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Polygraph

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Pigs
Pigs
DVD ~ Toni Lawrence
Preis: EUR 16,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kann mich mal jemand ganz fest in den Arm nehmen?, 9. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Pigs (DVD)
PIGS! Der Heilige Gral meiner verpickelten Wilden Jahre. Unerreichbares Fetischobjekt! Fata Morgana, auf die ich Tag für Tag entrückt und die Hände wie ein dürstender Somnambuler ausgestreckt zuwanderte, wobei sie sich mit jedem Schritt weiter von mir zu entfernen schien. Ich hatte Haifische gesehen, Bären, Hunde, Alligatoren, Insekten, Schnecken, Schlangen, Katzen, sogar Frösche - aber ein schmuddeliger Low/No-Budget-Film aus dem amerikanischen Nirgendwo über menschenfressende Schweine?!
Damals steckte das Internet noch in den Kinderschuhen - Streamingdienste gab es nicht, Youtube auch nicht. Ich hatte nur ein paar Screenshots von verschworenen raunenden Amateurseiten. Tausendmal habe ich bei Ebay auf speckige, abgenudelte VHS-Tapes (für die Nachgeborenen: früher gab es Filme auf Kassetten zu Kaufen und nicht auf glänzenden Scheiben) geboten, nur um in letzter Minute doch noch von irgendeinem Schwachkopf aus Honolulu ausgestochen zu werden - in meinem Kopf brannte es, ich hätte buchstäblich jeden Preis für diesen Film bezahlt.

Nun, 16 Jahre später kommt dieser Film lässig auf DVD raus, ganz als hätte es meine Durstrecke niemals gegeben, als hätten höhere Mächte endlich ein einsehen - ich habe PIGS gekauft, auf dem Heimweg ununterbrochen in der Einkaufstasche gestreichelt, habe zu Hause das Telefon ausgestöpselt, Sekt aufgemacht, mir selbst im Badezimmerspiegel zugeprostet und mich dann dem Fernseher zugewendet - was folgt kann man eigentlich nicht mit Worten ausdrücken.

Okay, ein Inzest-Vergewaltigungsopfer flieht auf eine abgelegene Farm und tut sich dort mit einem anderen pathologischem Fall zusammen, der seinen grunzenden Lieblingen am liebsten Menschenfleisch vorsetzt. Bald verschwinden die ersten Spaziergänger.
Soviel kannte ich vorher, und genau soviel und nicht mehr wollte ich von dem Film sehen - meine Frage nur: WIE KANN MAN SO EIN KONZEPT SO GEGEN DEN BAUM FAHREN? Die Frage ist eigentlich entwaffnend einfach: Man schreibt diese Idee nur auf das DVD-Cover und macht dann einen Film über etwas ganz anderes. In diesem Film laufen Leute, die niemals nur den Postleitzahl-Radius einer Schauspielschule betreten haben, hysterisch und planlos im Bild herum und führen nicht endende, immer wieder abreissende und neu aufgenommene Sinnlosgespräche. Szenen plätschern planlos minutenlang vor sich hin, als hätten sich Regisseur und Kameramann gerade ein Sandwich geholt, und den Darstellern (Gott, habe ich das wirklich gerade geschrieben?) beim Rausgehen nur zugerufen, für ein paar Minuten so weiter zu machen. Aber was macht das schon, meistens ist es auf diesem Film ohnehin so dunkel, dass man rein gar nichts erkennen kann - was wir sehen, erweckt den Anschein, als hätte die Kamera zwei Wochen lang in einem Rußhaufen festgesteckt, bevor man sie für den Film wieder in Betrieb nahm - bei Innenaufnahmen sieht man nur blasse Hände und Füße vor schwarzem Hintergrund. Und Mastering von Bild und Ton? Ich bitte Sie...

Und selbst seine Trumpfkarte schmeisst der Film bedenkenlos ins Klos, denn da sich der Regisseur offenbar als Ingmar Bergman und Sigmund Freud in einer Person ansieht, werden die Schweineattacken immer wieder mit dem ansteigenden Wahnsinn der Protagonistin vermischt, so dass eigentlich gar nicht klar ist, ob das ganze nun wirklich passiert. Echte Angriffe bzw. Fütterungsszenen kommen selbstverständlich nicht vor (ich habe schon beim Nagel-in-die-Wand-schlagen mehr Blut gesehen, als es dieser Film in 90 Minuten vergießt - danke, an dieser Stelle, auch wieder an die FSK die auch hier den 18er-Aufkleber draufklatschte [und nicht vergessen, dass PIGS lange Zeit auch indiziert war], und wenn dann tatsächlich mal jemand im Trog landet, dann sehen wir nur Nahaufnahmen von Schweinevisagen aus der letzten ZDF-Doku, unterlegt mit einer "surrealen Alptraummusik", die eher klingt, als würde man einer Katze den Schwanz anzünden, und sie dann in ein Blechfass mit ausgehungerten Ratten einsperren.

PIGS ist wirklich aller-aller-allerunterste Schublade, er bewegt sich in einem Bereich, der nach konventionellen Bewertungsmaßstäben eigentlich gar nicht mehr erfass- bzw. messbar ist (abgesehen von dem neuro-psychologischem Schaden, den er anrichtet). Keinen Cent wert, keine Minute Lebenszeit wert - eine der größten Enttäuschungen der Filmgeschichte, und meiner eigenen Biographie: Ein Film der mein gesamtes Wohlwollen auf seiner Seite hatte, ein Film auf den ich fast zwei Jahrzehnte warten musste, und der für seine Grundidee allein schon einen Oscar verdient hätte, entpuppt sich dank eines komplett unbegabten Regisseurs als liegengebliebenes bedrucktes Zelluloid ohne Inhalt oder erkennbares Konzept, das nach 90 Minuten mal ein paar Schweine, mal ein paar brabbelnde Menschen zeigt und irgendwann einfach abreisst, während man sich immer noch die Augen reibt, was sich da gerade überhaupt abgespielt hat.

Ich gehe jetzt mal raus und schreie einen Baum an...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 23, 2014 9:11 AM CET


Der Killer Pavian (Shakma)
Der Killer Pavian (Shakma)
DVD ~ Christopher Atkins
Preis: EUR 6,49

5.0 von 5 Sternen Egal welcher Titel - der Film rockt!, 6. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Killer Pavian (Shakma) (DVD)
Höh? Oh, ein Studio hat 30 Jahre nach Erstveröffentlichung einen DVD-ReLaunch für den Deutschen Markt mit einem neuen Titel versehen. Was gibt's sonst neues? Verstehe, mhm, Sack Reis in China; neuer Furunkel bei Tante Hildegard; 0,2 Prozent Rabatt bei Aldi für Tiernahrung. WEN INTERESSIERT`S????

Wenn das "Kundenverarsche" sein soll, dann lauft von mir aus damit zum Bundesverwaltungsgericht und schaut unbedingt, was der vorsitzende Richter für ein Gesicht macht, wenn ihr ihm die himmelschreiend-heimtückische, in der Rechtsgeschichte ohne Präzedenzfall existierende Gemeinheit erklärt, dass "Der Killer Pavian" früher mal unter dem Titel "Shakma" veröffentlicht wurde. Und dass diese Drecksbonzen von Studiobossen die Neufassung tatsächlich 10 bis 15 Euro billiger(!) auf den Markt geworfen haben, als die Erstfassung. Und dass es nichtmal eine unterschiedliche Schnittfassung gibt, so dass man hier für einen relativ geringen Kaufpreis, tatsächlich den kompletten ungeschnittenen Film erhält, so dass unterm Strich tatsächlich nicht der geringste Unterschied zu beklagen ist, außer dass dieser Film früher mal anders hieß - am besten gleich noch Stiftung Warentest und den Internationalen Gerichtshof in Den Haag anrufen und die Leute von Frontal 21 informieren. Was zu viel ist, ist schliesslich zu viel!

Für alle anderen - für alle, die mal wieder Bock auf einen richtig guten (richtig guten!) Tierhorrorfilm haben, für all jene, die immer dachten, das Szenario eines top-aggressiven genetisch veränderten Pavians, der eine Gruppe Fantasy-Rollenspiel-Nerds (ja, lieber Leser, richtig gelesen: FANTASY-ROLLENSPIEL NERDS!) dezimiert, sei viel zu abgefahren/cool um jemals in einem Film verwirklicht zu werden, für alle jene, die ihren Kindern erklären wollen, dass man vor gar nicht allzulanger Zeit sehr überzeugende Bluteffekte hinbekam, OHNE ein Computerpropgramm und BlueScreen heranzuziehen, all jene die mal wirklich beachtliche Tierdressuren bewundern, und mal wieder packende Kampfsequenzen zwischen Mensch und Affe bewundern wollen, ohne dass die Kamera nach anderthalb Sekunden wegschwenkt - der "Bestell"-Knopf ist oben Rechts.

Egal unter welchem Titel, egal ob "Shakma" oder "Killer Pavian", man bekommt einen Tierhorrorfilm, der zur Abwechslung mal wirklich liefert, der genau weiss, was die Fans sehen wollen, und bei dem wirklich nicht eine Sekunde lang Langeweile aufkommt. Und pickelige Fantasynerds, die fremdschämige Masken tragen und sich in geschwollenem Tolkien-Duktus per WalkieTalkie unterhalten, kurz bevor sie der tobsüchtige Primat anspringt, gibt es gratis dazu.
Ganz ehrlich: Da zögern Sie noch?


Trace of a Stranger
Trace of a Stranger
Preis: EUR 6,79

4.0 von 5 Sternen Im Schatten der Vorbilder, 4. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Trace of a Stranger (MP3-Download)
Blitzkid wurden mir mehrfach als neue Wunderkinder im Horrorpunk-Genre empfohlen, und nachdem ich mir nun diese Scheibe mehrfach angehört habe, bin ich etwas ratlos. Soll man loben, dass es sich um astreine, gefällige Musik handelt, die jeder Genrefan sofort ins Herzen schliessen dürfte. Tja.... oder soll man anmerken, dass sich die gesamte Scheibe musikalisch und textlich so stark bei den Misfits bedient hat, dass man (zumindest wenn man Trace of a Stranger als Maßstab nimmt), die beiden kaum auseinanderhalten kann. Noch dazu ist der Sänger der Combo der mit Abstand begnadetste GlennDanzig-Imitator, den ich jemals gehört habe - musikalisch und stimmlich ist die Ähnlichkeit frappierend; ich würde sogar soweit gehen, dass man Songs von Trace of a Stranger und Static Age [Explicit] auf eine Scheibe brennen könnte, ohne dass ein Außenstehender den Unterschied merken würde.

Ich entscheide mich für das erste, und sage: besser gut geklaut, als schlecht selbst neu erfunden - es findet sich durchaus gutes, schmissiges Material auf dieser Scheibe ("Deadhouse" und "Lupen Tooth" sind absolute Anspieltipps). Ich möchte aber dennoch anmerken, dass Blitzkid gerade im Vergleich mit der Konkurrenz in jedem Fall in der unteren Liga spielt: Wednesday 13 hat besseres Songwriting, den genretypischen 50er-Schmiss haben die Bones (um nur ein Beispiel zu nennen) tausendmal lässiger drauf, und von der musikalischen Vielfalt und bretternden Produktion eines Rob Zombie ist Blitzkid ungefähr soweit entfernt, wie Uwe Boll von einem Grimmepreis.

Also für sich genommen keine schlechte Scheibe (worauf es ja schliesslich ankommt) - daher vergebe ich hier gutgemeinte 4 Sterne. Sollte die Band sich auf zukünftigen Scheiben aber ebenso lasch präsentieren, werde ich glaube ich nicht nochmal so gnädig sein.


The F Word
The F Word
Wird angeboten von hotshotrecordsmailorder
Preis: EUR 11,38

2.0 von 5 Sternen Eins steht nun fest: An der Band liegt es nicht, 4. November 2014
Rezension bezieht sich auf: The F Word (Audio CD)
Als ich die Meteors zum ersten Mal hörte, habe ich sie sofort ins Herz geschlossen, denn sie haben meine beiden ausschlaggebenden Interessen brillant kombiniert: Gute Punkrockcountry-Musik und die humorige Liebe zum Gruselfilmgenre. Diese Band (in ihren fluktuierenden Formationen) hatte maßgeblichen Einfluss auf meine musikalische Entwicklung, ich habe einen Großteil ihres umfangreichen Outputs rauf und runter gehört - aber spätestens seit These Evil Things ist nichts mehr wie es war. Die Meteors schwächeln bedenklich, wollen sich nicht mehr anstrengen, hauen stattdessen lieber ein blasses, ideenloses Schrammel-Album nach dem anderen raus, und beschimpfen im Booklet auch weiterhin den Rest der Psychobilly-Szene als Poser.

Die Zeiten sind also alles andere als rosig, man kann also verstehen, warum sich Paul Fenech zur Abwechslung mal als Solokünstler ausprobieren will. Nach dieser Scheibe steht allerdings zweifellos fest: Mr. Fenech ist eindeutig Teil der Schaffenskrise seiner Band, denn auch alleine bringt er nichts maßgebliches zustande.
Schon gut, schon gut, das Album bietet klassischen Meteor-Sound (hm, sollte das nicht ein Soloprojekt sein?). Oder halt... stimmt ja gar nicht: es ist eher der Meteor-Sound mit dem wir uns in den letzten Jahren abgefunden haben, der die drei letzten Album kennzeichnete, die für mich einen absoluten Tiefpunkt in der Bandgeschichte darstellen, und von dem zumindest ich die Nase mittlerweile gestrichen voll habe.

Die Meteors waren einmal durchgenallt, unberechenbar und hundsgemein - mittlerweile besteht das klassische Album aus heruntergestimmtem Bass, und schrammeliger Gitarre - da macht auch Mr. Fenech allein keine Ausnahme. Von Trucker-, Surf-, oder 50er-Jahre-Elemente, die seine Band einst groß gemacht habe, will er auch weiterhin nichts wissen. Und selbst das eingeschränkte Instrumentelle Arrangement wäre noch nicht das Problem, aber Paul Fenech hat eben auch weiterhin offenbar keine neuen Ideen für neue Musik: Allein der Einstieg gelingt klassisch: Der Titeltrack ist feinster Meteors-Stoff - ggeschliffen, schnell, dreckig und mit einem markant-boshaften Text - aber schon danach versinkt das Album für den Rest der Laufzeit in Langeweile: Paul Fenech spielt und singt so vor sich hin, aber es ist nichteinmal ein Funken Lust, Enthusiasmus oder Fanverbundenheit zu erkennen. Keine Melodien, keine markanten Refrains, keine Soli, alles schon einmal irgendwo gehört - wenn es dann nachdenklich und besinnlich wird (bzw. werden soll), dann kratzt das Album dann direkt an der Schmerzgrenze, denn die Ballade "Scarecrow" wirkt in ihrem Weltschmerz (kombiniert mit Fenechs für große Gefühle eher ungeeignetem Gesang) eher unfreiwllig komisch; und ganz im ernst, "3 Minutes To Deadtime" ist buchstäblich akkustischer Müll. So lockern sich irgendwelche Amateur-Krachis in ihren Garagen die Finger - dass der einstige Genre-Gründer einen solchen Song unter seinem Namen veröffentlicht gibt Anlass zu größter Besorgnis.

Alleine "A Hangmans Daughter" verdient noch besondere Berücksichtigung, musikalisch zwar eher durchschnittlich aber dafür ein Duett, ist dieser Song zwar kein Kracher, aber alle paar Monate kann man ihn sich anhören.
Macht im ganzen zwei hevorstechende Lieder in einem ansonsten lahmen, lustlosen Album - das ist mehr oder weniger das Fazit, dass ich auch unter die letzten drei Veröffentlichungen der Meteors geschrieben habe. Diese Band, egal welche beiden Marionetten Paul Fenech gerade begleiten, hat Anfang des 21. Jahrhunderts ein massives Relevanzproblem: Sie machen schlichtweg keine gute Musik mehr, und wenn sich eine Band nun schon über jahre hinweg so lustlos präsentiert, und sich lieber auf ihren einstmaligen Lorbeeren ausruht, wird dies eher früher als später zum Affront für die Fanbasis.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als von Paul Fenech und seinen Mannern wieder einmal von vorne bis hinten begeistert zu werden - aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist mein Vertrauen in die Fähigkeiten dieser Band nur noch ein hauchdünner Schatten.


Tyson
Tyson
DVD ~ James Toback
Preis: EUR 6,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufstieg und Absturz, 2. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tyson (DVD)
Kaum ein anderer lebender Boxer spaltet die Gemeinde, wie es Mike Tyson tut, getan hat, und wahrscheinlich noch sehr lange tun wird: Weltmeister im Schwergewicht mit nur 20 Jahren , eine maschinenhafte Dampfhammertechnik, deren Mischung aus Präzision und roher Gewalt einem noch heute die Kinnlade herunterklappen lässt, ein Gegner nach dem anderen, den er in oft weniger als einer Runde buchstäblich plattwaltzte. Während seiner aktiven Zeit habe ich mich noch nicht sehr für den Boxsport interessiert, aber die Tyson-Kämpfe waren wegen ihrer rohen Energie und dem buchstäblichen Angst-Faktor, den er mit seinen Auftritten im Gegner auslöste unterhaltsamer als ein Kinobesuch.
Tja, und dann gibt es ja noch die andere Seite - die Vergewaltigungsklage, die Gefängnisstrafe und die Sache mit Evander Holyfields Öhrchen. Und Anfang des 21. Jahrhunderts ist von Tysons einstigem Mythos- eigentlich - nur noch der Mythos des Mythos' übriggeblieben (und von seinem früheren Millionenvermögen gar nicht zu reden).

Kurz gesagt: Mike Tyson, sowohl als Boxer als auch als Mensch, verdient einen Dokumentarfilm mehr als jeder andere. Was hier von James Toback vorgelegt wurde, ist ein guter Ansatz, aber (leider) mit einigen Problemen behaftet.
Dass es sich hier nicht um eine Dokumentation im klassischen Sinne handelt, wo ein Regisseur informiert, aufklärt und kommentiert, ist für mich nicht weiter problematisch - der Film besteht aus mehreren Interviews mit Tyson, in denen er im Rückblick seine Karriere, inklusive ihrer sämtlichen problematischen Weichenstellungen kommentiert. Natürlich sind derartige komplett subjektive Meinungsäußerungen immer mit kritischer Distanz zu betrachten - aufschlussreich sind sie in jedem Fall.

Es ist ein Anblick der nachdenklich macht, diesen Weltmeister, diese einstige Dreschmaschine, dieses Bündel aus roher Energie nun als gezeichneten und gebeugten Mann auf dem Sofa sitzen zu sehen - noch bemerkenswerter ist das hohe Maß an Selbstreflexion, mit dem Tyson auf sein Leben zurückblickt. Das Fazit, das sich früh herausbildet, ist dass er nach Erringung des Weltmeistertitels fast alles in seinem Leben falsch gemacht, mitbedingt durch Neider und Manipulatoren (häufig doppelt so alt wie er selbst), die alle ebenfalls ein Stück vom Kuchen haben wollten, was der Mittzwanziger, der von einem Sieg zum anderen rauschte, nicht wahrnehmen konnte.
Von Bitterkeit oder gar Hass dennoch keine Spur - Tyson ist eloquent und distanziert, und eher erfüllt von einem würdigen Bedauern, dass es so kommen musste. Der einzige, gegen der er eindeutig Stellung bezieht, ist der umstrittene Boxmogul Don King, dem er den Verlust seines eigenen Vermögens, sowie die Korruption des Boxsports zuschreibt. Ansonsten findet man nur Eigenschaften, die man von einem Mann wie Mike Tyson eigentlich am wenigsten erwartet hätte: Traurigkeit und (tatsächlich) Milde. Insbesondere sein Fazit seiner (katastrophalen) ersten Ehe, sie beide wären eigentlich große Kinder gewesen, die nicht wussten, wie man Konflikte gelöst, ist bemerkenswert.

Dies alles soll aber nicht bedeuten, dass Tyson über die dunklen Zonen seiner Karriere hinweggeht - u.a. gesteht freimütig Drogenkonsum und Herumhurerei ein - die Anklage wegen Vergewaltigung und der Holyfield-Kampf werden von ihm ausführlich kommentiert. In beiden Fällen bezeichnet er sich nach wie vor als (Sport-)Justizopfer: Einerseits eine rachsüchtige Anklage, zum anderen die mehrfachen Kopfstöße Holyfields im Ring (für die es tatsächlich Belege gibt).
Ich möchte eindeutig klarstellen, dass es sich hier um Mike Tysons persönliche Sichtweise handelt, die man als Zuschauer glauben kann, oder eben nicht - ebenso muss man aber zugestehen, dass er diese Sichtweise in seinen Erzählungen tatsächlich glaubwürdig belegen kann, und es nicht bei der bloßen Unschuldsbehauptung bleibt.

Eine bewegende, bittere und wirklich aufschlussreiche filmische Autobiographie über Aufstieg und Absturz. Warum also nicht fünf Sterne? Das hat, ohne Umschweife, mit der Eitelkeit des Regisseurs zu tun: Dass Mike Tysons Karriere gut und gerne noch einmal 90 Minuten, vielleicht sogar einen Mehrteiler verdient hätte, kann man hier nur am Rande erwähnen. Problematischer ist allerdings die Vorliebe des Regisseurs für technische Sperenzchen. Bei sämtlichen Rückblenden, egal ob zu den großen Preiskämpfen, zu öffentlichen Auseinandersetzungen mit anderen Sportlern, oder Talk-Show-Auftritten, teilt sich der Bildschirm oft in zwei- manchmal sogar drei kleine Vignetten auf, die jeweils ein anderes Geschehen zeigen.
Das ist nicht nur überflüssig (und bildet einen starken Kontrast zu dem eigentlich sehr ruhigen Grundton des Films), es macht diese kurzen Sequenzen zu einer fast körperlichen Strapaze, zumal es ja noch die Untertitel zu Tyson's Erzählungen aus dem Off zu Verfolgen gibt, so dass man als Zuschauer auf zwei verschiedene Minifilme plus gelbe Untertitel konzentrieren muss.
Gerade bei den spektakulärsten Knockouts ist das ein nahezu unverzeihlicher Fehler - die besten Kämpfe, die man am liebsten auf Kinoleinwand und in DolbyDigital genießen würde, verkommen so zu paralell abgespulten Minifilmchen im Handykamera-Format.

Damit also einen Kinnhaken für den Regisseur - und obwohl es ein sehr (um nicht zu sagen: rein) subjektiver Film ist (was kein Qualitätsurteil, sondern nur eine Tatsachenbenennung sein soll), gibt "Tyson" als Film und als Mensch Stoff zum Nachdenken - für Fans und noch mehr für die einstigen Gegner, die in diesem Mann nur einen stumpfen Gewaltmenschen gesehen haben. Ein großes Filmportrait über ein Sportlerleben, wie es - im guten, wie im schlechten - kein anderer geführt hat.


Keiler - Der Menschenfresser
Keiler - Der Menschenfresser
DVD ~ Eom Tae-woong
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 8,41

5.0 von 5 Sternen Mal was (ganz) anderes..., 31. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Keiler - Der Menschenfresser (DVD)
Ach ja, das gute alte asiatische Kino - wo sonst findet man menschenfressende Wildschweine, bizarre Geburts/Neugeborenen-Szenen und sogar sprechende Hunde (!) in einem einzigen 90Minuten-Brocken? Dass der Film dem Horrorgenre zuzuordnen ist, würde ich so eigentlich nicht unterschreiben, denn dazu geht es oft einfach zu grotesk zu, und streckenweise ist der Film sogar direkt witzig (wobei der asiatische Humor oft ja eigentlich nur eine Unterkategorie von "Grotesk" bedeutet.
Auch wenn ich in Sachen Monsterschweine hier nicht unbedingt so auf meine Kosten gekommen bin, wie ich gehofft hatte, vergebe ich dennoch die volle Punktzahl - ganz einfach weil ich hier mal wieder einen Film gesehen habe, dem ich tatsächlich so ohne weiteres nichts an die Seite stellen kann. Bevor man also den 47. verwackelten SAW-Aufguss ausleiht, sollte man als aufgeschlossener Filmfan in jedem Fall mal einen Blick riskieren - "Keiler" ist mehr als nur für ein paar Überraschungen gut.


ATM - Tödliche Falle [Blu-ray]
ATM - Tödliche Falle [Blu-ray]
DVD ~ Brian Geraghty
Preis: EUR 11,49

3.0 von 5 Sternen Manchmal ist weniger eben doch mehr, 31. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: ATM - Tödliche Falle [Blu-ray] (Blu-ray)
Manchmal genügt es einfach eine Alltagssituation auf den Kopf zu stellen: Drei Leute, die in einer Winternach nach einer Betriebsfeier bei einer abgelegenen Bank noch Geld abheben wollen, finden sich plötzlich von einer gesichtslosen Gestalt im Eskimo-Parka beoabachtet. Wer ist das? Ein Straßenräuber? Ein Mörder? Ein Irrer? Oder noch nur ein Passant? Was will er? Man beschliesst, erstmal abzuwarten, bis sich der Mann verzogen hat - doch das tut er nicht, sondern bleibt weiter eisern auf seinem Posten vor der Glastür. Eine unschöne Belagerungssituation in der eiskalten Nacht beginnt.

ATM (so lautet der englische Begriff für "Geldautomat") erfindet kein Rad neu, aber er hat eine smarte Grundsituation und auch ein überraschend gut geschriebenes Drehbuch (keine Teeanger) - nur leider hat auch er knapp 90 Minuten zu füllen, und so schweift das Skript immer wieder von der unmittelbaren Bedrohung ab, es kommt (wie bei Belagerungsfilmen üblich) zu langen Dialogen der unfreiwillig Gefangenen, bei denen (dito) schmutzige Geheimnisse an die Oberfläche kommen - es kommt zu den üblichen zum Scheitern verurteilten Ausbruchsversuchen, die Protagonisten basteln sich primitive Waffen - die durchaus erschreckende Grundsituation, nach Mitternacht in einer eiskalten Glaszelle von einem gesichtslosen Irren belagert zu werden, verwässert so immer wieder (und zum Schluss leider immer stärker) zu 0815-Storytelling aus der Drehbuchmottenkiste.

Als Kurzfilm von 45 Minuten, der seine Story ohne Schnickschnack erzählt, und der den Hintergrund seiner Figuren nicht bis zu den Urgroßeltern aufdröselt, hätte ich diesem Film ohne weiteres die volle Punktzahl gegeben. Ich möchte aber dennoch betonen, dass ATM genügend auf der Haben-Seite hat, um einen passablen Gruselfilmabend zu garantieren. Trotz der erwähnten Kritikpunkte vergebe ich positive 3 Sterne - kein Streifen, der einen vom Hocker haut, aber im Gegensatz zu geschätzt 97,999% meines wöchentlichen Horrorfilm-Inputs habe ich mich hier hinterher nicht geärgert.


The Tunnel [Blu-ray] [Special Edition]
The Tunnel [Blu-ray] [Special Edition]
DVD ~ Andy Rodoreda
Preis: EUR 14,99

2.0 von 5 Sternen Found Footage vom Fließband, 31. Oktober 2014
Der FoundFootage-Streifen ist mittlerweile eine etablierte Referenz im Horrorgenre - den Innovationsbonus, den diese Filme früher einmal (verdient) für sich beanspruchen konnten, hat sich schon vor Jahren restlos abgerieben. Wackelkamera und Schweres Atmen haben zwar immer noch Potential, aber der Markt ist doch eher gesättigt und wer heute einen FoundFoot.-Streifen vorliegt, muss dem Publikum einfach ein bisschen mehr zu bieten haben, als das "was alle anderen machen". Damit ist das Problem von The Tunnel bereits auf den Punkt gebracht - der Regisseur versäumt nicht nur, dem Publikum etwas neues zu bieten, es scheint, als habe ihn dies von Beginn an eigentlich gar nicht interessiert.

Die Zusammenfassung kann man schreiben, ohne den Film überhaupt gesehen zu haben: Ein Reportageteam steigt in einen verlassenen Kanalisationsschaht hinunter in Sidney hinunter und sieht sich bald von jemandem/etwas verfolgt - die Kamera wackelt, eine Tür knallt, der erste verschwindet, der zweite verschwindet, und am Schluss rennt der letzte überlebende (mit Kamera) alleine durch den Tunnel.
Das klingt zugegenermaßen nicht besser oder schlechter als jeder andere xbeliebige FF-Streifen, aber anstatt dieses Grundgerüst als Weihnachtsbaum für eigene Ideen und Motive zu nutzen, nimmt The Tunnel einfach nur diese reine Genre-Blaupause, und denkt, damit sei es getan.
Paranormal Activity hatte eine bösartige Würgeschlingen-Atmosphäre, Der letzte Exorzismus hat bis zum Schluss brillant offengelassen ob die "Patientin" nur wahnsinnig ist, oder sich vielleicht doch noch etwas anderes dahinter verbarg - ja selbst so ein minderwertiger Streifen wie Apollo 18 hat durch gekonnte Mondaufnahmen zumindest ein kleines bisschen von der eiskalten und klaustrophobischen Weltraumatmosphäre ins eigene Wohnzimmer getragen (auch wenn es für mehr nicht mehr gereicht hat).
The Tunnel hat gar nichts - kein interessantes Monster, keine clevere Story, alles verläuft exakt so, wie man es kennt; von den ersten Laut/Leise-Schocks über das Lachen, was den wackeren Filmern bald vergeht, bis hin zu dem angeblich niederschmetternden Ende, dass keiner von ihnen je wieder gesehen ward.

Ich habe The Tunnel gesehen und sofort wieder vergessen - gerade für einen Horrorfilm ist das keine gute Bilanz. Es ist bei weitem nicht der schlechteste Film im Horrorgenre, aber im Gegenteil findet man gerade bei den FoundFootage-Streifen genügend bessere Streifen, die einen tatsächlich noch bis in den Tiefschlaf verfolgen.


Hyenas
Hyenas
DVD ~ Christa Campbell
Wird angeboten von TKR-Medienvertrieb
Preis: EUR 8,99

2.0 von 5 Sternen Ach Mensch...., 31. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Hyenas (DVD)
Aus Hyenas hätte wirklich etwas werden können, und der Film beginnt durchaus vielversprechend: das Lycanthropie-Motiv einfach mal in die afrikanische Savanne zu verpflanzen und mit ein bisschen lokaler Folklore anzureichern (denn die Legende von Wer-Hyänen gibt es ja tatsächlich) ist für sich genommen einfach mal ein Stoß in eine neue Richtung, und die erste Angriffszene, die den Film einläutet, zeugt durchaus von handwerklichem Finesse: Zwei Menschen im Auto, eine einsame Landstraße, das irre Gelächter der Hyänen (anstatt des handelsüblichen Wolfsgeheuls), das immer lauter wird - das geht unter die Haut und verdient Anerkennung.

Was danach kommt, ist leider kaum mehr diskutabel - witzelnde Teenager-Flachpfeifen, Romanze, ein dümmlicher Großwildjäger, Zweikämpfe in Matrix-SloMotion - eben das ganze dilettantische Standardprogramm. Ohne zu spoilern enthüllt der Film in der zweiten Hälfte dann auch noch, dass es sich bei den Kreaturen um einen verschworenen Orden mit eigenen Regeln und Traditionen handelt, was den animalischen Grundton komplett über den Haufen wirft. Dass die Hyänen dann zu allem Überfluss noch von einer verkrampft-erotischen FemmeFatale angeführt werden, setzt dem ganzen die Krone auf.

Keine Ahnung, warum ich hier einen Stern mehr vergebe - vielleicht weil der Film doch zumindest wegen seiner guten Idee irgenwie einen Sympathiebonus bei mir einheimsen konnte. Ich hoffe einfach auf ein Remake unter talentieren Händen - in seiner jetzigen Form kann man sich den Film getrost sparen.


Paranormal Activity: Die Gezeichneten
Paranormal Activity: Die Gezeichneten
DVD ~ Molly Ephraim
Preis: EUR 8,97

3.0 von 5 Sternen Am Scheideweg, 12. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Paranormal Activity: Die Gezeichneten (DVD)
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Die Gute ist, dass Par.Act. Teil 5 keine der durchweg fatalen Motive und Figuren aus dem missratenen vierten Teil aufgreift, sich im Gegenteil von Spannungsaufbau, Atmosphäre und Figurenzeichnung wieder deutlich besser an die kongenialen ersten drei Teile anlehnt - für sich genommen ist das ein durchweg passabler Gespensterfilm, der (bei aller gleichfolgender Kritik) durch seine gut gezeichneten Figuren und einer straff erzählten Story meilenweit über die platte Hui-Buh-Konkurrenz hinausragt.

Die schlechte Nachricht ist, dass sich die Sage mit PA 5 wirklich nun hoffnungslos in ihren Zeitebenen und Dämonen-Mystik verheddert hat. Viele Köche verderben den Brei, und es wird zunehmend erkennbar, dass die Regisseure der neuen PA-Teile keinerlei Interesse daran haben, die Saga gekonnt weiter- bzw. zuende zu führen, sondern nur einen Reissbrett-Streifen nach dem anderen zu produzieren, der den Zuschauer dann mit einem verwirrenden Schluss auf das nächste Mal vertröstet.
Beschränkte sich der Spuk bei den ersten drei Teilen noch um einen kleinen, überschaubaren Personenkreis, treten seit Teil 4 nun wildfremde Personen auf, die beim besten Willen gar nichts mehr mit den ursprünglichen Protagonisten zu tun haben. Auch entfernt sich der Schwerpunkt mittlerweile bedenklich von dem unsichtbaren, ungreifbaren Bösen hin zu einer laschen Hexenzirkel-Verschwörung, die mich nicht interessiert, und die sich auch nicht als Impulsgeber für eine neue Stoßrichtung der Reihe eignen würde.

Wie gesagt - PA 5 ist ein durchaus passabler Film, das Hispano-Setting ist gut gewählt, die Figuren sympathisch, und anders als bei Teil 4 spreche hier eine klare Empfehlung aus (meine Bewertung liegt irgendwo zwischen drei und vier Sternen) - auf der anderen Seite können die Macher der Reihe auf diese Weise noch bis in alle Ewigkeiten weitermachen. Jedes Jahr einen Schablonenfilm nach dem anderen auf die Leinwand klatschen, und sich nicht mehr um eine zufriedenstellende Auflösung der Reihe kümmern, die doch irgendwann einmal kommen muss.

So sehe ich trotz des katastrophalen vierten Teils die PA-Reihe nach wie vor am Scheideweg: Ein letzter intensiver Teil, der sämtliche Figuren auftreten lässt, und alle losen Fäden zusammenbindet könnte den Filmen einen verdienten Platz in der jüngeren Horrorfilmgeschichte freiräumen. Die alternative wäre eine kommerzielle Ausblutung nach dem SAW- und Freitag dem 13.-Prinzip, bis man irgendwann von selbst das Interesse an einer Auflösung verliert, ganz einfach weil man sich an die ersten drei Teile gar nicht mehr erinnern kann.
Mit Blick auf andere kommerziell erfolgreichen Franchises habe ich bereits eine Vermutung, welchen von den beiden Wegen die Produzenten einschlagen werden - aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 6, 2014 7:57 AM CET


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