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Polygraph

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Frontier(s)
Frontier(s)
DVD ~ Samuel Le Bihan
Wird angeboten von Topbilliger
Preis: EUR 8,60

11 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Augen zu - Mund auf - Hirn aus, 17. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Frontier(s) (DVD)
"Frontiers" ist kein Horrorfilm - er ist ein löffelvoll Propaganda in eine gefällige Popkultur-Kouvertüre getunkt, damit sie das jugendliche Publikum leichter schluckt. Die Geschichte: Nachdem in Frankreich ein Kandidat einer nicht näher beschriebenen "Rechten Partei" in die Regierung gewählt wurde, geht weite Teile des Volkes auf die Barrikaden, darunter auch eine Gruppe arabischer Jugendlicher, die gerade eine große Menge Geld gestohlen haben. Sie nutzen das Chaos um die Stadt zu verlassen, dabei erschiessen sie einen Polizisten.

Auf der Flucht kommen Sie bei einer merkwürdigen Familie in einem Motel unter, die sich bald als patriarchalisch geführter Clan von alten und neuen Nazis entpuppt: Die drei kräftigen Söhne ("Hans", "Götz" und "Karl") verarbeitet die männlichen Hotelgäste flugs zu Wurst, wogegen die weibliche Begleitung von den beiden ebenfalls teutonisch-kraftstrotzenden Töchtern ("Klaudia" [sic] und "Gilberta") als Eugenik-Brutkästen für den Nachwuchs eingepfercht werden: Dies alles geschieht unter den wachsamen Augen des Familienvaters, eines verhutzelten deutschen Kriegsverbrechers, der mit seinen Taten den Aufstieg eines Vierten Reiches vorbereitet.
Was sich beim Lesen nach einem vollkommen durchgeknallten B-Movie aus den 70er Jahren anhört, für den man als Fan sofort alles stehen und liegen lassen würde, durchschlägt in der vorliegenden bierernsten Inszenierung die Grenze zur unfreiwilligen Komik mit Pauken und Trompeten. Denn dieses Kabinett historischer Karikaturen soll nicht belustigen, es dient ganz offensichtlich als symbolhafte Warnung für angeblich zunehmende faschistoide Tendenzen in der französischen Gesellschaft: Der Regisseur legt seinen Figuren die eigenen Gesellschaftskritik fast eins zu eins in den Mund: Bevor das Massaker losgeht, dürfen sich die beiden männlichen Protagonisten also ersteinmal in einer wie eingeschoben wirkenden Szene über den angeblichen "Fascho-Staat" beschweren, der so schlimm sei, "wie Amerika vor 10 Jahren."

Auch wenn man das Politische ausblendet und auf die rein handwerkliche Ebene umschwenkt, ist "Frontiers" eine Enttäuschung auf der ganzen Linie: Der Film versucht mit einer zappeligen Kameraführung und körniger Bildauflösung eine gewisse Ernsthaftigkeit zu erzwingen, aber zum einen braucht es heute schon ein bisschen mehr als ein paar Bildschlenker und schweres Atmen der Hauptfiguren, um Atmosphäre zu erzeugen - zum anderen werden die Bemühungen des Regisseurs immer wieder durch die karikaturesken Figuren und streckenweise unfreiwillig komischen Dialoge untergraben: Als der Nazi-Patriarch bei der gedeckten Abendtafel in einer Tischrede seine wahnwitzigen Pläne für die Zukunft offenlegt, fehlt nur noch Blitz und Donnergrollen. Eine einzige halbwegs vielversprechende Kampfszene gibt es - diese ist in der Deutschen DVD-Fassung (trotz 18er Freigabe) aber nicht zu sehen.

Und wer noch immer glaubt, er würde nur einen reinen Horrorfilm, ohne jede politische Botschaft sehen, der sollte den Abspann abwarten, während dem in einem längeren abschliessenden Grußwort eine Kampfansage an alle "Nazis" der Welt ausgesprochen wird -
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PUBLIZISTISCHE PFLICHTABLEISTUNG: DER REZENSENT VERURTEILT RASSISMUS UND NEONAZI-IDEOLOGIEN GENAU WIE JEDER ANDERE AUCH.
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- und wenn man nach diesem Film geht, dann scheint der Regisseur "Nazis" zu erblicken, wohin er sieht: Neben der Kannibalen-Familie (auf die das N-Wort also voll zutreffen würde), erweitert der Regisseur den Begriff unterschwellig auf Verkehrspolizisten, Politiker und sogar Krankenhauspersonal. Der Film will gegen Nazis Stellung nehmen, aber wenn man nach "Frontiers" geht, dann fängt der Faschismus schon bei der Führerscheinkontrolle an. Und wer so eindeutig verdammt, ist in seinem Lob natürlich ebenso undifferenziert: Jugendliche, die Geld stehlen, Polizisten erschiessen und Geschäfte anzünden, sind selbstverständlich keine Krawalltouristen, sondern nur Opfer der Verhältnisse, also die Guten - Punktum, keine Diskussion.
Frontiers ist kein Horrorfilm, er ist eine Stellungnahme gegen Autoritäten egal welcher Art und für die Aufständischen in den Banlieus, eine Stellungnahme, die plumper nicht sein könnte. Der Film leistet keinen gesellschaftlich-politischen Diskussionsbeitrag, prangert keine Missstände an (obwohl er beides offenbar zu tun glaubt), sondern ist nur der Vorwand für einen Regisseur, der die Horrorverkleidung als Köder nutzt, um möglichst viele Jugendliche für seine Ideen gewinnen zu können. Damit ist ein großer Erfolg vorprogrammiert: Politisch, oder besser Pseudo-Politisch informiert zu werden, ohne nachdenken zu müssen, oder etwa ein Buch oder eine Zeitung in die Hand zu nehmen - das gefällt.


Quarantäne
Quarantäne
DVD ~ Jennifer Carpenter
Preis: EUR 8,79

2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dem Original in jeder Beziehung überlegen, 17. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Quarantäne (DVD)
Es passiert nicht oft, dass ich ein Remake höher bewerte als das zugrundeliegende Original, aber bei "Quarantäne", der Neuverfilmung des spanischen [REC] scheint es mir angebracht: Der Regisseur hinter diesem Projekt hat wenigstens eingesehen, dass sich eine Actionüberladende Geisterbahnfahrt durch ein Haus voller fleischfressender Mutanten nur bedingt für ein echtes Terrorkino-Projekt eignet, daher versucht er auch gar nicht erst, dem Zuschauer Angst einzujagen. REC hat sehr viel Zeit aufgewendet, um dem Zuschauer eine klaustrophobische Atmosphäre vorzugaukeln - "Quarantäne" hält sich mit derlei Subtilitäten nicht auf: Der Film haut, hämmert und schnetzelt, legt keine überflüssigen Dialogpausen ein, sondern drückt 90 Minuten lang auf die Tub, ohne dabei jemals an nachvollziehbarer Atmosphäre einzubüßen und ohne ins Spaßig-Pubertäre abzugleiten.
Kritiker können sagen, dass dies nicht gerade subtil ist, und der Regisseur dem Originalfilm die Substanz entzogen hat - man kann aber ebenso einwenden, dass hier einfach auf das Unwesentliche verzichtet wird: Die Monster sehen noch besser aus, die Schauspieler sind zumindest nicht Schlechter, und die Szene in der einem der Mutanten behelfs Kameralinse der Schädel zertrümmert wird (so dass der Zuschauer dies hautnah mitbekommt), ist ein echter Meilenstein. Im Geschmackswettbewerb Hamburger vs. Paella hat in diesem seltenen Fall eindeutig das Ami-Projekt das Rennen gemacht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 19, 2010 8:29 PM CET


Loch Ness - Die Bestie aus der Tiefe
Loch Ness - Die Bestie aus der Tiefe
DVD ~ Brian Krause
Wird angeboten von online-shop
Preis: EUR 4,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gibt Schlimmeres, gibt Besseres..., 11. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Loch Ness - Die Bestie aus der Tiefe (DVD)
Der Film ist mit Sicherheit nicht schlechter, als andere hingeschluderte Werke dieses Genres, aber die 7 Tacken, die Amazon derzeit für ihn haben will, ist er auf keinen Fall wert (vom Platz im Regal ganz zu schweigen). Das Drehbuch macht nicht einmal den Versuch, die eigenen Sinnlosigkeiten zu erklären: Da wandert Nessie unterirdisch von Schottland nach Amerika, und kann (obwohl es das einzige Exemplar der Welt ist) Eier legen, der (ohnehin äußerst dünne) Grusel- bzw. Trashanspruch verflüchtigt sich mit Auftritt eines markigen Großwildjägers schnell zu Gunsten einer smarten Crocodile Dundee-Geschichte, und die Schauspieler sind (muss man das überhaupt noch erwähnen?) so hölzern, dass selbst die Hintergrundvegetation ein besseres Bild abgibt.

Wenn aber nun, in Gottes Namen, jeder andere Monsterfilm gerade ausgeliehen ist, dann - und auch nur dann - kann man sämtliche Eigenansprüche über Bord werfen, und sich 90 Minuten lang auf einem B-Movie-Niveau unterhalten lassen, das an der äußersten Untergrenze kratzt, man muss es ja keinem erzählen. Ich möchte niemandem ausdrücklich empfehlen, diesen Film zu sehen: Er ist schlecht gefilmt, schlecht erzählt und schlecht gespielt, aber er bewegt sich noch im Bereich des Konsumierbaren - das muss man fairerweise sagen.


Vlad - Das Böse stirbt nie
Vlad - Das Böse stirbt nie
DVD ~ Billy Zane
Wird angeboten von media-store
Preis: EUR 6,95

1.0 von 5 Sternen Galileo Mistery präsentiert:, 11. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Vlad - Das Böse stirbt nie (DVD)
*Seufz*, wieder 90 Minuten Lebenszeit verschwendet. Dabei hätte es doch so einfach sein können - ein B-Movie mit wenigstens minimalem historischen Bildungsauftrag, der Regisseur hätte doch gar nichts selber machen müssen: Die Greueltaten des Vlad Tepesz sind überliefert, fehlen nur noch ein paar historische Kulissen sowie diverse Kunstblut-Konserven, und der Rest läuft von selber - es gehört schon eine enorme Dosis Ignoranz dazu, einen solchen Stoff an die Wand zu fahren, aber im Horrorgenre ist man heutzutage kaum etwas anderes gewohnt.
Wo soll man anfangen? Vielleicht damit, dass Vladimir Tepesz in diesem Film nur als eine Art seelenwandernder Geist auftaucht, der mit Vorliebe in den Körper schlechter Schauspieler fährt, die sich auf Exkursion in den Karpaten befinden? Dass die historischen Rückblenden in diesem Film so albern inszeniert sind, dass sich selbst Guido Knopp fremdschämen würde? Dass der zentrale Objekt dieses Machwerks ein Plastikamulett ist, mit dem dieser Geist beschworen bzw. abgewehrt werden kann, und das immer wieder mit allergrößter Wichtigkeit präsentiert wird, als sei es der heilige Gral? Dass die diversen lachhaften Sexszenen in diesem Film mit rotem Licht und einem bombastischen Wagnersoundtrack unterlegt sind, und sich mehrere Minuten lang hinziehen? Dass Billy Zane, der in "Titanic" und "Tal der Wölfe" durchaus vielversprechende Darbietungen ablieferte, hier einen hohlköpfigen rumänischen Fremdenführer mimt, so dass man fast Mitleid haben muss? Oder dass dieser Film tatsächlich Zeitreisen ins Feld führt und einer der Darsteller am Schluss lieber im Mittelalter bleibt, weil er sich dort viel wohler fühlt, als in der Gegenwart?

Kein Aber, keine Diskussion, kein Troststern fürs Antreten: Dieser Film unterbietet jede Galileo-Episode und jedes Grundschultheater. Vladimir Tepesz war einer der größten Sadisten der Menschheitsgeschichte - und wie uns dieser Film beweist ist sein Erbe auch 700 Jahre später offenbar nicht totzukriegen: Ganz wie der Titel verspricht.


The End
The End
DVD ~ Nicola Collins
Wird angeboten von vis-medien
Preis: EUR 3,79

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Halbseidene Fanveranstaltung, 8. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: The End (DVD)
The End ist ein junger Dokumentarfilm über ein in den 50er und 60er Jahren (angeblich) sehr aktives Londoner Gangsterkartell. Ich habe das weltweite organisierte Verbrechen schon mehr oder weniger ausgiebig studiert, und keiner der Interviewten, die hier zu Wort kommen, ist mir bekannt: Muss nichts heissen, kann eine Bildungslücke sein, allerdings verweisen auch die Ergebnisse einer Google-Suche der Beteiligten ausschliesslich auf den Film. Die Geldeintreiber, Leibwächter und der Kopf der Organisation sind mittlerweile Männer um die 60, und dürfen hier frei von der Leber weg über ihre Karriere erzählen. Gedreht wurde der Film von der Tochter des Big Bosses, die auch die Interviews führt: Dass die journalistische Distanz unter solchen Voraussetzungen bisweilen ein wenig zu kurz kommt, versteht sich von selbst - man hat auch nicht den Eindruck, dass der jungen Dame die Taten ihres alten Herren peinlich wären. Ganz im Gegenteil. Der Grundton schwankt zwischen Jovialität und offener Bewunderung, die Interviews finden in entspannter Atmosphäre im Wohnzimmer oder Garten statt, für die Regisseurin ist die Brutalo-Gang offenbar genauso harmlos wie der eigene Großvater, der von seinen Kriegserlebnissen erzählt. Dass das Publikum eine so unverhohlene Begeisterung für immerhin in Mord, Totschlag und Raub verwickelte Männer nicht ganz teilen kann, auch wenn diese das Rentenalter erreichen, scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen.

Bevor man auf aber auf diese moralische Komponente eingeht, kann für die Bewertung schon einmal festgehalten werden, dass der Film ausgesprochen uninformativ ist: Von den kriminellen Geständnissen, die der Untertitel in Aussicht stellt, erfährt man in 90 Minuten keine Spur: Jedesmal, wenn es spannend wird, berufen sich die Betreffenden auf ihre nach wie vor gültige Omerta, die es ihnen verbietet, vor der Kamera ein Wort über ihre Taten zu sprechen: Warum man dann überhaupt einen Film über sie machen soll, bleibt ungeklärt.
Die Regisseurin sieht es auch nicht für nötig, nachzubohren; was der kriminelle Hintergrund dieser Männer ist, was sie denn so schlimmes getan haben, bleibt somit fast vollständig außen vor: Es werden viele verschiedene Themen angerissen, in erster Linie Raubüberfälle, Körperverletzung oder illegale Boxkämpfe, die Details bleiben aber im Nebel, und es scheint, als sei dies von den Menschen hinter der Kamera durchaus gewollt: Kein Gespräch wird sauber zu Ende geführt, keine zehn Sekunden verticken, ohne dass nicht irgendeine stylishe Schnittmontage dazwischenplärrt: The End hat mehr Ähnlichkeit mit einem MTV-Videoclip als mit dem Genre, das "Shoah" und den "Mann mit der Kamera" hervorgebracht hat. Auch technisch nimmt es die Regisseurin nicht allzu genau: In den Rückblenden werden Wochenschauaufnahmen aus Berlin 1945 streckenweise als Bildmaterial der Londoner Nachkriegszeit ausgeben.

Auch die Äußerungen, die den Herren dann erlaubt sind, bleiben wenig ergiebig, denn dank der gewollt entspannten Gesprächsatmosphäre und ganz ohne kritische Gegenstimme, dürfen die Männer hemmungslos ihr Seemannsgarn spinnen: Jeder von ihnen ist natürlich ein harter Hund, der schon als kleiner Junge ums Überleben kämpfen musste, jeder einzelne von ihnen hat schon vor seiner ersten Rasur hunderte Zähne ausgeschlagen; und von dort ist es dann auch nur ein kleiner Schritt zur ersten Anklage wegen Totschlags, und im Knast geht es munter weiter: Von Reue oder Selbstreflexion keine Spur (die Opfer kommen natürlich auch nicht zu Wort), stattdessen wird viel posiert und der Bizeps in die Kamera gehalten - und die Regisseurin sperrt vor Ehrfurcht Mund und Nase auf.
Ich möchte hier weniger ein moralisches sondern vielmehr ein qualitatives Urteil fällen - und eine 90minütige Aneinanderreihung von ermüdenden Räuberpistolen qualifiziert sich für mich nicht schon automatisch als Dokumentation: Alle Stimmen und Sichtweisen außerhalb des kriminellen Zirkels bleiben ausgeblendet, Archivmaterial oder Kriminalhistoriker bekommt der Zuschauer ebenfalls nicht zu sehen: The End ist keine Doku, es ist ein einseitiges Sofa-Plauderstündchen mit Kleinkriminellen im Rentenalter, die bei ihren Anekdoten immer redlich bemüht sind, dem Vorredner noch eins draufzusetzen (wenn erstmal von herausgerissenen Lungen die Rede ist, werden Sie wissen, was ich meine).

Um den Gesamteindruck etwas abzumildern, wird es dann kurz vor Schluss doch noch etwas nachdenklich: Wenn die Herren auf ihr Leben zurückblicken, dann würden sie nicht alles noch einmal genauso machen, einer von ihnen hat das Christentum entdeckt, aber wenn sie wirklich etwas bereuen, dann in erster Linie, dass sie einmal geschnappt wurden; und bei all dem Mord und Totschlag, der Gewalt, den Freunden, die man in Schiessereien verlor, überwiegt doch bei allen der Eindruck, dass es irgendwie "eine geile Zeit" war.
Die Entschuldigung, dass The End den kritischen Zuschauer ansprechen soll, und ihm einfach ohne erhobenen Zeigefinger Äußerungen und Bilder vorsetzt, die er selbst bewerten muss, ist eindeutig zu kurz gegriffen: Verbrechen wird es immer geben, und es wird immer eine (berechtigte) Faszination auf Dokumentarfilmer ausüben; wenn es sich aber zur Mode etabliert, 90 Minuten lang gealterte Soziopathen vor der Kamera darüber schwadronieren zu lassen, was sie für tolle Hechte sind, und dass heutige Verbrecher einfach keinen Schneid und keine Ehre mehr haben, dann ist dies eindeutig ein falsches Signal. Wenn ich eine Doku über ein Verbrecherkartell sehe, will ich zwar keine vor Sentimentalität triefende Schluchzgeschichte über die Opfer sehen, aber gerade wenn man die hochsubjektiven Äußerungen eines Kriminellen einfängt, der über einen eingeschlagene Schädel spricht, wie vom Kirschenklauen in Nachbars Garten, hat man als Dokumentar-Regisseur die Pflicht, dem eine ergänzende Gegenstimme gegenüberzustellen. Sonst verkommt die eigene Doku zur Fanveranstaltung, und sonst haben wir morgen vielleicht die Münchener U-Bahn-Schläger und 20-Cent-Messerstecher vor der Kamera, die sich lang und breit mit ihren Taten brüsten, und sich darüber auslassen, dass die Schlägertypen heutzutage einfach kein Format haben.


Minbo - Die Kunst der Erpressung
Minbo - Die Kunst der Erpressung
DVD ~ Nobuko Miyamoto
Wird angeboten von Movie-Star
Preis: EUR 9,38

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleinkrieg mit der Mafia, 7. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Minbo - Die Kunst der Erpressung (DVD)
Asiaten gelten nicht unbedingt als die humorvollsten Menschen, Komödien aus dem Fernen Osten sind nahezu unbekannt. "Minbo" bildet da eine wichtige Ausnahme, denn der Regisseur hat nicht nur einen Film gedreht, über den man auch als Europäer lachen kann - er wählte auch eine Thematik, in der wohl nur sehr wenige Filmemacher tatsächliches humoristisches Potential erkennen können: Dem organisierten Verbrechen.

Der Großteil der Handlung spielt sich in einem Nobelhotel in Tokio ab, in dessen Foyer sich, zum großen Ärger der Geschäftsleitung, immer wieder Mitglieder der Japanischen Mafia, der Yakuza, zu ihren Besprechungen einfinden. Als alle Verhandlungen scheitern, rekrutiert der Manager kurzerhand den ängstlichen Buchhalter des Hotels und seinen tölpfelhaften Assistenten, um dem Problem Herr zu werden. Eine Verkettung unglücklicher aber sehr komischer Umstände nimmt seinen Lauf...

Trotz seiner lockeren Präsentation schlug der Film 1992 wie eine Bombe in Japan ein, da es bisher niemals ein Regisseur gewagt hatte, so deutlich gegen die Yakuza Stellung zu beziehen - denn das Ringen der beiden Hotelangestellten mit dem gefürchteten Gangstersyndikat präsentiert sich in diesem Film fast wie ein harmloser Nachbarschaftsstreit: Tatsächlich treten die Yakuza fast allesamt als ungehobelte und fast schon harmlose Krawallbrüder auf, die man mit ihrer cholerischen Art fast nicht ernst nehmen kann.
Und auch wenn die humoristischen Elemente des Films (bspw. die clownesken Hauptfiguren oder die stellenweise etwas sehr alberne Musik) in unseren Breiten zuweilen schon etwas überholt wirken, ist "Minbo" tatsächlich eine gelungene und spaßigee Komödie, aus der man viel über die Yakuza lernen kann, und die wiedereinmal zeigt, dass sich gesellschaftliche Probleme durch Satire deutlich effektiver aufzeigen lassen, als durch moralisierendes Mahnen.

Dies hat die Yakuza seinerzeit offenbar genauso empfunden, denn der Regisseur dieses Films wurde nach der Premiere von drei Mitgliedern niedergestochen. Fünf Jahre stürzte er (sich) von einem Bürogebäude. Offiziell beging er Selbstmord...


Blood Diner - Garantiert geschmacklos (Uncut) (Twilight Classics Nr. 04) [Limited Edition]
Blood Diner - Garantiert geschmacklos (Uncut) (Twilight Classics Nr. 04) [Limited Edition]
DVD ~ Rick Burks
Wird angeboten von epixmedia
Preis: EUR 8,99

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zehn Filme in einem!, 30. August 2010
Stellen Sie sich vor, es gäbe einen niedrigbudgetierten Horrorstreifen, in dem zwei durchgeknallte Brüder ein Café betreiben, in dem sie größtenteils ihre eigenen Gäste servieren, und mit dieser Geschäftsidee zu den Spitzenköchen der Stadt avancieren; stellen Sie sich vor, diese Brüder hätten es sich in den Kopf gesetzt, eine altägyptische Gottheit wiederzubeleben, wofür sie die Körperteile von ausschliesslich vegetarisch lebenden Mädchen sammeln und zu einer Frankensteinesken Kreatur zusammenähen; stellen Sie sich vor, diese Brüder würden im Auftrag ihres toten Onkels handeln, dessen Hirn sie in einem Glas aufbewahren, und der via Sprachübertragung seine Anweisungen erteilt; stellen Sie sich vor, beiden Brüdern wären eine klamaukhaft Polizeitruppe unter Oberaufsicht eines indischen Cholerikers auf den Fersen, der bei jedem Anlass fremdsprachige Wutausbrüche bekommt; stellen Sie sich einen Film vor, der Blut, Körperteile und Hirnmasse quasi mit beiden Händen im Zuschauerraum verteilt, sich dabei aber keine Sekunde lang ernst nimmt, sondern vielmehr bei einer Laufzeit von 80 Minuten und einer rasanten Erzählweise am Laufenden Meter krude Witze reisst, die Rockmusik-Ästhetik der 80er Jahre veralbert, mit einem schmissigen Rockabilly-Soundtrack unterlegt ist, und schlussendlich in einem Finale mündet, das Elemente von "Dawn oft he Dead" virtous mit der Schlussszene von "Das Parfüm" kombiniert: Stellen Sie sich also vor, es gäbe einen Horrorfilm, der Elemente sämtlicher Untergenres zusammenführt, und in eine spaßig-trashige Couvertüre tunkt.
Sie würden es nicht glauben stimmts?
Glauben Sie es, klicken Sie auf den "Bestell"-Knopf, und freuen Sie sich auf die Horrorkomödie mit dem höchsten Trashfaktor seit "Bad Taste" und dem höchsten Grad an Merkwürdigkeit seit "Pink Flamingos" - die beste Komödie, die ich in diesem Jahr gesehen, und gleichzeitig der erfolgreichste Blindkauf den ich in diesem Jahr getätigt habe. Freuen Sie sich auf einen Film, den garantiert niemand kennt, und der die Spätphase jeder alkoholgetränkten Party vergoldet. Klicken Sie auf den "Bestell"-Knopf, und freuen Sie sich auf "Blood Diner."


Pumpkinhead: Asche zu Asche
Pumpkinhead: Asche zu Asche
DVD ~ Doug Bradley
Preis: EUR 8,29

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mir fehlen die Worte, 30. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Pumpkinhead: Asche zu Asche (DVD)
Ich tippe diese Rezension nur 30 Sekunden nachdem der Abspann von Pumpkinhead 3 über meinen Bildschirm rauschte: Meine Wut und meine Enttäuschung über einen so grottenschlechten Film und eine so beklagenswerte Verschwendung von Lebenszeit sind in diesem Moment so überwältigend, dass ich nicht nocheinmal über diesen Film schlafen möchte, bevor ich mich an die Bewertung mache: Dieser Film ist der letzte Dreck, das schlechteste, das ich im Horrorgenre 2010 (und wahrscheinlich sogar länger) durchleiden musste, und ich möchte (mal wieder) jeden Gruselconnaisseur warnen, denselben Fehler zu begehen, wie ich.
Für die, die es noch nicht wissen: Jeder bisherige Teil der Pumpkinhead-Reihe startete von demselben Ausgangspunkt: Ein uralter Lokaldämon wird unsachgemäß zum Leben erweckt, um einen privaten Rachefeldzug durchzuführen, gerät dabei aber außer Kontrolle und läuft Amok, und dieses Reissbrett-Drehbuch wurde auch hier nur ein weiteres Mal vor die Kamera geklatscht: Keine Spur einer eigenen Idee, keinen Funken Originalität, stattdessen Schauspieler, die diese Berufsbezeichnung mit ihren zweieinhalb Gesichtsausdrücken und gekünstelten Stimmlagen keine Spur verdient haben, und Computereffekte, die ungefähr so ästhetisch sind, wie eine Zwischensequenz aus der frühen "Alone in the Dark"-Reihe. Können Sie noch? Wie wäre es dann noch mit einer Narration, die keinem Bogen, und keinen Zusammenhang folgt, sondern wahllos eine undurchsichtige und hölzerne Szene an die andere reiht - Pumpkinhead 3 ist keine konsumierbare Unterhaltung, ja nicht einmal ein Film, er ist ein neunzigminütiges Experiment in Intelligenzminderung. Ja, wirklich: Der Film ist nicht nur schlecht, er ist verblödend, und wenn ich, der noch jeder 50erJahre-Gummispinne etwas abgewinnen konnte, soetwas schreibt, dann hat das wirklich etwas zu heissen.

Fazit (als wenn es da zu Missverständnissen kommen könnte): Mein Abend ist versaut, ich habe 2 Euro Videothekengebühr für diesen himmelschreienden Schwachsinn verschwendet, und ich bin wieder 90 Minuten älter geworden: 90 Minuten, die ich nie-nie-niemals wiederbekommen werde. Machen Sie nicht denselben Fehler, sehen Sie sich diesen Film nicht an, verhindern Sie dass jemand anders diesen Film sieht - nicht einmal Ihr Boss, ja nichteinmal Ihre Exfrau, die mit Ihrem besten Freund durchgebrannt ist, und Ihre Zierfische vergiftet hat - vergessen Sie vielmehr, dass sie jemals von diesem Film gehört haben, tun Sie Ihre Bürgerpflicht und posten Sie in wahllosen Internetforen, dass die Reihe nach Pumpkinhead 2 endete - und sollten Sie auch nur ein unbestätigtes Gerücht hören, dass eine DVD von "Pumpkinhead 3 - Asche zu Asche", nur zwei Postleitziffern von Ihnen entfernt im Umlauf ist, kann ich Ihnen nur empfehlen, sofort schreiend aus dem Haus zu rennen und per Anhalter die Stadt zu verlassen. Oder Selbstmord zu begehen.


Apple iPad 1 32GB (Web Tablet, 1Ghz, Wifi, Bluetooth)
Apple iPad 1 32GB (Web Tablet, 1Ghz, Wifi, Bluetooth)

125 von 157 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Iphone 2.0, 5. August 2010
Auch ich hatte die Gelegenheit, das Ipad auf meinem Arbeitsplatz probehalber ein paar Tage zu benutzen. Ich fand das Iphone seinerzeit eine der besten technischen Erfindungen des Jahrzehnts. Die Idee dahinter war simpel aber brillant: Es stimmt nun einmal, dass der moderne Mensch heutzutage das Musikspielgerät in der einen und das Mobiltelefon in der anderen Tasche trägt, warum die beiden also nicht kombinieren? Hinzu kamen ein Haufen fast schon futuristischer Applikationen vom Sprachlehrprogramm bis zum virtuellen Kneipenführer; all das auf einem Gerät, das nicht viel größer ist, als ein altertümlicher Walkman: Ich besitze kein Iphone, aber wenn mein jetziges Handy den Geist aufgibt, denn werde ich mir bestimmt eines zulegen. Nun läuft der moderne Mensch aber heutzutage auch mit einem dritten Gerät, dem Laptop, herum, und hier witterte Steve Jobs offenbar einen Coup. Ist es seinen Visionären also gelungen, auch dieses Gerät gesäßtaschengerecht zu machen? Ich bin weder Microsoft-Fanboy noch zwanghafter Apple-Unterstützer, und ich sage aus vollem Herzen: Nein.

Man kann das Ipad am besten als eine Mischung aus Fort- und Rückschritt beschreiben. Oberflächlich gesprochen ist es nämlich nichts anderes, als ein Iphone in größerem Format. Es bietet fast die selben Möglichkeiten, auch die Bedienung ist weitgehend gleich geblieben - nur telefonieren kann man mit dem neuen Gerät nicht mehr. Das ist nicht weiter tragisch, denn es war Apples offene Intention, einen handlicheren Taschencomputer auf den Markt zu werfen, aber gerade von diesem Blickwinkel betrachtet, bietet das Ipad (gerade für einen Preis von fast tausend Euro) nur sehr begrenzte Möglichkeiten.
Zuallererst fällt auf, dass das Gerät sehr unhandlich ist. Vom Format ist es ungefähr so groß wie ein Frühstücksbrettchen, und da es keinen ausklappbaren Ständer hat, muss man es bei der Benutzung entweder wie eine PSP in beiden Händen vor sich halten, oder sich auf der Tischplatte darüber beugen. Beides ist nicht gerade bequem: Ich habe mir nur fünfminütige Videoclips darauf angesehen, und war bereits durchgehend irritiert von dieser Handhabung, die kein bequemes Zurücklehnen vor dem Gerät zulässt. Wie man auf dem Ipad Spielfilme ansehen soll, wie der Hersteller verspricht, ist mir ein Rätsel - außer, man legt es zu Hause auf einen Notenständer.
Auch von seiner technischen Ausgangsbasis verdient das Ipad den Namen "Taschencomputer" nur mit Einschränkungen: Es stimmt zwar, dass man neben Musik- und Filmkonsum mit dem Gerät auch bequem und mühelos im Internet surfen kann - wie aber schon von verschiedenen Quellen berichtet wurde, ist das Ipad nicht von sich aus mit Flash- und Adobe kompatibel. Die nötigen Programme können zwar runtergeladen werden; dafür dass aber jede zweite Webseite heutzutage Flashplayer benutzt (das prominenteste Beispiel ist Youtube), ist dies eine Kundenstrapaze, die man mit ein bisschen Mitdenken leicht hätte vermeiden können.
Ferner besitzt das Ipad keine integrierte Kamera, und das fällt schon schwerer ins Gewicht: Gerade da jeder Apple-Laptop mittlerweile serienmäßig mit einer Webcam ausgestattet ist, kann man es sich kaum erklären, warum dieses relativ billige Gimmick bei dem neuesten Topseller des Konzerns nicht vorhanden sein sollte. Ich möchte an dieser Stelle jeden daran erinnern, dass die Grundprämisse des Ipads ist, dass man es nach draußen (d.h. auf Reisen, oder ins Café mitnimmt) mitnehmen kann - Skypen mit Sichtkontakt kann man mit diesem Gerät aber vergessen.
Die Liste lässt sich mit Kleinigkeiten fortführen: Ich persönlich finde die Touchscreen-Tastatur lästig und überholt: Bei Bankautomaten mag dieses Prinzip funktionieren, aber wer auch nur ausführlichere Notizen auf dem Ipad abtippt, wird sich dank der unvermeidlichen Tippfehler und der Reduzierung auf beide Zeigefinger schwarz ärgern. Und um beim Thema zu bleiben: Warum hat dieses so teure Gerät, dass sich in erster Linie an den mobilen Büromanager richtet, kein virtuelles Touchscreen-Notizbuch? Es wäre eine echte Innovation gewesen, all seine Gedanken mit einem Plastikstift gleich auf das Display zu kritzeln, und diese automatisch in Druckschrift umgewandelt zu sehen, wie es die Nintendo DS kann. Kann es auch das dreimal so teure Ipad? Sie kennen die Antwort. Drucken ist damit zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht möglich, USB-Kompatibel ist es ebenfalls nicht.

Man könnte die Liste fortsetzen, aber ich denke es genügt, an dieser Stelle ist es noch einmal, darauf hinzuweisen, dass das Ipad technisch und optisch fast vollständig deckungsgleich mit dem Iphone ist. Während die o.g. Fehler aber bei dem Iphone verzeihlich waren (einfach weil es ein in erster Linie ein Telefon war), kann man bei diesem Prototypen für einen neuen Laptop (und nichts anderes ist das Ipad in meinem Augen), darüber einfach nicht hinwegsehen. Es fehlt der zwingende Grund, die Neuerung, die bahnbrechende technische Innovation, die einen dazu bewegen könnte, ein Ipad zu kaufen; zum einen, wenn man in Betracht zieht, dass a) die überwiegende Mehrheit der Funktionen bereits im Iphone enthalten sind, das deutlich weniger kostet und dafür handlicher ist, und b) dass man für dasselbe Geld einen Spitzenlaptop kaufen kann, der eine Kamera sowie DVD-Laufwerk hat, und mit dem man nicht die erste Stunde damit verbringen muss, Sonderapplikationen für Flashfilme und Adobefunktionen runterzuladen, damit alle Seiten richtig dargestellt werden.

Aber halt, es gibt noch einen Punkt, der ohne Einschränkungen für das Ipad spricht, und der auch von seinen Befürwortern immer wieder ins Feld geführt wird: Durch das große Display ist das Lesen von heruntergeladenem Druckwerk tatsächlich deutlich augenfreundlicher als auf dem schmalen Iphone.
Aber 800 Euro fürs Zeitunglesen? Ich bitte Sie...
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 22, 2010 9:58 PM CET


Bloody Kisses
Bloody Kisses
Preis: EUR 15,27

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen R.I.P. Peter, danke hierfür., 31. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Bloody Kisses (Audio CD)
Peter Steele ist tot; und damit ist auch Type O Negative am Ende. Bei all den auswechselbaren Castingbands, die den Musikmarkt bevölkern, hat es nun eine Metalband getroffen, die sich wirklich im Laufe ihrer Karriere eine unverwechselbare Nische freigekratzt haben. Diese Nische wird nun unbesetzt bleiben - oder kann sich irgendjemand vorstellen, dass diese Band von einem anderen Sänger als Peter Steele geführt wird? Type O Negative waren vier hochtalentierte Musiker und gleichzeitig vier starke Persönlichkeiten, die irgendwie zueinanderfanden und für 17 Jahre eine Einheit bildeten, die Rockmusikgeschichte schrieb; aber erst durch Peter Steele, seinen Bassstimme, seinen ruppigen Umgang mit den Medien und seinen unverwechselbaren schwarzen Humor, wurden sie endgültig, was sie waren.

"Bloody Kisses" ist das große Vermächtnis dieser Band: Man kann die Schönheit dieser Musik, die Tiefe ihrer Emotion nicht wiedergeben, man muss sie selbst erleben: Type O Negative waren oft wütend, hasserfüllt und sarkastisch: Auf diesem Album sind sie bitter, melancholisch und resigniert: Dunkler, schleppender Hardrock, wie ihn zu letzt nur BlackSabbath spielten, und ein dezent eingesetztes Orgelspiel, das einem buchstäblich Gänsehaut verursacht. Es ist ein Konzeptalbum zum Thema Liebeskummer, wahrscheinlich das beste, das jemals aufgenommen wurde, und bei allem Zynismus der Texte, wird es wohl niemanden geben, der nicht schon einmal ähnlich gefühlt und gedacht hat. Aber obwohl es musikalisch immer nur trauriger und noch trauriger wird, kann man trotz alledem auch Humor auf diesem Album finden - denn das Leben geht weiter.

Die Alben, die danach kamen, lassen vermuten, dass Peter Steele auch weiterhin vom Pech verfolgt war: Drogensucht, zerbrochene Beziehungen, interfamiliäre Konflikte - all dies floss in sein Werk ein, und brachte noch fünf weitere CDs hervor, die bei aller kompositorischen Brillanz niemals wieder die geschlossene Perfektion von Bloody Kisses erreichten. Nun ist er von all seinem Leiden erlöst, und Type O Negative wird sich auflösen. Bleibt also nur noch zu sagen: Ruhe in Frieden Peter Steele - und danke für dieses Album.


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