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Rezensionen verfasst von
Plattenfreak "angu" (Österreich)

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Let Love Rule-20th Anniversary - 2 CD
Let Love Rule-20th Anniversary - 2 CD
Preis: EUR 24,11

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von den Sechzigern in die Neunziger in einer knappen Stunde, 6. Juni 2013
Als "Let Love Rule" 1989 veröffentlicht wurde, wusste ich damals noch nichts davon. Zu dieser Zeit war ich als Teenager noch zu sehr im Mainstream-Pop/Rock gefangen, als dass mir so etwas gefallen hätte. Und irgendwie passte dieses Album im doppelten Sinn auch nicht in diese Zeit.
Erstens waren die mittleren bis späten 80er-Jahre die hohe Zeit der digitalen, kalten und sterilen Synthesizer-Klänge und Samples (der Yamaha DX-7 hatte sich virusgleich in der Musikindustrie ausgebreitet). Das Debut von Lenny Kravitz jedoch setzte ganz auf solides Handwerk, Pop auf Originalinstrumenten gewissermaßen. Die Hauptzutaten: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Dazu kamen Klavier (akustisch und elektrisch), echte Streicher ("I Build This Garden For Us"), Orgel und Saxophon. Die Musik - ein Gemisch aus Rock, Funk, Soul und viel Blues - klang direkt und roh, ein Verweis auf längst vergangene Zeiten, auf Beatles, Jimi Hendrix, James Brown und all die anderen Toten.
Zweitens nahm "Let Love Rule" die in den Neunzigern staffindende musikalische Hinwendung zu den Sechzigern vorweg. Je mehr Zeit also verging, desto besser passte es in den alternativen Mainstream, der dann auch noch die Popwelt infizierte (siehe Madonnas "Beautiful Stranger für den "Austin Powers 2"-Soundtrack). Lenny Kravitz' Nachfolgeralben perfektionierten und erweiterten diesen Retro-Stil noch.

Nun zu den Titeln: Grundsätzlich finde ich keine Lückenfüller auf der Platte, wohl aber einige Höhepunkte. Der erste ist das Titelstück: Beim ersten Hören noch eher unspektakulär, gewinnt es von Mal zu Mal. "Freedom Train" besticht durch sein Stakkato-Riff und zitiert sogar irgendwie elektronische Rhythmik. Der Saxophon-Part von Karl Denson gegen Ende setzt noch das i-Tüpfelchen auf. Nach "I Bulid This Garden For Us" (tolle und abwechslungsreiche Rock-Nummer mit Streichquartett und Gospel-Einsprengsel) kommt mein Favorit: "Fear": Funk-Rock, sehr cool, mit Metalriff im Refrain - eindeutig der beste Song des Albums. Zwei langsamere Stücke dürfen auch nicht fehlen: "Does Anybody Know ..." und "Rosemary". Der Song "Empty Hands" erinnert mich immer wieder an eine Art Western ...

Die Jubiläums-Version wartet darüber noch mit Demostücken, Bonus-Tracks und Live-Aufnahmen auf. Obwohl die Live-Aufnahmen nicht optimal klingen, wird der Hörer duch ihre Dynamik und Energie mehr als entschädigt. Hier ragt vor allem "Fear" heraus: 13 Minuten pure Kraft und Improvisationsfreude. So sollen Live-Versionen klingen.

"Let Love Rule" ist bereits ein Klassiker der Rockmusik. Er sollte in keinem gut sortierten Platten- oder CD-Regal fehlen.


HTC One SV Smartphone (10,9 cm (4,3 Zoll) Touchscreen, Dual-core, 1,2GHz, 1GB RAM, 8GB interner Speicher, 5 Megapixel Kamera, Android 4.0) weiß
HTC One SV Smartphone (10,9 cm (4,3 Zoll) Touchscreen, Dual-core, 1,2GHz, 1GB RAM, 8GB interner Speicher, 5 Megapixel Kamera, Android 4.0) weiß

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gut für Smartphone-Einsteiger, 31. Mai 2013
Das One SV ist mein erstes Smartphone überhaupt. Nach monatelanger Suche und vielen Recherchen habe ich mich relativ rasch dafür entschieden und wurde nicht enttäuscht. Das Stück sieht gut aus und wirkt hochwertig, obwohl es zum Teil aus Kunststoff besteht. (Damit das so bleibt, empfiehlt sich auf jeden Fall eine Displayschutzfolie und eine Hülle für die Rückseiten bzw. die Ränder.) Als relativ konventioneller Benutzer (hauptsächlich telefonieren, SMS schreiben, etwas mailen, ein bisschen surfen und ganz wenig spielen), finde ich die Leistung vollkommen in Ordnung. Die Reaktionen des Touchscreens sind präzise, die Farbdarstellung des Displays angenehm neutral und die Rechnergeschwindigkeit wirklich ausreichend. (Manchmal hat man den Eindruck, als würden Smartphones so beurteilt, als wären sie Hochleistungsrechner, aber das sind sie nun mal nicht.).
Positiv überrascht bin ich über die Möglichkeiten der Internet-Nutzung. Die Geschwindigkeit ist selbst im 3G-Netz wirklich nicht zu bemängeln und auch als WLAN-Hotspot funktioniert das Telefon in Verbindung mit einem Notebook klaglos. Natürlich sind der Freude beim Surfen durch die Größe des Displays gewisse Grenzen gesetzt, aber für den Alltagsgebrauch im Netz ist das One SV voll und ganz tauglich.
Noch ein Wort zum Akku: Die Laufzeit ist mit etwa 2 Tagen im allgemeinen Mittelfeld. Wenn man das HTC One SV hauptsächlich zum Telefonieren verwendet, geht das schon mal 3 bis 4 Tage lang. Außerdem gibt es jede Menge Einstellmöglichkeiten, mit denen man den Energieverbrauch optimieren kann.

Etwas aber fehlt mir noch: Die Software von HTC (oder ist es Android) gibt mir leider nicht die Möglichkeit, verschiedene Soundprofile zu erstellen, obwohl das scheinbar laut Bedienungsanleitung so vorgesehen ist. Für weiterführende Kommentare bin ich dankbar.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 1, 2013 11:27 AM MEST


A Physical Presence
A Physical Presence
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jazz-Funk in Bestform!, 30. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Physical Presence (Audio CD)
Dank moderner Soundtechnologie ist es heute möglich, den Studioklang eines Künstlers beinahe 1:1 auf die Bühne zu bringen. Dadurch klingen Live-Alben leider ziemlich steril, vor allem dann, wenn sich die gespielten Stücke nicht von denen auf den Studiverionen unterscheiden ...

"A Physical Presence" ist das absolute Gegenteil davon. Die Stücke werden zu interessanten Versionen ausgebaut und die Stimmung im Publikum ist gut zu sprüren. Trotz allem ist die Klangqualität hervorragend, druckvoll und luftig zugleich. Schon der Beginn ist erwähnenswert. Der Basslauf von "Hot Water" wird als schnelle, hypnotische Keyboard-Sequenz interpretiert. (Ob Mike Lindup das wohl live gespielt hat? Wenn ja, höchsten Respekt vor diesen präzisen Fingern.) Nach und nach steigen die anderen Instrumente ein und mit "Almost there" beginnt das Musikerlebnis ...
Das erste Highlight der Platte ist "Kansas City Milkman", mit einem längeren Mittelteil, der im Original so nicht vorkommt: Krys Marchs Saxophon und Kings wendiges Bassspiel verleihen dieser Nummer eine ganz neue Note. Später dann mein persönlicher Favorit auf der CD: "Foundation & Empire". Nach einem ruhigen, jazzigen Einstieg nimmt das Stück Fahrt auf, steigert sich in eine rasante Funk-Jazz-Improvisation und endet wieder mit einem langsamen und stimmungsvollen Gitarrensolo – fast 9 Minuten pure Musikalität.
Die damaligen Hits der Band, "The Chinese Way", "The Sun goes down", "Hot Water", "The Chant has begun" interpretiert die Band voller Kraft. Auch ein neues Stück darf nicht fehlen: "Follow me". Es hat seinen Weg auf kein Studioalbum von Level 42 gefunden. Schade eigentlich, denn es ist sehr gelungen, etwas rockiger als die anderen Nummern.
Schließlich auch noch das unvermeidliche "Love Games", das mit dem Bass-Motiv aus "Dune Tune" und einer daraus abgeleiteten Improvisation beginnt. Hier darf Mark King einmal mehr zeigen, was er mit seinem "Donnerdaumen" (die Bezeichnung stammt nicht von mir) drauf hat. Als Schlusspunkt spielt Level 42 "88" aus den frühen Tagen der Band: über 12 Minuten Jazz-Funk vom Feinsten, mit einer abschließenden Präsentation der Band.

Für jeden Fan von Level 42 ist "A Physical Presence" ein unverzichtbar. Dieses Tondokument zeigt, was in dieser Band steckt, besonders dann, wenn man "nur" ihre pop-orientierte Seite ab "World Machine" kennt. Sehr positiv auch: die remasterte Version beinhaltet auf den beiden CDs Stücke, die auf der alten, einfachen CD-Version fehlten.


Dumdidum
Dumdidum
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Der Titel passt!, 29. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Dumdidum (Audio CD)
Das in Blau gehaltene Cover täuscht - "Dumdidum" ist keine Chill-Out-Musik für späte Stunden, sondern ein bunter Cocktail verschiedener Stile, die in Gestalt eines Jazz-Trios präsentiert werden. Wobei: das mit dem Jazz-Trio stimmt so auch nicht ganz. Auf ein traditionelles Piano wird hier verzichtet. Statt dessen kommen ein Wurlitzer-E-Piano und diverse Keyboards zum Einsatz. Der Bass ist elektrisch, die Drums ordentlich intensiv.
Das X.-Fischer-Trio hat die Titel in kurzer Zeit eingespielt. Man merkt, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt und kein ausgefeiltes Album-Konzept. Das macht aber nichts. Die beherzte Spielweise und das Experimentieren mit verschiedenen Einflüssen (Jazz, Reggae, Dance, Elektronik ...) machen das wieder wett. Nette Platte – Dumdidum halt ...


Elements of Light
Elements of Light
Preis: EUR 13,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Strauß voller Assoziationen ..., 16. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Elements of Light (Audio CD)
Woran denkt man bei Glocken? Vielleicht an Mike Oldfields "Tubular Bells"? Und wirklich - wenn auch sonst nicht viel an das Kultalbum des englischen Multiinstrumentalisten erinnert, die einleitenden Glockenklänge lassen schon zumindest eine Ahnung zu, die sich jedoch schnell wieder verflüchtigt.
Die fünf Titel der Platte, die sich thematisch auf die Physik des Lichts beziehen, laufen ineinander über und bilden einen Klangbogen zwischen ruhigen und etwas lauteren und komplexeren Passagen. Neue Muster aus Glockenklängen werden eingeführt, elektronisch behutsam modifiziert, mit sanften Maschinenrhythmen unterfüttert und wieder von anderen Mustern abgelöst. Leise klingt das Album dann auch aus. "Elements of Light" ist also nicht "Tubular Bells", sondern eine geschickte Verbindung aus akustischen und elektronischen Sounds. Die Eckpunkte für dieses Werk sind: Ambient, Minimal Techno, Minimal Music (siehe Steve Reich) und ein Hauch Sakrales. Diese Musik sollte man am besten liegend mit geschlossenen Augen genießen (dabei aber nicht schlafen!).

Noch ein Nachsatz: Da diese Platte meine erste von Pantha du Prince ist, habe ich auch keinerlei Verlgeichsmöglichkeiten mit früheren Werken. Ist aber wohl kein Schaden ...


The Pursuit Of Accidents
The Pursuit Of Accidents
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kreativität vor dem kommerziellen Durchbruch, 6. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Pursuit Of Accidents (MP3-Download)
Level 42, die mit Funk- und Jazz-beeinflusstem Pop zu Beginn der 80-er-Jahre (des 20. Jahrhunderts) die Bühne betraten, erweiterten mit dem 1982 erschienenen "The Pursuit of Accidents" ihr musikalisches Spektrum. Mark Kings Bass-Spiel ist einerseits funky, andererseits versucht er sich auch als Melodiker. Ebenfalls prominent vertreten ist der Falsett-Gesang des Keyboarders MIke Lindup. Bis auf ein paar kleine Schwächen zählt dieses Album für mich zu den besten frühen Werken der Band (geschlagen nur noch durch "True Colours"). Bis 1988 ist es auch das letzte, das Instrumentalnummern enthält, das längere jazzlastige Titelstück sowie das vielschichtige "Shapeshifter", das mit Jazz-Gitarre, Elektronik und Latin-Elementen spielt.
Die anderen Songs vereinen im Wesentlichen Funk mit eingängigen Pop-Refrains. Dabei gefallen vor allem drei Stücke: "The Chinese Way" mit dem eingängigen Synthesizer-Intro und der schönen, aber kurzen Bridge von Mike Lindup. Dann "Are You Hearing (What I Hear)": ein nett gewundenes Bass-Intro, sowie markantem Klaviermotiv im Refrain. "Eyes Waterfalling" besticht durch eine längere, leicht psychedelisch angehauchte Einleitung, bis dann ein Gitarrenmotiv, das ein bisschen an die Beatles erinnert und aufsteigende geslappte Bassläufe den Song übernehmen.
Auch die anderen Tracks sind in Ordnung. Alles in allem gute Gründe, sich ein etwas weniger beachtetes Werk der vier Briten näher anzuhören.


Blue Lines: 2012 Remix/Remaster (Limited Edition)
Blue Lines: 2012 Remix/Remaster (Limited Edition)
Wird angeboten von DiscountMediaStoreDE
Preis: EUR 11,07

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Klassiker - jetzt leuchtet er!, 25. Februar 2013
Für mich und wohl auch etliche andere ist "Blue Lines" nach 22 Jahren ein Klassiker der elektronischen Musik (kann man so etwas sagen?). Da über das Album sicher schon viel geschrieben wurde, gehe ich nicht näher auf jedes einzelne Stück ein. Aber die Neuauflage verdient wohl eine kurze Neubewertung.
Erstens: Die bisherige CD-Ausgabe ist klanglich nicht optimal. Um in der Sprache der Fotografie zu sprechen: Über dem Werk liegt ein gewisser Grauschleier, in dem die so kreative und sorgfältige gemachte Musik leider nicht optimal zur Geltung kommt.
Zweitens: "Remastering" bedeutet im schlechtesten Fall Anheben der Bässe und Höhen & Rauschreduktion. Diesen Weg ist man hier zum Glück nicht gegangen.
"Blue Lines" wurde neu abgemischt und gemastert. Das Ergebnis halte ich einfach für meisterhaft. Der Schleier über der Musik ist weggezogen. Sie leuchtet, wie vor einem dunklen Hintergrund. Bereits die Eröffnungsnummer "Safe From Harm" klingt druckvoll und räumlich. Das Clavinet-Sample ist knackig. Viele klangliche Details werden auf einmal hör- und spürbar.
Im Prinzip hat jede Nummer gewonnen. Ganz besonders aber gilt das für den Titeltrack "Blue Lines": Hier fällt vor allem der E-Bass auf, der in der alten CD-Ausgabe ziemlich untergegangen ist. Und so könnte man noch etliche Beispiele für die gelungene Bearbeitug des Albums anführen.
Ich habe mir "Blue Lines" nach langer Zeit wieder am Stück angehört. Es gehört nach wie vor zu meinen absoluten Favoriten und klingt auch nach über 20 Jahren kein bisschen verstaubt. Mein Tipp: Investieren Sie die paar Euros und schenken Sie die alte Ausgabe am besten einem MP3-gewohnten Freund, dem man erst mal erklären muss, wer Massive Attack ist. Sie tun etwas Gutes damit!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 15, 2013 7:40 PM MEST


Business Class: Geschichten aus der Welt des Managements
Business Class: Geschichten aus der Welt des Managements
von Martin Suter
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

5.0 von 5 Sternen Was produzieren Manager?, 21. Dezember 2012
Spät habe ich "Business Class" entdeckt. Und bin hin und weg. Diese Sammlung kurzer Satiren kennt keine Längen und kaum Schwachpunkte. Statt dessen findet der (arbeitnehmende und auch mal leicht schadenfroh veranlagte) Leser allerlei Skurriles, Lustiges und Nachdenkliches über "die da oben" in den Unternehmen.
Was gleich aufgefallen ist: Es geht nicht um bestimmte Branchen, sondern um die "Branche" Management. Die Produkte, die das Management herstellt, sind Eitelkeit, Unsicherheit, Status und die dazugehörige Angst und die Gier nach Geld, Macht und Wichtigkeit. Und auch während der "kleine" Mann diese Produkte in seinem Leben erzeugt, braucht es schon Profis, wie z. B. Manager, um darin solche Vollkommenheit zu erreichen.
Suter ist Schweizer, deshalb spielen diese Geschichten vor dem entsprechenden Hintergrund. Aber auch in Deutschland und Österreich wird man ihn verstehen.
Ein wichtiges Buch, das auf einer Wohnzimmer-Couch ebenso zuhause sein kann, wie auf dem Nachtkästchen, in der Badewanne und - warum nicht? - in stillen Örtchen!


Heinrich VIII.: Der König und sein Gewissen
Heinrich VIII.: Der König und sein Gewissen
von Sabine Appel
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,95

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 3,5 Sterne für ein lang erwartetes Buch, 26. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine aktuelle Biographie von Heinrich VIII war eigentlich überfällig. Außer der Rowohlt-Monographie und einem historischen Roman findet man nicht viel in deutscher Sprache. Und da die Fernsehserie "Die Tudors" hauptsächlich auf Sex & Crime setzt und auch sonst mit den historischen Details eher flexibel umgeht, freute ich mich auf dieses Buch. Das Ergebnis ist für mich durchwachsen.

Zunächst das Positive: Sabine Appel, obwohl keine Historikerin, bemüht sich um historische Genauigkeit und ein ausgewogenes Bild des berühmt-berüchtigten englischen Königs. Sie konzentriert sich nicht nur auf seine 6 Ehen, sondern zeichnet das Bild eines umfassend gebildeten, religiösen und machtbewussten Menschen, der manipulierte, manipuliert wurde und zu erstaunlichem Selbstbetrug fähig war. Zu seiner Zeit war sich wohl kaum jemand dessen bewusst, dass seine Entscheidung, sich von der katholischen Kirche zu lösen, die Weltgeschichte entscheidend beeinflusste. Trotz des Untertitel des Werkes schien Heinrich jedoch weniger mit seinem Gewissen gerungen zu haben, als Rechtfertigungen für sein Handeln zu finden bzw. zu erfinden. Die Autorin entwirft auch ein Portrait seiner Zeit und der Leser begreift, dass man historische Figuren immer als Kinder ihrer Epoche sehen muss.

Was mir nicht so gefallen hat: Im Bemühen um eine umfassende Darstellung geht der Autorin leider manchmal der Faden verloren. Sie verheddert sich in zu vielen Nebenaspekten, wie z. B. der Person Erasmus von Rotterdam und dessen Werk "Lob der Torheit". Es war wohl ihre Absicht, damit die Person Thomas More zu erklären (auch sehr ausführlich geschildert). Somit gerät der eigentliche Gegenstand des Buches meiner Meinung nach zu sehr in den Hintergrund. Es hätte mich gefreut, wäre sie näher am Menschen Heinrich und seinem Wirken geblieben. Das Positive im Negativen: Zumindest regt Sabine Appel zur weiteren Lektüre über Personen und Epoche an ...
Weiters hatte ich beim Lesen den Eindruck, als nehme die Geschwindigkeit der Erzählung kontinuierlich zu. Die Vorgeschichte der Tudor-Dynastie und die frühe Zeit der Herrschaft Heinrichs werden ausführlich beschrieben. Gegen Ende wird die Geschichte immer knapper und hastiger, leichter zu lesen zwar, aber es erweckt den Eindruck, als gäbe es nicht mehr viel zu erzählen.

Trotz meiner Einwände fand ich das Buch alles in allem lesenswert und wichtig. Geeignet für alle, die Geschichte nicht nur als Fernsehen der Vergangenheit begreifen.


Manu Katche
Manu Katche
Preis: EUR 14,99

28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als "nur" das Solo-Album eines Schlagzeugers, 19. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Manu Katche (Audio CD)
Das ECM-typische, minimalistische Cover dieser Platte zeigt den orangefarbigen Schriftzug „Manu Katchè“ auf schwarzem Hintergrund. Daraus zu schließen, die Musik dieses Albums sei reduziert, nüchtern oder gar traurig, ist ein Trugschluss. Wahrscheinlich möchten uns Künstler und Plattenfirma bewusst in die Irre führen. Einen Hinweis darauf liefert der Akzent auf dem Buchstaben „e“, der keck in Weiß gesetzt ist und sich vielleicht als ironischer Kommentar lesen lässt: der augenzwinkernde Widerspruch zwischen Verpackung und Inhalt ...
Aber genug von dieser möglicherweise völlig abwegigen semiotischen Interpretation.

Es ist ein Phänomen: Manu Katchè beweist zum vierten Mal auf ECM, wie man mit einem Jazz-Album, das sensibel und zugänglich zugleich ist, einfach alles richtig machen kann. Die selbstbetitelte Platte bietet allerhand Neues und Vertrautes. Zunächst einmal: Der Leader verzichtet auf einen Bassisten. Das ist keineswegs ein Manko, denn der Organist und Pianist Jim Watson sorgt mit seinem soliden Spiel an der Hammond B3 für das notwendige harmonische und tieffrequente Fundament. Das abwesende Bass-Instrument wird auch von Katchè selbst ausgeglichen. Sein pointierter Einsatz der Bassdrum und das beherzte und in den temporeicheren Stücken knackige Schlagzeugspiel gibt der Musik die nötige Struktur. Die zweite Überraschung: Als Trompeter fungiert Nils-Petter Molvaer, der hier weiter nicht vorgestellt zu werden braucht. Molvaer spielt wieder einmal „richtigen“ Jazz, bläst zusammen mit dem Saxophonisten Tore Brunborg schöne Unisono-Linien und schafft durch den dezenten und klugen Einsatz von Elektronik jene atmosphärischen Linien und Klangflächen, für die er seit vielen Jahren bekannt ist. Als Sideman ordnet er sich hier in das Konzept des Leaders ein, und er macht das bravourös.
„Manu Katchè“ bietet ein wahres Kaleidoskop an Klängen. Der Bogen wird von lyrischem Jazz („Imprint“, „Loving You“) über Rhythmisch-Funkiges („Beats & Bounce) bis hin zu einem Solo-Piano-Stück am Schluss geführt, das von Katchè selbst gespielt wird. Das passt hervorragend, denn wie er in einem Interview erzählte, lernte er Klavier, bevor er zum Schlagzeug kam. Das erklärt seinen Sinn für Melodik, die in seinen Kompositionen zum Ausdruck kommt. Besonders hörenswert hier: „Loose“, in dem er gegen Ende des Stücks eines seiner seltenen Schlagzeugsoli spielt, und „Bliss“, die zweite Nummer, die besonders aus dem Zusammenspiel der tiefen Töne des Drumsets und den Akkorden der Hammondorgel gespeist wird.

Mein Schluss: Ein unumschränkter Kauftipp. Fünf Sterne reichen nicht aus!

P.S.: Die perfekte Abmischung und Produktion, die man von ECM ja schon
lange gewohnt ist, trägt zusätzlich zur Freude an diesem Stück Musik bei.


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