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Rezensionen verfasst von
Eva T.

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Hundert Jahre und ein Sommer: Roman (Gulliver)
Hundert Jahre und ein Sommer: Roman (Gulliver)
von Klaus Kordon
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Noch immer mein Lieblingsbuch!, 11. März 2008
Auch nach über 8 Jahren nehme ich dieses Buch noch gern in die Hände.
Damals (mit 16) war die 21-jährige Eva Seemann eine Art Vorbild und Abbild von mir zugleich, und irgendwie ist sie es auch heute noch. Wie es ein doch schon älterer Herr schafft, das Lebensgefühl eines jungen Mädchens so aufzugreifen, ist schon beeindruckend.
Eva Seemann schreibt einen Brief an ihre längst verstorbene Ur-Urgroßmutter. Sie taucht in die Geschichte ihrer Familie im letzten Jahrhundert ein, so gut, wie das im Jahre 1998 halt noch möglich ist. Auch das ist bravorös umgesetzt. Kordon läßt die Fragen offen, die bei jedem offen bleiben, wenn er sich mit der Geschichte seiner Familie auseinandersetzt. Er bleibt seiner Perspektive 100%ig treu, auch wenn das manch einen stört, der doch gerne genaueres über die Frauen und Männer der Seemann-Familie wissen möchte.
Das Erforschen ihrer Familiengeschichte stellt Eva nicht allein an, ihr Großvater hat sie zu sich nach Berlin eingeladen, das Haus, in dem er und seine Vorfahren gewohnt haben, würde bald abgerissen. Letzte Chance, etwas über die Familiengeschichte zu erfahren sozusagen. Er steht ihr also bei den "Forschungen" zur Seite. Das ist für den alten Herrn nicht immer leicht, hat er doch kein ganz reines Gewissen, und stehen er und Evas Vater (sein Sohn) schon seit Jahrzehnten im Zwist miteinander.
Doch auch dieser löst sich, und zwar aus dem einfachen Grund, warum sich viele Probleme, die in diesem Buch auftauchen, lösen (manch einem lösen sich zu viele). Es wird miteinander geredet. Jedes Problem wird ausdiskutiert. Es stehen sich richtig gute und schön zu lesende Argumentationsstrukturen gegenüber. Das läßt Evas Welt auf den ersten Blick als eine heile Welt erscheinen, doch das ist sie nicht. Klaus Kordon konstruiert diese Welt halt nur mit Menschen, die miteinander reden, und sich nicht anschreien, Menschen die durch eine gute Argumentation zur Einsicht zu bringen sind. Menschen die auch eine andere Meinung als die ihrige akzeptieren und respektieren. Ein Idealbild einer Gesellschaft (mein Idealbild), aber deshalb noch lange keine heile Welt.
Während ihres aufenthaltes in Berlin verliebt sich Eva. Das gehört ja irgendwie dazu, sie ist 21, da passiert einem das schon hin und wieder mal. Sie lernt außerdem einen neuen Teil ihrer Familie kennen und nicht zu vergessen einige Punks und von der Gesellschaft "verstoßene" Gestalten, die in dem dem Abriss geweihten Haus einziehen. Diese sind genau so geschildert, wie ich welche erlebe, wenn ich mich mal mit einem auf der Straße unterhalte: nicht destruktiv, sondern in erster Linie von der Gesellschaft enttäuscht, aus der sie sich deshalb zurückgezogen haben (oder zurückgezogen worden sind). Behandelt man sie mit Respekt und schlägt man ihnen eine sinnvolle Aufgabe vor, sind es prima Leute.
Der Abriss des Hauses wird zwar durch alte und neue Hausbewohner gemeinsam verhindert, nicht aber das Ende von Evas Großvater. Dieser nimmt sich das Leben. Vom Krebs gezeichnet hat er all sein Wissen über die Familiengeschichte an Eva weitergegeben. Sein "Werk" ist (seiner Meinung nach) also getan, er möchte nicht den sichenden Krebstod erleiden, den er bei seiner Mutter und seiner Frau mit ansehen mußte.
Alles in allem ist das Buch eine Runde Sache. Es ist zwar anders geschrieben, als man das von Kordon gewöhnt ist (sonst stehen ja die historischen Figuren im Mittelpunkt), aber dennoch gut zu lesen und voller Geschichte. Es regt vor allem dazu an, mal in der eigenen Familiengeschichte zu stöbern.


Feuchtgebiete
Feuchtgebiete
von Charlotte Roche
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

13 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahrheiten und andere eklige Sachen, 10. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Feuchtgebiete (Broschiert)
Natürlich bin auch ich durch die Medien auf das Buch aufmerksam geworden. Und da ich ein Fan von Charlotte Roche und ihrer Art des Feminismus bin, mußte ich sofort zugreifen.
Was habe ich nun bekommen? Ein Buch voller Wahrheiten, die kaum einer auszusprechen wagt, eben weil sie nicht so steril und hygienisch sind, wie es in unserer Gesellschaft wohl alles sein sollte. Es tut auch nicht weh, das Buch zu lesen, man muß sich nicht übergeben. Denn spätestens bei der ersten etwas delikaten Begebenheit, die man selbst schonmal durchlebt oder ausprobiert hat, kommt der Aha-Effekt. Es ist alles menschlich! Auch wenn einige Dinge nicht appetitlich sind, kann man sie aussprechen (man muß sie deshalb ja nicht nachmachen oder schon ausprobiert haben - hab ich auch nicht, und werd ich auch nicht).
Den Stern abzug gibts für die Handlung. Ich hätte mir doch gewünscht, dass so wichtige Erkenntnisse wie die Tatsache, dass auch Frauen am Hintern Haare haben (Das scheint ja für einige neu zu sein), in einer etwas weniger platten Handlung verpackt sind. Helen kommt ins Krankenhaus, hat Zeit, über alles mögliche nachzudenken, und verliebt sich schlußendlich in den Pfleger. Das ist mir etwas wenig. Das nächste Mal entweder ne ausgereifte Handlung, oder nur Gedankengänge.


Monarchie & Alltag (Edition 2000)
Monarchie & Alltag (Edition 2000)
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Angenehm unangenehm, 6. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Monarchie & Alltag (Edition 2000) (Audio CD)
Ich hab' die Platte mit 16 als Vinyl LP auf dem Dachboden meiner Tante gefunden, viel war auf der nicht mehr zu hören, aber es hat gereicht; Ich brauchte das ganze Album!
Peter Heins Stimme ist nichts zum Entspannen, und seine Texte erst recht nicht, aber beides regt zum Nachdenken an. Wie daraus die doch (mit wenigen Ausnahmen) ziemlich platte, weil ökonomisierte Neue Deutsche Welle entstehen konnte (Hab' mir sagen lassen, dass es tatsächlich so ist.), ist mir ein Rätsel.
Beim Hören der aufgekratzten Melodien läuft es einem Manchmal eiskalt den Rücken herunter, ohne dass man das als unangenehm empfindet.
Ein Satz aus dem Booklet sagt: Symmetrie ist Schönheit für Idioten", ich meine, Symmetrie ist oftmals Schönheit für die dumpfen Massen.
Dieses Album ist asymmetrisch bis zum letzten Ton.
Wie es machbar ist, dass beispielsweise ein im Kopf pochender Titel wie Paul ist tot" auf eine unbestimmte Art und Weise so zart rüberkommt, bleibt das Geheimnis der Fehlfarben.
Man kommt nicht zur Ruhe beim Hören. Wenn diese unruhige Entschlossenheit das Lebensgefühl der beginnender 80er war (ich kann das leider nicht wirklich beurteilen, bin Jahrgang '84), ist es perfekt getroffen (und ich bin eine zu spät Geborene"). Wenn das Lebensgefühl ein anderes war, ist Monarchie und Alltag" einfach nur ein sagenhaftes Konstrukt eines solchen.
Egal was zutrifft, leichte Kost ist die Scheibe nicht, aber auch schwere Kost kann schmecken. Diese schmeckt, auch wenn sie am Anfang etwas schwer im Magen liegt. Spätestens beim dritten Hören geht das vorbei, und der Musikgeschmack lernt mit jedem weiteren Auflegen der CD dazu.


26 1/2
26 1/2
Wird angeboten von MasterDVD
Preis: EUR 4,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gott sei Dank, Paul ist immer noch tot, 6. April 2006
Rezension bezieht sich auf: 26 1/2 (Audio CD)
Ich bin ein bekennender Fan von Peter Heins Stimme, und hatte ein wenig Angst, dass die Titel unter den ausgeliehenen" Stimmen leiden könnten. Ich wurde angenehm überrascht.
Die fehlfarbentypische Aufgekratztheit" blieb den Titeln erhalten, und es macht Spaß, dem mal mit anderen Stimmen zu begegnen.
Geradezu fantastisch ist beispielsweise ein Helge Schneider, der einem mit Einsam" beinahe die Tränen in die Augen treibt. Eine Überraschung war auch Peter Lohmeyer mit Magnificent Obsession" - ich kannte ihn bisher nur als Schauspieler - wie der hier singt ... Wow!
Vor Paul ist tot" hatte ich nach der einen oder anderen Meinung, die ich mir vorher eingeholt hatte, etwas Angst. Nach denen hätte der Titel hier furchtbar sein müssen. Meine Angst war unbegründet, die von manch anderem ist es vielleicht nicht. Wer den typischen Hosen- Sound mag, kommt auch super mit Campino's Version klar. Ich find sie sogar richtig gut. Liegt aber bestimmt auch daran, dass ich ihn halt gern singen und schreien höre (Bin halt auch nur ne Frau und hab ne Affinität zu dem Typen.). Wem die Toten Hosen samt Campino abgehen, gefällt sicher eher nicht, was aus Paul ist tot" gemacht wurde.
Was Campi (für mich) rettet, stürzt Herbert Grönemeyer. Er gibt sich mit Grauschleier" sicherlich Mühe, aber da ich mit seinem Stil absolut nicht klar komme, hilft ihm das auch nicht. Da schwingt mir zu viel Selbstmitleid mit. Hörbar, aber für mich persönlich der Tiefpunkt einer insgesamt respektablen CD.
Eines geht dem Album dann aber doch ab; Bei den früheren Alben musste man sich rantasten, fand sie nicht gleich nach dem ersten Hören richtig gut, lernte sie aber von Mal zu Mal mehr schätzen, und kam irgendwann nicht mehr davon los. Dieser Lernprozess für den Musikgeschmack" fehlt mir hier irgendwie. Also kein Album zum dazulernen, sondern zum Neuentdecken von Klassikern.
Hoffentlich lerne ich beim nächsten Fehlfarben- Album wieder was dazu!
Als Überleitung dazu und Rückblick auf das, was einmal war ist 26 '" gelungen.


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