
Als gegen Kriegsende in Ungarn die nationalistischen Pfeilkreuzler, die eng mit den deutschen Besatzern kollaborieren, die Macht ergreifen, beginnen sie rasch, die Juden zu deportieren oder direkt zu erschießen, insbesondere jene in der Hauptstadt.
Unter denen, die zum Todesmarsch in ein Vernichtungslager zusammengetrieben werden, sind der 14-jährige Ich-Erzähler, unschwer als Abbild des Autors zu erkennen, seine 13-jährige Freundin und seine Familie. Die Kinder werden von den Eltern getrennt und machen in kurzer Zeit Unsägliches durch, doch nicht zuletzt aufgrund der Intervention eines Schweizer Diplomaten überleben sowohl der Ich-Erzähler und seine erste Liebe als auch seine Eltern.
Der geheimnisvolle Retter heißt Carl Lutz, und er zieht sich durch seine Aktionen, mit denen er mehreren tausend Juden das Leben rettet, Rügen seiner Vorgesetzten zu. Lange wurden seine Taten nicht gewürdigt, im Gegensatz zu jenen seines schwedischen Pendants Raoul Wallenberg.
Iván Sándor möchte mit seinem Roman Carl Lutz ein Denkmal setzen. Zugleich zeichnet er individuelle jüdische Schicksale aus Budapest nach.
Der Autor verwendet eine interessante, spannende Erzähltechnik, indem er den Roman zweisträngig anlegt, wobei beide Handlungsstränge eng miteinander verwoben sind und oft ineinander übergehen. Der eine Strang bildet die Gegenwart ab: das moderne Budapest und einen Erzähler, der die Stationen seines damaligen alptraumhaften Weges nachgeht und versucht, Spuren der Vergangenheit zu finden. Er flicht viele Kontakte ein, neue und alte. - Der zweite Strang besteht aus den Erinnerungen an die Ereignisse von 1944/45, die an den damaligen Schauplätzen mit großer Eindringlichkeit wieder aufkommen. Dabei verzichtet der Autor auf Pathos und (obwohl dies nachvollziehbar wäre) Ressentiment.
In einem Interview sagte Iván Sándor, dass er einen spannenden Krimi über die damaligen Ereignisse schreiben und zugleich die Heldenhaftigkeit des Carl Lutz bekannter machen wollte. Das ist ihm definitiv gelungen. Das Buch ist aber noch mehr: Es veranschaulicht, welch schreckliche Erinnerungen ein beliebter, schöner Ort bergen kann. Und es zeigt, wie Humanität weniger Einzelner, aber auch Solidarität unter den Opfern viele, viele Leben retten können.
Ein ganz großer Roman!


Warum wir uns Gefühle kaufen: Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt
Warum wir uns Gefühle kaufen: Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt
von Christian Mikunda
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 36,00

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gefühle und Kommerz, 25. November 2009
Dass Gefühle und Erwartungen kommerziell genutzt werden, weiß wohl jeder - nicht aber, wie das funktioniert. Christian Mikunda erläutert die entsprechenden Mechanismen in seinem Buch. Er portraitiert sieben Hochgefühle detailliert und stellt sie in den psychologischen und ästhetisch-musischen Zusammenhang.
Da man, wie eingangs erwähnt, mit diesen Gefühlen mehr oder weniger gut vertraut ist, lassen sich die Gedankengänge des Autors gut nachvollziehen, zumal dieser den Leser häufig beispielhaft in bekannte Gebäude oder auf besondere Märkte mitnimmt und die dortige Atmosphäre derart beschreibt, dass man wähnt, wirklich unmittelbar dabei zu sein.
Dank der klaren Struktur der Kapitel, den logischen und anhand von Beispielen verdeutlichten Ausführungen und den zahlreichen Bildern, die die Örtlichkeiten und Situationen aus den Beispielen abbilden, benötigt der Leser keine Vorkenntnisse auf dem Sektor der Psychologie. Er tritt eine häufig verblüffende, gelegentlich atemberaubende Reise zu den beeindruckendsten Bauten und Naturdenkmälern der Welt an und lernt, die bei deren Anblick und im unmittelbaren Erleben ausgelösten Gefühle zu analysieren.
Ziel des Autors ist es nicht einmal unbedingt, dem Leser zu zeigen, auf welche Tricks er hereinfällt, sondern ihm beizubringen, die professionell in ihm freigesetzten Gefühle verantwortlich zu genießen.
Und tatsächlich gewinnt der Leser reichlich interessante Erfahrungen hinzu.


Leben in Griechenland: Vom Glück einen Olivenbaum anzuschauen
Leben in Griechenland: Vom Glück einen Olivenbaum anzuschauen
von Petros Rottwinkel
  Gebundene Ausgabe

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben auf einer griechischen Insel: informativ und charmant, 22. November 2009
Es muss wohl einen Grund haben, wenn ein Architekt aus Berlin seinen Beruf aufgibt und auf eine kleine griechische Insel zieht, um sich fortan dem Olivenanbau zu widmen.
Petros Rottwinkel schildert in seinem Buch das Leben auf "seiner" Insel Thasos, wo er als Autor wirkt und, wie erwähnt, Oliven anbaut. In zwölf Episoden schildert er so unterschiedliche Aspekte des Lebens auf der Insel wie die Olivenernte an einem Tag mit ungünstiger Witterung, die bei näherem Hinsehen sehr komplexen sozialen Beziehungen innerhalb einer typischen kleinen griechischen Ortschaft, die letztlich doch überbrückbaren Differenzen zwischen Kirche und Sozialismus, Methoden der Bienenzucht und der Weidewirtschaft mittels Ziegen und Schafen und immer wieder auch wunderbare Wege und Landschaften als Umgebung der für das Buch zentralen Olivenhaine.

Der Autor versteht es, ohne übertriebene Sentimentalität und zu viel Pathos einen vielfarbigen, intensiven Eindruck von seiner Heimatinsel zu schaffen. Er vermittelt erstaunliche, anrührende, tiefe Einsichten in die griechische Mentalität, er erstellt bezaubernde Charakterstudien und befasst sich einfühlsam und behutsam mit Traditionen und ihrem Zusammenprall mit der Moderne. Kritik am so genannten Fortschritt, der manchmal eher als Rückschritt zu werten ist, fehlt so wenig wie eine sachliche Einschätzung der aktuellen wie der historischen Lage.
Vor allem aber vermag es Petros Rottwinkel, auf ganz bezaubernde Weise Eindrücke von Landschaften, Szenerien und Persönlichkeiten, ob menschlich oder "tierisch", wiederzugeben. Der Leser geht geradezu mit dem Autor die Wege ab, sieht aparte Details am Wegesrand, schnuppert Düfte, hört die Geräusche der Natur um sich. Fesselnd schildert Rottwinkel Unwetter und scheinbar kleine private "Katastrophen".
Und über allem liegt die Faszination des Ölbaumes, einer uralten Kulturpflanze, robust, bescheiden, schön und überaus fruchtbar. Fotos einiger der Protagonisten ergänzen die Geschichten.
Ein so spannendes und informatives wie liebenswertes Buch!


Ein neues Leben auf Bali: Insel der Götter
Ein neues Leben auf Bali: Insel der Götter
von Manolo Link
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,80

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bali als Rahmen einer großen und tragischen Liebe, 22. November 2009
Der Anfang des Buches ist im Grunde ein Ende. Oder ein Neuanfang.
Überraschend beginnt das Buch mit den Vorbereitungen für ein Begräbnis - eine ungewöhnliche Beerdigung, denn der Ich-Erzähler überführt die Asche seiner verstorbenen Ehefrau ihrem Wunsch gemäß nach Bali. Er überwindet etliche Hürden, bis er ihren Anweisungen entsprechen und ihre Asche dort beisetzen kann, wo sie am glücklichsten war - auf Bali, an einem wunderbaren, stillen, heiligen Ort.
Auf die Schilderung dieser ungewöhnlichen Beisetzung folgt eine Rückblende. Der Ich-Erzähler Mano schildert den Beginn seiner Bekanntschaft mit seiner künftigen Ehefrau, den Zauber der ersten Begegnung, den gemeinsamen Weg bis hin zur Diagnose "Krebs" und den verzweifelten Kampf gegen die Krankheit bis zum Ende.
Mano bleibt allein zurück und lernt erst mit der Zeit, loszulassen und zu hoffen, dass seine geliebte Frau auf Bali wieder geboren wurde, wie man dort glaubt.

Was im Abriss ein wenig rührselig klingt, liest sich spannend und keineswegs zu sentimental. Mano, Autor und Ich-Erzähler, möchte dem Leser einerseits eine so schöne wie traurige und wahre Geschichte näher bringen, andererseits geht es ihm um die Vermittlung einer Art von Glauben und Gewissheit. Nichts ist Zufall, alles hat einen Sinn, könnte die Prämisse des Buchs lauten.
In Manos Leben scheint dies auch so zu sein. Mano und seine Frau erhalten Zeichen, lesen sie und lernen, sich an ihnen zu orientieren. Schmerz und Tod als Teil des Lebens lassen sich so besser akzeptieren.
Ein Buch also, in dem es um Liebe und Verlust geht, warmherzig und tröstlich wie eine ausgestreckte Hand für alle, die solche Erfahrungen kennen oder fürchten, für alle, die lieben; eingebettet in die Wärme und den exotischen Zauber von Bali.


Seichtgebiete: Warum wir hemmungslos verblöden
Seichtgebiete: Warum wir hemmungslos verblöden
von Michael Jürgs
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ausgezeichnetes Thema, unbefriedigend umgesetzt, 22. November 2009
Jürgs untersucht in seinem Buch die Entstehungsgeschichte der Verblödungsindustrie à la "Big Brother", "Volksmusik" und "Dschungelcamp", zeigt in etlichen Kapiteln die Blüten auf, die mediale Seichtgebiete treiben, und benennt einige Verantwortliche. Zudem stellt er die wenigen Bastionen seriösen Verlegertums oder Journalismus' dem drögen Einheitsbrei von Selbstbiografien der "B-und C-Promis" und sinnentleerten Sendungen und Artikeln aller Art gegenüber.
Ein Blick auf das Positive, falls vorhanden, rundet das Buch ab.

Jürgs, erfahrener Journalist, bringt das Problem in aller gebotenen Ausführlichkeit und weit darüber hinaus aufs Tapet, nennt jedoch keine Lösungsansätze, und auch der gesamte Aufbau lässt zu wünschen übrig.
Dass im ersten Kapitel das Wort "blöd" als Adjektiv, als Substantiv oder in zusammengesetzten Wörtern, gelegentlich von der Bezeichnung "Deppen" ergänzt, gebetsmühlenartig fast in jedem Satz auftritt, mag der ausdauernde Leser noch verzeihen, weniger hingegen das Fehlen einer klar ersichtlichen Struktur des Buchs und der Kapitel. Da werden ein paar Fallbeispiele ausgewalzt, selten einmal auch Gegenbeispiele, und immer wieder mit dem Etikett "blöd" bepappt, ohne dass Lösungsansätze oder auch eine wirklich logische, wissenschaftliche Analyse zum Zuge kommen. Es darf freilich vermutet werden, dass auch diese Rezension von Jürgs den Stempel "blöd" erhielte, nicht zuletzt, weil sie im Internet erscheint, in dem natürlich Blogs der übelsten Sorte zu Hause und Stümper und Dünnbrettbohrer zuhauf unterwegs sind.
Wohl gemerkt, grundsätzlich stimmt die Rezensentin mit Michael Jürgs durchaus überein. Was in den Massenmedien als Unterhaltung angeboten wird, hat selten mit Kultur zu tun und dürfte sich, täglich konsumiert, wirklich gut zum Verblöden eignen. Doch die Quotenjäger unter den Programmdirektoren dürfte das wenig scheren und die Fans sowieso nicht.
Von einer kritischen Analyse ist das Buch weit entfernt. Schimpf- und Hasstiraden bewirken keinen gesellschaftlichen oder kulturellen Umbruch. Überzeugung wäre hierzu eher geeignet, doch dazu fehlen eine schlüssige, logische Argumentation und ein klares Konzept. Oder die Rezensentin ist bereits zu sehr verblödet (dank Lektüre von "Cicero", "FAZ" und gelegentlich auch der "Bild" sowie gelegentlicher Dosen von "Wer wird Millionär?"?), um dieses zu erkennen. Daher sollte der gebildete Medienkonsument das Buch kaufen, damit er sich selbst eine Meinung bilden kann - oder es ausleihen, um nicht eventuell wütend über eine gründliche Fehlinvestition zu sein.


Sie kamen bis Konstantinopel (Historische Romane Von Zabern)
Sie kamen bis Konstantinopel (Historische Romane Von Zabern)
von Frank S. Becker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das "dunkle" Mittelalter in starken Farben, 22. November 2009
Konstantinopel im Jahr 674 n. Chr.: In der Hauptstadt des Römischen Reichs treffen drei Menschen aufeinander, die das Schicksal seit vielen Jahren verbindet, und die doch unterschiedlicher nicht sein könnten: ein irischer Priester, einst missionierender Mönch, ein arabischer Flottenbefehlshaber und eine schöne Frau griechischer Herkunft aus Karthago.
Der Prolog stellt die bedrohliche Situation vor, in der sich Konstantinopel in jenen Tagen befand, und präsentiert die drei Protagonisten Padraich, Daud und Pelagia.
Im sich anschließenden ersten Teil wird Padraichs Geschichte erzählt, die Geschichte eines Jungen mit einem düsteren Geheimnis, der Mönch wird und schließlich eine weite Reise durch Europa antritt, um Missionar zu werden.
Der Junge Daud wird im zweiten Teil Zeuge der Kämpfe um das Kalifenamt, die Mohammeds junge Religion zu spalten drohen. Nach Ägypten verschleppt, erlebt auch er unvorstellbare Scheußlichkeiten. Als er durch eine glückliche Fügung freigelassen wird, entschließt er sich, eine Karriere in der arabischen Flotte zu beginnen.
Pelagia, zunächst ein vornehmes junges Mädchen, reist im dritten Teil von Karthago nach Rom, um dort möglichst einen einflussreichen und wohlhabenden Mann zu heiraten. Doch Rom präsentiert sich ihr als eine Anhäufung von Ruinen. Sie verliebt sich in den Priester Padraich, der jedoch trotz starker Gefühle für sie ihre Avancen ablehnt. Als sie trotzig anderswo ihr Glück sucht, gerät sie in den Besitz Dauds, der sie zu seiner Geliebten macht. Ein Schicksalsschlag bietet Anlass zur Flucht nach Konstantinopel.
Doch in Konstantinopel kommt alles völlig anders als vorgesehen, nicht zuletzt, als sie erneut Padraich begegnet: einem gereiften, nachdenklicheren Padraich.

Drei Schicksale, drei Handlungsstränge werden in "Sie kamen bis Konstantinopel" miteinander verwoben. Die drei Protagonisten, die im Verlauf des Romans eine gewaltige Entwicklung durchleben, werden dem Leser rasch vertraut. Noch mehr mag dieser vielleicht die eine oder andere originell konzipierte, bestens in die Epoche passende Nebenfigur mögen. Spannung ist nicht nur aufgrund der kulturellen Unterschiede und der historischen Hintergründe mit den enormen Umbrüchen und militärischen Auseinandersetzungen jener Zeit geradezu vorprogrammiert.
Die gut konstruierte Geschichte und die Hintergrundinformationen geben einen differenzierten Eindruck von einem Abschnitt der Vergangenheit, der für die weitere Entwicklung des Abendlandes von erheblicher Bedeutung war.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 14, 2010 10:19 PM CET


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