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Rezensionen verfasst von
Michael Collin
(REAL NAME)   

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The Squirrel Machine
The Squirrel Machine
von Gary Groth
  Taschenbuch
Preis: EUR 23,43

4.0 von 5 Sternen "Morgen, I want you to promise me that you'll keep away from the Torpor boys! The mean nothing but trouble!", 26. November 2014
Rezension bezieht sich auf: The Squirrel Machine (Taschenbuch)
THE SQUIRREL MACHINE erzählt in schwarzweiß Bildern die Geschichte der Brüder Edmund und William Torpor, die im New England des 19. Jahrhunderts wundersame wissenschaftliche Forschungsprojekte betreiben und technisch modifizierte Tierkadaver als Musikinstrumente einsetzen.
Die Bilder sind beunruhigend, die Geschichte ein phantasmagorischer Fiebertraum, den Guy Maddin oder David Lynch auf der Leinwand träumen könnten, und neben der Phantastik (die Steampunk-Elemente enthält) haben auch Ekel und Sexualität ihren Raum. Eine Faszination des Grauens, die mich als Leser kräftig durchgeschüttelt hat, mal mit holzschnittartigen, sehr übersichtlichen Panels, mal mit Wimmelbildern, die man sich lange anschauen kann, ohne sie zu druchdringen.
Und es liegt wohl auch gar nicht in der Absicht von Hans Rickheit (*1973), dass der Leser THE SQUIRREL MACHINE liest, versteht und zufrieden beiseite packt. Das Buch ist verstörend und wird den Leser, wenn er kein dickes Fell hat, in eben diesem Zustand zurück lassen.


Grübelei im Rinnstein: Ausgewählte Gedichte
Grübelei im Rinnstein: Ausgewählte Gedichte
von Charles Simic
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

5.0 von 5 Sternen Poetisches "Studium der Geschichte", 22. November 2014
Die GRÜBELEI ist eine Zusammenstellung von Gedichten aus mehreren Gedichtbänden Simics. Simic wurde 1938 in Belgrad geboren und kam mit 16 Jahren nach Amerika, wo er an der Universität von New Hampshire unterrichtet hat.
In den Gedichten thematisiert er zumeist das aufkommende Unglück des 20. Jahrhunderts, jedoch ist seine Betroffenheit poetisch "verdichtet", eine Symbiose von persönlichen, genauen Beobachtungen (von denen ich mich oft frage, ob es eher Abbildung der Realtität oder Metaphern sind) und den Reflektionen eines "melancholischen Eulenspiegels", wie es im Klappentext heißt.

Gedichtbände zu rezensieren finde ich sehr schwierig, darum sollen zwei Gedichte für sich selbst sprechen:

Fürchterliches Spielzeug

Die Geschichte probiert ihre Schere
im Dunkeln aus, so
das am Ende allem und jedem
ein Arm fehlt oder ein Bein.

Naja, wenn kein anderes Spielzeug
zur Hand ist ... Immerhin,
diese Puppe hatte einst einen Kopf,
und ihre Lippen waren rot!

Holzhäuser wie Stücke aus einem bösen Museum
links und rechts der leeren Straßen.
Ein kleines Mädchen saß auf den Stufen
in einem geblümten Nachthemd und unterhielt sich mit ihr.

Die Sache sah ernst aus,
sogar der Regen wollte Genaueres wissen.
Er fiel auf ihre Wimpern
und fiel, bis sie glänzten.

Gebet

Der du nur den gegenwärtigen Augenblick kennst,
o Herr,
der du dich an nichts erinnern kannst,
was vorher war,
der du die Schönheit bewunderst
eines totes Kindes
und der Liebenden, die sich in einem Feld
von gelben Blumen umarmen.

Du interessierst dich gleichermaßen
für das Schachspiel
und für die Risse in der Mauer des Armenhauses,
und beides ist dir gleich unbegreiflich.
Du, der du weißt, wie dem Tiger zumute ist
oder der Maus im Augenblick der Gefahr,
doch von meinem Kummer,
meiner Einsamkeit und davon,
daß du mich endlos erschreckst, weißt du nichts.


Doch mich verschlang das wild're Meer. Der Lebensroman des dämonischen Branwell Bronte.
Doch mich verschlang das wild're Meer. Der Lebensroman des dämonischen Branwell Bronte.
von Daphne DuMaurier
  Broschiert

3.0 von 5 Sternen Branwell Bronte, 17. November 2014
Das Geschwister-Thema ist für Daphne du Maurier von besonderer Bedeutung (siehe THE PARASITES), so dass es nicht allzu sehr verwundert, dass sie sich - meines Wissens als eine der ersten Biografen - Branwells Leben monografisch annimmt.
Doch ist die Gattungsbezeichnung "Lebensroman" ernst zu nehmen und wenig beleuchtet du Maurier die sozialen Hintergründe und die Ursachen der hohen Sterberate bei Kindern.
Mit heutigen biografischen Standards kann das Buch nicht konkurrieren, und zumindest in der deutschen Übersetzung klingt die Sprache sehr umständlich.


Die Parasiten
Die Parasiten
von Daphne Du Maurier
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Das Leben ist zu gewinnen oder zu verlieren (Paul Nizon), 16. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Parasiten (Broschiert)
1. Dahphne du Maurier lesen?

Ich muss mit einem Geständnis beginnen: ich habe diese Autorin unterschätzt. Sie hat die Vorlagen für Hitchcocks DIE VÖGEL, JAMAICA INN und REBECCA geschrieben, und auch die Erzählung WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, die 1973 Vorlage zu einem erfolgreichen Film wurde. Es scheint, als sollte man sich ihrer, wenn überhaupt, vorzugsweise erinnern als Autorin von Romanen und Erzählungen, die durch großartige Verfilmungen bekannt wurden. Und eben das hieße, Daphne du Maurier zu unterschätzen, denn neben romantischen und schauerromantischen Elementen, die in den Filmen ausgeschlachtet wurden, hat sie als Erzählerin sehr viel zeitbezogenere und modernere Anliegen. Die Schrecken des zweiten Weltkriegs und die Rolle der Frau in der Nachkriegsgesellschaft, die nicht mehr dieselbe sein kann, sind zwei Themen, die dem Leser häufiger bei ihr begegnen. Dabei erzählt du Maurier herrlich unpathetisch und, im Gegensatz zu manchen Damen und Herren Autoren deutscher Nachkriegsliteratur, ohne Larmoyanz und (Pseudo)Betroffenheit. Und auch formell ist sie immer wieder für eine Überraschung gut. Wieviele Romane gibt es, deren Hauptfigur keinen Namen haben? Wieviele Romane, in denen nicht klar ist, wer der Erzähler ist? Sicherlich sind dieses keine Eigenschaften, die der Leser von Trivialliteratur erwarten würde.
Dahphne du Maurier lesen? - - - Allerdings!

2. THE PARASITES

...ist kein ganz einfach zu lesender Roman, inhaltlich nicht, und auch formell durchaus gewagt.
Die Geschwister Maria, Niall und Celia Delany werden eines Nachmittags von Marias Ehemann als Parasiten beschimpft. "I wonder what Charles really meant when he called us parasites" lautet die Frage, die dazu führt, dass sie sich gemeinsam ihrer Kindheit und Jugend erinnern und Gewissenserforschung betreiben. Doch wer der drei erzählt eigentlich welche Passagen, und wie ist ein kollektives "Wir" als Erzählerstimme vorstellbar? Der Leser bekommt es zwar nicht mit waschechten "inneren Monologen" zu tun, aber gelegentlich habe ich schon an Virginia Woolf denken müssen.

Erzählt wird in Schnappschüssen, zum Beispiel von Premierenfeiern oder dem Antrittsbesuch der Delanys bei den Schwiegereltern. Vieles an dieser Künstlerfamilie wirkt komisch und skurril, eine sehr exzentrische Familie, mit der man nachsichtig ist, denn schließlich waren schon die Eltern große Künstler, und ihre drei Kinder sind ebenfalls begabt. Woran aber liegt es, dass sie nichts aus ihrem Leben zu machen vermögen?

Das Leben ist zu gewinnen oder zu verlieren, hat Paul Nizon festgestellt. Wie schwer der Lebensgewinn fällt, zeigen die Lebensläufe dieser Künstlerfamilie. Antriebslosigkeit, Egoismus und Vermeidung sind schlechte Erfolgsrezepte, und der Künstler scheitert an ihnen wie jeder andere Mensch auch.

Die Erzählstimmung im Buch ist starken Wandlungen unterworfen, und wenn zu Beginn Humor und Heiterkeit breiten Raum haben, wird der Text zum Ende hin düsterer und fatalistischer und verliert seine anfängliche Unbeschwertheit.

Interessant ist an den PARASITES nicht nur, was erzählt wird, sondern vor allem auch, was nicht erzählt wird. Zuverlässige Chronisten finden sich in der Familie nicht, und der Alkoholismus des Vaters, den Niall vermutlich zusammen mit einer schon skandalösen Lebensuntüchtigkeit geerbt hat, sind verdrängte Themen, genau wie die unergründlich intensive Beziehung zwischen Niall und seiner Schwester Maria, die unfähig ist, anderen Menschen gegenüber auch nur das kleinste Bißchen an Empathie aufzubringen und die selbst den eigenen Kindern eine Fremde bleibt.

THE PARASITES bietet keine Gebrauchsanweisung fürs Leben, ist weder Drama noch Farce, sondern zeigt wechselnde Momente des Lebens, mal voller Kindheitsglück, mal solche des Scheiterns.
Der Roman entzieht sich durch Vielschichtigkeit einfachen Deutungsmustern und ich vermute, dass Daphne du Maurier sich hier Fragen ihres eigenen Lebens gestellt hat.

Ist THE PARASITES ein großer, ein moderner Roman?
Ich weiß es nicht. Modern ist die erzählerische Zerrissenheit, die hoffentlich beabsichtigt war. Ist der Roman gelungen? Ich weiche aus und sage, ich habe ihn gerne gelesen.
Erst nach einem Wiederlesen würde ich mir ein fundierteres Urteil zutrauen. Die Delany-Geschwister sind keine Sympathieträger, und wer liebenswerte Protagonisten erwartet, wird mit dem Buch nicht glücklich.
"The magic was elusive. You could never touch it. It escaped you always" befindet Niall, und ähnlich schwer tue ich mich damit, den Reiz des Buches in Worte zu fassen.
Drei verlorene Leben: Flucht in die Kunst (Maria), Flucht vor der Kunst (Celia) und Flucht vor dėm Leben (Niall) und im verborgenen Zentrum eine unmögliche Liebe - gewiß keine einfache Lektüre. Aber gelohnt hat sie sich für mich allemal.


Die Daphne du Maurier Box
Die Daphne du Maurier Box
Wird angeboten von Audible GmbH

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut vorgelesen werden hier vier Klassiker der großen Dame der englischen Gothic-Stories, 12. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Daphne du Maurier Box (Hörbuch-Download)
1. Die Vögel

Ist es der Temperatursturz oder der Wechsel der Windrichtung? Eine Erklärung dafür, dass sich unterschiedlichste Vogelarten, angefangen von den niedlichen Singvögeln bis hin zum Seeraben, plötzlich gegen den Menschen zusammenschließen und durch ihre zahlenmässige Überlegenheit selbst eine Metropole wie London im Sturm nehmen, gibt es nicht.

Nat Hocken ist einer der ersten, der die Gefahr erkennt und verschanzt sich mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in seinem Farmhaus. Doch wie lange kann der Belagerung stand gehalten werden, von welcher Seite ist Hilfe zu erwarten?

Du Mauriers THE BIRDS (1952) ist einer der Ahnherren des Tier-Horrors, der sich ab den fünfziger Jahren wachsender Beliebtheit erfreute.
In mehr als einem Punkt hat sich Guy N. Smith mit seiner Crabs-Serie an die Novelle angelehnt; so greifen auch die Vögel in Abhängigkeit von den Gezeiten die Menschen an und Militär und Regierung sind unfähig, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen (warum die Vögel nun aber gerade im Dunkeln angreifen sollten, hat sich mir trotz allem nicht erschlossen und ist nur als dramatisches Mittel zu verstehen).
Was THE BIRDS auch heute noch hören- und lesenswert macht ist aus meiner Sicht die klaustrophobisch apokalyptische Grundstimmung, die mit großer Eindringlichkeit transportiert wird.

Du Maurier beschreibt das Szenario auch mit Begriffen aus der Kriegsführung und so entstanden beim englischen Leser der frühen 50er Jahre sicherlich Reminiszenzen an die Traumata der englischen Landbevölkerung durch Fliegerangriffe im zweiten Weltkrieg. Ist vielleicht sogar der Krieg schuld an der Aggression der Vögel? Und sind diese ihrerseits nur Sinnbilder des Kalten Krieges? Gerade weil Du Maurier keine Erklärungen liefert, ist THE BIRDS eine so spannende wie geheimnisvolle Geschichte, die literarisch anspruchsvoller als die üblichen Horrorgeschichtlein daher kommt.

Fast jeder dürfte Hitchcocks Verfilmung kennen, die sich an die Novelle anlehnt. Interessant ist, welche Änderungen der Meister des Suspense vornahm, damit aus der ungewöhnlichen Story ein Hollywoodstreifen werden konnte, der Kultstatus genießt.

Wo Du Mauriers Geschichte schlicht und trostlos wie die Landschaft daher kommt, in der die Handlung ansiedelt ist, reichert Hitchcock das Menü fleißig mit Romantik, Humor und Heldenmut an; und das offene Ende muss einem neuen Morgen weichen, der Anlaß zur Hoffnung gibt.

Fazit: Unbedingt lesen, es lohnt sich! Den Film zu kennen ist keine Entschuldigung dafür, das Buch links liegen zu lassen. Und alle, die sich als Kind unter Tischen eine Höhle eingerichtet und sich dort versteckt haben, müssen THE BIRDS sowieso lesen.

2. Wenn die Gondeln Trauer tragen

Daphne du Mauriers vielschichtige Erzählung „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (OT: Don't look now) zählt für mich zu den herausragenden Horrorgeschichten, sie ist hervorragend konzipiert und lässt mir Schauder über den Rücken laufen, wie es eine gute Gothic-Story tun sollte. Wie bei den „Vögeln“ gilt auch hier: wer die Verfilmung kennt, sollte trotzdem unbedingt die literarische Vorlage lesen, es lohnt sich ganz gewiss. Daphne du Mauriers Erzählungen sind moderne Klassiker, die spannend sind und Gänsehaut garantieren, zugleich aber beherrscht die Autorin die Kunst, vieles offen und in der Schwebe zu lassen, wie es Henry James mit „The Turn of the Screw“ vorgemacht hat. Der Reiz der Geschichten wird hierdurch beträchtlich erhöht.

Zur Verfilmung von 1974: Buchvorlagen können niemals 1:1 ins Medium Film umgesetzt werden, und auch hier wurden etliche Anpassungen vorgenommen. An die Stelle literarischer Motivketten treten im Film bestimmte Bilder und Farben, die von Anfang an auftauchen und nichts Gutes verheißen. Diese Bilder ziehen sich bis zum furchtbaren Finale durch den Film und begleiten den Zuschauer wie ein böses Omen. Ich finde die filmische Umsetzung gerade wegen ihrer Abweichung vom Buch sehr geglückt, weil die Farbe Rot und die Bilder eines dem Untergang geweihten Venedigs ein hoffnungsloses, verwirrendes Setting schaffen. Dazu immer wieder das Motiv des Wassers, das ja bekanntlich das Unterbewusste symbolisiert, und das die Kamera zwar sehr massiv, aber trotzdem wirksam einsetzt. Eine gelungene Ergänzung oder, wenn man es so nennen will, eine Variante zur Buchvorlage.

Donald Sutherland ist ein ganz besonderer Schauspieler, der anspruchsvollen Rollen gerecht wird, aber auch im Paranoia-Kino brilliert. Diese Bandbreite kann er im Film voll zum Einsatz bringen, mal nuanciert, mal wie ein Keulenschlag. An seiner Seite Julie Christy, die weit mehr als nur Eye-Candy ist, aber in der Rolle der traumatisierten Mutter manchmal etwas farblos bleibt.

Im Fazit ein unbedingt sehenswerter Klassiker, der der üblichen Genrekost weit überlegen ist und auch ohne Schockeffekte eine gestörte Nachtruhe verspricht.
Und natürlich Hut ab vor einer gelungenen Literaturverfilmung, die im notwendigen Maße sich von der Vorlage emanzipiert und dieser gerade deswegen in weiten Teilen gerecht wird.

3. "Plötzlich an jenem Abend" und "Träume erst wenn es dunkel ist"

Auch diese Geschichten haben mich sehr fasziniert. In ihnen rückt jeweils das Leben einer Frau in den Fokus, die von der Welt der Männer traumatisiert und im Stich gelassen ist. Während in "Träume erst" eine bettlägerige Frau abhängig von ihrem nichtsnutzigen Ehemann ist, der noch den letzten Groschen für Wetten und Glücksspiel in der Kneipe durchbringt, während sie schwer krank in der ungeheizten Stube den mietgierigen Vermieter beschwichtigen muss, ist in "Plötzlich an jenem Abend" die Protagonistin vom Krieg derart geschädigt und verbittert, dass sie englische Flugzeugpiloten ersticht, weil (deutsche) Piloten ihr Elternhaus bombardiert und ihre Familie getötet haben. Pilot ist Pilot, so die unabweisliche Logik des Kriegsgeschädigten. Dieses Trauma gewinnt noch an Intensität, weil die Geschichte von einem sehr arglosen Ex-Soldaten erzählt wird, der sich in die junge Frau verliebt hat und noch ganz dem herkömmlichen Klischee einer Mann-Frau-Beziehung von vor dem Krieg verhaftet ist. Seine Pseudo-Aufgeschlossenheit kann die Erfahrungen nicht überbrücken, die der Krieg aufgezwungen hat.

"Träume erst" ist die einzige Geschichte, die ich etwas schächer fand, die anderen drei sind überragend und auch heute noch sehr lesenswert.


Wenn die Gondeln Trauer tragen
Wenn die Gondeln Trauer tragen
DVD ~ Julie Christie
Preis: EUR 7,75

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgesprochen gelungene Adaption einer schwer verfilmbaren Buchvorlage, 11. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Wenn die Gondeln Trauer tragen (DVD)
Daphne du Mauriers vielschichtige Erzählung „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (OT: Don't look now) zählt für mich zu den herausragenden Horrorgeschichten, sie ist hervorragend konzipiert und lässt mir Schauder über den Rücken laufen, wie es eine gute Gothic-Story tun sollte. Wie bei den „Vögeln“ gilt auch hier: wer die Verfilmung kennt, sollte trotzdem unbedingt die literarische Vorlage lesen, es lohnt sich ganz gewiss. Daphne du Mauriers Erzählungen sind moderne Klassiker, die spannend sind und Gänsehaut garantieren, zugleich aber beherrscht die Autorin die Kunst, vieles offen und in der Schwebe zu lassen, wie es Henry James mit „The Turn of the Screw“ vorgemacht hat. Der Reiz der Geschichten wird hierdurch beträchtlich erhöht.

Doch nun zur Verfilmung, um die es hier gehen soll. Buchvorlagen können niemals 1:1 ins Medium Film umgesetzt werden, und auch hier wurden etliche Anpassungen vorgenommen. An die Stelle literarischer Motivketten treten im Film bestimmte Bilder und Farben, die von Anfang an auftauchen und nichts Gutes verheißen. Diese Bilder ziehen sich bis zum furchtbaren Finale durch den Film und begleiten den Zuschauer wie ein böses Omen. Ich finde die filmische Umsetzung gerade wegen ihrer Abweichung vom Buch sehr geglückt, weil die Farbe Rot und die Bilder eines dem Untergang geweihten Venedigs ein hoffnungsloses, verwirrendes Setting schaffen. Dazu immer wieder das Motiv des Wassers, das ja bekanntlich das Unterbewusste symbolisiert, und das die Kamera zwar sehr massiv, aber trotzdem wirksam einsetzt. Eine gelungene Ergänzung oder, wenn man es so nennen will, eine Variante zur Buchvorlage.

Donald Sutherland ist ein ganz besonderer Schauspieler, der anspruchsvollen Rollen gerecht wird, aber auch im Paranoia-Kino brilliert. Diese Bandbreite kann er im Film voll zum Einsatz bringen, mal nuanciert, mal wie ein Keulenschlag. An seiner Seite Julie Christy, die weit mehr als nur Eye-Candy ist, aber in der Rolle der traumatisierten Mutter manchmal etwas farblos bleibt.

Im Fazit ein unbedingt sehenswerter Klassiker, der der üblichen Genrekost weit überlegen ist und auch ohne Schockeffekte eine gestörte Nachtruhe verspricht.
Und natürlich Hut ab vor einer gelungenen Literaturverfilmung, die im notwendigen Maße sich von der Vorlage emanzipiert und dieser gerade deswegen in weiten Teilen gerecht wird.


The Origin of the Crabs (Crabs Series Book 3) (English Edition)
The Origin of the Crabs (Crabs Series Book 3) (English Edition)
Preis: EUR 3,09

5.0 von 5 Sternen Just give us the monster!, 5. November 2014
„Verzweifle nicht, einer der Schächer wurde erlöst. Frohlocke nicht, einer der Schächer wurde verdammt“, riet schon Augustinus. Ja, der Regen fällt auf die Gerechten und die Ungerechten, und die Riesenkrabben sind im Prinzip nicht wählerischer.
Im Prinzip, obwohl es immer einige Personen in der Crabs-Serie gibt, denen man den Tod eher wünscht als anderen (obwohl, das soll man ja eigentlich gar nicht), und Guy N. Smith enttäuscht seine Leser nicht gerne.
Erstaunlich ist, wie mühelos sich die Krabbenviecher ans schottische Klima anpassen und das Dörflein Cranlarich, wo „anything worth saying had been said long ago“, nebst Sumpf und Angelseen in Beschlag nehmen, fröhlich mit den Scheren winken und – click, click, clickety click – ihrem grausamen Hunger Teile der Landbevölkerung opfern, und als Dessert den Spaniel Toby, um den es einem wirklich leid tut.

Auf treten neben den Killer-Crustacea ein armer alter Wilderer, der böseste Gutsherr aller Zeiten, ein junges Liebespaar (es dauert übrigens sagenhafte 35 Seiten, bis in diesem insofern atypischen Smith-Band die erste junge, willige Dame auftaucht), das sich frisch gefunden hat, und besagte Teile der Landbevölkerung, deren Schicksal ab Seite eins fest steht.

Warum nun dieser Band „The Origin oft he Crabs“ heißt, bleibt Smiths Geheimnis. Aber obwohl alles bös nach üblicher Genrekost klingt und ein Smith-typisches Gericht serviert wird, liest sich dieser Krabben-Band kurzweilig und unterhaltsam. Wer würde ernsthaft mehr von diesem Buch erwarten können?

"There was news on the hour. F*** the pound.
He wasn't interested in either its rise or
fall. Nor in the prospects of an election in
the spring. Just give us the monster!"


The Birds: (Fremdsprachentexte)
The Birds: (Fremdsprachentexte)

5.0 von 5 Sternen Ist es der Temperatursturz oder der Wechsel der Windrichtung?, 1. November 2014
Rezension bezieht sich auf: The Birds: (Fremdsprachentexte) (Taschenbuch)
Eine Erklärung dafür, dass sich unterschiedlichste Vogelarten, angefangen von den niedlichen Singvögeln bis hin zum Seeraben, plötzlich gegen den Menschen zusammenschließen und durch ihre zahlenmässige Überlegenheit selbst eine Metropole wie London im Sturm nehmen, gibt es nicht.
Nat Hocken ist einer der ersten, der die Gefahr erkennt und verschanzt sich mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in seinem Farmhaus. Doch wie lange kann der Belagerung stand gehalten werden, von welcher Seite ist Hilfe zu erwarten?

Du Mauriers THE BIRDS (1952) ist einer der Ahnherren des Tier-Horrors, der sich ab den fünfziger Jahren wachsender Beliebtheit erfreute.
In mehr als einem Punkt hat sich Guy N. Smith mit seiner Crabs-Serie an die Novelle angelehnt; so greifen auch die Vögel in Abhängigkeit von den Gezeiten die Menschen an und Militär und Regierung sind unfähig, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen (warum die Vögel nun aber gerade im Dunkeln angreifen sollten, hat sich mir trotz allem nicht erschlossen und ist nur als dramatisches Mittel zu verstehen).
Was THE BIRDS auch heute noch hören- und lesenswert macht ist aus meiner Sicht die klaustrophobisch apokalyptische Grundstimmung, die mit großer Eindringlichkeit transportiert wird.

Du Maurier beschreibt das Szenario auch mit Begriffen aus der Kriegsführung und so entstanden beim englischen Leser der frühen 50er Jahre sicherlich Reminiszenzen an die Traumata der englischen Landbevölkerung durch Fliegerangriffe im zweiten Weltkrieg. Ist vielleicht sogar der Krieg schuld an der Aggression der Vögel? Und sind diese ihrerseits nur Sinnbilder des Kalten Krieges? Gerade weil Du Maurier keine Erklärungen liefert, ist THE BIRDS eine so spannende wie geheimnisvolle Geschichte, die literarisch anspruchsvoller als die üblichen Horrorgeschichtlein daher kommt.

Fast jeder dürfte Hitchcocks Verfilmung kennen, die sich an die Novelle anlehnt. Interessant ist, welche Änderungen der Meister des Suspense vornahm, damit aus der ungewöhnlichen Story ein Hollywoodstreifen werden konnte, der Kultstatus genießt.

Wo Du Mauriers Geschichte schlicht und trostlos wie die Landschaft daher kommt, in der die Handlung ansiedelt ist, reichert Hitchcock das Menü fleißig mit Romantik, Humor und Heldenmut an; und das offene Ende muss einem neuen Morgen weichen, der Anlaß zur Hoffnung gibt.

Fazit: Unbedingt lesen, es lohnt sich! Den Film zu kennen ist keine Entschuldigung dafür, das Buch links liegen zu lassen. Und alle, die sich als Kind unter Tischen eine Höhle eingerichtet und sich dort versteckt haben, müssen THE BIRDS sowieso lesen.


Vanishing Points (COQworks)
Vanishing Points (COQworks)
von M. Brody
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen A polyvisionary look at world in dissolution: VANISHING POINTS, 24. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Vanishing Points (COQworks) (Taschenbuch)
MAROONED
(Left panel)

Strange things happen when Captain Kurtz and the crew of the starship Ultramundane land on the planet K-77 in search of a new place where mankind might live after the destruction of Earth-12.
But what exactly is happening on K-77? This is a mind twisting plot a la Philip K. Dick with more than one possible explanation and you may ask yourself the old question: "Is all that we see or seem just a dream within a dream"?
"The reflections of stalks on lapping water are hypnotic" reminds me of the striking pictures in the beginning of Tarkovskij's SOLARIS, and there's more to it than this one resemblance. And if you love Finney's BODY SNATCHERS and VanderMeer's ANNIHILATION you just have to love MAROONED.
Yes, it is pulp, but it's also more than that. A very good SF-Story, disquieting, dark and utterly intriguing.

THE CONTRACT
(Centerpiece)

I have to admit that this story is very difficult and I'm not sure I understood it at all, but strangely I liked it anyway.
It's the story of 5D pornstar Buck Wilder, who signed a contract compared to which a pact with the devil looks like a rather good deal. Bang For Bucks is the slogan, but Buck Wilder is selling more than his private parts.
5D is some sort of boosted Porn-O-Rama in Rumble-Vision, the audience is virtually part of the action when the greatly endowed Buck does what he can do best. But soon it becomes unclear who is actor and who spectator, who is inside who's head. A hallucinatory porn phantasmagoria, a feverish nightmare, a Wilder syndrome where viewers suffer total identification with 5D Buck Wilder. The construct of ego identity vanishes as gender borders do. But the show must go on.
I don't know why, but in a way this story reminds me of Burroughs NAKED LUNCH.

(A SHORT ASIDE:
COQ labeled VANISHING POINTS a "PULP TRYPTICH".
"Pulp was visceral, demanding an emotional reaction from the reader. It was popular, in both senses of the word, being cheaply mass-produced for a large audience and being aimed at the masses rather than the elite" says I.A. Watson.
I hope that VANISHING POINTS will find many readers, yet I doubt it is aimed at the masses. The stories are certainly not "very nearly stream of pure unconsciousness" as D.A. Madigan puts it.
"Pulp can be a style, a genre, or a theme; but it's always an experience" (I.A. Watson) - here at last we have two strikes: COQ`s stories are an experience for sure and they contain pulp topics: a space captain, a 5D porn star and a teen slayer of zombies.)

SOUL SURVIVOR
(Right panel)

Now this story is pulp as can be! A party of teenagers visit a solitary cabin at Devil's Eye Lake. But only one returns, and the story he tells the sheriff makes the blood run cold. "I got me a feeling I'm gonna need something stronger than coffee to hear the rest of this", says the sheriff, and he's right.
The story includes a body snatching zombie ghost, possessed teenagers and some other pulp inventory. As in all of his stories, COQ suprises the reader with "one world laid over another" and "That chasm inside me" which is good for surprising plot twists.
By the way, I loved this senctence: "She laughed again - fingernails on a blackboard - and I let her have it."

VANISHING POINTS is great fun and I love it. Moreover it answers a question I have been asking myself for some time now: Is there a way of writing brainy (post)modern pulp? Yes, there is!

Please, please, Mr. Brody, give us COQWorks #2, and give it to us soon!


Marvel Comics: The Untold Story
Marvel Comics: The Untold Story
von Sean Howe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mythos und Kommerz, 22. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sean Howe legt hier eine, nein, die Geschichte der Marvelcomics und die dahinter stehende Verlagsgeschichte des größten Comicimperiums vor.
Minutiös berichtet er von den idealistischen Anfängen unter dem legendären Trio Stan Lee, Jack Kirby und Steve Ditko. Wer hätte zu Beginn der 60er Jahre geglaubt, dass sich Marvels Comicbooks über die Jahrzehnte nicht nur halten, sondern zum größten und verzweigtesten Universum der Popgeschichte mausern würden?

Wie wechselhaft diese Geschichte verlief, die ungezählten Höhen und Tiefen, Liebe und Hass, Erfolg und Krise, das alles kann kaum detaillierter dargestellt werden. Merken kann sich die Fülle an Details wohl kein Leser, und nicht alle Infos sind bemerkenswert, aber das Buch kann ja auch einfach als lexikalisches Nachschlagewerk benutzt werden.

Von den Anfängen bis zum Börsengang, vom skandalösen Umgang mit den Mitarbeitern, Größenwahn und Abhängigkeiten, Merchandising und Filmprojekten berichtet Howe; Von den Konflikten zwischen Herausgebern, Schreibern und Zeichnern und der nie zu klärenden Frage, wer der Schöpfer ist von Spider-Man, den Fantastic Four und zahlreichen anderen Helden. Eine Geschichte von Freundschaften und Loyalität, aber auch von bitterster Enttäuschung und menschlichen Schweinereien. Je mehr sich das Marvelversum ausdehnt, umso mehr geht es um die Millionen und später Milliarden Dollar, die Marvel schwer ist; Kontinuität, Authentizität und künstlerische Ansprüche werden unter Firmeninhabern, die sich für Comics überhaupt nicht interessieren, zeitweise komplett zurück geschraubt, und dann wechseln sich wieder Erfolge mit existenzbedrohlichen Krisen ab.
(Interessant fand ich das Detail, dass in den 90er Jahren Marvel einmal die Gelegenheit hatte, den Konkurrenten DC aufzukaufen; da man befürchtete, dass Marvels Ruf darunter leiden könnte, verzichtete man auf auf die Übernahme).

"Smiling" Stan Lee wird nicht als Lichtgestalt beschrieben, sondern als Herausgeber, der zwischenzeitlich auch das Interesse an "seinen" (Kirby und Ditko würden das anders sehen) Schöpfungen verlor und mit Hollywood und einer Karriere als Autor liebäugelte.

Das Buch ist eine Fundgrube, ein Füllhorn, und wer glaubt, dass er schon alles weiß, wird von der Fülle der Infos erschlagen vermutlich zugeben müssen, dass er so etliches nicht gewußt hat.
Warum nur vier Sterne? Zum einen vermute ich, dass Howe sich bei der Darstellung der nie endenden Konflikte auch auf Quellen und Informationen beziehen mußte, die nicht in allen Fällen von der jeweiligen Gegenseite unwidersprochen hingenommen werden würden, und manches klingt mir ein wenig nach "Flurfunk".
Über sehr lange Passagen reiht Howe einen Namen an den anderen, Zeichner, Herausgeber, Schreiber, Hefttitel und und und... das ist nicht immer aufschlußreich und interessant; Ich hätte mir gewünscht, dass er zwischen den großen Kapiteln auch einmal die Lupe aus der Hand legt und Überblicke und Zusammenfassungen anbietet.
Im Fazit aber ein sehr lesenswertes Buch, nicht nur für Marvel-Fans!


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