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Beiträge von Florian Hilleberg
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Rezensionen verfasst von
Florian Hilleberg (Göttingen)
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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Die Offenbarungen des Glaaki: Ramsey Campbells beste Erzählungen zum Cthulhu-Mythos
Die Offenbarungen des Glaaki: Ramsey Campbells beste Erzählungen zum Cthulhu-Mythos
von Ramsey Campbell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,00

4.0 von 5 Sternen Subtiler Horror für Genießer, 30. Juli 2014
Ramsey Campbell gehört wohl zu den eifrigsten modernen Epigonen von H. P. Lovecraft und hat mit den „Offenbarungen des Glaaki“ sein eigenes fiktives Werk über gottlose Rituale und monströse Götzen erschaffen, das, ähnlich wie Lovecrafts Necronomicon, zum verbindenden Element seiner Kurzgeschichten wurde. Daher passt der Titel für den ersten Teil von Campbells Story-Sammlung zum Cthulhu-Mythos wie die Faust aufs Auge. Darüber hinaus spielen fast alle Geschichten in und um das Gebiet Severn Valley. Auch inhaltlich hat sich der bekannte Horror-Schriftsteller, der hierzulande allerdings nur wenig Popularität genießt, stark von Lovecraft inspirieren lassen. Dabei gelingt es ihm zwar einerseits eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren, andererseits versucht er aber stellenweise sehr konstruiert den Stil Lovecrafts zu kopieren. Auffallend ist dies beispielsweise in dem Akzent des Farmers in „Die Mine auf Yuggoth“, denn das Gespräch erinnert frappant an den Dialog aus Lovecrafts Erzählung „Das Bild im Haus“. Herausragend sind dagegen die Geschichten „Der Bewohner des Sees“, „Der die Schleier zerreisst“ oder auch „Die Insekten aus Shaggai“, in der der Autor auf exzellente Art und Weise Elemente des Horror-Genres mit denen der Science-Fiction verquickt. Wie Lovecraft, so bemüht sich auch Campbell, das Grauen eher anzudeuten, als zu konkretisieren, was ihm auch größtenteils geglückt ist. Ebenso gelungen ist ihm der Spagat zwischen prosaischer Unterhaltung und pseudowissenschaftlicher Dokumentation, um den Schein der Authentizität zu wahren. Für Lovecraft- und Cthulhu-Fans eine lohnenswerte Anschaffung, wer aber lediglich sporadisch in die düstere Welt der Großen Alten hineinschnuppern möchte, ist mit anderen Werken besser bedient. Vervollständigt wird das edel gestaltete Hardcover durch ein umfangreiches Vorwort des Autors, dessen Nihilismus jedoch unangebracht wirkt. Nichtsdestotrotz eine Sammlung faszinierender Werke der Horror-Literatur, der man sich mit Verstand und der nötigen Ruhe widmen sollte. Kein Buch der schnellen, kurzweiligen Lektüre, sondern Horror mit Anspruch, was selten genug ist heutzutage.


Homicide - Life on the Street, Staffel 4 [3 DVDs]
Homicide - Life on the Street, Staffel 4 [3 DVDs]
DVD ~ Ned Beatty
Wird angeboten von docu-films
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Kann die hohe Qualität der ersten drei Staffeln auch im vierten Jahr mühelos halten, 28. Juli 2014
Staffel 4 der realitätsnahen Krimiserie HOMICIDE hält mühelos die hohe Qualität der ersten drei Staffeln und erzählt die Geschichten der Ermittler hinter den Mordfällen. Die Serie lebt durch die authentischen und sympathischen Charaktere, die einem im Laufe der einzelnen Jahre/Staffeln ans Herz gewachsen sind, und mit denen man mitfiebert und mitleidet. Auch die vierte Staffel hält dahingehend wieder einige Höhen und viele Tiefen für die Detectives unter Al „Gee“ Giardello bereit. Dank der großartigen schauspielerischen Leistung wird dabei jede einzelne Folge zu einem Hochgenuss, trotz der teilweise durchschnittlichen Bildqualität, denn gerade auf großformatigen High-Definition-Flachbildschirmen wird offensichtlich, dass auf eine Überarbeitung des Materials verzichtet wurde. Leider sorgt auch die mangelnde Kontinuität der Serie für Verwirrung, denn bei manchen Rückblicken hat man den Eindruck, dass die entsprechende Folge, auf die Bezug genommen wird, gar nicht in den Staffelboxen enthalten ist. Gänzlich durcheinander gerät dann die Handlungsabfolge am Ende der Staffel. ACHTUNG SPOILER.
Detective Lewis sorgt für überraschtes Staunen, als er seinen Kollegen eröffnet, dass er heiraten will. Während John Munch das alles für einen großangelegten Jux hält, organisieren die anderen Mitarbeiter des Mord-Dezernats auf die Schnelle eine komplette Hochzeitsfeier, auf der Lewis tatsächlich mit seiner Braut erscheint. Auf der Feier kommt schließlich auch Pembletons Baby zur Welt. In der nächsten Episode befindet sich Lewis mit seiner frisch Angetrauten in den Flitterwochen und Frank Pembleton erleidet bei einem Verhör einen Schlaganfall. In der letzten Folge der Staffel, kommt Lewis wieder zum Dienst und gesteht seinem Kollegen Kellerman, dass die Ehe kurz vor der Scheidung steht – und Frank Pembleton sitzt quietschvergnügt wieder an seinem Schreibtisch. Schade, denn gerade das Schicksal des distanzierten Raubeins Frank geht zu Herzen, und leider ist zur Zeit fraglich, ob die restlichen Staffeln ebenfalls auf DVD erscheinen werden. Verdient hätte es die Serie auf jeden Fall. Tatsächlich ist es aber leider so, dass die 4. Staffel im Original mehr als doppelt so viele Episoden umfasst.

Wie die ersten drei Staffeln, so präsentiert sich auch die vierte Staffel im schmucken Pappschuber, ohne jegliche Extras. Auch das Titelfoto ist nicht auf dem neuesten Stand, denn Detective Stan Bolander (Zweiter von Links), ist in dieser Staffel suspendiert und Detective Crosetti, ist bereits Ende der ersten Staffel ausgeschieden.


Planet der Affen - Revolution: Feuersturm: Die offizielle Vorgeschichte des Films
Planet der Affen - Revolution: Feuersturm: Die offizielle Vorgeschichte des Films
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Funktioniert auch als eigenständiger Roman - unterhaltsam geschrieben, inklusive gesellschaftskritischer Botschaft, 27. Juli 2014
So wie Literaturverfilmungen selten an die entsprechende Vorlage heranreichen (von der Verfilmung von Pierre Boulles „Planet der Affen“ natürlich abgesehen), können Romane nach den Drehbüchern bestimmter Filme ebenfalls nur in den seltensten Fällen überzeugen. Mit PLANET DER AFFEN – REVOLUTION: „Feuersturm“ wird jedoch ein etwas anderes Konzept verwirklicht. Der Roman von Greg Keyes ist nicht die schriftstellerische Umsetzung des neuen Kinofilms, sondern erzählt die Geschichte zwischen den beiden Blockbustern PREVOLUTION und REVOLUTION; und das auf äußerst unterhaltsame und anspruchsvolle Art und Weise. Dabei gelingt dem Autor das sensationelle Kunststück, dass der Roman nicht nur als Ergänzung der Kinofilme bestens funktioniert, sondern auch als eigenständige Geschichte, mit durchaus differenzierter, gesellschaftskritischer Botschaft.
Auch die Charaktere, von denen die meisten extra für den vorliegenden Roman entwickelt wurden, sind absolut authentisch und glaubwürdig. Vor allem der Söldner Malakai, die Zoologin Clancy, aber auch der Reporter David Flynn und die Ärztin Talia, werden sehr vielschichtig und lebendig geschildert. Der heimliche Star des Romans ist allerdings nicht Caesar, sondern Koba, ein halbblinder Schimpanse, der ebenfalls eine gesteigerte Intelligenz besitzt und in der Lage ist per Zeichensprache in komplexer Weise zu kommunizieren. Keyes bereichert die Handlung immer wieder durch intensive Rückblicke in die Vergangenheit von Koba und Malakai. Gerade die Erinnerungen des Söldners sind dabei nichts für schwache Nerven und Tierliebhaber. Trotzdem ist es dem Autor gelungen, den Charakter Malakais sympathisch darzustellen und seine Taten nachvollziehbar und verständlich zu beschreiben.

Um es kurz zu machen: „Feuersturm“ ist ein großartiger, intensiver Roman, dessen Lektüre nicht nur kurzweilig, sondern auch anspruchsvoll ist. Die optimale Ergänzung zu den Filmen, die sich kein Fan entgehen lassen sollte.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2014 10:40 PM MEST


Star Trek - Titan 7: Gefallene Götter
Star Trek - Titan 7: Gefallene Götter
von Michael A. Martin
  Broschiert
Preis: EUR 12,80

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannende und intelligente Fortsetzung der STAR TREK-Romanserien TITAN und TYPHON PACT, 21. Juli 2014
Nach dem fulminanten Start der Serien TYPHON PACT und VOYAGER in Romanform, kommt der Leser jetzt endlich in den Genuss eines neuen TITAN-Bandes. Autor ist Michael A. Martin, der bereits den zweiten TYPHON PACT-Roman „Feuer“ geschrieben hat. An diesen knüpft „Gefallene Götter“ beinahe nahtlos an. Ebenso wie an den vierten TYPHON PACT-Band „Zwietracht“ aus der Feder seines Autorenkollegen Dayton Ward, in dem es zu dem ungeheuerlichen Bruch Andors mit der Föderation kommt. Martins „Feuer“ ist also chronologisch zwischen die TITAN-Bände 6 und 7 einzuordnen. Vor allem was das Schicksal von Tuvok und ZweitGen Weiß-Blau betrifft ist diese Information bedeutsam, denn was ihnen im TYPHON PACT-Roman „Feuer“ zustößt, bildet für „Gefallene Götter“ eine wichtige Handlungsgrundlage. Darüber hinaus gewährt Martins Roman aber einen interessanten Einblick in das Eheleben von Tuvok und seiner Ehefrau T'Pel, das einerseits von der vulkanischen Logik und Förmlichkeit bestimmt wird, andererseits aber auch eine spezielle Warmherzigkeit besitzt, wie man sie in so mancher menschlichen Ehe vergeblich sucht. Dennoch, sich die kühle, rationale T'Pel als Betreuerin für menschliche Kinder vorzustellen, fällt bei aller Toleranz schwer.

Im Mittelpunkt steht aber die Gefahr für den Planeten Ta'ith, sowie die Krise auf Andor, die auch sieben Besatzungsmitglieder der Titan betrifft. Hier darf Riker wieder Sympathie-Punkte sammeln, denn selbstverständlich lässt er es nicht zu, dass die tapferen Andorianer auf dem Altar der Politik und Bürokratie geopfert werden. Am spannendsten sind die Szenen des andorianischen Lieutenants Pava, die nicht nur als Figur sehr sympathisch ist. Auch ihre Erlebnisse auf dem andorianischen Schlachtkreuzer sorgen für Nervenkitzel und Kurzweil. Außerdem liefert sie die bislang beste und griffigste Beschreibung der Tholianer ab, die ich bisher bei STAR TREK zu hören und zu lesen bekam:

„Sie mögen Wärme, lange Strandspaziergänge, das Weben von Energienetzen und Pünktlichkeit.“

Im Kontext mit der bizarren Beschreibung der Tholianer und der TOS-Episode „Das Spinnennetz“ einfach urkomisch.
Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind jedoch die Ereignisse auf dem Planeten Ta'ith, insbesondere jene, die aus der Sicht der indigenen Spezies geschildert werden, einer insektoiden Rasse, die zweigeschlechtlich sind, so dass ständig die Rede von er/sie oder ihn/ihr ist. Reichlich umständlich, da der Lesefluss doch erheblich gestört wird. Die teilweise komplizierten Namen der exotischen Crewmitglieder der Titan werden glücklicherweise abgekürzt und im Personenverzeichnis am Ende noch einmal detailliert aufgeführt.

Das Dilemma, das Riker in einen Loyalitätskonflikt mit der Sternenflotte bringt, wird schlüssig beschrieben, ebenso wie die drohende Eskalation mit dem andorianischen Schlachtkreuzer. Merkwürdig nur, dass die Andorianer über so mächtige Kriegsschiffe verfügen, die sie ohne weiteres aus dem Handgelenk schütteln können. Immerhin ist der andorianische Schlachtkreuzer der Titan in Punkto Bewaffnung mindestens doppelt so hoch überlegen. Wo waren diese mächtigen Schiffe denn im Dominion-Krieg? Dort hat man in der Serie DEEP SPACE NINE eigentlich nur Sternenflotten-Schiffe gesehen.
Den größten Spaß während der Lektüre bereiten aber in erster Linie die geschliffenen Dialoge, die zudem exzellent übersetzt wurden. Vor allem was die einzelnen TV-Serien betrifft, keine Selbstverständlichkeit.


MORBUS: Bei Vollmond bist du tot: Doppelband (mit Im Bann der Mörderpuppe")
MORBUS: Bei Vollmond bist du tot: Doppelband (mit Im Bann der Mörderpuppe")
von Charly Blood
  Broschiert
Preis: EUR 12,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Evolver Books belebt den österreichischen Groschenroman neu und führt zugleich den Begriff des Schundheftchens ad absurdum, 19. Juli 2014
Der Verlag Evolver Books mit Sitz in Wien, hat es sich auf die Fahnen geschrieben den österreichischen Heft- und Groschenroman wiederzubeleben und gesellschaftsfähig zu machen. Nicht umsonst lautet das Motto des Verlags: „The New Home of Pulp“.

Da passt eine Serie wie MORBUS natürlich wie die Faust aufs Auge und bestens ins Konzept, und wer den vorliegenden Doppelband gelesen hat, der ist mit Sicherheit froh, dass sie bei Evolver eine neue Heimat gefunden hat.
MORBUS handelt von einer Geheimloge, deren Hauptquartier sich ebenfalls in Wien befindet, und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, übernatürliche Phänomene, unlösbare Rätsel und Morde mit paranormalem Hintergrund aufzuklären. Und nein, es handelt sich weder um eine Außenstelle von Scotland Yard, noch um eine Filiale der PSA. BASILISK agiert (bislang) ausschließlich in Wien und hat eine überschaubare Anzahl an Mitgliedern, die von dem Autorenduo Zoë Angel und Charly Blood sehr sympathisch und glaubhaft geschildert werden. Hauptakteur ist aber in beiden Fällen der Privatdetektiv Bernd Waidmann. Auffallend ist außerdem, die Wiener Mundart, die den Geschichten über die typischen Örtlichkeiten und Straßennamen hinaus, das notwendige Lokalkolorit verleiht. Für den hochdeutschen Leser gibt es zum besseren Verständnis am Ende ein entsprechendes Glossar. Somit trägt das Buch also auch zur Bildung im Sinne der Völkerverständigung bei.
Da die ersten beiden MORBUS-Titel noch bei dem Verlag >grotesque erschienen sind und für eine Neuveröffentlichung bei Evolver überarbeitet werden müssen, sind in dem vorliegenden Doppelband die nächsten beiden Folgennummern 3 und 4 enthalten. Da es sich bei MORBUS um eine waschechte Serie mit sich entwickelnden Charakteren und einer Handlungskontinuität handelt sind Anspielungen auf die ersten beiden Bände unumgänglich. Doch dank der ausführlichen Personenbeschreibung zu Beginn des Buches und den Erklärungen im Kontext der Geschichte hat man auch als Quereinsteiger nicht die geringsten Probleme der Handlung zu folgen. In Band 3, „Bei Vollmond bist du tot“ bekommen es die Recken von BASILISK mit einem Werwesen der ganz besonderen Art zu tun, Ökobotschaft und Gesellschaftskritik inklusive, während Band 4, „Im Bann der Mörderpuppe“, die Unterwelt von Wien in Aufruhr versetzt. Spannend und blutig geht es in beiden Fällen zu.

Der Stil ist flott und schnörkellos, aber keinesfalls plump oder trivial. Mit anderen Worten: ein weiterer Volltreffer aus dem Hause Evolver.


John Sinclair - Folge 1879: Die Bestien aus der Schattenwelt
John Sinclair - Folge 1879: Die Bestien aus der Schattenwelt
Preis: EUR 1,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Origineller Plot, atmosphärisch und flott geschrieben. Nur die Charaktere sind noch sehr blass und oberflächlich., 18. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Alfred Bekkers erster JOHN SINCLAIR-Roman ist wirklich außergewöhnlich, nicht nur von der Thematik her, sondern auch vom Handlungsaufbau. Dass er sich mit der Serie im Vorfeld befasst hat, zeigt allein schon der Einsatz des Schwertes des Salomo. Während es bei Jason Dark im Schrank des Geisterjägers Staub ansetzt, traut sich ein Gastautor endlich die kunstvoll verzierte Klinge wieder heraus zu kramen. Auch das Kreuz kommt natürlich zu Ehren, doch hier hat der Autor frei fabuliert und den silbernen Talisman, einerseits schwächer dargestellt als er eigentlich ist, und zum anderen benutzt John die Namen der vier Erzengel um das Kreuz gewissermaßen per integrierter Spracherkennung auf eine bevorstehende (!) Konfrontation vorzubereiten. Ob man beim bloßen Nennen von vier Namen bereits von Rezitieren sprechen kann, darf bezweifelt werden. Immerhin erinnern sich Protagonist und Autor am Ende aber auch an die übliche, lateinische Formel. Die Namen der vier Erzengel ruft John Sinclair nämlich nur noch, wenn es gegen die direkten Antagonisten der himmlischen Boten geht, soll heißen gegen Luzifer persönlich oder einen seiner gefallenen Engel. Ansonsten verlässt sich Sinclair mittlerweile fast ausschließlich auf den bekannten Spruch „Terra pestem teneto – salus hic maneto“. Abgesehen davon hat Bekker seine Hausaufgaben nur zur Hälfte gemacht, da John plötzlich exzessiv wieder mit seinem Rang prahlt, und dass auch noch falsch. Denn seit dem 25. JOHN SINCLAIR-Roman, der noch lange vor der eigentlichen Serie erschien, befindet sich John im Rang eines Oberinspektors und nicht, wie hier behauptet wird, in dem eines Inspektors. Der Irrtum mag darin begründet sein, dass es Oberinspektoren in England gar nicht gibt. Nach dem Inspektor folgt dann nämlich schon der Chefinspektor. Da es aber zu den unumstößlichen Serieninterna gehört, wäre es angebracht John weiterhin im Rang eines Oberinspektors zu belassen. Jason Dark benutzt übrigens seit Jahren nicht mehr die Bezeichnung und vermeidet die Nennung des Ranges schlicht und ergreifend. Lediglich Suko wird immer wieder als Inspektor bezeichnet. Der hat in dem vorliegenden Band übrigens nur eine Statistenrolle. Warum er überhaupt mitgefahren ist, erschließt sich dem geneigten Leser jedenfalls nicht. Die Kämpfe muss John komplett alleine bestreiten, selbst in der Sakristei, wo sich der Gegner als äußerst hartnäckig entpuppt, hält es Suko nicht für nötig, einzugreifen. Das passt so gar nicht zu dem Inspektor, so dass auch hier etwas mehr Sorgfalt bei der Charakterisierung angebracht gewesen wäre. Die Handlung entwickelt sich Schlag auf Schlag, so dass Sinclair kaum zum reflektieren kommt. Der Plot ist wirklich originell und sehr spannend, doch was der Geschichte eindeutig fehlt ist die persönliche Note. Sinclair ist und war immer ein Genussmensch, so dass er sich Zwischendurch gerne mal einen Kaffee, ein Bier oder ein gutes Essen schmecken lassen darf, ohne dass dieses zur bloßen Randnotiz verkommt. Davon abgesehen ist der Geisterjäger auch durchaus emotional und ein Teamplayer. Es passt einfach nicht zu John Sinclair, dass er so kaltschnäuzig den Fall angeht und seinen Partner gewissermaßen links liegen lässt. Es ist zwar Bekkers erster SINCLAIR, aber der Autor hat hinreichend Erfahrungen als Schriftsteller gesammelt, so dass man wenigstens von der Hauptfigur Profil erwarten darf. Heftroman hin oder her. Lob gebührt dem Autor allerdings für die Story, denn Alfred Bekker ist es wirklich gelungen, dem Werwolf-Mythos neue Facetten zu verleihen. Allerdings hätte die Handlung locker für einen Zweiteiler ausgereicht. Das gilt im Prinzip aber auch für Uwe Voehls „Pestgasse“ und Michael Breuers „Friedhof der Kopflosen“.


Der Pesthügel Von Shanghai
Der Pesthügel Von Shanghai
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vor allem für Fans von Suko/Martin May interessant - viel Getöse, wenig Atmosphäre, 18. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Pesthügel Von Shanghai (Audio CD)
Der versierte Fan und Leser kann ob der Auswahl der Romane, die für die Hörspielserie JOHN SINCLAIR EDITION 2000 getroffen wird, eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Die beiden CLASSIC-Episoden abgezogen, erscheinen im Jahr 10 Folgen, was zwar einerseits eine Menge ist, wenn man die unsichere Marktsituation in Betracht zieht, andererseits gibt es aber auch viele Handlungsfäden, die weitergesponnen werden müssen. Die von John Sinclair in dieser Episode genannten (Strigus, Mordliga, Großen Alten) sind ja längst nicht alle. Umso erstaunlicher, dass gerade die neuen Produzenten, allen voran Dennis Ehrhardt, immer wieder eher unbedeutende Einzelabenteuer vertonen. Wenn es sich um besonders herausragende Stoffe handeln würde oder es zumindest gruselige und unheimliche Geschichten wären, wäre gegen eine solche Vorgehensweise nichts einzuwenden.

Doch gerade „Der Pesthügel von Shanghai“ ist ein mittelmäßiger bis unterdurchschnittlicher Roman, der lediglich aufgrund der exotischen Kulisse und des originellen Plots interessant ist. Daher ist es durchaus bewundernswert, dass es den Machern dennoch gelungen ist, daraus ein recht gutes Hörspiel zu kreieren, bei dem allerdings die Action, wie immer pompös inszeniert, im Vordergrund steht. Auch der Splatter- und Ekeleffekt ist relativ hoch. Gruselig ist die Geschichte aber kaum, zumindest was die Atmosphäre angeht. Dafür wurde wieder tief in die Trickkiste der Geräusche gegriffen. Die Zombies, insbesondere ihre Vernichtung, und der schmatzende Sumpf dringen plastisch an die Ohren des Hörers. Der Soundtrack sorgt für eine entsprechend stimmungsvolle Begleitmusik, die nie zu aufdringlich wird. Im Gegensatz zu den lauten Effekten. Gerade die Kampfszenen sind im Gegensatz zu den Dialogen unverhältnismäßig laut.
Die Story hält sich grob an die literarische Vorlage von Jason Dark. Der größte Unterschied ist wohl der, dass Suko im Hörspiel alleine nach China entführt wird, während im Roman John Sinclair von Anfang an mit von der Partie ist. Der Cameo-Auftritt von Logan Costello kommt ebenfalls nur im Hörspiel vor und Bernd Vollbrecht macht seine Sache wieder außerordentlich gut. Ebenso wie Martin May als Suko, der in dieser Folge so richtig auftrumpfen darf. Frank Glaubrecht dagegen klingt dieses Mal ein wenig müde und lustlos. Dafür kommt man in den unverfälschten Genuss von Helmut Krauss' Stimme, der ansonsten in der Rolle des Vampiro-del-mar glänzt.
Bemerkenswert ist außerdem, dass das Finale nicht nur deutlich flotter und rasanter ausgefallen ist, als im Roman, sondern auch irgendwie schlüssiger herüberkommt.

ACHTUNG SPOILER! Inklusive der kopflosen Prinzessin Li, die im Roman wie die Deus ex machina über die Zombies kommt. Im Hörspiel wird es ihr nicht ganz so einfach gemacht, und als sie dann endlich erscheint ist das Kopfkino perfekt.
„Der Pesthügel von Shanghai“ ist kein Highlight der Serie, allein schon wegen der mangelnden Bedeutung für die Roten Fäden, aber eine durchaus hörenswerte Geschichte, die Spaß macht. Allerdings sollten die Produzenten in Zukunft wieder ein wenig mehr auf die Atmosphäre achten und die Geräusche nicht ganz so laut aufdrehen. Weniger ist manchmal mehr.


Tod im Hafen: Ein Fall für Jesse Stone
Tod im Hafen: Ein Fall für Jesse Stone
von Robert B. Parker
  Broschiert
Preis: EUR 10,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ebenso ergreifend und spannend, wie ausgeklügelt und raffiniert. Bislang der beste Roman der Serie., 15. Juli 2014
Gleich vorweg: dieser Band ist bisher der beste Roman der Serie JESSE STONE. Spannend und kurzweilig sind ja eigentlich alle Romane von Robert B. Parker, schon allein wegen der minimalistischen Schreibe und den geschliffenen, schlagfertigen Dialogen. Mit der Figur des Jesse Stone hat Parker sich außerdem eine gelungene Abwechslung zu seinem Alter Ego Spenser ausgedacht. Da letzterer nämlich die Fälle aus der Ich-Perspektive erzählt, konnte Parker keine Szenen schildern, in denen der Privatdetektiv nicht anwesend ist. Das verhält sich bei JESSE STONE gänzlich anders.

Zu Beginn wird sogar der perfide Mord an Florence Horvath beschrieben und im Laufe der Ermittlungen bekommt Jesse tatkräftige Unterstützung einer Polizistin aus Miami, Kelly Cruz. Charakterlich wirkt sie zwar wie eine weibliche Version des Serienhelden, was sie ein wenig oberflächlich erscheinen lässt, aber keineswegs unsympathisch macht. Natürlich und wie so oft, geht es auch dieses Mal um Sex, und das nicht zu knapp. Allerdings stößt selbst der Don Juan Jesse Stone bald an seine Grenzen, zumal er gerade damit beschäftigt ist die Beziehung zu seiner Ex-Frau Jenn wieder zu kitten. Damit knüpft Parker direkt an den Vorgängerband „Eiskalt“ („Stone Cold“) an. Zugleich ist dieser Handlungsstrang jedoch auch derjenige, der die Romane am stärksten von den Verfilmungen mit Tom Selleck unterscheidet, abgesehen vom Alter des Protagonisten vielleicht. In den Filmen tritt Jenn lediglich am Telefon in Erscheinung, während sie gerade im vorliegenden Band eine wichtige Rolle als moralische Stütze und Gesprächspartnerin des Polizeichefs einnimmt. Natürlich fehlen auch dieses Mal nicht die obligatorischen Dialoge mit Jesses Psychotherapeuten Dix, bei dem der Serienheld nicht nur seine Beziehung zu Jenn reflektieren kann, sondern auch die Abgründe auslotet, in die er während dieses Falles zu blicken gezwungen ist. Erstaunlich wie es Parker gelingt ein derart heißes Eisen wie Missbrauch und Vergewaltigung auf solch unterhaltsame und dennoch ergreifende Art und Weise zu thematisieren. Ein psychologischer Kunstgriff, der sich erst im Finale zu erkennen gibt.

Fans von SPENSER kommen übrigens ebenfalls auf ihre Kosten, denn Rita Fiore, die nymphomanische Staatsanwältin aus Boston, hat einen erneuten Cameoauftritt, und der Privatdetektiv wird indirekt ebenfalls erwähnt. Ein wirklich lesenswerter Krimi, der nur zu empfehlen ist.


28: Die Zeitspule (Teil 1 von 2)
28: Die Zeitspule (Teil 1 von 2)
Preis: EUR 10,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weniger bodenständige Science-Fiction ohne viel Action, 11. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: 28: Die Zeitspule (Teil 1 von 2) (Audio CD)
Nach einem Jahr erscheint mit „Die Zeitspule“ endlich wieder ein zweiteiliges Hörspiel aus der Serie MARK BRANDIS. Die Geschichte schließt nahtlos an die letzten Folgen an und erzählt von den Auswirkungen der Ikarus-Katastrophe. Priorität haben allerdings nicht die schrecklichen Folgen für die Bevölkerung der Erde und die Ressourcen-Knappheit, sondern eine regelrecht fantastische Science-Fiction-Story mit Spionage-Elementen. Mark Brandis goes James Bond, könnte man auch sagen. Action gibt es jedoch kaum im ersten Teil des Hörspiels, dafür wird viel geredet. Dank der herausragenden Sprecher wie Michael Lott (Mark Brandis), Dorothea Anna Hagena (Ruth O'Hara), Oliver Rohrbeck (Walter Hildebrand) André Beyer (Leonardo Assante) und viele weitere, kommt aber keine Langeweile auf. Viel Wert wieder einmal mehr auf die Darstellung und Charakterisierung von Mark Brandis gelegt, der hier sehr emotional reagieren darf. Eine schöne Herausforderung für Michael Lott. Die Geräusche wurden effektiv und gewissenhaft ausgesucht und in Szene gesetzt. Auch musikalisch bleibt sich die Serie treu und begleitet die Story mit einem dynamischen Soundtrack, bei dem sich ruhige und flottere Stücke abwechseln.
Natürlich gibt es auch dieses Mal ein Wiederhören mit vielen bekannten Nebenfiguren, wie beispielsweise dem Journalisten Walter Hildebrand.
Zugegeben, ein wenig befremdlich wirkt die Story um die Zeitspule schon, da die Serie sich bislang durch ihre Bodenständigkeit auszeichnete, sofern eine solche Bezeichnung überhaupt bei einer Science-Fiction-Serie angebracht ist. Mit zunehmendem Folgenreichtum wird es aber natürlich immer schwieriger für die Serie sich neu zu erfinden. Spaß macht dieses Hörspiel trotzdem und weckt vor allem die Lust am zweiten Teil.


Haunted: Horror
Haunted: Horror
Preis: EUR 4,99

3.0 von 5 Sternen Solider Geisterhaus-Grusel in typischer Kleinstadtatmosphäre, 10. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Haunted: Horror (Kindle Edition)
Bentley Little hat im englischsprachigen Raum bereits eine erkleckliche Anzahl an Horror-Romanen veröffentlicht und wird gerne mit Stephen King verglichen. Aber welcher Schriftsteller unheimlicher Literatur wird das eigentlich nicht? Im Fall von Little mag das aber allein deshalb gerechtfertigt zu sein, da er gerne als Schüler des Horror-Königs beworben wird. Hierzulande ist er durch sechs Romane bekannt geworden, die im Bastei Lübbe-Verlag erschienen sind, und aus dem Zeitraum zwischen 1991 und 2004 stammen. Offenbar haben die Titel aber nicht den gewünschten Erfolg gehabt, was natürlich auch an der fragwürdigen Vermarktung liegen kann, denn Little hat eine eigene und sehr erfrischende Art bestimmte Themen anzugehen und niederzuschreiben.

Daher ist es umso begrüßenswerter, dass der Verlag Voodoo Press mit „Haunted“ eins der jüngeren Werke des Autors in deutscher Sprache veröffentlicht hat. Dabei handelt es sich um einen fast schon klassischen Geisterhaus-Grusel aus dem Jahr 2011. „Paranormal Activity“ und „Amityville Horror“ lassen grüßen. Es fällt nicht schwer sich dank der plastischen und visuellen Sprache von Little das Geschehen bildhaft vorzustellen, und das wirklich erstklassige, düstere Titelbild von Michael Schubert trägt seinerseits zu der unheimlichen Atmosphäre des Romans bei. Dabei beginnt die Geschichte naturgemäß sehr ruhig und der Schrecken steigert sich sukzessive von Seite zu Seite. Ganz ohne Längen kommt die Story aber nicht aus. Der Autor erfindet das Rad nicht gerade neu und interpretiert eigentlich nur bekannte Zutaten des Subgenres in seinem eigenen Stil um. Vor allem die vielen Erscheinungen, durch die die Familie in Angst und Schrecken versetzt werden soll, und die plakativen Sex-Szenen nutzen sich rasch ab. Gerade letztere sind ja schon beinahe symptomatisch für das prüde Amerika, das seine sexuellen Fantasien durch äußere Einflüsse und böse Wesen zu erklären und zu rechtfertigen versucht. Mit verbotenen Wünschen und Fantasien kann man leichter umgehen, wenn man sie dämonischer Besessenheit zuschreibt und nicht etwa der eigenen Psyche. Außerdem ist es schwer nachzuvollziehen, dass die Familie in dem Haus bleibt, obwohl auf der Einweihungsparty mehrere Zeugen die Erscheinung gesehen haben. Auch die Möglichkeit Geisterjäger oder Schamanen zu Hilfe zu holen verschenkt Bentley Little leichtfertig. Dafür ist ihm die Charakterisierung der Familie Perry gut gelungen, auch wenn die Konstellation ein wenig an Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ erinnert: Der Vater bleibt am Ende allein in dem Haus zurück, sich allein der Gefahr stellend. Und auch das gespannte Verhältnis zwischen Julian und seinem Schwiegervater kennt man aus Kings Roman. Trotzdem hat Little seinen eigenen Stil und seine eigene Stimme und die Lektüre bereitet durchaus Spaß, obwohl das Lektorat und/oder die Übersetzerin etwas sorgfältiger hätte arbeiten können. Das Synonym „spitzen“ für gucken oder beobachten wurde in der ersten Hälfte exzessiv verwendet. Das ist vor allem deshalb so auffallend, weil es sich, laut Duden, um ein schwaches Verb handelt, das kaum noch verwendet wird. Prinzipiell ist es immer begrüßenswert wenn sich Verlage/Autoren/Lektoren/Übersetzer für einen vielfältigen Wortschatz einsetzen und auch Vokabeln benutzen, die veraltet oder weniger bekannt sind. Doch im vorliegenden Roman ist es einfach zu viel des Guten.

Solche Dinge fallen vor allem deshalb besonders auf, weil die Handlung zwischendurch immer wieder auf der Stelle tritt und stagniert, ehe sie durch eine erneute Erscheinung des bösartigen Geistes wieder ein Stück vorangetrieben wird. Sicherlich nicht Littles bestes Werk, aber ein solider Horror-Roman mit einem effektvollen Finale. LeserInnen, die mit dem Subgenre nichts anfangen können, werden aber auch durch diesen Roman ihre Meinung nicht ändern und sollten sich anderen Titel des Autors widmen.


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