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Rezensionen verfasst von
Maximilian Link "http://lachsauge.wordpress.com/" (Köln)
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Antidotes
Antidotes
Preis: EUR 8,97

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The next big thing?, 14. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Antidotes (Audio CD)
Bloc Party remixed by Battles schreibt ein Fan zur Beschreibung der Oxforder Band Foals auf deren Last.fm Seite und trifft damit auf gleichwohl prägnante und simple Art und Weise den Kern der Sache. Hört sich erstmal nach einem weiteren Hype aus dem U.K. an, doch nicht ganz ohne Grund wird die Band vom NME als „the next big thing“ gehandelt.

Antidotes nennt sich das Debutalbum der 5 jungen Briten, produziert von TV On The Radio-Mann David Sitek, der übrigens jüngst ein Tom Waits Coveralbum mit Hollywoods nicht mehr ganz so neuer Vorzeigeblondine Scarlett Johansson aufgenommen hat, aber das nur als Randinfo. Wer sich jetzt noch fragt, wieso Foals eigentlich Foals heißen, für den die äußerst unspektakuläre Wahrheit: Der Name ist die englische Übersetzung von Yannis Philippakis’ (der Sänger) Nachnamen. Tolle Information, nicht? Dann doch lieber gleich zum Album.

Schön ist, dass die Tracks nicht lieblos aneinander gereiht wurden, sondern ein großes Ganzes bilden, so kommt es beim ersten hören schon mal vor, dass man den Übergang zum nächsten Song gar nicht mitbekommt. Der Opener The French Open greift die, von den Foals scheinbar sehr geliebte, Tennismetapher (wer hat sie noch nicht verwendet) auf und erinnert gleichzeitig an Tool. Die darauf folgende Single Cassius kommt da schon etwas poppiger und somit hitverdächtiger daher. Der Rest des Albums findet sich stilmäßig irgendwo dazwischen wieder, mal eben tanzbar und mit Bloc Party-Gitarren (Big Big Love-Fig.2), mal vertrackt und elektronisch (Tron).

Gemein ist allen Songs die Eingängigkeit, direkt vom Ohr ins Herz, in die Beine, und das trotz aller Komplexität und Undurchsichtigkeit der einzelnen Parts. Genau das könnte es eben sein, was Foals zum „big shot“ macht.

Btw.: Wer es immer noch nicht verstanden hat, am Beispiel von Foals sieht man es noch einmal sehr schön: Die Gitarre trägt man jetzt oben und uncool is the new cool!!


The Devil,You+Me
The Devil,You+Me
Preis: EUR 16,64

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weilheim Indiecity - again, 14. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: The Devil,You+Me (Audio CD)
Ein Kind wird mit seinem sechsten Lebensjahr eingeschult und genau so lange Zeit gelassen haben sich auch The Notwist, bis sie schließlich ihren jüngsten Sprössling The Devil, You + Me gehen ließen - oder gehen lassen mussten.

Untätig sind die drei Kreativlinge Martin Gretschmann, Michael Acher und Markus Acher in den Jahren zwischen Neon Golden und der neusten Scheibe jedenfalls nicht gewesen. Ein Label wurde gegründet, an Soundtracks wurde gebastelt, neue (13&God) und alte (Console) Projekte wurden auf Tonträgern festgehalten, doch spiegelt sich eine so lange Pause nicht letztendlich im Sound wieder?

Ein ganzes Orchester gleich hat die Drei diesmal ins Tonstudio begleitet.Moment mal, doch nicht wie Metallica mag man anfangs denken, aber mal im Ernst - diese Menschen kommen aus Weilheim, einer 20.000 Seelengemeinde in Südbayern, wie würde in dieses Bild ein Album mit einem pompösen Orchester passen?Nein, der Einsatz des Orchesters zeichnet sich vorwiegend durch seine Unaufdringlichkeit aus, ganz The Notwist also.

Wenn man den langen Zeitabstand und die häufigen Stilwechsel der Vergangenheit bedenkt, hört sich The Devil, You + Me erstaunlich nach Neon Golden an.Und so schaffen The Notwist trotzdem zu überraschen, nämlich genau dadurch, dass sie nicht überraschen und mit dem neuen Album keineswegs, wie man legitimerweise hätte glauben können, einen erneuten Stilbruch hinlegen.

Wie der Titel bereits anklingen lässt, ist die Stimmung des Albums ein wenig düsterer geworden (Alphabet, Where In This World) und der akustischen Gitarre wird sich nun ein wenig häufiger bedient (Gloomy Planets, The Devil, You And Me), doch was die Songs hauptsächlich auszeichnet sind Melancholie und Tiefe. Die Songs leben immer noch von dem geschickten Wechsel von Gesangs- und Instrumentalparts, von den vielen kleinen Soundspielereien, von den breiten atmosphärischen Soundwänden und natürlich von Markus Achers Gesang, der nach wie vor mit einem leichten, aber sympathischen Akzent vorgetragen wird. So hätte sich beispielsweise Good Lies auch schon auf Neon Golden finden lassen können, doch wer könnte daran etwas Schlechtes finden?

Und jetzt die Hand aufs Herz, hören sich die Songs nicht nochmals besser an, nachdem man sechs lange Jahre darauf warten musste?


Pershing
Pershing
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 13,89

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Boris and the gang, 14. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Pershing (Audio CD)
Ein ehemaliger, mittlerweile verstorbener, russischer Präsident und eine junge Indie-Pop Gruppe aus Springfield, Missouri, Amerika. Zwei Vorstellungen könnten wohl kaum konträrer sein, doch bei den vier Jungs von Someone Still Loves You Boris Yeltsin scheint es ein ums andere Mal besser zu funktionieren. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass die Zeit der verrückten Bandnamen das Zeitalter der „The“ Bands so langsam abzulösen scheint. Man wird sehen.

Die Entstehungsgeschichte der Band mit dem lustigen Namen (der nach eigenen Angaben keineswegs aus politischen Motiven gewählt wurde) liest sich wie aus einem Lehrbuch für amerikanische High School-Musiker. Vier Jungs lernen sich in der Schule kennen, bemerken ihren ähnlichen Musikgeschmack, gründen eine Band mit dem Ziel, einmal selbst in der Indie-Section des lokalen Plattenladens zu stehen.

Nachdem man die vorherigen Aufnahmen im Rahmen von Broom (2005) selbst an den man gebracht hatte und schon als Nachfolger von The Shins gehandelt wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Plattenfirmen sich darum reißen würden, die Jungspunde fest an sich zu binden. Den Zuschlag bekam letztendlich Polyvinyl, jenes Label, welches unter anderem Architecture In Helsinki ein aufgeräumtes Zuhause bietet und auf dem vor kurzem auch Pershing erschien.

Pershing ist eine Sommerplatte. Man legt sie auf (oder auch ein) und prompt öffnet sich die Wolkendecke am Horizont, um die feinen Sonnenstrahlen hindurch dringen zu lassen. Ein locker-leichter Song folgt hier dem nächsten und irgendwie hat man das Gefühl, dass nicht eines der Stücke mehr als fünf Minuten bis zu seiner Vollendung gebraucht hätte. In die Glue Girls verliebt man sich auf Anhieb, dank der schwungvollen Akustikgitarre, bei Boring Fountain sind es die Bläser, die einem das Stimmungstief auszutreiben wissen. Schnell gewöhnt man sich an den Lo-Fi Sound und aufgrund der eingängigen Melodien bedarf es auch nicht besonders vielen Hördurchgängen, bis man die Songs intus hat. Die Höhepunkte der Scheibe bekommt man eher in der ersten Hälfte zu hören, dafür lauscht man dort aber umso lieber. Meine beiden Lieblinge Modern Mystery und The Beach Song möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen und als unbedingte Anspieltips vermerken.

Minimalen Punktabzug gibt es allerdings für das Albumcover, dieses sieht nämlich aus, als hätte man einem noch sehr unreifen Familienmitglied vollkommene künstlerische Freiheit gewährt. Man orientiert sich wohl nicht nur auf musikalischer Ebene an den Shins, die in Punkto „worst album cover“ schon einige milestones vorgelegt haben. Aber was solls, denkt sich der Mann von Welt. Es geht hier schließlich um Musik, wer Kunst sehen will, der geht ins Museum oder zur Google Bildersuche.


Neulich in Neukölln
Neulich in Neukölln
von Uli Hannemann
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bowie und Hannemann, 12. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Neulich in Neukölln (Taschenbuch)
Dass der im Süden Berlins gelegene Stadtteil und soziale Brennpunkt Neukölln allemal Stoff für einen künstlerischen Erguss bietet, hat David Bowie schon 1977 gewusst.Damals noch wohnhaft auf’m ex-,ex-hippstern Prenzelberg, komponiert er ein abstruses Instrumentalstück, das einer Odyssee in Neukölln gleichkommt.

Etwas mehr als 30 Jahre später versucht sich erneut jemand an dem schwierigen Terrain Neukölln. Uli Hannemann - nur halb so bekannt wie David Bowie, dafür aber doppelt so lustig. Im Gegensatz zu Bowie bedient sich Hannemann dem geschriebenen Wort, um seine durchaus enge Beziehung mit dem Stadtteil zu beschreiben.

Auf knapp 200 schnell gelesenen Seiten erzählt der Mitt-40er Hannemann von seinem Leben als Taxifahrer und freier Schriftsteller, seinen Konfrontationen mit Säufern, Kleingangstern, arbeitslosen Muttis und versnobten Münchnern. Die Geschichten sind angenehm kurz gehalten, wie eine erfrischende Zwischenmahlzeit, die man, wann immer man mag verzehren kann, ohne sich Gedanken über eine Gewichtszunahme zu machen. Das Buch liest sich sowohl als persönliches Tagebuch, als auch als eine Art Reiseführer durch Neukölln, mit einem Glossar der bedeutendsten Straßen, Plätze und sonstigen Sehenswürdigkeiten der etwas anderen Art. Dem aufmerksamen Leser wird schnell klar, dass die Realität nur den Rahmen der meisten Erzählungen bildet. So verwechselt der Erzähler beispielsweise das Graskaufen in der Hasenheide mit einem Einkauf im Supermarkt, oder verleiht der Tätigkeit des Lungerns einen Berufsstatus und gibt sich somit als unzuverlässig zu erkennen. Die Leitmotive von Neulich in Neukölln sind übrigens Dauerarbeitslosigkeit, Trinksucht und (besonders häufig verwendet) Hundekot. Ein Vergleich mit Charles Bukowski liegt da nicht fern. Offen bleibt jedoch, ob sich der Autor als Teil dieser Gesellschaft oder als objektiver Beobachter sieht.

Insgesamt bietet das Werk mit dem Untertitel „Notizen von der Talsohle des Lebens“ kurzweilig komprimierten Humor und ist zugleich das Ergebnis jahrelanger Feldforschung. Wer mal wieder so richtig herzhaft über die Erbärmlichkeit anderer lachen will, sollte unbedingt zugreifen. Späteres sich-selbst-besser-fühlen ist mit inbegriffen.


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