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Rezensionen verfasst von
Bosenick, Matthias "vanbauseneick" (Braunschweig)

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Stadt. Land. Flucht. - Kuhmist oder Kohlenmonoxid? Auf der Suche nach dem idealen Leben
Stadt. Land. Flucht. - Kuhmist oder Kohlenmonoxid? Auf der Suche nach dem idealen Leben
von Karsten Weyershausen
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Anayltisch und differenziert, 16. Mai 2015
Die Diskussion darum, ob die Lebensqualität auf dem Land oder in der Stadt höher ist, ist vermutlich so alt wie menschliche Wohnbebauung, aber die beiden befreundeten Autoren Holger Reichard und Karsten Weyershausen widmen ihr dennoch genau jetzt ein ganzes Buch. Hätte schiefgehen können, tut es aber ganz und gar nicht: Jeder von beiden bevorzugt einen von beiden Standorten, und was ihre anekdotische und analytische Betrachtung so verschlingbar macht, ist die Differenziertheit. Jeder von beiden sieht Vor- und Nachteile in beiden Varianten. Keine Sichtweise wird verherrlicht, die andere nicht rettungslos bloßgestellt. Positiv dazu kommt, dass die beiden Autoren einen auf den ersten Blick vielleicht betulichen, in Wahrheit aber seriösen, kompakten und treffenden Schreibstil haben, angenehm frei von Allüre, Attitüde und Schenkelklopferhumor. Dieses Buch macht Spaß.

Beide Autoren haben ihre klare Grundhaltung: Weyershausen ist Städter, Reichard Landei. Davon rücken sie auch nicht ab. Obschon sie zuvorderst die Vorzüge ihrer Lebensweise anführen, finden sie gleichermaßen Vorzüge auch am Leben des Anderen und sogar Nachteile am eigenen. Diese reflektierte Betrachtung macht das Buch so wertvoll. Am Ende hat man den Eindruck, wirklich alle Belange einmal komplett ausgeleuchtet und abgeklopft bekommen zu haben, mit Luft, Einsamkeit, Distanzlosigkeit, Toleranz, den unterschiedlichen Optionen und vielem mehr, und alles auch aus unterschiedlichen Altersperspektiven betrachtet. Natürlich zwangsweise aus rein männlicher Sicht; für die weibliche Betrachtung müsste ein eigenes Buch her.

Reichard und Weyershausen greifen für ihre nicht einmal vordergründig als solche erkennbare Argumentation selbsterlebte Anekdoten zurück. Beide kennen beides, also Stadt- und Landleben, und berichten aus beidem, mit allen Einwohnerzahl-Abstufungen, von der Einsiedelei über Dörfer, Kleinstädte und Vorstädte bis zu Millionenmetropolen. Ihr persönliches Erleben konzentriert sich dabei auf ihre Heimat: Braunschweig und Umgebung. Interessant ist, dass die beiden damit dennoch Allgemeingültiges zu Papier bringen.

Der Sprachstil der beiden Freunde ähnelt sich erstaunlicherweise. Sie schaffen erzählerisch Entspannung, sie hetzen nicht durch ihre Geschichten, und sie schlagen einen angemessenen Tonfall an, einen erwachsenen, besonnenen. Ihr Humor ist subtil, aber nachdrücklich. Sie machen keine Comedy und wollen auch keinen Poetry Slam gewinnen. 'Harmlos' wäre hier dennoch das falsche Attribut, sie wenden nur ein eigenes Wertesystem für die Qualität der erlebten Ereignisse an und wissen die gelegentlichen Exzesse unprätentiös und zurückhaltend zu schildern. Und sie fallen nicht ins Lästern, jedenfalls nicht als Hauptattraktion. Hier ist vielmehr das Wort 'Seitenhieb' angebracht. Ein lauthalses Loslachen des Lesers hat hier eine ganz andere Qualität und findet definitiv immer wieder statt.

Die Geschichten pendeln zwischen Aha-Effekt und Nostalgie, zwischen Euphorie und Melancholie. Auch dieser Abwechslungsreichtum trägt zum Lesevergnügen bei. So manche Geschichte bleibt nachhaltig hängen, etwa die mit dem Fußballspiel im Schnee und ohne Tore. Sie sind nach Monaten und Jahreszeiten sortiert und durchsetzt von längeren analytischen Essays über Grundthemen der jeweiligen Lebensweise.

Die beiden Autoren schildern ihre Begebenheiten übrigens nicht als Kooperationsteam, sondern jeder für sich, gekennzeichnet ' abgesehen vom Kürzel ' durch kleine Icons, gestaltet vom Comiczeichner Weyershausen, dem auch der Buchumschlag zu verdanken ist. Das vereinfacht die Orientierung. 'Stadt. Land. Flucht.' ist übrigens die zweite Gemeinschaftsarbeit der beiden nach 'Kerle im Klimakterium'. Mit dem Album 'Stadt, Land, Flucht' der Band Jimmy Kafka hat es indes nichts zu tun. Und der Titel erinnert zudem an eine andere Kooperation zweier norddeutscher Autoren: 'Stadt ' Land ' Mord' von Susanne Fischer und Fanny Müller, die 1998 in Briefform einen Kriminalfall schilderten.

Am Ende bedauert man, dass man selbiges erreicht hat, das Buch könnte gerne auch länger dauern. Die Frage, welches Leben man für sich als das ideale empfindet, beantwortet dieses Buch natürlich nicht ' aber es gibt massenhaft Denkanstöße. Wer nun nicht vor einer solchen Entscheidung steht, sei es aus Unvermögen oder weil die Entscheidung bereits feststeht, hat deshalb nicht weniger Freude an der Lektüre.


Zwischen Fortgehen und Bleiben
Zwischen Fortgehen und Bleiben
Preis: EUR 9,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bleiben wäre schön, 30. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Zwischen Fortgehen und Bleiben (Audio CD)
Ein junger Mann mit Gitarre, der nachdenkliche Lieder singt, das klingt zunächst wenig aufregend, aber wenn man Till erst mal ein Ohr geliehen hat, vornehmlich live, dann hört man den Unterschied: Till ist 18 und singt Texte, wie sie bisweilen erst 40jährige empfinden. Weder teeniemäßigen Herzschmerz noch verklausolierte Pseudointellektualität thematisiert er, sondern beobachtet seine eigenen Empfindungen und teilt sie mit. Er dokumentiert Veränderungen an einst vertrauten Menschen, das Gefühl dem eigenen alten Leben gegenüber nach einer langen Reise, den Wunsch nach Kontinuität im Alltag und natürlich auch Statusanalysen seiner Beziehungen. Aber er wird nie wehleidig, wenngleich außerordentlich wehmütig. Sehr viel Sehnsucht dringt aus seinen Songs.
Zur hohen Qualität tragen auch Tills musikalische Fähigkeiten bei. In hohen Lagen ist seine Stimme manchmal einen Tuck zu durchdringend, aber das ist nichts, was diverse Liter Whisky und Stangen Zigaretten nicht geraderücken können.

Wenn er live spielt, steht Till wie entrückt am Mikrofon und intoniert seine Songs. Diese Nachdrücklichkeit verführt zum aufmerksamen Zuhören und untermauert den Eindruck großer Reife. Mit seinen Gedanken spricht er auch ein Publikum an, das mehr als doppelt so alt ist wie er selbst. Und es verwundert nicht, dass ihm junge Mädchen scharenweise zu Füßen liegen. Da überrascht es wenig, dass die CD-Release-Party im Braunschweiger Café Okerterrassen mehr als ausverkauft war und dass sich Till als Begleitprogramm des Wolfsburger Poetry Slams im Handumdrehen 250 neue Fans erspielte.

Live spielt Till seine Lieder allein mit der Gitarre, auf der CD ergänzt er sie mit Klavier, Schlagzeug, Bass und Schreibmaschine, zum Teil selbst eingespielt. Die Überraschung daran ist, dass diese vermeintliche Überproduktion, die etwa die Songs von Nick Drake verwässert hat, bei Till bestens funktioniert. Die Melodien und Arrangements sind fantastisch, eingängig, beim besten Willen nicht simpel und beinahe hymnenhaft, wo es der Inhalt zulässt. Manchmal erinnern Tills Gesangsmelodien an die von Judith Holofernes, aber insgesamt bleibt er idealerweise er selbst. Damit lässt er Genrekollegen wie zu Knyphausen, Frevert oder Friebe zurück und hat andere wie Liwa, Koppruch und Regener irgendwo vor sich im Blick. Sympathisch ist übrigens, dass man aus seiner Sprachfärbung heraushört, dass Till Braunschweiger ist: Er sagt "zwüschen" und "ümmer". "Zwischen Fortgehen und Bleiben" klingt wie der Anfang von etwas Großem.


Kosmas
Kosmas
von Wolfgang Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,00

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Er hat ja Recht, aber!, 29. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Kosmas (Gebundene Ausgabe)
Man möchte dieses Buch mögen. Schon allein, weil es von Wolfgang Müller ist. Man möchte, dass der kulturelle Stellenwert des gebürtigen Wolfsburgers alsbald als der anerkannt ist, den er haben sollte: irgendwo deutlich höher auf jeden Fall als dort, wo er ist. Schließlich hat Müller mit Die tödliche Doris musikalische Avantgardegeschichte geschrieben. Schließlich ist Müller Elfenkoryphäe. Schließlich singt Müller wunderbar versponnene Lieder. Und schließlich schreibt Müller nicht minder versponnene Bücher, wie "Kosmas".

Das handelt vom Kunstmarkt und von dessen Mechanismen. Markt und Wertigkeit sind manipuliert, diesen Sachverhalt erarbeitet Müller anhand fiktiver Lebensläufe realer Künstler wie Damien Hirst und Gunther von Hagens. Müller zeigt, dass er nicht nur vom Kunstbetrieb Ahnung hat, sondern auch von sämtlichen anderen gesellschaftlichen Phänomenen wie Film, Musik, Literatur, Werbung und Politik, und dass in all diesen Bereichen die Mechanismen ähnlich sind. Mit seinen Betrachtungen stellt er den Menschen als unmündig dar, allerdings als aus eigener Wahl unmündig, denn sind - das Buch beweist es - die den Menschen unmündig machenden Mechanismen eigentlich für jeden durchschaubar.

Bei aller Ironie, bei aller Genauigkeit, bei allem Recht, das Müller hat, fällt es dennoch schwer, das Buch rundum zu mögen. Das hat viele Gründe. Für jeden Nichteingeweihten ist es nicht in jedem Falle klar ersichtlich, wo die Realität aufhört und die Fiktion beginnt. Auch in den Fußnoten wird dies nicht klar, weisen sie teilweise auf wahre Informationen hin, teilweise auf ganz offensichtlichen Blödsinn. Der Sprachstil ist mehrheitlich wie in einem Bericht, also weniger in Romanform. Doch durchbricht Müller diesen Berichtstil immerzu mit Flapsigkeiten. Diese bringen jedoch weder die Handlung voran noch offenbaren sie interessante oder wichtige Details, sondern sind in der Regel auf Gag gebürstet. Das ist an sich auch nicht schlecht. Im Kontext mit dem eher nachrichtlichen Rest zünden diese Gags allerdings nicht immer. Manche von Müllers Ideen erscheinen so hanebüchen, dass sie wie Einfälle von Teenagern wirken. Übertreiben macht anschaulich, sagt ein Sprichwort, das sei Müller also zugestanden. Und: Die Geschichte hat keinen roten Faden. Sie beginnt mit der mühseligen Nacherzählung einer fernöstlichen Millionärsbiografie und macht im Verlaufe Zeitsprünge um mehrere Jahrhunderte in die Zukunft. Alles rotiert irgendwo um den Hai von Damien Hirst, den man mit gutem Willen als den roten Faden ausmachen kann. Auch sind die Figuren dem Leser auch aufgrund des Schreibstils so fern, dass man zu niemandem einen Bezug findet, weder positiv noch negativ. Die Figuren sind einem egal. Aber wer weiß, vielleicht hat der Rezensent einfach nur den Witz nicht verstanden, das kann ja auch immer mal sein.

Eine Tatsache, die einem das Lesen zusätzlich erschwert, ist nicht dem Autoren geschuldet, sondern dem Lektoren: So viele Zeichensetzungsfehler wie in "Kosmas" findet man sonst nur in einem Braunschweiger Stadtmagazin oder dem Musikexpress. Schlecht ist zudem, wenn selbst die Hauptfiguren in wechselnder Schreibweise auftauchen. All das erschwert den Lesespaß ungemein. Dabei hat Müller doch so Recht.


Ich schaue Männern gern beim Schwimmen zu
Ich schaue Männern gern beim Schwimmen zu
von Sibylle Schreiber
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

4.0 von 5 Sternen Wenn sie zuschaut, schwimme ich wohl besser nicht..., 23. Juni 2011
Der Titel allein offenbart noch nicht die sarkastische Schwärze in Schreibers Schreibe. Erst in Kombination mit dem Titelbild wird klar, dass man es bei "Ich schaue Männern gern beim Schwimmen zu" nicht mit seichter Sommerlektüre zu tun hat: Unter dem Schriftzug lauert ein hungriges Krokodil. Überraschende Wendungen dieser Art haben fast alle der kurzen Geschichten in dieser Sammlung, meistens spritzt dabei Blut.

Im Grunde geht es bei den meisten Geschichten um eine Art Gerechtigkeit. Benachteiligte rächen sich, bisweilen zufällig, manchmal gar fälschlicherweise. Manchmal schlägt auch die Rache den Rächer: Schreiber neigt nicht zur amerikanischen Selbstjustiz, wie es vielen Gepeinigten gefallen würde. Die Autorin ergreift nicht Partei. Wenn jemand im Rahmen der Geschichte dazu taugt, zu verlieren, dann ist egal, ob der Leser bereits Sympathien für die Figur entwickelt hat und man moralisch auf deren Seite steht. Die Geschichten sind dabei sowohl in alltägliche Rahmen verankert (eine dickliche Nachbarin stellt einem Saunagänger nach) als auch in die strafrechtlichen Abgründe dessen, wozu Menschen in der Lage sind (Kinderschänder, Frauenschläger).

Interessant ist der Stil: Schreiber beobachtet aus der Distanz, sie seziert kühl und sachlich die Figuren und deren Beweggründe. Nur selten nimmt Schreiber einen umgangssprachlichen Schwung auf, mit dem sie eine Figur begleitet, und wenn, dann passt es genau zur Geschichte. Ansonsten erscheinen die Texte beinahe wie Zeitungs- oder Magazinberichte, was die brutale Wucht vieler Handlungen nur vergrößert.

Diese Art der Geschichten ist sicherlich nicht neu. Man kennt sie von Stephen King oder von "Tales From The Crypt". In TV-Zeitschriften war es im vergangenen Jahrhundert eine Weile lang beliebt, als Krimi bezeichnete Texte dieser Art zu veröffentlichen. Nur waren sie nie so blutig und die Abgründe nie so tief.

Das Buch in einem Rutsch lesen geht übrigens nicht so gut: Man fühlt sich irgendwann, als hätte man die Keule im Gesicht, das Messer in den Rippen und den Tritt zwischen den Beinen. Lange hält man die Pausen von diesem Buch allerdings auch nicht durch, dann will man sich von der nächsten fiesen Idee überraschen lassen.

Die kommen Schreiber übrigens im Alltag. "Ich sehe ein Kaninchen hüpfen - und auf einmal ist eine fiese Idee da", erzählt sie. Schreiber weiß auch, woher das kommt: "Die Welt ist böse und gemein - so habe ich sie kennen gelernt, so sind auch meine Geschichten."


Remixes 2: 81-11 (3 CD-Box)
Remixes 2: 81-11 (3 CD-Box)
Preis: EUR 19,80

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen In sich selbst verloren, sonst nirgendwo, 12. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Remixes 2: 81-11 (3 CD-Box) (Audio CD)
30 Jahre Depeche Mode gilt es in diesem Jahr zu feiern. So sind denn nun die vielen ehemaligen Alternativen heute ungescholten älter als die zu ihren Gründungszeiten so genanten Rockdinosaurier. Erstaunlich, wie sich im Pop die Maßstäbe ändern.

So auch in Geschmack und Qualität. Gottlob gibt es sehr wohl einige Rezipienten in der Welt, denen es auch auffällt, dass das Mittelmaß die neue Spitzenqualität ist. In den letzten Jahren hat sich die Gaußsche Verteilungskurve sehr nach unten verschoben. Die frühere Verteilung - ein bisschen Gut, ein bisschen Schlecht und eine Masse Mittelmaß - gab es im öffentlichen Raum schon immer, nur ist die Verteilung heute anders: ein bisschen unterirdische Grotte, eine Masse Schlecht und ein bisschen Mittelmaß. Gut schafft es in die Öffentlichkeit kaum noch.

Die nurmehr drei lustigen Jungs von Depeche Mode haben die Veröffentlichung ihrer zweiten Remix-Sammlung mit diversen Statements begleitet. Etwa, dass für sie nur dann ein Remix gut ist, wenn er das Original erkennen lässt und nicht einfach nur Bummbumm unter ein paar verbliebene Samples legt. Seltsamerweise haben es dennoch jede Menge Bummbumms mit ein paar verbliebenen Samples auf diese Sammlung gebracht. Auf "Remixes 1" waren sehr viele 80er-Jahre-Maxis vertreten, die den musikalischen Tiefgang des damaligen Quartetts voluminös und effektvoll herausarbeiteten. Gleich der Opener "Never Let Me Down Again" steht für die pathosschwangere Pompösität und gleichzeitig behagliche Atmosphäre, die keine andere Band so gut transportierte. Vor allem nicht in die Charts. Dorthin brachten DeMo selbst "Stripped" und "A Question Of Lust". So hart wie in den Einstürzende-Neubauten-infizierten "Master And Servant" und "People Are People" waren DeMo auch nie wieder. "Enjoy The Silence" und "Personal Jesus" markierten letzte Höhe- und erste Wendepunkte: Danach wurden Depeche Mode leider banal. Sowohl musikalisch als auch, was die Atmosphäre betrifft, die sie bis dahin zu transportieren wussten. Die Musik wurde flach, die Melodien tralala. Tiefpunkt war das hörbar gleichgültig einer Best-Of zugedachte "Onyl When I Lose Myself" mit der banalsten Melodie im DeMo-Universum. Der Underworld-Mix von "Barrel Of A Gun" war noch mal ein Knaller. Danach haben Depeche Mode keine Wegmarken mehr gesetzt.

Mehr noch als die erste Remix-Dreifach-CD beinhaltet die zweite Neubearbeitungen alter Songs. Außerdem Songs der letzten, von Natur aus schon belanglosen DeMo-Zeit. Die Neubearbeiter erfreuen sich großer Popularität in Remixerkreisen, machen wohl auch ganz gut ihren Job, hinterlassen aber eine einlullende Spur des Bummbumms. Dazwischen tummeln sich einige Balladen, besser: Ambient-Versionen. Die "81" im Titel steht leider nicht für den ältesten vertretenen Remix, sondern für die älteste Remixvorlage. Was sehr schade ist. So ist nämlich der Death Mix vom wundervollen "Fly On The Windscreen" nicht nur das älteste, sondern ' obwohl die Extenden-Version auf der "It's Called A Heart"-Maxi noch besser ist ' das beste Stück auf "Remixes 2". À propos "It's Called A Heart": Da schlummert noch einiges in den DeMo-Archiven, das auf dieser Sammlung eine bessere Figur gemacht hätte als die tatsächlich enthaltenen Mixe. Das meiste sind nämlich schlicht nach dem Remixer klingende Elektrostücke mit Dave-Gahan-Gesang. Den Mixern gelingt es entgegen der oben genannten Bandaussage nicht, mehr zu machen als Bummbumm mit einem bisschen Originalsample. Zwar erkennt man die Mixer teilweise an ihrem Stil und ihren typischen Effekten, aber die Seele von Depeche Mode geht verloren, mehr noch als beim Original ohnehin in den letzten zwanzig Jahren. Da ist es auch wurscht, dass die zwei Ex-Mitglieder Vince Clarke und Alan Wilder erstmals nachträglich Hand an DeMo legen. "Remixes 2" ist als Tanzsammlung okay, aber als Depeche-Mode-Compilation eine Enttäuschung.


Destroyed (Limited Edition inkl. Booklet mit Bildband-Auszügen)
Destroyed (Limited Edition inkl. Booklet mit Bildband-Auszügen)
Wird angeboten von cdaudiophile
Preis: EUR 11,98

9 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zerstört, in der Tat, 25. Mai 2011
Moby ist vermutlich ein Sympath. Wer ihn zum Beispiel auf einer seiner vielen DVDs in dem Film "Give a camcorder to an idiot" gesehen hat, kann ihn nur lieben oder abgrundtief albern finden. Für wen die Nadel in Richtung Liebe schlägt, der verzeiht Moby auch vieles. Denn zwar hat Moby guten Ambient, erträglichen Eurodance und ruppigen Punk gemacht, aber hernach mit seiner gejammerten Melancholie auch mächtig gelangweilt.

"Destroyed" hat Moby nun auf Tour aufgenommen. Wenn er einsam im Hotel war, hat er seine Einsamkeit in Songs geknetet. Das hätte er vielleicht nicht tun sollen: "Destroyed" klingt in der Überzahl der Songs wie die Bonus-Ambient-CDs, die er früheren Limited Editions beigelegt hat. Als eigenständiges Album langweilen es leider. In der Mitte, im Prinzip von der Dramaturgie her wie auf dem einigermaßen missglückten "Last Night", erheben sich ein paar tanzbare, groovige, ungewöhnlich arrangierte Uptemponummern, von denen man gerne ein paar mehr gehört hätte. Auch von der E-Gitarre, die nach "Animal Rights" bei Moby nur noch den Pathos untermalen darf.

Passend zur akustischen Einsamkeit legt Moby einen Bildband bei. Die Fotos zeigen leere Hotels, leere Flughäfen, leere Stadtansichten und volle Konzerthallen. Moby ist kein guter Fotograf, hat aber ein Auge für seine Emotionen. Auch die launigen Kommentare zu den Fotos erinnern wieder an die sympathischen "Idiot"-Filme. Tja, schade, dass sein Auge hier besser funktioniert als sein Ohr. Er kann's ja, die Tracks sind schon von guter musikalischer Qualität, das sei ihm nicht genommen. Aber er langweilt halt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 29, 2011 4:50 AM MEST


Alte Autos und Rock'n'Roll
Alte Autos und Rock'n'Roll
von Frank Schäfer
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen B-Seiten, Raritäten und Unveröffentlichtes, 27. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Alte Autos und Rock'n'Roll (Broschiert)
Diese Sammlungen sind eine schöne Einrichtungen für Stammleser. Anstatt sich alle Medien kaufen zu müssen, in denen all die Lieblingsautoren publizieren, erwirbt man einzelne Bücher, in denen der Autor jeweils zusammenstellt, was zuletzt seinem Kopf entfloss. Analog zu Schäfers Steckenpferd, dem Rock'n'Roll, kann man hier von einer Compilation sprechen und sich so sehr darüber freuen wie über eine B-Seiten-Sammlung, für die man nicht alle zumeist teuren Import-Singles zusammenkaufen muss.

Der vorliegende Band sammelt höchstens vier Jahre alte Texte aus unter anderem Rolling Stone, Sounds, Neue Zürcher Zeitung, Junge Welt, taz sowie den Online-Erscheinungen von Spiegel und Zeit. So breit wie die Medienpalette ist auch des Autors Stilvielfalt, selbst innerhalb ein und desselben Mediums. Fürs deutsche Rolling Stone Magazine etwa beobachtet Schäfer einerseits die familienidyllische Drogen- und Sex-Suche beim Burg-Herzberg-Festival, setzt sich aber andererseits für Uninformierte eher schwer verständlich mit Klaus Theweleit und Helmut Salzinger auseinander. Enthalten sind außerdem Schallplattenkritiken (wie die Titelgebende über "Fork In The Road" von Neil Young) ebenso wie ein Diskurs über die Relevanz derselben.

Was Schäfers Texte außerdem lesefreudig macht, ist der Autor als Überbringer des Erlebten. Man empfindet sich an Schäfers statt im Geschehen und führt die gelesenen Diskussionen mit sich selbst fort (dazu muss man auch gar nicht in jedem Falle mit dem Autoren übereinstimmen). Seinen überraschenden Höhepunkt findet dies im bis dato unveröffentlichten Text "Nur eine Nacht", in dem Schäfer ein Reunion-Konzert seiner Favoriten Thin Lizzy (zwangsläufig ohne Phil Lynott) einer Wiederbegegnung zweier Ex-Geliebten gegenüberstellt. Man fühlt sowohl mit den sympathischen Freunden des Ich-Erzählers als auch mit dem Musikrezipienten selbst.

Auf Seite 5 findet sich die Unterzeile "Der rasende Rezensent I". Man kann also davon ausgehen, dass Schäfer weitere Textsammlungen zu seinen bisherigen sehr vielen hinzufügen lässt. Sammler sollten jedoch darauf achten, dass sie sich nur des Autorennamens wegen nicht versehentlich ein Buch über Schmetterlingsbuntbarsche zulegen - das ist ein anderer Frank Schäfer.


Limited Box (Griots, Super Ready and Mjf)
Limited Box (Griots, Super Ready and Mjf)

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Avantgarde-Industrial mit Rap, Klassik und Jazz, 29. Dezember 2010
Ein dickes Paket kurz vor Weihnachten: Die Schweizer Young Gods, 1985 benannt nach einer EP der Swans, bringen im hohen Alter und drei Jahre nach "SuperReady/Fragmenté" ein neues Studio- und gleich drei neue Live-Alben heraus. Als wäre das nicht genug, liegen die Live-CDs lediglich den hauptattraktiven Live-DVDs als Auszug der Tonspur bei. Erst vor zwei Jahren kam mit "Knock On Wood" ein ähnliches Format mit Akustik-Live-Versionen heraus, jetzt gibt es drei weitere Varianten des industriellen Sounds der Young Gods: Einmal mit Orchester ("With The Lausanne Sinfonietta Live at Montreux Jazz, MDH 14.07.05"), einmal als normales Tourdokument ("Super Ready/Fragmenté Tour Rote Fabrik Zürich") und einmal mit Avantgarde-Rapper Dälek ("Griots And Gods Les Eurockeennes Festival Belfort").

"Everybody Knows" eint quasi musikalisch das Beste der Young Gods aus 25 Jahren. Vieles klingt vertraut, auch die epischen Klanglandschaften inmitten längerer Lieder kennt man bereits. Doch kann man von ihnen nie genug bekommen. Und mit "No Land's Man" präsentiert das zum Quartett angewachsene Trio erstmals einen waschechten Spacerock. Das Album groovt, wo es nicht spacet, aber nicht so heftig wie noch der Vorgänger. Die Mischung aus Elektronik und Gitarre stimmt einfach wieder: Avantgarde-Industrial.

Den gemischt mit Avantgarde-Rap gibt's live: Zu Majestix' Klangschüsselklängen rappt Dälek auf der dritten DVD der "Limited Box". Danach spielen die Young Gods und Dälek-Mitmusiker wie auf einer Split-CD gemeinsam Stücke voneinander. Das ist ausgesprochen reizvoll, um mal fürchterlich zu untertreiben: Die vertrauten Young-Gods-Stücke klingen völlig anders, als wenn sie sie selbst live darbieten. Sogar das Orchester auf der ersten DVD bringt nur wenige neue Impulse in den Sound. Mit Dälek hingegen wird alles noch sphärischer, noch gooviger, noch eigenwilliger als ohnehin. Erstaunlich ist, dass diese Extrem-Kollaboration kein musikalisch extremes Ergebnis hat. Und dann: alles live, andere versperren sich dafür monatelang in Studios. Herrlich.

Auf der Orchester-DVD gibt es auch einen tollen Gaststar: Mike Patton singt allein "Did You Miss Me" und im Duett mit Franz Treichler den "September Song" von Kurt Weill. Zwei solche Charakterstimmen zusammen, das rührt an jeder Haut. Wahnsinnig beeindruckend. Pattons Beitrag ist jedoch kein Zufall: Sein Label Ipecac veröffentlicht die Young-Gods-CDs in den USA. Die mittlere DVD nun ist immerhin solide: Das nunmehr dritte handelsübliche Live-Dokument der Young Gods nach "Live Sky Tour" und "Live Noumatrouff 1997". Was nicht heißen soll, dass es nicht gut ist. Alle drei CD-DVD-Kombinationen sind zwar auch einzeln erhältlich, aber wenn man schon dabei ist, sollte man keine davon auslassen. Es lohnt sich.


Jenseits von Gut
Jenseits von Gut
von Marc Domin
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Böse, 29. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Jenseits von Gut (Taschenbuch)
Der Mann ist unglaublich. Und sein Output ist es auch. Der Rezensent lernte Domin im Jahr 2000 als Sänger der Band Die letzten Kavaliere (und Ex-Sänger der Bonner Präservative) und als schnellsten Texter der Stadt kennen. Die Stadt: Dabei handelt es sich um Wolfsburg. Die letzten Kavaliere gibt es längst nicht mehr, heute singt Domin bei Die Weltenretter - die schnelle Zunge und die schnelle Feder bewahrte er sich. Seit einiger Zeit ist Domin nämlich als Poetry-Slammer und Autor in Braunschweig unterwegs. Zu verdanken hat die Welt dies Patrick "Pott" Schmitz von Pop(p)in' Poetry (der das Cover zu vorliegendem Buch gestaltete) und Axel Klingenberg von der Bumsdorfer Auslese, Ex-Gerüchteküche. Texte für diese Veranstaltungen sowie weiteres Material der letzten Jahre, zum Beispiel für seine Wolfsburger Literatur-Bühne Black Ink Poetry, versammelt nun Domins Buch-Debüt mit dem programmatischen Titel "Jenseits von Gut".

Schräg, finster und selbstverachtend sind Domins Geschichten, Gedichte und Slams. Wenn er sich als stinkenden, hässlichen und ungebildeten Deppen hinstellt, ist das mitnichten Koketterie, sondern Ausdruck seiner inneren Zerrissenheit: Domin ist ein Paradebeispiel für die Rampensau, die mit ihrem Bühnengebaren ihre Unsicherheit und Selbstzweifel kaschieren will. Nur sensible Zuschauer nehmen das wahr - man muss dafür aber mindestens so sensibel sein wie Domin selbst. Diese Sensibilität versteckt er zudem auch gerne hinter plakativen Horrortexten. Eine Wurst, die so aussieht wie ein von einem Kampfhund zerfleischtes Kindergesicht, schockiert natürlich - doch genau auf den Protest legt Domin es an. Er will von denen, die ihn nicht verstehen, von der Bühne gepfiffen werden. Alle anderen liegen bäuchehaltend unter den Tischen. Diese Polarisierung spiegelt sich auch beim Poetry Slam wider: Das Publikum vergibt als Jury die Punkte für die Beiträge; Domin erhält immer Durchschnittswerte, aber nicht, weil er Durchschnitt liefert, sondern, weil die Hälfte einen und die andere Hälfte sechs Punkte vergibt.

Domins assoziativer und gedankenfließender Stil erinnert bisweilen an den seinerseits von Franz Kafka inspirierten Eugen Egner. Ganz reicht Domins Erzählkunst zwar noch nicht an dessen Stringenz heran, doch stimmt der Kurs schon mal. Man merkt vielen Texten an, dass sie für die Bühne verfasst wurden. Damit teilt "Jenseits von Gut" das Schicksal mit dem Poetry-Slam-Magazin "The Punchliner": Die Beiträge leben vom Vortrag. Domins scheinbare Beiläufigkeit erst erzeugt viele Lacher. Die können sogar Fremdleser auslösen, wie kürzlich bei der Buchpräsentation im "Phil's" in der Braunschweiger Kastanienallee: Nahezu ausschließlich vor Freunden und Wegbegleitern ließ Domin seine Texte von ebenjenen lesen und von Musikern untermalen. Und es war grandios, eine solche Show kann das Fernsehen einfach nicht mehr bieten. Die wahrhaftig unterhaltsame Kunst kommt aus dem Untergrund. Zu beklagen gibt es bei "Jenseits von Gut" übrigens das Fehlen eines Lektoren.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2011 11:15 PM CET


Kraft durch Freunde
Kraft durch Freunde
von Gerhard Seyfried
  Broschiert

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kraft- und freudlos, 27. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Kraft durch Freunde (Broschiert)
Mehr als zehn Jahre lang haben Gerhard Seyfried und Franziska Rieman keine Comics mehr herausgebracht. Seyfied allein wie auch mit Ziska lieferten mit ihren Anarcho- und Phantasie-Comics und -Cartoons wie "Wo soll das alles enden?", "Flucht aus Berlin" oder "Future Subjunkies" nicht nur haufenweise zitierfähiges Material ("Atatüv", "Vorsicht Schild"), sondern auch einen politischen und gesellschaftlichen Statusbericht sowie eine Aussicht darauf, wo das alles einmal enden wird, wenn es denn so weitergeht. Seyfried war so links, dass er sogar über die taz und die Hausbesetzer-Anarchos lästerte. Technikwahn, Neonazis, Überwachung - alles hat Seyfried bereits thematisiert, bevor es in die allgemeine Diskussion kam. Mit seinen Zeichnungen und Ideen schoss Seyfried sehr oft übers Ziel hinaus, aber jeder, der das tut, kann sagen, dass er das Ziel dann immerhin erreicht hat. Seine Pro-Hanf-Initiative, seine Achtung-Nazis-Warncomics, seine Politiker-sind-Doof-Poster etwa hatten mit der Zeit etwas Verstaubtes. Man war bereits konvertiert, man wollte den Prediger nicht mehr hören, sondern von ihm die nächsten Schritte gezeigt bekommen. "Starship Eden", das letzte Comicbuch von Seyfried und Ziska, war so etwas. Doch dann verlegten sich Seyfried auf Historienromane und Ziska auf Schlagerpop.

Bis jetzt. Als Zweitausendeins vor drei Jahren sämtliche gezeichnete Werke der beiden in megadicker Buchform wiederveröffentlichte, wurden auch die Rufe nach Neuware laut. "Kraft durch Freunde" bedient sie - und auch wieder nicht. Was es hat: Den typischen Zeichenstil von Gilbert Shelton. Zeitgeistkritik. Was es leider hat: Nur selten die Detailfreude von etwa "Flucht aus Berlin". Nur wenig Humor ("Dr. Schräuble-Locker" ist zu offensichtlich und ein zu erwartbaren Feindbild, die FDP-Farben des Wirtschaftstypen sind da schon subtiler). Junge Mädels in geilen Klamotten, entweder knapp oder durchsichtig - typische Altherren-Elemente. Ein extrem miese PC-Colorierung.

Zwar legt Seyfried in dem Buch offen, dass selten Politiker allein für die Unterdrückung der Bevölkerung verantwortlich sind, sondern nicht minder stark auch die Wirtschaft, und dass deren Unterdrückermacht nur deshalb möglich ist, weil das Volk kaufgeil und politikverdrossen ist. Doch wer das Buch von sich aus liest, gehört zu denen, die das bereits wissen. Derjenige bekommt immerhin bestätigt, dass er mit seinem Denken nicht alleine ist, und dass es noch linke Romantiker auf der Welt gibt. Doch wirklich erhellend ist "Kraft durch Freunde" nicht. Seyfried hat offenbar im Laufe der Jahre seinen Biss verloren. Das ist schade.


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