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Rezensionen verfasst von
Michael Collin
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Southern Reach Trilogy 2. Authority: A Novel
Southern Reach Trilogy 2. Authority: A Novel
von Jeff VanderMeer
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,30

5.0 von 5 Sternen Joseph K. kommt ins Schloss, 22. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
30 Jahre Area X - und der Schleier des Geheimnisses ist trotz aller Bemühungen der Geheimdienstbehörde Southern Reach nicht einen Millimeter gelüftet. Die Widerständigkeit dessen, von dessen Beschaffenheit wir nicht die geringste Vorstellung haben: kann man erforschen, was nicht erforscht werden will, was jede Reaktion verweigert?

Die Tür zur Southern Reach wird einen Spalt weit aufgestoßen, aber es geht mir wie John Rodriguez aka Control, der nach dem vermeintlichen Tod der vorherigen Direktorin der SR, der Psychologin aus dem ersten Band, die Leitung übernimmt: wir sehen manches und wissen viel zu wenig, um zu verstehen. Wenden wir uns verstört ab und verlassen die Einrichtung, dann gelangen wir zur Area X und geben zu, dass es hier noch unbegreiflicher, unheimlicher zugeht als in der Regierungsbehörde. So fremd ist alles, dass ich von mir bald nur noch als „Der Leser“ denke. Ich bin auf einer Expedition in Vandermeers zweitem Band seiner Trilogie. Der Leser auf dieser zweiten Expedition sind viele, aber in der paranoiden Topographie verlieren sie sich bald aus den Augen und kommen verstört, verändert und alleine wieder heraus; ergeht es mir wie der Biologin („Didn't I tell you I wasn't the biologist“)? Oder sind wir Leser gar die Kaninchen, die aus experimentellen Gründen durch das Tor in die Area X getrieben werden?

Vandermeers sich sehr langsam entwickelnder Horror greift tiefer als z.B. der Lovecrafts und ist raffinerter, weil die Furcht auf dem Unvermögen gründet, wirklich Fremdes zu fassen. Und doch gelingt es Vandermeer, eine Ahnung vom Ausmaß der Fremdartigkeit beim Leser zu erzeugen.
Das Gefühl der Unwirklichkeit ist der ständige Begleiter; die verfolgungswahnhafte Welt der Geheimdienste, die übernatürliche Area X, die Biologin, die vielleicht gar nicht die Biologin ist, Befragungen, die sich im Kreis drehen, The Voice und tausende von verstörenden Details, die bedeutsam sein mögen oder nicht; Control versucht sein Möglichstes, um die Geschehnisse um die 12. Expedition aufzuklären und das Geheimnis der Area X zu lüften, aber es gibt Gegenspieler und letztlich ist Control in der Welt der Agenten kaum heimischer als in der Southern Reach. Und was sollte ausgerechnet ihn, „son of a woman who lived in a byzantine realm of secrets“, befähigen, Area X zu verstehen, das Geheimnis zu lüften?

Gerade durch den weitestgehenden Verzicht auf Handlungselemente und ein langsames Erzähltempo wird in AUTHORITY die Grundstimmung noch düsterer, paranoider und mysteriöser als in ANNIHILATION.

Aber dann kommt es dicke.

---milde Spoiler---
Control wird mit (post)hypnotischen Befehlen manipuliert und konditioniert.
Gab es schon immer den Plan, dass Controls in der SR plaziert wird? "He'd been on an expedition sent into the Southern Reach and just like the expeditions into Area X not told the truth (...) what else had he done that he might never know?"
Ist John schon als Kind konditioniert worden, Control zu werden? Und wer verbirgt sich hinter The Voice? Vermittelt das Wort "Grenze" eine falsche Vorstellung bezüglich der Beschaffenheit von Area X?

Control wird zunehmend bewusster, dass er weder die Hintergründe seines Auftrages noch das Wesen der Area X ergründen kann:
"He wasn't sure he knew the difference anymore between what he was meant to find and what he'd dug up on his own. A tower could become a pit. An expedition member might even return thirty years later in the form of a voice whispering strange nothings in his ear."
Schließlich holt ihn die unfassbare albtraumhafte Wirklichkeit ein; hier ein Beispiel:
"Control reached out for the large double doors. Reached for the handle, missed it, tried again.
But there were no doors where there had always been doors before. Only wall.
And the wall was soft and breathing under the touch of his hand.
He was screaming, he thought, but from somewhere deep beneath thė sea.

Die letzten 100 Seiten dieses zweiten Teils tragen gehörig dazu bei, dass AUTHORITY zum spannend-gruseligsten gehört, das ich seit langem gelesen habe. Ein extrem eindringlicher, intensiver Roman, der nicht einfach da weiter macht, wo ANNIHILATION aufgehört hat, sondern neu ansetzt mit neuen Personen und neuen Themen, und schließlich doch die Handlung konsequent weiter voran treibt.


05/Der Angriff der Horrorameisen
05/Der Angriff der Horrorameisen
Preis: EUR 1,29

3.0 von 5 Sternen Sympathisch, aber verbesserungswürdig, 17. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Der Angriff der Horrorameisen" ist inhaltlich stark angelehnt an Gordon Douglas B-Movie "Formicula": Atombombentests in der Wüste haben aus harmlosen kleinen Insekten menschenfressende Riesenmonster gemacht. Der deutsche Hörspiel- und Perry Rhodan-Autor H.G. Francis hat den Stoff für seine Gruselserie zu einem 36-minütigen Hörspiel verarbeitet, das einerseits mit seinem Retro-Charm punktet, auf der anderen Seite aber auch einige Kritikpunkte bietet, die zu deutlichem Punktabzug führen.
Die Charaktere sind platt und lieblos gestaltet. Zwar hebt sich Harry Marlows Schwester Joanne von den anderen Figuren ab, aber leider nur durch ihre unglaublich nervtötende Art, die am Ende schließlich für einen flauen Witz gut ist. Mir gefällt es sehr gut, dass man das Hörspiel nicht mit allzu vielen Soundeffekten überfrachtet hat, wie es leider in modernen Produktionen oft der Fall ist; dass die Riesenameisen allerdings wie in einem Glas gefangene brummende Fliegen klingen, ist schwach. Und die Musikuntermalung paßt zumindest an einer Stelle überhaupt nicht zum nostalgischen Flair der Handlung. Die größte Schwäche des Hörspiels allerdings ist, dass H.G. Francis sich auf eine Menge nervtötender Gesprächsfetzen a la "Erzählen sie doch nichts" oder "Ach, sie spinnen wohl" kapriziert, was in der Häufung schon unfreiwilig komisch klingt, und darüber das Spannungspotenzial der Story zu sehr aus den Augen verliert. Wer die Hörspiele als Jugendlicher zum Zeitpunkt ihres Erscheinens gehört hat, wird ihnen einen Bonus zugestehen, ansonsten gilt, dass hier einiges verbesserungswürdig ist, was mit einfachen Mitteln gelingen könnte. Drei Sterne dank eines kleinen Sympathiebonus.


Manhunter: Street Justice (Manhunter (DC Comics))
Manhunter: Street Justice (Manhunter (DC Comics))
von Marc Andreyko
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,65

1.0 von 5 Sternen Manhunter #1: She stalks the world's most dangerous game, 14. Dezember 2014
Juli 2014:
Der behördliche Umgang mit der Todesstrafe in Kalifornien ist "dysfunktional", geprägt von massiven Verzögerungen und Willkür. Zu diesem Schluss ist ein US-Bundesrichter gekommen und hat die Todesstrafe dort für verfassungswidrig erklärt.
10 Jahre zuvor, Oktober 2004:
Kate Spencer ist der erste weibliche "Manhunter" im DC-Kosmos, Heft 1 erscheint.
Kate ist Staatsanwältin in Los Angeles und plädiert für die Todesstrafe.
"Copperhead", ein massenmordender kannibalistischer Mutant steht endlich vor Gericht und ihr Plädoyer ist unmißverständlich. Doch die Jury entscheidet anders, und die Abschlußrede der Verteidigung ist auch bemerkenswert genug:

"There is no arguing that Copperhead has commited these heinous acts. What you saw on the tape should sicken you. It sickened me.
But it should also make you ask this question: what sane human being could bring such destruction upon his fellow man?
The answer: none.
My client is the victim of evolution gone awry. The defense would like you to believe that Copperhead enjoys his current state. But look at him. Bound and sedated or an uncontrolable cannibal killer - who would choose such a life?
To kill him would be easy, yes. The immediate catharsis of his execution might ease the victims' pain momentarily. But will you kill a man because of a genetic flaw? Since Copperhead is a genetic anomaly, how can he be held to the standards of human behavior? Should we not confine him away from humanity, study his DNA, and prevent such beings from future murderous behavior?
Not guilty, Ladies and Gentleman, no more so than you are of choosing your eye color. Thank you."

(Wer mag, spiele in Gedanken einmal durch, was dieses Plädoyer für mutierte Superhelden und ihre Gegenspieler bedeutet)

Es kommt, wie es kommen muss: Copperhead kann ausbrechen und morded munter weiter, seiner bösen Veranlagung folgend.
Kate zieht sich daraufhin ihren hautengen Spandexanzug an (und wir alle wissen, wie gut und gerne Jesus Saiz weibliche Superhelden zeichnet, siehe die "Birds of Prey" in der New 52 Reihe) und macht Jagd auf Copperhead. Schnell findet sie ihn und es kommt zum Showdown. Doch es geht der Staatsanwältin nicht darum, Copperhead dem Gewahrsam zuzuführen; sie tötet ihn und signiert die Exekution mit Copperheads Blut an der Wand der U-Bahn: MANHUNTER

Wenn Batman seine Gegner vermöbelt und dem Arkham Asylum zuführt, dann hat er persönliche Motive für seine spezielle Form der Verbrechensbekämpfung und er tötet die Bösewichte nicht. Dass in "Manhunter" aber eine Staatsanwältin außerhalb ihrer Dienstzeit Recht und Gesetz in die eigene Hand nimmt und "Todesurteile" vollstreckt, das kann doch wohl auch trotz des 9/11-Schocks und des daraus resultierenden Traumas nicht wahr sein (obwohl, Guantanomo ist ja auch immer noch nicht geschlossen)!

Es läßt sich nicht milder formulieren: Kate Spencer aka Manhunter ist eine Lynchmörderin, die von DC als Heldin angeboten wird.


Daphne
Daphne
DVD ~ Geraldine Somerville
Preis: EUR 7,22

5.0 von 5 Sternen "a boy in a box" - Filmischer Einblick ins Leben von Daphne du Maurier, 13. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Daphne (DVD)
Daphne du Maurier ist die Autorin von DIE VÖGEL, WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN und natürlich auch REBECCA. Filme, die fast jeder kennt, so dass man die Buchvorlagen eigentlich gar nicht mehr lesen muss... könnte man denken. Nur, dass diese Autorin oft unterschätzt wird, denn ihre Erzählungen und Romane sind vielschichtiger als die durchaus interessanten Verfilmungen, und immer schwingen dunkle Elemente oder Schatten mit.
Über das Leben der Autorin selbst wußte ich nicht allzu viel, deshalb war ich auf die BBC-Verfilmung sehr gespannt. Der Film wirft Schlaglichter auf eine kurze, aber bedeutende Phase im Leben Daphne du Mauriers, auf die Jahre 1946-1952. Es geht um den Zeitraum, nachdem ihr Mann aus dem Krieg zurück gekehrt ist und du Maurier sich nicht wieder in das frühere Familienleben einfinden kann. Ursache war in ihrem tatsächlichen Leben wohl auch eine Affäre ihres Mannes, auf die der Film aber nicht eingeht, sondern sich auf ihre homoerotischen Neigungen fokussiert. Natürlich geschieht dies in einer BBC-Verfilmung auf eher diskrete Weise, aber das paßt wunderbar zur britischen Zurückhaltung und gefällt mir sehr viel besser als Hollywood-Gestöhne.
Daphne du Maurier reist nach New York, um sich dort gegen den Vorwurf des Plagiats zu verteidigen. Sie lernt dort die schöne Frau ihres Verlegers, Ellen Doubledy, kennen und verliebt sich. Doch zu der erhofften Liebesbeziehung kommt es nicht und du Maurier muss eine schwierige Phase durchleben.
Geraldine Somerville, die mich schon als Jane Penhaligon in "Für alle Fälle Fitz" begeistert hat, spielt Daphne du Maurier mit großer Eindringlichkeit, sehr ruhig, sehr intensiv und vor allem charismatisch. Auch die anderen Rollen sind gut besetzt und die Kamera, die nie voyeuristisch wird und trotzdem alles einfängt, Emotionen wie Landschaften, hat mir ebenfalls sehr gefallen.


Birds of Prey Vol. 1: Trouble in Mind (The New 52) (Birds of Prey (DC Comics))
Birds of Prey Vol. 1: Trouble in Mind (The New 52) (Birds of Prey (DC Comics))
von Duane Swierczynski
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,54

4.0 von 5 Sternen Trouble in Mind (1-7), 13. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Birds of Prey haben bei mir mächtig einen Stein im Brett, und wahrscheinlich hat es gerade deswegen lange gedauert, bis ich mich an die New 52 - Version meiner Damenlieblingskombo herangetraut habe.
Von der Besetzung der ersten Jahre ist nur Black Canary dabei, dazu gekommen sind jetzt Poison Ivy, Katana und Starling; ein Gastspiel gibt Batgirl, die früher an den Rollstuhl gefesselt als Oracle an Bord war.

Als erstes ist festzustellen, dass Jesus Saiz die Damen heiß in Szene zu setzen weiß (sie sind alle sehr, sehr wohl proportieniert, aber so ist es in den Superheldencomics: die Männer haben Muskelberge, die Damen Kurven) und seine Artwork perspektivisch abwechslungsreich und sehr dynamisch ist. June Chung verleiht allen Charakteren rote Nasenspitzen, als würden sie permanent Amphetamine schnupfen oder einfach dauererkältet sein, aber ansonsten gibt es auch in der Kolorierung nichts zu meckern.
Duane Swierczynski erzählt in den ersten sieben, hier versammelten Heften eine spannende Story mit interessanten SF-Elementen:
Zunächst haben Dinah Lance und ihre Mitstreiterinnen es mit einer Armee von Gegnern zu tun, die sich mithilfe einer Hightech-Rüstung unsichtbar machen können. Und als ob dieser Gegner nicht schon gefährlich genug wäre, bekommen sie es auch noch mit Gedankenkontrolle und -manipulation zu tun. Eine heftige Herausforderung für ein neu zusammengestelltes Team, in dem Vertrauen noch keine Grundlage hat.

Auch wenn Black Canary (die ironischer Weise polizeilich gesucht wird, weil sie für den Tod ihres Ehemannes verantwortlich gemacht wird) ihre Kameradinnen deutlich darauf hinweist, dass die BoP ihre Gegner nicht töten, verlieren doch im Laufe der Story Arc so einige ihr Leben und es geht streckenweise recht blutig zu. Zum Ausgleich gibt es aber auch etliche Panel zum Schmunzeln.

Die New 52 Birds of Prey kommen heißer und härter daher als früher und haben mir reichlich Lesespaß beschert.


Cast Shadows Batman Poison Ivy
Cast Shadows Batman Poison Ivy
von Ann Nocenti
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Ihre Lippen sind das süße Gegengift, 6. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Cast Shadows Batman Poison Ivy (Taschenbuch)
Ein machtbesessener Millionär baut sich in Gotham City seinen eigenen Babel-Turm, der alles weit überragt und etlichen Bewohnern das Licht nimmt.
Bald verursachen giftige Pflanzensporen psychotische Schübe und Todesfälle. Ist Poison Ivy, die im Arkham Asylum eingesessen hat, Schuld? Schließlich ist kaum jemand so wie sie und ihre Pflanzen abhängig vom Sonnenlicht. Und welche Rolle spielt ihr neuer Therapeut?
"So you mean to tell me that the only cure for the disease is a kiss from the lips of an escaped asylum psychotic?", fragt er Batman, und der anwortet: "We live in strange times, Doctor Gorai." Fürwahr.
Es dauert nicht lange, schon ist auch der Dunkle Ritter infiziert:
"Her lips are the antidote! I have two hours to find Poison Ivy and kiss her."
Man wünscht Batman Erfolg, fast möchte man ihm zurufen: Viel Spaß! Denn Poison Ivy küssen, nun, es gibt da Schlimmeres, oder?

Obwohl sich die Story mehr mit Poison Ivy als mit Batman beschäftigt, ist die Rollenverteilung am Ende dann doch eine klassische; der Mann muss die Frau küssen, um an sein Ziel zu gelangen, und die Frau muss es dulden.


The Mothman Prophecies - Tödliche Visionen
The Mothman Prophecies - Tödliche Visionen
von John A. Keel
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen I want to believe!, 6. Dezember 2014
Die vier Sterne gibt es nicht für Glaubwürdigkeit oder literarische Vorzüge, sondern einfach nur, weil ich Spaß an UFO-Legenden /-Mythen habe. Keel gehört zum Urgestein und die frühe Unbedarftheit des Genres ist herzerfrischend. Außerdem schreibt Keel auch humorvoll, was ihn von unerträglichen Besserwissern wie von Däniken unterscheidet.

Es bräuchte mal eine Abhandlung über die Rolle des Telefons in Krimis und Supernatural Stories in der Pre-Handy Ära. "May I use your phone" ist nicht nur ein legändärer Satz der "Rocky Horror Picture Show", der auch in den "Mothman Prophecies" fällt, überhaupt ist mit dem Handy nichts mehr, wie es vorher war. Wenn heutzutage die Frau (oder der Mann) nicht punktlich nach Hause kommen, werden sie auf dem Handy angerufen. Wenn heute das Auto nachts im Gewitterregen stehen bleibt: Handy. Wenn heute das UFO über den Woken auftaucht: Handykamera. Mythenbildung hat es heutzutage so schwer!
Wie erfrischend dagegen die unverbrauchte Gutgläubigkeit von Autoren wie Keel und Gray Barker und ihrer Leserschaft - I want to belive!


Nacht der Schrecken. Phoenix-Shocker 31 = The night walker
Nacht der Schrecken. Phoenix-Shocker 31 = The night walker
von Robert Bloch
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Solide Stories, 2. Dezember 2014
Der Erzählungsband enthält folgende Stories:
Nacht der Schrecken - Das Meisterwerk - Ist Betsy Blake noch am Leben? - Die Kur - Schlußvorstellung - Die große Schau

Bloch erzählt klassische Suspense-Stories. Die Titelstory macht vom Umfang her 2/3 des Büchleins aus und schreit danach, dass sie vom Meister des Suspense, Alfred Hitchcock, hätte verfilmt werden mögen, als Schwesterwerk zu "Psycho". Unterhaltsam und gut lesbar.


Pterror Over Paris/The Eiffel Tower Demon (Extraordinary Adventures of Adele Blanc-SEC)
Pterror Over Paris/The Eiffel Tower Demon (Extraordinary Adventures of Adele Blanc-SEC)
von Jacques Tardi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,72

2.0 von 5 Sternen Tolle Artwork, wirre Handlung, 1. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zu schade, aber auch beim zweiten Lesedurchgang war mir die Story zu wirr. So fantastisch Tardis Artwork ist, vor allem die Pariser Architektur, so leicht zu verwechseln sind zahlreiche Protagonisten. Und die angebotene Auflösung des verwirrenden Rätsels kann man schließlich nur achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Ein übernatürlicher Krimi, der an der Überdosierung seiner Elemente scheitert. Da reißen auch Flugsaurier und Co. nicht mehr das Ruder herum.


Grandville Noel
Grandville Noel
von Bryan Talbot
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

5.0 von 5 Sternen Von Dachsen und Menschen, 30. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Grandville Noel (Gebundene Ausgabe)
Bryan Talbot war mir als herausragender Comic-Künstler bereits mit seinem Großwerk "Alice in Sunderland" bekannt, aber die Grandville-Reihe galt es erst noch zu entdecken und passend zur Weihnachtszeit habe ich nun mit Band 4 begonnen, GRANDVILLE NOEL. Wer die ersten Bände kennt, ist mit dem Setting vertraut, für alle anderen hier eine kurze Zusammenfassung:
GRANDVILLE spielt in einer alternativen Wirklichkeit, in der Napoleon den Krieg gewonnen und England unterworfen hat. Auch die Wissenschaft hat andere Wege beschritten, so dass sich gemäßigte Steampunk-Anklänge finden. Der entscheidende Unterschied ist aber dieser: der Mensch ist nur eine unter vielen Tierarten, unterdrückt und von der Ausrottung bedroht. Warum das so ist? Wer weiß, vielleicht wegen der Mythen vom Werwolf, also dem braven Wolf, der sich bei Vollmond in einen gefährlichen Menschen verwandelt?

Zur Handlung:
Detective-Inspector Lebrock vom Scotland Yard, ein distinguierter Dachs, reist im Vorweihnachtsurlaub von England nach Paris (=Grandville), um die Nichte seiner Vermieterin, Bunty Spall, zu finden, die möglicherweise in die Fänge einer fundamentalistischen Sekte geraten ist. Grandville wird von Demonstrationen der Menschen gegen ihre Unterdrückung und einer Mafia-Verbrechenswelle erschüttert, zudem hat sich die Sekte des Einhorn-Messias dort nieder gelassen, auf dessen Konto Massenselbstmorde (wie 1978 in Jonestown in unserer Realität) gehen.
Und dann gibt es auch noch die Suche nach einem verschollenen Evangelium, dessen Brisanz darin liegen könnte, dass es offenbart, welcher (Tier?)Gattung Jesus angehörte.
Also alles andere als ein leichter Job für Lebrock, und dann stellt sich noch die Frage, ob Bunty überhaupt gerettert werden und zu ihrem prügelnden Stiefvater zurückkehren möchte.

Da "Creationismus" eines meiner Lieblings-Hass-Themen ist, hier ein kleiner Dialog:

"Professor! What's your opinion on the theory that the cataclysm was engineered by beings for another planet - Mars perhaps - to create intelligent life on Earth?"

"I think it's about as credible as the Creationists' belief that we all arrived fully-formed on the Ark with the Lord God Noah!
Though, theoretically, it will have happened somewhere.
In an infinite universe all physical things are possible. It's even possible that another planet exists exactly like this one. In fact, it's a certainty.
Think about it. All things are made of matter and there are a finite number of ways this matter can come together. In an infinite universe the exact sequence of events that mad our world is bound to repeat."

(Da wird es dann auch sonnenklar, warum Detective-Inspector Lebrock dort ein Dachs ist, wo er hier bei uns ein Mensch wäre! Wissenschaftlich betrachtet doch gar nicht so absonderlich)

Sektenwahnsinn und politischer Faschismus sorgen für ordentlichen Druck auf dem Kessel und fordern Lebrocks vollen Einsatz.

Spannend, temporeich, Text und Artwork sehr gut, wenn auch etwas didaktisch in Sachen Sekte. Aber vor diesem Wahnsinn kann ja gar nicht genug gewarnt werden.


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