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Menn

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JETZT ist die Zeit für den Wandel: Nachhaltig leben - für eine gute Zukunft
JETZT ist die Zeit für den Wandel: Nachhaltig leben - für eine gute Zukunft
von Notker Wolf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erwartungen nicht erfüllt, 15. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Abtprimas Notker Wolf meint, jetzt sei die Zeit für den Wandel und fordert, nachhaltiger zu leben für eine bessere Zukunft. Die Antwort auf die Frage: "Aber wie?" bleibt jedoch auch er weitestgehend schuldig. Zwar regen seine Ausführungen zu manchen aktuellen Themen und Fragen durchaus zu kritischem Überdenken des eigenen Verhaltens an. Als Beispiele seien hier seine Einlassungen zu Fragen wie "Freie Menschen oder Konsumsklaven?" genannt. Wenn er allerdings dann eine Lanze für die biologische Landwirtschaft bricht oder sich zur Massentierhaltung (was ist das eigentlich?) äußert, muss er sich dann doch fragen lassen, ob er sich wirklich umfassend und vorurteilsfrei informiert hat. Wie wir inzwischen wissen, sind auch Biobetriebe nicht vor Skandalen gefeit und können durchaus eine sehr intensive Tierhaltung aufweisen. Und dass das Zeitalter der "Landwirtschaftlichen Tretmühle" inzwischen beendet ist, sollte dem Autor auch nicht entgangenen sein, ebenso wenig wie die Zusammenhänge zwischen Reduzierung anstatt Maximierung der Produktivität und virtuellem Landraub. So machen denn auch die Benediktiner Mönche in ihren Klöstern das, was wirtschaftlich am sinnvollsten ist und den höchsten Ertrag liefert und somit den höchsten Beitrag zur Ökonomie des Klosters bringt. In der Benediktiner Abtei Königsmünster in Meschede im Sauerland stehen rund 30 Kühe wie ehedem in Reih und Glied im Anbindestall. Es werden Fleischrinder eingekreuzt, um Fleischqualität und Mastleistung zu verbessern, Geflügel, insbes. Puten gemästet und die Erzeugnisse auf dem Weg der Direktvermarktung an die umliegende Gastronomie vermarktet. Nicht umsonst wurde dem zuständigen Pater der Spitzname "Putenpater" verliehen. In der Erzabtei St. Ottilien am Ammersee, der Abtprimas Notker Wolf früher selbst über viele Jahre als Abt vorstand, ist man einen anderen Weg gegangen. Dort steht ein ganz neuer Milchvieh-Liegeboxenlaufstall mit Technik auf dem neuesten Stand für 170 Kühe, die pro Jahr weit über 1 Mio l Milch liefern und mit sog. Voll-TMR auf max. Leistung gefüttert und sicher auch weiter gezüchtet werden. Der Stall wurde wie jeder andere Milchviehstall in Bayern mit 25% vom Staat subventioniert. Die ebenfalls neu erbaute Biogasanlage in St. Ottilien verschlingt wie jede andere Biogasanlage enorme Mengen Mais, sodass auch die Benediktiner im Voralpenland zur "Vermaisung" der Landschaft beitragen. Für die Ernte wird schwerste und modernste Technik benötigt und ich bezweifle, dass dieser Mais ohne künstliche Düngung und ohne chemische Pflanzenschutzmaßnahmen auskommt. In beiden Abteien haben die Benediktiner das getan, was jeder andere Unternehmer unter ökonomischen Gesichtspunkten tun sollte: Anpassung an die Bedürfnisse des Marktes und Optimierung der Produktionsprozesse, sei es nun durch Diversifizierung (Direktvermarktung, Biogasanlage) und/oder durch Modernisierung und Expansion (170 Kühe statt 70). Deshalb heißt es in dem Bericht in einer Fachzeitschrift über den neuen Stall auch: "Wirtschaftlichkeit statt Klingelbeutel". Und sie treten in Konkurrenz zu den übrigen landwirtschaften Betrieben. Beides ist absolut in Ordnung und in beiden Ställen geht es den Kühen gut. Deshalb kann ich mich auch sehr mit beiden Wirtschaften identifizieren. Es fällt aber schwer, diese Wirtschaftsweise der Benediktiner, insbes. in St. Ottilien, mit den Ausführungen von Abtprimas Notker Wolf in seinem Buch in Deckung zu bringen. Ich habe mir das Buch gekauft, nachdem ich den Beitrag über den neuen Stall in einer Fachzeitschrift gelesen und im Internet weiter recherechiert habe. Vor diesem Hintergrund hätte ich von dem Autor eine objektivere und sachlichere Darstellung erwartet. So bleiben am Ende mehr offene Fragen als Antworten. Interessant übrigens, dass der 170er Kuhstall der Benediktiner bei merkur-online als "Kuhkathedrale" bezeichnet wird, während ebenso merkur-online über einen vergleichbaren 120er Kuhstall 50 km weiter im Allgäu als "Agrarfabrik" berichtet.

Frank Menn (Dipl. ing. agr. / Dipl. Wirtsch. ing.)


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