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Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne finanzielle Vorteile" (Bochum)
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Lichter des Toren: Der Idiot und seine Zeit
Lichter des Toren: Der Idiot und seine Zeit
von Botho Strauß
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wenn sich der Geist des Schwarms als Ordnungsmacht etabliert, schlägt die Stunde der Insurgenten" (41)., 31. Dezember 2013
Oh ja, so manchmal spricht mir Botho Strauß aus dem Herzen! Auch ich kann mich mit Feuereifer über die "Rattenplage der Kommunikation" (79) erregen, die es in den vergangenen Jahren dank der ungebremsten Zunahme technischer Mitteilungsmöglichkeiten jedem Volldeppen erlaubt, seine Mitmenschen mit seinem Nicht-Wissen, seiner Nicht-Intelligenz, seinem Nicht-Leben und somit seiner Nichtigkeit zu belästigen. Begleitet wird diese Zunahme des (vor allem) digitalen Verbalmülls von einer zunehmenden Verschandlung der deutschen Sprache. So lamentiert Strauß, dass "[s]eine Muttersprache allenthalben behelfsmäßig oder falsch gesprochen zu hören [nicht nur schmerzt], es stört oder behindert untergründig die Kompetenz, die wir eigentlich für sie besitzen" (140 f.). Recht hat er! Das Phänomen der Hypotaxe scheint zu einem Spezialwissen für Experten zu mutieren, und dass man Substantive zumeist groß schreibt, gerät im Zeitalter von Twitter oder WhatsApp zunehmend in Vergessenheit.

Doch was will Botho Strauß, dieser Eremit des intellektuellen Deutschlands, der seit seinem 1993 im Spiegel veröffentlichten Essay "Anschwellender Bockgesang" gerne in die rechte Ecke gestellt wird, uns in seinem neuen Buch "Lichter des Toren – Der Idiot und seine Zeit" eigentlich sagen? Ist es das elitäre Bramarbasieren eines griesgrämigen Grüblers, der es der Welt übel nimmt, dass sie ein Genie bis zum heutigen Tage offenbar nicht erkannt hat? Handelt es sich um die Gegenwartskritik eines Kulturpessimisten, für den früher alles besser war und für den alles Neue per definitionem großer Mist ist? Strauß polarisiert und provoziert, bietet aber trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, eine brillante Gegenwartsanalyse, welche in dem Aufruf mündet, sich den Zumutungen dieser Zeit, durch Annahme einer Position des außenstehenden Beobachters, zu entziehen.

Zurück zur Hochkultur, zurück zum Genie, wider den Zeitgeist der Massenkultur, die suggeriert, dass jeder alles können muss und sich das Besondere dem Durchschnitt anzupassen habe. Lasst dem Pöbel, was des Pöbels ist, so Strauß: "Wir anderen müssen unzugängliche Gärten bauen. Zurück zur Avantgarde!" (33) Verbunden mit dem Ruf nach einer kulturellen Elite, die die Hochkultur vor dem Zugriff des Massenmülls retten soll, fordert Strauß eine Rückbesinnung auf klassische Werte, welche im Zeitalter von Multikulti, Inklusion und Recht auf Teilhabe in Vergessenheit geraten seien: "Dabei täte etwas mehr Familie, etwas väterliche Stärke einem Erziehungsverhalten gut, dessen Schwächen allenthalben von staatlich geförderten Hilfen kostspielig kompensiert werden" (36). Elite, traditionelle Familienstrukturen und Sozialstaatsbashing; Strauß weiß schon, wie er seine Kritiker auf die Palme bringt.

Was bleibt dem geneigten Leser zu tun, der sich der von Strauß attestierten Informationsexplosion entziehen will? Der Autor entwirft an vielen Stellen das Idealbild eines abseits stehenden Beobachters, der dem wunderlichen Treiben der Gegenwart mit einer Mischung aus Belustigung, Abscheu und Erschrecken zuschaut. Diesen Beiseite-Stehenden bezeichnet Strauß als "Anachronisten" (15), "Reaktionär" (43), "Idiosynkraten" (ebd.) oder eben auch als Idioten, was dem griechischen Ursprung nach nichts anderes als eine Privatperson bezeichnet. Natürlich macht Strauß sich in seinen Schriften auch angreifbar; zu verallgemeinernd, zu konfrontativ formuliert er. Doch es sind auch gerade diese Eigenschaften, die „Lichter des Toren“ zu einem vergnüglichen und gewinnbringenden Leseerlebnis gestalten, auch wenn man Strauß' Zeitgeistkritik nicht in allen Punkten teilen mag.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 23, 2014 10:54 AM CET


Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt: Roman
Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt: Roman
von Sven Regener
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Herr Schmidt, einmal zurück ins Leben!, 27. Dezember 2013
Für viele war er der heimliche Held von Herr Lehmann, dem ersten Teil der Herr-Lehmann-Trilogie des Element-of-Crime-Mastermind Sven Regener. Als am Ende von "Herr Lehmann" die Mauer fiel, fiel auch die Fassade, die Karl Schmidt aufrecht gehalten hat, und er landete in der Psychiatrie. Nun, fünf Jahre später, lebt er in einer Wohngruppe für Ex-Alkis in Hamburg und arbeitet als Assistent des Hausmeister in einer Kinderklapse, wo er sich mit Hingabe um die Tiere des hauseigenen Zoos kümmert. Diese Bilderbuchkarriere wird jedoch jäh unterbrochen, als ihn seine Berliner Vergangenheit in Person von Raimund und Ferdi einholt. Die beiden haben mittlerweile ein leidlich erfolgreiches Techno-Label mit dem klangschönen Namen BummBumm Records gegründet, mit dem sie nun durch Deutschland touren wollen. Dazu brauchen sie aber einen Fahrer, der weder säuft noch kifft und auch sonst in der Lage ist, über mehrere Tage hinweg einen klaren Kopf zu behalten. Karl nimmt an und befindet sich nun mit neun Techno-Jüngern mit so wunderschönen Namen wie Schöpfi, Rosa und den Hosti-Bros auf der Magical Mystery Tour durch Deutschland.

Fans der Lehmann-Trilogie werden auch bei "Magical Mystery" auf ihre Kosten kommen. Auf mehr als 500 Seiten liefert Regener seine bewährte Mischung aus Melancholie und lakonischem Humor rund um eine Generation, die keine Ahnung hat, was sie mit ihrem Leben machen soll und sich von Gig zu Gig, von Rausch zu Rausch hangelt: "Beim Alligatorenfüttern merkte ich immer, wie einsam ich war" (41) philosophiert Karl vor sich hin, um wenig später seine persönlichen Kontingenzerfahrungen mit dem Bonmot "Die Zukunft ist eine dumme Sau [...]. Man weiß nie, womit sie als nächstes um die Ecke kommt" (176) auf den Punkt zu bringen.

Und doch fehlt etwas im Vergleich zu den Vorgängerromanen, vor allem zum genialen zweiten Teil Neue Vahr Süd. "Magical Mystery" ist mit 500 Seiten deutlich zu lang geraten. Zwar ändern sich ständig die Orte, die die Truppe bereist, doch bleiben die Erlebnisse, die persönlichen Erkenntnisse der Charaktere sowie die Sprüche, mit denen sie eben diese verarbeiten und kommentieren stets gleich. So hat der Roman nach 300 Seiten sein Pulver verschossen und wird zunehmend ermüdend. Auch bewirken die stolzen 79 Kapitel, dass sich der Roman eher wie eine episodenhafte Aneinanderreihung von Sauf- und Kiffexzessen und nicht wie eine zusammenhängende Erzählung über Sucht, Verlust, Depression und die Rückkehr ins Leben liest.

Fazit: Kein guter Regener, aber dennoch Pflicht für alle Lehmann-Fans. "Magical Mystery" hat definitiv seine Momente, reicht aber nicht an seine Vorgänger heran.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2014 9:38 AM CET


Night Film
Night Film
von Marisha Pessl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Some knowledge, it eats you alive" (369)., 24. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Night Film (Gebundene Ausgabe)
Es ist schon irgendwie seltsam: Ausgewogen-abwägende Kritiken zu Marisha Pessls Romanen scheinen die Ausnahme zu sein. Entweder eine der genialsten Jungautorinnen, die die USA im Moment zu bieten haben, oder verzogenes Elitecollegegör, deren Bücher zwecks Angeberei komplett überfrachtet und somit wertlos seien. Zwischen diesen beiden Polen oszillierten die Besprechungen zu Pessls 2007 erschienenen Debutroman Special Topics in Calamity Physics. Und auch bei ihrem nun veröffentlichten zweiten Roman "Night Film" scheiden sich wieder die Geister.

Im Zentrum des Romans steht der abgehalfteter Ex-Journalist Scott McGrath, der vor Jahren seinen Job verlor, da er sich vor laufender Kamera zu einer zweideutigen Äußerung über den genial-mysteriösen Regisseur Stanislas Cordova hinreißen ließ. Cordova, dessen schockierenden Filme eine treue Fangemeinde haben, ist seit einem 1977 gegebenen Interview nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten, was die ihn umgebene Aura nur noch verstärkt hat. Nun wird Ashey Cordova, des Meisters wunderschöne Tochter, in McGraths Nachbarschaft in Manhatten tot aufgefunden. McGrath, immer noch besessen von dem Mysterium Cordova, beginnt mit seinen privaten Ermittlungen und wird dabei unterstützt von zwei Zufallsbekanntschaften, die bei der Schnitzeljagd in New York und Umgebung ihre eigenen Motive zu haben scheinen.

"Night Film" ist einerseits eine irre spannende Geschichte über den geheimnisvollen Tod einer jungen Frau. Der eigentliche Star des Romans ist aber eindeutig das Phantom Stanislas Cordova, welches, je nach Sichtweise, seit seinem Verschwinden zu einem Gott oder Satan höchstselbst mutiert ist. Pessl gelingt es exzellent, durch eine genaue Beschreibung der (imaginären) Filme Cordovas deren Horror zu verdeutlichen, so dass man sich wünscht, jemand möge sie doch tatsächlich einmal produzieren. Hinter jeder Ecke scheint das Böse zu lauern, so dass McGrath nach und nach beginnt, an seinem Gesundheitszustand zu zweifeln: "How flimsy sanity was" (470). Auch die Grafikdesigner haben ganze Arbeit geleistet. Teilweise ganze Kapitel bestehen aus diversen Homepages, original Zeitungsartikeln oder auch mal nur aus schwarzen Seiten. Dies trägt zu der im Roman kreierten düster-geheimnisvollen Stimmung, welche den Leser bis zum Ende hin begleitet.

Ein runtergekommener Ex-Journalist mit kaputter Ehe? Natürlich ein Klischee. Eine Schnitzeljagd, bei der hinter jeder Ecke jemand lauert, der etwas weiß, was die Handlung vorantreibt? Auch ein Klischee, welches direkt aus den amerikanischen Krimiromanen der fünfziger Jahre entstammen könnte. Dennoch bietet "Night Film" auf seinen knapp 600 Seiten beste Unterhaltung und der gebannte Leser beginnt zunehmend zusammen mit McGrath die Orientierung zu verlieren und sich zu fragen, ob er sich noch in der (fiktionalen) Welt des Romans, oder nicht doch schon in einem der Filme Cordovas befindet.

Fazit: Kein Meisterwerk, aber ein absolut fesselnder page-turner; man sollte die Diskussion um die Person Marisha Pessl geflissentlich ignorieren und sich an ihren Büchern erfreuen. Denn schreiben kann sie definitiv!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 27, 2013 3:51 AM CET


Universe from Nothing
Universe from Nothing
von Lawrence Krauss
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,40

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "The universe is the way it is, whether we like it or not" (142)., 1. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Universe from Nothing (Taschenbuch)
„I find oddly satisfying the possibility that, in either scenario, even a seemingly omnipotent God would have no freedom in the creation of our universe. No doubt because it further suggests that God is unnecessary – or at least redundant“ (185). Man merkt recht schnell, dass Laurence Krauss nicht besonders viel von den Religionen dieser Welt hält. Dennoch ist sein Buch "A universe from nothing" keine Generalabrechnung à la Richard Dawkins The God Delusion. Vielmehr fühlt sich Krauss, Professor für theoretische Physik in Arizona, davon abgestoßen, dass sämtliche Religionen die Entstehung der Welt mit Jahrtausenden alten Mythen erklären wollen und somit den Diskurs über die wahren Ursprünge unserer Existenz behindern oder gar aktiv bekämpfen: "Surely, to invoke 'God' to avoid difficult questions of 'how' is merely intellectual lazy" (xxv) heißt es in der Einleitung. Und in der Tat steckt in der von Krauss dargelegten Entstehungsgeschichte mehr Poesie, Zauber und Ehrfurcht einflößendes als in den Geschichten der so genannten heiligen Büchern dieser Welt.

Es müsse doch einen Schöpfergott geben, da doch nicht Etwas aus Nichts entstehen könne; so lautet seit jeher eine von vielen Begründungen über die Notwendigkeit eines Designergottes. Mal ganz davon abgesehen, dass bisher völlig unklar geblieben ist, wer denn dann diesen Gott geschaffen hat, basiert Krauss seine Überlegungen auf der Grundlage, dass natürlich Etwas, also Energie und Materie, aus Nichts entstehen kann. Für den Laien verständlich, auch wenn durchaus jede Menge Gerhirnaktivitäten auf Seiten des Lesers vorhanden sein müssen, führt Krauss ein in die Welt der Relativitäts- und Quantentheorie und erläutert, dass „Nichts“ nichts weiter bedeutet als die Abwesenheit von Raum und Zeit. In diesem Sinne bedeutet der Urknall den Beginn von Etwas aus Nichts (vgl. S. 170). Grundvoraussetzung dafür sei, so Krauss, dass dieses Nichts instabil sei und somit jederzeit Unmengen von Energie freisetzen könne, wie eben vor 13,6 Milliarden Jahren geschehen: "[N]othing is unstable" (159). Alles in allem lasse sich so die Frage nach dem Wessen des Menschen recht einfach beantworten: "So we, and everyhing we see, result out of quantum fluctuations in what is essentially nothingness near the beginning of time" (151).

Und wo bleibt da der Trostfaktor in diesem kalten Universum bestehend lediglich aus herzlosen Quantenfluktuationen? Hier wird Krauss recht deutlich und verurteilt den Hang des Menschen, Dinge auf seine Umwelt zu projizieren, um ein innere Mangelgefühl zu kompensieren: "[D]on't discount the remarkable human adventure that is science because it doesn't console you" [xvii] ruft er seiner Leserschaft zu. Leider ist dieser Aufruf in unserer heutigen Gegenwart notwendiger denn je.

Fazit: Hervorragend geschrieben und fesselnd bis zum Schluss. Krauss bietet faszinierende Antworten auf die alle Menschen bewegenden Fragen nach der Entstehung unserer Welt und dem eigentlichen "Sinn" unserer Existenz. Wer daran interessiert ist, dem sei dieses Buch dringend empfohlen. Wer nicht hinter den Vorhang schauen möchte, der greife weiterhin zu Bibel und Koran.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 24, 2014 11:23 AM MEST


Ausgewählte Übertreibungen: Gespräche und Interviews 1993-2012
Ausgewählte Übertreibungen: Gespräche und Interviews 1993-2012
von Bernhard Klein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Zur Grundausstattung des Menschlichen gehört eine gewisses Maß an Bereitschaft,..., 22. Oktober 2013
...gemeinsam mit anderen verrückt zu werden" (271). Als Charles Dickens im Jahre 1870 im Alter von 58 Jahren verstarb, hinterließ er der Welt nicht nur eine beachtliche Anzahl von Romanen mit zum Teil mehr als 1000 Seiten; zu seinem Nachlass gehört auch eine umfangreiche Briefkorrespondenz von mehreren Tausenden von Seiten, so dass wir Heutigen uns nur verwundert fragen können, woher dieser Mann überhaupt die Zeit nahm, so viel zu Papier bringen zu können. Ähnlich verhält es sich mit Peter Sloterdijk. Allein seine Sphären-Trilogie bringt es auf mehr als zweieinhalbtausend Seiten und sein Gesamtwerk kann sich durchaus rühmen, Dickensischen Umfang zu erreichen. Dazu kommen noch zahlreiche Reden, Interviews und Essays, die Sloterdijk begleitend zu seinen Büchern oder auch zu tagesaktuellen Themen produziert hat. In der von Bernhard Klein editierten Sammlung "Ausgewählte Übertreibungen" finden sich 33 Gespräche und Interviews aus den vergangenen 20 Jahren, in denen wieder deutlich wird, warum Peter Sloterdijk zu den sprachgewaltigsten und bedeutendsten Denkern der Gegenwart gehört.

Seit Sloterdijk 1983 mit seinem Werk Kritik der zynischen Vernunft die Fachwelt elektrisierte, spaltet er die Öffentlichkeit. Die einen halten ihn für einen elenden Dummschwätzer, der es geschickt versteht, seinen redundanten Verbalmüll hinter einer Fassade, bestehend auch unverständlichen Wortneuschöpfungen und monströsen Satzungetümen, zu vermarkten. Für die anderen ist er schlicht der bedeutendste Philosoph seit Friedrich Nietzsche. Unbestritten ist seine Fähigkeit und Freude, mit der deutschen Sprache zu spielen und damit zu unterhalten, begeistern und provozieren. Seinen Aufenthalt in Indien in den siebziger Jahren reflektierend, schreibt Sloterdijk: "Verändert war ich wohl, aber nicht verindert" (21). Er ist ein Meister des Aphorismus, auch wenn er noch keine reine Aphorismensammlung veröffentlicht hat. Aber in allen seinen Beiträgen und Schriften finden sich diese wundervollen Sprachverdichtungen à la Schopenhauer und Nietzsche. So äußert er sich in im Verlauf eines Gespräches über das deutsche Bildungssystem prägnant: "Man müsste die Kinder durch ein eigenes Emissionsschutzgesetz gegen Erwachsenenpessimismus schützen" (126).

Sloterdijk entzieht sich jeder politischen Kategorisierung, auch wenn er in den vergangenen Jahren zunehmend dem konservativen Lager zugeordnet worden ist. Dahinter steckt aber weniger ein klares politisches Profil, als vielmehr der Widerwille, sich einem bestimmten Zeitgeist anzupassen und damit verbunden die Lust, bei Gelegenheit gegen die oftmals völlig unreflektierte Mehrheitsmeinung vorzugehen. In diesem Sinne schreibt er gegen den in Deutschland dominierenden Verelendungsdiskurs des linken Lagers an, der proportional zu der sich stetig verbessernden ökonomischen Lage zuzunehmen scheint: "Das peinlichste Thema lautet, daß es eine große Zahl von Armen gibt, die durchaus nicht ausgebeutet werden, Menschen, denen nie jemand etwas weggenommen hat, die aber aus ihren Chancen wenig zu machen wußten" (214). Provozierend ergänzt er in Richtung der Befürworter eines stetig expandierenden Sozialstaates: "Niemand mehr ist heute Nationalsozialist, aber alle sind Sozialnationalisten" (371).

Die Themen, die in diesem Sammelband adressiert werden, reichen von Religion über Radsport, Politik, die Finanz-, Euro-, und Wirtschaftskrise bis hin zu Bildungsfragen und der Hirnforschung. Exemplarisch für Sloterdijks Fähigkeit, seinen Standpunkt präzise und sprachlich gewitzt auf den Punkt zu bringen, sei an dieser Stelle seine Antwort auf auf die hochaktuelle Frage nach der Willensfreiheit des Menschen zitiert: "Die meisten Menschen sind leichter zu überzeugen, daß sie ein Epiphänomen klebriger Nervenstränge sind, als daß sie bereit wären, sich für ein freies Individuum zu halten. Wer vom Gehirn redet, ist ein Verräter der Freiheit" (444).

Ich stimme nun wahrlich nicht in allem mit Sloterdijk überein. Bei seinem Abgesang auf das deutsche Bildungssystem ist er es, der sich dem Zeitgeist anbiedert. Und geradezu unverschämt fand ich es, wie er vor der Bundestagswahl in diesem Jahr demonstrativ sein Nichtwählen als Monstranz vor sich hertrug und sich damit auf das Niveau der demokratieverachtenden Medienkreatur Richard David Precht stellte. Aber das gehört dazu, wenn man in regelmäßigen Abständen seinen Elfenbeinturm verlässt und mit Lust an der Provokation Stellung zu tagesaktuellen Problemfeldern bezieht. Auch darum gehört Sloterdijk zu Deutschlands Top-Intellektuellen.


Middlesex
Middlesex
von Jeffrey Eugenides
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,07

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Five minutes old, and already the themes of..., 5. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Middlesex (Taschenbuch)
...life – chance and sex – announced themselves" (216). Warum eigentlich bringen die Amerikaner, im Gegensatz zu uns Deutschen, immer wieder hervorragende Geschichtenerzähler im klassischen Sinn hervor, die ihrer Nation, mal bissig, mal humorvoll, mal voller Sarkasmus, mal völlig ohne jede Zukunftshoffnung, auf den Zahn fühlen und dabei auch noch bestens zu unterhalten wissen? Jonathan Franzen, John Irving und auch Philip Roth in seinen Meisterwerken The Human Stain und American Pastoral gehören in diese Reihe. Und seit Jeffrey Eugenides im Jahr 2002 seinen Roman "Middlesex" veröffentlicht hat, zählt er zweifelsohne auch zu diesem illustren Kreis.

Calliope Stephanides, eine der schillerndsten Erzähler-(innen)-Figuren der Literaturgeschichte führt uns aus dem zusammenbrechenden Osmanischen Reich nach Ende des Ersten Weltkrieges über verschiedene Stationen in den USA bis in das Berlin des beginnenden Jahrtausends und berichtet dabei über drei Generationen ihrer eigenen Familie, über ein Amerika im Aufbruch und in der Krise und immer wieder über ihr eigenes Leben in all diesem Chaos, welches in dem legendären ersten Satz des Romans wunderbar auf den Punkt gebracht wird: "I was born twice: first, as a baby girl, on a remarkably smogless Detroit day in January of 1960; and then again, as a teenage boy, in an emergency room near Petoskey, Michigan, in August of 1974" (3).

Die Stärke der großen amerikanischen Erzähler besteht darin, ihre Charaktere zum Leben zu erwecken, sie in ihren Wünschen, Begierden, Hoffnungen, Stärken, Schwächen und Abgründen für den Leser nachfühlbar zu gestalten, so dass auch aus den an sich unbedeutendsten Alltäglichkeiten eine große Spannung entsteht. Atemlos verfolgen wir die Flucht und die sich anbahnende inzestuöse Liebesbeziehung zwischen Calliopes Großeltern und genauso gebannt sind wir, wenn die kleine Cal im Detroit des Jahres 1967 während der Rassenunruhen zwischen den Panzern zum Restaurant ihres Vaters läuft, um ihm im Kampf gegen Plünderer zu unterstützen. Und natürlich verfolgen wir mal staunend, mal ungläubig und mal ziemlich fassungslos, wie Cal auf den Trichter kommt, dass sie keine sie, sondern ein er ist, und was das im Amerika der siebziger Jahre mit sich brachte.

Lange Zeit habe ich diesen Roman gemieden, da er mir zu sehr von der Genderindustrie für ihre Zwecke in Anspruch genommen wurde. Kann man "Middlesex" auch als heterosexueller Mann, der glaubt, dass in bestimmten Verhaltensmerkmalen der Geschlechter auch so etwas wie ein natürlicher Kern zu finden ist, etwas anfangen? Keine Sorge, Mann kann! Denn zuallererst ist das Buch eine herrlich komische, zutiefst bewegende und tief tragische Reise durch das 20. Jahrhundert, die einen auch noch lange nach der letzten Seite beschäftigt. Ein Stück Weltliteratur für die Ewigkeit!


The Great Degeneration: How Institutions Decay and Economies Die
The Great Degeneration: How Institutions Decay and Economies Die
von Niall Ferguson
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,30

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit mehr Deregulierung aus der Krise?, 15. September 2013
Niall Ferguson gefällt sich sichtbar in seiner Rolle als enfant terrible der Historikerzunft. Mit Wonne unterstützte er die auf nation building ausgerichtete Außenpolitik von Bush jr. und 2008, als die ganze Welt dem Charme eines jungen Senators aus Illinois erlag, hielt er die Fahne hoch für den Vietnamveteranen aus Arizona. In seiner knappen Darstellung "The Great Degeneration – How Institutions Decay and Economies Die", die auf einer über das Radio ausgestrahlten Vortragsreihe des britischen Historikers basiert, versucht Ferguson den Ursachen der aktuellen Krise, die weiterhin nahezu alle Staaten des Westens fest im Griff hat, auf den Grund zu gehen. Der Konservative kommt dabei zu Ergebnissen, die durchaus überraschen und kontrovers zu diskutieren sind.

Um die Frage beantworten zu können, woran der Westen im Moment krankt, analysiert Ferguson zunächst, warum der Westen in den vergangenen fünf Jahrhunderten den Planeten in fast allen relevanten Bereichen dominiert und beherrscht hat: "In some ways it is easy to explain non-Western success. China has belatedly followed a number of other East Asian countries [...] in downloading most (not all) of what I have called the 'killer applications' of Western civilization: economic competition, the scientific revolution, modern medicine, the consumer society and the work ethic" (35). In den vergangenen Jahrzehnten, so Ferguson, sei in der westlichen Welt, in den einstmals so erfolgreichen westlichen Institutionen, etwas Grundsätzliches falsch gelaufen, was er als "Inglorious Revolution" (36) bezeichnet. Dabei sei die heutige Banken-, Wirtschafts- und Finanzkrise lediglich ein Symptom eines tieferliegenden Problems.

Im aktuellen Diskurs überwiegt die Annahme, man könne der Krise Herr werden, indem vor allem die Finanzmärkte und der Bankensektor stärker reguliert werden. Dies, so Ferguson, sei der völlig falsche Ansatz, da es an Regulierungen nie gemangelt habe: "Those who believe this crisis was caused by deregulation have misunderstood the problem in more than one way. Not only was misconceived regulation a large part of the cause. There was also the feeling of impunity that came not from deregulation but from non-punishment" (75). Die Lesart, dass ein Zuviel an Regulierung die Krise verursacht habe, ist sicherlich ein interessanter Ansatz, den so nicht ein mal der Wirtschaftsflügel der FDP im aktuellen Wahlkampf plakatieren würde. Das strukturelle Übel hierbei sei, so Ferguson, dass die Institutionen nicht in der Lage gewesen wären, in dem Durcheinander an Verordnungen diese auch wirkungsvoll anzuwenden. Fast schlimmer noch als die Krise sei dabei, dass die Menschen das Vertrauen in die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit ("rule of law") verlieren würden. Daher Fergusons knappes Fazit: "A complex financial world will be made less fragile only by simplicity of regulation and strength of enforcement. To repeat: among the most deadly enemies of the rule of law is bad law" (77).

Zu viel und zu ineffektiver Staat, und hier kommt nun ganz der Konservative in Ferguson hervor, habe höchst negative Auswirkungen auf das, was er hier "civil society" nennt, was Ferguson wiederum als Fundament einer funktionierenden freiheitlichen Gesellschaft ansieht. Immer weniger Menschen organisieren sich in Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen, hoffend, dass der Staat schon alles regeln wird. Zudem ruft Ferguson dazu auf, dem Staat das Bildungsmonopol zu entziehen und mehr Schulen an private Träger zu übertragen. Privat vor Staat als Heilmittel eines Degenerationsprozesses, den viele eher einem Zuwenig an Staat die Schuld geben; Ferguson provoziert und polarisiert, liefert aber durchaus auch interessante Ansätze, um die Krise besser verstehen zu können.


A Tale for the Time Being
A Tale for the Time Being
Preis: EUR 6,60

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Fiction had its own time and logic" (314)., 1. September 2013
Rezension bezieht sich auf: A Tale for the Time Being (Kindle Edition)
Was für einen Roman darf man von einer geweihten buddhistischen Priesterin erwarten? Natürlich spielt das Esoterische in dem Roman "A tale for the time being" von Ruth Ozeki, Tochter eines Amerikaners und einer Japanerin, eine gewisse Rolle. Dennoch muss sich der geneigte Leser keine Sorgen machen. Der wirklich gute Roman bietet mehr als pseudotiefsinnige Sprüche auf Glückskeksniveau.

Die gerade an einer Schreibblockade leidende Schriftstellerin Ruth lebt mit ihrem Mann Oliver auf einer kleinen Insel vor der Küste der kanadischen Provinz British Columbia. Eines Tages findet sie am Strand eine wasserdicht verpackte Tasche, in der unter anderem eine Art Tagebuch enthalten ist, wobei es sich um die Aufzeichnungen der 16-jährigen Nao handelt. Ruth vermutet, dass der Tsunami vom März 2011 die Tasche über den Pazifik gespült hat. Sie beginnt zu lesen und wird immer mehr von Naos Erlebnissen und Beobachtungen gefesselt, die so verschiedene Themen wie ihren selbstmordgefährdeten Vater, brutale Mobbingattacken ihrer Mitschüler und ihre 104-jährige Großmutter, die in einem buddhistischen Kloster lebt, enthalten. Je länger Ruth liest, desto mehr will sie wissen, was aus Nao geworden ist.

"A tale for the time being" wechselt ständig zwischen Naos Aufzeichnungen und Ruths anschließender Reaktion darauf. Diese Erzählstruktur sorgt durchaus für Spannung, da der Leser gemeinsam mit Ruth mitfiebert, wie sich Naos Schicksal weiterentwickelt. Gerade die lakonisch formulierten Berichte über ihre kaputte Familie und sadistischen Mitschüler gehören zu den Höhepunkten des Romans. Manche Vergleiche jedoch wirken übertrieben gewollt und unfreiwillig komisch. So heißt es an einer Stelle: "September 11 is like a sharp knife slicing through time" (265), und etwas später "Memories, like little waves, licked the edges of my mind" (364). Zudem stört etwas, dass Ozeki, gegen Ende, eigentlich unnötig und nicht zum Roman passend, übermäßig stark auf die esoterische Schiene einschwenkt. Dennoch steht "A tale for the time being" zu Recht auf der Longlist des diesjährigen Booker Prize und hätte es durchaus verdient, auch auf der am 10. September veröffentlichten Shortlist vertreten zu sein.


The Testament of Mary
The Testament of Mary
Preis: EUR 5,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Memory fills my body as much as blood and bones" (4)., 28. August 2013
Rezension bezieht sich auf: The Testament of Mary (Kindle Edition)
Es wirkt wie eine Idee aus einem Creative Writing-Kurs für Anfänger: So, liebe Leute, heute sind wir mal ganz besonders innovativ und vollziehen einen gewagten Perspektivwechsel. Was könnte wohl aus der Mutter Gottes nach der Kreuzigung ihres Sohnes geworden sein? Benutzt dazu bitte die Ich-Erzählperspekive Marias und verwendet zudem auch noch einen sehr anspruchsvollen Sprachstil, wie ihn eine von allen Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossene Frau vor 2000 Jahren bestimmt niemals in der Lage gewesen wäre zu Papier zu bringen.

Man sollte wirklich nicht zu polemisch werden, aber wie es Colm Toibins Novelle "The Testament of Mary" auf die Longlist des diesjährigen Booker Prize schaffen konnte, ist mir ein Rätsel. Die Idee ist nun wahrlich nicht neu und wurde schon viel besser und mitreißender umgesetzt. Wer in fiktionaler Form die realpolitischen und machtzynischen Prozesse nachvollziehen möchte, die zur Etablierung der "Wahrheit" des Christentums geführt haben, ist mit Philip Pullmans The Good Man Jesus and the Scoundrel Christ sowie Jose Saramagos Das Evangelium nach Jesus Christus weitaus besser bedient. Nahezu alle Ideen, die in Toibins Buch vorkommen, sind in den genannten Romanen bereits vorhanden. Von daher gehört es zu den wenig positiven Aspekten, dass "The Testament of Mary" es nur auf 100 Seiten bringt. Für die Shortlist sollte das auf keinen Fall reichen.


Portnoy's Complaint (Roman)
Portnoy's Complaint (Roman)
von Philip Roth
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "I am the Raskolnikov of jerking off" (20)., 28. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Portnoy's Complaint (Roman) (Taschenbuch)
Als großer Fan von Philipp Roth und immer noch hoffend, dass die Stockholmer Jury ihm irgendwann doch noch den Nobelpreis für Literatur verleiht, bin ich schließlich bei diesem 'Skandalbuch' gelandet. Erschienen 1969 sorgte es ob der Verkommenheit seines Erzählers und der gerade besessenen Detailtreue das Sexuelle betreffend für große Empörung. Zugegeben, auch heute noch, fast 45 Jahre später, braucht sich "Portnoy's Complaint" nicht hinter den vielen zeitgenössischen Pornoromanen zu verstecken und steckt solche Softie-Schinken à la "Shades of Grey" für Über-Ich getriebene Mittelschichts-Muttis locker in die Tasche. Es stellt sich dennoch die Frage nach dem literarischen Mehrwert dieses Buches, wenn man den ganzen moralischen Furor einmal beiseite lässt.

Der Roman besteht aus den Geständnissen des Mitdreißigers Alexander Portnoy, die er auf der Couch des Psychologen Dr. Spiegelberg liegend zum Besten gibt. Schon recht früh entdeckt er die Freuden des exessziven Onanierens "doubled over my flying fist, eyes pressed close but mouth wide open, to take that sticky sauce of buttermilk and Clorox on my own tongue and teeth" (18). Im weiteren Verlauf seiner Jugendjahre holt er sich gerne auch in öffentlichen Verkehrsmitteln einen runter und penetriert mit viele Freude, "American Pie" lässt grüßen, die dazu geeigneten Lebensmittel im Hause seiner Eltern. Schließlich wird aus ihm, den als solchen empfundenen Fesseln seiner jüdischen Herkunft entfliehend, ein erfolgreicher Anwalt und totaler Beziehungskrüppel.

Braucht man für diese Story fast 300 Seiten? Mir scheint, eine knackige Kurzgeschichte wäre hier die bessere Wahl gewesen. Zu seiner Zeit mag "Portnoy's Complaint" ein provozierender Tabubruch gewesen sein. Aus heutiger Sicht verbreitet er aber leider eher Langeweile als Schrecken und gehört somit zu Roths wenigen schlechten Büchern. Mögen die Stockholmer ihm das verzeihen...


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