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5.0 von 5 Sternen
Achtung deutsche Lehrbuch Autoren: Ihr habt was zu lernen!, 6. Mai 2010
Nachdem ein Prof uns geraten hat, mal in ein englisches Mathe-Lehrbuch zu schauen, fand ich die Aufforderung etwas merkwürdig. Es gibt nämlich mehrere, gut bewertete deutsche Lehrbücher - Papula ist beliebt, und der Schinken von Tilo Arens et al ist auch sehr umfangreich und reich mit farbigen Abbildungen, wenn doch etwas teuer (vor allem wenn man das Aufgabenbuch sowohl wie das Lösungsbuch haben will!)
Jedoch hatte ich schon immer Schwierigkeiten mit der Mathematik, und die Annahme, ich würde alle Einzelheiten gleich kapieren führte wohl dazu, dass immer größere Lücken entstanden sind, die nach und nach das Verständnis der komplexeren Konzepte die für ein Ingenieurstudium üblich sind deutlich erschwerten.
Also habe ich etwas recherchiert und kam auf "Engineering Mathematics" von K.A. Stroud. Es wurde von vielen britischen Studenten, mit denen ich kommuniziert habe, hochlobend empfohlen. Der Preis entspricht dem Mittelwert für solche Bücher, aber das trügt, denn Stroud enthält all den Stoff, was man in *drei* Bändern des Papula kriegt, was locker einen Hunderter kosten würde.
Aber die Leistung! JETZT verstehe ich, wieso alle schwärmen! Die Autoren nehmen so gut wie gar keine Vorkenntnisse an, und das Buch ist übersichtlich und modular gestaltet. Zentral ist das pädagogische Konzept des "Programme", (Themenbereich, z.B. Arithmetik, oder Differenzialrechnung). Der Stoff wird dann in "Frames" aufgeteilt, die dann mit Übungen abwechseln, z.B.:
Frame 1: Rechenregel: Jede zahl hoch 1 ist gleich sich selbst. [Hier kommt ein Beispiel, mit Beweis]. Also ist 99 hoch 1... (nächster Frame)
Frame 2: [ 99 ] weil... [dann die Begründung, anders ausgedrückt]. Jetzt die Multiplikationsregel der Potenzen... [usw]
Man soll also immer den nächsten Frame verdeckt halten, und möglichst selbst auf die Lösung kommen. Nach einigen Frames werden die neu erworbenen Konzepte dann gründlich geprüft durch Übungsaufgaben, deren ausführlichen Lösungen direkt darauf folgen.
Das bedeutet letztendlich, dass überhaupt keine Wissenslücken entstehen können, denn das Verständnis jedes einzelne Konzept wird direkt geprüft. Hat man was nicht kapiert, kann man es genau dann wiederholen. Jedes Programme endet mit einer Mini-Klausur; es gibt dennoch zusätzliche Übungsaufgaben, falls benötigt.
Super toll ist auch der Verzicht auf unverständliche, komplizierte mathematische Notation. Korrekte Notation wird schrittweise eingeführt, so dass sie nicht die Verständlichkeit beeinträchtigt.
Für das Selbststudium absolut unverzichtbar, obwohl es auf Englisch ist!