Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Strandspielzeug calendarGirl Prime Photos Erste Wahl Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16
Profil für Gwenya > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Gwenya
Top-Rezensenten Rang: 11.567
Hilfreiche Bewertungen: 1317

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Gwenya

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2
pixel
Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 6,06

77 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Good news for breathing - bad news for brainwork, 13. Januar 2014
Though breathing is not boring – not at all, obgleich Sherlock dies einst behauptete. Die Autoren und Regisseure haben sich bemüht, nach zweijähriger Wartezeit den treuen Fans eine saftige dritte Staffel zu bieten, und dazu eifrig neu experimentiert, mit Schnitt, Musik, Beziehungen, Emotionen, Wortspielen, Verwicklungen, Anspielungen, Dramatik, Witzen … doch leider gehen dabei die verzwickten Kriminalfälle ein wenig unter!

Zwei Jahre sind vergangen seit dem Reichenbach Fall, Moriartys eurasienweites Netzwerk ist endlich zerschlagen und just zur rechten Zeit kehrt Sherlock zu seinem Goldfisch John nach London zurück, um die Stadt zu retten und den 5. November ein weiteres Mal zu einem denkwürdigen Tag zu machen. Remember, remember!
Leider stellt sich heraus, dass jener Goldfisch mehr als bloß ein Drei-Sekunden-Gedächtnis besitzt, wenn es darum geht die jahrelange Täuschung durch Sherlock übel zu nehmen. Außerdem ist Sherlock offenbar nicht mehr der Einzige in Johns Leben, die Krankenschwester Mary scheint zugleich ernsthafte Konkurrentin und wirkungsvolle Komplizin um die Gunst Johns zu sein…

It is time to go on being Sherlock Holmes again. Doch wer ist Sherlock Holmes?
Mehr als je zuvor geht es in dieser Staffel um Beziehungen, und um die Vermenschlichung des soziopathischen Genies. Sherlock hat sich im Exil verändert; er zeigt sich offener gegenüber Menschen, und zugleich noch rücksichtsloser und manipulativer als gewohnt, außerdem hat der Zuschauer die Möglichkeit ihn schwächer und verletzlicher zu erleben als je zuvor.

Die Serie bietet in dieser Staffel (Vorsicht Spoiler) Sherlock schmutzig und zugewuchert, Sherlock zusammengeschlagen, Sherlock scherzend, ermutigend, tröstend, bangend, zitternd, schreiend, blutend, Sherlock mit seinem Hund, Sherlock in Zweifeln, Sherlock als Freund, Sherlock als Trauzeuge, Sherlock als Junkie, Sherlock als kleiner Bruder, Sherlock als Idiot, Sherlock als Sohn, Sherlock betrunken, Sherlock high, Sherlock in Krankenhaushemd, in einem Restaurant sitzend, essend, Sherlock als Mörder.
Wurde in Staffel 2 sich noch bemüht, das Bild des unantastbaren Übermenschen Sherlock Holmes langsam zu entschärfen, so wird es in Staffel 3 vollkommen neu gezeichnet. Die harte Nuss Sherlock wird geknackt, und das verletzliche Kind wird hervorgeholt. Dies geschieht zwar nicht auf ungeschickte, doch auf leicht gröbere Art und Weise als bisher gewohnt, die Autoren lassen ein wenig von der Subtilität und dem feinen Fingerspitzengefühl vermissen, mit dem sie zuvor so zu begeistern wussten.
Zwar bleibt der größte aller Detektive seiner Philosophie treu „Sentiment is a chemical defect found on the losing side“ – „you should never let it rule your head“, jedoch indem er ihrer Wahrheit immer öfter zu Opfer fällt und sich von der Liebe und dem Respekt für bestimmte Personen täuschen lässt.
Zugleich lässt sich erahnen, dass er tatsächlich seine Emotionen und seine Abhängigkeit von Anderen erkennt und akzeptiert, weist er während der Staffel doch des Öfteren auf die Abwegigkeit seines eigenen Lebensstils und die Unersetzlichkeit seiner Freunde hin. „I am ridiculous man, redeemed only by the warmth and constancy of your friendship“
Mit dem Verlust des Übermenschen Sherlock wird ein neuer Heldenstatus eingeläutet, der am Ende der Zweiten Staffel bereits vorgestellt wurde; Sherlock der Märtyrer, dem kein Opfer zu groß ist, um Leben, Sicherheit und Glück jener wenigen Menschen zu schützen, die ihm tatsächlich wichtig sind.(Spoiler Ende)

Sherlock Staffel 3 zielt auf Emotionen ab, und nicht auf das Gehirn. Es geht um die Beziehungen in Sherlocks Leben, um seine Freundschaft zu John und Mary, in dem immer wieder mit dem Bild der Eltern mit ihrem Kind gespielt wird, um die Hassliebe zwischen ihm und seinem Bruder, das Vertrauen zwischen ihm und Molly…

Zugleich ermöglichen die Autoren es dem Zuschauer, tiefer in die Welt einzudringen, in der die beiden leicht autistischen Brüder leben. Insbesondere durch intelligente und spektakuläre Mind-Palace Szenen, die häufiger und mit mehr Leichtigkeit in den Handlungsfluss mit eingeflochten werden und viel über Charaktere Sherlock und Mycroft aussagen.

Die drei Episoden sind großartig gemacht, rasant, schnell, witzig, geistreich, kreativ; der Handlungsfluss wird unterbrochen, vor und zurückgesprungen, die Ereignisse treten bruchstückweise auf und fügen sich wie Teile eines Puzzles ineinander. Gegensätzige und parallele Szenen werden auf geschickte und dynamische Weise miteinander verknüpft. Insbesondere hervorzuheben ist die Musik, die mit der Reanimation von Altem und der Entdeckung von neuen, überraschend anderen Melodien, getragenen, klassischen Klängen und schnellen, rockigen Passagen nicht nur die Thematik der Staffel wiederspiegelt, sondern auch bedeutend zu der ambivalenten Atmosphäre beiträgt, die sich zwischen leichter Komik und knisternder Anspannung hin und her bewegt.

Auch die Komik kommt nicht zu kurz. An allen Ecken und Kanten finden sich die gewohnten augenzwinkernden Verweise auf Conan Doyle, teils auch auf Doctor Who, und selbstverständlich die wohl bekannten Schlagabtausche zwischen Sherlock und John, und anderen von Zeit zu Zeit unerschrockenen Mitmenschen. Beinahe will man sagen, dass die Autoren über die Stränge schlagen, als sie in Episode 1 mit den eigenen Fans spielen, ihnen ihre wildesten, unmöglichen Fantasien vorgaukeln, um sie dann als eben das zu entlarven was sie sind; Schäume. Die Thematisierung mit sich selbst, der gewisse Grad an Selbstparodie und Eigenironie, die in „The Empty Hears“ verkörpert werden, mögen gerade im Falle dieser ersten Episode passend gewählte Mittel sein, ein Entgegenkommen an die empörten Fans, so wie damals von Arthur Conan Doyle praktiziert, zu imitieren, dennoch hegt man bloß den Wunsch, die Autoren hätten vielleicht etwas mehr Zeit in ihrem eigenen Mind-Palace verbracht, statt auf Tumblr, denn leider schafft es trotz guter Geschichten um außergewöhnliche Charaktere keine der Episoden den Zuschauer so zu fesseln wie noch in den vorhergegangenen beiden Staffeln.

Sind die Fälle auch kreativ, ausgearbeitet und mit einigen überraschenden Wendungen und faszinierenden Deduction-oder Mind-Palace-Szenen versehen, so bringt doch keiner von ihnen die grauen Zellen so zum glühen wie ein „Scandal in Belgravia“ oder ein „Reichenbach Fall“ es noch vermochten. Obgleich alle drei Folgen gut unterhalten, lassen sie den Zuschauer doch ein wenig hungrig zurück, wie Honig ohne Brot. Süß, doch nicht die vollständige Mahlzeit.

Die erste Episode, „The Empty Hearse“,(Vorsicht Spoiler) dient vor allem der Wiedereinführung der Charaktere und ähnelt in ihrer Struktur ein wenig der allerersten Folge “A Study in Pink”. Sie erfüllt ihre Funktion als Einleitung, beleuchtet die Leben der Charaktere, wirft Schatten auf spätere Folgen voraus und nimmt einen Fall á la Guy Fawkes von nationaler Wichtigkeit und relativer Einfachheit mit.(Spoiler Ende)

Die zweite Episode, „The Sign of Three“, hingegen hat eine entzückende Erzählweise, gibt viel über den Menschen Sherlock Preis, und ist alles in allem die perfekte „Hochzeit“ zwischen einer heiteren Geschichte und einem Mordfall, erinnert an das Durchblättern eines Sherlock-Holmes-Sammelbandes, mit Ausblicken auf viele verschiedene Geschichten und Momente, die die Freundschaft zwischen Holmes und Watson bestimmen, und weiß scheinbar triviale, alberne Moment zu einem Netz zu verbinden, mit dem man nach einem Mörder fischt.

Die dritte Episode, „His Last Vow“, (Vorsicht Spoiler)schlägt dunklere Töne an und lässt Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern werden. Hier darf nun der zuvor bereits angedeutete Schurke Magnussen endlich aufspielen und seine Fühler nach 221B Baker Street ausstrecken. (Spoiler Ende) Die Folge besitzt eine Intensität und eine Dramatik, einen Ernst, der fesselt und sie von den anderen beiden stark unterscheidet, mündet jedoch in ein eher fragwürdiges Ende...

Alles in allem haben Steven Moffat und Mark Gatiss einmal wieder eine hochkarätige, charmante, brillante Serie erschaffen, die viele großartige Elemente aufweise, den unsterblichen Charakter Sherlock Holmes feiert, und den Zuschauer oft in Atem hält, ob durch Komik, Dramatik oder Spannung. Leider fehlt der letzte, so wichtige, süchtig machende Schliff der großartigen, intellektuellen Raffinesse, die, entgegen den vorgegangenen Staffeln (insbesondere der großartigen Staffel 2) leider etwas verloren geht…

An Moffat und Gatiss : „This is your heart and you should never let it rule your head!"
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 16, 2014 11:33 AM CET


Der Hobbit: Smaugs Einöde
Der Hobbit: Smaugs Einöde
DVD ~ Manu Bennett
Preis: EUR 5,00

1.001 von 1.155 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Prepared to burn, 17. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Smaugs Einöde (DVD)
Der zweite Teil der Hobbit-Trilogie gewinnt an Schwung und Unterhaltungswert, und wahrscheinlich auch an Fans, verliert jedoch J.R.R. Tolkien.

Eines wird sehr bald klar: „Eine unerwartete Reise“ und „Smaugs Einöde“ sind zwei Brüder, die sich nicht annähernd in ihrem Wesen so ähneln wie Kili und Fili, sondern sich unterscheiden wie Tag und Nacht.Ihre Gemeinsamkeit ist zum einen der Titel, der sich auf den Roman „Der Hobbit“ von Tolkien beruft, obgleich es sich keines Falls um eine Verfilmung dieses Werks handelt, das der Altmeister der Fantasy damals für seine Kinder schrieb. Schon der erste Teil war weniger eine Romanverfilmung, als eine Aufzeichnung all der weltbewegenden Ereignisse und Verwicklungen, die, wie man in Tolkiens anderen Werken nachlesen kann, zur Zeit von Bilbos Reise stattfanden und alle direkt oder indirekt damit verknüpft waren. „Eine unerwartete Reise“ hielt sich vordergründig lose an „Der kleine Hobbit“ und hintergründig an Schriften wie „Das Silmarillion“ oder „Nachrichten aus Mittelerde“; „Smaugs Einöde“ hält sich vordergründig lose an den kleinen Hobbit und hintergründig an nichts und niemanden.

Um aus einem Kinderbuch einen Film für Erwachsene zu machen, wurde sich mehr auf die großen Zusammenhänge konzentriert, die im Roman unsichtbar bleiben, die Ereignisse am Ende, sowie die Geschichte des Herrn der Ringe zu verstehen helfen. Die Verknüpfung der verschiedenen Handlungsstränge ist dabei tatsächlich sehr gelungen, sie gibt zu verstehen, dass nichts auf Bilbos Reise Zufall war, und dass es Gandalf, als er Bilbo und die Zwerge zusammenführte, um weitaus mehr ging, als um die Widergewinnung Erebors für den thronlosen König unter dem Berg. Entgegen dem Buch gewinnt der Ring schon mehr an Bedeutung und an Gefahr; die Zusammenhänge zwischen jenem Schatz, dem Drachen und der Schattengestalt in Dol Guldur, die sich (SPOILER) als Sauron zu erkennen gibt, werden mit verschiedenen, teils subtilen Mittel unmissverständlich gemacht.

Gegenüber dem ersten Film verliert „Smaugs Einöde“ an Humor und Leichtigkeit, die augenzwinkernden Vorgänge, wie das Eintreffen in Beorns Haus wurden zugunsten panischer Fluchten aus dem Script gelöscht, der Gesang und die Witze verschwanden aus der Gemeinschaft, und selbst das Lied zum Abspann, „I see fire“ verbreitet eine ganz andere, melancholischere, wehmütigere Stimmung als noch „The song oft he lonely mountain“, rühmt die Treue der Gemeinschaft und die Ehre in einem aufrechten Tod im Feuer.

Außerdem wurden im Zuge dieser Umwandlung der Kindergeschichte viele der im Buch sehr einfachen Vorgänge verkompliziert. Der Zuschauer erfährt nie gekannte Hintergründe einzelner Handlungen und Geschehnisse, wie bereits in Teil Eins die Ursache für den Zwist zwischen den Zwergen und den Elben, sowie hier nun den Grund dafür, dass die Bürger (SPOILER) der Seestadt das Vorhaben der Zwerge, trotz aller Gefahren, feiern, oder dass der Arkenstein eine so enorme Auswirkung auf die Beteiligten hat. Damit wird wieder die Thematik der Macht und ihrer Verunreinigung des Einzelnen in die Geschichte miteingesponnen, die im „Herr der Ringe“ so an Bedeutung gewinnt und auch immer wieder durch die Anwesenheit des einen Ringes vorausgedeutet wird.

Man lernt des Weiteren die Welt der Menschen besser kennen, ihre dunkleren, zwielichtigeren Seiten, in Form der vergessenen, verkommenen Seestadt, die sich von bisher bekannten Orten wie Minas Tirith unterscheidet, durch ihre bunt gemischte Bevölkerung, und durch den Schmutz, die Armut, den Hunger, die Korruption, Gier und Furcht, die vorherrschen unter der Fuchtel des schmierigen, selbstherrlichen, tyrannischen Bürgermeisters, in dessen Rolle Stephen so Fry war zu brillieren.

Auch auf die Elben wird hier ein anderes Licht geworfen; die Waldelben unterscheiden sich von jenen, denen man in Bruchtal begegnet ist. König Thranduil in seinem Stolz und Eigensinn ist ein blondes Spielgelbild von Thorin. Anders als im Herr der Ringe, begegnen sich hier die verschiedenen Rassen von Beginn mit Misstrauen, das sich im Laufe der Zeit (SPOILER) bloß noch festigt – mit Ausnahme des Hoffnungsträgers Bilbo, dessen Rolle als Mittler zwischen den starrköpfigen Parteien sich mehr und mehr entwickelt.

Als Stimme der Vernunft zwischen den Rivalen soll offenbar auch die Elbin Tauriel fungieren, die schon sehr bald auf das im „Herr der Ringe“ ausgeführte Prinzip verweist, dass alle Teile der Welt zusammenarbeiten müssen, um sie sich von dem drohenden Übel des Bösen befreien können. Dennoch erweist sich der völlig frei erfundene Charakter jener Elben-Lara-Croft, der wohl als Schönheitsfleck das Angesicht des Filmes zieren sollte, als eindeutiger Schönheitsfehler und als feiges Nachgeben gegenüber einem Kinoklischee. Die Dominanz der männlichen Charaktere in Tolkiens Werken ist eine Tatsache, wird es dennoch für notwendig gehalten eine Frauenquote für die Geschichten aus Mittelerde einzuführen, so ist die Erfindung einer prügelnden, Haken schlagenden, kampflustigen Wildkatze aus dem Finsterwald nicht der richtige Weg. Schließlich gibt es eine Reihe starker Frauen in Tolkiens Romanen, die sich jedoch, insbesondere wenn sie einer fantastischen Rasse angehören, durch ihre würdevolle, stille Macht auszeichnen, die der der Männer ihres Volkes weit überlegen ist, so wie es in „Eine unerwartete Reise“ in Galadriels Zusammentreffen mit Gandalf angedeutet wird. Tauriel hingegen gibt sich gleich als Charakter erkennen, der ein Kinopublikum unterhalten soll, und niemals in ihrer Form von Tolkien erdacht worden wäre.
Sie ist der Beginn all jener Elemente in „Smaugs Einöde“, für die sich keine Grundlage in Tolkiens zahlreichen Schriften finden, und die man dem alten Mann zuliebe besser einfach verworfen hätte. Als größtes Vergehen ist dabei wohl die (SPOILER) angedeutete romantische Verbindung zwischen Tauriel und Kili zu nennen, die man einfach als … bezeichnen will und aus dem Film fort wünscht. Sie ist nichts als eine Süßigkeit für die Kinozuschauer, die sich als billige Kalorie erweist, keinen Hunger stillt und bloß Fettgewebe erzeugt. Der Film mag vielleicht für den ein oder anderen dadurch an Unterhaltungswert gewinnen, er verliert jedoch seinen durch Tolkien vorgegebenen Charakter.

Die Wiedereinführung des Charakters Legolas hingegen ist zwar sinniger, wenn auch nicht unbedingt in dieser Form notwendig. Es erscheint unvermeidlich, ihn, als Prinz der Waldelben bei seinem Volk im Finsterwald anzutreffen, und selbst seine weitere Verwicklung in den Geschehnisse erklärt die Involvierung der Waldelben in den Ereignissen am Ende der Geschichte, in (SPOILER) der großen Schlacht, und hilft erneut, die Zusammenhänge der Machtverhältnisse und gefahrvollen Entwicklungen in Mittelerde zu verstehen. Dennoch wird er, der noch mehr als gewohnt wie ein blondierter Winnetou wirkt, auch mehr als Unterhaltungsfaktor genutzt, und lenkt mit seinem Skating auf Orkgliedmaßen, Polo mit Feindesschädeln und Ballett auf Zwergenköpfen unnötigerweise von den eigentlichen Handlungen ab. Das beste Argument für sein Dasein war jene winzige, charmante Szene, in der er Gloin nach dem Orkwechselbalg fragt, dessen Bild der Zwerg mit sich trägt und dieser ihm empört zu verstehen gibt, dass es sich dabei um seinen kleinen Jungen handle; Gimli.

Tatsächlich lenken die an allen Ecken und Kanten eingebauten Kämpfe, Prügeleien, Köpfereien ziemlich von den Charakteren ab, die unter Schwierigkeiten versuchen sich während der 161 Minuten weiter zu entwickeln. So zum Beispiel Thorin, der (SPOILER), als shakespearehafter, tragischer Held zwischen seiner Ehre und Treue und dem aufkeimenden Wahn zu schwanken beginnt. Dies, sowie sein Verhältnis zu seinen Gefährten kann allerdings nur eher kurz und oberflächlich angerissen werden; offenbar vertraut er Bilbo inzwischen wie einem seiner Mitstreiter und sorgt sich um seine Zöglinge Kili du Fili, ist zugleich jedoch noch immer der blind entschlossene, stolze und bittere König ohne Volk, dem kein Opfer für das Erlangen seines Ziels zu groß ist. Für Balins Sorge um Thorin und seinen Charakter lässt sich nicht allzu viel Begründung finden, da die Personen während des ganzen Films bloß von einer Schwierigkeit in die nächste hecheln und dabei wenig Zeit finden Entwicklung zu zeigen oder zu reflektieren. Auch die gewisse Romantik und Nachdenklichkeit, die immer wieder in Tolkiens Werken zu finden war, durch das innerhalten in der hektischen, beschwerlichen Handlung, das Grübeln, Erinnern, Träumen, geht beinahe gänzlich verloren. Der schnelle, schwungvolle Erzählstil widerspricht der weitschweifigen und beinahe poetischen Erzählweise die Tolkien verwendet.

Die Darstellung von Galdalfs Handlungsstrang, seinen Geschäften, Befürchtungen und Entdeckungen ist hingegen sehr gelungen. (SPOILER) Saurons Rückkehr auf die Kinoleinwand ist geradezu beeindruckend, Gandalfs Wanderungen durch enge, finstere, verwinkelte Ruinen schürt die Gewissheit einer fatalen, verborgenen Gefahr, und die Darstellung des körperlosen Bösen, als es sich dem Zauberer schließlich zeigt, ist atemberaubend. Der Kampf, in dem Gandals weißes Licht den dichten schwarzen Schatten zerfetzt offenbart ein finsteres, bösartiges Geschwür, das im Herzen Mittelerdes sitzt und den Körper dieser Welt vergiftet. Alle Größe und Schrecknis des Dunklen Lords offenbart sich in dem Moment, in dem dann die Schatten verfliegen und sich sein Schemen wiederholt und wiederholt aus den Flammen schält, und dabei stark an das Bild des feurigen Auges erinnert, das über dem Schicksalsberg hängt und immer wacht. Diese Darstellung vermittelt unmissverständlich die Idee einer uralten, übermächtigen Bosheit. Außerdem hat der Zuschauer die Möglichkeit die Unendlichkeit seines (Saurons) Lebens und seiner Macht zu sehen, sowie zu erahnen, wie Mut und Kraft des Guten vor ihm und seinem Feuer zerschmelzen müssen.

Die Darstellung Bilbo Beutlins ist auch immer wieder lobend zu erwähnen. Martin Freeman gelingt es, die Art der Hobbits perfekt zu verkörpern und nun sowohl die von Gandalf oft erwähnte zähe, abenteuerlustige Tuk-Seite, mit der wohlbekannten gutmütigen, liebenswerten, friedliebenden Seite von Bilbos Persönlichkeit zu vereinigen. Mit seiner Einfachheit und Freundlichkeit sorgt er für Erleichterung zwischen den düsteren Momenten, garstigen Gestalten, hoffnungslosen Zerwürfnissen und seine unschuldige, unwissende Naivität lässt den Zuschauer immer wieder schmunzeln oder erstarren in dem Wissen mit welchem Feuer der Hobbit nichts ahnend während seiner Abenteuern spielt.

Auch Smaug verfehlt seine Wirkung nicht, langsam enthüllt sich mehr und mehr seine Größe und Grausamkeit, und gesellt sich zu ungemeinem Stolz, Größenwahn, Spott und Sadismus, der so klar wie die Massen seines Goldes hervor blitzt, als er sich daran ergötzt (SPOILER) mit Bilbo zu spielen wie eine hungrige Katze mit einer Maus. Der Dialog zwischen dem Hobbit und dem Monster ist auf seine eigene Art zauberhaft und unterhaltsam, trotz durchaus passabler Synchronisation muss ich an dieser Stelle ebenso den Originalton auf das Wärmste empfehlen; man muss einfach einmal Benedict Cumberbatch’s ehrfurchtsgebietende Stimme durch die riesigen Hallen des Zwergenreichs schallen hören!

Das Motiv des Feuers zieht sich durch den ganzen Film, als Symbol der Zerstörung und des Zerfalls, sowie der Gier und dem Stolz, der die einzelnen Beteiligten ins Elend stürzen wird. Eingeleitet von Thorins Vorhersage „If this ist o end in fire – then we will all burn together“ wird die letzte halbe Stunde des Filmes von Flammen und glühender Lava verzerrt, sowie von der üppigen Pracht und dem Reichtum Erebors überschwemmt, dass dem Zuschauer die Augen übergehen. Zum Ende hin laufen alle verschiedenen Handlungsstränge zusammen und vereinigen sich zu einem festen Knoten, der den Zuschauer fest einschließt. Bevor er platzt wird schließlich der Film platzen gelassen, (SPOILER) mit einem zornigen Smaug, der sich aufmacht, die Seestadt zu zerstören und Bilbos unheilschwangeren Worten „Was haben wir getan?“

Dabei ist es tatsächlich nicht er, das sich diese Frage stellen muss, viel mehr die Drehbuchautoren, die beschlossen haben die im Buch sorgfältig geschilderten Ereignisse zugunsten eines aus der Luft gegriffenen Subplots um eine frei erfundene Person zu kürzen, der nicht nur keinerlei Basis in den zahlreichen Schriften Tolkiens hat, sondern auch völlig unpassend sich von den regulären Handlungen und Charakteren abstößt wie ein entgegengesetzter Magnet. Die Erzählweise wurde zugunsten von Spannung und Sensation zurechtgestutzt und beschleunigt, bekannte und neue Charaktere wurden hineingeworfen, doch weniger um zu der Handlung beizutragen, als um das Publikum durch spektakuläre Kampfakte zu unterhalten. Dabei bleibt ihnen keine Zeit für Entwicklun und der Film gewinnt zwar an Spannung und an Unterhaltungswert, doch all dies auf eine oberflächlichere und alltägliche Weise, die sich nicht allzu sehr wie gewohnt durch die Charakteristika Tolkiens von üblichen Abenteuerfilmen zu unterscheiden weiß. Alles in allem lässt sich sagen, dass der Film zwar durchaus gute Unterhaltung bietet, jedoch auf die Kosten von Tolkiens Handschrift.
Kommentar Kommentare (53) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2015 8:11 AM CET


Whitechapel Series 1
Whitechapel Series 1
DVD ~ Claire Rushbrook
Wird angeboten von QualityMediaSuppliesLtd
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Osten (Londons) nichts neues, 10. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Whitechapel Series 1 (DVD)
Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne!

Dass die Geschichte der Menschheit dazu verdammt ist sich immerfort zu wiederholen, ist die Grundidee der ITV Serie Whitechapel. Hier hat man sich in GB, ähnlich wie bei dem Geniestreich Sherlock, dazu entschlossen, alte Kleider neu aufzutragen, und dabei festgestellt, dass sie noch immer ebenso bedeutend und lebhaft sind wie zu jener Zeit, als sie gesponnen wurden, und auch an dem modernen Zeitalter und zugehörigen Publikum perfekt sitzen!

Whitechapel erzählt von dem mysteriösen Wiederaufleben historischer Morde im glanzlosen Londoner Osten des frühen 21. Jahrhunderts. Dabei macht sie in dieser ersten Staffel von dem noch immer unaufgeklärten Mythos des Serienmörders Jack the Ripper Gebrauch. Ein Unbekannter ahmt auf perfekte und extrem gewissenhafte Weise die Verbrechen des berühmten Frauen-Mörders nach und spielt geradezu mit der hilflosen Polizei.

Denn ihm auf den Fersen schleicht die etwas träge und eingerostete Truppe unter Sergeant Miles, die auf aufständische Trunkenbolde und häusliche Gewalt eingestellt hauptsächlich damit beschäftigt ist, wie eine Klasse widerwilliger Teenager, den unbequemen und zimperlichen neuen Chef, Inspektor Chandler, loszuwerden; einen Schreibtischtiger mit immer einem Gläschen Tiger Balm zur Hand, der, zum ersten Mal in die freie Wildbahn entlassen beinahe zerfleischt wird auf der Jagd nach einem Mann der eben dies mit seinen Opfern tut! Welcome to hell, gentlemen!

Man muss nicht wie Edward Buchan Ripperologe sein, oder ein Faible für Britische Krimis besitzen, um diese Serie genießen zu können. Entgegen vieler herkömmlicher Fernsehkrimis geht es hier nicht bloß um das wiederholte Abspulen der gewohnten Prozesse einer Ermittlung, bei der graue Fälle von noch graueren Kommissaren mit grauen Methoden, gewürzt mit grauen Floskeln gelöst werden, bereits wenn das Eingangsthema erklingt wird klar, dass hier mit Fingerspitzengefühl gearbeitet wird! Und zwar in allen Bereichen. Bilder, Schnitt, Musik deuten bereits die geschickte Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart, Mythos und Realität voraus, die im Laufe der drei Folgen geschehen wird, und vermittelt zugleich eine Ahnung von dem Nervenkitzel und der unbesiegbaren Dunkelheit von Whitechapels Straßen, die das Verbrechen offenbart und gegen die seine Polizei machtlos ist. Es geht um einen Kampf gegen die Vergangenheit und das scheinbar unentrinnbare Schicksal gerade diese mit jeder Handlung und Entscheidung zu erfüllen.

Zugleich zieht sich ein feiner Humor durch die ganze Serie, der den Gräueln zum Trotze (oder vielleicht gerade zum Grunde) seine Wirkung nie verfehlt. Besonders die zunächst sehr konfliktgeladene Beziehung zwischen dem kratzbürstigen Sergeant und dem geschleckten Inspektor (der sich scheinbar mehr vor Staubflocken und fehlender Geometrie auf seinem Schreibtisch fürchtet als vor dem Geist, den er jagt), die sich im Laufe der folgenden Staffeln schließlich zu einer gepflegten Ellenbogenfreundschaft entwickelt, birgt eine natürlich, dezente, erfrischende Komik, die nie erzwungen oder unangebracht wirkt.

Die Serie erschafft keine Helden. Die Charaktere zweifeln, jammern, versagen und erliegen ihren eigenen Dämonen - und sind gerade dadurch lebendig und für den Zuschauer zugängig.

Whitechapel ist eine packende Krimiserie, die düsteres mit humorvollem, Fakt mit Fiktion und Mythos mit Realität verbindet, seinen Zuschauer fesselt und verstört und zugleich wunderbar zu unterhalten und sogar leicht zu erheitern weiß. Insbesondere für jene zu empfehlen, denen es schwer fällt auf die Sherlock Staffel 3 zu warten!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 5, 2014 6:52 PM CET


Rise (Deluxe Edition & Live)
Rise (Deluxe Edition & Live)
Preis: EUR 17,99

5.0 von 5 Sternen I’m awake, I’m alive – and it’s good to be alive, 12. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Rise (Deluxe Edition & Live) (Audio CD)
Nein, ich habe mich nicht im Album geirrt. Als begeisterter Fan von „Collide“ und „Comatose“, der ein kleinwenig von „Awake and Alive“ enttäuscht war, finde ich bloß in diesem Zitat des bereits genannten Liedes den perfekten Ausdruck meiner Gefühle für „Rise“.
Die Wirkung dieses Albums ist gut vergleichbar mit der einer Adrenalinspritze, die mitten ins Herz gejagt wird; denn die Musik versprüht eine Energie, die es vermag, neues Leben in nahezu lebloses Gebein oder staubige Knochen zu schütteln. Schaltet man sie morgens, noch halb komatös vom Schlaf ein, so muss man sich bald darauf zurückhalten durchs Zimmer zu tanzen oder headbangend im Bus oder Zug zu sitzen. Hört man sie beim Sport, so will man nie wieder aufhören zu laufen.

Musik und Texte schaffen es bereits mit dem ersten Hören zu infizieren, und sich für den Rest des Tages, der Woche, des Monats im gesamten Organismus auszubreiten. In perfektem Verhältnis wechseln sich rockige und getragene, regelrecht stimmungsvolle Lieder ab; so wie „Sick of it“ und „Everything goes black“.

Nachdem ich mich schließlich, nach den anfänglichen Zweifeln, die noch „Awake&Alive begleitet hatten, an Jen Ledgers Stimme gewöhnt habe, gefallen mir die Harmonien von ihrer kräftigen hellen, und John Coopers rauer Stimme immer besser, so dass ich gar nicht genug davon bekommen kann.

Wie oft schon wirft Skillet auch bei diesem Album wieder eine Menge verschiedener musikalischer Zutaten in die Pfanne und beschert damit ein köstliches Mahl; so schleichen sich insbesondere die Chorpassagen ins Gedächtnis, die beispielsweise das Lied „Rise“ ausschmücken, oder auch die Übergangsstücke zwischen den einzelnen Songs - man beachte insbesondere jenen zwischen „Good tob e alive“ und „Not gonna die“, dem stärksten Lied des Albums. Auch die schon von Comatose bekannten Streicherpassagen fehlen hier nicht.
Inhaltlich wird zwischen trotzigen Liedern wie beispielsweise „Rise“ und „Not gonna die“, nachdenklichen Melodien wie „American Noise“, munteren Songs wie „Good to be alive“, stimmungsvollen Balladen wie „Fire and Fury“ oder „Everything goes black“ und belebenden, moralisierenden Stücken wie „Hardt o find“, „Salvation“ und „What I believe“ gewecheselt.

Mit dem Album „Rise“ schafft es Skillet sämtliche Stimmungslagen zu vereinigen und dabei auch noch schöne, rockige Lieder mit inhaltsreichen, relevanten Texten und Ohrwurmgarantie aufzubieten. Mit dieser CD ist es wahrhaftig „good to be alive“


Schwimmen
Schwimmen
von Nicola Keegan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sich treiben lassen..., 21. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen (Taschenbuch)
Das kann man nur schwerlich in dem Roman „Schwimmen“, zu viele Stolpersteine werden dem Leser in den Weg gelegt. „Schwimmen“ ist nicht romantisch, angenehm oder einfach, mehr aufwühlend und faszinierend und eher als würde man in Beton schwimmen als in Wasser.

In dem Roman erzählt die Rekordathletin Philomena Ash wie ihr gerade der Sinn steht von ihrem Leben, von ihrer Kindheit und Jugend in einem erzkatholischen Teil von Kansas, ihrer besonderen Verbindung zu Wasser, die schon von frühster Kindheit an unverkennbar war, dem tragischen Schicksal ihrer Familie, mit dem Tod ihrer älteren Schwester Bron und ihrem Vater, ihrem Aufstieg zur besten Schwimmerin ihrer Generation und schließlich dem absoluten Absturz nach dem abrupten Ende ihrer Karriere.
Der Roman ist ungewöhnlich und zunächst nicht allzu zugänglich, als Leser braucht man einige Zeit, um sich auf die eigenwillige Schreibweise und die ungeschliffene Protagonistin einzulassen. Ist dies geschehen, bietet „Schwimmen“ jedoch einen wunderbaren Lesegenuss und sowohl der Stil der Autorin und ihre Heldin gewinnen stark an Faszination.

Je weiter man in den Roman herein schwimmt, desto tiefer wird er. Es ist einer jener Sorte, die sich weniger auf eine komplexe Handlung, sondern viel mehr auf die Psychologie ihrer Charaktere konzentriert, und Keagan geht in ihrer Darstellung der inneren Landschaft Philomenas sehr geschickt vor. Die Schwimmerin ist ein sehr realistischer Charakter, sie reflektiert nicht viel, oder eher gar nicht über ihr Verhalten oder ihre Gefühle, handelt, lebt dahin und ist sich nicht all der Dinge bewusst, die sie bedrängen, unglaublich bedrängen, bloß der Tatsache, dass etwas mit ihr nicht stimmt, und sie anders ist als der Rest. Während all ihrer Erzählungen wahrt sie eine große Distanz zu den Geschehnissen, den Charakteren und sogar zu sich selbst, und behandelt sowohl sich selbst, also auch ihre ganzes Umfeld und alle Geschehnisse um sie herum mit einer seltsamen Gefühlsstarre, Gleichgültigkeit, beinahe schon Ignoranz.

Das Schwimmen ist das einzige was Philomena am Leben festhalten lässt und ihr einen Sinn und gewissen Schutz schenkt, während ihre Familie zu Grunde geht und sie als Sportlerin in schwindelnde Höhen aufsteigt. Je mehr sie erreicht, desto mehr bröckelt es in ihrem Inneren, doch darüber denkt sie nicht nach und davon erzählt sie nicht, stattdessen hält sie den Blick betont nach außen gerichtet. Während in ihrer Jugend das Schicksal in ihrer Familie zuschlägt, muss man als Leser aktiv werden, um zu verstehen, was genau geschieht, weil Philomena selbst nicht ausspricht, was um sie geschieht; dass ihre Schwester an Krebs leidet und ihre Eltern nicht mit dieser Situation umzugehen wissen.

Philomena kann ihre Gefühle nicht ausdrücken, umschreibt sie stets sehr verfremdet; „ich explodierte“, und weiß mit ihnen nicht umzugehen, darum schließt sie sie aus ihrem Leben aus, so wie den Rest der Welt, und vereinsamt mehr und mehr. Egal was geschieht, Philomena fühlt sich stets unzugehörig und fehl am Platz.
Das Ziel eines jedem im Leben, so behauptet sie selbst, ist sich treiben zu lassen, und eben darin versagt sie, nachdem sie gezwungen ist die Schwimmhaube an den Nagel zu hängen. Obgleich sie darüber schweigt wird sie stets von ihrer Vergangenheit, von den Toten, verfolgt, kann nicht loslassen - und sich nicht im Leben treiben lassen.
Die Widergabe der Ereignisse ist stets sehr selektiv, teilweise seltsam verschroben und verzerrt, sarkastisch und immerzu durch eine starke Distanz der Erzählerin geprägt. Philomena entlarvt alle Illusionen, die man über das Leben haben kann, sieht stets die Hässlichkeit hinter jeder schönen Fassade.

Das Buch beschreibt eine junge Frau auf einer Irrfahrt durchs Leben und endet schließlich mit einem Schritt ins Ungewisse. Wir erfahren nicht wie das Leben von Philomena weitergeht, nachdem sie aus Paris zurückgekehrt ist, wo sie die Monate der Depression nach ihrem Karriereende verbracht hat, jedoch wissen wir, dass sie ihrer Vergangenheit ins Auge gesehen und begonnen hat loszulassen, und sich zum ersten Mal einer neuen, völlig anderen Zukunft öffnet. Der Leser erhält kein Happy End, doch eine Botschaft der Hoffnung.

„Schwimmen“ ist ein besonderer Roman; faszinierend, aufwühlend, und zugleich sehr realistisch, kein Buch, dass sich als leichte Kost und Stradlektüre eignet, nichtsdestotrotz, oder vielleicht gerade deshalb wunderbar und absolut empfehlenswert.


Rent (Collector's Edition, 2 DVDs, OmU)
Rent (Collector's Edition, 2 DVDs, OmU)
DVD ~ Rosario Dawson

5.0 von 5 Sternen We don't own anything - we rent!, 20. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Rent (Collector's Edition, 2 DVDs, OmU) (DVD)
Die Miete, die das Leben und die Welt bedeutet.

La Bohème anno 1989, East Village New York, voller Farben, Leere, Trauer, Witz, Hoffnung, Verzweiflung, Furcht, Gesellschaftskritik, Tragik und Lebensfreude! Ein Portrait des Lebens von sieben hungrigen, erfolg- und orientierungslosen Künstlern, das ebenso unsicher ist wie die jährliche Miete (Rent)!

Fälschlicherweise oft auf seine Aidsthematik beschränkt, behandelt Rent zahlreiche Probleme, die unsere Zeit ausmachen; „living and dying in America at the end oft he Millenium“; Isolation und Einsamkeit, Liebe und Verlust, Zukunftsangst, Armut, Revolte, Drogenkonsum, Inspirationslosigkeit, Individualität, Sexualität, Bedeutungslosigkeit, Desintegration, die Miete, die das Leben ist… und die alle durch Freundschaft, Liebe und Respekt, wenn nicht gelöst, zumindest gelindert werden können.

Vor allem geht es um den Konflikt zwischen Angst und Liebe; die Frage, ob man lieben sollte, wenn man ohnehin verlieren wird – so wie die beiden unproduktiven Künstler und Wohnungsgenossen Marc und Roger, von denen erster von seiner flatterhaften Freundin Maureen und bald auch von seinen todkranken Freunden verlassen, einer Zukunft in Einsamkeit entgegen sieht; und zweiter nach seiner Vergangenheit als Junkie, der Infektion mit HIV und dem darauffolgendem Freitod seiner Freundin April, völlig vom Leben und allem was es ausmacht isoliert, in eine Mansarde zurückgezogen auf den erlösenden Tod wartet. Ihre Leben ändern sich schließlich am Weihnachtstag 1989, als der befreundete Philosophieprofessor Collins, sowie der schillernde Angel, ein transsexueller Street Drummer, und die Bartänzerin Mimi dazukommen. Mit ihnen, Maureen und ihrer Lebensgefährtin Joanne bilden sie bald eine Gruppe, in der sie Freundschaft, Respekt und Vertrauen finden, und das in einer Zeit der Isolierung, in der man niemandem trauen zu können scheint, nicht einmal dem eigenen Immunsystem. Gemeinsam erleben sie ein Jahr, in dem Trauer und Glück, Leben und Tod, Liebe und Verlust Hand in Hand gehen, denn die harmonische Gemeinschaft wird stets bedroht von Angst, Misstrauen, Eifersucht, Schmerz, Drogen und Krankheit, denn vier der sieben Charaktere leiden an AIDS und leben jeden Tag wie ihren letzten.

Trotz seiner ernsten Thematik, überwiegen in dem Musical schließlich die Hoffnung und Lebensfreude, oder eher ein gewisser Trotz gegenüber dem Schicksal, was das Ende entschuldigt, das ich zunächst ziemlich gemischte Gefühlen in mir hevrorrief, und das als eine der größten Abweichungen von der Grundlage „La Bohème“ zu vermerken ist. Jedoch, wie hätte man die lebensbejahende Aussage, die anstelle der hilflosen Schicksalsergebenheit getreten ist, unterstreichen können, hätte das Musical ebenfalls mit dem Schrei nach der toten Mimi geendet?

Die Aufmachung des Films, die Orte, die Kostüme, unterstützen die zwiespältige, emotionale Färbung; das East Village von New York ist grau und unfreundlich, zugleich aber auch bunt und schillernd, ebenso die durch die Miete bedrohte Wohnung, die zwar ein wenig karg und düster ist, doch zugleich unverkennbar die traute Behaglichkeit eines Zuhauses ausstrahlt.
Mit diesem Film liegt – ausnahmsweise – eine Musicalverfilmung vor, bei der nicht aus Vermarktungsgründen irgendwelchen Sternchen schnell ein paar Noten beigebracht, sondern die Rollen in den meisten Fällen an die Sänger der Originalbühnenbesetzung vergeben wurden, was positiv gegenüber Filmen wie „The Phantom oft he Opera“ oder „Les Miserables“ hervorsticht. Endlich kann man ein Musical auf der Mattscheibe genießen ohne sich über die Besetzung ereifern zu müssen und sich stattdessen von den wunderbaren Liedern berauschen lassen.

Ein Wertmutstropfen bleibt jedoch die Wahl der Szenen, die der Länge der Films zu Opfer gefallen herausgeschnitten wurden; „Halloween“ und allen voran natürlich „Goodbye Love“, eine der Schlüsselszenen des ganzes Stücks, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

Dennoch ist Rent ein sehr gelungener, farbenfroher Musicalfilm, der sowohl im komischen als auch im tragischen seinen Zuschauer bestens unterhält, und der nicht mehr loslässt. Er gibt einfühlsam das ebenso tragische wie magische Leben einer Gruppe ebenso schillernder wie liebenswerter Charaktere wieder, die mit den Problemen ihrer Zeit kämpfen müssen, herbe Verluste erleiden und sich dennoch nicht unterkriegen lassen. Die Geschichte lehrt die Wichtigkeit Angst zu besiegen und ein gefährdetes Leben oder Glück nur umso intensiver ausleben - „at least I have tangoed at all!“


Jane Austen's Emma (2 Disc Set)
Jane Austen's Emma (2 Disc Set)
DVD ~ Kate Beckinsale

3.0 von 5 Sternen Knightley als greiser Schützer der Hühnchen und Glucken? - Badly done indeed!, 8. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Jane Austen's Emma (2 Disc Set) (DVD)
Mit großem Bedauern muss ich verkünden, dass diese Verfilmung der BBC nicht nur von dem Nesthäkchen der Verfilmungen; der Neuauflage von 2009, sondern sogar von der Stiefschwester aus Hollywood übertroffen wird! Diese Verfilmung schafft es von allen dreien am wenigsten dem Roman von Jane Austen und ihren Charakteren gerecht zu werden!

Als langjährige Bewunderin von Jane Austen, habe ich schließlich Emma zu meinem Favoriten unter ihren Romanen und ihre Helden als meine Lieblingscharaktere aus ihrer Fülle an amüsanten und liebenswerten Figuren auserkoren. Miss Woodhouse, die Heldin, von der Jane Austen glaubte, niemand werde sie jemals mögen, unterscheidet sich von den anderen berühmten Damen aus der Feder Austens, da sie eigensinniger, selbstsüchtiger und arroganter auftritt als eine Fanny Price oder Elinor Dashwood. In Emma wird die Heldin durch einen Irrgarten geschickt und verläuft sich, voller Überzeugung sicher auf dem richtigen Weg zu sein, unzählige Male fatal. Ähnlich wie Puck im Sommernachtstraum vertauscht sie einige Dinge als sie versucht Armors Aufgaben zu übernehmen und stiftet allerhand Verwirrung und Herzschmerz, bis am Ende dann schließlich doch alle glücklich sein dürfen. Wie bei Jane Austen üblich muss Emma Woodhouse schließlich auch auf die Nase fallen, wird jedoch nicht langhaltig bestraft, sondern darf nach einer kleinen Lektion doch noch unverhofft ihr Glück finden.

Ein Aspekt des Buches, den ich besonders liebe, ist das geschickte Verwirrspiel der Charaktere und ihrer wahren Gefühle, Beziehungen und Schicksale, in dem sich Emma immer wieder verheddert und die Tatsache, dass man als Leser Emmas Urteil gut nachvollziehen konnte, obgleich alles immer anders kam als man erwartete. In dieser Verfilmung wurde die Handlung stark vereinfacht und abgeflacht, so dass manche Irrungen und Wirrungen unverständlich werden, oder gar ausbleiben – Emmas zwischenzeitliche Überzeugung von Harriets Zuneigung zu Frank Churchill wurde beispielsweise vollkommen eliminiert; stattdessen ermutigt sie Harriet tatsächlich offen dazu, sich um Knightleys Aufmerksamkeit zu bemühen (eine Handlung, die für Emma undenkbar gewesen wäre; so viel Mister Martin ihr zu niedrig für ihre Freundin gewesen wäre, so viel ist Knightley ihr viel zu erhaben für dieselbe) und dann eines schönen Tages fällt dann ohne jeden ersichtlichen Auslöser bei ihr der Grosche, dass sie diese Verbindung ablehnt und stattdessen lieber selbst an Harriets Stelle stehen möchte, was ihr einen sehr flatterhaft und schwankenden Charakter aufdrückt, den Emma in dieser Form ganz und gar nicht besitzt! Zugleich aber ist sie sich aber widersinniger weise sofort über ihre Gefühle gegenüber Frank Churchill im klaren…
Die Darstellung der Hauptcharaktere ist leider ähnlich misslungen wie Emmas Versuche als Heiratsvermittlerin, nicht nur die gerade genannte Änderung erschwert es dem Zuschauer die Titelheldin zu mögen, vielmehr ist ihr ganzes Gemüt hauptsächlich von Arroganz und Abgehobenheit gezeichnet und entbehrt der Liebenswürdigkeit und dem Charme, der jeden anderen in Hartfield bezaubert. Ihre fröhliche, beschwingte Natur und die Fürsorge zu ihrem schwierigen Vater sind nicht zu finden.

Ähnlich enttäuschend war Mister Knightley, eigentlich einer meiner liebsten Austen-Helden, dessen Humor in dieser Verfilmung völlig übersehen wird, und aus dem man statt eines freundlichen, bodenständigen und ziemlich ironischen Gentlemans einen grimmigen, griesgrämigen Moralapostel werden ließ, der zudem die Frage aufkommen lässt, wie manche Menschen bloß auf die Idee kommen, dass man mit dem Überschreiten der 35 schon in die Liga der Senioren eintritt!!

Schlimm ist auch einmal wieder die gerne misslungene Darstellung der Harriet Smith, die einmal wieder wie ein völlig sinn- und verstandloses Hühnchen wirkt, dass keinen klaren Gedanken fassen kann. Im Roman ist Harriet ein unschuldiges, unsicheres und naives Kind, das sich gänzlich von der weisen, wunderbaren, erhabenen Miss Woodhouse leiten lässt. In dieser Verfilmung ist sie zwar besser getroffen als in jener aus dem Jahre 1997, dennoch fragt man sich was an ihr Emma so von ihr eingenommen sein lässt. Der so viel gepriesene strahlende Charme ist blasser als ihr Teint!

Alles in allem ist der Film eine extrem grobe Nachzeichnung des Romans, sowohl Handlung als auch Charaktere sind ihrer Komplexität beraubt und stark vereinfach, beinahe auf nur eine einzige Eigenschaft beschränkt. Die Handlung wird so grob und oberflächlich behandelt, als hätten die Macher einfach keine Lust gehabt und den Film schnellstmöglich beenden wollen. Dadurch verliert der Film an der Raffinesse und Ironie, die das Buch zu einem typischen Werk Jane Austens und zudem einem sehr großen Genuss machen.

Wer, wie ich, das Buch liebt, dem empfehle ich die BBC-Produktion von 2009 mit Romola Garai und Johnny Lee Miller, die zwar als „moderne“ Verfilmung einen etwas lockereren Umgang mit den Details der Zeit pflegt, es jedoch schafft die Handlung detailliert und angemessen wiederzugeben, sowie die den Charakteren und dem Stil und der Atmosphäre der Romanvorlage gerecht zu werden! Doch selbst die Hollywood-Verfilmung mit Gwyneth Patrow hat mehr von Jane Austen und trifft die Charaktere (abgesehen von Harriet) besser als diese. Von BBC ist man mehr gewohnt!


Doctor Who - Die komplette erste Staffel [5 DVDs]
Doctor Who - Die komplette erste Staffel [5 DVDs]
DVD ~ John Barrowman

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eigentlich mag ich ja keine Filme mit Aliens, aber...., 8. September 2013
aber gegen den Charme dieser Serie kann selbst ich einfach nicht immun bleiben!
Die niemals endende Geschichte des einsamen, von Krieg und Verlusten gezeichneten Mannes, der in einer blauen Telefonzelle (die Innen größer ist als außen!) durch alle Zeit und alle Galaxien reist, immer dorthin wo „ein Doctor“ von Nöten ist, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Anstelle richtiger Waffen hat dieser Time-and-Space-Robin-Hood nur einen Schraubenzieher in seinem Köcher um sich als Schützer der Witwen und Waisen zu betätigen und, trotz dann und wann scharfer Zunge und schroffem Gemüt, die Herzen seiner Zuschauer zu treffen. Und derer, die ihm auf dem Weg begegnen, oder ihn begleiten. So wie die 881 Jahre jüngere Rose, die sich der Armseligkeit ihres Lebens zuvor gar nicht bewusst war…

Offenbar lieben sie es die Welt zu retten, der Doctor und seine Companions. Und offenbar ist der Doctor einer der tragischsten Charaktere der Fernsehgeschichte; als letzter Überlebender einer einst übermächtigen Rasse, die in einem apokalyptischen Krieg untergegangen ist, der nun ein beinahe endloses Leben damit verbringt Welten zu retten und Menschen das Universum zu zeigen, bis er sich eines Tages wieder von ihnen trennen müssen – und das nur selten durch eine natürliche, dafür aber immer öfters auf eine immer tragischere Weise.

Soweit das Zeitreisendengarn, das die BBC munter mit bekannten Gesichtern und mehr oder weniger glaubwürdigen, doch immer unterhaltsamen Geschichten weiter und weiter spinnt. Was mich, nach langen Momenten des Schwankens zwischen begeisterter Zu- und angewiderter Abneigung gegen Dinge wie fette, babyhafte, stinkende, glupschäugige „Slythens“ oder hirnlos und mechanisch (und dabei extrem enervierend) „extaminate“ quäkende Daleks, schließlich dazu bewog die Serie in mein einziges Menschenherz zu schließen war wohl vor allem der Humor, dem ich mich einfach nicht widersetzen konnte. Die unverkennbare Britische Skurrilität, gewürzt mit ein paar ironischen Körnchen Alltag 20. Jahrhundert und einer gewissen Selbstironie ließ mich schließlich, zwischen Verachtung und Verzücken schwankend, auf die Seite derer wechseln, die sich stets beim Anblick eines Schraubenziehers sagen „Wow, this could be a little more sonic!“

Ein wichtiger Faktor, der mich auf jene Seite zog war außerdem der Doctor, in dieser ersten Staffel, und insgesamt leider viel zu kurz, dargestellt von Christopher Eccleston als neunte Inkarnation des langlebigen Timelords mit der Bürde von 900 Jahren Weltrettung und der Auslöschung seiner eigenen Rasse auf den Schultern, und dennoch gesegnet mit einem herrlich dunklem, sarkastischen Humor, der immer wieder hervorbricht, wenn er einem Feind entgegen trifft, oder er sich einmal wieder gerne über die Dummheit der kleinen, unfähigen Menschen, alias „stupid apes“ auslässt. Obgleich dieser Doctor eine sehr ausgeprägte dunkle Seite aufzuweisen hat, ist es dennoch unmöglich zu übersehen, dass zwei unglaublich gute Herzen in seiner Brust schlagen und ihm stets Gerechtigkeit und das wohl der Schwachen am Herzen liegen.

Dann tropft auch bald schon neben der farbenfrohen Darstellung ferner, fremder Welten auch der erste Tropfen Wehmut in die Geschichte, wenn man über den Time War und seine Folgen, sowie das einsame Schicksal des noblen "Weltraumpolizisten“ aufgeklärt wird. Zugeleich gewinne die Beziehungen zu seinen Companions, insbesondere die Freundschaft zu Rose an Gewicht und lassen enthüllen eine weniger einfachgestrickte und oberflächliche Unterhaltungsserie als sich zu Beginn vermuten ließ.
Mit Rose wurde eine Figur erschaffen, der ebenso ahnungslos und unentschieden über den Doctor und seine Welt ist wie der Zuschauer, der neu in die Serie einsteigt, und nach und nach die Reisen und Abenteuer und den Doctor zu schätzen lernt, und sich und ihr Leben von ihm verändern lässt. Die simple, doch angenehme Einfachheit ihres Charakters, sowie ihre Heiterkeit und jugendliche Naivität bilden einen Gegensatz und eine wunderbare Ergänzung zu dem Timelord.

Positiv zu erwähnen ist außerdem noch unbedingt die Musik von Murray Gold; die zu Beginn tatsächlich der gewichtigste Grund war weshalb ich bei dem Wort Alien nicht schon sofort ausgeschaltet habe! Die jeweiligen Themen für die Hauptcharaktere spiegeln wunderbar deren Persönlichkeiten wieder, insbesondere das Thema des Doctors ist einprägsam und vermittelt ein Gefühl der Fremde, sowie etwas Geheimnisvolles und sehr Trauriges.

Selbst wenn man die zwanzig Jahre der ursprünglichen Serie nie zu Gesicht bekommen hat kann man doch gleich den Kultcharakter dieses Streifens verstehen. Doctor Who verbindet Fantastisches mit Realität, Humor mit Tragik und Helden mit Verbrechern und beweist sich damit als nicht nur amüsante, sondern sehr vielschichtige Serie – auch wenn manche Geschichten und manche Monster noch immer bewirken, dass sich mir entgeistert die Zehennägel hochrollen!

Wer sich mit der Realität und Normalität nicht so sonderlich gut steht, skurrilen und irren Humor verträgt und ein Freund Britischer Fernsehkunst ist wird diese Serie trotz all ihrer gravierenden Fehler lieben und sollte sich auf gar keinen Fall die menschenfressenden Mülltonnen, mörderischen Fernsehnshows, Union-Flag-Shirts mitten im Deutschen Luftangriff auf London, und „Mommy“ schreienden, Gasmasken-gesichtigen Lazarettinsassen verpassen! Und selbst für Menschen die sich für gewöhnlich von Fantasy-Science-Fiction und Aliens fernhalten, hat die Series durchaus ihren Reiz!

Doch vor dem Ende noch eines: Finger, bzw Ohren weg von der deutschen Synchronisation!!


Broadchurch [UK Import] [3 DVDs]
Broadchurch [UK Import] [3 DVDs]
DVD ~ David Tennant
Preis: EUR 16,37

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen A Grrrrrrrey World, 20. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Broadchurch [UK Import] [3 DVDs] (DVD)
Eindringliche und intensive Serie mit einem etwas enttäuschenden Ende.

Broadchurch ist eine beschauliche Kleinstadt in Dorset, in der das harmonische, ruhige Leben der Bewohner mit dem Auftreten zweier Dinge endet; dem Fund einer Jungenleiche am Strand, und der Ankunft von D.I. Hardy, der niemandem traut und alles in Frage stellt. Nicht nur für die Familie des elfjährigen Danny Latimer, sondern für die ganze Stadt verändert sich die Welt. Es ist klar, einer aus der Stadt, einer aus dem Kreis der vorgestellten Charaktere ist der Täter. Im Laufe der acht Episoden geraten zahlreiche Personen unter Verdacht und enthüllen dunkle Geheimnisse, bevor schließlich die Wahrheit aufgedeckt werden kann.
Entgegen vieler Krimis steht in dieser Serie tatsächlich nicht der Mordfall an sich im Mittelpunkt, sondern die Auswirkungen des Verbrechens auf die Gemeinschaft einer friedlichen Kleinstadt, die bisher von gegenseitigem Vertrauen bestimmt war. Mit psychologischem Feingefühl werden die Brutalität des Geschehens und die Wunden, die es in den betroffenen Menschen zurücklässt dargestellt. Das Fundament der Tragödie ist verletztes Vertrauen und es zieht sich durch die ganze Serie und sämtliche Geschichten der Charaktere.

Bald schon ist klar, dass es keine klaren und einfachen Antworten auf das Verbrechen gibt, keine „Scapegoats and Bogeymen“. Es ist nicht einfach zu unterscheiden, wem man vertrauen und wen man verurteilen oder bedauern soll. Die ganze Stadt ist in grau gekleidet, nichts ist schwarz, nichts weiß; nichts ist so wie es scheint, nicht einmal die Hauptcharaktere. Nicht die guten Freunde, die trauernden Bekannten, fürsorglichen Familienväter, zwielichtigen Gestalten; nicht der misstrauische Inspektor, der mit seiner Art und seinem Handeln scheinbar die ganze Stadt und die Beziehung der Bewohner untereinander vergiftet, aber letztlich dennoch tatsächlich die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Nicht einmal das Opfer selbst ist ganz so wie man bisher glaubte.

Insbesondere die zunächst etwas unverblümte, aber sympathische Polizistin Ellie Miller erlebt im Laufe der Geschichte eine starke Wandlung. Nachdem sie zu Beginn freundlich und zuvorkommend, vor allem aber voll unerschütterlichen Vertrauens in ihre Stadt und Freunde ist, zeigt der Einfluss der Geschehnisse, sowie des von ihr wie von jedem anderen bald verhassten Detective Inspector Alec Hardy deutliche Spuren in ihrem Verhalten. Dieser versucht sie von jener These zu überzeugen, die die Problematik der Serie zusammenfasst; jeder ist unter passenden Umständen zu einem Mord fähig! Es kann jeder sein, man kann in niemanden hineinsehen! Dies bestätigen die vielen erschreckenden oder dramatischen Geheimnisse, die die Stadt bewohnen. Mit ihr, Ellie, verändert sich auch die Stadt, Zorn und Misstrauen entzweien die Bewohner, die Suche nach Antworten fällt immer schwerer, weil alles in grau gefärbt ist.

Die Serie ist atmosphärisch dicht und zieht den Zuschauer in einen Sog, die Psychologie der Charaktere, sowie die verschiedenen Schicksale sind eindringlich und bewegend geschildert. Leider verliert die letzte Episode all die Intensität der vorhergegangenen sieben Folgen und liefert eine Lösung, die sich zwar in die Thematik und das Schema der Serie einfügt, weil es die zuvor genannten Thesen beweist und die Problematik des verletzten Vertrauens wieder aufgreift, jedoch wirkt sie plötzlich ungewöhnlich stumpf und schafft es nicht das feine, subtile Grauen und die Anspannung zu vermitteln, die die Ungewissheit, das Grau verursacht hatten. Zudem bleiben noch immer einige Fragen unbeantwortet und lassen den Zuschauer leicht unzufrieden zurück (als die Episode zu Ende war wollte ich noch immer gerne wissen woher Hardys Furcht vor Wasser rührte, doch diese Information blieb mir verwehrt).

Die Schauspieler und Schauplätze sind sehr gut gewählt, die Stadt sowie die Charaktere wirken sehr real. Die Musik und Art und Weise wie Charaktere und Geschehnisse in Szene gesetzt werden ist sehr gelungen, ebenso die stückweise Annäherung an die Enthüllung der Ereignisse in der Mordnacht. Obgleich auch hier wieder, wie in den meisten Britischen Produktionen der Anschein eines Familienfestes vermittelt wird, durch das Widersehen mit sämtlichen wohlbekannten Gesichtern aus vorhergegangenen Produktionen, waren die Personen in ihren Rollen tatsächlich vollkommen glaubhaft. Es war einfach Arthur Darvill bei seinen Predigten als Reverend Paul zu lauschen ohne zu erwarten, dass er in die Tardis zurückgerufen würde, um Amy Pond zu retten, und auch nichts an David Tennant gab ihn als den Doctor zu erkennen, statt dessen freudiger Ausgelassenheit und herzlicher Freundlichkeit zeichnet er sich hier durch eine resignierte Gleichgültigkeit gegenüber anderen, eine alles umfassende, tief empfundene Bitterkeit über die ganze Welt, sowie eine sture, beinahe verzweifelte Entschlossenheit aus. Niemand wollte mit Alec Hardy auf Zeitreise gehen! Dabei war ich allerdings erfreut zu sehen, oder vielmehr zu hören, dass es ihm ausnahmsweise einmal erlaubt war in einer Rolle schottisch zu sprechen.

Alles in allem ist Broadchurch eine sehr gute Serie, die sensibel und aufrüttelnd die Veränderung einer Familie und einer Stadt aufzeigt, die durch einen schrecklichen Mord erschüttert wurde. Sie zeigt die Auswirkungen auf das Miteinander, die Entzweiung, die Opfer und schließlich Anfänge einer Heilung und ist dabei eindrucksvoll realistisch. Dominant ist die Thematik von verletztem Vertrauen, dem Verlust eines Kindes und die Schwierigkeit in einer grauen Welt richtig zu urteilen. Leider verliert die letzte Episode eben jene Intensität und Anspannung, die in den vorhergegangenen Folgen aufgebaut wurde, und lässt den Zuschauer etwas enttäuscht zurück. Das Ende untermalt den Gedanken der Welt, die in Grautönen gekleidet ist und streut einen moralischen Appell aus, eine Gemeinschaft zu sein, zu vertrauen, seinen Nächsten zu sehen, sich um einander zu kümmern, um in einer grauen Welt dennoch zu überleben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 26, 2013 10:08 AM MEST


Das Haus zur besonderen Verwendung: Roman
Das Haus zur besonderen Verwendung: Roman
von John Boyne
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Pfefferminztee statt Wodga, 17. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit „Das Haus zur besonderen Verwendung“ versprach mir die Times "Ein aufwühlendes, atemberaubendes Epos über das Schicksal des letzten russischen Zaren und seiner Familie."

Einen Ausflug in die märchenhafte Welt des zwischen Pracht und Grausamkeit tanzenden Russlands der Zaren, einen Besuch bei der verehrten, erlauchten Familie von Nikolaus II, den Genuss einer unmöglichen Liebe, die Mysterien und Grausamkeiten der Revolution…
Doch wer dies alles erwartet, muss leider enttäuscht werden. „Das Haus zur besonderen Verwendung“ ist eine ganz nette Geschichte über den Lebensweg eines alten Ehepaares, doch mehr auch nicht. Denn anstelle der versprochenen Erzählung von dem Bauernjungen, der sich mit dem Zarewitsch anfreundet und sich in die Zarentochter Anastasia verliebt, erfährt man viel mehr über Georgis Arbeit in einer Londoner Bibliothek, über Filme, die er mit seiner Frau ansieht, ihre Tochter und ihren Enkelsohn, die Krönung der Queen Elizabeth II, und Menschen, die ihnen auf ihrem Lebensweg begegnen, sowie die Depressionen und Suizidversuche der überlebenden Prinzessin.
Die ganze Zeit über scheint der Roman eher Stew als Schtschi, eher etwas dünner Pfefferminztee als Wodga; der mystische Zauber des Zarenreiches ist nicht zu verspüren; seine Faszination bleibt dem Leser verborgen, ebenso die Exzentrik des Lebens am Hof der Romanows, die Schönheit und Grausamkeit ihrer Epoche mit ihren rauschenden Festen und Blutbädern; die Geschichte und die Charaktere sind viel mehr englisch als russisch, bleiben oft eher blass und schemenhaft und verwehren dem Leser ein Gefühl der Authentizität wenn er in eine fremde, vergangene Zeit und Kultur eintaucht.

Fungierten Boyne’s schlichte, einfache Sprache, das Verschweigen mancher Dinge und die damit verbundene ‚Entfremdung‘ von dem zentralen Thema in „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ als sehr wirksame Waffen auf den Leser, so erscheinen sie hier viel eher fehl am Platz. Teilweise ist es frustrierend wie einfach der Autor es sich macht, historische Themen abzuhandeln oder wichtige Geschehnisse der russischen Geschichte unverfänglich zu umschiffen. Man sieht die Revolution, den Hass, das Elend, die Gefahr nicht wachsen und reifen; sie ist irgendwann einfach geschehen…
Selbst Rasputins finstere, mystische Faszination ist nur äußerst schwerlich zu erfassen, seine Rolle und sein Handeln am Hof werden verkürzt und recht ungesalzen abgehandelt.
Einige Enthüllungen und Wendungen sind sehr vorhersehbar, bereits nach wenigen Kapiteln ist Sojas Geschichte offensichtlich, und auch die Geschichte um die Großfürstin Maria Romanowa überrascht nicht im Geringsten.

Des Weiteren wirkt es ein wenig banal wenn sich die Jugendlichen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ebenso ausdrücken, verhalten, ebenso denken, urteilen und träumen wie in unserer Gegenwart („sie hatten schon seit Monaten etwas miteinander“?). Die Tragik und Unmöglichkeit der Liebe zwischen Georgi und Anastasia muss immer wieder erklärt und zurück ins Gedächtnis gerufen werden, denn leider ist es dem Leser nicht möglich sich in die Konventionen jener Zeit einzufinden.
Diese Liebe, die das Herzstück des Romans sein sollte war es allerdings, die mich neben den nur rar gesäten geschichtlichen Elementen, am meisten enttäuscht hat.
Es bleibt bis zum Ende hin ein Rätsel was es nun eigentlich ist, was Georgi und seine Frau ein Leben lang zusammenhält; die Bande, die sich zwischen ihnen knüpfen als Georgi sein Leben im Winterpalais beginnt, erscheinen als simple, oberflächliche Schwärmerei zweier Teenager; die wunderschöne Prinzessin, der gutaussehende Leibwächter; die sich nie erkennbar zu etwas tieferem entwickelt. Nur wird sich bei jeder Gelegenheit geküsst, ewige Liebe geschworen und dann immer wieder betrübt betont, dass sie keine Zukunft haben und niemals heiraten können werden.
Georgi beobachtet sie und gedenkt dann und wann ihrer Schönheit, leider erfahren wir nie was es ist was sie für ihn so schön macht und weshalb die beiden sich überhaupt in einander verliebt haben.
Die Liebe der beiden Protagonisten zeigt ebenso wenig Entwicklung und ebenso viel Blässe wie die Charaktere selbst und wie die Behandlung der geschichtlichen Ereignisse.

Darum schafft der Roman auch nicht mich mit der Geschichte die er erzählt zu berühren. Es gibt nur wenige Momente wie jenen in dem Georgi und Anastasia zum letzten Mal das Winterpalais besuchen, die ein klein wenig den Zauber versprühen, der zu Beginn des Buches angedeutet wurde, doch dann niemals aufzufinden war.
„Das Haus zur besonderen Verwendung“ ist eine Sammlung von Geschichten aus dem Leben eines alten Mannes, doch leider weder ein geschichtliches Epos über die letzte Zarenfamilie, noch ein bewegender Liebesroman, es ist eine nette, angenehme Geschichte, die sich leicht lesen und leicht verdauen lässt, mehr allerdings leider nicht!
Sie ist eine angenehm temperierte Tasse nicht zu starker Pfefferminztee, deren Verzehr niemals zu dem Rausch und Kater des Wodgas führen wird!


Seite: 1 | 2