Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug b2s Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Profil für Michael Collin > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Michael Collin
Top-Rezensenten Rang: 766
Hilfreiche Bewertungen: 779

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Michael Collin
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Millennium, Der Franzose
Millennium, Der Franzose
von Chris Carter
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Der Franzose, 24. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Millennium, Der Franzose (Gebundene Ausgabe)
Nach den X-Files produzierte Chris Carter die Mystery-Serie MILLENIUM, und weil das Marketing niemals schläft, gab es natürlich auch hier das Buch zum Film.
Elizabeth Hand, die großartige eigene Stories und Romane geschrieben hat, übernahm die vielleicht nicht ganz dankbare Aufgabe, den ersten Roman zur Serie zu schreiben. Wenn man schaut, für welch unterschiedliche Serien und Filme sie die Romanfassungen geschrieben hat, wundert es nicht, wie routiniert sie das kann und auch in diesem Fall mit THE FRENCHMAN umgesetzt hat. Das dünne Bändchen liest sich flott weg und ist unterhaltsam. Im Vergleich zu ihren eigenständigen Arbeiten war ich trotzdem enttäuscht vom Franzosen. Es ist Elizabeth Hand gelungen, eine sehr mysteriöse und geheimnisvolle Atmosphäre zu schaffen, und dass sie das kann, daran bestand kein Zweifel. Leider gibt dieser erste Band zur Serie inhaltlich leider nicht viel her, und daran konnte die Autorin nichts ändern.
Vorgestellt wird Frank Black, Ex-Ermittler des FBI, der die unheimliche Fähigkeit hat, durch die Augen der Verbrecher zu sehen, die er zur Strecke bringen soll. Nachdem Franks Familie in der Vergangenheit bedroht worden war, hat er seine Arbeit für das FBI beendet und ist mit seiner Familie nach Seattle gezogen. Dort treibt gerade ein irrer Serienkiller sein Unwesen, und Frank entschließt sich, die örtliche Polizeibehörde bei der Jagd auf den Killer zu unterstützen.
Die Visionen, die Frank hat, zeigen, dass er es mit einem durchgeknallten Endzeitkiller zu tun hat, der unter religiösen Wahnvorstellungen leidet.
Klingt soweit ganz solide, und trotzdem stimmt mit diesem Roman einiges nicht (was, wie gesagt, der Skript-Vorlage und nicht der Autorin vorzuwerfen ist). Auch wenn die Grundstimmung sehr intensiv ist, hängt die Handlung doch ziemlich in den Seilen. Es kommt auf der "Jagd" nach dem Killer einfach keine rechte Spannung auf, eine einzige Verfolgungsjagd und das Auffinden eines weiteren Opfers des Verrückten sind die Eckpfeiler, auf denen die Story ruht. Das mag für eine 45-minütige Folge im Fernsehen reichen, im Buch wünscht man sich mehr. Und auch über Frank Black erfährt man noch nicht allzu viel, er wird in die Serie gerade erst neu eingeführt und so beschränkt sich das, was der Leser erfährt, auf das, was ich oben schon schrieb, plus ein weiteres, wichtiges Detail: Frank gehört zur Millenium-Gruppe. Was es mit der Gruppierung auf sich hat, erfährt man in THE FRENCHMAN noch nicht.
Fazit: Routiniert und gut geschrieben, im Rahmen der Möglichkeiten, die die Vorlage der Autorin gestattete, aber die dünne Handlung läßt keine richtige Freude aufkommen.


Monster 1983: Die komplette 1. Staffel
Monster 1983: Die komplette 1. Staffel
Wird angeboten von Audible GmbH

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gelungenes Mystery-Hörspiel, 21. April 2016
Sehr sonderbare Dinge geschehen in der idyllischen Kleinstadt Harmony Bay; ist es ein irrer Massenmörder, der sein Unwesen treibt, oder geschieht etwas sehr viel Geheimnisvolleres? Der neue Sheriff nimmt die Ermittlungen auf und stellt fest, dass auch abseits der Mordserie viele Einwohner Geheimnisse hüten.
Kein Wunder, dass ich bei soviel Kleinstadt-Idylle, dunkler Geschäftemacherei und Mystery an TWIN PEAKS denken musste. Dazu gesellt sich eine Prise DREI FRAGEZEICHEN, eingebracht durch die jugendlichen Protagonisten, die eine nicht unerhebliche Rolle spielen und neben dem neuen Liebesglück des Sheriffs dafür sorgen, dass das Hörspiel nicht ins Allzudüstere abrutscht.

Die Charaktere sind durchaus vielschichtig und erst nach und nach erfährt man, welche Motive sie umtreiben. Vieles, was zu Anfang vielleicht sonderbar wirken mag, gibt später Sinn. Und Sheriff Cody und sein weiblicher Deputy Taylor Dunford geben ein so wunderbares Duo, wie es Stephen King wohl auch kaum besser gestaltet hätte.

Mengers MONSTER 1983 ist durchgängig mit sehr guten Sprechern besetzt und die Soundeffekte sind sparsam, aber effektiv eingesetzt, so dass sie nicht nerven oder billig wirken. Wie schon zuvor mit DARKSIDE PARK wird hier ein spannendes, sympathisches, sehr liebevoll produziertes Hörpsiel vorgelegt, das mir richtig gut gefallen hat.
Leider hat es eine weitere Gemeinsamkeit mit seinem Vorgänger: Ich finde das Ende abrupt und nicht wirklich gelungen. Aber vielleicht sollen all die losen Enden in einer 2. Staffel wieder aufgegriffen werden?

Ich schwanke zwischen 4 und 5 Sternen und gebe aufgerundet die Höchstwertung, einfach wegen der vielen Sympathiepunkte, die das Hörspiel bei mir gesammelt hat.


Faunische Bilderfluchten: Arno Schmidt und der Brücke-Maler Otto Mueller
Faunische Bilderfluchten: Arno Schmidt und der Brücke-Maler Otto Mueller
von Ulrich Klappstein
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

5.0 von 5 Sternen Faunische Bilderfluchten, 19. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Fotos und Bilder spielen in Schmidts Werk eine riesengroße, nicht zu unterschätzende Rolle. Otto Muellers Bild MÄDCHEN IM GRÜNEN ist von zentraler Bedeutung im FAUN, wo es nicht nur den Schutzumschlag der Erstausgabe ziert, sondern im Wege der "doppelten Destillierung" schließlich Dürings Faun-Werdung befördert.
FAUNISCHE BILDERFLUCHTEN ist eine umfangreiche Studie, zunächst über das Verhältnis von Bild und Text im Allgemeinen, bei dem ich als Laienleser einiges an Fachterminologie lernen konnte; sodann über Schmidts Beziehung zu Otto Mueller und den MÄDCHEN IM GRÜNEN und über das Motiv des Fauns in Literatur und bildender Kunst; Schließlich über das Leben des Malers Mueller und darüber, wie Schmidt fast seine Biografie geschrieben hätte und endlich über den Nachhall, den Schmidts Beschäftigung mit Mueller im gesamten Werk bis in das Spätwerk gehabt hat.

Ich habe viele der von Ulrich Klappstein aufgezeigten Aspekte und Motive sehr anregend gefunden und war überrascht und beeindruckt, eine wie tiefgehende Analyse des FAUNs alleine ausgehend von dem Bild der MÄDCHEN möglich ist. Dass sich schließlich ein für mich ganz neuer Schwerpunkt im Werk Schmidts eröffnet hat, damit hätte ich niemals gerechnet. Alleine aus diesem Grunde bekommt das Buch die Höchstwertung und sei jedem Schmidt-Leser empfohlen, der sich mit der intermedialen Wechselwirkung von Bild und Schrift bei AS noch nicht eingehender beschäftigt hat.

Schmidt forderte im Spätwerk, dass eine Typoskriptseite als „Sehfläche“ zu gelten habe (quasi als "Rahmen", wie ihn ein Bild hat), auf der Wörter, Texte und Bilder eine komplexe Beziehung eingehen können; die Typografisierung führt zur Schriftbildlichkeit.
„Die visuelle Phantasie der Protagonisten wird wie die des Lesers angereizt, und die Sinnlichkeit des Imaginären enthüllt sich in der Bilder-Schrift“, heißt es zu Beginn der Stuedie einmal.

Gelungen fand ich auch die Analogie vom "Faun" Düring und Schmidt als Faun im Literaturbetrieb der Adenauer-Zeit, der die Einladungen der Gruppe 47 ausschlug und zum grinsenden (auch im Sinne von zähnefletschenden) Einzelgänger-Faun wurde.
Pan, Satyr und Faun: Mir wurde auch deutlich, dass Schmidt sich wahrscheinlich selbst ein Stück weit als Faun sah; und dass sich daraus vielleicht die teils extreme "Zotigkeit" im Spätwerk erklären könnte.

Und natürlich kommt auch diese Studie nicht ganz ohne Zitate von Schmidt selbst aus, die wie immer ein Highlight für mich sind. Schmidts Beschäftigung mit bildender Kunst war, wie ich schon schrieb, tiefgehender, als ich es bisher geglaubt hatte. Auf die ihm eigene genial-lakonische Weise kann das dann so klingen:
"Beim Durchgang durch die Wimpernreuse erfolgt Transformation."

Abschließend möchte ich zur freudigen Häme noch Schmidts Benn-Schelte zitieren, dessen Beschäftigung mit dem Faun-Motiv Schmidt für zu oberflächlich hielt:

"Wenn ich ebenfalls zum Schmuggel mit antiken Altmaterialien tendierte, würde ich BENN's Thesen vom mystelnden Gemurmel eines verkantet=gestürzten Saturn vindizieren - so aber sage ich einfach: BENN schwatzt. (...) Selbstverständlich hat der Sammelvorgang relativ kalt zu erfolgen: das gerichtete Aufsuchen und Notieren von Charakteren, Beleuchtungen und Kleindetail aller Art, erfordert Jahre; man muß ja schließlich alles zum Thema Gehörige angefaßt haben, gerochen, im Mund gehabt haben. Und man stopft ja mit nichten Alles zwischen die 4 Ecken einer Prosa=Seite; sondern sieht letztlich nur noch das, was dazu brauchbar ist. (...) Mit BENN'schem "Flug & Traum" hat das gar nichts zu tun. Das sind alles völlig irrelevante Verlegenheits=, Verlogenheits=Ausdrücke eines Mannes, der konstitutionell zur künstlerischen Mikro=Äußerung veranlagt war (...)"

Dem "lyrische Kurzarbeiter" Benn attestiert Schmidt an anderer Stelle "Silbenwind und Zungengaukelei" - das ist nich sehr freundlich, vielleicht sogar ungerechtfertigt, aber wunderbar formuliert und witzig, und das liebe ich schließlich an Schmidt.

Fazit: Eine lesenswerte, anregende Studie, die verständnisförderlich ist und mir sehr gut gefallen hat


The Bogeyman
The Bogeyman

4.0 von 5 Sternen MAXINE O'CALLAGHAN - THE BOGEYMAN, 17. April 2016
Rezension bezieht sich auf: The Bogeyman (Taschenbuch)
Dieses Buch war eine richtige Überraschung!
Ich habe es vor einiger Zeit zusammen mit einigen anderen Horror-Paperbacks bei ebay ersteigert und hatte keine konkrete Erwartung daran, zumal mir der Name der Autorin nichts gesagt hat.

Worum geht es? Joanna hat sich vor einiger Zeit von ihrem Ehemann getrennt und reist mit ihrer fünfjährigen Tochter Lizzie nun zu ihren Eltern nach Vermont, um die Trennung endgültig zu machen und sich zu erholen. Dort stellt sich heraus, dass Lizzies Visionen und schrecklichen Ängste vor dem Schwarzen Mann nur allzu berechtigt sind...

O'Callaghan läßt sich Zeit bei der Entwicklung des Plots, was dem Roman nicht schadet, sondern ihm vielmehr Sympathiepunkte einbringt. Fast bis zur Mitte des Buches dauert es, bis Lizzies Angst vor dem Bogeyman ihre Berechtigung findet, der sich dann als höchst real erweist, ein Psychopath schlimmster Sorte, der Mutter und Tochter in seine Gewalt bringt. Von diesem Moment an konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen, denn Spannung und Intensität steigern sich bis zum Ende. Aufbau und Personal haben mich überzeugt und es geschafft, dass ich regelrecht mitgefiebert und -gebangt habe, was bei mir nicht allzu oft vorkommt.

Erschienen ist THE BOGEYMAN in der TOR Horror-Reihe, was irreführend ist, weil es sich eigentlich um einen waschechten Thriller handelt, der nur insofern ein Horrorelement beinhaltet, als dass das Verhalten des Psychopathen darauf zurückgeführt wird, dass er vom Bösen besessen sei, was aus meiner Sicht der einzige Schwachpunkt des Romans ist. Krankhaft Kriminelle als Besessene darzustellen, war in den Horrorfilmen und -romanen der 70er und 80er Jahre keine Seltenheit und schließlich geht es auch nicht um soziologische Akkuratesse. Funktioniert hätte der Roman allerdings auch ohne die Grundannahme, dass sich das Böse in Mördern personifiziert. Dieses Manko ist allerdings so gering, dass es dafür keinen Punktabzug gibt. Und irgendwie es war ja auch ganz witzig, immer auf das Hereinbrechen des Übernatürlichen zu warten und zu warten...

Fazit: Unerwarteter Thrillergenuß, der nur knapp an der Bestwertung vorbei schrammt und mich mehr als einmal an Stephen King denken ließ, nicht nur weil er in Neuengland angesiedelt ist, sondern auch wegen der gut gezeichneten Figuren und der Spannung.


Utopia Bestseller aus Raum und Zeit 1 , Die Schrecklichen von Gharrar.
Utopia Bestseller aus Raum und Zeit 1 , Die Schrecklichen von Gharrar.
von W.D.Rohr
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen In Sachen Unterhaltsamkeit eine positive Überraschung, 14. April 2016
'Die Schrecklichen von Gharrar' habe ich mir wegen des Umschlagbildes der Erstausgabe gekauft, so einer bin ich; und bin für dieses Mal nicht enttäuscht worden. W.D. Rohrs Roman aus dem Jahr 1958 löst das Versprechen ein, das der Umschlag gibt. Er ist ein Häppchen aus der goldenen Ära der Science Fiction, zu lesen, wie sich die B-Movies dieser Zeit ansahen: unterhaltsam und schnell (unnötig zu sagen, dass man hinsichtlich der Sprache und der Bedienung aller gängigen Klischees nicht kritisch sein darf, dass sich die Protagonisten zuweilen wie Kinder aufführen und die Dialoge hanebüchen sind).

Das Setting wird auf dem Umschlag beschrieben:
'Die Menschheit hat mit Raumschiffen die Erde und das Sonnensystem verlassen und erobert die Galaxis. Expeditions- und Vermessungsschiffe stoßen in die unendlichen Weiten des Universums vor, um ferne, noch unbekannte Welten zu finden und zu kartographieren.
So auch das Expeditionsschiff GALAXIS unter der Führung von Kapitän Bret Hawley, einem der besten Raumoffiziere seiner Zeit. Ehe das Schiff zur Erde zurückfliegt, fliegt es einen farbenprächtigen Planeten, eine paradiesische Welt, an - und nur Bret Hawley ist diese Welt zu schön, zu auffällig schön, als daß sie ihm gefallen könnte.'

Hawleys Skepsis ist berechtigt, denn die eigentliche Frage lautet: Wer erobert hier eigentlich gerade wen???

"Sprünge durch den Hyperraum" gibt es hier schon Jahre vor Perry Rhodan; und wie dort hat auch hier die Menschheit (sogar innerhalb weniger Jahrzehnte) die Galaxis erobert und reist interstellar. Aber manchmal sollte man sich lieber bedeckt halten, und eine der frühen Ideen im Perryversum war gar nicht dumm: Solange man technisch nicht an der Spitze liegt, wäre es schlau, sich nicht vorzeitig in den Weiten des Raumes blicken zu lassen. Aber so ist es mit der menschlichen Hybris, was machbar ist, wird auch getan.

Vor ALIEN war die Expedition der SPACE BEAGLE, davor aber GHARRAR, und in allen steckt etwas von Campbell Juniors WHO GOES THERE.
Es wird also eine hochentwickelte Spezies von einer anderen Welt auf die Erde eingeschleppt, ungewollt oder unterschätzt im Gefahrenpotenzial, die ihre wahre Form und Absicht zunächst verbirgt. Während in Van Vogts Roman die Mannschaft der SPACE BEAGLE das Alien mit unerträglicher Arglosigkeit an Bord nimmt (wodurch mir sein Buch schon gleich zu Beginn verleidet ist), wird hier ein gerüttelt Maß an Vorsicht gewahrt. Und doch, was hat die Katze da nur wieder reingeschleppt! Wie heißt es in der legendären Fernsehserie THE INVADERS:

'The Invaders. Alien beings from a dying planet. Their destination: the earth. Their purpose: to make it their world.'

So kennen wir sie, die Aliens, so sind sie, die intergalaktischen Fremden, die neben dem Kommunismus gefühlt DER Angstgegner der Fünfziger schlechthin sind. Und was schürt die heißgeliebte Paranoia mehr als die Ungewissheit, ob sich hinter der bekannten Fassade auch verlässlich der Mensch verbirgt, den man zu kennen glaubt. 'Körperliche Reorganisation" des Aliens lautet hier das Stichwort, und sofort denke ich an einen weiteren Klassiker: Finneys INVASION OF THE BODYSNATCHERS, heute wäre vermutlich von Shapeshiftern die Rede.

Nachdem das Fremde erst einmal auf die Erde gelangt ist, scheint es aussichtslos, es noch stoppen zu können, denn es kann jede beliebige Form annehmen, egal, ob organisch oder anorganisch. Nur Bret Hawley kann die Erde noch retten (ein früherer Roman von W.D. Rohr hieß übrigens 'Nichts rettet die Erde mehr').

Zum Heldenmut gesellt sich die obligate Portion Romantik, und als die Nacht am tiefsten ist, in genau jenem Moment, den die Umschlagzeichnung darstellt, darf Bret sogar die blonde Schiffsbiologin küssen:

'Du sollst mich küssen, Bret", sagte sie.
"Mabel!"
"Du sollst es tun um zu beweisen, dass du das Schreckliche nicht mehr von mir glaubst! Und du sollst es nicht nur deswegen tun (...)"

Ach, ich liebe die interstellare Raumfahrt!

Allzuviel Würdigung hat W.D. Rohr nicht erfahren dürfen, im HEYNE SCIENCE FICTION MAGAZIN #3 habe ich eine Nachruf auf ihn gefunden von Rainer Eisfeld - "... und der Ring des Saturn kann niemanden mehr erschüttern (In memoriam Wolf Detlef Rohr, 1928-1981)".
Der Nachruf endet mit folgenden Worten:
"Zukunftsromane wie die Planetenbücher Wolf Detlef Rohrs hatten im Sinne der Heranführung an literarisch anspruchsvollere Science Fiction in den fünfziger Jahren ihren sinnvollen und wichtigen Platz: so wurden sie übrigens auch von ihrem Verfasser selbst verstanden. In beträchtlichem Maße entsprachen sie durchaus dem damaligen wissenschaftlichen (Um-)Weltverständnis. Ihre neuerliche Popularität in den siebziger und achtziger Jahren muß als Element einer breiteren Strömung gedeutet werden, die ein zahlreiches, insbesondere jugendliches Publikum wegführt von der Debatte differenzierter und angemessener Alternativen der Zukunftsbewältigung. Ein nicht unbeträchtlicher Teil des gegenwärtigen Science Fiction- (und erst recht des steil angestiegenen Fantasy-) Angebots erscheint damit als "escape literature" in einem neuen, durchaus problematischen Sinn: als Flucht nicht nur aus der alltäglichen, problembeladenen Gegenwart, sondern auch als Verweigerung angesichts einer Zukunft, die "einfache" (oder gar "märchenhafte") Lösungen nicht mehr zuläßt."

Das ist sicherlich sehr genau beobachtet und entspricht einer kritisch-anspruchsvollen Betrachtungsweise "twenty years after", erfaßt aber nicht einen wesentlichen Aspekt, der das Wiederlesen der alten Schinken interessant und zu einem Spaß macht:
Während es im "märchenhaften" Zeitalter früherer Zeiten ewig lange dauerte, bis sich popkulturelle Mythen entwickeln konnte, hat sich die Schlagzahl im 20. Jahrhundert deutlich erhöht und ist insbesondere im Bereich Horror und SciFi explosionsartig expandiert. So dauerte es z.B. nur allerkürzeste Zeit, bis der Begriff UFO nach seinem ersten Gebrauch in aller Munde war. Ich finde es faszinierend, wie sich Themen entwickeln, variiert werden und immer mehr Verbreitung finden, bis sie aus dem Genre nicht mehr wegzudenken sind. Und in dem Maße, wie eine Serie wie die X-Files massiv zur modernen Mythenbildung beigetragen hat, steht sie doch selbst auf den Schultern der frühen Pulps, und diese Entwicklungen zu verfolgen ist nicht nur nostalgische Problemverdrängung.

DIE SCHRECKLICHEN VON GHARRAR hat mich überraschend gut unterhalten, dafür gibt es drei Sterne ' hoffentlich frei von bösen Aliens.


Love Addict
Love Addict
von Koren Shadmi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

3.0 von 5 Sternen Love Addict, 12. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Love Addict (Gebundene Ausgabe)
Nachdem K. (es handelt sich nicht um den Protagonisten aus dem PROZESS; vielleicht steht K. ja für Koren und die Schilderungen in LOVE ADDICT sind biografisch geprägt? Schließlich ist ja auch K. Zeichner von Beruf) von seiner Freundin verlassen worden ist, bläst er Trübsal. Er kommt mit Frauen nicht leicht ins Gespräch und ist nicht der selbstsichere Typ. Sein Mitbewohner Brian kann sich das vermeintliche Elend nicht länger ansehen und richtet für K. einen Account auf der Dating-Plattform Lovebug ein. Und langsam, ganz langsam häufen sich bei K.. die Dates. Er trifft zunehmend öfter Frauen, manche gutaussehend, manche nur an Sex interessiert, einige mit ziemlich schriller Persönlichkeit. Und über alle diese für ihn ungewohnten und unverhofften Abenteuer beginnt sich auch K. zu verändern. Smalltalk fällt ihm zunehmend leichter und er gewinnt an Selbstvertrauen. Doch als er endlich eine nette Frau kennen lernt, die zu ihm paßt, ist er bereits zu tief in die Welt der schnellen Datings und sexuellen Abenteuer abgerutscht. Sein Wunsch nach einer Beziehung ist durch Sucht nach schnellem Sex abgelöst worden. Und schließlich kennt sich K. selbst kaum wieder...

Ich war sehr gespannt auf LOVE ADDICT und konnte für den leicht neurotischen K. zu Beginn der Graphic Novel Sympathie aufbringen. Seine zahlreichen Begegnungen mit Frauen bedeuten im Verlauf der Handlung nicht nur K. immer weniger, sondern auch mein Interesse sank ab. LOVE ADDICT ist kein erotisches Buch und will es auch nicht sein. Es geht Koren Shadmi nach meinem Verständnis darum zu zeigen, was mit Menschen geschieht, die sich zu sehr auf Dating-Foren einlassen. Interessanterweise lernt K. außerhalb der Community keine anderen Frauen kennen, obwohl sein Aussehen attraktiver und sein Auftreten sicherer werden.
Die Begegnungen werden im gleichen Maße stereotyper, in dem es K. nur noch um Sex geht, und Überdruß und Katerstimmung haben sich auf mich beim Lesen übertragen. Leider dringt Koren Shadmi nicht weiter in die Tiefe und als Leser erfährt man über K.s Leben so gut wie kaum etwas, alles dreht sich um seine Verabredungen. Und wenn K. am Ende des Buches Lovebugs überdrüssig geworden ist, ging es mir genau so.

LOVE ADDICT bietet kaum tiefere Einsichten und Handlung und Artwork haben mich nicht wirklich umgehauen. Zu didaktisch kam mir das Buch vor, zu vorhersehbar.
2,5 Sterne


Challengers of the Unknown
Challengers of the Unknown
von Ron Goulart
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Challengers of the Unknown (Review enthält leichte Spoiler), 3. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Challengers of the Unknown (Taschenbuch)
In einem fiktiven südamerikanischen Land erwartet die Challengers ihr Auftrag: sie sollen sich um Zarpa, the Claw, kümmern, einem Monster, dass in einem See haust und reihenweise Todesopfer fordert. Und natürlich hat die US-Regierung Interesse daran, dass es bei der Förderung der dortigen Erdölvorkommen durch eine amerikanische Gesellschaft keine Problemen gibt.
Aber bis es zum Showdown mit Zarpa kommt, dessen Pate Arnolds Schrecken vom Amazonas ist, müssen die Challangers sich zunächst mit zahlreichen Nazis abmühen, die dank eines Serums seit dem zweiten Weltkrieg nicht altern und immer noch die Weltherrschaft anstreben. Eine geheime Festung, Roboterwachhunde und alles mögliche an sonstigen technischen Gimmicks (Deutschland ist eben nicht nur vor den Volkswagen gut) sorgt für Gruselstimmung und Spannung. Verräter lauern allerdings nicht nur in den Reihen der Nazis...

1957 erschien das erste Abenteuer der Challengers of the Unknown von King Kirby als Comicheft und könnte als ein Vorläufer der Fantastic Four gesehen werden. Die vier Freunde Ace Morgan, Red Ryan, Rocky Davis und Prof Haley überleben wider alle Wahrscheinlichkeit einen Flugzeugabsturz und kämpfen fortan als Quartett gegen vorzugsweise übernatürliche Gegner. Zwar verfügen sie anders als die FF nicht über Superkräfte, haben aber die Angst vor dem Tod verloren, da sie nach dem Absturz das Gefühl haben, auf "geborgte Zeit" zu leben. Nach einiger Zeit wird das Quartett durch June Robbins erweitert, und diese fünf Helden sind es auch, die Ron Goulart in diesem Buch auftreten läßt, der einzigen Romanadaption der Serie.

Fazit: Flott zu lesen und unterhaltsam mit einer guten Portion Humor.


SchwarzWeißAufnahme: Fotografien von Arno und Alice Schmidt aus drei Jahrzehnten
SchwarzWeißAufnahme: Fotografien von Arno und Alice Schmidt aus drei Jahrzehnten
von Janos Frecot
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwarzweißaufnahmen, 2. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auf manchen der Schwarzweiß-Aufnahmen ist Schmidt zu sehen, auf einigen anderen Alice, aber die Mehrheit der Fotos zeigt unbemenscht die Landschaften, in denen sich Arno Schmidt ab den 50er Jahren bewegte. Diese Fotos lassen, so mein Eindruck, gelegentlich einen unverstellteren Blick in Schmidts Wesen zu, als seine Prosa ihn vermittelt - wohl auch weil die Bilder nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren und Schmidt in der Landschaft fotografierte, wonach ihm verlangte. Da ist manchmal eine starke Sinnlichkeit in der Natur spürbar, ein anderes Mal eine fast abstrakt anmutende Linienführung. Schmidt war nicht nur ein Wortmetz, sondern hat seine Welt auch in Bildern kreativ gestaltet. Dabei hielten die Fotos sicherlich auch Eindrücke und Erinnerungen fest, die er später in seine Texte einfliessen ließ. Gerade in den letzten Wochen ist mir bewußt geworden, in welch hohem Maße in Schmidts Büchern ein dynamisches Wechselspiel zwischen Wort und Bild stattfindet.
Beim Betrachten der Fotos habe ich es als ein Privileg empfunden, durch Schmidts Augen sehen zu dürfen!


Archie Vol. 1
Archie Vol. 1
von Mark Waid
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,95

5.0 von 5 Sternen Archie von Mark Waid, 2. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Archie Vol. 1 (Taschenbuch)
Archie, der dienstälteste Teenager in der Geschichte der Comics, bekommt von Mark Waid einen Neustart spendiert. Was bei den Superhelden-Comics teilweise Sinn macht, muss auch Archie recht und billig sein, denn der Betrieb an den Highschools war vor 75 Jahren ein anderer und überhaupt hat sich das Leben junger Leute grundlegend geändert.
Jughead, Betty und Veronica sind natürlich noch dabei, ebenso das andere Personal der Riverdale High, und auch ihre Dreiecksbeziehung ist unangetastet geblieben. Erzählt wird allerdings mehr im Stile einer fortlaufenden Soap, die in sich abgeschlossenen witzigen Kurzgeschichten der 40er sind passe.
Die Artwork hat mir durchgängig wirklich gut gefallen und Spaß gemacht, genau wie die Story. Ohne zuviel zu verraten beginnt die neue Archie-Reihe mit dem "Lipstick Incident": Betty, Kumpeltyp und Sandkastenfreundin, brezelt sich für einen Kinobesuch mächtig auf und verschreckt den armen Archie, der auf all die Veränderungen nicht eingestellt ist, die in sein Leben brechen, nicht zuletzt durch die Ankuft der attraktvien und superreichen Veronica in Riverdale.
Nachdem sich Archie im letzten Jahr mit Untoten und dem Predator herumschlagen musste (beides übrigens absolut lesenswerte Storys), kehrt er nun also zu seinen Wurzeln zurück und darf wieder voll und ganz der tuffelige und unbeholfene Teenager sein, der er immer war.

Fazit: Gelungener und witziger Neustart, der in allen Bereichen punktet. Willkommen im 21. Jahrhundert, Archie!


Grabbes letzter Sommer.
Grabbes letzter Sommer.
von Thomas Valentin
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Grabbes letzter Sommer, 27. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Grabbes letzter Sommer. (Broschiert)
Grabbe - der betrunkene deutsche Shakespeare, dessen Leben eine soziale Tragödie war:

"Ha, Sonne! könnt ich dich einmal bei deinem Strahlenhaar packen -
Am Felsen wollt ich dein Gehirn zerschmettern,
Und dich, was Schmerz heißt, fühlen lassen!"

Genie, Wut, Verzweiflung, Maßlosigkeit.
Valentins litearische Skizze von Grabbes letzten Monaten, als er verarmt und trunksüchtig ins verhaßte Detmold zurückkehren muss, habe ich zuerst Anfang der 80er als Film gesehen und war tief betroffen, aber auch fasziniert. Erst später lernte ich, dass dem Film Valentins Buch zugrunde liegt.
Das Buch beschönigt nichts, aber manch Unerträgliches wird mit dem Mittel der Ironie gemildert. Schon auf den ersten Seiten findet sich so eine Szene: Grabbe, durch Trunksucht zum körperlichen Wrack verkommen, torkelt durch Detmolds Straßen und wird von einem ehemaligen Freund erkannt:

"Aber Grabbe? Ich bin doch Krohn - dein Klassenkamerad!"
Grabbe sah ihn ausdruckslos an. "Ach du. Ich meinte, du seist längst tot."

Zugleich brennt immer noch das Feuer unbezwingbar in Grabbe:
"Grabbe spürte wieder die Kugeln an seinen Füßen, die Zuchthauskugeln und die Ketten. "Ihr müßtet mich zu Pferde sehen!" dachte er."

Manchmal braucht es viele, viele Jahre, bis einem deutlich wird, was sich da in früher Lektüre so anbahnt und rückblickend bin ich verwundert, dass ich erst heute eine Verwandschaft bemerke zu einem meiner späteren Hausgötter, die auch in diesem Zitat für mich plötzlich so spürbar wird:

"Ich hätte nicht zurückkommen dürfen", dachte Grabbe, "aber wohin, wohin? Jetzt bin ich zu Detmold verurteilt, ungezählte Jahre zu Detmold verurteilt, wie zweimal schon. Dazu diese schneidende Frau, meine Eheliebste, das Beest. Das Elend, die Armut. Ich brauchte doch so wenig: eine ruhige Stube, ein Bett, einen Ofen, einen Tisch, zwei Stühle, einen Schrank. Mit fünfzehn Groschen am Tag will ich auskommen und Dramen schreiben, gegen die alles, was heute auf dem Theater herumstolziert und mit der hohlen Schelle rasselt, Firlefanzerei ist, breitgetretener Quark. Ich will an den eisernen Stäben der Verhältnisse rütteln, daß ihnen die Nachtmützen vom dumpfen Kopfe fliegen und sie wieder in die Hose pissen wie 1789, wenn sie nur einen grünen Hering essen, der zu nahe an das Wort "Revolution" geriet, als ihn die Krämerin in eine Zeitung wickelte."

(Die Rede ist von Arno Schmidt)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 27, 2016 9:39 PM MEST


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20