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Rezensionen verfasst von
Schimmelreiter "2605gemini" (Berlin)

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Loriot - Gesammelte Werke (7 DVDs)
Loriot - Gesammelte Werke (7 DVDs)
DVD ~ Vicco Bülow

46 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Loriot - was muss man mehr sagen, 11. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Loriot - Gesammelte Werke (7 DVDs) (DVD)
Oftmals wird an uns Deutschen im Ausland (unter anderem)bemängelt, wir hätten keinen oder wenn, dann einen sehr eigenartigen Humor. So auch ein Freund von mir, der Mitte der 80er Jahre aus Schottland nach Berlin kam, um hier zu studieren. Wir lernten uns an einer Sprachschule kennen, an der er unterrichtete (ähnlich dem Sketch "Jodeldiplom), freundeten uns an und entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Nur beim Thema Humor schien es, als lebten wir in unterschiedlichen Welten. Denn während ich ein großer Fan von Monty Python war und den britschen Humor sehr schätzte, kannte Jim den humorigen Deutschen nur als betrunken-gröhlenden Karnevalsnarren oder den Humor a la Heinz Schenk. Bis ich ihm "Loriot's 60.Geburtstag" zum ersten Mal vorspielte. Er war begeistert, wie feinsinnig dieser begandete Künstler in seinen Sketchen das so typisch "Deutsche" herausmodelierte, absurde Charakterzüge in alltäglichen Situationen bloßstellte und dabei nie die Grenzen des guten Geschmacks überschritt.
Nie hat ein deutscher Humorist besser unsere (Un-)Tugenden erkannt (das allein haben sicher viele schon vorher) UND diese uns dann derart liebevoll als Spiegel vorgehalten. Nicht Bitterkeit, Sarkasmus oder Absurdität sind seine Hilfsmittel, vielmehr ist es die peinlich genaue Beobachtung des deutschen Wesens in alltäglichen Situationen, hier und da leicht überzeichnet und bestenfalls mit leiser Ironie ein wenig herausgestellt, die ihm unentliche Anregungen für seine Hoppenstedts, Hallmackenreuthers, Vic Dorn, Victor Schmoller etc. lieferte. Hinzu kommt, dass Loriot selbst, perfekt in Maske und Gestik, sein eigener, nicht zu übertreffender Hauptdarsteller war und von einem hervorragenden Team (allen voran Evelyn Hamann, Edgar Hoppe und Heinz Meier) brilliant unterstützt wurde.
Selbst meine Kinder (14 und 12 Jahre alt) lachen heute (mehr als 25 Jahre später) über Loriots Cartoons und unvergessene und unerreichte Sketche. Die Filme hatten es im direkten Vergleich zu den stets den Punkt treffenden Sketchen ungleich schwerer, auf Spielfilmlänge gerade diese Pointierungen zu bringen und trotzdem den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Ich finde, trotz einiger wohl unvermeidlicher Längen ist dies auch hier in überzeugender Weise gelungen. Doch die eigentliche Paradedisziplin Loriots sind nun einmal seine Sketche. Und wenn man mal in geselliger Runde beisammen sitzt und "Schmeckt's ?" gefragt wird, dann beginnt stets zur Belustigung aller ein witziges Ping-Pong aus Loriot-Zitaten.
Diese CD-Box bietet im Hinblick auf das TV- und Filmschaffen Loriots fast alles, was das Herz des Loriot-Fans begehrt. Und wenn Sie mich zu dieser nun fragen :"Schmeckt's ?", dann sage ich anstatt :"Sie haben mir ins Essen gequatscht" mit einer tiefen Verbeugung vor dem großen Genie des unvergleichlichen Loriot : "Danke, ausgezeichnet!"


Geräusch
Geräusch
Preis: EUR 20,99

26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Ärzte im Zenit der Kreativität, 13. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Geräusch (Audio CD)
Seit „Debil“ fand ich die Ärzte gut. Live sind sie seit eh und je ein Hammer, die Studioalben offenbarten zwar meist kleine Schwächen, waren aber nie Ausfälle. Aber natürlich sind auch an den Ärzten wie an anderen Bands, die derart lange an der Spitze stehen, die Spuren des Älter-werdens deutlich zu erkennen. Die Jungs von einst sind inzwischen über 40 und ‚Teenagerliebe‘ passt eigentlich irgendwie nicht mehr so ins Bild, wenn man selbst inzwischen ein ‚Schreck der Teenager‘ sein könnte. Die letzten Ärzte-Alben hatte ich allesamt nur noch unbedeutend wenige Male gehört. Ich hatte das Gefühl, alles schon so oder anders zu kennen. ‚Geräusch‘ habe ich dann zunächst vollkommen ignoriert. Bis meine 14-jährige Tochter Rebecca eines Tages ‚Als ich den Punk erfand‘ durchs Haus dröhnen ließ. Ich lieh mir von ihr die CD und kam nicht mehr von ihr los. Die Ärzte sprühen nur so von Selbstironie, Spaß, Albernheit, Bösartigkeit, kleinen Sauereien und vor allem von musikalischer Vielfalt, wie ich es zuvor in dieser Dichte und Perfektion bei der besten Band der Welt noch nicht erlebt hatte. Selbst die Kalauer-Nummer ‚Jag älskar Sverige‘ hat mich fast umgehauen, verbringe ich doch schon seit vielen Jahren immer wieder zahlreiche Ferientage bei Freunden in Schweden. Ich hab mich fast scheckig gelacht. Doch vor allem die rockigen Stücke sind herrlich heavy und machen in erster Linie den Reiz des Do-Albums aus. Musikalisch sind die Ärzte durchaus gereift und haben qualitativ einen neuen Höhepunkt erreicht. Dass sie dabei immer noch ihre Mäzchen machen und mehr von Peter Pan’s Verweigerung gegenüber dem Erwachsenwerden zu haben scheinen als Michael Jackson sich jemals hätte träumen lassen, macht sie glaubhaft und sympathisch. Kein falscher Pathos dominiert sondern die spürbare Freude am ‚auf-den-Pudding-hauen‘! Wer hätte beim Start von Farin und Bela gedacht, dass sie ihr Weg so weit nach oben führen würde und sie sich derart souverän in ihrer Spitzenposition auf dem heimischen Markt behaupten könnten. Seit Jahren schon ergänzt durch den inzwischen unersätzlichen Rod Gonzales sind sie heute national der Maßstab, an dem sich deutsche Rockmusik messen lassen muss. Und wer hätte je gedacht, dass die Lehrer- und Elternschrecken von einst inzwischen ein wertvolles Bindeglied zwischen den Generationen sind, die uns älteren die Möglichkeit der Kommunikation mit unseren Kindern durch die Liebe zu ein und derselben Musik gibt. Doch nicht nur deshalb ist ‚Geräusch‘ ist ein Meisterwerk, das hierzulande vergeblich seinesgleichen sucht.


On An Island
On An Island
Preis: EUR 11,99

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pink Floyd light - Gilmour kann es noch, 7. März 2006
Rezension bezieht sich auf: On An Island (Audio CD)
Die CD wird mit dem wohl als verkaufsfördernd gedachten Hinweis ‚The voice and guitar of Pink Floyd‘ an den geneigten Hörer gebracht. Bei mir als altem Musik- und vor allem auch Pink-Floyd-Fan löst dieser Hinweis eher so etwas wie peinliche Betroffenheit aus und ich stelle mir sogleich noch vor dem ersten Hördurchgang die bange Frage : Hat David Gilmour das nötig ?
Um es vorweg zu nehmen : Die Antwort ist NEIN! Zielgruppe David Gilmours sind vermutlich ohnehin ausschließlich jene, die Pink Floyd und ihn seit jeher mögen, die immer wieder darauf hoffen, dass er oder Rick Wright solo oder beide gemeinsam mit Nick Mason als Rest-Pink-Floyd noch einmal jenen Pink-Floyd-Zauber mit neuen Songs zu entfachen vermögen, der den Fans so viele musikalische Highlights beschert hat. Soviel läßt sich sagen: David Gilmour enttäuscht mit diesem Album insgesamt nicht. Nachdem er nach den großen Floyd-Alben ‚Dark Side of the moon‘ und ‚Wish you were here‘ wie Wright und Mason durch den Überegomanen Roger Waters vom wesentlichen Kreativpartner immer mehr zum reinen Begleitmusiker degradiert worden war, was Pink Floyd letztlich künstlerisch in eine Sackgasse führte, war es ihm vorbehalten, den wahren Geist von Pink Floyd zu bewahren und mit ‚Division Bell‘ zu einem finalen Höhepunkt zu führen. Solo vermochte Gilmour jedoch trotz guter Alben nicht, dieses Niveau zu halten.
Nun also ‚On an island‘. Nach den ersten Takten wird sofort klar, wer hier singt, wer hier Gitarre spielt. Der Opener „Castellorizon“ klingt sofort sehr vertraut. Der Song erinnert tatsächlich ein wenig an das Album ‚Animals‘, weist die liebgewonnenen Merkmale jener Zeit nach ‚Dark side‘ und vor ‚The wall‘ auf. Und auch die folgenden Songs ‚On an island‘,‚The blue‘ und ‚Take a breath‘ stehen dem nicht nach. Dann ‚Red sky at night‘ das irgendwie alte Zeiten beschwört und durchaus ein wenig bei „Shine on you crazy diamond‘ klaut. Doch auch wenn Gilmour prägend für die Post-Waters-Ära wurde ist der Einfluss vor allem von Wright aber auch von Mason durchaus spürbar und wichtig für die entstandenen Alben gewesen. Wie wichtig und spürbar begreift man erst, wenn man nun diese Solo-CD weiterhört. Die Lyrics sind ohnehin nie Gilmours Stärke gewesen. Mit zunehmender Spielzeit zeigen sich doch Schwächen in den einzelnen Stücken, wirken Passagen phasenweise uninspiriert, langatmig, zufällig. Es gelingt Gilmour nicht, den Spannungsbogen durchgehend zu halten. ‚This heaven‘ ist der Song, in dem diese Mängel besonders deutlich auftreten. Ihm folgt dann wie ich finde fast versöhnlich das floydartige ‚Then I close my eyes‘-Instrumental, das so aber auch schon auf Gilmours erstem Soloalbum hätte vertreten sein können. Dann mit ‚Smile’ wieder ein Schritt zurück, irgendwie nett doch auch irgendwie unbedeutend, fast ein wenig banal. ‚A pocketful of stones‘ gefällt, das finale ‚Where we start‘ kommt als echter Gilmour ruhig und einschmeichelnd daher. Sicher einer der besten Songs des Albums.
Mein Fazit : Ich mochte und mag David Gilmour, auch wenn er heute nur noch wenig mit dem gutaussehenden Gitarristen von einst gemein hat. Es ist diese angenehme Stimme, es sind die vertrauten Töne, diese Gitarrenspiel, die ich immer wieder aufs Neue hören mag. Und daher mag ich auch dieses Album. Nein, es ist nicht Pink Floyd, eher vielleicht Pink-Floyd-light, aber es hält die Erinnerung wach, wird nie peinlich, vermittelt nicht das Gefühl, dass ein alternder Rockstar nur eben noch mal abkassieren wollte. Und es lässt hoffen, dass ‚Division Bell‘ doch noch nicht das letzte reguläre Pink-Floyd-Album war. Denn Gilmour beweist, dass er es immer noch drauf hat. Es wäre schön, wenn seine ehemaligen Mitstreiter und er sich noch einmal zusammen fänden.


Big Fish
Big Fish
DVD ~ Ewan McGregor
Preis: EUR 4,99

27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschöne Parabel für die ganze Familie, 3. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Big Fish (DVD)
Was ist Lüge, was Wahrheit, was ist real und wo beginnt die Phantasie ? Tim Burton, der Meister versponnen-absurder Geschichten mit leicht düsterem Hang zu skurrilen Helden und Schauplätzen hat hier ein herrliches Märchen für die ganze Familie geschaffen – gleichsam eine Parabel auf das Leben.
Der Film erzählt die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung. Wir erfahren zunächst aus der Sicht des Sohnes Will Bloom, der nach Jahren des von ihm gewählten Schweigens zu seinem todkranken Vater Edward in sein Elternhaus zurückkehrt, dass dessen Leben eine einzige große Lüge war, die immer zwischen ihm und seinem Vater gestanden hätte. Nach und nach werden uns Einzelheiten aus dem Leben des sterbenden Vaters mitgeteilt, erzählt vom Sohn, der widerwillig die absurden Geschichten seines Vaters wiedergibt, vom Vater selbst, der sterbenskrank seiner Schwiegertochter ebenso unglaubliche Dinge erzählt wie später verschiedene andere Wegbegleiter Edward Blooms. Und was da so alles aus dem Leben dieses zielstrebigen, liebenswerten, unverbesserlichen Träumers erzählt wird ist wahrlich unglaublich. Dem jungen Will ist es nicht gegeben, zwischen Wahrheit und Ausschmückung zu unterscheiden, und so hält er schließlich alles für Lüge und Erfindung. Der Film führt uns unterdessen so behutsam durch Edward Blooms Leben, dass wir gern glauben wollen, es hätte sich doch alles genauso zugetragen. Aber natürlich sind da so unglaubliche Details, dass jede Vernunft sofort sagt : So etwas gibt es nicht. Aber ist deshalb alles Lüge ?
Will und wir lernen im Laufe des Films, dass der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge nicht unbedingt durch den ersten Anschein erkennbar wird. Je mehr wir in Edwards Leben eintauchen, desto mehr beginnen wir zu verstehen, wie dieser Mann die Welt sieht, wie er ihr trotz aller Rückschläge bis zum Schluss (schließlich weiß er ja, wie er sterben wird) seiner positiven Lebenseinstellung treu bleibt und selbst als todgeweihter seine Lebensfreude nicht verliert. Wir begegnen anderen Wegbegleitern Edwards, seiner Frau, seinem Arzt, die für Will und uns zunächst unverständlich bestätigen, dass Edwards Leben genauso war, wie er es immer erzählt hat. Und am Ende wissen wir es auch : Ja, so war es. Wenn all jene, die Edward im Leben kennen und lieben lernten bei seiner Beerdigung erscheinen (und das sind unglaublich viele) dann verstehen wir, wie reich das Leben dieses Mannes war und worin dieser Reichtum bestand, wir bekommen wie Will eine Ahnung davon, was Edward Bloom für andere Menschen getan hat ohne je ein Wort darüber zu verlieren Wir begreifen, dass ein großer Mann einem kleinen oder gar einem Kind als Riese erscheinen kann, dass eineiige Zwillinge einem Betrachter erscheinen könnten als wären sie eine Person, dass kleine Fische in den Erzählungen der Angler immer zu riesigen Fischen mutieren. Dass jedes Ding ganz anders sein kann, wenn man es nur aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Und Will versteht am Schluss, dass nichts Schlechtes daran ist, die Dinge aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten.
Der Film hat meine Familie und mich (wie vermutlich hunderttausende Kinobesucher) in eine Art Rauschzustand versetzt und uns glücklich aus seinen Fängen entlassen. Die Kinder, weil Ihnen eine wunderbar märchenhafte Geschichte erzählt wurde und die Erwachsenen, weil Ihnen wieder ins Bewusstsein gerückt wurde, dass das Leben doch eigentlich schön ist, wenn man es nur sehen will.
Die Darsteller sind allesamt wunderbar. Der junge Edward Bloom ist mit Ewan MacGregor ebenso perfekt besetzt wie der alte Edward mit Albert Finney (der irgendwie auch etwas von einem alten Wels hat). Jessica Lange ist ebenso hervorragend als Edwards große Liebe ebenso wie Helena Bonham Carter als romantisch-verträumte, unglücklich in Edward verliebte Jenny oder Danny deVito, der als Zirkusdirektor mit Wehrwolf-Schicksal in diesem Kuriositätenkainett nicht fehlen darf. Billy Crudup als Edwards Sohn Will verkörpert in diesem Panoptikum die Vernunft, den rationalen Glauben an das Sichtbare, die Unfähigkeit des Phantasielosen. Er hat es schwer, doch es gelingt ihm glaubhaft diese Rolle auszufüllen bis hin zum Wandel am Ende des Films.
Einer der schönsten Filme der letzten Jahre !


Collateral
Collateral
DVD ~ Tom Cruise
Preis: EUR 4,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender, dichter Film mit untypischem Tom Cruise, 31. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Collateral (DVD)
Michael Mann hat einen dichten, spannenden Film geschaffen und diesen in den beiden Hauptrollen mit Tom Cruise und Jamie Foxx wirklich gut besetzt. Auch wenn man im Laufe des Films tendenziell zu ahnen beginnt, wie das Ganze ausgehen wird, wird der Spannungsbogen gekonnt aufrecht erhalten und trotz des vermuteten Endes ist dessen filmische Umsetzung ein gelungener I-Punkt und der Showdown alles andere als langweilig.
An Tom Cruise scheiden sich ja im allgemeinen die Geister. Ich sehe ihn gern, halte ihn auch für einen guten Schauspieler. Meine Frau mag ihn nicht besonders. Mir ist egal, ob er Scientologe ist, andere sehen darin ein Politikum und meiden seine Filme, um die Scientology Church nicht zu unterstützen. Ich wollte also den Film vor allem auch wegen Tom Cruise sehen, meine Frau wollte ihn wegen Tom Cruise eigentlich nicht sehen. Wenn man sich an Haarfarbe und Frisur von Tom Cruise gewöhnt hat, muss man sich als nächstes damit anfreunden, dass an dem von ihm dargestellten Charakter rein gar nichts nettes zu finden ist. Mehr noch : Cruise , dem viele nachsagen, er hätte nur einen Gesichtsausdruck, verleiht dem Killer Vincent etwas maskenhaft Kaltes, so als wäre er eine perfekt funktionierende Maschine ohne jede Emotion. Letztlich ist Vincent das auch, auch wenn in den Gesprächen mit dem Taxifahrer Max sowie durch einige schwer zu verstehende Handlungen (z.B. der Blumenkauf für Max’s kranke Mutter) so etwas wie verschüttete menschliche Züge bei Vincent angedeutet werden. Und doch ist da eine menschliche Schwäche : Die ‚Sympathie‘, die Vincent Max entgegenbringt und ihn gegen jede Logik/Vernunft nicht bei Zeiten das Taxi wechseln lässt. Dieser menschliche Zug wird Vincent letztlich zum Verhängnis. Cruise spielt das so überzeugend, dass sich am Schluss die Frage aufdrängt, ob Vincent dieses Ende nicht bewusst provoziert hat.
Demgegenüber verleiht Jamie Foxx dem von ihm verkörperten Taxifahrer Max quasi entgegengesetzte Charakterzüge. Überzeugend spielt er den Träumer, der sich mit Lebenslügen selbst etwas vormacht, dem es an Mut und Courage fehlt, aus seinem Leben auszubrechen und einmal etwas zu wagen. An einem bestimmten Punkt nähern sich beide Charaktere so sehr aneinander an, dass plötzlich jeder der beiden in gewisser Weise Eigenschaften des jeweils anderen zu offenbaren scheint.
Es gibt sicher vor allem in diesem Genre überzeugendere Charakterstudien, doch oftmals leidet dann der Film darunter, verliert an Spannung oder innerer Schlüssigkeit. Nicht so ‚Collateral‘, der gut unterhält, glaubhafte Charaktere entwickelt und wie schon gesagt seinen Spannungsbogen bis zum Schluss hält. Sehr gut und auch auf DVD gut zu geniessen. Fand übrigens auch meine Frau - trotz Tom Cruise !


Alexander (Einzel-DVD)
Alexander (Einzel-DVD)
DVD ~ Colin Farrell
Preis: EUR 9,99

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Armer Alexander - konfuses blutleeres Heldenepos, 31. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Alexander (Einzel-DVD) (DVD)
Nachdem das mit viel Tamm-Tamm angekündigte ‚Troja‘, das die allseits geschürten Erwartungen beim besten Wille nicht erfüllen konnte, schon enttäuschte, wenigstens aber etwas von der "Stimmung" der Homer-Vorlage retten konnte (vielleicht war es ein Vorteil, dass eine Sage verfilmt wurde), lässt ‚Alexander‘ den geneigten Zuschauer verstört und gelangweilt zurück. Oliver Stone hatte eine Vielzahl namhafter Akteure aufgeboten. Neben Angelina Jolie als Alexanders Mutter (ebenso wie Colin Farell eine Fehlbesetzung) und Val Kilmer wurde auch die Allzweck-Waffe Sir Anthony Hopkins eingesetzt. Doch leider ist auch dieser großartige Schauspieler kein Garant für einen großen Film.
Dabei bietet die historische Vorlage vom makedonischen König, der auszog, das "erste Weltreich" zu schaffen doch beste Chancen für eine dichte, spannende Verfilmung. Leider misslingt hier jedoch alles. Den großen Schlachtszenen mangelt es an Übersichtlichkeit und Transparenz. Alles wuselt durcheinander wie in einem Computerspiel. Dass so etwas besser geht zeigen Filme wie 'Braveheart', 'Last Samurai' und selbst der ziemlich uninspirierte 'Troja'. Aber auch die Figuren bleiben allesamt leer und blass. Allen voran der Titelheld, dem es vor allem an jenem Charisma mangelt, dass den jungen Alexander ausgezeichnet haben soll. Seine z.T. langatmigen Ansprachen, deren hohler Pathos es für einen Menschen unserer Zeit kaum verständlich macht, wie dieser Mann es je schaffte, die wagemutigsten Krieger seiner Zeit zu führen, wirken peinlich. Störend auch die Art der permanenten Zeitsprünge. Dieses sonst so wertvolle filmische Mittel, Handlungsabläufe verständlich zu machen, führt hier zu Verwirrung und nervt mit zunehmender Dauer des Films. Wenn der Zuschauer die geschichtlichen Hintergründe nicht wenigstens grob kennt, kann er mit diesem Film eigentlich nichts anfangen, da er selbst als 'Monumentalfilm' mehr als dürftig ist. Das hat man schon in den 50er Jahren besser gemacht (s. 'Ben Hur' oder 'Quo vadis'). Für mich als geschichtsinteressierten Fan auch des Altertums blieb am Ende des Films als Fazit eigentlich nur die Feststellung, dass mir das eben Gesehene gar nichts gibt außer Enttäuschung darüber, dass die Chance der filmischen Darstellung eines großen Themas so vertan wurde.
Noch nichtssagender ist der Film allerdings, wenn man ihn nicht einmal im Kino sondern nur im Heimkino ansieht. Da nutzen weder 1a-Equipment noch Zusatz-Features der DVD. Sehr sehr enttäuschend.


Last Samurai (2 DVDs)
Last Samurai (2 DVDs)
DVD ~ Timothy Spall
Wird angeboten von Film_&_Music
Preis: EUR 4,85

119 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz großes Kino im besten Sinn, 24. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Last Samurai (2 DVDs) (DVD)
„Last Samurai“ war eines der großen Kinoereignisse des Jahres 2004. Für mich ist es einer der eindruckvollsten Filme der letzten Jahre. All jene, denen es nur darum geht, im Kino eine Orgie von Blut und Gewalt audio-visuell verabreicht zu bekommen mögen andere Filme mehr geben, auch wenn „Last Samurai“ nicht mit Schlachtengetümmel geizt. Ähnlich wie im beeindruckenden „Braveheart“ muss der Betrachter die dargestellte Gewalt nicht als verherrlichte rohe Gewalt missverstehen sondern als das, was sie eigentlich wirklich ist : ein Merkmal ihrer Epoche. Wir dürfen aus unserer heutigen Sicht, die ja nach zwei Weltkriegen und jahrzehntelanger Atomkriegsangst einen völlig veränderten ethisch-moralischen Blickwinkel hervorgebracht hat nicht die damaligen Zeiten als grausam abtun. Die in diesen Zeiten lebenden Menschen empfanden die Zustände zwar sicher als hart aber eben nicht als besonders grausam.
Dieser Gegensatz wird in „Last Samurai“ aufgegriffen und meisterhaft dargestellt. Es ist der Gegensatz zwischen der alten und der neuen Welt. Auf der einen Seite stehen die modernen, aufstrebenden USA, in denen der Zeitgeist keinen Platz mehr lässt für das ursprüngliche, naturverbundene, anderen Idealen anhängende Leben, wie es z.B. von den Indianer verkörpert wurde. Und so fegt das Neue das Alte einfach beiseite, nutzt die Überlegenheit neuer Technologien rücksichtslos aus, um unangefochten herrschen zu können. Die Menschen dieses Neuen Weges gehen dabei über Leichen.
Im fernen Japan auf der anderen Seite der Erdkugel könnte dieser Gegensatz nicht größer sein. Tradition hat jahrhundertelange Herrschaftsstrukturen entstehen lassen die nun nicht mehr zeitgemäß sind. Aber anders als in den USA, die ja keine gewachsene eigene Geschichte haben sondern ein Schmelztiegel sind von Menschen unterschiedlichster Herkunft lebten in Japan die Menschen über Jahrhunderte in ihren Traditionen, die Ihnen Ordnung, Sicherheit und Halt in ihrem Leben gaben. Der Feudalismus wurde nicht als Feind betrachtet sondern als Bestandteil des Lebens. Die japanische Mentalität, die Religion und das Wertesystem galten als die notwendigen festen Strukturen, die ein Leben im Einklang mit der Natur, den Familien, den Herrschenden erst möglich machten.
In diese festen Strukturen bricht nun das aufkommende Industriezeitalter mit Macht und westlich geprägtem Fortschrittsglauben ein. Plötzlich sind die alten Werte nicht nur nicht mehr gefragt sondern sogar ein Feind des Fortschritts, den es zu beseitigen gilt. Wer besser als die Samurai könnte stellvertretend für dieses überkommene Wertesystem stehen.
Der Film lässt uns durch die Augen eines Amerikaners den ungleichen, aussichtslosen Kampf des Alten gegen das Neue betrachten. Und weil uns die traditionelle Welt des alten Japan noch fremdartiger erscheint als z.B. die Welt der Indianer in den USA kommt uns auch der Gegensatz noch krasser vor. Die Samurai erscheinen uns ungleich härter, grausamer, brutaler, wenn sie zum ersten Mal auf die schlecht ausgebildeten, mit Musketen bewaffneten ehemaligen Bauern treffen, die nun als Soldaten für den Kaiser und die Neue Zeit in den Kampf geschickt werden. Wir erkennen erst langsam ebenso wie Tom Cruise in seiner bis dahin wohl besten Rolle, wer wirklich grausam ist. Und wie Tom Cruise wechseln auch wir im Verlauf des Films die Seiten, erfahren etwas über „Bushido“ und bekommen eine Ahnung davon, was es bedeutet. Wir beginnen unsere eigenen Wertvorstellungen in Frage zu stellen und – da wir im 21.Jahrhundert leben – wir bedauern die untergehenden Krieger und uns überkommt Traurigkeit, dass es nicht möglich war, durch gesellschaftliche Toleranz ein Nebeneinander des Alten und des Neuen zu ermöglichen.
All dies entwickelt der Film anhand der persönlichen Geschichte eines alkoholkranken Offiziers der US-Army, der es nicht verkraften konnte, an einem Massaker an wehrlosen indianischen Frauen, Kindern und Greisen beteiligt gewesen zu sein. Ein einstmals unter ihm dienender Sergeant verschafft ihm einen Job als Ausbilder einer neu aufzustellenden japanischen Armee, die gegen Rebellen zum Einsatz kommen soll. Schon im ersten Scharmützel zwischen der schlecht ausgebildeten jungen Truppe und den Rebellen, bei denen es sich um einen Samuraifürsten nebst seinen Vasallen handelt, entgeht der Amerikaner nur knapp dem Tod, tötet jedoch selbst einen der Anführer der Samurai und gerät daraufhin in Gefangenschaft. In dieser lernt er nach und nach zu verstehen, was diese Menschen bewegt, wie sie leben und denken, welche Werte in ihrem Leben Bedeutung haben. Er erkennt die Sinnlosigkeit seines bisherigen Lebens findet Halt und Sinn in den für ihn neuen traditionellen Werten der Samurai und überwindet seinen Alkoholismus und sein Trauma. Am Ende siegt im Kampf zwar die neue Waffentechnik über den Mut und die Opferbereitschaft der Samurai, tatsächlich aber unterliegt der hohle Pathos des aufkommenden 20.Jahrhunderts der Tradition, die allein in der Lage zu sein scheint, der Seele Heimat zu geben (Tom Cruise) oder der neuen Zeit ein menschliches Antlitz zu verschaffen, so wie es der junge Kaiser am Ende geläutert versuchen wird. Seine Erkenntnis : Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, doch ihm blind zu folgen und alles Alte einfach fortzuwischen beraubt die Menschen der Wurzeln ihrer Identität. Und wer wollte bestreiten, dass der blinde Fortschrittsglaube den Menschen in den vergangenen 100 Jahren nicht auch erheblichen Schaden zugefügt hat.
Eingebettet wird diese Geschichte in umwerfende Bilder von Landschaften und Kampfszenen, die aufgrund der Gegensätzlichkeit der unterschiedlichen Bewaffnung der Parteien zunächst skurril wirken. Tom Cruise und Ken Watanabe überzeugen in ihren Rollen als alkoholkranker Soldat bzw. Samurai bis zum Schluss. Für mich ist es von der ersten bis zur letzten Minute großes Kino im besten Sinne, ein ganz großartiger Film, der den geneigten, offenen Betrachter in seinen Bann zieht und auch nach seinem Ende lange Zeit nicht los lässt.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 23, 2012 12:24 AM CET


Charlie und die Schokoladenfabrik (2 DVDs)
Charlie und die Schokoladenfabrik (2 DVDs)
DVD ~ Johnny Depp
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 14,45

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Burton/Depp's märchenhafte Roald-Dahl-Verfilmung, 24. Januar 2006
Sie sind ein Erlfolgsgespann : Der Meister der Inszenierung düster-absurder Geschichten Tim Burton und sein Lieblingsdarsteller Johnny Depp, dem es immer mehr gelingt, das Image des Mädchenschwarms früherer Tage abzulegen und sich als hochbegabter, in fast jeder Rolle überzeugender Darsteller zu proflilieren. Dabei hat er keine noch so verunstaltende Maske zu fürchten. Egal ob als Edward mit Scheerenhänden, als Captain Jack Sparrow mit fauligen Zähnen oder als Willi Wonka mit "Eisgesicht" und abartigem Pagenkopf, Johnny Depp verleiht allen dargestellten Charakteren etwas Zauberhaftes. Und selbst wenn er wie in "Corpse Bride" nur seine Stimme leiht spürt man, welch großartiger Darsteller und perfekte Ergänzung er für Tim Burton inzwischen geworden ist.
Die Geschichte soll hier nicht nacherzählt werden, das haben bereits andere Rezensenten ausreichend getan. Roald Dahl ist einer der perfektesten Erfinder absurder Geschichten gewesen. Je absurder aber eine Geschichte ist, desto schwieriger ist ihre filmische Umsetzung, weil jeder Mensch andere Bilder des Absurden in seinem Kopf trägt. Tim Burton hat wie schon in seinen Batman-Filmen eine düster und unheimlich wirkende Welt kreiert. Als Gegenpol gibt es die armselige kleine Hütte, in der Charlie mit Eltern und Großeltern lebt. Alle übrigen Kinder und deren Eltern sind fürchterlich. Die Überzeichnung der Charaktere der ursprünglichen Geschichte wird durch Burton und seine wirklich perfekt besetzten Rollen hervorrragend umgesetzt, so dass auch gleich die enstprechenden Sympathien und Antipathien verteilt werden. Einzig Willi Wonka bleibt lange Zeit ein Mysterium. In die anfängliche Sympathie für den von Verrat und Vereinsamung gebeutelten Schokoladenfabrikenten mischen sich zunächst immer mehr Zweifel, ob aus dem verträumten Süßwaren-Idealisten nicht inzwischen ein bösartiger und rachsüchtiger Spinner und Psychopath geworden ist. Da aber die übrigen Kinder und deren Eltern derart unsympathisch sind, nimmt man ihre Bestrafungen als gerecht und verdient hin, ohne dass sich jedoch Schadenfreude einstellt. Und da Willi Wonka offensichtlich nur indirekt Einfluß auf die "Bestrafungen" hat (schließlich fallen ja alle ihren Eitelkeiten und Schwächen zum Opfer) und die Umpalumpas (Willi Wonkas hilfreiche Zwerge) die eigentlichen Vollzieher bzw. Begleiter der Bestrafungen sind, gelingt es, den Sympathiewert für Willi im positiven Bereich zu halten, bevor schließlich die ganze Geschichte ihre Wendung zum guten Ende hin nimmt.
Erwachsene, die sich auf diese Art Geschichten einzulassen vermögen, werden an diesem Film voller Zauber und Spaß aber auch auch voll zahlreicher Parabeln auf das Leben ihre Freude haben können. Meine Kinder und ich jedenfalls lieben diesen Film, der wie die meisten Filme natürlich vor allem im Kino all seine Stärken auszuspielen vermag. Kindern ist die Welt des Absurden ohnehin noch nicht verschlossen, weshalb sie die vielen hübschen Einfälle des Films, mit denen so manch Erwachsener nichts mehr anfangen zu können glaubt, dankbar aufnehmen und ihren Spaß daran haben. Dass es dem Film dabei gelingt, seine Botschaft von "Bescheidenheit", "Wertschätzung" und "Glück im Kleinen" auch noch erfolgreich zu platzieren macht ihn aus meiner Sicht als Familienfilm besonders bemerkens-und sehenswert. Daher satte 5 Sterne


Equilibrium
Equilibrium
DVD ~ Christian Bale
Preis: EUR 5,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zu wenig beachtetes Juwel, 19. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Equilibrium (DVD)
Visionen der Welt von Morgen sind ja schon reichlich verfilmt worden. Eine besondere Spezies stellen dabei jene Stories dar, die ausgehend von der Gegenwart düstere Bilder der Gesellschaft der Zukunft entwerfen. Literarischer Meilenstein war hier sicher der Roman 1984 von George Orwell, der Anfang der 80er Jahre eine nahezu perfekte filmische Umsetzung mit dem grandiosen John Hurt und Richard Burton in seiner letzten Rolle erfuhr. Ebenfalls in diese Richtung zielt zumindest der erste "Matrix"-Film, obgleich er wesentlich stärker als Science Fiction anzusehen ist. "Equilibrium" stellt hier eine interessante Mischung aus beiden Geschichten/Filmen dar.
In der Welt von Morgen gibt es keine Kriege mehr, weil die totalitäre Gesellschaft menschliche Emotion als Ursache allen Übels ausgemacht und durch die Zwangsverordnung einer entsprechenden Bewußtseinsdroge ausgeschaltet hat. Der so entstandene moderne Staat lebt von gegenseitiger Überwachung und totaler Kontrolle des Einzelnen. Selbst Ehepartner und Kinder denunzieren einander. Spezialeinheiten der Polizei, sog.Kleriker versuchen alles zu vernichten, woran Menschen ihr "Herz" hängen können : Kunstwerke, Musik, Literatur, Nippes, Haustiere. Ständig werden Razzien gegen "Rebellen" durchgeführt, die dann gnadenlos eliminiert und deren Kunststammlungen vernichtet werden. Christian Bale (American Psycho, Batman begins)verkörpert in genial überzeugender Weise einen solchen Kleriker, der irgendwann an der Richtigkeit seines Tuns zu zweifeln beginnt, selbst ins Visier der Überwacher gerät und daraufhin dem System den Kampf ansagt.
Vieles erinnert wie gesagt an "1984". Der "Big Brother" heißt in "Equilibrium" Vater, Kinder bespitzeln hier wie dort die Eltern, Menschen arbeiten in anonymen Massen in grauen Ministerien, überall hängen Großbildschirme (in 1984 waren es die Televisoren), der Hang zur Sentimentalität führt hier wie dort zur Auflehnung des Protagonisten gegen das System. An "Matrix" erinnern die vielen Kampfszenen, die hier jedoch eine schon fast groteske Überzeichnung erfahren.
Der Reiz des Films liegt vor allem darin, dass die ausweglose Düsternis, die "1984" ausmacht, hier zu einem positiven Ausgang führt. Dieser wirkt zwar ein wenig zu banal, aber das schadent dem Fim nicht. Und der Vorteil gegenüber "Matrix" ist ganz einfach, dass der Film am Schluß auch endet, während bei "Matrix" alles offen bleibt, um das Konzept weiter ausschlachten zu können, was nach meinem Empfinden total daneben gegangen ist. Und so gesehen läßt Equilibrium den Zuschauer aufs beste spannend unterhalten mit einem positiven Gefühl zurück.
Für mich ein ganz starker, vom Kinopublikum leider weitestgehend verkannter Film


Moulin Rouge [Special Edition] [2 DVDs]
Moulin Rouge [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Kylie Minogue
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 14,25

2 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältiger Genuss fürs Heimkino, 13. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Moulin Rouge [Special Edition] [2 DVDs] (DVD)
Dieser Film muß im Kino erlebt werden, der DVD Aufguß wird dem Spektakel einfach nicht gerecht. Und der Film selbst ? Bei all seinen Stärken kann ich die Begeisterung der meisten Kritiker und Rezensenten nur bedingt teilen. Sicher : Der Film ist in audio-visueller Hinsicht ein beeindruckendes Feuerwerk aus Musik, Farben und Absurditäten. Der Zuschauer wird förmlich ertränkt in die Sinne betäubenden Bildern untermalt von einem bisweilen beeindruckenden musikalischen Potpourri von Hits aus den 60ern bis heute, wobei einzelen Versionen der wohlbekannten Songs jedoch ziemlich daneben sind, was man im Rahmen dieses insgesamt eher absurden Spektakels jedoch verknusen kann. Erstaulich auch die Gesangsqualitäten von Nicole Kidman und Ewan McGregor. Insgesamt ist der Film ein cineastischer Rauschzustand, in dem Tempo, Stimmungen und Farben pausenlos wechseln.
Aber was ist sonst über diesen Film zu sagen. Inhaltlich ist die Geschichte ganz schwach, hat nichts gemein mit dem berühmten gleichnamigen Film aus den 50er Jahren (in dem Jose Ferrer einen beeindruckenden Toulouse-Lautrec gab) und kommt an dessen Charme nicht annähernd heran. Darstellerisch wird weder Miss Kidman noch Mr.McGregor viel abverlangt, und ab einem gewissen Zeitpunkt beginnt -mich zumindest- der Gesang der beiden auch zu nerven. Nochmehr nervt mich auf Dauer jedoch die an einen vollkommen überdrehten Videoclip erinnernde Bilderflut, die einem heftigen LSD-Rausch gleichkommt. Ich denke, an diesem Punkt scheiden sich auch die Geister : Die einen ergeben sich diesem "Rausch der Sinne" während andere (und zu denen zähle ich mich) irgendwann zuviel haben von dem Ganzen und sich noch vor Ende des Films die Frage stellen, was das ganze eigentlich soll. Es ist wie Rummelplatz und heiße Luft. Die einen erwachen dann wie aus einem Traum (oder Rausch), während wir anderen längst schon damit beschäftigt sind uns zu fragen, was uns da eigentlich heimgesucht hat.
Mein Fazit : Der Film als Kinofilm an sich ist sicher nicht schlecht und er nutzt gnadenlos alle Möglichkeiten des Kinos aus - und nur hier kann der Film auch wirklich erlebt werden. Auf DVD selbst mit bestem Equipment für Bild und Ton kommt das nicht mehr rüber. Und so beschränke ich mich auf 3 Sterne für die DVD ohne jemandem böse zu sein, wenn er aufgrund der Erinnerung an den cineastischen Rauschzustand 5 Sterne gibt.


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