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birddog

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Entscheidung über England. Die Luftschlacht 1940 - Hitlers erste Niederlage.
Entscheidung über England. Die Luftschlacht 1940 - Hitlers erste Niederlage.
von Alexander MacKee
  Broschiert

3.0 von 5 Sternen Passabler Bericht, 28. Juli 2014
Ob es sich bei Alexander McGees Buch um die "erste authentische Darstellung der Luftschlacht um England" (Einbandrückseite) handelt, kann ich nicht beurteilen. Verlage neigen in der Werbung für ihre Publikationen oftmals zu Übertreibungen. Adolf Galland spricht in seinem Vorwort zu "Entscheidung über England" von einem Werk, "das nicht anklagt oder richtet, sondern das Geschehen aus sich selbst heraus zur Darstellung bringt" (S. 9). Lassen wir das einfach einmal so stehen. Fakt ist, dass McKee im Laufe seiner lebhaften Schilderung der Ereignisse im Spätsommer 1940 immer wieder zu prägnanten Thesen kommt. So bringt er gleich zu Anfang seines Berichts einen wesentlichen Sachverhalt der Luftschlacht um England auf den Punkt. "Bevor die Bomber bei Tage frei operieren konnten, mußte auf jeden Fall ein Luftkampf vorausgehen, der die feindlichen Jäger schlug und die sogenannte 'Luftüberlegenheit' herstellte". Und weiter: "Dieses Vorbild sollte der beherrschende Faktor in der Reihe jener Operationen sein, die man später die 'Schlacht um England' nannte" (S. 20). Als Ergebnis der Auseinandersetzungen über Englands Himmel hält er fest, dass die Luftwaffe zwar "einen gewissen Grad an Luftüberlegenheit erreicht" hätte. Für eine Invasion Großbritanniens sei das Ausmaß dieser Vorherrschaft jedoch keinesfalls ausreichend gewesen (S. 214). Auch die Belastungen - um ein anderes Beispiel zu nennen -, welchen die deutschen und britischen Jagdflieger ausgesetzt waren, illustriert McKee auf anschauliche Weise (vgl. S. 148f.). Schließlich hat selbst seine Einschätzung der Bedeutung der Luftschlacht um England für den weiteren Kriegsverlauf Hand und Fuss (vgl. S. 222). Freilich lässt sein Band bei allem Bemühen, beide Kontrahenten zu Wort kommen zu lassen, doch eine gewisse pro-britische Haltung des Autors erkennen. Die heroischen Abwehrbemühungen der Briten gegen den deutschen Feind treten allzu oft in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang lässt sich McKee dann auch zu pathetischen Formulierungen hinreißen (vgl. S. 85 u. 222). Zudem zeigt er sich manchmal nicht ganz sattelfest bei gewissen Detailfragen. So gab es auf deutscher Seite kein "2-cm-Maschinengewehr" (S. 117). Vielmehr handelte es sich bei diesem Kaliber um eine Kanone. Nicht das Jagdgeschwader 51 hatte das "Grün-Herz"-Emblem (S. 141), sondern das Jagdgeschwader 54. "Steilte" (S. 100) und "stuckerte" (S. 207) schließlich sind wohl Wortschöpfungen, für die der Übersetzer verantwortlich ist. Zweifellos, so lässt sich festhalten, ist Alexander McKees Bericht über die Luftschlacht über England heutzutage nicht mehr erste Wahl, was das Thema angeht. Als kurzgefasste Einführung über dieses Kapitel der Luftkriegsgeschichte ist das Buch trotz der angeführten Mängel jedoch noch recht brauchbar.


Whips and Roses 2
Whips and Roses 2
Preis: EUR 11,00

3.0 von 5 Sternen Gitarren-Tausendsassa, 27. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Whips and Roses 2 (Audio CD)
"Original various raw recordings" heißt es im Booklet zu den auf "Wips and roses II" von Tommy Bolin enthaltenen Aufnahmen. Für manche der Titel ist das Adjektiv "roh" dann auch wirklich zutreffend. Tommy Bolin war ein außergewöhnlich vielseitiger Gitarrist. Die James Gang, Billy Cobham oder auch Deep Purple waren Stationen auf seinem allzu kurzen Lebensweg. Hardrock, Jazzrock, Latin, Funk, Blues und Boogie, Reggae und Psyachedelic Rock: der Gitarren-Tausendsassa war musikalisch auf vielen Feldern unterwegs. Davon vermitteln die mit Bonustracks insgesamt zwölf Nummern auf "Whips and roses II" einen guten Eindruck. Auf seinem Instrument war Tommy nahezu unvergleichbar. Dass er stimmlich da nicht mithalten konnte, macht die Scheibe ebenfalls deutlich. Bevor ich zur Setlist des Albums komme, noch ein paar Worte zum Booklet. Fotos sind ja gut und schön. Aber als Plattensammler erwarte ich von einer solchen Kompilation mit Alternativersionen bekannter Bolin-Songs sowie bisher unveröffentlichem Material, dass Besetzungsangaben und Aufnahmedaten mitgeliefert werden. Hier herrscht jedoch unverzeihlicherweise totale Fehlanzeige. So weit, so schlecht. Nun aber zur Musik selbst. Unter den zwölf Songs finden sich drei Alternativfassungen von Nummern aus Bolins "Teaser"-Album von 1975: "The grind"; Homeward strut"; "Lotus". Klar, die Songs sind nicht schlecht und Tommy spielt wie immer genial. Freilich neue Erkenntnisse fördern diese Alternativ-Takes nicht zutage. Das jazzrockige, unheimlich treibende und an Tommys Cobham-Phase erinnernde "Crazed fandango" mit tollen Saxophon-Parts ist einer der Höhepunkte des Silberlings. Der eher einfallslos daherkommende Rocker "Sooner or later" mit dem einprägsamen Gesang von Mike Finnigan unterstreicht nur Tommys eher begrenzte vokale Fähigkeiten. Der Longtrack "Bagitblues deluxe" (14:23 Min.) ist das absolute Highlight von "Whips & roses II". Dieser Jam-Song bündelt auf idealtypische Weise die ganze musikalische Stilvielfalt, für die der Name Bolin steht. Einfach nur ganz große Klasse. Bei "Spacey noodles" und "Journey 2" handelt es sich um zwei wenig inspirierte spacig-sphärische Soundmalereien. Die drei Bonustracks sind da von ganz anderem Kaliber, leiden aber unter ihrer unterdurchschnittllichen Tonqualität. "Bolin's boogie" ist ein jazz-angehauchter, fetziger - der Name sagt es schon aus - Boogie. Bei "Tommy's got the blues" demonstriert der Gitarrist, daß er seiner Klampfe eindrucksvoll blaue Töne im Stile von Jimmy Hendrix' "Red house" entlocken kann. Und auch bei der abschließenden Jam "Some people call me" mit einer am Gesangsmikrophon auftrumpfenden Norma Jean Bell wird über weite Strecken dem Blues gehuldigt. "Whips & roses II" bietet somit nicht durchgehend Top-Material. Trotzdem hat Eddy Freiberger recht, wenn er in seiner Besprechung der CD schreibt: "Nicht auszudenken, was da noch alles gekommen wäre, wenn Teufel Heroin ihn", nämlich Tommy Bolin, "nicht vernichtet hätte" (Rock it 6/2006).


Partisanen. Kämpfe hinter den Fronten. ( Moewig Dokumentation).
Partisanen. Kämpfe hinter den Fronten. ( Moewig Dokumentation).
von L. V. Richard
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Guter Überblick, 27. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
L. V. Richard begibt sich in seinem in der Reihe Moewig Dokumentation erschienenen Band auf die Spuren der Partisanenbewegung im Zweiten Weltkrieg. Der Autor versucht zunächst, den Begriff 'Partisan' einzugrenzen und die Motive und Entstehungsbedingungen dieser Kombattanten-Einheiten aufzuzeigen. Sodann schildert er die länderspezifischen Unterschiede im Aufbau der Partisanenbewegungen, deren Taktiken und Vorgehensweisen sowie die Bekämpfungsstrategien ihrer deutschen Gegner. Anschließend beleuchtet Richard die Partisanen-Operationen in den unterschiedlichen europäischen Regionen. Er gelangt zu der Schlußfolgerung, "daß die Partisanen in allen von den Achsenmächten in Europa besetzten Ländern mehr oder minder erfolgreich waren, jedoch ... auf keinem Kriegsschauplatz schlachtentscheidend zu wirken vermochten, obwohl sie als Wegbereiter und Helfer der regulären Truppe zweifellos in einem kaum meßbaren Umfang am Endsieg beteiligt sind" (S. 9). Dieser These kann man sich nur anschließen. Man merkt Richards Ausführungen an, dass er um ein möglichst wirklichkeitsgetreues Bild der Partisanentätigkeit während des Zweiten Weltkrieges bemüht ist. Zudem ist seine Argumentation klar und gut nachvollziehbar. Und auch die Tatsache, dass er von den Kontrahenten gemachte Zahlenangaben zum Partisanenkrieg kritische hinterfragt (vgl. S. 172f.), spricht für den Verfasser. Freilich haben sich in den Text Umstimmigkeiten eingeschlichen. Die von Richards zitierte "Posener Rede" vom 4.10.1943 ist nicht von Hitler gehalten worden (vgl. S. 16), sondern von SS-Chef Heinrich Himmler. Ein solcher Fehler darf in einem solchen Werk eigentlich nicht vorkommen. Ein "Obersturmbannführer" ist nicht gleichbedeutend mit einem "Oberst der Waffen-SS" (S. 165), sondern der Rang entspricht einem Oberstleutnant. Auf S. 105 und 109 finden sich darüber hinaus mißverständliche Formulierungen. Die angesprochenen Ungereimtheiten schmälern zwar die Qualität des Buches etwas. Gleichwohl vermittelt die Publikation einen guten Überblick über die Partisanenbewegungen im Zweiten Weltkrieg.


Live at the BBC
Live at the BBC
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 106,95

3.0 von 5 Sternen Zur Erfolglosigkeit verdammt, 27. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Live at the BBC (Audio CD)
Der richtig große Erfolg ist Mickey Jupp in seiner Musiker-Karriere versagt geblieben. Jupp war mit der Band Legend Mit-Initiator des britischen Pub Rock Anfang der 70er Jahre. Als Songwriter, Gitarrist und Pianist mühte er sich danach redlich. Freilich musizierte er mit seiner Mischung aus Rhythm & Blues und Rock'n Roll, angereichert immer mal wieder mit anderen Musikrichtungen, am Publikumsgeschmack vorbei. Der - wie er auf der Rückseite der CD-Hülle bezeichnet wird - "Godfather of Southend Rock" erreichte nie den Bekanntkeitsgrad des ihm musikalisch artverwandten Dave Edmunds. "Live at the BBC" vermittelt einen Eindruck davon, worin die Gründe für diese Erfolgslosigkeit von Jupp gelegen haben könnten. Die 18 Songs aus vier unterschiedlichen BBC-Mitschnitten zeigen Mickey und seine jeweiligen Band-Kollegen als solide Rhythm & Blues-Handwerker. Freilich mangelt es vielen - nicht allen - der insgesamt 14 von Jupp komponierten Songs einfach an Originalität. Das klingt immer wieder recht flott, geht jedoch oftmals zum einen Ohr rein und zum anderen hinaus. Richtig gut kommt der Ryhthm & Blues-Kracher "So long" rüber. Viel Anteil daran hat auch Pianist Geraint Watkins, der nicht nur auf dieser Nummer die 88 Tasten meisterlich bearbeitet. Besonders ansprechend finde ich die fünf Titel einer 1978 mitgeschnittenen Unplugged-Session. Hier ragt die von Mickey Jupp mitreißend intonierte Ballade "Pilot" heraus. Und auch der Akustik-Blues "Hole in my pocket" ist nicht von schlechten Eltern. Von den beiden Coverversionen weiß schließlich der Blues-Klassiker "St. James Infirmary" zu überzeugen. Der Rest der Setlist ist eher musikalische Hausmannskost. Blues, Rhythm & Blues, Rock'n Roll, eine bisher unveröffentlichte Unplugged- Ballade, ein Reggae-Verschnitt: alles recht unspektakulär und eher wenig originell dargeboten. Man höre zum Vergleich Roger Chapmans Fassung von Mickeys "Shortlist" oder Dr. Feelgoods Version von dessen "Down at the doctors", in denen deutlich mehr Power drinsteckt. Positiv zu vermerken gilt es noch die von Sympathie für den Künstler getragenen Linernotes von John Gardiner. Tontechnisch sind die Radio-Aufnahmen im übrigen durchaus akzeptabel. "He prefered to let his music do the talking for him", schreibt Gardiner in seinem Begleittext über Mickey Jupp. Musikalisch blieb sich der heute nicht mehr aktive Musiker Jupp jedenfalls immer treu. Zugeständnissen an den musikalischen Zeitgeschmack widerstand er stets. Mag sein, dass auch dies zu seiner fehlenden Popularität beigetragen hat.


Bennett Seeschlachten im 2. Weltkrieg, Weltbildveralg 1989, 365 Seiten, bebildert
Bennett Seeschlachten im 2. Weltkrieg, Weltbildveralg 1989, 365 Seiten, bebildert
von Bennett
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Kompetent verfasste Seekriegsgeschichte, 27. Juli 2014
Der britische Marinehistoriker Geoffrey Bennett widmet sich in seinem Buch sieben der insgesamt "vierzig größere(n) Seeschlachten" des Zweiten Weltkrieges (S. 33). In seine Auswahl nahm er nur solche maritimen Gefechte auf, "welche tatsächlich große Schlachten waren und eine bedeutende Wirkung auf den Verlauf des Krieges hatten oder aus anderen wichtigen Gründen von besonderem Interesse sind" (ebd.). So blieben letztlich sieben, genau genommen acht, Seeschlachten übrig. Der Autor konzentriert sich auf folgende Auseinandersetzungen zwischen gegnerischen Seestreitkräften: Narvik; Matapan; das Gefecht zwischen der Hood und der Bismarck; die Geleitzugschlachten im Atlantik; Midway; Guadalcanal; die Philippinen. Hinzu kommen quasi einführend die Geschehnisse, die zum Untergang des deutschen Panzerkreuzers Graf Spee geführt haben. Bennett durchleuchtet auf überaus kompetente Weise die seestrategischen und taktischen Überlegungen der an den Gefechten beteiligten Verantwortungsträger. Auch der jeweilige Verlauf der einzelnen Seeschlachten wird von ihm minutiös nachgezeichnet. Schließlich sind die Folgewirkungen der Kämpfe auf das weitere Kriegsgeschehen prägnant herausgearbeitet. Bennett kommt dabei zu überzeugenden Thesen und Schlußfolgerungen. So zeigt er unnachsichtig die Fehler auf, die der britische Admiral Holland beim Aufeinandertreffen mit der Bismarck und der Prinz Eugen begangen hat (vgl. S. 194ff.). Zuzustimmen ist dem Autor auch darin - er kann dies anschaulich belegen - "wie viel im Ersten Weltkrieg Gelerntes, auch wenn es zeitweise vergessen, ja mit katastrophalen Folgen vergessen war, im Zweiten Weltkrieg wieder zur Geltung kam" (S. 329). Richtig ist zudem seine Schlußfolgerung daß sich Kriege "weder ohne offensives Vorgehen gewinnen" lassen, "noch ... Schlachten erfolgreich durchgefochten werden, ohne ein kalkuliertes Risiko einzugehen" (S. 189). Und zur Seeschlacht von Midway hält er völlig zutreffend fest: "Niemals zuvor in der gesamten Seekriegsgeschichte war eine so gewaltige Armada von so wenigen Männern besiegt worden" (S. 248). Auch die Rüstungsbestrebungen der einzelnen Seemächte zwischen den Weltkriegen (vgl. S. 32ff.) und technische Veränderungen im Marinewesen (vgl. S. 79ff.) als Basis seiner späteren Gefechtsanalysen veranschaulicht Bennett auf eindrucksvolle Weise. Darüber hinaus illustrieren zahlreiche Tabellen und Schaubilder den Text nahezu mustergültig. Der Fototeil freilich ist recht mager ausgefallen. Und auch die ein oder andere pathetische Formulierung ("... denn wir konnten beträchtliche Erfolge für uns buchen" (S. 188; vgl. auch S. 24)) lässt sich im Buch finden. Die "Repulse" war im übrigen kein "Schlachtschiff" (S. 107 u. 146), sondern ein Schlachtkreuzer. Und eine "1 cm Ka." (S. 83) gab es auf deutscher Seite nicht. Man erkennt somit, daß auch einem so renommierten Marinehistoriker wie Bennett kleinere Fehler unterlaufen können. Gleichwohl handelt es sich bei "Seeschlachten im II. Weltkrieg" um eine mit Gewinn zu lesende Publikation zur Marinegeschichte.


Matt Mays+El Torpedo
Matt Mays+El Torpedo
Preis: EUR 23,72

3.0 von 5 Sternen Solider Singer/Songwriter-Rock, 26. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Matt Mays+El Torpedo (Audio CD)
Matt Mays kommt aus Kanada. Seine Scheibe "Matt Mays + El Torpedo" stammt aus dem Jahr 2005. Der Bandleader selbst (g; harp; pedal steel; voc), Andy Patil (bg; voc), Tim Baker (dr, perc; bg), Jarrett Murphy (G, voc) und Brad Conrad (Org; g, pedal steel) huldigen auf dem Album dem gitarrenbetonten Singer/Songwriter-Rock. Teilweise beackern gleich drei Äxte das samt und sonders von Matt Mays komponierte Liedgut. Vorbilder wie Tom Petty, Bob Dylan, John Mellenkamp und Neil Young haben zwar im Songmaterial ihre Spuren hinterlassen. Doch Matt Mays weiß seinen Nummern immer wieder eigene Trademarks zu verpassen. Wie überhaupt seine prägnante Stimme den Songkatalog adelt. Es sind aber genau die Titel, auf denen sich die Gitarristen austoben, die dann auch die Highlights des Silberlings sind. Als da wären der melodische Midtempo-Song "Stand down at sundown", der treibende Rocker "Cocaine cowgirl" mit seinem Gitarren-Showdown sowie das Neil Young-lastige "What are we gonna do (come the month of September?)". In die gleiche Sparte fallen der mit Gitarrensalven aufwartende Rocksong "Time of your life" und die Mays-Hymne schlechthin "Wicked come winter" zum Schluß der Scheibe. Tom Petty Einflüsse lassen sich bei "Travellin'", "The plan" und "Ain't so heavy" heraushören, während "St. George's lane" von Bob Dylan beeinflusst ist. Auch Creedence Clearwater Revival ("Lost souls", "It don't matter") scheinen Matt Mays keine Unbekannten zu sein. Als Füllmaterial würde ich den langweiligen Stampfer "Move your mind" und das einfach gestrickte Liedchen "On the hood" bezeichnen. Insgesamt lässt sich im Songkatalog ein leichter Hang zur Gleichförmigkeit feststellen. Zudem überwiegen Midtempo-Songs, richtig schnelle Nummern gibt es nicht. Alles in allem ein grundsolides Singer/Songwriter-Album des Mannes aus Kanada.


Live Between Us
Live Between Us
Wird angeboten von CD Amerika
Preis: EUR 4,26

3.0 von 5 Sternen Songs aus der Endlosschleife, 26. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Live Between Us (Audio CD)
Tragically Hip aus Kanada haben in Deutschland nie richtig Fuß gefasst. Warum dies so ist, ist schwer zu sagen. Am vokalen und instrumentalen Können der Truppe liegt es jedenfalls nicht. Gordon Downie (voc; g), Paul Langlois (g; voc), Gord Sinclair (bg; voc), Johnny Fay (dr; perc) und Rob Baker (g) harmonieren auf der Bühne prächtig. Gordon Downie verfügt über eine vibratoreiche und einprägsame Stimme. Seine vier Mitmusiker agieren überaus mannschaftsdienlich. Was zugleich allerdings auch bedeutet, dass sich keiner der Jungs solistisch in den Vordergrund zu spielen weiß. Insgesamt erinnert der Sound der Band an U2. Auch die Doors ("The luxury") haben im Schaffen der Combo ihre Spuren hinterlassen. Insgesamt überwiegen ganz deutlich die Midtempo-Songs. Zwischen eher monoton-schleppenden ("Grace too"; "Twist my arm"; "Gift shop"; "Don't wake daddy") und kraftvoll-treibenden, gleichwohl nicht richtig schnellen Nummern ("Fully completely"; "Springtime in Vienna"; "Blow at high dough""; "The wherewithal") bietet das Album eher wenig Abwechslung. Selbst die Ballade "Scared" sticht nicht weiter heraus. Die Songs, ja der gesamte Sound von Tragically Hip, klingen eher einförmig. Da fällt selbst die Unplugged-Nummer "Ahead by century", das leicht southernrockige "Courage" und das mit bluesrockigem Touch versehene "New Orleans is sinking" nicht weiter auf. Vielleicht ist es ja genau diese Eindimensionalität, dieser Gleichklang über weite Strecken, der den mangelnden Erfolg der Band in Deutschland mit bewirkt hat. Selbst - wie von einem anderen Rezensenten empfohlen - mehrmaliges und intensives Zuhören brachte mir den Sound der Truppe nicht näher. Und auch sehr lautes Abspielen der CD machte die Sache nicht viel besser. Es bleibt eine Tatsache: man hört sich schnell satt an den Tragically Hip-Songs. Oder anders ausgedrückt: man fühlt sich beim Anhören des Albums teilweise wie in einer Endlosschleife.


Live Wired
Live Wired
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Fetzige Rhythm & Blues-Sause, 26. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live Wired (Audio CD)
Bläserverstärkter Rhythm & Blues hat auch in Deutschland seinen Fan-Kreis. Diesen Leuten sei die Konzertaufnahme "Live wired!" von Chris Daniels & the Kings ans Herz gelegt. Die sieben Mann plus eine Frau der Combo aus dem US-Bundesstaat Colorado präsentieren sich auf der Scheibe als bestens eingespieltes Team. Da wird überaus munter losgebluest, zugleich aber auch anderes musikalisches Terrain ausgelotet. Der Sound der Truppe zeichnet sich durch Chris Daniels Power-Organ, die zupackenden Gitarren-Beiträge sowie die punktgenauen Bläser-Chorusse aus. Besonders Trompeter Forrest Means spielt sich immer wieder in den Vordergrund ("Roadhouse music"). Highlights der Setlist sind einmal "I will not be your fool". Der vom Singer/Songwriter David Bromberg verfasste, fast acht Minuten lange Blues in Reinstkultur gibt den Musikern viel Raum zum Solieren. Der angesprochene Trompeter Forrest Means glänzt auf dieser Nummer. Herausragend ist zudem der Rhythm & Blues-Ohrwurm "Home of the blues". Und das herrlich relaxed vor sich hingroovende "Give me back my life" hat sogar Hit-Qualität. Weitere Highlights sind das jazzige, mit tollen Gesangs-Parts von Chris Daniels aufwartende "You put the hurt on me" sowie die mitreißende Coverversion von Sonny Landreths "Congo Square". Neben einer Reihe druckvoll-knalliger Rhythm & Blues-Stampfer ("Bad thing"; "In your face"; "Can't cheat the hangman"; "Let me in this house") zeigen sich Chris Daniels und seine 'Könige' auch von ihrer Soul-Seite inklusive beeindruckendem Satzgesang ("Roadhouse music"). Schließlich gibt es noch mit Breaks versehenen Boogie ("When you're cool"), funk-infizierte Songs ("Black cat"; "I like your shoes") und zwei unplugged performte Balladen ("Stealin candy"; "This old guitar"). Alles in allem also ein wahrlich abwechslungsreiches und stimmungsvolles Konzerterlebnis. Leider stören wie bei vielen Livealben auch bei "Live wired!" die Ein und Ausblendungen vor und nach den einzelnen Titeln. Hier macht sich bemerkbar, dass die Aufnahmen aus insgesamt sieben verschiedenen Auftritten der Band stammen. Zudem habe ich auf dem Album die herrlich verschrobene Chris Daniels & the Kings-Version von Chuck Berrys "Roll over Beethoven" vermisst. Der Titel krönte ihre 89er-Scheibe "That's what I like about the south". "Live wired" von Chris Daniels & the Kings: eine fast perfekte Rhythm & Blues-Sause einer in Deutschland viel zu wenig bekannten Combo.


Tour 2010 Live
Tour 2010 Live
Preis: EUR 20,98

3.0 von 5 Sternen Tendenziell unausgewogen, 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Tour 2010 Live (Audio CD)
Henrik Freischlader ist vermutlich der strahlendste Stern am deutschen Bluesrock-Himmel. Vielseitig und äußerst produktiv ist der Mann mit der Mütze. Als Gitarrist, Sänger, Songwriter und Produzent - auch anderer Künstler wie z. B. der Blueserin Layla Zoe - ist Freischlader tätig. In recht kurzen Abständen veröffentlicht der sympathische Künstler Alben unter eigenem Namen. Die Bluesrock-Schublade ist dabei eigentlich viel zu eng für ihn. Die Doppel-CD "Tour 2010 live" ist der zweite Konzertmitschnitt von Freischlader. Der Musiker hat sich in diesem Fall entschlossen, Highlights aus verschiedenen Auftritten für die Scheibe auszuwählen. Die vierzehn Songs stammen aus insgesamt zehn verschiedenen Gigs. So kann man natürlich ein Livealbum zusammenstellen. Im Unterschied zu einer Livescheibe, die ein einziges Konzert oder Ausschnitte davon widergibt, ist diese Vorgehensweise allerdings risikobehaftet. Von den Ein- und Ausblendungen vor und nach jedem Titel einmal abgesehen, besteht die Gefahr, dass die Songauswahl irgendwie unausgewogen ist. Diese Klippe hat Freischlader auf "Tour 2010 live" nicht ganz umschiffen können. Klar, seine Gitarrensoli fesseln den Zuhörer. Auch mit seiner warmen, toll zum Songmaterial passenden Stimme kann Henrik überzeugen. Keine Spur von einem deutschen Akzent. Und auch die drei Mann seiner Band - allen voran Keyboarder Moritz Fuhrhop - lassen nichts anbrennen. Aber es fehlt der ultimative Kick, die Steigerung der Intensität, die ein richtiger Konzertmitschnitt i.d.R. zu vermitteln weiß. Kommen wir jedoch zunächst zu den Höhepunkten der CD. Drei Songs gilt es hier anzusprechen. Einmal den herrlich leger dargebotenen Slowblues "She's back (for another try)". Freischlader wandelt auf der Nummer souverän auf den Spuren von Eric Clapton. Zweitens die fantastisch dargebotene Ballade "Cry again". Das ultralangsame, über zwölf Minuten lange Stück bietet Gitarrenkunst zum Dahinschmelzen. Schließlich die letzte Nummer des Albums, "Mo's shuffle". Hier zeigt Moritz Fuhrhop dem Publikum elegant, welch großartiges Instrument die Hammond-Orgel ist. Was bietet "Tour 2010 live" sonst noch? Funkige Bluesrocker ("I"; "The wrong way"; "Tired of beggin") und von Jimi Hendrix inspirierte Songs ("Got it made"; "The bridge"). Die einzige Coverversion auf der Scheibe, "Foxy lady", stammt übrigens von Jimi Hendrix und wird von Freischlader und seinen Jungs durchaus kongenial dargeboten. Mit "Break out" gibt es noch einen treibenden Rocksong, der in ein Schlagzeug-Solo von Hardy Fischötter übergeht. Die fast 19 Minuten lange Jam "Bad dreams" mit kraftvollem Bass von Theofilos Fotiadis löst bei mir gemischte Gefühle aus. Sicher, der Improvisations-Marathon ist beeindruckend, freilich nicht ganz ohne Längen. Schließlich frönt Freischlader noch seiner Leidenschaft für Shuffle-Grooves ("So damn cool"; "Never be true"). Wie viele andere Songs des Doppelalbums verbleiben auch diese beiden Shuffles im Midtempo-Bereich. So richtig Gas zu geben, boogie- und rock'n roll-mäßig die Sau raus zu lassen, scheint Henriks Sache nicht zu sein. Der Australier Rob Tognoni könnte ihm da als Inspirationsquelle dienen. Oder warum - Stilbruch hin oder her - nicht einfach einmal ein Medley mit Rock'n Roll-Klassikern von Chuck Berry bis Little Richard in den Set aufnehmen. So fehlt es dem Songmaterial ein wenig an Abwechslung. Hinzu kommt, wie angesprochen, aufgrund der Entscheidung, vermeintliche Höhepunkte unterschiedlicher Konzerte zu präsentieren, ein Moment der Künstlichkeit. Die ansteigende Spannungskurve, die ein echter Gig normalerweise beinhaltet, geht der Scheibe mehr oder weniger ab. Mit seinem dritten Livealbum "Live in concerts" ging der Musiker den entgegengesetzten, meiner Meinung nach besseren Weg. Es dokumentiert zwei echte Freischlader-Konzerte.


The Cross of Changes
The Cross of Changes
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 9,14

4.0 von 5 Sternen Magische Klanggebilde, 29. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Cross of Changes (Audio CD)
Mit "The cross of changes" lieferte Michael Cretu alias Enigma nach seinem Debüt wiederum ein esoterisch angehauchtes musikalisches Gesamtkunstwerk ab. Curly M. C., wie sich der gebürtige Rumäne Cretu im Booklet nennt, spielt darauf bis auf die Gitarren sämtliche Instrumente. An den sechs Saiten wird er von Jens Gad und Peter Cornelius unterstützt. Zudem erschallen die engelsgleichen Stimmen von "Angel" und "Sandra". Zu hören gibt es die einziartige Enigma-Mischung von "Klang-Collagen aus sphärischen Tönen und aktuellen Dance-Grooves" (MusikexpressSounds 1/94). Hinzukommen auf "Cross of changes" Elemente aus der Weltmusik. So enthält der wunderbar eingängige Ohrwurm "Return to innocence" Gesänge indianischen Ursprungs. Auch "Silent warrior" weist Bezüge auf die nordamerikanischen Ureinwohner auf. Durch extrem tanzbare Grooves zeichnet sich ganz besonders "The eyes of truth" aus. Beim Herzstück der Scheibe mit fast neun Minuten Lauflänge, "I love you ... I'll kill you", lassen Pink Floyd von Ferne grüßen. Aber diese Kritik bekam Enigma des öfteren zu hören. Zum Träumen schön ist schließlich das balladenhafte "The dream of the dolphin". Im Geiste hat man beim Anhören die geschmeidigen Bewegungen der Delphine in den Weiten der Meere vor Augen. Gegen Ende weist der Silberling gewisse Längen auf. Man hat sich vielleicht auch am Wohlklang satt gehört. Zudem hätte Enigma "Out from the deep" mit seinen offensichtlichen Beatles-Bezügen durchaus weglassen können. Erwähnenswert ist noch das sehr ansprechend gestaltete Booklet, welches sämtliche Songtexte enthält. Enigma hat seinen Fans also aufs Neue das geliefert, was sie von ihm musikalisch erwarten. Die Höchstnote erreichen seine magischen Klanggebilde allerdings nicht ganz.


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