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Rezensionen verfasst von
Michael Collin
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KAFF auch Mare Crisium
KAFF auch Mare Crisium
von Arno Schmidt
  Sondereinband
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen KAFF, 28. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: KAFF auch Mare Crisium (Sondereinband)
1. Am Rand der Abbruchkante

< Schmidt is the happy hunting ground of all minds that have lost their balance >, so könnte man eine Zeile aus dem ULYSSES paraphrasieren, und eines steht fest: KAFF polarisiert nicht nur allgemein die Leserschaft, es bereitet auch mir während des Lesens ein Wechselbad der Gefühle, die schwanken zwischen Empathie und Aversion betreffs der Hauptfigur Karl Richter und zwischen Bewunderung für und Zweifel am Text. Denn Karls (Über)Lebensstrategien, seine Eigenheiten, scheinen zunächst denen Arno Schmidts zu ähneln, und alles, was Karl Richter, der Protagonist in KAFF, seiner Geliebten Hertha Theunert so zumutet, das muss auch der Leser erdulden. Es gilt gelegentlich, Ärgernisse und Ödstrecken zu überwinden, und der Leser muss die Bereitschaft mitbringen, sich in hohem Maße auf diesen in keiner Weise einfachen Roman einzulassen.
Im Folgenden werde ich auch auf Handlungselemente eingehen. Wer sich also überraschen lassen möchte, wie die Beziehungsgeschichte zwischen Karl und Hertha ausgeht, sollte nicht weiter lesen. Also:
Es folgen S P O I L E R !

2. Die Versehrtenrepublik

Karl teilt Alter und Kriegserfahrungen mit Schmidt: das Grauen des Krieges, die anschließende Gefangenschaft und schließlich wieder ein bürgerliches" Leben in bescheidenster Armut haben Schmidt und sein Alter Ego geprägt.
Ungeheuer sensible Naturen, die sie sind, suchen sie Zuflucht in der verlässlicheren Natur und der Welt des Geistes, in die keine Panzer einzurollen vermögen. Und selbst hier noch ist der Schutzschild ständig hochgefahren und auf den ersten Blick ist Karl ein sympathieabweisender Schreckensmann, ein Gehirntier.
Neben dem Weltzweifler und dem Kotzbrocken begegnet uns nicht zuletzt der Clown Karl Richter, der voll des abseitigen Wissens und mit exorbitantem Sprachvermögen, Spott, Satire und (Selbst)Ironie hinwegzutäuschen sucht über seine Verletzungen und seine Bindungsängste. Karl ist ein Exponent der Nachkriegs-Versehrtenrepublik, der nur auf den ersten Blick stabiler, weniger neurotisch als Hertha erscheint.
Seine zwei Mantren begleiten den Leser durch den Roman: das nihilistische Nichtsniemandnirgendsnie" und das ironisch-untertreibendste man hat halt ne gute Schule besucht", mit dem er seine gelehrten Exkurse kommentiert, Fluchtpunkte im Denken und Leben von Karl Richter. Hinzu kommt Karls Flucht in ein ausuferndes Längeres Gedankenspiel, auf das noch einzugehen sein wird: Unter einem psychologischen Blickwinkel könnte man fast von einer bipolaren Störung sprechen, die dieser Roman verkörpert.
Doch der Reihe nach. Was geschieht in KAFF eigentlich?

3. Zwei Tage auf dem Land - eine Vergeblichkeitsposse

Der 46-jährige Buchhalter Karl Richter besucht an zwei aufeinander folgenden Oktobertagen mit seiner 15 Jahre jüngeren Geliebten Hertha Theunert seine Tante Heete in Giffendorf. Hertha, der Karls permanente sexuelle Anzüglichkeiten sehr unangenehm sind, hat während der beiden Tage allerhand zu erdulden und ihre angespannt-neurotische Unsicherheit habe ich dem sexuell missbrauchten Flüchtlingsmädchen gerne nachgesehen, nicht zuletzt auch wegen der Konkurrenz zur übermächtigen komplementären Tante (Hertha Theunert = HT / Tanndte Heete =TH), der, nach langen Ehejahren verwitwet, nichts Irdisches fremd ist.
Karl & Hertha: Das ist ja nun überhaupt fast, als hätte Emma Woodhouse ihre Finger im Spiel gehabt (- Emma, die immer für das falsche Match gut war), denn recht eigentlich wären Karl und Tannte Heete das passendere Paar - wenn nur der Altersunterschied nicht wäre. Und nicht, dass Karl die üppigere Figur von TH nicht immer noch zu schätzen wüsste: "Und wenn ich mir freilich so ihre Figur besah; von hintn; beim Trepperaufschteign; von keiner Schwangerschaft ausgeleiert : Die mochte & konnte beschtimmt noch ab & zu !"
"HasDu's eigntlich - kannßD's ruhich=ehrlich sagn - Dein allererstes Maal bei Tanndte Heete machn düßrfn ?", diese Frage drängt sich der Armen Hertha auf, und überhaupt:
"Der iss nie verliebt;" sagte Hertha trauri=komisch, "Der hat ma ammall aus a'm lateinischn Buchche alle Kennzeichen vorgeleesn : von Ee'm, der verliebt iss..."

Aus guten Gründen ist Hertha (nicht nur Karl gegenüber) so vorsichtig: "Erniedriejen," schprach sie finster : "erniedriejen tutt Ihr mit Uns=Frauen mach'n. (...) Und ooch Dein geliebtes "wortreich"; eebm : das iss es ! - Es iss doch sowieso immer a Kammf zwischn -"; und unterbrach sich, und suchte nach Definitionen; "- zwischn Peinlichkeit & Genuß : mal iss's ann Oognblick schön. Dann schämt ma sich wieder. - Aber mit zuen Oogn, und ohne viele Worte : max gehn. - Aber dann wieder Eener=wie=Du, der dauernd seine Glossn drüber macht. Und manches sind noch Witze. (...) Wenn De bloß ammall n Munt=dabei halltn könntzt, wenn De "ihn einführst" - oder wie De Dich grade auszudrückn beliepst..."

Doch dann der donnerschlagsmässig überraschende Vorschlag von Tante Heete: Karl & Hertha sollen in THs Häuschen mit einziehen!
Der Wunsch nach einem eigenen Heim, auch als Wohngemeinschaft, taucht immer wieder bei Schmidt auf, z.B. in "Das Steinerne Herz", aber auch später, als er schon sein Häuschen in Bargfeld hat. Es steckt darin wohl auch das Trauma der Unbehaustheit der Nachkriegsgeneration, die Schnecken mit Haus ehrerbietig siezt; aber auch die Utopie einer weitestgehenden Autonomie, wie Schmidt sie konsequent gelebt hat.
Die "Erbtante" stellt aber Bedingungen: "Hei=raatn müßtit Ihr ja wohl allerdinx", und: Keine Kinder! Zumindest mit dem letzten Punkt hätte Karl keine Probleme: "Mit meinem Willen soll kein Mensch in diese deutsche Idiotn=Welt hineingebor'n weerdn!"
Aber Heetes Angebot löst bei Karl auch massive Kriegserinnerungen aus, und überhaupt sind der Krieg und seine Folgen ein ständiges Hintergrundrauschen in KAFF. Bis hierher schien vor allem Hertha die so leicht Verletzbare zu sein, empfindam-ängstlich und neurotisch zugeknöpft. Doch als sich Karl nun für oder gegen eine feste gemeinsame Zukunft mit Hertha entscheiden muss, erleben wir, wie er sich in Logarithmentafeln flüchtet und Hertha mit dem panischen Hersagen von Zahlenreihen traktiert. Was bewegt den Herzkranken jenseits des Zahlenrausch(en)s?
"(L)ohnte es sich noch, weegn fümf Jaahrn 1 mouvement zu machn?" und
"Glücklich=sein ist ein Verbrechen; Unglücklich=sein eine Schande".
Dieser letzte Teil ist der berührendste des Romans, denn nach allen Po(s)sen und Verstellungen sehen wir Karl als den verletzten, ängstlichen Menschen, zu dem ihn der Krieg gemacht hat.
Das Ende von KAFF ist kaum weniger schrecklich als das im "Leviathan". Hertha, wieder zuhause angekommen, fragt Karl:
"KommsDe glei mitt zu mier ?" - / (Nichtsniemandnirgendsnie : Nichtsniemandnirgendsnie). - : "Nachheer=vielleichd." - Sie schlank den Arm ums Haupd, als emmfinge Sie 1 Schlack ! (Dabei hatte ich leedicklich meine Haustür=Lampe angeknipst.)"

4. Nun aber auf ins Wortall!

Während Musterzeichnerin Hertha sich zu Beginn des Romans in der Heide von der Natur zu floralen Mustern inspirieren lässt, hebt Karl anlässlich ihrer Äußerung "Mensch iss das lankweilich" zum Längeren Gedankenspiel der Erlebnisebene 2 an:
Nach einem Atomkrieg in den 60er Jahren ist die Erde unbewohnbar geworden. Karls Alter Ego Charles Hampden fabriziert auf dem Mond Schiefer-Tafeln und ist Kongressabgeordneter der amerikanischen Mondsiedlung.
Im Vordergrund dieses Gedankenspiels steht die Mangelwirtschaft, die sehr an Schmidts eigene Erfahrungen der 50er Jahre angelehnt ist, und der System-Wettstreit der Besatzungsmächte USA und Russland, die nun in getrennten Mondkratern konkurrierend dahin vegetieren.

Nicht einmal Herthas mal zaghafte Andeutungen, mal deutliche Ansagen, bremsen den "Ideen=Milljonär" Karl in seiner Fabulierlust, und so begleitet Hertha und den zuweilen erschöpften Leser die Mondfabel durch den Roman, angereichert durch ein angelehnt an das Nibelungenlied gottlob überwiegend in Prosa gehaltenes nationales amerikanisches Versepos über Liebe, Eifersucht, Verrat und "Calton Creek" samt der Damen Cream-Hilled und Brown-Hilled, deren Gunst es einstmals zu erlangen galt: "Und so hatte dann der letzte Krieg angefangn; allegorisch genuck also : daß wegen 1 "Miss Germany" die ganze Welt in Flammen aufgehen mußte!" (später folgt dann noch der russischen Gegenentwurf, eine Bearbeitung des Cid").

Karls Längeres Gedankenspiel ist auf vielfache Weise mit den Ereignissen auf der Erlebnisebene 1 verknüpft, kommentiert diese, greift sie auf oder stellt Gegenentwürfe vor. Es ist Unterhaltung für und Werben um Hertha, wird am Ende des Romans jedoch eine gegenteilige Funktion bekommen und Hertha auf sicher-komfortablem Abstand halten.
Literarisch sind Idee und Durchführung sehr interessant, und KAFF ist der erste Mehr-Spalten-Roman von Schmidt; aber leider ist die Mond-Geschichte nur zu oft zähflüssig und uninteressant, so dass nicht nur Herthas Widerstandskraft "end=lich !" gebrochen wird, sondern auch der Leser ermattet und mit dem Gedanken spielt, das Buch aus der Hand zu legen.

Nach Nibelungenlied und Schultheater gibt es für die arme Hertha noch lange keinen Grund, aufzuatmen. Karl stellt einmal mehr beim späten Abendessen seine Gelartheit unter Beweis und referiert über Karl May, Johann Esaias Silberschlag und die Literatur im Allgemeinen.
Die apart-schnurrigen Exkurse sind durchaus unterhaltsam und so manches Mal gehen dem Wort=Metz die Pferde durch. So zum Beispiel, wenn er Noah als post-adamitischen (/sodomitischen) Auswanderer deklariert, der mit seiner Arche auf dem Mond landete; und für die Stichhaltigkeit der Posse noch Indizien anzuführen weiß.

Und für den raren Fall, dass einem Leser der Nebenhandlungen nicht genug sein sollten, gibt es noch die ausführliche Schilderung des Besuchs einer Schultheateraufführung, bei der der Weltuntergang nicht weniger dräut: Potz Komet & Landbevölkerung, in the days of the comet!

5. Aber mein'n tut er was!

Soweit einiges zum Inhalt. Formell stellt KAFF eine Weiterentwicklung der 50er Jahre Romane von Schmidt dar, in dem die Beschäftigung mit Joyce und Freud den Text schon deutlich prägen. Zunehmend weicht die (Ver)Schreibung von Duden ab und bildet unterbewusste Vorgänge ab. Zum Beispiel gibt es ein ganz wunderbares Beispiel für den "stream of (un)consciousness", wenn Karls Abebben der Gedankenflut beim Einschlafen dargestellt wird und der Text entschleunigt und fast schon entspannt daher kommt.

Karls Erzählungen dienen nicht nur Herthas Unterhaltung, sie sollen sie auch - so die Absicht Karls - manipulieren und durch das Erwähnen sexueller Themen williger/gefügiger machen: "Ruinierunk (des) Unter=Bewußtseins".
Die Anklangsnerven werden dann z.B. bei einer Wendeltreppen-Stelle folgendermaßen angegangen: "immer umm dehn Mittelschafft rumm" - im Schriftbild wird die Zweideutigkeit dank Schmidts Verschreibung - "Duden's nicht achtend" noch deutlicher und ach, was kommt da alles zum VorschWein...
Und Charles Befürchtung "das also das Nächsde, was mir im Traum ein=komm'm würde" ist zugleich Karls Hoffnung in Bezug auf Hertha.

Wortschöpfung finden sich natürlich en masse bei Schmidt, sehr einprägsam fand ich z.B. die "Annal-Gehsdick", und es findet sich auch die allerschnurrigste wunderbarste Katzen-Drohung in der deutschen Literaturgeschichte:
"Du wenn du nich artich bißd, geep ich Dich deem nächsdn durchreisendn Aßtronohm'm als Komeetn mit !"

Schmidts kauziger Humor soll hier durch ein paar Zitate belegt werden:

"10 Oxen + 1 Bauer = 12 Schtück Rinnt-Vieh: Mörike!"

"Zu Schnecken ohne Haus sagten wir : "Na; Schneck?"; zu solchen mit Haus: "Nun? Herr Schneck?" - wir hatten schon zu lange Mieter sein müssen, um, in dieser Beziehung noch irgend Rückgrat zu haben."

"krieg' ich etwa doch schon Hämorrhoiden?! - Gewiß, sie zieren den Gelehrten; aber würde es bei einem einfachen Lagerbuchhalter nicht gleich wieder heißen, er wolle über seinen Schtand hinaus?"

"Rumpf & Erinnerunk werden Einem leicht zur Last."

"(...) obwohl sie ungefähr ebensogern in Gesellschaft aß, wie sie in Gesellschaft das Gegenteil tat (...)"

"Op ich nach'm Tode 1 Ofen weer'? Mein "Licht" hat Niemandem geleuchtet; nur immer verbrannt."

"Und jedes Wort war so falsch wie ein fournierter Klodeckel."

"Sie sah mitleidich zu einer bleichen Wäsche hinüber, die nicht=geisterte : die Unterhosen hatten anscheinend zuviel mit der Winzbraut roll=me=over gemacht; jetz hingn se natürlich schlapp : Dripp; dripp ....."

"Sei nich so ve=krammft, Kint. : `Die Mode wexelt, der Druckknopf bleipt'."

"Wie habe ich nicht, schon länxt, auf solch günstije Gelegenheit gebrannt, mit Dir die Chieneesische Mettafüsiek zu wenntilieren. - Beim lebendijen GOtt dacht' ich's nicht : meine Ehrecktzjohn läßt nach ! Waahnwitzije."; fügte ich, erschöpft, hinzu..."

"Bei "Dichter" wird mir regelmäßig schlecht : wie ehrlich=arbeitsam ist dagegen "Schrift=Schteller". Man müßte noch weiter gehen, und ganz rüstich=derbe Ausdrücke für den fleißijen Literaturwerker einführen : "Wort=Metz" oderso;"

"...man konnte ja nie wissen; vielleicht wurde unser Geschpräch abgehört. Wir lebtn schließlich in 1 freien Lande."

"(...)Mann miß=traue allen "Wahrheitn"; die, um zu "wirken", in einer lang=wallenden Roobe geschprochn werdn müssn. Mann mache "die Proobe" darauf, indem mann sie in der Baade=Hoose wiederhohlt. Oder auf'm Klo."

"Erkenntnis : < Zumm Dierecktor muß man dämlich genuck sein! >"

" < Bonn > und < Neander=Thal > liegen verdammt dicht beisamm....."

6. Fazit

Karl Richter entspricht nicht mehr den tollwütig um sich beissenden Protagonisten der früheren Romane, den Helden, von denen man glaubt, sie könnten fast ein Abbild ihres Schöpfers sein. Er ist eine schwierige Figur, der etwas Tragisches anhaftet. Die Beziehung zu Hertha, so mein Eindruck, scheitert nicht alleine daran, dass Karl sich nicht auf einen gemeinsamen Hausstand einzustellen vermag, sondern sie scheitert an der nicht vorhandenen Kommunikation. Karl ist sich selbst genug, er kann endlos lange vor sich hin schwadronieren und hat kein Sensorium dafür, wie es Hertha mit seinen schon als mißbräuchlich zu bezeichnenden Verbalüberfällen gehen mag. Ein Element, dass der Leser schon aus Schwarze Spiegel" kennt: Karl braucht eigentlich keinen anderen Menschen, er wäre sich selbst genug. Aber seine Eitelkeit und Zwanghaftigkeit verzichtet nur ungern auf Zuhörer.
Etliche zwanghaft eingeschobene Mondpassagen der Erlebnisebene 2 bremsen den Erzählfluss und sind teilweise recht uninteressant. Dahinter könnte die Idee stecken, dass Karls mögliche feste Beziehung zu Hertha am Ende so dahinwelkt, wie es dem LG ergeht, das schlussendlich einfach im Sande verläuft, allenfalls mit der Feststellung: so vieles hätte noch gesagt werden können...

Auffällig fand ich noch die Verschiebung der früheren "Feindbilder" Schmidts. Während er in den Romanen und Erzählungen der 50er Jahre gegen Krieg, Militarismus, Wiederaufrüstung und Kirche wütete, schießt er in KAFF auf beiden Erlebnisebenen aus vollen Rohren gegen das Abstrakte in allen Erscheinungsformen, vor allem aber gegen die abstrakte moderne Kunst, während er seinen alten Hassgegnern fast schon entspannt=satirisch (für schmidtsche Verhältnisse jedenfalls) begegnen kann. Und natürlich wäre Schmidt nicht Schmidt, wenn er in seinem Furor nicht auch hier zu sehr gewagten Behauptungen käme:
"...verlassen sich drauf, daß Keiner als "unmodern" gelten möchte; und die Unsicheren sich zu blamieren fürchten. Die Katholen fördern die Richtung (=abstrakte Kunst) sogar : weil dadurch die "avantgardistische Kunst" in unbegreiflich=absurde Bayous abgeleitet wird, und Keiner sie mehr ernst nimmt - nicht ernst nehmen kann. Gefährlich ist ja nur Der, der gleichzeitig modern und verschtändlich ist : deswegen schweigt man ja so systematisch Leute wie Joyce tot (...) Ich hab übrijens neulich ooch gehört, die Kirche fördert die Abstrakten so, weil ma sich "kee Bildnis" machen soll."

An Eigenwilligkeiten ist in KAFF kein Mangel, und formell und sprachlich ragt es weit aus den anderen Publikationen seiner Zeit heraus. Ob man nun das erzählerische Scheitern der Erlebnisebene 2 analog zum Scheitern der Beziehung liest oder sich einfach darüber ärgert, darüber mag das Temperament des Lesers entscheiden. KAFF hat einige Längen, und ob unter dem Mantel des von Schmidt geforderten Realismus wirklich alles geschildert werden muss, egal wie handlungsarm es gerade zugeht, sei auch dahingestellt. Ja, ärgern darf man sich sehr wohl über das Buch. Und als Einstiegslektüre ins Schmidts Schaffen ist es nicht anzuraten.
Aber! Die Herausforderung, die die Lektüre darstellt, sollte der interessierte (oder meinetwegen ambitionierte) Leser annehmen. Denn wie reizen nicht all die Widersprüche zum selber denken an und wie oft muss man nicht - auch gegen den Willen - laut auflachen und die unglaubliche Sprachgewalt dieses Autors anerkennen. Und spannend, spannend ist dieses Formexperiment allemal.


Miss Don't Touch Me
Miss Don't Touch Me
von Hubert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,22

5.0 von 5 Sternen Fräulein Rühr-mich-nicht-an : Eine wunderbare Graphic Novel, 26. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Miss Don't Touch Me (Gebundene Ausgabe)
Warum hat mir "Fräulein Rühr-mich-nicht-an" nur so gut gefallen?
Wenn ich über den Inhalt nachdenke, fallen mir viele Kritikpunkte und Unzulänglichkeiten ein, und doch hat das Buch einen ungeheuren Charme, der es zum echten "page turner" macht.

Im Paris der 1930er Jahre werden mehrere junge Frauen ermordet am Ufer der Marne aufgefunden. Da sie zuvor Tanzveranstaltungen in den Vororten besucht hatten, geht das Gerücht vom "Butcher of the Dances" um. Doch dann wird Blanche, die jungfräuliche Heldin, Zeuge, wie im leerstehenden Haus nebenan eine Frauenleiche abgelegt wird. Sie berichtet ihrer Schwester davon, die daraufhin durch den verräterischen Mauerspalt hindurch erschossen wird. Blanche, mittel- und obdachlos will sich als Zimmermädchen verdingen, findet stattdessen aber Zuflucht in einem Pariser Luxusbordell, wo sie als "Miss Don't Touch Me" ihre Jungfräulichkeit als Domina erhalten kann. Und bald stellt sich heraus, dass die Morde des "Butchers" in einer Beziehung zum Etablissement stehen, in dem Blanche nun lebt und arbeitet.

Da kommt schon einiges an Zufall zusammen, und allzu kritisch darf man die Handlung nicht hinterfragen. Zwar werden die Eífersüchteleien und Spannungen der Prostituierten untereinander beschrieben, aber insgesamt hat die Handlung nichts Schmieriges oder grob Anstössiges - und das, obwohl es um Prostitution und S&M geht.
Um nun aber auf unsere kleine Heldin zurück zu kommen: sie wird nicht nur der Star des Bordells, deren Stern bald über der gesamten feinen Gesellschaft von Paris leuchtet, sie will auch den Mörder ihrer Schwester zur Strecke bringen und zeigt sich dabei erstaunlich willensstark und wenig zimperlich.
Den ganz besonderen Charme allerdings macht ihre kindliche Naivität aus, die in denkbar größtem Kontrast zu ihrem Arbeitsumfeld steht.

Die Kriminalhandlung ist nach den beiden ersten der vier Teile abgeschlossen und in der zweiten Hälfte geht es um den Wunsch vieler Nutten: Mr. Right zu finden ("Pretty Woman", man erinnere sich). Erst scheint es, dass Blanche riesigen Glück hat, aber auch hier läuft es keineswegs so, wie Blanche es sich wünscht. Ihre trunksüchtige sexbesessene Mutter und der Galan, der sich als homoerotisch entpuppt, machen ihr das Leben schwer.

Dass unsere tapfere Blanche dies alles in jeder Hinsicht unbeschadet übersteht, ist bemerkenswert. Eine Jugendlektüre ist die Graphic Novel deswegen trotzdem noch lange nicht.
Ein Zeit- & Sittengemälde, eine interessante Heroine und bestechende Artwork haben mich dazu gebracht, das Buch zu verschlingen, trotz der vielen kleinen Unzulänglichkeiten.


Graham Nolan's Monster Island
Graham Nolan's Monster Island
von Graham Nolan
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

3.0 von 5 Sternen Geheimnisvolle Insel, 22. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Graham Nolan's Monster Island (Taschenbuch)
Einmal mehr eine Geheimnisvolle=Insel=Story, die sich recht unterhaltsam liest, der es aber doch an Profil fehlt: etwas Spannung, etwas SF, etwas Humor, etwas Romantik; Nolan will es allen recht machen und erklärt im Nachwort, dass die Story familienfreundlich sein soll. Dieses Ziel hat er erreicht, nichts muss hier Anstoß erregen.
Die Schwarzweiß-Artwork ist ansprechend, obwohl mich ein wenig gestört hat, dass einige Panels sehr nach Grafiktablett aussehen.
Im Fazit eine so kurze wie kurzweilige Unterhaltung, die über "ganz nett" aber leider nicht hinaus reicht.


The Twilight Zone Volume 1
The Twilight Zone Volume 1
von J. Michael Straczynski
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,58

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen The Way Out, 21. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Twilight Zone Volume 1 (Taschenbuch)
Straczynski hat mit diesem ersten TWILIGHT ZONE-Paperback die Grundstimmung von Rod Serlings Kultserie eigentlich recht gut getroffen. Die Einschränkung hat zwei Gründe: subjektiv ist die TZ für mich nur in Schwarzweiß "gefühlsecht", außderdem war die Handlung vergleichsweise komplex und lang, während der Charme der frühen Fernsehfolgen gerade in der Kürze lag.
THE WAY OUT, so der Titel der vierteiligen Story, ist gut erzählte und paßt thematisch zu Serlings Geschichten. Es geht darum, niemand anders sein zu wollen, sondern das eigene Leben zu führen und das Beste daraus zu machen, auch wenn die Zeit und die Möglichkeiten begrenzt sind; eine Message, die heutzutage leicht angestaubt wirkt und zum Retro-Charakter des Titels paßt.
Trotz des konventionellen Inhalts gelingt es Straczynski, die Story so zu erzählen, dass ich bald in den Bann gezogen war und das Buch in einem Rutsch durchlesen musste, ein unbestreitbares Gütemerkmal.
Die Artwork von Vilanova ist passable und transportiert die Stimmung zuverlässig.
3,5 Sterne


Red Sonja
Red Sonja
von Gail Simone
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,33

5.0 von 5 Sternen Queen of Plagues, 19. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Red Sonja (Taschenbuch)
Gail Simone hat sich schon 1999 auf ihrer Website Women in Refrigerators damit beschäftigt, dass Frauen in Comics gedemütigt, gefesselt, erschossen oder ihrer (Super)Kräfte beraubt werden, damit die Herren Superhelden glänzen können. Als Autorin hat sie unter anderem in den Heftreihen Batgirl und Birds of Prey unter Beweis gestellt, dass es anders geht: kick-ass Heldinnen, die auf sich selbst aufpassen und erforderlichenfalls austeilen können.
Nun ist Red Sonja, die seit ihrem ersten Comic-Auftritt 1973 im sexy Chainmail-Bikini auftritt - welche Frau sonst braucht definitiv keinen Kleiderschrank?, ja noch nie Gefahr gelaufen, als hilfsbedürftige Damsel in Distress durch die Panels zu irren, so dass Gail Simone in diesem Punkt nicht viel nachzubessern brauchte.

Ein zweites Merkmal ihrer Heldinnen scheint mir aber, dass sie als Menschen dargestellt werden, mit Problemen und Anfechtungen, und vor allem einer gewissen Tiefgründigkeit (besonders im großartigen Batgirl-Run zu bewundern).
Red Sonja, würdige Vertreterin längst vergangeneer Zeiten, trennt mit ihrem Schwert nun eher Gliedmaßen und Köpfe ihrer Feinde vom Rumpf, als in Walther von der Vogelweidescher Manier nachdenklich auf einem Stein zu sitzen (aber der lebte ja auch schon in unserer Zeitrechnung). Hieran kann Gail Simone nicht rühren und tut es auch nicht, und doch bekommt Red Sonja unter ihrer Federführung eine menschliche Tiefe und Fallhöhe, die für die so trinkfeste wie schlagkräftige Barbarin ungewöhnlich ist.

Als Queen of Plagues zahlt sie dem Mann eine Schuld zurück, der ihr in ihrer schwärzesten Zeit die Würde zurück gegeben hat. Doch hierzu muss sie sich gegen Dark Annisia stellen, die für sie wie eine Schwester ist, seit die beiden als Gefangene in der Arena gemeinsam um ihr Leben kämpfen mussten.
Das ist auch pathetisch, aber Simone erzählt die Story so sehr spannend und dramatisch, gelegentlich mit einer Portion Humor abgeschmeckt, dass ich mich daran nicht gestört, sondern hervorragend unterhalten gefühlt habe. Sword & Sorcery ist eigentlich nichts für mich, aber diese Red Sonja ist wunderbar!

Dazu trägt auch die dynamische Artwork von Walter Geovani bei, die mir fantastisch gefallen hat. Seine Red Sonja hat den gewohnt hohen Ausschlag auf dem Babe-O-Meter und zahlreiche Splash-Pages und die Panelanordnungen tragen zur Spannung bei. Das Coloring fand ich auch sehr gelungen, weil Adriano Lucas die Stimmung nicht nur durch düstere Farben und viel Dunkelheit darstellt, sondern oft leuchtende Farben verwendet.

Als Bonusmaterial wurden dem TPB die Variant Cover und Gail Simones Skript für Heft 1 beigegeben.


Klassik Komix: Cosmic Capers
Klassik Komix: Cosmic Capers
von Mini Komix
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,93

1.0 von 5 Sternen Wer dieses Büchlein kauft, der lasse alle Hoffnung fahren, 19. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Klassik Komix: Cosmic Capers (Taschenbuch)
(Der Band enthält die Stories The Man from the Moon, Dimension IV, Deaths Pool, Encounter, zwei Abenteuer von Skyrocket Steele und die Story Star Pirate. Die nachfolgende Review beschäftigt sich allerdings ausschließlich mit dem Produkt Buch, nicht mit den ehrwürdigen Comicabenteuern)

Als Fan der Golden Age Comics ist man ja ständig auf der Suche nach Schätzen, surft durch's WWW, kehrt in die einschlägigen Foren ein und verbringt Sonntagnachmittage bei ebay, Amazon & co.
Und wie riesig dann die Freude, wenn man auf eine ganze Reprint-Reihe stößt, die man noch gar nicht auf dem Radar hatte. So ging es mir neulich mit der Reihe „Klassik Komix“, die von Create Space Publishing veröffentlicht wird, was bedeutet, dass sie von Amazon gedruckt wird.
„Now in glorious extra color“ prangt es von den Umschlagbildern der von mir erworbenen Ausgaben COSMIC CAPERS und STRANGE STUFF – nur leider sehen die Heftseiten so aus wie weiland die Druckergebnisse bei mir zuhause, als mein uralter Billigdrucker nicht mehr genug Farbe hatte: verwaschen und unscharf (hat nicht mal ein Waschmittelhersteller mit dem Erhalt kräftiger Farben geworben? Vielleicht sollte ich mal ein wenig von diesem Wundermittel auf die Heftseiten träufeln).
Weil ich bei der Bestellung vor Glück schier ohnmächtig zu werden drohte, als ich die dünnen Heftchen bei Amazon im Angebot sah, habe ich leichtfertiger Weise auch gleich noch HEAVENLY HEROINES mitbestellt, einen Schwarzweiß-Band, der ursprünglich in Farbe gedruckte Comicabenteuer nachdruckt. Auch hier ist die Qualität des Drucks beklagenswert, aber wenigstens hofft der Käufer nicht auf gloriöse Farben.
Dieses ist also die erste Feststellung: Gemessen am Kaufpreis hätte ich hinsichtlich der Druckqualität deutlich mehr erwartet, Freude kommt hier nicht auf!
Nun unterstellen wir Herrn Alford, dem Herausgeber von Mini –Comix (so nennt sich das Geschäftsunterfangen im Internet) einmal, dass er Abstriche in der Qualität in Kauf nimmt, aber doch aus Liebe zum Comic die Reprints auf den Markt bringt. Ist diese Unterstellung haltbar?
Antwort: Nein, leider überhaupt nicht. Liebe zum Comic sieht anders aus. Sofern Autor und Künstler nicht weitsichtig genug waren, vor vielen Jahrzehnten ihre Namen in eines der Panels einzubringen, hält auch Mr. Alford es nicht für nötig, sie zu nennen. Und wem die Schöpfer eines Comics gleichgültig sind, von dem erwarte man doch bitte auch nicht, dass er die Quellen nennt, aus denen er das Material gewonnen hat.
Was bleibt ist also eine recht willkürliche Zusammenstellung einiger Abenteuer in schlechter Qualität und ohne Nachweis über die Erstdrucke, geschweige denn überhaupt irgendwelcher Quellenangaben.
Dürfen wir denn wenigstens hoffen, dass all diese Mängel durch ein einleitendes Vorwort oder ein Nachwort gemindert werden, durch einen klitzekleinen Hinweis darauf, dass die Stories dem Herausgeber irgendetwas bedeuten, und wenn es auch noch so wenig ist? Wollen Sie darauf wirklich eine Antwort? ( Und falls sie wider Erwarten doch nicken: die Antwortet lautet „natürlich nicht“)
Offenbar ist das Geschäft mit Reprints lukrativ genug, wenn man konsequent den Rahm abschöpft, Material mit abgelaufenem Urheberschutz verbreitet und sich keinen Deut um Qualität schert. Im direkten Vergleich dazu ist Herstellung und Vertrieb z.B. von niedrigpreisigen Partyhütchen ein aufwändiges, verantwortungsvolles Gewerbe, das vollsten Einsatz fordert.


Klassik Komix: Strange Stuff
Klassik Komix: Strange Stuff
von Mini Komix
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,93

1.0 von 5 Sternen Wer dieses Büchlein kauft, der lasse alle Hoffnung fahren, 19. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Klassik Komix: Strange Stuff (Taschenbuch)
(Der Band enthält Abenteuer von Dragonella und Doctor Graves sowie die Stories Vampire with a Whip, Monster Hunters, Hoax, The Sea und Mirro, Mirror on the Wall. Die nachfolgende Review beschäftigt sich allerdings ausschließlich mit dem Produkt Buch, nicht mit den ehrwürdigen Comicabenteuern)

Als Fan der Golden Age Comics ist man ja ständig auf der Suche nach Schätzen, surft durch's WWW, kehrt in die einschlägigen Foren ein und verbringt Sonntagnachmittage bei ebay, Amazon & co.
Und wie riesig dann die Freude, wenn man auf eine ganze Reprint-Reihe stößt, die man noch gar nicht auf dem Radar hatte. So ging es mir neulich mit der Reihe „Klassik Komix“, die von Create Space Publishing veröffentlicht wird, was bedeutet, dass sie von Amazon gedruckt wird.
„Now in glorious extra color“ prangt es von den Umschlagbildern der von mir erworbenen Ausgaben COSMIC CAPERS und STRANGE STUFF – nur leider sehen die Heftseiten so aus wie weiland die Druckergebnisse bei mir zuhause, als mein uralter Billigdrucker nicht mehr genug Farbe hatte: verwaschen und unscharf (hat nicht mal ein Waschmittelhersteller mit dem Erhalt kräftiger Farben geworben? Vielleicht sollte ich mal ein wenig von diesem Wundermittel auf die Heftseiten träufeln).
Weil ich bei der Bestellung vor Glück schier ohnmächtig zu werden drohte, als ich die dünnen Heftchen bei Amazon im Angebot sah, habe ich leichtfertiger Weise auch gleich noch HEAVENLY HEROINES mitbestellt, einen Schwarzweiß-Band, der ursprünglich in Farbe gedruckte Comicabenteuer nachdruckt. Auch hier ist die Qualität des Drucks beklagenswert, aber wenigstens hofft der Käufer nicht auf gloriöse Farben.
Dieses ist also die erste Feststellung: Gemessen am Kaufpreis hätte ich hinsichtlich der Druckqualität deutlich mehr erwartet, Freude kommt hier nicht auf!
Nun unterstellen wir Herrn Alford, dem Herausgeber von Mini –Comix (so nennt sich das Geschäftsunterfangen im Internet) einmal, dass er Abstriche in der Qualität in Kauf nimmt, aber doch aus Liebe zum Comic die Reprints auf den Markt bringt. Ist diese Unterstellung haltbar?
Antwort: Nein, leider überhaupt nicht. Liebe zum Comic sieht anders aus. Sofern Autor und Künstler nicht weitsichtig genug waren, vor vielen Jahrzehnten ihre Namen in eines der Panels einzubringen, hält auch Mr. Alford es nicht für nötig, sie zu nennen. Und wem die Schöpfer eines Comics gleichgültig sind, von dem erwarte man doch bitte auch nicht, dass er die Quellen nennt, aus denen er das Material gewonnen hat.
Was bleibt ist also eine recht willkürliche Zusammenstellung einiger Abenteuer in schlechter Qualität und ohne Nachweis über die Erstdrucke, geschweige denn überhaupt irgendwelcher Quellenangaben.
Dürfen wir denn wenigstens hoffen, dass all diese Mängel durch ein einleitendes Vorwort oder ein Nachwort gemindert werden, durch einen klitzekleinen Hinweis darauf, dass die Stories dem Herausgeber irgendetwas bedeuten, und wenn es auch noch so wenig ist? Wollen Sie darauf wirklich eine Antwort? ( Und falls sie wider Erwarten doch nicken: die Antwortet lautet „natürlich nicht“)
Offenbar ist das Geschäft mit Reprints lukrativ genug, wenn man konsequent den Rahm abschöpft, Material mit abgelaufenem Urheberschutz verbreitet und sich keinen Deut um Qualität schert. Im direkten Vergleich dazu ist Herstellung und Vertrieb z.B. von niedrigpreisigen Partyhütchen ein aufwändiges, verantwortungsvolles Gewerbe, das vollsten Einsatz fordert.


Klassik Komix: Heavenly Heroines
Klassik Komix: Heavenly Heroines
von Mini Komix
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,95

2.0 von 5 Sternen Wer dieses Büchlein kauft, der lasse alle Hoffnung fahren, 19. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
(Der Band enthält Abenteuer von Phantom Lady, Yankee Girl, Mysta of the Moon und Kitty Kelly. Die nachfolgende Review beschäftigt sich allerdings ausschließlich mit dem Produkt Buch, nicht mit den ehrwürdigen Comicabenteuern)

Als Fan der Golden Age Comics ist man ja ständig auf der Suche nach Schätzen, surft durch's WWW, kehrt in die einschlägigen Foren ein und verbringt Sonntagnachmittage bei ebay, Amazon & co.
Und wie riesig dann die Freude, wenn man auf eine ganze Reprint-Reihe stößt, die man noch gar nicht auf dem Radar hatte. So ging es mir neulich mit der Reihe Klassik Komix", die von Create Space Publishing veröffentlicht wird, was bedeutet, dass sie von Amazon gedruckt wird.
Now in glorious extra color" prangt es von den Umschlagbildern der von mir erworbenen Ausgaben COSMIC CAPERS und STRANGE STUFF - nur leider sehen die Heftseiten so aus wie weiland die Druckergebnisse bei mir zuhause, als mein uralter Billigdrucker nicht mehr genug Farbe hatte: verwaschen und unscharf (hat nicht mal ein Waschmittelhersteller mit dem Erhalt kräftiger Farben geworben? Vielleicht sollte ich mal ein wenig von diesem Wundermittel auf die Heftseiten träufeln).
Weil ich bei der Bestellung vor Glück schier ohnmächtig zu werden drohte, als ich die dünnen Heftchen bei Amazon im Angebot sah, habe ich leichtfertiger Weise auch gleich noch HEAVENLY HEROINES mitbestellt, einen Schwarzweiß-Band, der ursprünglich in Farbe gedruckte Comicabenteuer nachdruckt. Auch hier ist die Qualität des Drucks beklagenswert, aber wenigstens hofft der Käufer nicht auf gloriöse Farben.
Dieses ist also die erste Feststellung: Gemessen am Kaufpreis hätte ich hinsichtlich der Druckqualität deutlich mehr erwartet, Freude kommt hier nicht auf!
Nun unterstellen wir Herrn Alford, dem Herausgeber von Mini -Comix (so nennt sich das Geschäftsunterfangen im Internet) einmal, dass er Abstriche in der Qualität in Kauf nimmt, aber doch aus Liebe zum Comic die Reprints auf den Markt bringt. Ist diese Unterstellung haltbar?
Antwort: Nein, leider überhaupt nicht. Liebe zum Comic sieht anders aus. Sofern Autor und Künstler nicht weitsichtig genug waren, vor vielen Jahrzehnten ihre Namen in eines der Panels einzubringen, hält auch Mr. Alford es nicht für nötig, sie zu nennen. Und wem die Schöpfer eines Comics gleichgültig sind, von dem erwarte man doch bitte auch nicht, dass er die Quellen nennt, aus denen er das Material gewonnen hat.
Was bleibt ist also eine recht willkürliche Zusammenstellung einiger Abenteuer in schlechter Qualität und ohne Nachweis über die Erstdrucke, geschweige denn überhaupt irgendwelcher Quellenangaben.
Dürfen wir denn wenigstens hoffen, dass all diese Mängel durch ein einleitendes Vorwort oder ein Nachwort gemindert werden, durch einen klitzekleinen Hinweis darauf, dass die Stories dem Herausgeber irgendetwas bedeuten, und wenn es auch noch so wenig ist? Wollen Sie darauf wirklich eine Antwort? ( Und falls sie wider Erwarten doch nicken: die Antwortet lautet natürlich nicht")
Offenbar ist das Geschäft mit Reprints lukrativ genug, wenn man konsequent den Rahm abschöpft, Material mit abgelaufenem Urheberschutz verbreitet und sich keinen Deut um Qualität schert. Im direkten Vergleich dazu ist Herstellung und Vertrieb z.B. von niedrigpreisigen Partyhütchen ein aufwändiges, verantwortungsvolles Gewerbe, das vollsten Einsatz fordert.


X-Men: Frauen auf der Flucht, Band 3: X-Men by Milo Manara
X-Men: Frauen auf der Flucht, Band 3: X-Men by Milo Manara
von Milo Manara
  Gebundene Ausgabe

2.0 von 5 Sternen Manara und Superhelden: das passt nicht zusammen, 17. Januar 2015
Manara-stereotype (Se)X-Ladies, die wie Barbies durch die Superheldenwelt stöckeln/stolpern: Danke, aber nein! Ich will nicht behaupten, dass das Cover grenzdebil wirkt, möchte den Begriff aber zur Wahrheitsfindung zumindest angeboten haben. Andererseits kann ich aber sogar Entwarnung geben, denn das Cover ist nicht schlimmer als der Inhalt.
Für die Story zeichnet X-Men-Veteran Claremont verantwortlich, darauf hatte Manara keinen Einfluss. Aber das Superheldengenre ist ganz einfach nicht Manaras, es fehlt seinen Zeichnungen an der notwendigen Dynamik, stattdessen fizzelige Landschaftsdetails und die immer wieder gleichen aufreizenden Körper und Gesichtsausdrücke der Damen, die immer nur an das gleiche und ewige Das Eine" denken lassen. Ich entleihe mir einmal ganz frech den Begriff einer Rezensentin, die vom the cock goes where?-Gesicht" sprach, weil nicht einmal Textor es treffender hätte formulieren können. Oh, und ich habe ein neues Wort von Arno Schmidt übernommen, das will & werde ich jetzt hier gewinnbringend einsetzen: Figuren, reich an Anal-Gestik"!
Manaras X-Women sind ein feuchter Traum für Teenager (und mögen deren Begehrlichkeiten wecken - obwohl, aufreizende/re Bildchen sind im WWW für umsonst zu haben), mehr aber in diesem Comic leider auch nicht.


Ultimate Spider-Man Omnibus - Volume 1 (Marvel Omnibus)
Ultimate Spider-Man Omnibus - Volume 1 (Marvel Omnibus)
von Brian Michael Bendis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 96,73

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Neustart mit Hand und Fuß, gut erzählt und mit toller Artwork, 16. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dittkos Spider-Man hat meine kindliche Vorstellung von Superhelden-Comics geprägt, und als jüngst Doc Ock als Spidey auftrat, musste ich schon einiges an Toleranz aufbringen, um die Idee nicht rundheraus als absurd abzutun. Entsprechend stellte sich mir als erstes die Frage, ob ich den Ultimate Spider-Man wirklich lesen wolle. Bekanntlich hat Marvel diese Reihe ja gestartet, um die Stories der alten Haudegen zu modernisieren und für ein heutiges, nicht mehr ganz so kindlich/kindisches Publikum zugänglich zu machen; und dann vor allem auch, um die Umsatzzahlen in einer schwierigen Phase zu stabilisieren, wenn nicht gar zu steigern.
Letztendlich war es Bendis' Name, der mich zu diesem Omnibus greifen ließ, und ich habe es nicht bereut.
Nachdem sich über vier Jahrzehnte gezeigt hatte, in welche Richtung die Reise gehen würde, konnte Bendis Peter Parkers Geschichte zielgerichtet-gestrafft neu erzählen, Sackgassen und Redundanzen vermeiden und die Verzahnungen zum modernen Marveluniversum vorbereiten.
Der Kalte Krieg, Vietnam und Kommunismusangst wurden getilgt, ebenso anderen Anklänge, die zu sehr den 60ern verhaftet waren.
Bei aller Modernisierung hat Bendis an Peter Parkers Charakter festgehalten, der der unsichere Highschool-Schüler bleibt und mindestens soviel mit seinem Privatleben zu kämpfen hat wie als Spider-Man mit den Bösewichten; Ein sympathischer, tragischer Teenager, mit dem sich auch heute noch junge Menschen identifizieren können. Die Schule und die Bullies haben sich natürlich verändert, aber die Stimmungslage ist weitestgehend dieselbe geblieben. MJ und Gwen haben ihre Rollen tauschen müssen und die Kämpfe mit den albernsten Superschurken bleiben Spidey erspart (eine meiner Lieblingsszenen ist die, als Spidey mal wieder viel zu spät auftaucht um einen Superschurken zu stoppen und Iron Man den schon längst verarztet hat).
Ansonstenn findet sich alles wieder: Humor, Tragik, auch eine Portion Pathos, und natürlich Spannung. Vor allem ist Spidey immer der menschlichste aller Superhelden gewesen, und genau das bleibt er bei Bendis glücklicher Weise auch.
Mark Bagleys Zeichnungen gehen ein klein wenig ins cartoonhafte, aber gerade auf diese Weise gelingt es ihm großartig, Emotionen in die Gesichter unserer Helden zu zaubern. Und überhaupt ist seine Seiteneinteilung überzeugend und hat einen eigenen Erzählrhythmus, mal langsam, wenn es um wichtige Dialoge geht, dann wieder schnell und ineinandergreifend, wenn hurtige Action ansteht. Das Coloring fand ich ebenfalls sehr gelungen, was bei einem SW-Fan einiges heißen will. Einzig die Cover haben mir überhaupt nicht gefallen. Sie vermitteln so rein gar nichts vom Charme, den die Artwork im Heftinneren hat.


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