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Rezensionen verfasst von
Gwenya

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Les Misérables
Les Misérables
DVD ~ Hugh Jackman
Preis: EUR 5,55

11 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen I had a dream this film would be ..., 27. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Les Misérables (DVD)
Der seltsame Moment, in dem ein einziger, bärtiger Soldat allen die Show stiehlt…

…ist in Tom Hooper’s Verfilmung von Les Miserables zu bestaunen, wenn man bereits zwei Stunden Reizüberflutung hinter sich gebracht hat.
Lange hatte ich darauf gewartet, viel Zeit hatte ich schon damit verbracht mich zu fragen, weshalb man, nach über vierzig Verfilmungen des Romans sich nicht auch einmal an das Musical wagen wollte, entsprechend groß war dann endlich die Freude und entsprechend groß war auch die Ernüchterung, als ich erkennen musste, was für ein blasser Schatten des großartigsten Musical über die Leinwand huschte.
Das Wort „blass“ trifft diesen Film ohnehin sehr gut, wenn man einmal die Kostüme und Masken außer Acht lässt, bei denen die jeweiligen Designer wirklich ganze Arbeit geleistet haben, das neunzehnte Jahrhundert in einem möglichst farben- und detailprächtigen Rausch aus Prunk und Misere widerzuspiegeln. Insbesondere mit den Masken wollte man offenbar den Titel des Werkes unterstreichen; „die Elenden“.
Immerhin zieht Victor Hugo in seinem Roman hart mit einer Gesellschaft ins Gericht, die den Menschen verderben und verkommen lässt. Eine Botschaft, der man sofort Glauben schenken will, hat man erst einmal eine Weile in die starren, ausgezerrten Gesichter geblickt, die den Film bevölkern.
Hunger, Armut, Elend und die Macht der Verzweiflung werden überzeugend vermittelt, wenn man die Stimmen der kränklichen, eingefallenen Gesichter vernimmt, die sich zu einem mächtigen, trotzigen Chor vermischen, der nach Brot, Revolution, Hoffnung, oder nur Trost schreit.
Die Auftritte und Lieder der Arbeiter, Bettler und Revolutionäre überzeugen somit sowohl das Auge als auch das Ohr, während das Zweite bei den Solisten zugunsten des Ersten ziemlich vernachlässigt wird.
Hier müssen Prunk und Pomp der Ausstattung schließlich die Blässe und Spärlichkeit so mancher Stimme überdecken, die dünn und verschüchtert im Orkan der gewaltigen Lieder flattert.
Doch leider muss man bald feststellen, dass Masken und Kostüme ebenso wenig Töne treffen wie große Namen.
Und damit bin ich auch schon bei Tom Hoopers größtem Fehler bei der Produktion dieses Filmes angelangt. Namen vor Können! Publikumsmagneten vor großen Stimmen! Schauspiel vor Gesang! Und hier hat Hooper wohl ab und an mal vergessen, dass er ein Musical zu verfilmen gedachte und keinen Roman, und kein Theaterstück; sonst hätte er vielleicht mehr Wert auf die stimmliche Qualität der Auswahl gelegt und mehr Darsteller wie Samantha Barks und Colm Wilkinson dazu genommen – anstatt so manchen Akteur, der schon in zahlreichen Bühnenproduktionen des Musicals zu sehen war bloß ein oder zwei Mal namenlos durchs Bild huschen zu lassen.
Während Samantha Barks sich in der Bühnenproduktion ‚still‘ in eine Reihe großer Künstler einfügte, gab das Cast des Filmes mit seiner Blässe ihr die Möglichkeit zu strahlen; die Flamme ihrer Darstellung nährte sich eindeutig von der sacht glimmenden Glut der anderen Darbietungen, allen voran der beiden Widersacher Valjean und Javert.
Wenn die beiden in einer Bühnenfassung in der „Confrontation“ nach Fantines Tod aufeinander treffen brennt die Luft; Jackman und Crowe hingegen wirken eher wie zwei zankende Nachbarn; die darum wetteifern, wer seine Töne besser erreicht.
Möglicherweise war es Hoopers Absicht die ‚Künstlichkeit‘ der Bühnenfassung aufzulösen, um Authentizität zu schaffen und die emotionale Seite der Geschichte besonders stark zu betonen.
Eben das ist schief gegangen, denn eben damit hat er das Musical seiner Kraft und Größe beraubt, und auch seiner großen Emotion. Die Lieder wirken fast alle auf dieselbe emotionale Tönung eingefärbt, dünne Stimmen bewältigen eine zu große, schwere Aussage, mit Mühe und Not, beschränken sich eher auf den Ausdruck ihres Elends, ihrer Schwäche und Hilflosigkeit.
Aus Hugh Jackmans Stimme hört man vor allem die stetige, verzweifelte Bemühung, die in manchen Fällen kaum noch Raum für Zorn, Angst oder Entschlossenheit lässt, insbesondere das Lied ‚Bring him home“, eine höchst emotionale Fürbitte Valjeans für den jungen Marius, enttäuscht sehr durch seine unglaubliche emotionale Leere.
Who am I? singt der gute Mann in der ersten Hälfte des Films, und meine Antwort darauf muss leider lauten; alles Mögliche, aber nicht Jean Valjean! Den ganzen Film über fiel es mir schwer Victor Hugos Helden in ihm zu sehen, einzig in der Sterbeszene blitzten ein paar Elemente auf, die ihn als diesen alten Bekannten auszeichneten, den noblen Sträfling Valjean.
Aber nicht nur Jackman, auch so mancher anderer Star weckt mit seinem Geträller eher Erinnerungen an Karaokespiele als an Broadway und West-End und verändern damit den Charakter des epischen Stückes auf unglückliche Weise.

Dabei sind zwar auch durchaus Lichtblicke zu erkennen; Anne Hathaway will man schließlich, aufgrund ihrer leidenschaftlichen und hoch emotionalen Darstellung der verzweifelten und ihrem Schicksal schutzlos ausgelieferten Fantine, doch so manche stimmliche Schwäche verzeihen, und auch Eddie Redmaynes Darstellung des Marius de Pontmercy will ich anerkennend erwähnen, ermöglicht er dem Zuschauer in dem jungen Revolutionär auch noch etwas anderes als bloß einen hoffnungslos verliebten Jungen zu sehen und schafft er es außerdem noch das ziemlich anspruchsvolle Klagelied „Empty Chairs at Empty Tables“ wohlklingend und gefühlvoll vorzutragen.
Dennoch überschattet die Fehlbesetzung der Protagonisten den Film gewaltig.
Daran können auch eine recht goldige kleine Cosette und ein unerschrockener kleiner Gavroche nichts ändern.
Ebenso wenig wie Sasha Baron-Cohen und Helena Bonham-Carter, die als Ehepaar Thenardier vor allem für die Lacher verantwortlich sind, und ihre nicht schlecht Aufgabe verrichten – insbesondere Cohen, auch wenn man sich bei ‚Master oft he House‘ manchmal stark an Sweeney Todd und Misses Lovett’s Fleischpasteten erinnert fühlt.
Aaron Tveit als Enjoulras überzeugt zwar durch seine Stimme, doch wünscht man sich dann und wann ein klitzeklein wenig mehr von dem frenetischem Feuer, mit dem der Student für die Revolution, seine einzige Geliebte, eintritt und zu jederzeit sterben bereit ist.

Zusammenfassend kann man wohl behaupten, dass Tom Hooper filmisch viel richtig, und bei der Rollenvergabe ein paar große Fehler gemacht hat!

Die Schauplätze, Kameraführung, Kostüme, Masken, Ausstattung,…lassen an nichts zu wünschen übrig; manchmal allerdings wirkt der Film ein wenig erschlagend, durch die Masse an Eindrücken und auch Geschehnissen überbevölkert, denn durch die Fülle an Charakteren und Handlungssträngen und die Bemühung nichts allzu drastisch zu kürzen, wird man als Zuschauer ziemlich schnell zwischen den einzelnen Personen und Schicksalen hin und her geworfen.
Ein paar Änderungen waren dennoch unvermeidbar, die Reihenfolge mancher Ereignisse wurde geändert, manche Charaktere wurden verfrüht ins Jenseits geschickt.
Eponine wurde um ihren geistigen Platz an Valjeans Sterbebett gebracht, dafür aber trat der Bischof noch einmal in Erscheinung, mit dem die ganze Geschichte erst ihren Anfang hatte nehmen können. Das Ende war tatsächlich ein großartiges, berührendes Finale, leider allerdings war es der erste Moment im Film, in dem ich dieselbe Gänsehaut verspüren konnte, die mich durch die komplette Bühnenproduktion begleitet.
Trotz großem Potentials, zweieinhalb Stunden, großartiger Ausstattung, viel Detailverliebtheit, großartigen Bildern…schafft es der Film dennoch nicht dieselbe emotionale Intensität zu vermitteln wie die Bühnenproduktion, man vermisst die professionell ausgebildeten Musicalstimmen und die Seele des Stücks!
Schade! Sehr, sehr Schade!


Sherlock - Staffel 2 [2 DVDs]
Sherlock - Staffel 2 [2 DVDs]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Preis: EUR 14,49

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The insulting Detective, his pet, the Iceman and a fresh cup of Moriar-Tea, pleeeeeeeeease!, 25. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Sherlock - Staffel 2 [2 DVDs] (DVD)
Tatsächlich noch besser als Staffel 1!

Auch wenn es nur schwer möglich erscheint, Sherlock hat sich selbst übertroffen!
Wie schon in der vorhergegangenen Staffel machen sich Steven Moffat, Mark Gatiss und, nicht zu vergessen; Steve Thompson, daran, den Klassiker um den größten fiktiven Detektiv aller Zeiten ins einundzwanzigste Jahrhundert zu verlegen, und meistern dieses gewagte Experiment mit Bravour.
Dabei schaffen sie auf der Goldwage das eben perfekte Gleichgewicht zwischen Originalgetreue und Mut zu Neuen einzuhalten.
Die Liebe zum Original ist ebenso stark vertreten wie auch dann und wann ein wenig feine Ironie, ein Kenner der Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle können sich an der Detailliebe laben, die die Autoren bei der Übersetzung eines Werks aus der viktorianischen Epoche in unsere Zeit an den Tag legen. Denn dabei gehen sie mit ähnlichem Fingerspitzengefühl vor wie der Meisterdetektiv.
Die Übersetzung der Charaktere, Schauplätze und Geschehnisse in ein anderes Zeitalter ist ebenso verblüffend wie faszinierend, und es funktioniert tatsächlich wunderbar!

Wie schon in der ersten Staffel ist die Neuinterpretation der Charaktere ein Genuss. Holmes, dem vor allem pragmatischen, wissenschaftlich denkendem Mann, dem jede Leidenschaft, ausgenommen der für seinen Beruf, fern liegt, psychologische Tiefe zu geben ist den Autoren mit dem Einsatz des Asperger Syndroms sehr gut gelungen. Auch die Erweiterung von Dr Watsons Charakter macht Freude, denn es wurde ihm erlaubt sich von dem bewundernden, ergebenen Freund zu einem loyalen, doch auch kritischen und schlagfertigen Gefährten zu erheben, der Sherlock ein Stückchen Menschlichkeit zukommen lässt, die er ohne ihn durchaus vermissen lässt.

Doch auch die Nebenfiguren sind nicht zu vergessen, Inspektor Lestrade zum einen, Anderson, das ständige Opfer von Sherlocks Deduktions- und Beleidigungskünsten zum anderen; außerdem Misses Hudson, die entzückende landlady, der die Leichenstücke im Kühlschrank ihrer Mieter stark missfallen; die Medizinerin Molly Hooper, deren Unsicherheit und Bewunderung für Sherlock des Öfteren ausgenutzt wird; und vor allem natürlich Mycroft und Moriarty, die neben den Hauptcharakteren wohl interessantesten Persönlichkeiten der Serie.
Mycroft – the Iceman, Sherlocks undurchsichtiger, und nicht immer ganz so treusorgender Bruder, mit dem dieser seine Geschwisterrivalität in seiner ganz eigenen, seltsamen Manier auslebt. Und selbstverständlich Moriarty, das kranke, teuflisch geniale Gehirn - einer der wohl besten fiktiven Schurken aller Zeiten, möchte ich behaupten - das man zugleich fürchten und verehren muss und das auf eine besondere Weise tatsächlich "wie geschaffen" für Sherlock erscheint.

Wie in der ersten Staffel bereits geschehen, fungieren die klassischen Geschichten Doyles als Grundgerüst der Episoden und werden mit viel Fantasie und Raffinesse ausgeschmückt, mit Spannung und erstaunlichen Wendungen versehen, so dass sie den Zuschauer in einen wahren Rausch zu versetzen vermögen. Kein Wunder, dass es Sherlock nach dem einen oder anderen Rauschmittel verlangt wenn gerade kein Fall in Sicht ist!

In Staffel zwei handelt es sich erneut um die Fälle; „A Scandal in Bohemia“ (hier: „A Skandal in Belgravia“), „The Hounds of Baskerville“ und „The final Problem“ (hier: „The Reichenbach Fall“).

Anders als bei Doyle ist Moriartiys Gegenwart überall bereits zu spüren, doch gleich in der ersten Episode (Belgravia) wird diese zunächst durch das Auftreten einer anderen Gegnerin in den Hintergrund gedrängt:
Irene Adler – „THE Woman“ – erweist sich als ebenbürtige Wiedersacherin für Sherlock und konnte mich nach anfänglich starker Skepsis und Verwirrtheit schließlich durch ihre erstaunliche Intelligenz und Raffinesse überzeugen, um nicht zu sagen begeistern!!
Auch in diesem Falle war die von den Autoren gewählte Neuinterpretation durchaus gewagt, aus der früheren, unstandesgemäßen Geliebten eines böhmischen Königs eine skandalumwogene Domina zu machen erscheint jedoch nach einer Weile äußerst sinnig und stimmig! Diese Folge ermöglicht es außerdem die etwas andere Seite Sherlocks kennen zu lernen, die in dieser zweiten Staffel oft thematisiert wird, und lässt den Zuschauer mit dem ein oder anderen ungelösten Rätsel über „the funny old head“ zurück.

Der Fall um den Hund von Baskerville führt das Gespann Sherlock und John heraus aus London und nach Dartmoor zu dem traumatisierten Henry Knight, der seinen Vater vor Jahren bei einem Spaziergang auf dem Moor bei einem mysteriösen Hundeangriff verlor, hinter dem tatsächlich etwas ganz anderes steckt als die Geistergeschichten und Legenden um den geheimnisvollen Militärstützpunkt Baskerville.
Diese Folge besticht besonders durch ihren Witz und die wie immer überraschende Auflösung der Ereignisse, hat Sherlock erst einmal genug Zeit in seinem "Mind Palace" verbracht.

Das Highlight allerdings ist dann schließlich der Showdown des „Reichenbach Falls“, der alles Zuvorgekommene in Vergessenheit geraten lässt! Die „Krönung“ Moriartys kann geradezu symbolisch für diese Folge fungieren, in der „the final problem“ der Lösung bedarf.
Man weiß nicht ob man verstört oder einfach nur beeindruckt sein soll, von der Teufelei, dem grausamen, doch zugleich so unbestreitbar genialen Spiel, das Moriarty mit Sherlock treibt, um ihn vollkommen zugrunde zu richten.
Atemberaubend ist der subtile Kampf zwischen beiden brillianten Köpfen, aufwühlend sind die Lösungen für all die seltsamen Spuren und Zeichen, die Sherlock auf Schritt und Tritt verfolgen, die Rätsel, auf die er überall stößt und die Art und Weise, wie sie alle die einzelnen Fäden des großen Netzes bilden, das die Spinne Moriarty um Sherlock spinnt.
Entsetzlich ist der Lauf der Ereignisse, die alle unaufhaltsam in eine Richtung, auf ein einziges Ziel hinzulaufen. Oder fliegen. Oder fallen. "don't worry; falling is just like flying, except there's one more permantent direction“.
Nichts ist wie es scheint und alles hat einen Grund, alles ist Teil eines großen, teuflischen Plans, und alle bewegen sich wie Handpuppen im Spiel des grausamen, genialen Meisters.
Nach jener Episode kann es keinen Zweifel mehr geben; Sherlock MUSS die beste Serie sein, die mir je vor die Augen gekommen ist!

Genial ist es zu sehen, wie sich trotz der eigenständigen, abgeschlossenen Handlungen der Episoden mit Moriarty ein roter Faden durch die gesamte Serie zieht; wie jeder Satz, jedes Ereignis nachhaltig noch doppelt an Bedeutung gewinnt und wie sich die Charaktere dabei entwickeln.
Sowohl Sherlock - der schließlich, durch seinen bösen Zwilling zum Opfer jener Schwäche werden muss, vor der er zu Beginn der Staffel noch gewarnt hatte; „Sentiment is a chemical defect found on the losing side“
Als auch die Nebenpersonen; die Versuche Mycrofts Verhalten und sein seltsames Verhältnis zu seinem Bruder, sowie seine Reaktion auf den Fall und seinen eigenen Teil am Ausgang dieser Geschichte zu durchschauen sind eine anspruchsvolle Aufgabe; die Bereitwilligkeit, mit der sich manch einer gleich in Moriartys Spiel einordnet, ist zwar nicht gerade überraschend, dennoch nicht minder verstörend; die neue Sicht auf den Charakter Mollys ist interessant - erschien sie zunächst mehr als naives, unsicheres Mädchen, zeigt sie nun schließlich ihren Weitblick und ein ungeahntes Verständnis für Sherlocks und seine Situation.

Die Serie ist ein Feuerwerk an Spannung, Witz, Intensität, Kreativität, Ironie und unglaublicher Schöpferkraft.
Schnelle Schnitte, hervorragende Musik, gute Schauspieler, exzellente Dialoge, Humor und Tragik schaffen eine Serie von unglaublicher Komplexität und Intensität, die Ihresgleichen sucht.

Benedict Cumberbatch und Martin Freeman ergänzen sich wunderbar als ungleiches Gespann Holmes und Watson, wobei Freeman mit unerschütterlicher Gutmütigkeit und erfrischender Schlafertigkeit das perfekte Gegenstück für die von Cumberbatch dargebotene Skurrilität und Extravaganz scheint.
Dem Zuschauer wird es ermöglicht in Sherlock Holmes sowohl einen alten Bekannten als auch einen ganz neuen Charakter zu erleben, der sich sowohl durch seine intellektuelle Unfehlbarkeit als auch gleichzeitig seine absolute Unfähigkeit mit Menschen umzugehen auszeichnet, die ihn auf eine besondere Art menschlich und authentisch machen.
Mit Andrew Scott‘s Moriarty bekommt der Zuschauer die Gelegenheit den „Napoleon of Crime“ auf ähnliche Weise zu erleben wie sein Erzfeind Sherlock Holmes, wahnsinnig (vollkommen wahnsinnig!), teuflisch und gleichzeitig so faszinierend, dass man nicht weiß ob man ihn zuerst mit einer Kugel oder einen Orden verzieren soll! Ein genialer Schurke!
Besonders hervorzuheben ist außerdem immer noch Mark Gatiss‘ Darstellung des emotionslosen, machtverliebten Mycroft Holmes, dessen einzige enge Beziehung auf Erden die zu seinem Regenschirm zu sein scheint.

Wenn möglich sollte man die Serie unbedingt im Originalton ansehen, auch wenn sich dies manchmal durchaus als Herausforderung erweist.
Nicht nur aufgrund der Stimme von Benedict Cumberbatch, die viele Zuschauer zurecht als ersten Grund nennen würden; sondern auch weil Handlung und Stimmung der ganzen Serie auf Englisch besser rüberkommen und einige Wortspiele und Verschlüsslungen auf Englisch einfach wesentlich besser funktionieren. Außerdem sind die Deutschen Elemente der Handlung dann eine ganz besondere Freude.

Nicht nur für Sherlock-Holmes- oder Krimifans wärmstens zu empfehlen, sondern für jeden, der einen anspruchsvollen, gut gespielt-und geschriebenen Film, bei dem man sich nicht zurücklehnen kann, sondern sowohl geistig als auch emotional gefordert wird, wertschätzen kann!

Bis die dritte Staffel schließlich in einem Jahr herauskommen und uns von unserem durch den Reichenbach fall hervorgerufenen Leid erlösen wird, gibt es nur eines was wir tun können:
Staying alive!
Auch wenn ich Moriarty da mit seinem „it’s so boring, isn’t it?“ völlig Recht geben muss!

Und nun, hör auf zu lesen und sieh dir, sofern noch nicht geschehen, die Serie an, ich nehme den Dank schon im Voraus an! =)


Sherlock - Staffel 1 [2 DVDs]
Sherlock - Staffel 1 [2 DVDs]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Wird angeboten von media-shop
Preis: EUR 23,49

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sind wir nicht alle ein bisschen ... Moriarty?, 4. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Sherlock - Staffel 1 [2 DVDs] (DVD)
Mutige, doch gelungene Neuinterpretation des Klassikers!

Höret, höret, was eine eingefleischte Skeptikerin gegenüber der Versetzung klassischer Literatur in die Neuzeit zu sagen hat, nachdem sie sich eingestehen musste, völlig falsch gelegen zu haben!

Lange hatte ich mich ferngehalten von ‚Sherlock‘, einer modernen Verfilmung der Geschichten um den legendären Detektiv aus der Baker Street, denn man sagte mir, hier liege das Verbrechen einer Vergewaltigung der klassischen Geschichte vor – ein paar kurze Blicke auf den Tatort jedoch genügten selbst meinem ungeschulten Auge, um zu deduzieren, dass durchaus kein Verbrechen vorliegt, sondern ein Juwel!
Nein, tatsächlich wurde die Geschichte nicht, wie so oft in solchen Fällen, verletzt oder gar getötet, sondern mit viel Liebe und Kreativität auf Händen in ein neues Zeitalter getragen.

Mit großem Respekt vor dem Original haben Steven Moffat und Mark Gatiss eine Neuauflage des beliebten Klassikers kreiert, die sowohl alte Fans als auch Neulinge gleichermaßen begeistern muss. Und dies auch tut.
Das Autorengespann schafft tatsächlich das nur selten erreichte Kunststück, der alten Geschichte Neues abzugewinnen und ihr dennoch treu zu bleiben.
Tatsächlich kann man jederzeit und überall die Gegenwart Doyles und seiner Werke feststellen, anders als bei anderen Remakes, deren einzige Verbindung zum Original im Titel und den Namen der Hauptcharaktere besteht, stolpert man hier geradezu über Berge von Details, die immer wieder auf das Original verweisen, wenn auch manchmal mit einem leichten Augenzwinkern, so wie in Staffel 2 beispielsweise die Verwendung des berühmten Deerstalkerhuts.
Die Interpretation der ursprünglichen Charaktere jedoch war mutig, denn hier konzentrieren sich die Autoren vermehrt auf die dunklen Seiten der Helden - wird Sherlock Holmes in den Büchern als praktisch denkender Mann beschrieben, der der Wissenschaft ergeben, oftmals ein wenig gefühllos wirken kann und, abgesehen von Dr. Watson keine sozialen Kontakte pflegt, stellt er sich in der Serie als dreistes Genie mit soziopathischen und narzisstischen Zügen, sowie einer beachtlichen Portion Arroganz heraus, das – verständlicherweise – von seiner Umwelt gemieden und beargwöhnt wird und schließlich in dem gutmütigen Dr. John H. Watson, Armeearzt, gerade zurückgekehrt aus Afghanistan, seinen einzigen und besten Freund findet.
So mutig diese Interpretation auch sein mag, so ist sie dennoch gar nicht so weit hergeholt und funktioniert tatsächlich wunderbar!
Und trotz allem, bedient sich jener neue Holmes sämtlicher Eigenschaften, Verhaltensweisen und sogar Gesten, die Doyle in seinen Werken festgelegt hat und beweist eine sagenhafte Nähe zum Originaltext.
Besonders gefiel mir außerdem die Art und Weise, auf die die Macher den Zuschauer in Sherlocks Kopf blicken und seine blitzschnellen Folgerungen nachvollziehen lassen, durch die eingeblendeten Wörter und die Grafiken, die blass und geisterhaft über den Bildschirm tanzen wie unentschlüsselte Gedankenfetzen.
Die Kriminalfälle sind erstklassig, so dass ich nach einer Weile Sherlocks Abhängigkeit von jenem Rätselspiel vollkommen nachvollziehen konnte, wirkten die einzelnen Folgen mit ihrem undurchschaubaren Verwirrspiel, auf das dann schließlich dieser eine Moment der Entwirrung folgt, in dem sich das Sesam schließlich öffnet und sich plötzlich alle Teile des Puzzles zusammenfügen, wie eine Droge auf den Zuschauer, von der man nur mehr und mehr konsumieren will.
Tatsächlich findet man sich bald einer Meinung mit Moriarty, der seine finsteren Motive mit dem einfachen Satz „I just love watching you“ erklärt.
Er ist jener Widersacher, der gerade für Sherlock geschaffen scheint (wovon er selbst am besten überzeugt ist „We were made for each other“), da er so viele Ähnlichkeiten mit ihm aufweist und dennoch so entscheidend anders ist, und den Zuschauer auf seine Weise, ebenso wie Sherlock mit seiner psychopathischen Natur abwechselnd lachen und erschaudern lässt.
Denn tatsächlich war es doch zuerst der Humor, der mich veranlasste die Serie zu mögen.
Sie ist ein wunderbares Stück feinsten Britischen Humors - gewürzt mit Selbstironie und Sarkasmus muss man sie geradezu gierig verschlingen.
Offenbar hatten Steven Moffat und Mark Gatiss vor, ein Experiment durchzuführen, wie Sherlock Holmes es ständig zugunsten seiner wissenschaftlichen Bildung tut, man nahm dazu einen alten Klassiker, legte ihn in die aggressive Substanz eines völlig fremden Kontextes ein, der sich 21. Jahrhundert nennt, bearbeitete ihn mit Originalgetreue sowie mit einem Extrakt Freiheit, versah ihn mit einer großen Menge Fantasie, einem Elementen, mit den Namen Schnelligkeit, einigen Tropfen Witz, gab ein paar kranke und ein paar liebenswerte Charaktere dazu, sowie eine Hand voll guter Schauspieler, versah das dann noch mit schnellen Schnitten und durchzog es mit toller Musik - und erhielt schließlich aus alledem eine PERFEKTE Krimiserie!!
Ein weiteres Meisterwerk von BBC.
Genial!

Ein kleiner privater Tipp noch von mir wäre auf jeden Fall, sofern man der englischen Sprache mächtig ist, den Film im Originalton anzusehen, zwar scheint die deutsch Synchronisation (im Vergleich zu mancher anderen Übersetzungen von BBC-Filmen) in Ordnung zu sein, doch lassen sich manche Witze und Wortspiele nur schwerfällig ins Deutsche übertragen, ebenso, wie der für Großbritannien so charakteristische, ‚poshe‘ Ton und die eine oder andere Eigenart der Originalstimmen, die sie einfach unentbehrlich machen!

And now I will take Sherlock’s advice and stop inflicting my opinions on the world!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 11, 2013 3:02 AM CET


Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
DVD ~ Sir Ian McKellen
Preis: EUR 5,55

36 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Hobbit - eine unerwartet lange Reise, 18. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (DVD)
Eines Tages taucht der den Hobbits nur noch aus Geschichten bekannte Gandalf in Beutelsend auf und verändert Bilbo Beutlins Leben - und den Lauf der Welt für immer.
Wie er das tut erzählt die Verfimung des Romans "Der Hobbit", die sich als unerwartet lange Reise erweist.

Denn eine kleine Umstellung zu 'Herr der Ringe' ist es dann doch, wenn die Geschehnisse nicht mehr verkürzt, sondern eher wie Gummi ausgedeht werden - was an manchen Stellen durchaus Sinn ergibt, denn tatsächlich, wie ich erfuhr, nachdem ich nach dem Kinobesuch erst einmal mein "Nachrichten aus Mittelerde" gewälzt hatte, ging jede Menge in jener Zeitperiode in Mittelerde vor sich, was wichtig war und Auswirkungen sowohl auf die Geschichte von Bilbo und den Zwergen, sowie auf die Geschichte über den einen Ring hatte.

Tatsächlich schleicht sich bereits viel von dem im Herr der Ringe über die Welt hereinbrechendem Unheil langsam an die ahnungslose Welt heran. So erweisen viele Verlängerungen und Hinzufügungen, die wir im 'Hobbit' erleben tatsächlich als sinnvoll, haben die Autoren offenbar für das Drehbuch nicht bloß den Roman als Vorlage genommen, sondern ebenfalls die anderen Schriften Tolkiens eingesehen, die jene Zeit beschreiben, insbesondere wohl den Bericht Galdalfs, der seine im Roman "der kleine Hobbit" oft schleierhaft bleibenden Handlungen erklärt, seinen Verdacht, seine Furcht vor der Drohenden Rückkehr Saurons,sein Treffen mit dem weißen Rat. Somit erfahren wir Dinge, die im Roman völlig im Dunkeln bleiben (Ganndalfs Bewegründe den Zwergen zu helfen, die anfängliche Abneigung Thorins gegenüber Bilbo...), die jedoch in Tolkiens Schriften begründet sind und den Film vielschichtiger machen und ihm, trotz vieler humorvoller Einlagen, mehr Ernst und mehr Gewichtigkeit verleihen.

Ich halte den Film für eine optimale Vorbereitung auf den Herrn der Ringe, den er zwar niemals ganz erreichen wird, doch den er wunderbar erklärt und vorbereitet, ohne dabei seine eigene Geschichte und eigenen Charaktere zu vernachlässigen.
Man bekommt einen viel größeren Einblick in die Geschehnisse Mittelerdes und über die Bedeutung einzelnder Dinge.
An mehreren Stellen finden sich bereits versteckte Verweise auf die späteren Geschehnisse um den einen Ring, manche Dinge werden wiedererkannt, das verblassende Heim, während die Welt nahrückt, der Moment, in dem Bilbo in der Höhle hinfällt, auf dem Rücken landet und den Ring mit dem Finger auffängt. Überhaupt konnte ich in mehreren Situationen und Handlungen Bilbos bereits Frodo vor mir sehen und das Wissen über die Dinge, die in "Herr der Ringe" geschen werden, gibt dem Film so viel mehr Bedeutung.
Jener schicksalhafte Moment, in dem Bilbo mit der Entscheidung hadert Gollum zu töten wirkt so viel schwerwiegender, wenn einem sogleich einfällt, welche Rolle Gollum noch zu spielen haben wird und wie die Leben und Handlungen der einzelnden Charaktere miteinander verwoben sind während Galdalf heimlich Fäden zieht.
Nur so wird verständlich, wie es möglich ist, aus einem Buch mit überschaubarer Seitenzahl wie es "Der kleine Hobbit" ist, ein so umfangreiche Verfilmung zu gewinnen.Vielleicht sollte man den Film weniger nur als Romanverfilmung betrachten, als eine detailierte Visulisierung der wegweisenden Geschehnisse in Mittelerde während des ... ehm - dritten Zeitalters?

Als große Liebhaberin der Detailverliebtheit, die mich somit zu einer besonderen Bewunderin Tolkiens macht, hat mich die Genauigkeit des Film teilweise regelrecht verzückt, der Anfang - am selben Tag wie Herr der Ringe - wunderbar: Bilbo an seinem Schreibtisch, in seiner Höhle, sein Buch schreibend - und dann natürlich noch die Sackheimer-Beutlins, die habgierigen, diebischen Verwandten, vor denen Bilbo und Frodo ja schon auf der Geburtstagsfeier in 'Die Gefährten' fliehen, Bilbos seltsames Verhalten, über das Frodo wenig später klagen wird, wenn er mit Gandalf durch Beutelsend wahren wird, um auf diesen zu wraten verlässt er dann schließlich Bilbos Höhle, dasselbe Buch in der Hand, das er zu Beginn des "Herr der Ringe" ließt, als er unter den Bäumen sitzt und auf den alten Zauberer wartet, der nie zu später kommt, sondern stets eintrifft wann er es beanbsichtigt hat. Währenddessen erinnert sich Bilbo an jenen Tag, an dem er dem alten Freund zum ersten Mal begegnet war.

Wie bereits erwähnt, wurde in diesem Film nicht gekürzt, sondern sehr detailiert wiedergegeben und teilweise erweitert, was an mancher Stelle auf Verwirrung gestoßen ist. Doch sind all jene hinzugefügten Elemente tatsächlich sinnvoll und bleiben Tolkien weitgehend treu, können in die Lücken der Handlungen in "Der kleine Hobbit" gut eingesetzt werden, denn tatsächlich hat Gandalf Radagast zu jener Zeit getroffen, und den weißen Rat, tatsächlich schwebten die Reisenden in Gefahr während der Überquerung der Nebelberge, als die Steinriesen hervorkamen, auch wenn das im Roman nur mit äußerst wneigen Sätzen am Rande erwähnt wird.
Und dort finde ich schließlich die einzige Schwachstelle des Films, und zwar, dass jene Momente meines Erachtens ein kleinwenig zu viel ausgeweitet wurden, die Steinriesen, sowie der Kampf gegen die Orks in den Stollen des Nebelgebirges, die den Zuschauer irgendwann der Kampfszenen ein wenig müde werden und auf den Fortgang der Geschichte warten ließ.
Es waren tolle Szenen, aber ein klein wenig kürzer hätten sie für mich schon sein können.
Alles in allem konnte man darüber aber recht großzügig hinweg sehen, im Anbetracht der Epik jener Szenen sowie all der anderen Dinge, die der Film zu bieten hat; der wunderbaren Comic Relief Momente, die immer wieder dazwischen gesträut wurden und selbstverständlich auch solcher Faktoren wie der tollen Effekte, der beeindruckenden Bilder und Musik.
Es wurde so manches Mal kritisiert, der Humor des Buches gehe im Film gänzlich verloren, doch da muss ich tatsächlich laut wiedersprechen, die Darstellung der Zwerge und des Hobbits ist dem Buch angemessen sehr humorvoll und auch sonst finden sich immer wieder sehr lustige Momente zwischen den Szenen.
Anders als einige Kritiker fand ich auch den Anfang bei weitem nicht zu lang, im Gegenteil, der ausführliche Besuch der Zwerge bei Bilbo war eine Augenweide!
Die Erweiterung der Charaktere gefiel mir außerdem sehr gut.
Der erfundene Handlungsstrang, die gesonderte Fehde zwischen Azog und Thorin Eichenschild wurde des öfteren beklagt, hatte mich im allerersten Moment ein wenig irritiert, bald begann sie mir jedoch sehr sinnvoll zu erscheinen, im Anbetracht dessen wie Tolkien wiederholt Thorins Charakter beschreibt und seinen Durst nach Rache, schließlich hat Tolkien selbst festgehalten, dass Azog Thror bei der Schlacht um Moria tötete und dass Thorin Herz über die Kränkung seines Hauses brannte und dass er Rache als eine Pflicht ansah, die er sehr ernst nahm.
Auch seine Zweifel an Bilbo erwähnt Gandalf in seinen Berichten des öfteren, somit nimmt sich der Film viel weniger Freiheit als manch einer, der nicht ganz so bewandert ist in Tolkiens Werken, auf den ersten Blick vielleicht annehmen wird, sondern hält sich sehr nahe an Tolkiens Schriften, setzt diese wunderbar um.
"und ein großer Zorn ohne Hoffnung brannte in ihm, wenn er auf das rote Eisen auf dem Amboss schlug" schreibt Tolkien über Thorin nach dem Verlust Erebors - tatsächlich kann man diesen Satz förmlich sehen während man den Zwerg während des Prologes im Exil in einer Schmiede arbeitend sieht - toll!

Und die Besetzung ist überaus gelungen. Martin Freeman passt gut zu dem gutgütigen, gemütlichen, ein wneig naiven Bilbo - auch wenn ich ich mich frage, wie er bloß sein geliebtes Handtuch vergessen konnte mit auf die Reise zu nehmen!=)
Und Ian MacKellen als Gandalf ist gewohnt erfreulich, wenn auch mit anderer Synchronstimme, die ich allerdings, so muss ich zugeben, kaum bemerkt habe, des weiteren freut man sich über das Wiedersehen mit Galadriel und Elrond - und Saruman ganz besonders, der ja zu dieser Zeit noch ein guter Zauberer ist, vielleicht aber schon den Keim des späteren Verrats in sich trägt, sowie Frodo, der noch ein unbesorgter junger Hobbit ist, der nicht einmal ahnt, dass er Mordor und den Schicksalsberg jemals sehen und Gollum jemals treffen wird.
Die Zwerge sind wirklich klasse, jeder mit ganz eigener Persönlichkeit und beeindruckender Haarbracht, absolut lustig, wie sie Bilbo besuchen, seine Speisekammer leeren und singend das Geschir spülen, aber zugleich sind sie auch, was im Roman weniger zum Ausdruck kommt, Vertriebene, die sich nach ihrer Heimat sehnen.
Dabei mutiert Thorin Eichenschild zum Aragornersatz, als König ohne Krone, der sein Königreich verloren hat, bzw, dem es gestohlen wurde., unterscheidet sich jedoch von ihm durch seine zornige Rachgier und seinen enormen Stolz.
Nach anfänglicher Skepsis erkannte ich außerdem bald, dass Richard Armitage tatsächlich die ideale Besetzung des Zwerges ist, vor allem aber hat Andy Serkis als Gollum ein weiteres Mal einen Geniestreich hingelegt, tatsächlich konnte man den Ring-besessenen Smeagol ganz neu kennen lernen und zugleich einem alten Bekannten begegnen.

Die Musik von Howard Shore sorgt einmal wieder für Gänsehaut, nicht bloß das Lied über die Nebelberge, sondern auch die Verwendung der bereits durch Herr der Ringe bekannten Melodien und die Art, wie sie in den Film eingestäut wurden. Wer kann sich der Gänsehaut entwährend, wenn in der dunklen Höhle etwas Goldenes blitzt und zum ersten Mal das Ringthema erklingt?

Ich gebe dem Film 4 Sterne - und wünschte ich könnte 4,5 geben, - oder einfach eine Zacke des fünften Sternes abknabbern - für die paar Ausweitungen, die mir ein wenig unnötig erschienen und etwas ermüdent wirkten.
Ansonsten: Wir erleben mit einer weiteren Mittelerde-Trilogie die Rückkehr des Königs (der Filme)!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 23, 2013 12:23 PM MEST


Love Never Dies (Phantom der Oper 2) (Deluxe Edt.)
Love Never Dies (Phantom der Oper 2) (Deluxe Edt.)
Preis: EUR 22,86

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen wie bitte?, 6. Juni 2012
Was ist mit der Geschichte passiert?
Love never dies - bei dieser Fortsetzung ist genau das eingetreten vor dem ich mich bei jeder Fortsetzung eines Meisterwerks fürchte; Verfälschung der Charaktere und Zerstörung der Originalgeschichte durch eine schnell erfundene neue Handlung.

Ich kann die Charaktere nicht wiedererkennen, ebenso wenig wie die eigentliche Geschichte, da sie mir ihrer Seele beraubt scheint.
Während es im Original noch um einen durch die Grausamkeit der menschlichen Gesellschaft geht, die einen Menschen dazu zwingt in Finsternis und Einsamkeit zu einem Monster zu werden, befasst sich die Fortsetzung viel mehr mit der Tragik des Verlustes der großen Liebe und wird dadurch gleich viel blasser, oberflächlicher, gewöhnlicher.
Die seltsame Faszination des Phantoms ist verschwunden, seine unnatürliche Macht über die Menschen, die ungewöhnliche Verbindung zwischen ihm und Christine, das Mysterium dieses rätselhaften Wesens, des grausamen Operngeistes mit den zwei Gesichtern, des Mörders und des Künstlers, des Engels der Musik und der Nacht, ist verflogen. Der Engel der Nacht ist gefallen und nun kein Engel mehr, kein Phantom, sondern Mr Y, ein bloß etwas seltsamer Mann, der in seiner abgeschiedenen Welt 'Fantasma' lebt und komponiert und dabei den Verlust seiner Christine beklagt, die er, wie man später erfahren darf, selbst verlassen hat.
Eine Christine, die man nicht wieder erkennt! Wie könnte man auch, soll dieses gute, unschuldige Mädchen doch Raoul einen Tag vor ihrer Hochzeit betrogen und zehn Jahre lang belogen haben, indem es ihn glauben ließ, Gustav sei sein Sohn (besonders im Anbetracht der Tatsache, dass sie beide so erbittert um ihre Freiheit von dem Phantom gekämpft hatten) ' was ist mit den Charakteren passiert?
Ebenso wie besagter Raoul, früher als Christines Kindheitsfreund und ersehnter Retter ein krasser Gegensatz zu dem finsteren und verletzten Phantom, ist nun selbst plötzlich eine labile, launische Person mit starkem Hang zu Alkohol und Glücksspiel, erneut ' was ist mit den Charakteren passiert?
Oder noch viel mehr, Meg und Madame Chiry! Früher noch die fürsorgliche Ersatzfamilie der Waisen Christine Daaé, nun rachsüchtige, eifersüchtige Weibsbilder und Kindermörder ' was ist mit den Charakteren passiert?
Wahrscheinlich dasselbe wie der Geschichte, die, wie bereits erwähnt, ihrer Seele beraubt wurde. Das Phantom ist kein Geist mehr, der, ausgestoßen von der Welt und verachtet von allen Menschen allein im Verborgenen lebt. Stattdessen schart er Zirkusfreaks um sich, schreibt und produziert Musik.
Es hat sein Mysterium verloren und die Geschichte ihren Tiefgang.
Wo zuvor das Phantom der Gesellschaft ihren hässlichen Spiegel vorhielt und die Menschen als die Erschaffer jenes finsteren grausamen Mörders entlarvte ist nun nur noch eine gewöhnliche Liebesgeschichte zu finden, die der Glaubhaftigkeit und der psychologischen Feinfühligkeit des Originals völlig entbehrt.
Egal wie sehr man sich das Gegenteil wünscht, Christine darf sich nicht für das Phantom entscheiden, diese Handlung zerstört die Aussage von Gastron Leroux' Werk und verwandelte sie in eine einfache kitschige Schmalzgeschichte, die die Zuschauer nicht aufwühlt und nachdenklich macht, darum musste noch schnell ein dramatisches Ende her um doch wieder die Kurve zum Drama gekratzt zu bekommen. Dafür muss dann Meg hinhalten, indem sie, eifersüchtig auf Christine, für die alleine das Phantom, bzw. Mr Y noch Augen hat, sich eine Knarre schnappen um deren Kind zu töten ' wie bitte?
Dabei erschießt sie dann aber Christine und diese stellt ihrem Sohn Gustave dann im Sterben noch schnell seinen richtigen Vater vor. Dieser hatte übrigens mit Raoul eine Wette um Christine abgeschlossen ' wie bitte? Es endet mit einer rührseligen Vater-Sohn-Szene. Möglicherweise gelte ich jetzt als zynisch und bin ich die Einzige, die bezweifelt, dass die beiden sonderlich oft zusammen Angeln gehen werden'
Und über all diese Verrenkungen der Geschichte kann dann auch nicht mehr die Musik hinwegtäuschen, auch wenn die Darsteller wirklich ganz wunderbar singen und es auch durchaus sehr hörenswerte Stücke gibt, wie 'Beauty underneath', 'Why does she love me?' und allen voran 'Til I hear you sing'. Denn letztlich mangelt es ihnen ebenso wie die Geschichte dann doch an dem Tiefsinn und der Intensität, die der Vorgänger 'Das Phantom der Oper' mit sich brachte.
Alles in allem kann man wohl sagen, das Stück Love never dies hat einen anderen Charakter als Phantom der Oper, einen eintönigeren, und wer von Geschichte und Wesen des Phantoms fasziniert war sollte besser die Finger von 'Love never dies' lassen.


Goethe!
Goethe!
DVD ~ Alexander Fehling
Preis: EUR 4,97

17 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen 'Frauen wachsen nach' gute Filme leider nicht, 23. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Goethe! (DVD)
Goethe ein begabter Brotbackgehilfe????

Gibt es Goethe auch mit ö? Oder weshalb muss er so fest auf das 'E' in seinem Namen bestehen? 'Goethe! Mit E!' Wen erinnert das noch an Anne of Green Gables, die jedem Menschen, dem sie vorgestellt wird zuerst erzählen muss dass ihr Name mit 'E' geschrieben wird? 'Wenn Sie mich nicht Cordelia nennen wollen, dann nennen Sie mich bitte Anne mit einem 'E'!'

Allerdings muss die Hauptfrage, die wir uns hier stellen wollen ganz anders lauten: Wie viele Klischees schafft man auf einmal in einen Film zu packen? ' Denn es scheint als hätte Philipp Stölzl die Absicht gehabt einen Wettbewerb darin zu gewinnen'
Dabei fällt es mir schwer zu glauben, dass einer der größten Dichter, die jemals gelebt haben erstens ein Charakter von solcher Einfältigkeit besessen und zweitens ein Leben so voller Klischees geführt haben soll.

Und noch etwas! Warum immer dieses 'lockere', 'modernisierte', 'peppige', 'lässige', 'freche' in Filmen, die zu einer Zeit spielen sollen, in der der Briefverkehr zwischen zwei nicht einander anverlobten Menschen entgegengesetzten Geschlechts noch verpönt war?- Das Wort Authentizität liegt unter dem Tisch und wimmert vor Selbstmitleid!
Immerhin war es ja zur Zeit Goethes etwas geradezu unmögliches, dass ein mittelloser Vater seine Tochter zu einer Guten Partie drängt, obwohl 'ihr Herz nicht darin ist', wogegen es vollkommen geläufig war, nach der vierten Begegnung zusammen ins Bett beziehungsweise hier ins Gebüsch zu springen.

Und damit ist die große Liebesgeschichte auch schon fast erzählt, eine Begegnung bei einer Gesellschaft, bei der die Dame allerdings zu betrunken ist um später noch an ihn zu erinnern, eine kurze Begegnung in der Kirche, gemeinsames Brotbacken und dann ein Liebesspiel im Regen, welches eine Erkältung aller Beteiligter zur Folge hat, welche selbstverständlicher der Konkurrent als günstige Gelegenheit nutzt um, wie er es ausdrückt 'Die Festung einzunehmen'. Sobald der Antrag angenommen ist ' aber halt, Moment, zuerst musste sich Goethe ja noch halb mit dem werten Herrn Kestner anfreunden, damit die Geschichte um die Enthüllung der Affäre selbstverständlich NOCH dramatischer und NOCH klischeehafter wird! Nun, sobald aber nun der von Goethe gedichtete Antrag Kestners angenommen ist, folgt die Zeit der Höllenqualen, in der ein jeder mit zerbrochenem Herz seiner großen, ach so großen Liebe nachtrauert, die man nur vier bis fünf Mal überhaupt im Leben gesehen hat.
Die folgenden Saufeskapaden der zügellosen Studenten, unter ihnen Wilhelm Jerusalem, der praktischerweise auch gerade seine Geliebte verloren hat, erinnern an die filmisch dargestellten Folgen von Ecstasy und die finsteren Stunden im Kerker wirken eher übertrieben dramatisiert wenn der wimmernde Dichter sich die Knarre an den Kopf hält und man ehrlich gesagt nur wünscht er würde abdrücken.

Dass Goethe die Leiden des Jungen Wärters im Knast geschrieben und dem lieben Fräulein Buff geschickt hat, welche diesen dann veröffentlichte, ist mir ebenso neu und wiedersinnig wie die Tatsache, dass Goethe ein 'äußerst talentierter Brotbackgehilfe' war!!!
Den Trost, den man ihm in den Kerker ruft 'Frauen wachsen nach' scheint er sich allerdings im weiteren Verlauf seines dann doch nicht beendeten Lebens mehr zu Herzen genommen zu haben als Lottes Versprechen, in der Dichtung mögen sie auf ewig verbunden sein, wenn man sich seine Biografie so ansieht'.

Ich selbst bin kein Experte darüber welches Gedicht oder Stück Goethe wann und wie an welche Geliebte geschrieben hat, und ich verlange auch keine 100 prozentige geschichtliche Korrektheit, bloß hätte ich mir von einem Film über den deutschen Dichterfürsten gewünscht, dass er etwas zeitgemäßer gestaltet ist, stattdessen ist der Film ein sinnloses Schmalzmärchen, dazu erschaffen um Goethe und seine Werke einem jungen, anspruchslosen Publikum anzubiedern.
Um einen Vorredner zu zitieren:

Scha(n)de!


Tauben im Gras. Roman
Tauben im Gras. Roman
von Wolfgang Koeppen
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

57 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen WARNUNG!, 26. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras. Roman (Taschenbuch)
'es können Nebenwirkungen auftreten, Langeweile, Stöhnen, Augenverdrehen, Übelkeit, Übellaunigkeit, Wider, im schlimmsten Falle Erbrechen.

Empfehlen kann ich das von Wolfgang Köppen geschändete Werk bloß Models als Alternative zum Finger in den Hals stecken.

Und meine konstante Frage während des Lesens war, was wir armen deutschen Schüler bloß verbrochen haben, dass die Regierung uns so unbarmherzig straft, indem es uns diesen bitteren Trunk, der 228 Seiten besitzt gewaltsam einflößt.

Wer jemals über Woyzeck oder Effi Briest gestöhnt hat weiß gar nicht welches Glück er mit seiner Lektüre hatte.
Tauben im Gras ist nichts als eine Aneinanderreihung der Widerlichkeiten des Menschen und der Sinnlosigkeit des Lebens. Das gefühlt endlose Dahinvegetieren unsympathischer Personen im Suff der Nachkriegszeit macht selbst den Barockdichter Gryphius mit seinen zahllosen Gedichten über die Eitelkeit der Welt und die Sinnlosigkeit des menschlichen Handelns, der allgegenwärtigen Vergänglichkeit, überaus sympathisch und unterhaltsam.
Nach zwanzig Seiten ist einem die Aussage des Buches bereits mehr als über, die Sinnlosigkeit des Lebens, alles ist nur Zufall, wir sind Zufall, wir treiben einfach so dahin, es gibt keinen Sinn, kein Schicksal, keine Moral, keine Erlösung, nur menschliche Gier, Lust, Grausamkeit und Zerstörung. Und' ach ja, noch die Sinnlosigkeit mal wieder nicht zu vergessen.

Die zahllosen Charaktere des Buches, zwischen denen der Leser ständig willkürlich hin und her geschmissen wird, werden größtenteils auf ihre Hässlichkeit und auf ihre Triebe reduziert. Eine Handlung zu erwarten wäre völlig falsch, die tierischen Wesen vegetieren im Schmutz ihrer Zeit dahin, lamentieren darüber wie sinnlos und schrecklich doch alles ist, gehen mal hier hin, mal da hin, getrieben von Gier und Geilheit, hegen mal ein paar finstere Gedanken, betrügen hier, bestehlen da, verleugnen diesen, hintergehen jenen, lästern über den ersten, jammern über den Zweiten und haben nichts an sich, was sie auch nur auf die geringste Weise sympathisch oder auch nur menschlich gemacht hätte. Stattdessen scheint die Menschheit nur aus Huren und Zuhältern zu bestehen..
228 Seiten lang darf der Leser nun beobachten wie sie ihrer Lustbefriedigung hinterher jagen und sich selbst bemitleidend.

Als weitere Nebenwirkung könnte man durchaus noch den Ekel an der Menschheit aufzählen, denn nichts anderes wird in dieser Anhäufung von Wörtern vermittelt, den Reich-Ranicki als 'herrlichen Roman' bezeichnen musste ' die reinste Blasphemie!
Diese Gräueltat, die man kaum als 'Roman' bezeichnen kann ist ein Pfuhl von Widerlichkeiten, Verworrenheit, Sinnlosigkeit, Willkür, Abschaum, Irrungen, Oberflächlichkeit, Hässlichkeit, Zerstörung, Hoffnungslosigkeit, Gier, Abscheu, Lustbefriedigung, Zufällen, Müdigkeit, Lästerei, Gehässigkeit und einschläfernder Langeweile, in dessen Morast man als Leser völlig versinkt und erstickt.
Ich will wirklich wissen aus welchem Sinn und Zweck ein solcher zur Erziehung und Ausbildung von Schülern verwendet wird, die dazu verdammt werden ihre Zeit durch Ausführungen von Schmutz, Unrat, Hässlichkeit und menschlicher Triebbedürfnisse zu vergeuden. Der pädagogische Wert ist für mich beim besten Willen auch nicht zu finden!

Man sehnt sich zurück zu Thomas Mann!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 19, 2013 10:06 PM CET


Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Band 7)
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Band 7)
von Joanne K. Rowling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ZAG-Note 'O, 18. Juli 2011
Bestanden mit den Noten A ' Annehmbar, E ' Erwartungen übertroffen, O ' Ohnegleichen.

Wäre ich ein Lehrer von Hogwarts so wäre die Benotung dieser Arbeit, die J.K. Rowling mit 'Die Heiligtümer des Todes' ablieferte keine besonders schwere Angelegenheit.
Auch wenn es zunächst so erschien. Ein E für dieses Buch zu vergeben erschien mir vor dem lesen noch geradezu utopisch, bei den hohen Erwartungen die auf diesem Finale lasteten. Höhere als ich jemals glaubte könnte ein Buch übertreffen, doch einmal wieder wurde ich eines besseren belehrt, wie schon so oft wenn ich glaubte die Handlungen und Geschehnisse der Harry Potter Romane einschätzen und verstehen zu können.

Ich muss zugeben Harry Potter lange Jahre verachtet zu haben, da ich immer nur die Bilder der, wie ich finde, misslungenen Verfilmungen kannte. Erst als ich mir aus reiner Neugier einmal die ersten Seiten des ersten Bandes zu Gemüte führte wurde mir klar was mir für mit diesen Büchern für ein Leckerbissen entging! Innerhalb von zwei Monaten wurde dann J.K. Rowlings Arbeit von zehn Jahren hungrig verschlungen. Mit jedem Buch nur so gieriger. Was hätte ich nur getan hätte es nicht eine Woche Schneefrei gegeben, in der ich Tag und Nacht lesen konnte. Es ist nun auch für mich wissenschaftlich bewiesen, Zeit ist relativ, doch nicht nur bei Lichtgeschwindigkeit, sondern auch beim Verzerr eines Harry Potter Romans. Es gibt tatsächlich keine Möglichkeit sich dem Charme dieser Bücher zu entsagen.

Man versinkt förmlich in der wundervollen Welt, die einem mit jedem Buch ein wenig weiter auftut. Die Welt die man kennenlernt ist wie ein Märchen, wie ein Kindheitstraum, den jeder einmal geträumt hatte, voller komischer und liebenswerter Gestalten und zauberhafter Dinge, voller Geborgenheit, Trost und selbstverständlich voller Gefahr und Abenteuer.
Die Harry Potter Bücher sind wie Krimis, was auch den Grund für ihren hohen Spannungsfaktor gibt. Während des Lesens verfolgt man aus Harrys Sicht einige Geschehnisse, zieht selbst mit den Charakteren Schlüsse, macht sich seine eigenen Gedanken, entwickelt Theorien und Verdachte. Doch jedes Mal wenn man glaubt die Zügel in der Hand zu halten lauert eine Überraschung auf dich sobald du die nächste Seite umschlägst, die dich geradezu vom Sattel wirft. Man wagt es einfach nicht aufzuhören zu lesen, bevor man endlich verstanden hat was all diese Vorgänge zu bedeuten haben und oft ist man sehr überrascht.

Was für mich aber die Bücher besonders auszeichnet, sind der unvergleichbare goldige Humor der immer wieder darin zu finden ist, selbst in der ernstesten Situation (Fred Weasley: 'Ja, wer Ohren hat der höre!'), die grenzenlose Fantasie, die sprüht wie ein Felix Felicius im Kessel und die überaus lebendige Schreibweise.
Selbst die Beschreibung eines überkochenden Teekessels wäre ein Hochgenuss, so lebendig und wahrhaftig die Bilder auftauchen sobald man Rowlings Worte ließt.
Man kann Mr Dursley mit seinem 'Rote-Beete-Gesicht' geradezu vor sich sehen und die schrille Stimme seiner Frau Petunia hören, wenn sie ihren verfetteten Sohn verhätschelt oder Harry anpflaumt.
Manche Charaktere lernt man förmlich zu lieben, wenn man ihre Entwicklung durch die sieben Jahre hindurch verfolgt. Der Weg an der Seite der Charaktere durch die sieben Jahre, gibt dir tatsächlich das Gefühl mit ihnen gegangen zu sein, mit ihnen gebangt und gelitten zu haben, ihre Entwicklung von Kindesbeinen an bis zu volljährigen Zauberern mitgemacht zu haben.
(Hier muss ich allerdings sagen, dass sie die Bücher auf keinen Fall einem Kind unter mindestens zwölf Jahren empfehlen würde, zu grausam und zu finster!)

Angefangen mit Harry, der von einem hilflosen, abgelehnten, vernachlässigten und misshandelten Jungen schließlich zu dem auserwählten Retter der Welt wird. Der dem Albtraum seines Zuhauses mit dem Eintritt in die magische Welt entflieht ' eine Welt, die so real wirkt, dass es mich beinahe gewundert hat in London keine Winkelgasse zu finden ' um dort abwechselnd Wunderbares und Schreckliches zu erleben und einige Male durch die Hölle zu gehen. Man lernt Harry mit seinen Gryffindor-typischen Charaktereigenschaften, Mut, Treue, Freundschaft 'allerdings besonders durch seine Fehler zu lieben. Seine manchmal auftretende Unfähigkeit auch nur irgendetwas richtig zu machen, Regeln einzuhalten, sein Jähzorn, seine Unvorsichtigkeit, seine Wutanfälle machen ihn zu einer Person mit der sich wohl jeder Leser irgendwie identifizieren kann. Man schwankt zwischen Bewunderung für seine Selbstlosigkeit und Gerechtigkeit, und Mitleid aufgrund seiner familiären Misere, als Waise bei den herzlosen Dursleys zu leben, und all der Dinge, die er zu erleiden hat, wenn sich manchmal alles Böse und Gemeine der Welt gegen ihn verschworen zu haben scheint.

Doch auch der muffelige Ron und die Unruhestifter Fred und George und der selbstsüchtige, engstirnige Professor Snape werden mit dem Lesen zu wahren Freunden.
Und selbst nach all der Zeit, die der Leser mit ihnen verbracht hat, muss er erkennen, dass er all diese Charaktere durchaus nicht so gut gekannt hat wie man es zunächst glaubte.

Im letzten Band der Harry Potter Reihe zeigt jeder Charakter noch einmal sein wahres Gesicht und wo er wirklich steht.
Hermines unerschütterliche Loyalität wird hier deutlich wie in keinem anderen der Romane, Harrys Willensstärke das Böse um jeden Preis zu vernichten, seine Opferbereitschaft und zugleich seine schreckliche Hilflosigkeit im Angesicht der großen Aufgabe, Rons innerer Konflikt, hin und her gerissen zu sein zwischen seinem Wunsch nach Anerkennung und seiner Loyalität gegenüber Harry. Und besonders die Tatsache, dass Dumbledores Schwächen und Verfehlen in diesem Buch ans Tageslicht gebracht werden, nachdem der große Zauberer in den anderen Romanen wie ein geradezu unfehlbarer, makelloser Mensch behandelt wurde.
Aber auch Nevilles mutige Auflehnung gegen die Todesser, die Hogwarts im Würgegriff halten, Lunas Mut und Treue, Xenophillis (nicht ganz unverständliche) Schwäche und sein Verrat, Ginnys Fähigkeit ihren Freund, auf den sie so lange und sehnlich gewartet hatte, loszulassen, Freds und Georges Gabe bis zum letzten noch so hoffnungslosen Moment ihren Humor zu bewahren, Dudleys überraschende Dankbarkeit gegenüber seinem Cousin, den er sein Leben lang tyrannisiert hatte, Dobbys unzerstörbare Treue gegenüber seinem Befreier'es scheint als sollte jede Person sich in dem letzten Buch seiner selbst würdig verabschieden.

Das Buch lässt keine Möglichkeit aus den Leser mitzureisen, Kampf, Krieg, Eile, Abwarten, Geduld, Verrat, Treue, Feindschaft, Freundschaft, Hass, Liebe, Streit, Vergebung, Triumpf, Verlust, Mut, Furcht, Beharrlichkeit, Zweifel, Wille, Unsicherheit, Leben, Tod, Beerdigung, Hochzeit, Geburt, Hoffen, Verzweifeln, Lachen, Weinen, Feiern, Trauern ' es scheint als hätte Joanne K. Rowling an alles gedacht um mit 'Die Heiligtümer des Todes' ihren Fans einen würdigen Abschied von der magischen Welt zu bescheren.

Es gibt große Verluste, doch es wird ebenfalls viel gewonnen, man kann über das Buch lachen und ebenso zittern und bangen. Man scheint die Spannungen körperlich zu spüren die teilweise zwischen den Personen liegt (so wie Ron und Harry nachdem sie das Medaillon mit dem Horcrux gefunden haben) oder den mörderischen Kampfwillen der Lehrer und Schüler die Hogwarts gegen die Todesser vierteiligen. Man fühlt sich hin und her geschmissen in einem turbulenten Feuerwerk von Eindrücken und Emotionen. Dabei wirkte die Geschichte die ganze Zeit über so real als geschehe sie tatsächlich vor deiner Nase, und nimmt dich gefangen, dass du nicht mehr aufhören kannst zu lesen.

Obwohl es in einer Fantasiewelt spielt zeichnet Rowling in Harry Potter ein absolut realistisches Bild der Gefühlswelt und der Probleme von Heranwachsenden. Viele der Charaktere können in jeder Schulklasse gefunden werden und viele Dinge, die man durch Harry Potter und die magische Welt lernt können auch auf die reale Welt angewendet werden!
Auch werden ernste Themen und Kritiken in die Geschichte mit eingebunden, Kritik an verlogener Politik und manipulativer Presse, insbesondere in Band fünf, oder auch der Rassismus, der von Band zu Band wächst, bis er in 'Die Heiligtümer des Todes' seinen Höhepunkt erreicht.

Das Prinzip der Reinigung der magischen Rasse von dem schmutzigen, schlechten Blut und dem Abschaum der Zauberer erinnert an vergangene dunkle Kapitel der menschlichen Geschichte, das Regime Voldemorts an jede menschenfeindliche Diktator und seine Einstellung gegenüber den Muggeln und 'Schlammblütern', wie man sie in Band zwei noch unter keinen Umständen nennen durfte und wie sie nun in der Öffentlichkeit bezeichnet werden, und die Verfolgung möglicher Gegner und das sinnlose Abschlachten von Menschen erinnern in jeder Hinsicht an bekannte Schreckensherrschaften, wobei der Orden des Phoenix mehr und mehr zur Widerstandsorganisation wird, die den Menschen in verzweifelten Lagen mit ihrem anonymen Radiosender Mut macht.
Wer kein reinblütiger Zauberer ist muss seinen Arbeitsplatz aufgeben, die Schule verlassen, sich bei der Registrierungskomission für Muggelstämmige melden'die Tyrannei Voldemorts und die Gräueltaten seiner Todesser erinnern stark an Verbrechen aus Zeiten des Holocausts, ebenso das krankhafte, gierige Machstreben des dunklen Lords, der vor nichts zurückschreckt um Unsterblichkeit zu erlangen und auf ewig zu herrschen, und der selbst eigentlich auch bloß ein Halbblut ist. Die Skulptur, die das Zaubereiministerium ziert, verkörpert all die Grauen des Terrorregimes unter Tom Riddle, ein Zauberer und eine Zauberin in kostbaren Kleidern auf einem Thron, der aus einer Masse winziger, nackter, ziemlich hässlich und dumm anzusehender Menschen. Magie ist Macht.

Mit jedem Buch nähert er, der dunkle Lord, sich der magischen Welt und ihren Bewohnern mehr und mehr, nachdem Band eins und zwei der Harry Potter Reihe noch märchenhafte Abenteuergeschichten waren, beginnen in 'Der Gefangene von Askaban' die Dinge schon finster und erdrückend zu werden, Harrys Leidensgeschichte hat ihren Anfang und Dumbledore soll Recht behalten wenn er sagt, dass kein Schüler an Hogwarts jemals so viel leiden musste wie Harry. Manchmal wünscht man sich das Buch gegen die Wand zu schleudern oder die Geschichte anzuschreien, sie sollte sich nicht länger gegen Harry verschwören, wenn er unter den Peinigungen Voldemorts leidet, der durch die Narbe zu ihm spricht und ihn quält, ihm jedoch niemand glaubt, man ihn ablehnt und als aufmerksamkeitsheischenden Aufschneider bezeichnet und beschuldigt, er wolle nur den Helden spielen. Man glaubt tatsächlich manchmal mit Harry den Verstand verlieren zu müssen. Irgendwann glaubt man es auch nicht mehr ertragen zu können oder es könne nicht mehr schlimmer kommen, das man irrt sich jedes Mal. Selbst wenn manche Dinge immer noch wieder in Ordnung kommen muss Harry weitere Rückschläge erleiden, so wie den Tod geliebter Menschen, die seine so schwer vermisste Familie ersetzten.

All diese Dinge, die die vorhergegangenen Bücher ausgezeichnet hatten erreichen in Band sieben ihren Gipfel.
Man wechselt zwischen Lachkrämpfen und Bangen, zwischen atemloser Spannung und tiefer, tiefer Traurigkeit.
Der letzte Teil der Harry Potter Serie ist der vielschichtigste Teil, denn darin werden alle Fragen und alle Ereignisse der vorhergegangenen sechs Teile noch einmal aufgegriffen, der unverständliche Salat von Abenteuern, Rätseln und Schicksalen findet zum ersten Mal seine Ordnung. Mit jedem Buch ist man tiefer in die Geschichte von Harry, Voldemort und der magischen Welt eingedrungen, um nun auf dem Grund anzugelangen.
Ein unglaublich mitreißendes Finale, das es schafft alle Vorgänger zu übertreffen, einen anderen Ton anzuschlagen als diese und sich dennoch treu zu bleiben. Es überzeugt sowohl mit seiner Geschichte, den Charakteren, den Emotionen, als auch auf seiner sprachlichen Seite. Die letzte Seite ist kein einfacher Abschied, selbst wenn man Harry Potter nur innerhalb von zwei Monaten kennengelernt hat, anstelle von zehn Jahren, wie manch ein anderer.
Definitiv eines der besten Bücher, die jemals geschrieben wurden.
O!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 22, 2014 10:51 PM MEST


Brücke nach Terabithia
Brücke nach Terabithia
DVD ~ Josh Hutcherson
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 8,29

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen TOLLER Film - Vollkommen falsch vermarktet, 17. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Brücke nach Terabithia (DVD)
Als ich zum ersten Mal eine Vorschau zu 'Brücke nach Terabithia' sah, hielt ich es nur für eine billige Imitation einiger vorhergeschrittener Fantasyabenteuer, die durch keinerlei eigene Ideen bereichert wird. So entschloss ich mich gegen den Kinobesuch.
Erst als ich einige Monate später das Buch gelesen hatte, war das Interesse geweckt.
Entgegen der Vorschau, die den Film als überaus kindliches Märchen darstellte, ist 'Brücke nach Terabithia' ein berührendes Drama mit unerwartetem Tiefsinn.
Anstelle der fantastischen, auf dem Cover beschriebenen Abenteuergeschichte mit der Parallelwelt, einem Krieg, bösen Kreaturen und einer Flugarmee, die alle ein wenig an C. S. Lewis' Chroniken von Narnia zu erinnern scheinen, behandelt Katherine Paterson in dieser Geschichte ein schweres Problem durch das ihr Sohn David zur Zeit der Entstehung des Romans gehen musste.
Es wird die Geschichte des sensiblen Einzelgängers Jess Aarons erzählt, der in Schule und Familie übersehen und ausgestoßen ist ' besonders von seinem Vater missverstanden wird - und sich nun mit der verträumten, fantasievollen Leslie anfreundet, die zwar auch unter dem Spott ihrer Schulkameraden zu leiden hat, jedoch Jesse eine völlige neue Sicht der Welt und der Dinge um sich herum lehren kann.
Gemeinsam erschaffen sie in ihrer Fantasie einen magischen Ort, den nur sie beide kennen und an dem sie unbesiegbar sind. Terabithia. Hier lernen sie ihre Probleme und Sorgen mit Hilfe ihrer Fantasie zu besiegen und sie auch im wahren Leben zu überwinden. Bis etwas Unvorhersehbares geschieht und Jesse plötzlich wieder völlig allein ist, zurückgelassen nur mit der Weisheit die Leslie ihn gelehrt hat, Die Welt mit Fantasie zu sehen und daran zu glauben, was diese dir zeigt. Stark und unbesiegbar durch die Kraft der Fantasie zu sein.

Alles in allem hat sich Walden Media in der Verfilmung von Katherine Patersons Roman überwiegend sehr getreu an die Vorlage gehalten, wobei die Handlung, um sie nachvollziehbarer für Kinder zu machen, in unsere Zeit vorgezogen wurde. So wurde aus Leslie, dem Mädchen, das im Buch noch unverschämter Weise immer Hosen trägt, plötzlich eine sehr schillernde Gestalt mit ihrem ganz eignem, alternativen Stil. Eine vielleicht zunächst auffällige, jedoch aber meiner Meinung nach sinnvolle Veränderung gegenüber der Vorlage, denn das Prinzip bleibt bestehen und wird für die besonders jungen Zuschauer viel verständlicher, schließlich stammt Patersons Roman aus den Siebzigern, in die sich heutige Grundschulkinder sicherlich nur sehr schlecht hineinversetzen können.
Auch die Gegensätze zwischen Jesses humorloser Familie, den pubertierenden Schwestern und entnervten, gestressten Eltern und Leslies offenherzigen, unkomplizierten, freundlichen Eltern ist sehr gut dargestellt, ebenso wie der Kontrast zwischen der verhassten Lehrerin Misses Meyers und der jungen Miss Edmunds, die Jess' und Leslies Kreativität unterstützt.

In 'Brücke nach Terabithia' kollidieren graue, ernüchternde Realität und die magische Fantasie, die stark macht. Es geht um die wahre Bedeutung einer starken Freundschaft, die (Achtung, Spoilers) bis über den Tod hinausreicht und die Kraft der Fantasie und der Vorstellung.
Besonders die Präzision in der Auswahl der finsteren magischen Kreaturen hat mich überzeugt, so wurden die 'Diener des finsteren Herren' in dem Wunderland jenseits des 'magischen Seils' durch das man allein Terabithia erreichen kann, auf Jesses und Leslies Probleme im wirklichen Leben abgestimmt. Ein böser Troll, der die tyrannische Janice Avery darstellte oder das schwarze Monster, das Jesse verfolgte und seinen verständnislosen Vater wiederspiegelt. 'Brücke nach Terabithia' ist eine wundervolle Geschichte voller kleiner Wahrheiten, die seine Zuschauer besonders zum Ende hin zutiefst berührt. Ein wunderschöner, doch auch teilweise sehr trauriger Film, dessen Altersbeschränkung mir nicht besonders passend erscheint, da Kinder unter 6 Jahren erstens den Tiefsinn der Geschichte noch nicht begreifen und zweitens die finsteren Gestalten Terabithias und das Unglück das Leslie wiederfährt sie sicherlich zu sehr verstören würden.

'Brücke nach Terabithia' ist kein Film, den ich an einem Kindergeburtstag zeigen würde, jedoch ein sehr schönes Drama, das zwar teilweise sehr traurig ist, aber trotzdem Hoffnung weckt, eine Botschaft vermittelt und den Zuschauer zum nachdenken bringt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2014 7:00 PM MEST


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