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Polygraph

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The Roots of Guns N' Roses
The Roots of Guns N' Roses
Preis: EUR 8,99

2.0 von 5 Sternen Verzichtbar, 3. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Roots of Guns N' Roses (Audio CD)
Frühe Demo-Aufnahmen von einer der einflussreichsten Rockbands aller Zeiten, und das für nur 5 Euro? Her damit.
Ich will gar nicht viel drumrumreden: Anhand dieser Aufnahmen wäre noch keineswegs ersichtlich, welcher Zusammenschluss von genialen Talenten ein paar Jahre später unter dem Namen GNR auf die Bühne treten würde. Die Aufnahmen sind blechern und musikalisch bestenfalls Durschnitt. Gitarrengeschrammel, Schlagzeug - das war's.
Anders als bei Appetite for Destruction und den Use your Illusion-Alben hat man hier schlichtweg nicht den Eindruck, einer besonderen Band zuzuhören. Schlimmer noch - diese Aufnahmen tragen unüberhörbare Einflüsse der damals gerade in Los Angeles sehr einflussreichen GlamRock-Szene (die dann ja von Axl Rose und Co gewissermaßen abgelöst wurde), so dass man bei manchen Songs meinen könnte, hier singt gerade Mötley Crüe.

Allein Axl Rose singt unverwechselbar und charakteristisch und gibt dem bescheidenen musikalischen Spektrum im Hintergrund ein wenig Würze - wenn er allerdings einmal ein manisches Gelächter an einen Song hängen will, klingt das eher nach dem Kobold Pumuckl. Ich vergebe einen Stern für die generelle "Hörbarkeit" dieser Aufnahmen, aber im großen und ganzen ist was hier geboten wird schlichtweg nicht interessant - der Charme bei Demoaufnahmen ist, dass sie entweder anders klingen als die späteren Interpretationen, oder sie im Zweifelsfalls sogar übertreffen. Hier trifft weder das eine noch das andere zu, und da manche Lieder sogar doppelt auf der Trackliste auftauchen, die Einspielungen sich aber bestenfalls minimal voneinander unterscheiden wird es trotz der sehr kurzen Spielzeit streckenweise sogar direkt langweilig.
Also im ganzen kein neuer musikalischer Horizont, der sich hier erschliesst, und auch kein Neu-Kennenlernen der Band - man braucht also kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man das Geld stecken lässt.


Donde Jugaran Las Ninas
Donde Jugaran Las Ninas

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Chinga tu, chinga tu - CHINGA TU MADRE!!, 3. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Donde Jugaran Las Ninas (Audio CD)
Molotov ist Musik aus den Tiefen der Magenkuhle - ihr Debütalbum ist ein geifernder, galletriefender Hassklumpen, ein Faustschlag gegen den verfaulten Zustand der mexikanischen Gesellschaft, der in der Geschichte politischen Protestmusik viel zu wenig gewürdigt wurde. Schon der 1. Song gibt die Linie vor, die diese Band bis heute mehr oder wenige unverwechselhaft gemacht hat - toppagressive, schmetternde Gitarrenriffs, die nahtlos in flotte Mittwipp-Refrains übergehen, Sprechgesangeinlagen und nicht zuletzt eine erfrischende Tendenz, angesichts von gesellschaftlichen Missständen kein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Man möchte dieses Album jedem BaFöG-alimentierten Sozialrevoluzzer mit 28. Semestern Theaterpädagogik um die Ohren hauen, der sich in einem "deutschen Polizeistaat" wähnt, nur weil er nach 22 Uhr sein GreenDay-Album leiser drehen muss - Molotov gewähren einen ungeschönten Einblick, was es heisst, in einem Land zu leben, in dem nichts und niemandem - weder den Parteien, noch der Presse und schon gar nicht der Polizei - vertraut werden kann. Statt psychopathischem Keifgesang der Marke Slipknot (der natürlich auch seinen Reiz hat - nichts für ungut), erstattet eine handvoll wütender Mexikaner mit mehrstimmigen Brüllrefrains Anklage gegen unbekannt - Antworten und Lösungen findet man hier nicht, dafür aber jede Menge unbequeme Fragen.

In der zweiten Hälfte tritt die Agressivität für meine Begriffe ein wenig zu sehr in den Vordergrund, was letztendlich auf Kosten der Melodien und des Wiedererkennungswert der einzelnen Stücke geht (die späteren Alben bieten deutlich mehr Abwechslung) - daher ein Stern Abzug für ein im ganzen mehr als originelles, energiestrotzendes Album, das auch nach mittlerweile 15 Jahren seiner Erstveröffentlichung ehrlicher und ungekünstelter wirkt, als eine Wagenladung Pop-Punk-Bands aus westeuropäischen Wohlstandsfamilien.
Ein Sicherheitshinweis: Dank der erhöhten Dichte an Schimpfworten empfiehlt es sich, beim Besuch eines spanischsprachigen Landes auf das Mitsingen im Auto zu verzichten - eine Konfrontation könnte böse Folgen haben.


Spend the Night
Spend the Night
Wird angeboten von ___THE_BEST_ON_DVD___
Preis: EUR 14,71

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein neuer Typus Frau, 27. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Spend the Night (Audio CD)
Die schlechte Nachricht zuerst: Ich habe intensive Vorbehalte gegen Rockmusik von Frauen – ich kann nichts dafür, es scheint eher, als hätten weibliche Musiker mit ihren Texten und Äußerungen genau dies gewollt, denn jedesmal wenn ich eine Eigentherapie begann, und mich einer neuen derartigen Formation aussetzte, hat dies nur zu einer Intensivierung meiner Vorbehalte geführt. Die gute Nachricht: Seitdem ich die Donnas kennengelernt habe, habe ich wenigstens eine Ausnahme kennengelernt, die die Regel bestätigt.
Die Donnas sind vier gutgelaunte Mädels aus Kalifornien, und für sie ist eine Band keine Plattform für die drei Ms: Menstruationskrämpfe, Mutterkomplex, Männerhass. Im Gegensatz zu verklemmten Emanzen-Combos wie Kittie, die allenernstes als Polit-Sprachrohr und Progressive Instanz gefeiert wurden, aber wahrscheinlich nur niemals darüber hinweggekommen sind, dass Vati ihnen niemals ein Pony geschenkt hat, erhält man hier einen neuen Typus von Frau: Mit vordergründig unspektakulären Texten über Partys, Kerle und One-Night-Stands beweisen die Donnas, dass man als Frau auch selbstbewusst sein kann, wenn man lange Haare hat, und kurze Rücke trägt, sie sagen offen, dass Frau und Mann zwar meistens nichts als Probleme miteinander haben, aber dennoch am Ende des Tages (zumindest in den meisten Fällen), körperlich und emotional aufeinander angewiesen sind - und das wichtigste: Die Donnas kleiden ihre entspannte Botschaft in energiestrotzenden Strandparty-Rock, der sofort die Glückshormon-Produktion im Hirn ankurbelt, und mit fast schon verdächtiger Lässigkeit einen Kracher-Refrain nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt.

Mit diesem Album, das so unaufgeregt und unpolitisch daherkommt, haben diese vier Mädels einen wichtigeren Beitrag zu der Normalisierung des seit 40 Jahren neurotisierten Geschlechterverhältnis geleistet, und vielleicht einen Teelöffel Erde den Graben geschaufelt, den Alice Schwarzer und Konsorten aufgerissen haben. Sie haben laut ausgesprochen, wozu Millionen ihrer angeblich fortschrittlicheren Geschlechtsgenossinnen der Mut fehlte: Auch Frauen Spaß am Sex. Sex mit Männern.
Neben 40 Minuten frischer, erstklassiger Rockmusik, ist das noch eine sehr tröstliche Lektion, die man(n) bei Erwerb dieses vor Ideen und guter Laune sprudelnden Album gratis mit dazubekommt.


Der weiße Hai in Venedig
Der weiße Hai in Venedig
DVD ~ Stephen Baldwin

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Als würde einen ein Engel küssen.., 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der weiße Hai in Venedig (DVD)
Es wird wohl immer ein Rätsel der Filmgeschichte bleiben, wieviel hunderttausend Dollar Schmiergelder seinerzeit geflossen sind, um die Oscar-Jury gegen Shark in Venice aufzuwiegeln - egal ob Regie, Drehbuch, Kamera, Bester Haupt-/Nebendarsteller oder Spezialeffekte – Stephen Baldwins Gesellenstück ging leer aus. Das schmerzt, denn in all diesen Sparten haben wahre Großmeister der Filmkunst gewirkt, ihre Kräfte zusammengeworfen, und einen Zelluloid-Titanen geschmiedet, dem Citizen Kane, Taxi Driver und Metropolis gerade mal bis ans Knie reichen.

Michelangelo hat einmal gesagt: "In jedem Marmorblock steckt wahre Schönheit - man muss sie nur erkennen und freimeisseln", und genau dies fasst die ästhetische Konzeption des Weißen Hais in Venedig perfekt zusammen – von außen nur ein Bierdeckel-Drehbuch über fleischfressende Fische in der Lagunenstadt, entwickelt sich unter den fachkundigen Händen des Regisseurs zu einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk. Was lässt sich aus diesem Film alles lernen: Dass sich weite Teile der sizialianischen Mafia in einigen adrenalinstrotzenden Stunt-Szenen nur mit einer maroden Hotelzimmer-Lampe und ein paar Getränkekisten ausschalten lässt, dass Taucher unter Wasser glasklare Funksprüche abgeben können, obwohl sie doch Atemgeräte im Mund haben; dass Haie brüllen wie Löwen, und noch dazu seit neuestem in Süßwasser überleben – und vor allen Dingen: Dass man sich allen Ernstes "Schauspieler" nennen darf, obwohl man in 90 Minuten vielleicht zweimal das Gesicht verzieht.

In Sharks in Venice haben mehrere Universalgenies an einem Strang gezogen und ihre eigene künstlerische Vision verwirklicht. So einen Film durfte man natürlich nicht gelten lassen - die Hollywood-Aasgeier haben alles daran gesetzt, ihn schnell wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen, um uns stattdessen mehr von ihrem verblödenden Zelluloidmüll zufüttern zu können.
Dieser Film hatte keinen roten Teppich, keine Premiere in Los Angeles, dieser Film wurde nicht gedreht, um Preise zu gewinnen, oder die Kritiker zu erobern – dieser Film wurde gemacht, um uns Freude zu bereiten. Jedem einzelnen von uns. Und damit auch Ihnen.
Also schalten Sie den Computer ab, gehen Sie hinaus, halten Sie ihr Gesicht in die Sonne, nehmen sie einen tiefen Atemzug, und freuen sich auf dem Weg zur Videothek, dass die Welt immer noch so schöne Dinge bereithält.


Paranormal Activity 4 (Extended Cut, inkl. Kinoversion)
Paranormal Activity 4 (Extended Cut, inkl. Kinoversion)
DVD ~ Katie Featherston
Wird angeboten von Topbilliger
Preis: EUR 16,99

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hollywood frisst seine Kinder, 12. Februar 2013
Um es gleich vorweg zu sagen: Ich halte die PA-Reihe für das beste, was dem westlichen Horrorgenre in den letzten 10 Jahren passieren konnte: Auch in ihren schwächsten Momenten haben diese Filme für mich immer noch tausendmal mehr Potential als was in einem ganzen Jahr aus Hollywood in unsere Kinos gespült wird. Es gab Plotlöcher, es gab Unebenheiten, aber in 90 Minuten bauten sie verlässlich eine dichte bösartige Atmosphäre auf, die sich dann in einem Showdown entlud, der einen noch bis den Schlaf verfolgte.
Zu sagen, dass sich mit mit Teil 4 nun Ermüdungserscheinungen eingestellt hätten, wäre kriminell untertrieben - dieser Film hat vielmehr fast das gesamte Fundament eingerissen, auf dem die Reihe bisher aufgebaut war. Natürlich war schon der zweite Teil kein Überflieger, aber er hat wenigstens eine vielversprechende Tür für ein Fortspinnen der Geschichte aufgestoßen. Teil 4 ist hingegen nichts weiter als ein fix zu Halloween zusammengeschusterter Lückenfüller - und schafft es noch dazu, den bisher über drei Filme straff gehaltenen Erzählstrang so hoffnungslos auszufransen, dass sich nun kein Mensch mehr auskennt.

Das Problem des Films lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Er bietet schlichtweg nichts neues. Das Drehbuch ist quasi identisch mit dem dritten Teil, nur ohne seine Finesse - wie schon im Vorgänger geht es wieder um zwei Kinder, ein normales und ein merkwürdiges (dass es diesmal Jungs statt Mädels sind, ist da noch der einzig maßgebliche Unterschied), und kaum haben sich beide unter einem Dach einquartiert, geht das fröhliche Kronenleuchter-Geklirr ohne weitere Umschweife in vierte Runde. Das Drehbuch versucht zwar auf Biegen und Brechen einen Zusammenhang zu den anderen Filmen herzustellen, und sich als Teil einer durchkonzipierten Saga zu präsentieren, aber der Film ist einfach zu schablonenhaft aufgebaut, als das man ihm diese Vorgabe abnehmen würde.

Es fällt schon deswegen schwer, PA 4 als Fortsetzung zu akzeptieren, da er keine neue Idee einführt, kein Konzept weiterentwickelt, sondern nur das alte Strickmuster abarbeitet: Was früher ein sorgsamer Aufbau der Atmosphäre war, die sich im Laufe des Films zusammenzog wie eine Würgeschlinge, sind mittlerweile nur noch die üblichen Taschenspielertricks (Schatten an der Wand, erstes Rumpeln in der Nacht, allein zu Haus, Finale mit Nachtsicht etc.), und kurzweilige Schockeffekte, die genau dann eintreffen, wo man sie nach drei Filmen vermutet.
Was früher ein innovatives Spiel mit der Technologie war, das den jeweiligen Filmen immer eine neue Dimension des Schreckens gab (Teil 1: Kamera, Teil 2: mehrere Kameras, Teil 3: Drehkameras) ist jetzt ungewichtige Originalitätssucht in Form von Webcams und Xbox-Infrarot; Techniken, die keinen Beitrag zur Atmosphäre leisten, sondern schlichtweg Abhaken eines weiteren Markenzeichens sind.
Was früher kleine Unebenheiten waren, die man den Filmen der Story willen gerne nachsah (Kameras, die immer rein zufällig zum richtigen Zeitpunkt angestaltet sind) steigert sich in Teil 4 mit seiner Fixierung auf das Web 2.0 zu einem klaffenden Plotloch, denn wenn es in PA 4 morgens um drei im Erdgeschoss rumpelt, schaltet jeder erstmal seinen Laptop an, und trägt ihn mit sich die Treppe runter (und lässt ihn auch dann nicht fallen, wenn ihm wenig später das Grauen selbst auf den Fersen ist).
Was früher als roter Faden in die Vergangenheit der übernatürlichen Bedrohung erkennbar war, ist nun eine 0815-Gruselstory, die zur Unterfütterung ein paar abgegriffene Okkultismus-Stichworte zusammenklaubt, als sei es damit getan. Was früher eine umsichtige Fortspinnung der Geschichte war, ist in Teil 4 vollgestopft mit falschen Hinweisen und wahllos begonnen Handlungssträngen, die niemals geklärt werden (mal geht es kurz um geopferte Jungfrauen, mal kommt allen Ernstes eine Gabel zur Sprache, mit der man die Zukunft vorhersagen kann). Und das wichtigste: Was früher eine bis zur Zerreissprobe angespannte Atmosphäre war, reduziert sich in Teil 4 auf billige Laut/Leise-Schockmomente, und ein Finale, das so abstrus und an den Haaren herbeigezogen ist, dass sich selbst ein LOST-Drehbuchautor an den Kopf fasst.

Circa bis eine halbe Stunde vor Schluss war ich aber noch ernsthaft davon überzeugt, hier 2,5 Sterne zu vergeben, und aus gutem Willen auf drei aufzurunden, aber der schablonenhafte Showdown - das simple Abreissen der Story, der schale Nachgeschmack, und die irritierende Erkenntnis, dass man hier gerade einen Film gesehen hat, der der Reihe rein gar nichts hinzugefügt hat, haben da sämtliche verbliebene Sympathie getilgt. Die Trilogie hat bisher konsequent und glaubhaft die Geschichte der Paranormalen Aktivitäten zurückverfolgt und sie von drei Seiten bespiegelt - Teil 4 bietet keine Vertiefung, keine Hintergründe, sondern schlichtweg einen Abklatsch.
Und so darf diesen Film gewissermaßen als Warnschuss verstehen, denn mit solchen Fortsetzungen ist die Reihe auf dem besten Wege, dem SAW-Syndrom zum Opfer zu fallen, einer weiteren Filmserie die sich als verschachteltes, mehrdimensionales Gesamtkunstwerk verkauft hat, in dem jeder Film eine Rolle spielte – die aber letztendlich nur ein aufgeblähtes Sammelsurium von Charakteren und Motiven fabrizierte, bei dem irgendwann jeder das Interesse verloren hat. Es wird also Zeit, unter den Händen eines talentierten Regisseurs die Reihe zu einem glänzenden und würdigen Abschluss zu bringen: Ein letzter, krönender, nervenzerfetzender Abschluss würde der Reihe einen verdienten Ehrenplatz bescheren - ein Weitermachen wie bisher würde dagegen bedeuten eine der vielversprechendsten Filmreihen der letzten zehn Jahre zu vorhersehbarer Ramschware zu degradieren. Und Hollywood hätte ein weiteres seiner Kinder gefressen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2013 4:37 PM CET


Butcher pete
Butcher pete
Preis: EUR 0,99

5.0 von 5 Sternen He keeps hacking, and whacking and smacking, 10. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Butcher pete (MP3-Download)
Der Song ist ja aus Fallout 3 bekannt - ich bewerte aber doch lieber die Albumfassung, da man hier (anders als beim FO-Soundtrack) beide Seiten der ursprünglichen Langspielplatte (d.h. beide Teile des Songs) erhält, und nicht zweimal 99 Cent ausgeben muss, um faktisch gesehen einen einzigen Song zu kaufen.
Die makabre Ballade von Butcher Pete ist gewissermaßen das amerikanische Gegenstück zu Fritz Haarmann und Meckie Messer, aber während bei uns die Gewalt in den alten 20er Jahre Chansons nur angedeutet blieb, hatten die Amis in diesen Dingen schon vor knapp 80 Jahren keine Berührungsängste. Wer meint, die "heutige" Jugend wurde erst durch Cannibal Corpse und Marilyn Manson zu potentiellen Amokläufern erzogen, der soll sich nur diesen fröhlich-flotten Swing-Ohrwurm über einen durchgeknallten Schlachter anhören, der es schlichtweg nicht lassen kann, das lebende Fleisch von Frauen abzuhacken. Gewaltverherrlichung Anno Dazumal - und man kann sich doch direkt vorstellen, dass schon der eigene Urgroßvater den Untergang des Abendlands kommen hörte, als er seinen Sohn mit diesem Song erwischte. Daran hat sich auch 2013 nichts geändert - die Diskussion ist die selbe, nur ihre Kanäle sind andere. Die Welt ist auch mit Butcher Pete nicht untergegangen, auch mit Slipknot, Rammstein und GTA 4 nicht, und sie wird auch mit zukünftigen Derbheiten nicht untergehen. Warum nicht also alles ein kleines bisschen lockerer sehen - auch morgen geht die Sonne wieder auf, und der Globus dreht sich in 24 Stunden ein weiteres Mal. Irgendwie doch ein schöner Gedanke.


In Heaven
In Heaven
Preis: EUR 18,24

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Beginn eines Meteoriten-haften Aufstiegs, 10. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: In Heaven (Audio CD)
Früher war vielleicht nicht alles besser, die Meteors aber in jedem Fall. Dass diese Band einmal dreckigen Garagenpunk mit schmissigem Country kombiniert, zu dritt ein eigenes Musikgenre erfunden hat und über Jahrzehnte hinweg sämtliche Konkurrenz aus aller Welt meilenweit hinter sich gelassen liess - ist wenn man sich ihre heutigen Alben anhört, kaum mehr nachvollziehbar. Die Meteors waren früher Götter, denen tausende von Nachahmer-Bands die Hände küssten, seit der Jahrtausendwende aber hat sich der Himmel verdüstert, und mit mittlerweile drei aufeinander folgenden lustlos-langweiligen Alben befindet sich Paul Fenech und die beiden auswechselbaren Sidekicks, die er gerade beschäftigt, seit gut 10 Jahren in einer kreativen Einöde.

Wer sich aber noch ein kleines bisschen Optimismus auf die Fähigkeiten dieser Formation bewahren will, der muss sich nur die frühen Meteors-Scheiben anhören: In Heaven, ihr einstiger Durchbruch, ist ein Album, das vor Energie und Ideen nur so sprüht, und das auch nach 30 Jahren eine erstaunliche Frische bewahrt hat: Keinerlei Atitüde, kein OTTMAP-Gepose, keine selbstgefälligen Genrekönig-Parolen, die ihre späteren Alben charakterisiert (und die gerade ihren grenzkatastrophalen letzten Machwerke einen besonders bitteren Geschmack verliehen hat) – In Heaven ist geradeheraus gute, originelle Musik, eingespielt von jungen Männern mit Bock auf Musikmachen: Die Country-Schiene blieb 1981 noch aussen vor, stattdessen dominieren fiese, pluckernde Basslinien, der Sorte, die Joy Division niemals mit gleicher Präzision hinbekommen haben. Die Urfassung" von "Get off My Cloud", kommt mit ihrem Brüllrefrain deutlich englisch-rotziger daher, als die Version of Wrecking Crew, auf The Room" versucht sich Paul Fenech tatsächlich an einer burlesken Ballade über Lycanthropie und mit "Earwigs in my Brain" habe ich tatsächlich noch einen neuen Lieblingstitel der Band gefunden. Textlich waren die Jungs hier ebenfalls noch von talentierten Musen begleitet: Die Elemente sind zwar bisher dieselben geblieben – Mord, Totschlag, Wahnsinn, Horrorkomik -aber hier wirkt alles noch frischer und unverbrauchter, als später.

Auch wenn momentan im Hause Fenech nicht viel los ist - dieses rohe, ungeschliffene Alben zeigt, was die Musikgeschichte dieser Band verdankt, und macht die jetzigen Ermüdungserscheinungen umso schmerzlicher bewusst. Mit der Musik dieser Scheibe kann man gewissermaßen in Winterschlaf gehen, und sich an der Hoffnung festklammern, dass sie uns bald wieder positiv überraschen.


Santa's Slay - Blutige Weihnachten
Santa's Slay - Blutige Weihnachten
DVD ~ Bill Goldberg
Wird angeboten von Abakues
Preis: EUR 29,43

5.0 von 5 Sternen Mo -(HoHoHo) -rd & Totschlag, 29. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Santa's Slay - Blutige Weihnachten (DVD)
Die Idee zu "Santa`s Slay" ist simpel aber genial: Was wäre, wenn der Weihnachtsmann, dieser korpulente, rotgekleidete freundliche Rauschebartträger, diese unhinterfragbare kulturelle Ikone, die uns solange wir zurückdenken können, auf Plakaten, Filmen und Produkten entgegengeschmunzelt hat - was wäre, wenn diese Figur in Wahrheit ein boshafter Dämon ist, der im 11. Jahrhundert eine Wette verloren hat, und dafür 1000 Jahre lang Kinder beschenken muss? Was wäre wenn diese tausendjährige Straffrist just Anfang des 21. Jahrhunderts ausläuft –und der „Weihnachtsmann“ nun wieder zu seinen alten Gewohnheiten zurückkehren darf?

Was dabei herauskommt, ist eine rasante, respektlose, humorige, knochenknackende Action-/Horror-/Weihnachts/Horror-Komödie; ein Film, in dem ein muskelbepackter, zigarrenschmauchender Wrestler und sein mutierter Elch eine Kleinstadt aufmischen, ein Film ohne eine langweilige Minute, dafür von der ersten bis zur letzten Minute mit spritzigen Macho-Sprüchen und kreativen Tötungsideen vollgestopft, ein Film, in dem verzogenen Rotzkindern mal wirklich gezeigt wird, wo der Hammer hängt - ein Film den man am besten am Zweiten Weihnachtsfeiertag, nachdem sich die Verwandtschaft wieder verabschiedet hat, zum Ausklang der Saison mit Dosenbier und einem Gänsebraten-Reste-Sandwich und einer Runde Kumpels geniesst. Beide Daumen hoch - viel Spaß.


Böse Weihnacht
Böse Weihnacht
DVD ~ Brandon Maggart
Preis: EUR 9,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Grauen hat einen Namen, 21. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Böse Weihnacht (DVD)
Es gibt schlecht und es gibt schlecht und es gibt schlecht. Es gibt Filme, die sind dumm, und es gibt Filme, die sind langweilig, und, manchmal, ganz selten gibt es Filme, die einen buchstäblich fühlen lassen, wie sie das eigene Innenleben vergiften; Filme, die in kerngesunden Menschen das Bedürfnis wecken, sich selbst und anderen Menschen Gewalt anzutun, Filme die den Begriff "Stumpfsinn" neu definieren, und die den Zuschauer dem Wahnsinn buchstäblich ein Schritt näher bringen. "You better watch out" alias "Christmas Evil", alias "Böse Weihnacht" überschreitet jegliche Grenzen, er ist der stete Tropfen, der in 90 Minuten vernichtende Arbeit leistet, ein Menschheitsverbrechen auf Zelluloid und ein Film, den DVD-Player wie Mülleimer mit allen Magensäften wieder auskotzen würden, wenn sie es könnten.

Nachdem er als Kind traumatisiert wurde, als er sah, wie seine Mutter seinen Vater, der gerade ein Weihnachtsmannkostüm trug, oral befriedigte (?!), entwickelt ein alleinstehender Mann alljährlich im Dezember einige bedenkliche Macken: Er führt Buch über gute und böse Nachbarskinder, malt sich regelmäßig mit Rasierschaum einen weissen Bart an, und nimmt seine Arbeit in der Spielzeugfabrik viel zu ernst – einige persönliche Enttäuschungen später kommt es dann, wie es kommen muss, und am Weihnachtsabend streift der selbsternannte Richter über artig und unartig selbst durch die Nachbarschaft, hat statt einer Rute aber eine Axt eingepackt.
Klingt nach einem netten Weihnachts-Slasherfilm? Ist es aber nicht. Dieser Film ist nämlich überhaupt nichts - er koppelt willkürlich abstruse, sinnfreie Szenen aneinenander, und schickt Menschen vor die Kamera, neben denen sogar das Mobiliar im Hintergrund einen Nebendarsteller-Oscar verdient. Und haben wir schon von Langweile gesprochen? Von himmelschreiender, körperzellenversteinernder, das Haupthaar grau färbender Langweile? Der erste Mord ereignet sich nicht in der fünften, nicht in der zehnten, nicht in der zwanzigsten, nein, der erste Mord ereignet sich in der sage und schreibe fünfzigsten Minute(!). Davor und danach gibt es endlose Dialogsequenzen die so ausufernd und banal sind, dass hier sogar Samuel Beckett wegschaltet, es gibt Szenen, die wie improvisiert wirken, in denen der Protagonist vorm Spiegel steht, oder eine Straße entlanggeht, und die ohne Pointe oder Erkenntnis einfach ausplätschern, dazwischen immer wieder einbrechenden kakophonischen Kinderchorgesang (um das Abgleiten des Protagonisten in den Wahnsinn zu symbolisieren – hoho, wie subtil), der einen bis in den Schlaf verfolgt, und zum Schluss (SPOILER, SPOILER, VORSICHT HIER WIRD DAS ENDE VERRAT..– ach, hören wir auf mit dem Quatsch) fliegt der Protagonist mit seinem Lieferwagen allen Ernstes auf den Mond.

Wenn das hier auf die Schnelle nach "So schlecht, dass schon wieder gut", und "Abgefahrener Partyfilm" klingt, dann muss ich noch einmal betonen, dass dieser Film meine Vorstellung von Langweile neu definiert hat. Die tatsächliche "Action" in diesem Film (und mir fault beim Tippen dieses Wortes in Zusammenhang mit diesem Film fast die Hand ab), umfasst vielleicht anderthalb von 90 Minuten - und diese linkisch inszenierten Mordsequenzen setzen dem handwerklichen Dilettantismus vollends die Krone auf - der Rest ist Zelluloidabfall, in dem nichts, aber auch rein gar nichts passiert. Dieser Film ist kein Untergrund-Filmklassiker, er ist kein Geheimtipp, und vor allem ist er keine hitchcockhafte Charakterstudie, wie uns Kohorten von freischaffenden Bloggern in den Weiten des Netztes einflüstern wollen. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: "Böse Weihnachten" ist mit Pauken und Trompeten durch die verhornte Schleimschicht von hunderten und aberhunderten schlechter Horrorfilme gesaust, die ich in meiner rund 15 Jahre umspannenden Karriere als Connaisseur gesehen habe, und hat sich rundweg einen Platz in den Top 5 der schlechtesten Filme reserviert, die ich jemals gesehen habe. Und dies sind für gewöhnlich Machwerke ohne den geringsten Mehrwert; Filme, die man nicht mit Sternen oder Worten wiedergeben kann, sondern die einen schlichtweg intellektuell degenerieren. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 18, 2013 8:32 PM CET


Psychobilly Christmas
Psychobilly Christmas
Preis: EUR 17,99

2.0 von 5 Sternen Guter Rotzrock vs. Haarsträubenden Dilettantismus, 19. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Psychobilly Christmas (Audio CD)
Ich hatte mich sehr auf/über ein Psychobilly-Weihnachtsalbum gefreut, aber was hier vorliegt, ist leider alles andere als ein Meilenstein: Die Ernüchterung erfolgt schon beim Durchsehen der Beteiligten, denn große und einflussreiche Bands der Szene hatten an diesem Projekt offenbar kein Interesse. Es genügt eigentlich auch nur ein einziges Durchhören um die Frage, worin dieses Desinteresse wohl wurzelt, ein für alle Mal zu beantworten: Diese CD bietet schlichtweg keinen Psychobilly; sie bietet um es genau zu nehmen nicht einmal gute Musik.

Um es diplomatisch zu formulieren: Die Scheibe hat eine sehr unregelmäßige "Hit-Dichte." Um es zu formulieren, wie es ist: ca. 65 Prozent der Scheibe sind grottenschlecht. Psychobilly Christmas hat durchaus einige gute bis sehr gute Songs, es hat dafür nur einen oder vielleicht zwei Lieder, die nicht unbedingt schlecht sind, die man aber auch nicht jeden Tag hören muss – und es hat dann wieder eine fast schon erschlagende Anzahl von Material (der Begriff "Song" verbietet sich) die so mies sind, dass man sich ernsthaft fragt, welches Label einen solch amateurhaftes Gescharre überhaupt akzeptiert hat.

Arbeiten wir uns mal von oben nach unten durch:
Wenn das Album schlecht ist, dann ist es grottig: Es dominiert melodiefreier, espritfreier, talentfreier Garagenpunk, eingespielt von Leuten, die offenbar gerade erst gelernt haben, ihre Instrumente richtigrum zu halten: Da ist z.B. "Getting P*ssed for Christmas", das nach einem 30sekündigen Intro, anderthalb Minuten dilettantisches Soundcheck-Geschrammel liefert. Die überraschungsfreie, komplett uninteressante Coverfassung des Grinch-Songs erfolgt durch kruden, gepressten Sprechgesang, als würde dem Sänger ein Knödel im Hals stecken. Man hat sich noch kaum darüber zu Ende geärgert, da zeigt einem das nächste Stück schon, dass es auch ganz anders geht: "Grandma got run over by a reindeer" wird mit zittrig-kieksendem Konfirmanden-Gesang vorgetragen, der klingt, als hätte der Sänger sogar im Studio Lampenfieber.

Dies sind nur einige wenige Beispiel, aber sie bringen das Grundproblem auf den Punkt, das dieses Album über sehr weite Strecken durchzieht: Keine Melodien, keine tollen Refrains, keine spürbare musikalische Kreativität, und vor allem sehr häufig ein mehr als suboptimaler Gesang. Die Misere erreicht ihren Höhe- bzw. Tiefpunkt mit einer indiskutablen "Coverversion" von FEARs "F*** Christmas" (einem per se nicht sonderlich gutem Song), die man offenbar unter Zuhilfenahme einer Ukulele und eines Diktiergeräts eingespielt hat.
Im Mittelfeld findet man bspw. "Father Christmas" von den verrückten Katern, das einen durchaus brauchbaren Shout-Refrain liefert; "Navidad sin ti" wird auf Spanisch gesungen, und reisst einen ebenfalls durchaus mit. Auch "Run, Run Rudolph" ist mit seinem schrillen Tempo und stampfenden Sound durchaus partytauglich .

Es sind dann aber die Songs hinter denen nicht irgendwelche MySpace-Amateurkrachis, sondern eine echte Profi-Band stehen, die das niedrige Niveau dieses eigentlich vielversprechenden Projekt erst richtig schmerzlich machen: "Merry Christmas Everybody" von Asmodeus ist ein knackiger Migröhl Song, der eine einzigartige Mischung aus Brüllrefrain und Bittersüße liefert, auch "Halloween on Christmas" hat echte Dynamik und das rasant-rotzige "Silent Night, Deadly Night" (beim Text nahm man sich einige kreative Freiheiten) setzt einen würdigen Schlusspunkt. Das Glanzstück bleibt allerdings "I Shot My Baby for Christmas", der nicht nur ein gemischtes Duett wagt, sondern durch seine gehörige Country-Western-Schlagseite dem Psychobilly-Etikett zum ersten, und leider einzigen Mal auf dieser Scheibe, zu seinem Recht verhilft.

Für die Fünf Tacken, die Amazon für das Album haben will, bekommt man also unbestreitbar einige gute Songs - es lässt sich aber ebenso wenig abstreiten, dass der Hörer hier über weite Strecken nichts, aber auch rein gar nichts bekommt, was nicht in sämtlichen Garagen der Stadt genauso oder vielleicht sogar besser gemacht wird. Ich habe das Album im besten Glauben von Amazon gesaugt, und einige Tage später 75 Prozent davon wieder gelöscht, und ich kann nur jedem geneigten Käufer empfehlen, sich vielleicht einmal durch die Hörproben zu klicken. Das Argument, dass man diese CD ja nur einmal im Jahr hören muss, greift hier auch nicht - denn das schlechte Musik auch dann nicht weniger besser wird, wenn man sie nur einmal im Jahr gespielt wird wissen wir spätestens seit WHAM!


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