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Rezensionen verfasst von
Mali

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Der Märchenerzähler
Der Märchenerzähler
von Antonia Michaelis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

51 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Furchtbare Message, 24. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Märchenerzähler (Gebundene Ausgabe)
Achtung: Meine gesamte Rezenssion besteht aus Spoilern!

Ich fand das Buch wahnsinnig spannend, mitreißend und toll...
...BIS durch die Vergewaltigungsszene im Bootshaus die "große Wende" kam.
Zumindest für mich und meine Einstellung zum Buch war es die große Wende. Für die Akteure und für den Plot des Buches, war es nur eine kurze unwichtige Nebenhandlung. Das Wort "Vergewaltigung" wurde in dem Buch auch kaum verwendet, es war immer nur von "dem was im Bootshaus passiert ist" die Rede.

Habt ihr schon mal von dem Begriff "rape culture" gehört? Falls nicht, empfehle ich es mal zu googlen. Ein Beispiel für rape culture ist die Unterscheidung zwischen "rape" und "rape rape" ([...] Wenn der große Unbekannte mit dem Messer aus dem Busch springt und über die gutaussehende, wohlerzogene Joggerin herfällt, dann sind sich alle einig, dass das eine Vergewaltigung ist. Aber was ist, wenn das Opfer (zu viel) getrunken hatte, aufreizend gekleidet war, vorher mit dem Täter geflirtet hat oder, wie bei Anna und Abel, sich zunächst freiwillig auf ihn eingelassen und es sich dann doch noch anders überlegt und "nein" gesagt hat?! In solchen Situationen heißt es dann oft, dass das doch keine "richtige Vergewaltigung" ist. Irgendwie hat sie es ja auch selbst drauf angelegt, selbst Schuld, wenn sie soviel trinkt/sich so kleidet/ihn heiß macht. Solche Vergewaltigungsmythen sind leider, nicht nur unter Männern sondern mindestens genauso stark auch unter Frauen, sehr verbreitet.

Bücher wie "der Märchenerzähler" tragen zur Stärkung der "rape culture" bei, indem eine Vergewaltigung durch den eigenen Freund (der zusätzlich auch noch eine freiwillige Annäherung durch das Opfer voraus geht) bagatellisiert wird. Es werden weder irgendwelche psychischen Folgen oder Zeichen von Traumatisierung beim Opfer nach der Vergewaltigung gezeigt, noch wird der Täter richtig als Täter dargestellt (er wird dargestellt als der arme, missbrauchte Junge, der ein bisschen zu weit gegangen ist). Klar war das nicht ok, was er gemacht hat, aber es kann halt mal passieren, und sowieso war das ja keine "richtige Vergewaltigung", hauptsache die beiden lieben sich, nicht wahr?!

Dass das Buch ein Jugendbuch ist, macht das Ganze zwar nur noch schlimmer, aber auch Erwachsene sind bei dem Thema "Vergewaltigung" oft viel weniger aufgeklärt, als man meinen würde. Auch wenn dieses Buch ein Erwachsenenbuch wäre, wäre es immer noch genauso unangebracht und Vergewaltigungsverherrlichend.
Daher ist mein Hauptproblem mit dem Buch auch nicht, dass es ein Jugendbuch ist, sondern dass es überhaupt exisitiert (zumindest in dieser Fassung. Wäre diese, eigentlich für den Plot komplett unnotwendige, Vergewaltigungsszene einfach rausgelassen worden, hätte ich (fast) überhaupt kein Problem mit dem Buch).

Hier noch zwei Linktipps zu dem Thema:
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Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 10, 2012 10:56 PM CET


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