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Polygraph

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It's a Bit Complicated
It's a Bit Complicated
Preis: EUR 13,97

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Art Brut: Ein wirklich cooler Mitbewohner, 5. September 2012
Rezension bezieht sich auf: It's a Bit Complicated (Audio CD)
Art Brut sind meine große musikalische Neuentdeckung der letzten zwei Jahre: Ich kenne keine andere Band, die mich mit einem einzigen Album gleich voll für sich einnehmen konnte, die mir durch ihre Texten so sympathisch wurde, und die auf einem einzigen Album tatsächlich einen guten Song nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln kann.
Was das wichtigste ist: Art Brut haben geschafft, was in dieser Poser-geprägten Ära nur noch wenige schaffen: Sie haben textlich eine eigene und sehr sympathischen Stilnische für sich freigekratzt, und gleich dazu einen lebhaft-charmanten Rock-Sound entdeckt, der ein bisschen was von allem liefert.
Ein bisschen was von allem? Ja, denn vom Arrangement ist da eigentlich nichts spektakuläres zu vermelden: Gitarre, Bass, Schlagzeug - das war`s. Das Ergebnis ist jedoch eine Art "fröhlicher Grunge" - eine heruntergestimmter, gemächlicher Sound, der aber mal nicht melancholisch ist, sondern durch die aktive Gitarre immer melodisch bleibt, und nur gelegentlich eine kleine Dosis Punk oder Blues beimischt. Durch Eddie Argos Stimme wird der Sound der Band komplett einzigartig: Ein eigentlich gar nicht im eigentlichen Sinne "wohl"-klingendes Organ, dass aber gerade den Humor und die Alltagsempörung der Texte wunderbar ironisch rüberbringt, und noch dazu einen erlesenen englischen Akzent mitbringt.

Damit komme ich schon zum nächsten Thema, denn textlich ist dieses Album eines der besten in meiner Sammlung - die Band hat eine ganz eigene Zielgruppe für sich entdeckt, die eigentlich so stark ins Auge fällt, dass man sich fragt, wie sie überhaupt so lange vergessen werden konnte: Nämlich die Musikfans der ersten Stunde, deren Party sich nun langsam dem Ende entgegenneigt. Die offen autobiographischen Texte beschreiben die Welt durch die Augen eines Mannes Anfang 30, der gute Musik, guten Wein und ein gutes Gespräch schätzt, der eine umfangreiche Musiksammlung besitzt, und der eigentlich weiss, dass er langsam "erwachsen" werden müsste (sich im Gegensatz zu seinen genusssüchtigen Altersgenossen auch so fühlt), aber einfach nicht den entscheidenden Schritt machen will, und eigentlich auch gar nicht weiss, wie man das macht. Und ich kann es drehen und wenden, wie ich will: Ich habe mich in sehr vielen Aussagen wiedererkannt...

Nun habe ich eine Rezension verfasst, die viele bestimmt für schlechte PR halten werden, ich möchte aber nocheinmal betonen, dass Art Brut zumindest mir eine Musikerfahrung beschert haben, für die ich keinen Vergleich kenne - und dass dieses jugendlich-frische und mit sichtlicher Freude am Musikmachen aufgenommenen Album einen festen Platz in meinem Koffer für die einsame Insel ergattert hat. Keine Woche vergeht, ohne dass "Its a bit complicated" nicht mindestens einmal komplett durchläuft, und die Songs zaubern auch beim 1000. Mal noch ein Lächeln auf mein Gesicht.
Danke Eddie Argos für diese Band, und danke, dass es noch Originalität im Musikbusiness gibt.


Paranormal Activity 3
Paranormal Activity 3
DVD ~ Katie Featherston
Preis: EUR 6,99

55 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Wesen im Schlafzimmer, 23. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Paranormal Activity 3 (DVD)
Man kann sich nur an den Kopf fassen, wenn man hier liest, dass offensichtlich einige 1-Stern-Experten den Film nebenbei bei einem Bügelnachmittag gesehen haben, und jetzt glauben, sich über mangelnde Wirksamkeit mokieren zu dürfen. Wie der Name schon sagt, schaue mir einen Gruselfilm an, um mich zu gruseln - und dafür stelle ich vorher auch die notwendige Atmosphäre her; und diese besteht für gewöhnlich aus einer vorgerückten Uhrzeit, abgeschaltetem Licht und keinem anderen Menschen neben mir auf der Couch, mit dem ich mich nebenher unterhalten könnte. Wenn ich allerdings schon von vorneherein mit der Absicht an einen Film herangehe, mich NICHT gruseln zu wollen, dann lasse ich natürlich das Licht an, habe Musik im Hintergrund laufen, und schaue alle 5 Minuten auf mein Handy.

Paranormal Activity 3 ist nicht nur ein erstklassiger Horrorstreifen, er hat auch eine Herausforderung bewältigt, an der gerade im Gruselgenre jeder zweite Regisseur scheitert - nämlich die erfolgreiche Grundformel nicht nur neu aufzuwärmen (wie es bspw. unlängst bei [REC] der Fall war), sondern sie mit neuen Ideen noch zu steigern: Während bei "Freitag der 13."-Teil 48 die große Innovation darin besteht, dass Jason Vorhees zur Abwechslung mal zur Spitzhacke greift, und dafür das Kurzbeil im Schrank lässt, führt das Drehbuch hier eine simple Idee ein, die dem Grundkonzept eine komplett neue Dimension des Schreckens freiräumt: Eine drehbare Kamera.

Eine drehbare Kamera? Klingt nicht originell, oder? Was ist aber, wenn am äußersten Rand der Linse plötzlich eine schattenhafte Gestalt sichtbar wird - und die Kamera sich unbarmherzig wieder zur anderen Seite dreht. Was ist, wenn man mit hämmerndem Herzschlag 15 Sekunden herunterzählen muss, bis die alte Einstellung langsam wieder sichtbar wird? Was ist, wenn während dieser schrecklich langsamen 15 Sekunden die Fantasie mit einem durchgeht, da man schlichtweg nicht weiss (nicht wissen kann), was einen erwartet? Was ist, wenn man als Zuschauer gezwungen wird, mit einem der Protagonisten in einem komplett abgedunkelten Zimmer zu verweilen, in dem sich offensichtlich noch irgendetwas anderes aufhält? Was ist wenn man als Zuschauer auf einen komplett schwarzen Bildschirm starrt, auf dem am unteren Rand nur eine gleichmütig ablaufende Digital-Zeitanzeige zu sehen ist, und man schlichtweg weiss, dass sich in dieser Schwärze noch irgendetwas anderes verbirgt, was jederzeit mit einem gellenden Schrei auf einen zustürmen kann?

Seit Paranormal Activity darf man wieder berechtigte Hoffnung in die Zukunft des westlichen Horrorgenres setzen – die Zeit der Teenager-Schlachtfeste, der pubertären Witze und der BravoHits-Soundtracks sind endgültig vorbei, es dominieren wieder Langsamkeit, Subtilität, und eine bösartige Atmosphäre, die sich in 80 Minuten zuschnürt wie ein Würgegriff. PA 3 spielt, ganz wie der 1. Teil mit der "Angst vor der Angst" - er greift subtil in die Psyche ein, und legt dort eine Grundschicht frei, die man seit Kinderzeiten eigentlich hinter sich gelassen hat: Denn hier kommt die Furcht tatsächlich durch Schatten an der Wand, knarrende Treppenstufen und lastende Stille.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 6, 2012 3:01 PM CET


Paranormal Activity 2 (Extended Cut)
Paranormal Activity 2 (Extended Cut)
DVD ~ David Bierend
Preis: EUR 6,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Noch gut, aber..., 17. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Paranormal Activity 2 (Extended Cut) (DVD)
Gleich zu Anfang: Als Fortsetzung zu dem grandiosen ersten Teil ist PA 2 eine ziemliche Enttäuschung. Als Horrorfilm gesehen überragt er die handelsübliche Teenager-Feten-Konkurrenz aber auch weiterhin um Längen, denn in Sachen Atmosphäre und schierer Angst schleudert der Film SAW 1 bis 17 mit Schmackes ins Gebüsch.
Die Fortsetzung hat sich bemüht, das Grundkonzept des ersten Teils zu erweitern und in vieler Hinsicht noch eins draufzusetzen - statt einer Kamera im Haus gibt es nun fünf - bei einem Filmkonzept, dass per se auf Minimalismus setzt, funktionieren aber nicht alle Ideen gleichermaßen. Aber der Reihe nach:

GUT
+ Unbekannte Schauspieler: Auch in Teil 2 ruiniert kein bekanntes Gesicht die Illusion; die Darsteller sind durchweg NoNames, und dabei so talentiert und sympathisch, dass man ihnen eine baldige Würdigung zu wünschen ist
+ Altbekannte Atmosphäre: Das Kopfkino-Konzept auf dem der Film basiert, funktioniert einfach immer noch. Auch in PA 2 starrt man während der Nachtsequenzen mit zunehmend beschleunigter Herzfrequenz auf ein statisches Kamerabild, immer in Erwartung, dass es nun gleich losgeht - die Sekunden werden zu Minuten; und ganz wie wenn man selbst nachts im Bett liegt, fragt man sich nach 30 oder 40 Sekunden, ob sich da gerade wirklich ein Schatten bewegt hat, oder ob einem die Fantasie einen Streich gespielt hat.

Dies sind zwar "nur" zwei positive Gesichtspunkte, aber wer den ersten Teil gesehen hat, weiss, dass man damit schon eine ganze Menge erreichen kann. Leider vertropft eine Menge der sorgfältig hergestellten Atmosphäre durch viele kleine Unebenheiten im Drehbuch. Daher:

SCHLECHT
- Der Film spielt vor den Geschehnissen des ersten Teils und geht am Schluss nahtlos in das Drehbuch des Vorgängers über - die Grundgeschichte eines von einem Geist heimgesuchten Haushalts ist aber quasi dieselbe, und die entscheidenden Eckpunkte und Wendungen der Story (Stichwort: Ouija-Brett) sind fast 1 zu 1 aus dem Vorgänger übernommen. Auch wenn die Atmosphäre stimmig ist - die Story ist konventionell, um nicht zu sagen, einfallslos
- Mehrere Kameras: Der erste Teil kam nur mit einer einzigen Linse aus, und hat den Zuschauer damit gezwungen seine gesamte Konzentration auf ein einziges statisches Bild zu lenken - Teil 2 installiert Kameras an gleich fünf verschiedenen Standpunkten im Haus, und daher ist man auch als Zuschauer gezwungen, die eigene Aufmerksamkeit immer wieder neu zu fokussieren. Leider sind aber mindestens zwei der Kameras (Haustür und Garten) für die Handlung eigentlich vollkommen verzichtbar: Nach ca. 20 Minuten weiss man, dass sich auf diesen Aufnahmen nie etwas abspielt, daher nutzt man die x-te 10sekündige Aufnahme des Swimmingpools eher zum Aufatmen - und die Atmosphäre knickt ein.
- Die Tag/Nacht-Intervalle des Films sind ungleichmäßig gewichtet: Während Während man im 1. Teil wirklich mitfühlte, wie das Böse langsam und gemächlich in den Alltag der Protagonisten einsickerte, besteht ein "Tag" in PA 2 aus einem kurzen besorgten Gespräch am Küchentisch, bevor es dann schon wieder Nacht wird. Im Vorgänger zog sich die Bedrohung wie eine Schlinge zusammen, so dass im Schlussakt selbst der Sonnenaufgang keine Linderung der Atmosphäre bedeutete; der neue Film ist deutlich holpriger erzählt, und beschränkt seine Schrecken (bis auf eine Ausnahme) eigentlich komplett auf die Nachtzeit.
- Es ist deutlich spürbar, dass sich der eher an den Erwartungen des Zuschauers orientiert: Man kann hier durchaus zu recht von einer gewissen Manipulation reden, wenn Erwartungen aufgebaut werden, die dann einfach verpuffen: Auch dies ist ein Problem, dass sich wieder aus den zahlreichen Kameras ergibt: Anfängliche Schock-Effekte nach dem "nur eine Katze"-Strickmuster, und Kameraufnahmen, auf denen nichts passiert, untergraben immer wieder das Gefühl eines sich sich steigernden Übels
- Das schlussendliche Ende ist, um, es diplomatisch zu formulieren, flach.

Ich möchte PA2 nicht schlechtreden, denn als Film liefert er immer noch Beachtliches, ich bin aber eher gespalten, was diese Fortsetzung angeht: Einerseits klebt sie einen eher überflüssigen - und unbefriedigt umgesetzten - Erzählkontext an einen Film, der für sich absolut perfekt, stimmig und in sich geschlossen ist (das bittere Originalende des ersten Teils, das bei Youtube kursiert, wäre ein würdiger Abschluss gewesen - aber Studioboss Steven Spielberg hat auf einem offenen Ende - und damit auf einer Fortsetzung bestanden); andererseits gäbe es ohne PA 2 auch keinen dritten Teil, und hier hat man, gottseidank, wieder zu altem Terror und alter Größe zurückgefunden.
Also unterm Strich eine eher mittelmäßige Forsetzung, ich vergebe aber dennoch 4 Sterne für einen unbestreitbar vorhandenen Gruselfaktor - dank der PA-Filme ist nach fast 30jähriger Durststrecke endlich wieder Subtilität, Angst und Terror in das westliche Horrorkino zurückgekehrt, und das ist eine Leistung, die man als Genrefan gar nicht hoch genug einschätzen kann. Teil 2 hätte vieles besser machen können, aber er ist immer noch ein wirksames Verbindungsstück zu einem großartigen ersten und einem ebenso großartigen dritten Teil.


Born Villain
Born Villain
Preis: EUR 8,99

17 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen R.I.P. Marilyn Manson (1993 - 2012), 11. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Born Villain (Audio CD)
Marilyn Manson hat ein neues Album herausgebracht! Was früher eine Nachricht war, die jeder Freund der intelligenten Rockmusik begeistert aufgenommen hat, löst seit Eat Me Drink Me! eher Befremden aus. Wir alle werden älter, auch Marilyn Mansons, und natürlich verliert ein Mann über 40 irgendwann die Lust an der ständigen Provokation - keiner kann von ihm erwarten, dass er mit jedem Album einen originellen und überzeugenden ästhetischen Imagewandel vollzieht; was man von einem Mann seines Formats aber erwarten kann, ist gute Musik, aber auch hier vollzieht er mit Born Villain nun schon zum dritten Mal in Folge eine beachtliche Bruchlandung.

Dass Manson stimmlich wieder zu einigermaßen alter Größe zurückgefunden hat, ist die einzig gute Nachricht, die sich aus dem neusten Album herauslesen lässt: Musikalisch begnügt sich der Künstler auch weiterhin mit dem Allersimpelsten: Wie schon in den vorigen zwei Alben dominiert auch weiterhin der schmalbrüstige Drumcomputer und die simple Songstruktur von zweieinhalb Gitarren-Akkorden: Die simpelste Anforderung, die man ein Album haben kann - nämlich einzelne Musikstücke zu hören - bleibt auf der Strecke, denn Born Villain klingt wie ein längeres 'Warmspielen' zur eigentlichen Aufnahmesitzung, das man dann einfach in zehn 4-Minuten-Stücke portioniert hat: Mal schnell, mal langsam, aber immer beliebig. Kein Song, der befriedigt, kein Song, der ein durchdachtes Konzept oder eigenen Charme erkennen liesse - während Eat Me! wenigstens noch geschliffene Gitarrensoli mitbrachte, ist Born Villain derselbe schrammelig-einfallslose Industrial-Einheitsbrei, wie schon The High End of Low - aber um über die melodische Armut hinwegzutäuschen, hat Manson sein neustes Epos diesmal mit allerlei Elektro-Effekten unterlegt, was diesem konzeptlos-mäandernden Album vollends den Charakter einer zweitklassigen Remix-Sammlung verleiht.

Allein "Murders are getting prettier" zeigt die Band ein weiteres Mal von ihrer aggressiveren Seite, aber auch dieses Stück überzeugt nicht, sondern wirkt eher wie eine Pflichtableistung, um dem Album noch einen 'Kracher' hinzuzufügen - spätestens bei diesem Stück kann man aber Anno 2012 auch Brian Warner als ein weiteres Opfer auf die schier endlosen Liste der Verluste des 'Krieg der Lautstärke' setzen: Ein sauber produziertes Album, das man über Kopfhörer geniessen kann, ohne dass das gemein-übersteuertes Gescharre Furchen im Trommelfell hinterlässt, ist heutzutage offenbar zuviel verlangt.

Textlich gewinnt das Album ebenfalls keinen Trostpreis: Von Sozialkritik oder gar weltpolitischen Themen will die Band offenbar nichts mehr wissen. Marilyn Manson hat nichts mehr zu sagen, also greift er auf kryptisch-verwaschene Textbausteine zurück, die vielleicht Sinn gemacht haben, als er sie im Absinth-Rausch auf einen Bierdeckel gekritzelt hat.
- "You are not a shovel and I am not your dirt; is there any way to unswallow my pride?"
- "And I could look into the crowded morgue of mistakes; the sun stopped its smile and frowned on me too."
- "You are just a ring tone that happens when you get sick enough to call the one with bullet holes."
Die Texte, die Marilyn Manson auf dem Höhepunkt seiner Karriere geschrieben hat, verbieten es, solch verblasenes Emo-Geschwurbel auch nur mit einem Wort zu kommentieren.

Fazit? Bis Eat Me Drink Me! Hatte jedes MM-Album einen thematischen, musikalischen und ästhetischen Schwerpunkt, aber mit Born Villain liegt nun die dritte Scheibe vor, die keinerlei Ideen, Sorgfalt oder Ansätze erkennen lässt, sondern einfach nur gewohntes Material durchkaut. Damit kann man auch nicht mehr von einer Schaffenskrise reden, denn dafür ist dieses Album (genau wie schon The High End of Low) einfach zu schludrig und desinteressiert heruntergekurbelt: Eat Me Drink Me! War ein Ausrutscher eines Mannes mit Liebeskummer, The High End war Zeugnis eines ernstzunehmenden Ideenmangels, aber bei Born Villain gibt es keinen Milderungsgrund mehr: Manson hat keinerlei Anstrengungen unternommen, sich in irgendeiner Form neu zu erfinden (das senkrechte Abdrucken der Songtitel gilt nun offenbar als gewagte ästhetische Provokation), er ist keine neuen Wege gegangen, die man vielleicht als gewagt, aber immerhin innovativ bezeichnen könnte, sondern hat seiner Fangemeinde mit diesem Album im Vorbeigehen einfach wieder ein paar Brotkrümel hingeworfen.
Und damit gibt es nach Born Villain keinerlei Anlass mehr, die musikalische Karriere von Marilyn Manson mit größerem Interesse zu verfolgen, denn bis auf weiteres scheint er sich damit zu begnügen, im 4-Jahres-Takt lieblos zusammengeschustertes Elektrogeschrammel auf den Markt zu werfen, und zur Abrundung ein paar theatralisch-schwere Atemzüge darüber zu legen. Keinerlei neue Ideen, keinerlei spürbare Freude am Musikmachen, keinerlei neue Botschaften - mit diesem Album verabschiedet sich der einstige Ausnahmemusiker endgültig ins Mittelmaß. Danke Brian, war nett mit Dir.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2012 8:36 AM MEST


Phase IV
Phase IV
DVD ~ Nigel Davenport
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Survival of the fittest, 11. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Phase IV (DVD)
Auch wenn Ameisen in der grenzenlosen Tierhorror-Zoologie nicht gerade Spitzenplätze belegen - "Phase IV", diese fein-subtile Produktion aus den 70ern hat es doch geschafft hier ein Szenario aufzubauen, bei denen es einen tatsächlich an manchen Stellen fröstelt. Im Gegensatz zu Genrevertretern wie "Formicula" oder "In der Gewalt der Riesenameisen", die auch immer eine Spur lächerlich waren, nutzt der Film keine Mutationen oder nuklear verstrahlte Riesenexemplare - dank der titelgebenden vierten Phase einer kosmischen Konstellation haben sich die kleinsten Wesen des Planeten hier zu gewaltigen Einheiten organisiert, und kreisen nun langsam drei Menschen auf einer abgelegenen Technikstation ein.

Klingt das nach Horror? In groben Zügen schon - der Film ist aber viel mehr ein nachdenkliches Portrait der scheinbar letzten Tage der Menschheit: Die Handlung spielt größtenteils in Innenräumen, und auch wenn die Belagerer mit bloßem Auge nicht zu sehen sind - mit auch nach 30 Jahren beeindruckenden (zweifelsohne von Dali und Bunuel inspirierten) Extrem-Großaufnahmen der Insekten (beim Fressen, beim Bauen, beim Töten, beim Eierlegen) sieht sich der Zuschauer hier einer maschinenhaften, straff-organisierten Armee gegenüberstellt, die ohne Emotion oder böse Absicht einfach nur immer weiter vorrückt.
90 Minuten hypnotisch-traumwandlerische Atmosphäre, wenig Dialog, und ein offenes Ende, mit bitterem Nachgeschmack: "Phase IV" bietet keinen moralinsauren Öko-Horror, sondern spielt die Evolution noch einmal unter anderen Vorzeichen durch: Denn nur der am besten organisierte überlebt.


I'm With You
I'm With You
Preis: EUR 6,66

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Halte Deine Ohren sauber...., 6. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: I'm With You (Audio CD)
...sag nein zu Pop-Musik; und damit auch zum neuen Album der Red Hot Chili Peppers.
Dass man es schaffen kann, schon seit gut 10 Jahren mit jedem Album immer nur langweiliger, und noch langweiliger zu werden, ist eine Leistung, wie man sie in der jüngsten Musikgeschichte wohl kein zweites Mal findet. Die Männer, die diese CD gemacht haben, sind alle noch keine 50, und sie machen schon jetzt Musik, für Rentnerkaffeekränzchen - und was das schlimmste ist, sie sind offenbar auch noch stolz darauf.

Britney Spears, Lena Mayer-Landruth - selbst all die farblosen Ein-Hit-"Wunderkinder", die uns im Vierteljahrestakt von geldgierigen Studiobossen ins Hirn gehämmert werden, haben meistens wenigstens noch einen Refrain bei dem man kurz aufhorcht: Was wir aber hier unter dem einstmals ehrwürdigen RHCP-Namen aufgenommen wurde, ist verflüssigte Zuckerwatte in Ohropax-Form: Sanft, abgeschliffen, glattgebügelt, weinerlich-hingewisperter Gesang - "I am With You" ist keine Musik, es ist ein Klangteppich wie auf einer Meditations-CD, die man bei Rossmann für 4,99 an der Kasse findet, Hintergrundgeräusch, dem man nicht zuhört, sondern das mein einfach zur Kenntnis nimmt.
Wäre dieses Album wenigstens komplett misslingen, wäre das ja zumindest eine Aussage, aber diese 60 Minuten sind schlichtweg irritierend in ihrer anbiedernd-gefälligen Art. Ein passiv-aggressiver Kuschelpop-Antiklimax, neben dem sogar das Gedudel in Arztpraxen, Fahrstühlen und Frisiersalons noch Pepp hat.
Es übersteigt mein Vorstellungsvermögen, dass das nächste RCHP-Album noch lascher und zahnloser werden kann, als was einem hier geboten wird. Das habe ich allerdings nach "By The Way" auch schon gedacht...
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2012 10:03 PM CET


Die Angst sitzt neben Dir. Gesamtausgabe
Die Angst sitzt neben Dir. Gesamtausgabe
von Frank Trebbin
  Gebundene Ausgabe

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frank Trebbin - ein Gesandter, 27. Mai 2012
Brüder und Schwestern - fallt auf die Knie, senkt den Blick, streckt die Hände aus und empfangt voller Demut dieses Buch, das uns Frank Trebbin, der Prophet, der Visionär, der Mann, der alles gesehen hat, unter Verlust von Jahren seiner Lebenszeit hinterlassen hat. Dieser Titan, dieser Übermensch, dieser göttlich inspirierte, dessen Liebe für das Genre das unsrige um das Millionenfache in den Schatten stellt, hat sein Leben gegeben, um eine Kartei des Horrorkinos anzufertigen, in der jeder Film - egal ob Klassiker, oder Studentenproduktion, bestehen muss. 800 Seiten, Brüder und Schwestern, glaubt mir, wenn ein Film hier nicht verzeichnet ist, dann gibt es ihn nicht (zumindest bis 1998) - ob Schlitzer mit Eishockeymaske oder Haifisch, ob fleischfressende Fledermäuse oder Killerpflanze - vor dem Urteil Frank Trebbins, sind sie alle gleich; sein Argusblick und sein enzyklopädisches Wissen umschliesst Hollywood-Blockbuster ebenso wie Amateurfilme aus Uruguay.

Frank Trebbin soll uns ein Beispiel sein, dem wir immer folgen, von dem wir aber gleichzeitig wissen sollen, dass wir es niemals erreichen, geschweige denn übertrumpfen werden. Übt euch in Bescheidenheit, Brüder und Schwestern, fangt einfach an diese Filme zu sehen, und schaut, wieviele ihr in diesem Leben schafft, bevor ihr irgendwann euren letzten Atemzug nehmt. Egal wieviele es sein werden, seid sicher, Frank Trebbin hat mehr gesehen. Gleich Michelangelo, der sein Leben der Sixtinischen Kapelle gab, gleich James Joyce, der 17 Jahre an Finnegans Wake arbeitete, so hat auch Frank Trebbin die Abende und Wochenende seines Lebens geopfert, um uns Normalsterblichen einen Goldstandard zu hinterlassen, der uns Tag für Tag daran erinnern soll, zu was für Höchstleistungen einen Menschen die Liebe zu einem Filmgenre antreiben kann.
Und nun stehet auf, und gehet zur Videothek...


Ratten - sie sind überall!
Ratten - sie sind überall!
DVD ~ Mädchen Amick
Wird angeboten von dvd-schnellversand
Preis: EUR 19,83

5.0 von 5 Sternen Ein Genre-Juwel, 21. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ratten - sie sind überall! (DVD)
Ich mach`s kurz: In der Masse von miesen TV-Rattenfilmen aus Deutschland und der Welt sticht dieser hier ganz eindeutig hervor - gerade bei den entscheidenden Punkte für den gelungenen Nagetierhorror merkt man, dass hier jemand sein Handwerk verstanden hat:
- Viel und vor allem überzeugende Tierdressur mit nur dezent eingesetzten CGI-Effekten
- Einige wirklich psychologisch sehr gekonnt umgesetzte "Massenszenen" mit spürbarem Ekelfaktor
- Angriffssequenzen bei denen die Kamera nicht sofort wegschaut
- Ein Finale mit Knalleffekt

Über die Hintergrundstory brauchen wir nicht zu reden, über Charakterzeichnung ebenfalls nicht. Für meine Begriffe hätten es auch ein paar Dialogszenen weniger sein können, aber die Frage ob sich der Film für den Connaisseur lohnt, kann ich ganz eindeutig mit ja beantworten. Viel Spaß beim Schauen.


Love Songs for the Unloved
Love Songs for the Unloved
Wird angeboten von KELINDO³
Preis: EUR 68,25

5.0 von 5 Sternen Hart aber Herzlich, 13. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Love Songs for the Unloved (Audio CD)
Hardcore ist Musik der Straße, und Sheer Terror besitzen die Glaubwürdigkeit eines tätowierten Türstehers - und beweisen zumindest auf dieser Scheibe gleichzeitig ein Herz aus Gold.
Wie der Titel schon andeutet, handelt sich weitgehend um ein Konzeptalbum über das älteste Thema der Welt - und ohne Morrissey und Konsorten auf die Füße treten zu wollen: Manchmal klingen Liebeslieder ohne Poesie und blumige Metaphern einfach wirksamer: Der Trennungsschmerz, den Paul Bearer hier immer wieder verarbeitet, ist so ehrlich, und ohne Umschweife formuliert, die Texte so direkt, aber doch voller pointierter Beobachtungen, dass es selbst dem härtesten Kerl ans Herz geht. Sheer Terror schaffen das einmalige, und kombinieren rauh-aggressive Hooliganmusik mit einer bei 40 Minuten immer wieder aufblitzenden sensiblen und verletzlichen Seite.
Und obwohl man musikalisch relativ enge Hardcore-Wege beschreitet, schafft es die Band doch, im Songwriting eine nicht unbeträchtliche Bandbreite aufzufahren: Stadionhafte Ruf-Chöre, die sofort ins Ohr gehen, das herrlich disharmonische "Rock Bottom on the Kitchen Floor" (der Ort, an dem man(n) sich irgendwann wiederfindet, wenn sie nicht mehr da ist), mit "Drunk, Divorced" gibt es dann noch einmal eine sehr glaubwürdige Kritik der modernen Patchworkfamilie, "College Boy" liefert eine saftige Akademikerschelte mit Ohrwurmcharakter - und ganz zum Schluss findet man mit "For Rudy The Kraut" einen SKA-Party-Leckerbissen, der sich gewaschen hat.

Sheer Terror sind ein Unikat, in einer Szene, die viel zu oft auf hirnloses Prolo-Image setzt: Niemals weinerlich, niemals unglaubwürdig - Musik aus dem Bauch; Musik für verletzte Männer.


Sewn Together
Sewn Together
Preis: EUR 14,39

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Würde gealtert, und noch voll im Geschäft, 13. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sewn Together (Audio CD)
"Sewn Together" ist offiziellen Verlautbarungen nach überschüssiges Material des letzten Albums "Rise To Your Knees", und beim Durchhören kann man das durchaus glauben: Wie schon bei ihrem Comeback haben die Meat Puppets das Tempo gedrosselt, die abgefahrenen psychedelischen Gitarren runtergeschraubt, es dominiert die Country-Akkustikgitarre und Kurt Kirkwoods auch nach ein Dutzend Abstürzen immer noch unverwechselbarer Gesang.
Musikalisch klingt "Sewn Together" leicht, streckenweise schmissig, aber nie wirklich ganz fröhlich, nachdenklich aber nicht melancholisch: Eine seltsame Mischung, die man wohl hören muss, um sie nachvollziehen zu können, die man aber mit einem einzigen Wort zusammenfassen kann: reif.

Die Jungs haben sich nocheinmal zusammengerissen, und sie haben ein schönes und erwachsenes Album ganz ohne stimmliche Experimente oder endlose Refrain-Schleifen abgeliefert. Und haben bewiesen, dass sie auch nach fast 30 Jahren immer noch hervorragende Musiker sind.


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