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Rezensionen verfasst von
Bosenick, Matthias "vanbauseneick" (Braunschweig)

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Fleisch ist mein Gemüse
Fleisch ist mein Gemüse
von Heinz Strunk
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön, wenn man nicht dabei war..., 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Wenn man weiß, dass Heinz Strunk bei Studio Braun ist (und auf VIVA "Fleischmann-TV" gemacht hat), hat man gewisse Erwartungen an "Fleisch ist mein Gemüse". Er hat bei den Telefonterroristen schon die Rolle desjenigen inne, der in Volksfloskeln spricht, ungefähr so, wie die Leute, denen man eher aus dem Weg geht, wenn sie so schon anfangen. Persifliert kann man aber darüber lachen, und in der Form war das Buch dann auch zu erwarten.
Wenn man seine Stimme kennt, kann man Heinz Strunk (bzw. Jürgen Dose) durchaus reden hören, während man liest. Aber das Lachen bleibt einem schnell im Halse stecken. Unerwartet ernst und sachlich, wenn auch in der gut beobachteten Sprache seines Klientels, erzählt er von einer Jugend mit einer Mutter, die im medizinischen Sinne verrückt ist, und den daraus resultierenden Depressionen. Der Heinz des Romans ist eigentlich ein verkommenes Subjekt, depressiv, alkohol- und spielsüchtig ("Stichwort: Angstfreie Zone", um mal eine seiner Formulierungen zu benutzen), ohne Selbstwertgefühl, aber dafür im eigenen Rahmen ein selbstgerechtes Arschloch. Seine Mitmusiker stehen auf der gesellschaftlichen Leiter genauso weit unten wie er (weshalb man sich ja zusammentat), aber wie überall gibt es auch dort Hierarchierangeleien. Und wie er seine Musikschüler behandelt, ist ebenfalls Folge eines unterfüllten Machtbedürftnisses.
Immerhin ist Strunk nicht der Voll-Loser. Folge seiner extrem langweiligen Jugend ist ein versiertes Blasinstrumentespiel, mit dem er seine Mitmusiker bei Tiffanys, der Tanzkapelle, die der Leser über Bucheslänge begleitet, musikalisch locker in den Schatten stellt. Und da kommt das nächste deprimierende Element: die Veranstaltungen, auf denen er zu spielen hat. Ab Harburg südwärts in der niedersächsischen Pampa, auf Schützenfesten, Lokalpromihochzeiten, Jugendtanzabenden oder Silvesterfeiern, auf Schützensälen, in heruntergekommenen Hotels oder irgendwo auf freier Pläne in gammeligen Schuppen - auf Veranstaltungen, die man, wenn man im Nordkreis Gifhorn aufwuchs, kennt und, wenn man einigermaßen Geschmack und Verstand hatte, alsbald mied. Das Publikum dort ist nicht minder mitleiderregend als die ausrangierten Exschlagerstars, die bisweilen Tiffanys als Begleitband buchen.
Nicht zuletzt der erste Sex ist eines der Ziele, die Strunk in knapp 15 Jahren als Tanzmusiker verfehlt, aber mit ständigem "Abmelken" zu kompensieren versucht. Er scheitert überall auf unterem Niveau, aber dennoch deprimierend nachvollziehbar. Im Prinzip muß man "Fleisch ist mein Gemüse" und "Dorfpunks" von Strunks Studio-Braun-Kollegen Rocko Schamoni parallel lesen, denn beide erzählen von Adoleszenz auf dem Lande, aber mit gegensätzlichen Verläufen. Aus dem Punk ist immerhin "was geworden", bei Strunk fehlt am Ende jede Hoffnung auf ein besseres Leben. Das Buch ist deutlich aus heutiger Sicht geschrieben und verklärt nichts, im Gegenteil, bietet sogar noch eine selbstvernichtende, realistische Sichtweise des geschilderten Lebens. Man muß nur ausblenden, dass er später eben im "Comedy"-Geschäft recht erfolgreich wurde...


Goethes Erben - Blau Rebell & Gewinn für die Vergangenheit
Goethes Erben - Blau Rebell & Gewinn für die Vergangenheit
DVD ~ Goethes Erben

5.0 von 5 Sternen Der Sympath wieder, 15. Mai 2005
Oswald Henke sorgt dafür, dass man alte Videos von Goethes Erben auch auf DVD bekommt, und zwar gleich zwei auf einmal. "Blau-Rebell" von 1995 und "Gewinn für die Vergangenheit" von 1999, dazu noch die Videos zu "Flüstern" und "Der Wandel" sowie ein älteres Interview mit Herrn Henke.
Der hat sich ja weitgehend aus dem Musikgeschäft zurückgezogen, hat Erblast und Artwork aufgelöst und arbeitet derzeit an einem Großprojekt der Erben (und veröffentlicht gelegentlich Bücher). Die haben ja inzwischen einiges an Stilwechseln hinter sich. Begannen als Lyrikuntermalung mit eher einfachen Synthies, wurden dann abgedreht und krachig und machen seit einiger Zeit richtig nette Popmusik, natürlich nie ohne Seltsames zwischendurch.
"Blau-Rebell" stammt aus der Zeit des Kraches, zum blauen Album und der "Der Die Das"-EP, und ist daher auch, wie die "Live im Planetarium Jena" streckenweise, verhältnismäßig schwer zugänglich. "Gewinn für die Vergangenheit" wiederum wurde in der Zeit um "Schach ist nicht das Leben" mitgeschnitten, als Goethes Erben anfingen, mehr Wert auf richtige Lieder zu legen und jene auch anspruchsvoller arrangierten. Was natürlich die Qualität der Texte nicht verringerte. Die Darbietung ist entsprechend leichter zu konsumieren als die ältere, reicht aber an den jüngeren Pop noch nicht ganz heran.
Spaß machen aber beide Konzerte, und gerade bei dem Preis gibt es nun wirklich nichts zu Meckern.


General Patton Vs X-Ecutioners
General Patton Vs X-Ecutioners
Preis: EUR 18,32

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine weitere Facette nur, 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: General Patton Vs X-Ecutioners (Audio CD)
Mike Patton mal wieder. Es war eine Frage der Zeit, bis er den Namen des dubiosen Feldherrn annehmen sollte. Seit fünfzehn Jahren veröffentlicht der gute Mann nun Musik (damals als der Neue bei Faith No More), und je länger er dabei ist, desto besser kennt man ihn. Die Funky-Metal-Band aus der Bay Area verpflichtete damals also den Sänger von Mr. Bungle, der seitdem immer wieder seine Hörer dadurch zu verwirren wusste, dass er Unerwartetes tat. Man höre Maldoror, Fantômas, Tomahawk, Kaada Patton; erinnere sich an Gastauftritte bei Bob Ostertag, Sepultura, Björk, Dan The Automator, Milk Cult, John Zorn, The Dillinger Escaspe Plan, den Sparks; oder rufe sich seine Solowerke in Erinnerung, auf denen er in Hotelzimmern Stimmexperimente machte oder ein italienisches Kochbuch vertonte.
Inzwischen ist es aber so, dass man das Unerwartete erwartet. Patton wird kalkulierbar, überall hört man ihn heraus. Er hat Charakter, durchaus, aber "General Patton vs The X-Ecutioners" hat kaum noch etwas, das man von ihm noch nicht kennt.
Diesmal also (wieder, nach "Lovage" von Nathanial Merryweather und dem Gastspiel bei Handsome Boy Modeling School) Hip Hop, mit den X-Ecutioners, die ein imaginäres Kriegsszenario vertonen. Die Geräusche, die dennoch keine Kriegsgeräusche sind, kennt man dann aber bereits von anderen Patton-Projekten, bis hin zu den Scratches des Mr.-Bungle-Debüts. Man sollte nur wenige wirkliche "Lieder" erwarten, denn mit Hip Hop im Kinderuniversum hat das nun gar nichts zu tun. Bisweilen hat es sogar eher was von Rock, aber ansonsten geht es wohl mehr darum, Geräuschcollagen zu präsentieren.
Gut ist die Platte, ohne Zweifel, auch für Hip-Hop-Hasser, aber wenn Mike Patton nicht bald etwas wirklich Überraschendes macht, wird er zu langweilen beginnen. Da hilft auch nicht, dass er die 1991er-Version von Kraftwerks Robotern sampelt.


Diesseits der Kuppeln, Folge 10
Diesseits der Kuppeln, Folge 10

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der brennt wirklich..., 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Diesseits der Kuppeln, Folge 10 (Audio CD)
"Gabriel Burns" ist schon eine seltsame Serie. Man kann gut benennen, was einen an ihr stört, ist ihr aber trotzdem verfallen. Sie erscheint wie eine Mischung aus "Akte X" (Verschwörungstheorien und Gruselelemente) und "Millennium" (übernatürliche Begabungen der Hauptfigur), nur etwas schlechter - und fragt sich zunächst, warum man sie schlechter findet. Dann wird es klar: Man erwartet eine Serie, die mit unterschwelliger, vielleicht unbewusster Angst spielt, mit der Unberechenbarkeit der Mitmenschen, mit seltsamen Phänomenen, die möglicherweise unaufgeklart bleiben, und immer dann, wenn es am spannendsten wird, tauchen irgendwelche detailliert beschriebenen Monster auf. Das Grauen bekommt ein (akustisches) Gesicht und wird damit der Macht der eigenen Phantasie entzogen. Man weiß ja schließlich, dass es keine Grauen Engel gibt, keine Seeschlangen mit Wolfskopf, keine außerirdischen Ammoniten mit Skorpionen, die wie Kinder schreien... und so. Dennoch, man kann nicht aufhören, die nächste und wieder nächste Folge hören zu wollen. Auch an den Charakteren kann es nicht unbedingt liegen, denn Steven Burns ist der einzige, der überhaupt ein bisschen näher beschrieben wird; die anderen erfahren kaum Veränderungen. Oder nimmt man die nur schleichend war?
Es gibt natürlich ein Gesamträtsel: wohin verschwand Stevens Bruder Daniel, als Steven ihn auf einem Kindergeburtstag wegzauberte? Es gibt Menschen, die das wissen, aber dazu gehören weder Steven Burns noch die Hörer. Als weiteres übergeordnetes Rätsel hat man diese seltsame Verschwörung um die "zehn fahlen Orte" mit allem, was dazugehört: die Beteiligung verschiedener Sprachen, diverser Monstren, eines Serums für ewiges Leben, einer Gruppe von Zauberern sowie eines Auftraggebers und dessen mehrfach geklonten Widerparts. In jeder Folge erfährt man ein bisschen mehr und kann sich so manchen Reim auf alles machen. Irgendwie geht es immer wieder um Jugend, um Kinder und ums (Über-)Leben. Wahrscheinlich auch darum, permanent aus Erlebtem Erkenntnisse zu ziehen und weiterzulernen.
Inzwischen ist der Stamm der Hauptfiguren erneut angewachsen, sodaß man noch besser Parallelhandlungen darstellen kann. In dieser Doppelfolge werden Steven und Joyce von der klischeehaft bösen russischen Regierung gefoltert und dann (seltsamerweise) in ein abenteuerliches Projekt involviert: sie sollen Luther Niles, den geklonten Gegner ihres Auftraggebers Bakerman, in einem fehlgeschlagenen russischen Biosphärenprojekt finden. Zwei Kuppeln existieren, beide sind mutiert, die ehemalige Taigakuppel am weitesten. Dorthin flüchtete Niles, Burns und ein russischer Biologe (gesprochen von Smudo) sind ihm auf den Spuren. Klingt eigenartig? Bekommt aber einen Sinn, keine Angst. Oder doch, Angst schon, aber eher vor der grausamen Brutalität.
Ab 12 ist die Serie nun wirklich nicht mehr. Brutal ist sie ja schon länger, aber so splatterig-detailliert war sie bislang nicht. Man spürt jeden amputierten Finger und jeden aufgeschlitzten Kopf alleine vom Zuhören. Zudem stinkt und verwest es allenthalben, überall lauern Tod und Körperflüssigkeit. Das befremdet zwar, man will aber dennoch wissen, wie es weitergeht. Interessant wäre auch, zu wissen, worauf die Serie ausgelegt ist, wie viele Folgen noch zu erwarten sind. Das Logo auf den CD-Kanten dürfte mit Folge 13 vollständig sein, aber von einer Gesamtlösung ist man noch weit entfernt.
Und so wartet man auf die Bekanntgabe der Veröffentlichung der nächsten Folge. Man hört die alten Folgen immer wieder und wundert sich, dass man, wenn man sich an Einzelheiten aus der Serie erinnert, obwohl es ein Hörspiel ist, trotzdem immer Bilder vor Augen hat...


Pünschel gibt Stoff: Stories
Pünschel gibt Stoff: Stories
von Frank Schäfer
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie im echten Leben, 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Pünschel gibt Stoff: Stories (Taschenbuch)
Einen wie Thomas Pünschel kennt jeder, bestimmt. Man kennt ihn nicht richtig gut, trifft ihn aber ständig, beim Einkaufen, in der Stammkneipe oder nach Verabredung im Kino, auf Konzerten oder sonstwo. Eigentlich ist Pünschel einer von denen, die es nicht wirklich geschafft haben. Er ist Autor diverser unveröffentlichter Romane, ständig solo und doch irgendwie immer mitten dabei.
Zumindest weiß er immer die besten Geschichten zu erzählen. Und die erinnern nicht selten an "Die Spinne in der Yucca-Palme". Immer, wenn man denkt, dass man weiß, wie es weitergeht, kommt irgendeine unvorhersehbare Wendung. Trotzdem mag man mit Pünschel nicht so recht selber befreundet sein; es reicht einem, dass der Ich-Erzähler Pünschels Geschichten weitererzählt. Die, nebenbei, beinahe ausnahmslos in Braunschweig spielen.
Was Frank Schäfer auszeichnet, ist der ungewöhnliche Umgang mit der Sprache. Er weiß gleichermaßen mit Fremdwörterkaskaden abzuschrecken wie vulgär zu sein, am besten innerhalb eines Satzes. Noch besser sind seine Texte aber, wenn er sie selber vorliest, und deswegen ist es sehr schade, dass er an "Lemmy und die Schmöker" nicht mehr teilnehmen mag. Immerhin hat er inzwischen zwei ganze Seiten im deutschen Rolling Stone Magazine, auf die man sich monatlich freuen kann.


Bam Bam Bam (Limited Edition mit Bonus-DVD)
Bam Bam Bam (Limited Edition mit Bonus-DVD)

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dada-Country? Intellipop? Fink!, 15. Mai 2005
Im Leben einer Band markiert das selbstbetitelte Album zumeist einen Wendepunkt (Erasure, Clawfinger, Metallica, ...), bei Fink war es Album Nummer vier, das einen Abstand zum Country schaffen sollte. "Bam Bam Bam", das sechste (ohne das Livealbum auf "Return To Sender"), klingt zwar, genau wie der Vorgänger "Haiku Ambulanz", tatsächlich anders als noch "Mondscheiner", aber man fühlt sich dennoch bei Hörem ständig auf ein Pferd versetzt. Die Elektrospielereien des Vorgängers sind beibehalten worden, aber keine Angst, Fink klingen mitnichten nach Techno oder ähnlichem, es sind nur Bestandteile in der Produktion, die hörbar angepasst wurden. Nicht schlimm, Fink büßen nichts an Charme ein.
Aber um die Musik geht es auch nur in zweiter Linie, wichtiger sind die Texte von Nils Koppruch, dem es wie kaum jemandem sonst gelingt, die Kleinigkeiten des Alltags in wenigen Worten nachfühlbar plausibel zu machen. Wenn er nicht grad Nonsens wie "Shake de birds off de tree" skandiert. Und wenn er gar einmal Positives singt, mag man ihm gar nicht so recht über den Weg trauen, schließlich hat er schon mal davon gesungen, wie großartig es ist, seine Frau zu zerstückeln. Aber nein, keine Ironie, kein Bruch, wenn denn wirklich mal jemand Blumen auf seinen Weg streut, dann wird er Ja sagen und diese Runde mitmachen. Aber nicht nur das Banjo dementiert die Abwendung vom Country, auch Textzeilen, in denen davon die Rede ist, dass im Fluß das seil reißt, rufen konkrete Wildwestfilmbilder hervor.
Nebenbei, der onomatopoetische Titel bezeichnet, wie der Bandname, ein ornithologisches Phänomen, denn auf dem Cover abgebildet ist ein klopfender Specht. Ihren Humor haben sie also auch nicht verloren.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 2, 2014 4:37 PM CET


The Big Eyeball in the Sky
The Big Eyeball in the Sky
Preis: EUR 15,74

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es gibt sie noch, die populäre Avantgarde, 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: The Big Eyeball in the Sky (Audio CD)
So geht's: im Bandnamen einfach sämtliche Mitglieder aufzählen, nur cooler als Crosby, Stills, Nash & Young oder Medeski, Martin & Wood. Les Claypool, der erst letztes Jahr die frickeligste Bay-Area-Band überhaupt in Originalbesetzung reanimiert hat (klar: Primus), veröffentlich regelmäßig Platten mit Musikern, die wie er ihre Musik abseits vom Gewöhnlichen machen, wie Phish, Tom Waits oder Stuart Copeland (der Schlagzeuger von The Police).
Sein Label Prawn Song wird leider in Europa nicht vertrieben, deswegen kann man hier zwar Oysterhead im Laden kaufen, nicht aber die drei richtig tollen Frog Brigade-Alben. Auch die vorliegende CD mit dem Residents-Gedächtnis-Cover gibt es nur als Import. Und sie lohnt sich.
Wahrscheinlich stößt man richtig tief herab in die wahrhaftig heute noch existente Prog-Szene, wenn man irgendetwas konsumiert, an dem Herr Claypool mitgearbeitet hat (ausgenommen Tom Waits vielleicht). Epik und Frickelei werden vereint, Kirmesmusik und Rock, Song und Nonsens. Wie weiland in den 70ern. Man merkt, wie viel Spaß den Beteiligten das Musizieren macht und bekommt einen Haufen geballter Intelligenz für sein Geld.
Im November folgte noch eine Live-DVD von Primus, aufgenommen in Japan, mit einem Best-Of-Repertoire und der gesamten "Frizzle Fry" (ist ja grad Mode, gesamte Alben live zu spielen).


20 Years of Indie Cult Ep
20 Years of Indie Cult Ep

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf die nächsten zwanzig Jahre, Herr Boa!, 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: 20 Years of Indie Cult Ep (Audio CD)
Kein Mensch dieser Welt darf eine CD veröffentlichen, die so einen Titel hat. Nur Herr Boa. Seit zwanzig Jahren macht er Musik, davon die letzten zehn von den alten Fans eher unbeachtet. Zu Unrecht (bis auf "My Private War", das nur zwei gute Stücke hat). Für das letzte Album "C90" hat er sich mit seiner Exfrau Pia Lunda vertragen, und das ist gut so, denn ihr eigener Kram war unerträglich und die Substitussängerinnen reichten an die charismatische Pia-Klassenlosigkeit nicht heran. Aber jetzt ist ja alles wieder gut.
"Der Himmel" gleich stammt von Pias unveröffentlichtem zweiten Album und klingt wie die aktuellen deutschquoteneinhaltenden Schlagerergüsse aktueller Junggruppen, nur mit besserer Musik. Die nächsten beiden sind eigene alte Stücke, bei denen einzelne Elemente neu arrangiert oder deutlicher hervorgehoben wurden. "Love On Sale" hat jetzt das unterschwellige Riff weiter im Vordergrund, da ist es schon interessant, die Evolution eines Liedes verfolgen zu können. Ein noch älteres Stück wurde gecovert, und zwar "I Can't Stand It" von Velvet Underground, das gut, aber viel zu dicht am Original ist. Als letztes bekommt man "Picasso's Dog", für ein Musikmagazin noch mit Alison aufgenommen. Macht fünfmal Spaß mit Boa und Lust auf das nächste Album, das zum Jahreswechsel erscheinen soll.


Never Breathe What You Can't See
Never Breathe What You Can't See
Preis: EUR 19,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dead Kennedys sind zurück... oder so., 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Never Breathe What You Can't See (Audio CD)
Endlich tut sich Herr Biafra mal wieder mit einer Indielegende zusammen, um über die Gesellschaft, Politik und Globalisierung zu singen. Ein guter Anlaß ist auch, dass das vorliegende das dreihundertste Album auf seinem eigenen Label ist.
Welchen Stil auch immer seine Kooperationspartner selber so haben, auffällig ist, dass alle Kollaborationen am Ende irgendwie nach den Dead Kennedys klingen. Das macht gar nichts, wenn die Ergebnisse gut sind, und das trifft auch auf vorliegende CD zu. Die Melvins, die ja an sich ohne Artikel benannt werden und selber erst mit Lustmord zusammenarbeiteten, sind ja eher bekannt für einen langsamen, doomigen Sound. Nicht so mit Jello Biafra, da wird ein scharfes Stück Metal hingelegt, schnell und rumpelig, natürlich mit Biafras bekanntem Wimmern und Skandieren. Ein wahres, wenn auch kurzes Energiebündel ist das, sich gut in die Riege der bisherigen Projekte einreihend.
Als da wären: nach den Dead Kennedys mit NoMeansNo, D.O.A., Steel Pole Bath Tub (als Tumor Circus), Ministry (als LARD sowie als Gast bei den 1000 Homo DJ's), Mojo Nixon sowie mit diversen Kollegen aus Seattle als The No WTO Combo. Die Kollaboration mit Plainfield war wohl nur ein Scherz von denen. Mal sehen, wann von einer Reunion der Dead Kennedys die Rede sein wird - brutaler Hass der Exmitglieder untereinander war noch nie ein Hinderungsgrund für so was, siehe Pixies.


Apocalyptica (Limited Edition)
Apocalyptica (Limited Edition)

8 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wendepunkt oder Zenit?, 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Apocalyptica (Limited Edition) (Audio CD)
Nun sind sie also angekommen. Vor zehn Jahren noch als Coverband unterwegs, heute mit eigenen Stücken, die, damit sie sich besser verkaufen, von Gaststars betextet und gesungen werden. Sandra Nasic von den kürzlich endlich aufgelösten Guano Apes, Mathias von den Farmer Boys, Weltraumpsycho Nina Hagen - und jetzt auch mit Leuten aus dem eigenen Land, aber leider mit den Teengrufthelden Ville Valo und Lauri Ylönen. Was Wunder, dass sie nicht die Nightwish-Tröte dabei haben. NuPagadi für Klassikhörer: alles, was bei den schwarzbemalten Kindern grad Mode ist, in einer Suppe (und sich dann beschweren, dass es so was in die Charts schafft - dann kauft Euch doch was Anständiges und nicht das, was alle haben!). Dafür haben sie aber bei den Bonusstücken der Erstauflage ein dünnes Stimmlein aufgetrieben, das die Band bei der Grand-Prix-Vorausscheidung für irgendein Bundesland hat antreten lassen... Wie tief soll's noch gehen?
Da hilft auch kein Dave Lombardo. Mit Schlagzeug klingen die Violinisten zwar druckvoller, aber auch ein bisschen nach Rondo Veneziano für Metaller. Da kommt, vor allem live, eine Menge Energie bei rüber. Aber das alleine hilft nicht darüber hinweg, dass man den Eindruck nicht los wird, auf dem selbstbetitelten Album (siehe "Fink - Bam Bam Bam") nichts wirklich Neues zu hören zu bekommen. Sie haben ihr Ding gefunden und sind, wie gesagt, angekommen. Das ist natürlich nicht schlecht, aber man braucht es nicht unbedingt.
Was Apocalyptica noch fehlt: ein Rapper, Scratchings, echte Gitarren, ein Orchester, Walgesänge, Goa-Remixe, Eunuchenchöre, Breakbeats, bessere Gastsänger (wie Vince Clarke, Andrew Eldritch, Loreena McKennit, Etienne Daho oder Björk), ein Album mit Filmmelodien ("Der weiße Hai", "Psycho" oder "Das singende, klingende Bäumchen"), Nachspielen von Hits toter Musiker mit eingesampelten Originalstimmen (Elvis, Nirvana, Janis Joplin, Hans Albers, Tupac) oder ein reines Vocalalbum, auf dem die Cellisten ihre eigenen Kompositionen nachsummen. Das wäre innovativ!


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