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Rezensionen verfasst von
Plattenfreak "angu" (Österreich)

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Trippin
Trippin
Preis: EUR 17,69

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Villa Kunterbunt, 13. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Trippin (Audio CD)
Mit "Trippin'" erfinden Eric Legnini und sein Trio das Rad nicht neu; aber sie spielen so frisch und unbefangen, dass es richtig Spaß macht, zuzuhören. Eric Legnini (Piano und Fender Rhodes) und seine Mannen greifen beherzt in den Stilfundus der Musikgeschichte und holen viel bunten Krimskrams daraus hervor: Soul-Jazz, Bebop, Swing, Blues, ein klein wenig freie Improvisation, in sich gekehrte Solo-Ausflüge und sogar Rock-Zitate paaren sie mit Witz und Spielfreude. Das Ganze präsentieren Sie auf hohem musikalischem Niveau.
Am besten, man hört die Scheibe in einem Zug von vorn bis hinten durch. Viel Freude damit!


New Conception of Jazz Box
New Conception of Jazz Box

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Neugierige und alte Bekannte, 16. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: New Conception of Jazz Box (Audio CD)
Der norwegische Pianist, Elektroniker und Soundbastler versteht es, Genregrenzen mühelos zu ignorieren und platziert sich irgendwo zwischen Jazz, Minimal Music und Elektronik. Introspektive Klavierimprovisationen mit feinen Anklängen an Keith Jarrett liefert er genauso wie clubtaugliche Rhythmen und Klänge. Nachdem er mit seiner "New Conceptions of Jazz" inzwischen vier Studioalben und eine Liveplatte eingespielt hat, war es nun wohl an der Zeit, eine feine Werkschau zu veröffentlichen, die nichts zu wünschen übrig lässt.
Für Neugierige, die Wesseltoft noch nicht kennen, bietet die Box die Gelegenheit, einen Querschnitt durch 10 Jahre New Conceptions of Jazz zu hören. Und für alte Bekannte ist die Mischung aus bereits Veröffentlichtem und noch nicht Gehörtem Grund genug, sich die Box (3 Audio-CDs, 1 Live-DVD) zu besorgen, auch wenn man schon mehrere CDs sein Eigen nennt.
Bereits bekannte Studiotracks stehen neben Remixen und allerlei Live-Aufnahmen. Dabei lässt sich auch die musikalischen Entwicklung dieser Band ganz gut ablesen, obwohl die Stücke nicht chronologisch geordnet sind (aber das wäre ohnehin langweilig, oder?).
Ohne auf die einzelnen Tracks näher einzugehen, möchte ich auf ein Stück hinweisen, das mir besonders gut gefällt: eine 10 Minuten lange Version von "Sharing" aus dem Jahr 1999.
Sehenswert übrigens auch die Live-DVD, einer Konzertaufnahme aus Montreux. Hier kann man dem Meister und seinen Mannen zusehen, wie Stücke entstehen, die obwohl elektronisch, doch Seele und Freude ausstrahlen.


A Show of Hands
A Show of Hands
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 17,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Instrument - viele Klangfarben, 7. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: A Show of Hands (Audio CD)
Den Alben von E-Bassisten haftet meist der Ruf an, eine Plattform für technische Spielereien zu sein; die Mitmusiker dienen nur als Hintergrund für die egomanischen, vielleicht sogar etwas seelenlosen Kunststücke des Solisten. Ich muss zugeben, ich habe außer "A Show Of Hands" kein einziges Soloalbum von Victor Wooten gehört. Dieses aber beeindruckt mich aufs Äußerste.
Laut den Angaben im Booklet handelt es sich um ein reines Solo-Bass-Album (manchmal mit Stimmen und Tonbandaufnahmen versehen), das ohne Overdubs oder nachträgliche Korrekturen aufgenommen wurde.
Obwohl Mr. Wooten allein spielt, klingt die Musik gar nicht egomanisch, sondern so, als unterordne er seine technische Meisterschaft der Musik selbst. Die Platte wirkt sehr abwechslungsreich; Victor Wooten entlockt seinem 4-saitigem E-Bass eine Unmenge an Klangfarben und spielt gekonnt mit Akkorden und Tempi.
Mir persönlich gefallen am besten die ruhigeren, langsamen Stücke (obwohl richtig schnelles Slapping auch ganz nett ist). "More Love" im Reggae-Rhythmus lässt einen glauben, es wären zumindest zwei Instrumentalisten am Werk; es entwickelt sich zu einem richtiggehenden Ohrwurm.
Auch eine Cover-Version findet sich auf "A Show Of Hands": "Overjoyed" (im Original von Stevie Wonder), genial reduziert auf die musikalische Essenz.
"Words of Wisdom" am Schluss entfaltet eine geradezu kontemplative Stimmung, gerade im Zusammenhang mit Tonaufnahmen von Martin Luther King oder Malcom X. Dieses Stück hätte noch viel länger sein können.
"A Show Of Hands" ist ein wirklicher Geheimtipp - sowohl für E-Bass-Fans als auch für den interessierten Skeptiker!


Hidden Conversations
Hidden Conversations
Preis: EUR 19,46

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Terry Callier Elektronisch, 24. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Hidden Conversations (Audio CD)
Auf die neue Terry-Callier-Platte habe ich lange gewartet, und das Ergebnis gefällt mir (mit kleinen Einschränkungen) sehr gut.
Dass Terry Callier als Folk-Blues-Jazz-Soul-Legende einen Bezug zu elektronischer Musik hat ist nichts Neues: Schließlich veredelt seine unverwechselbare Stimme Stücke von Künstlern wie z.B. Hardkandy, Massive Attack, Koop, Nitin Sawhney, 4Hero, Urban Species u.v.m. Außerdem gibt es mit "Total Recall" ein geniales Album, auf dem Stücke von ihm in zeitgenössische Elektronik umgesetzt werden. Terry Calliers Ruf reicht weit über die Genregrenzen hinaus und seit den 90er-Jahren (betrieben durch Radio-DJ Gilles Peterson) ist er auch in der elektronischen Musikszene ein Begriff. Seine eigenen Alben waren aber meistens geprägt von akustischem Instrumentarium (Ausnahme: Das Soul- bzw. Acid-Jazz-lastige "Speak Your Peace").

"Hidden Conversations" nun versucht sich fast ganz in Richtung Elektronik zu bewegen. Auch die Klänge der verschiedenen Instrumentalisten wirken elektronisch nachbearbeitet und verfremdet. Drei Tracks ("Wings", "John Lee Hooker", Live With Me") sind von Massive Attack produziert. "John Lee Hooker" sticht hier besonders heraus durch seine verzerrten Gitarren und die Mischung aus Trip-Hop-Rhythmen und düsterem Blues, was auch sehr gut zum Text des Tracks passt. "Live With Me" (auf der Massive-Attack-Compilation "Collected" zu hören) wurde hier etwas abgespeckt und aufgetaut und klingt wesentlich intimer und wärmer als dort, verfeinert mit Fender-Rhodes- und Gitarren-Sounds.
"Sunset Boulevard" ist eine Neuinterpretation. Dieses Stück ist schon auf Calliers "Lifetime" (1999) erschienen, es erreicht hier jedoch die Tiefe der Originalversion nicht und ist für mich der erste Schwachpunkt der CD.
Der zweite Schwachpunkt ist das Titelstück "Hidden Conversations", dessen Beats und Sounds etwas billig dahingeschludert klingen, fast schon ein Stück Plastik-Pop.
Meine Lieblingstracks sind "Fool Me Fool You", das mit einer sich stets wiederholenden, aber unwiderstehlichen Keyboard-Figur einen schönen Sog erzeugt, sowie "Rice & Beans"; hier fügt sich der Akkordeon-Klang gut mit den elektronischen Elementen zusammen. "The Hood I Left behind" beginnt mit einem schönen akustischen Gitarren-Riff und ist für mich der folklastigste Song der Platte".
Alles in Allem ist "Hidden Conversations" ein großteils gelungener Versuch, der sich sicher noch ausbauen ließe. Ich denke da an die Tiefe von Alben wie Massive Attack's "Mezzanine". Abseits der Musik lohnen aber die in jedem Fall bedeutungsvollen Texte das Zuhören. Hier ist Terry Callier tiefgründig und poetisch wie eh und je. Außerdem sticht "Hidden Conversations" positiv aus dem Einerlei der Kommerzradios heraus und beweist, dass Anspruch und Hörvergnügen kein Widerspruch sind.
Meine Bewertung: Musik: 3 Sterne, Texte: 5 Sterne (ergibt im Durchschnitt 4 Sterne).


Leucocyte
Leucocyte
Preis: EUR 18,98

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unfertig und faszinierend, 22. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Leucocyte (Audio CD)
Die letzte (im wahrsten Sinne des Wortes) Platte des schwedischen Trios wird sehr verschieden beurteilt (siehe nachfolgende Rezensionen).
Fakt ist, dass Musik eine Geschmackssache ist, über die man zwar streiten kann, jedoch zu keinem allgemein verbindlichen Urteil kommt. Zweitens: Das Album entstand offensichtlich recht spontan in einem australischen Studio während einer Tournee. Es ist gewissermaßen ein Notizbuch mit vielen Ideen für den zukünftigen Weg der Gruppe. Leider kommt es dazu nicht mehr.
"Genial" bis "nichtssagend" sind die Attribute, die Leucocyte zugeschrieben werden.
Das Album ist meiner Meinung nach nicht so revolutionär, wie es vielfach (auch von offizieller Seite) dargestellt wird, denn irgendwie findet man auf "Leucocyte" Zutaten, die schon auf den vorangegangenen Alben zu finden sind. Nur konsequenter ist der begonnene Weg fortgesetzt worden z.B. mit dem vermehrten Einsatz von Elektronik und einer gewissen Lo-Fi-Ästhetik - es klirrt, rauscht und zischt - und wirkt dadurch "alternativer" und rauher.
Trotzdem passt es perfekt zum Weg, den das Trio von seinen Anfangszeiten her gegangen ist: zugängliche Melodien und Akkorde treffen auf hypnotische und repetitive Figuren, Bass und Schlagzeug demonstrieren, dass die Grenzen zwischen Jazz und (Post-)Rock sehr wohl verschwimmen können, und das Stück "Jazz" beweist mit einem Augenzwinkern, dass die drei Musiker sehr wohl wissen, woher sie kommen. "Wenn man verwurzelt ist, kann man seine Äste in den Himmel strecken." Mein Tipp: Sich Zeit nehmen, und die Platte laut und am Stück hören, von den ersten lyrischen Klavierakkorden von "Decade" bis zu den verfremdeten, klirrenden Glockentönen von "Leucocyte IV: Ad infinitum". Die Musik wächst mit dem Hören.
Mein Lieblingsstück: "Premonition: I. Earth".
P.S.: Wer glaubt, dass EST etwas ganz "Neues" gemacht haben, der höre auf den Hidden Tracks der Vorgängeralben den Gegenbeweis!


Of All the Things
Of All the Things
Preis: EUR 8,97

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas zu perfekt, 5. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Of All the Things (Audio CD)
Jazzanova haben mit "Of All The Things" nichts falsch gemacht, darin liegt das Problem für mich. Das Berliner DJ- und Musiker-Kollektiv hat sich mit dem sensationellen Debut "In Between" einen derartig hohen Standard gesetzt, dass es sehr schwer ist, etwas ähnlich Geniales zu bieten. Damit meine ich nicht unbedingt die selbe Richtung, aber die Experimentierfreudigkeit und den speziellen Klang, der Jazzanovas Tracks und Remixes auszeichnet - die Tatsache, dass sich "In Between" geschickt jeder Kategorisierung (z.B. "NuJazz") entzogen hat. Ich vermisse auf "Of All The Things" auch die große Kunst des Sampelns.
Die Klammer, die das neue Album zusammenhält, heißt "Soul aus allen Richtungen" - vom Sixties-Motown-Sound über Latin, HipHop, Neo-Soul bis zu ein wenig Elektronik. Dabei wird ganz dick aufgetragen: mit Streichern, Bläsern, Chören und ganz viel "echten" Instrumenten.
All das wäre nicht schlecht, aber für meinen Geschmack ist die Platte zu bombastisch und überperfekt geraten. Die Ecken und Kanten, die "In Between" auszeichneten, fehlen hier fast völlig. Nette Musik, aber leider nicht viel mehr.

Nun aber zu den Tracks, die mir am besten gefallen:
Der Opener "Look What You're Doin' To Me" (feat. Phonte) klingt am meisten nach Elektronik und ist reduziert, einfach auf den Punkt gebracht.
"So Far From Home" (ebenfalls mit Phonte, diesmal als Rapper) fällt durch Selbstsampling und massive Beats auf
"Dial A Cliche", eine Coverversion (das Original stammt von Morrissey) geht ins Ohr und besticht durch den Klang eines Wurlitzer-E-Pianos.
Der Höhepunkt ist aber "Let Me Show Ya", die zwar im besten 60er-Jahre-Soul daherkommt - mit Streichern, Bläsern, Chören, aber derart mitreisend und funky ist, dass man dagegen bei aller Kritik einfach nichts sagen kann.

Trotz meiner Vorbehalte ist die Platte ein Kauftipp. Meine (wohlwollende) Kritik bezieht sich ja auf den Standard, den sich Jazzanova als fixe Größe der Elektronik-Szene selbst gesetzt haben. Gemessen am Durchschnitts-Radio-Pop müsste "Of All The Things" auf jeden Fall 8 von 5 Sternen bekommen! Man darf schon jetzt gespannt sein, wenn diese Platte demnächst (hoffentlich) von diversen Klangkünstlern remixt wird!

Übrigens: Eine perfekte Symbiose aus elektronischen und organisch-akustischen Klängen bietet das neue Album von Herbaliser, "Same As It Never Was".


Man spricht Deutsh
Man spricht Deutsh
DVD ~ Gerhard Polt

5.0 von 5 Sternen Sich selbst beim Urlaub zusehen, 20. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Man spricht Deutsh (DVD)
"Man spricht deutsh" ist ein Klassiker, der auf satirische Weise die Deutschen beim Urlaub vorführt. Allerdings könnten damit auch genauso Österreicher oder Schweizer gemeint sein. Der Inhalt ist schnell erzählt: Die bayerische Familie Löffler verbringt ihren letzten Urlaubstag in Italien - mit allen Zutaten und Klischees des Massentourismus im Süden Europas: schlecht funktionierende Telefone, eine den Touristen angepasste Küche, rassig-feurige Einheimische (mehr oder weniger), präpotente Miturlauber, Bräunungsjunkies, Wasser, das mit menschlichen Ausscheidungen, Tierkadaverteilen, Präservativen und Toilettenpapier angereichert ist, der ständigen Angst vor dem Autodiebstahl ... die Liste ließe sich noch lang fortsetzen. Herr und Frau Löffler erleben in (zumeist) amourösen Tagträumen das, was sie sich vielleicht wirklich von ihrem Traumurlaub erhofften. In der Wirklichkeit jedoch lässt man an den Italienern nicht immer ein gutes Haar, auch wenn die wahren Kotzbrocken am Strand dann doch andere Deutsche sind.
Der schon 20 Jahre alte Film führt wahrlich keine feine Klinge und wirkt auch nicht mehr ganz taufrisch. Trotzdem kann man ihn sich immer wieder mit Vergnügen ansehen. Der Grund: Es geht weniger um die Darstellung tiefer Charaktere, sondern um Typen, die wir alle kennen. Und trotzdem vollbringen Gerhard Polt und Regisseur Hanns-Christian Müller das Kunststück, keinen der Dargestellten der totalen Lächerlichkeit preiszugeben. Und so kann man auch keinen dieser dargestellten Typen durch und durch unsympathisch nennen. Wir erkennen uns somit selbst, auch in unserem eigenen Urlaubsverhalten - gerade wenn wir uns krampfhaft bemühen, so zu tun, als seien wir anders als die ganze Herde der Massentouristen. Ein schöner, guter und wahrer Film!


Spaced
Spaced
Preis: EUR 36,01

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Durch den (musikalischen) Fleischwolf gedreht!, 14. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Spaced (Audio CD)
"Spaced" entzieht sich jeder Kategorisierung ' das Einzige, das auf die gesamte Platte zutrifft, ist der Begriff "elektronische Musik". Electro, Trip-Hop, Ambient, Downbeat, Ethno, Jazz - gemixt mit akustischen Elementen - all das ist irgendwie drin, und doch ist es etwas Eigenes. Sphärisch-metallische Klänge leiten den Opener "Solitute's Song" ein. Das Duke-Ellington-Stück wird von der Jazzsängerin Helen Merill gesungen und verwandelt sich in Alif Trees Händen in ein dunkles Stück Trip-Hop. Titel wie "Electro Salam" und "Anapoda" verarbeiten orientalische (indisch klingende) Einflüsse und klingen ganz entfernt nach Bollywood (nur die Stimmen). Mein Lieblingsstück "Ohm Ocean" - guter, elektronischer Jazz.
Wie der Titel "Spaced" andeutet, jede Menge Freiräume für einen kreativen Geist - zum Hören und Staunen!


Live at Tonhalle
Live at Tonhalle

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Festival für Auge und Ohr!, 23. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Live at Tonhalle (Audio CD)
Normalerweise sollte man beim Thema "Crossover von X-beliebiger Musikrichtung mit Symphonieorchester" eher skeptisch sein, da (gerade im Bereich Rock und Pop) oft unsäglich klebriger Kitsch dabei herauskommt.
"Live At Tonhalle" hat mich aber von Anfang an in seinen Bann gezogen - vielleicht gerade, weil ich mir zuerst das gesamte Konzert auf der beiliegenden DVD angesehen/angehört habe.
Da ich die Musik von Phonehead nicht kenne (außer die wunderbare Akustik-Jazz-Bearbeitung von "Second Sight" des ebenfalls auf Infracom erschienenen Projekts "Re:Jazz"), ist es besonders beeindruckend, wie Drum&Bass und Symphonieorchester unter Heike Beckmann eine große klangliche Einheit bilden. Die Elektroniker von Phoneheads benutzen den Klangkörper weder als bloße Untermalung zu ihren Beats und Klängen, noch dienen diese als reine Rhythmusgeber für das Orchester. Auf der DVD ist deutlich zu sehen, wie gut diese beiden Welten harmonieren. Nichts wirkt hier aufgesetzt oder bemüht – im Gegenteil.
Der Grund für den einzigartigen Klang: Die Komponistin und Dirigentin Heike Beckmann hat die Orchesterparts für die Phoneheads-Stücke neu auskomponiert und arrangiert. Zudem erhalten die beiden "Phoneheads" Philipp Maiburg und Michael Scheibenreiter Unterstützung durch drei Musiker (Bass, Drums und Fender Rhodes) und den Londonder Sänger Cleveland Watkiss, der eine gehörige Portion Soul beisteuert ("Subject Beautiful", "Midnight Marauders", "Roll that Stone", "A Dance").

Besonders schön finde ich es, dass keine Nummer in diesem Konzert als Füller wirkt. Trotzdem möchte ich drei Titel besonders hervorheben:
"Maracanenses" - Nach einem zweieinhalbminütigen orchestralen Intro steigt die komplette Band mit trippigem Rhythmus ein. Das Ganze schaukelt sich zu einem furiosen Part hoch, dessen musikalischer Höhepunkt das Zusammenspiel von Pauken, Drums und Beats ist.
"Syrinx" - Eine astreine D&B-Nummer, in denen das Orchester mit präzisen Stakkati den Maschinenbeats und Synthesizerklängen folgt. Hypnotisch und dunkel.
"A Dance" - Das Abschluss-Stück der CD: Orchestrale Loops und afrikanisch anmutender Gesang schaffen eine rhyhtmische Basis, in die das Orchester langsam "hineinschmilzt" - hier ist es gar nicht so einfach, Elektronik und Akustik auseinanderzuhalten.

Neben der Musik auf der Audio-CD, und dem Konzert auf DVD bietet diese noch zwei Zugaben (leider keine anderen Nummern, sondern nochmals "Maracanenses" und "Subject Beautiful" - der einzige Schwachpunkt dieses Tonträgers). Ich muss nochmal genau vergleichen, inwieweit sich die Zugaben von den Versionen unterscheiden, die im eigentlichen Konzert gespielt wurden. Als Bonus (das aber wieder ein großes Plus) ist auch ein Making-Of und etliche Videos von Phoneheads angeführt.

Resümee: Ein fantastisches Stück Musik, nicht nur für Liebhaber elektronischer Musik!


Next Twist
Next Twist
Preis: EUR 11,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die perfekte Balance!, 4. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Next Twist (Audio CD)
Nach dem Vorgängeralbum "Sonic Screen" ist "Next Twist", wie der Titel andeutet, wieder ein Stück weiter. Überwogen auf "Sonic Screen" noch scharfe, helle und klare Klänge, so ist "Next Twist" ein Stück dunkler und wärmer. Nicht gemütlicher ? kein beschauliches Stück Lounge oder treibendes Stück House. Trotzdem, und das ist für mich das Geniale, ist diese Musik nicht verkopft oder rein intellektuelles Sound Programming. Im Gegenteil: es rumpelt, zischt, knarrt, sirrt und scheppert. Akustische Klänge ? Schlagzeug, Percussion, Bass und Trompete ? gehen in synthetische über ? aber man kennt die Grenze kaum und es klingt niemals bemüht künstlich. DJ Illvibe liefert dazu Scratches und Samples ? und der Zug fährt in alle Richtungen: Blues, Free Jazz, Drum 'n' Bass bis hin zu Balkan-Klängen ? darauf muss man sich einlassen!


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