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Beiträge von Michael Collin
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Rezensionen verfasst von
Michael Collin
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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The Supergirls: Fashion, Feminism, Fantasy, and the History of Comic Book Heroines
The Supergirls: Fashion, Feminism, Fantasy, and the History of Comic Book Heroines
von Mike Madrid
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,14

5.0 von 5 Sternen Die Geschichte der Supergirls, 15. März 2016
THE SUPERGIRLS ist eine sehr lesenswerte Geschichte der Superheldinnen von den Anfängen in den 40er Jahren bis heute. Madrid erzählt nicht nur von der Entwicklung der Debütantinnen, der guten und der bösen Mädels, der Supergirls und Superwomen, sondern setzt die Entwicklung der Heldinnen in den Comics in Verbindung zur Zeitgeschichte, und so ist THE SUPERGIRLS nicht nur für Comicleser spannend, sondern auch für alle, die sich für Kulturgeschichte im Allgemeinen interessieren.
Zwischen Eye Candy, klassischer Frauenrolle, emanzipierter Heldin, Supermodel und Flittchen schwankt der wechselhafte Kurs der Odyssee, den die Heldinnen in den Comics seit über sieben Jahrzehnten zu bestehen haben, einst und auch heute noch oft konzipiert für den männlichen Leser, aber im Wandel der Zeiten zunehmend auch als Spiegel des sich ändernden Rollenverständnisses der Frau in der Gesellschaft.
THE SUPERGIRLS ist unterhaltsam und gut lesbar geschrieben, vor allem besticht die Detailfülle: Mike Madrid ist in der Welt der Comics zuhause und ein hervorragender Kenner, der seine Ideen lebhaft und witzig an den Leser bringt.
Die Hörbuchfassung hat mir so gut gefallen, dass ich mir auch die Printversion zulegen werde, um einiges nochmal in Ruhe nachlesen zu können.

Fazit: 4,5 Sterne, unbedingt empfehlenswert!


The Lair Of The White Worm
The Lair Of The White Worm
von Bram Stoker
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen "Another masterpiece by the author of Dracula" ? - Wohl eher nicht..., 13. März 2016
Rezension bezieht sich auf: The Lair Of The White Worm (Taschenbuch)
So kann es einem ergehen, wenn man Bücher aufgrund des Covers kauft:
THE LAIR OF THE WHITE WORM ist ein Zugunglück von Roman, den ich nach 80 Seiten entnervt beiseite gelegt habe.
Dabei war ich an der pulpig-schönen Vintage Ausgabe von Arrow Books nicht vorbei gekommen und dann doppelt begeistert, als ich feststellte, dass Stokers Roman die Vorlage für Ken Russells mega schrillen Film BISS DER SCHLANGENFRAU ist, den ich großartig finde.

THE LAIR beginnt recht stimmungsvoll, wenn auch nicht gerade großartig geschrieben. Vom Autor des DRACULA hätte man mehr erwarten dürfen, aber gerade die glücklosen Kinder brauchen unsere Liebe und Zuneigung besonders, und so habe ich viele zum Glück kurze Kapitel lang an meinem Vorsatz festgehalten, diesen Roman zu mögen.

Mit fortschreitender Handlung läßt sich leider nicht mehr ausblenden, dass Stoker skizzenhaft spärlich verbundene Ereignisse aneinander reiht, die anfangs stimmungsvoll immer unmotivierter und zunehmend schlechter erzählt werden. Auch der erotische Subtext, dem nachzuspüren interessant ist, entschädigt für dieses Debakel nicht hinreichend und schließlich kippt mein Vorsatz in Unmut:
Wie soll ich einen Roman mögen, in dem nie erzählt und immer nur berichtet wird? Nie bin ich als Leser in "Echtzeit" dabei, wenn die spannenden Sachen passieren, sondern werde am Katzentisch mit den Berichten abgespeist, die Adam Salter dem Freund seines Großonkels abliefert. Nicht, dass es nicht des Sonderbarsten und Unheimlichen genug zu berichten gäbe, aber leider verpulvert Stoker durch seinen arbeitssparenden Kunstgriff das Potenzial bis zur erzählerischen Wirkungslosigkeit. Denn zu allem Übel sind die Berichte kurz und oft genug kryptisch. Zu einem erzählerischen Rhythmus findet der Text nicht und verspielt Seite um Seite den Charm, den er im Ansatz hatte. Und das Personal des Romans könnte lustloser nicht gestaltet sein (sofern man überhaupt von einer Gestaltung sprechen möchte).

Fazit: 1 1/2 Sterne für einen Roman, der nach einem ganz netten Anfang immer weiter runtergewirtschaftet wird, bis ich das Interesse daran, wie es weiter geht, völlig verloren habe.


Das Schloss der Schlange
Das Schloss der Schlange
von Bram Stoker
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Das Schloß der Schlange - kein "weiteres Meisterwerk des Autors von Dracula", 13. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Das Schloss der Schlange (Taschenbuch)
So kann es einem ergehen, wenn man Bücher aufgrund des Covers kauft:
THE LAIR OF THE WHITE WORM ist ein Zugunglück von Roman, den ich nach 80 Seiten entnervt beiseite gelegt habe.
Dabei war ich an der pulpig-schönen Vintage Ausgabe von Arrow Books nicht vorbei gekommen und dann doppelt begeistert, als ich feststellte, dass Stokers Roman die Vorlage für Ken Russells mega schrillen Film BISS DER SCHLANGENFRAU ist, den ich großartig finde.

THE LAIR beginnt recht stimmungsvoll, wenn auch nicht gerade großartig geschrieben. Vom Autor des DRACULA hätte man mehr erwarten dürfen, aber gerade die glücklosen Kinder brauchen unsere Liebe und Zuneigung besonders, und so habe ich viele zum Glück kurze Kapitel lang an meinem Vorsatz festgehalten, diesen Roman zu mögen.

Mit fortschreitender Handlung läßt sich leider nicht mehr ausblenden, dass Stoker skizzenhaft spärlich verbundene Ereignisse aneinander reiht, die anfangs stimmungsvoll immer unmotivierter und zunehmend schlechter erzählt werden. Auch der erotische Subtext, dem nachzuspüren interessant ist, entschädigt für dieses Debakel nicht hinreichend und schließlich kippt mein Vorsatz in Unmut:
Wie soll ich einen Roman mögen, in dem nie erzählt und immer nur berichtet wird? Nie bin ich als Leser in "Echtzeit" dabei, wenn die spannenden Sachen passieren, sondern werde am Katzentisch mit den Berichten abgespeist, die Adam Salter dem Freund seines Großonkels abliefert. Nicht, dass es nicht des Sonderbarsten und Unheimlichen genug zu berichten gäbe, aber leider verpulvert Stoker durch seinen arbeitssparenden Kunstgriff das Potenzial bis zur erzählerischen Wirkungslosigkeit. Denn zu allem Übel sind die Berichte kurz und oft genug kryptisch. Zu einem erzählerischen Rhythmus findet der Text nicht und verspielt Seite um Seite den Charm, den er im Ansatz hatte. Und das Personal des Romans könnte lustloser nicht gestaltet sein (sofern man überhaupt von einer Gestaltung sprechen möchte).

Fazit: 1 1/2 Sterne für einen Roman, der nach einem ganz netten Anfang immer weiter runtergewirtschaftet wird, bis ich das Interesse daran, wie es weiter geht, völlig verloren habe.


Postal Volume 1 (Postal Tp)
Postal Volume 1 (Postal Tp)
von Matt Hawkins
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,52

3.0 von 5 Sternen Postal, 26. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Postal Volume 1 (Postal Tp) (Taschenbuch)
Das überschwängliche Lob für POSTAL kann ich nicht teilen; weder Artwork noch Story haben mich mitgerissen.
Im Kaff Ganovenburg leben alle Gauner auf einem Haufen, die sonst keinen Platz in der Welt der USofA mehr haben. Hier bekommenn sie nicht die zweite, sondern die letzte Chance. Das herrschende Rechtssystem ist hier, nun, sagen wir mal recht eigen, für die Todesstrafe bedarf es keiner Gerichtsverhandlung. Und hier also wächst als Sohn der Bürgermeisterin, Mark auf, der unter dem Asperger Syndrom leidet. Niemand außer der Kellnerin Maggie kann den sonderbaren Jungen leiden. Die Tatsachen des Lebens in Form von Gewaltorgien und Familiengeheimnissen, die Mark in den vier hier gesammelten Heften erfährt, würden jeden "Normalo" aus der Bahn werfen. Ob es an seiner Krankheit oder an der Unterstützung von Maggie liegt, dass Mark aus der Schmiede der Gewalt gehärtet hervorgeht?
Ach ja, Ganovenburg heißt im Comic Eden ;)
2,5 Sterne, aufgerundet zu drei.


Black Dahlia - Die Schwarze Dahlie: Die Graphic Novel
Black Dahlia - Die Schwarze Dahlie: Die Graphic Novel
von James Ellroy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen BLACK DAHLIA - großartig gelungene Noir-Graphic Novel, 25. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Muss über den Fall der Schwarzen Dahlie überhaupt etwas gesagt werden? Der grausame Mord an Elizabeth Short im L.A. des Jahres 1947 gilt als eines der spektakulärsten Verbrechen Kaliforniens und ist bis heute ungelöst - auch wenn es zahlreiche Theorien und Bücher dazu gibt und einige Autoren meinen, den Fall geklärt zu haben.
Gut zehn Jahre später (am 22. Juni 1958) wurde Ellroys Mutter ermordet, ein weiterer ungeklärter Fall des LAPD, der allerdings nicht so ein Echo in den Medien fand wie der der Dahlie.

In seinen neo-noir Roman THE BLACK DAHLIA hat Ellroy alles reingesteckt, was er an Insiderwissen über Korruption und Verbrechen im LAPD hatte - und das ist beträchtlich (er ist später vom Polizeichef für diese "Aufklärungsarbeit" sogar geehrt worden). Verfilzungen innerhalb der Polizei und Arrangements zwischen korrupten Beamten und der Mafia und Kleinganoven spielen hier genauso eine Rolle wie Drogen und Pornofilmchen, Rache und Leidenschaften.
Bucky Bleichert und Lee Blanchard, beide auch bekannte Boxer, werden Partner in der Fahndungsabteilung des LAPD und hineingezogen in den Strudel des Mordes an der Dahlie, der alles mit sich reißt und zu vernichten droht. Und beide lieben sie die kühle und schöne Kay Lake.
"Cherchez la femme" ist eine der Lebensweisheiten Blanchards, und bei den Ermittlungen eine so sexistische wie tragfähigen Hypothese, denn Kay ist nicht der einzige Liebeshandel, in den sich die Ermittler verstricken. Über allem aber schwebt das Geheimnis Liz Shorts, dem sich kaum einer entziehen kann, der in ihren Sog geraten ist.
Eine rückhaltlose Aufklärung des Falls würde für die Cops, die beileibe keine Saubermänner sind - vor allem Lee hat reichlich Dreck am Stecken -, massivste Konsequenzen haben, von denen der Rausschmiß bei der Polizei noch das kleinste Problem wäre. Und doch ermittelt Bucky zwanghaft weiter...
Ellroys Roman ist so düster, intensiv und vielschichtig, dass mir dafür kaum Vergleichsgrößen einfallen - außer Nic Pizzolattos erster Staffel von TRUE DETECTIVE, die mich ebenfalls total umgeschmissen hat.

Matz und David Fincher haben sich an Ellroys Roman herangewagt und daraus eine Graphic Novel gemacht, die dem großen Noir-Roman gerecht wird und Ellroys Lob gefunden hat: "Fantastic work"! Auf 164 Seiten gelingt es ihnen, Stimmung und Komplexität der Vorlage ins Medium des Comics zu übertragen. Und obwohl die Panels nicht vom Text erdrückt werden (wie es z.B. bei den frühen Blake & Mortimer Comics zu sehen; ich bin der Auffassung, dass beim Comic der Inhalt wesentlich von der Artwork transportiert werden muss), hatte ich beim Lesen sofort das Gefühl, eine extrem dicht gewobene Story erzählt zu bekommen, die sofort in den Bann zieht.
An die Zeichnungen von Miles Hyman musste ich mich zunächst etwas gewöhnen, aber meine anfänglichen Vorbehalte finde ich nachträglich beim nochmaligen Durchblättern nicht mehr bestätigt. Ein kleines Manko ist, dass auf einigen Zeichnungen die Gesichter zu ähnlich aussehen und es zu Verwechslungen kommen kann, wenn man nicht aufmerksam genug ist - aber das sollte man ja sein, und so ist auch dieser Vorbehalt zu vernachlässigen.

Fazit: Auch wer Ellroys Roman und die fantastische Verfilmung der Dahlie von Brian de Palma kennt, wird an dieser Graphic Novel noch seine Freude haben, und alle anderen Noir-Liebhaber sowieso. Unbedingt empfehlenswert!


Mister Wonderful
Mister Wonderful
von Daniel Clowes
  Broschiert
Preis: EUR 22,35

5.0 von 5 Sternen Blind Dates und andere Schrecken, 24. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Mister Wonderful (Broschiert)
Neurotisch und witzig wie Wood Allen in seinen besten Zeiten, und ich liebe Clowes Zeichnungen!
Dazu das ungewöhnliche Format, das er für tolle Breitwandeffekte nutzt: für mich ein klares 5-Sterne-Comic, auch wenn ich damit preisgebe, dass melancholische Geschichten über wehleidige einsame Männer in der Midlife-Krise mich ansprechen - - - jedenfalls, wenn Clowes sie erzählt.


The Magic Lantern of Marcel Proust: A Critical Study of Remembrance of Things Past
The Magic Lantern of Marcel Proust: A Critical Study of Remembrance of Things Past
von Howard Moss
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,20

5.0 von 5 Sternen Eine Hervorragende Einführung in Prousts Hauptwerk, 21. Februar 2016
Howard Moss ist vor allem als Kritiker und Lyriker bekannt geworden, und das schlägt sich in THE MAGIC LANTERN nieder: Moss hat die RECHERCHE ungemein genau gelesen und folgt Prousts Motivketten und Themen durch die sieben Bände. Dabei wird deutlich, wie sehr in der RECHERCHE alles von der Perspektive abhängt, die durch Raum und Zeit beeinflußt wird. Die poetischen Wahrheiten, auf die er den Leser stößt, sind eine perfekte Vorbereitung für die eigene Lektüre der RECHERCHE und machen Zusammenhänge deutlich, die mir über die Distanz von einigen tausend Seiten oft entgangen wären. Es scheint keine unbedeutenden Passagen oder Zufälle bei Proust zu geben, alles fügt sich in den Großmythos, von dem Moss eingangs schreibt:

"Rememberance of Things Past is more than a novel; it is a work in which a single person's life is transformed into a mythology, with its own pantheon of gods, its own religious rituals, and its own moral laws. A total vision, it does not rely on any system outside itself for support. It is as if Dante had set out to write the Paradiso and the Inferno utilizing only the facts of his own existence without any reference to Christianity."

Auch nach fünf Jahrzehnten ist THE MAGIC LANTERN noch lesenswerte und hilfreiche Sekundärliteratur, denn nie mutmaßt oder schwafelt Moss, sondern reiht Beleg an Beleg, ohne dass sein Buch dadurch akademisch-trocken würde.

Hier noch ein Fragment aus dem Schlussbefund:
"Proust is the greatest of disenchanters. But only because he was so greatly enchanted. Rememberance of Things Past is a gigantic disappearing act in which the magician vanishes along with his magic in the service of illusion. He does so to prove to us that the illusory is real."


Proust 1913
Proust 1913
von Luzius Keller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,00

5.0 von 5 Sternen Etappenjahr der Moderne mit leichter Hand präsentiert, 20. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Proust 1913 (Gebundene Ausgabe)
Man kann sich Proust auf vielerlei Weise nähern, am besten natürlich, indem man die RECHERCHE liest; Aus Gründen sucht man vielleicht zustätzlich oder ersatzweise andere Wege und stößt auf eine unüberschaubare Anzahl dünner, mitteldicker und auch reichlich seitenstarker Biografien, die oft Altbekanntes wiederkäuen und nicht immer Lesespaß bescheren.
Einen anderen Zugang bietet Luzius Kellers PROUST 1913.

Der 1938 geborene Proust-Spezialist Luzius Keller hat unter anderem die Übersetzung der RECHERCHE überarbeitet und kommentiert und zahllose Artikel und Bücher über Proust verfaßt.

In PROUST 1913 springt Keller in gelegentlichen Vor- und Rückblenden wie beim Himmel und Hölle-Spiel vor und zurück - eine angemessene Vorgehensweise, zeigt sich doch auch in der RECHERCHE Wahrheit, wenn überhaupt, erst in der perspektivischen Kombination von vergangener und zukünftiger Wahrnehmung -, aber sein Fokus liegt auf jenem kulturellen Etappenjahr, in dem Kubismus, Futurismus und Simultanismus bedeutsam wurden (sie alle spielen in der Darstellung von Wahrnehmungen in der RECHERCHE eine Rolle), Le sacre du printemps uraufgeführt und schließlich auch der erste Band der RECHERCHE bei Grasset veröffentlicht wurde (übrigens stand in den ersten Exemplaren der Erstausgabe fälschlicherweise das Veröffentlichungsjahr 1914, dem Geburtsjahr Arno Schmidts, der mit Proust allerdings nichts anfangen konnte).

Leichtigkeit ist der prägende Begriff, der mir zu diesem kleinen Büchlein einfällt. Keller bringt in oft heiterem Tonfall Großes und Kleines zur Sprache, Bedeutsames und scheibar Nebensächliches; natürlich berichtet er im Herzstück von Prousts endlosen Um- und Überarbeitungen des ersten Bandes der Recherche, die den Setzer in den Wahnsinn getrieben haben müssen, bis "Du Côte de chez Swann" endlich am 14.11. erschien, von den oft viel zu teuren und aufdringlichen Geschenken, die Proust gerne machte; vom Theatrophone, das es Proust erlaubte, Opern und Konzerte zuhause mitzuhören, von Briefen, Spekulationen und dem legendären Pelzmantel und nicht zuletzt von den kleinen Tricks, mit denen Proust andere manipulierte.

Ich wage die Behauptung, dass dieses schmale Bändchen einem Proust-Novizen einen ebenso starken Eindruck von Proust und seinem Hauptwerk vermitteln kann wie manche dickleibige Biografie, wobei man bei aller Kurzweil nicht vergessen darf, dass Keller wie nur wenige vertraut ist mit Leben und Werk von Proust - und genau das muss er sein, um anhand kleiner Ausstellungsstücke und Werksplitter einen Eindruck von der Größe des Ganzen zu vermitteln.

Wie formulierte Proust selbst es bescheiden kurz vor Veröffentlichung des ersten Bandes:
"Es ist im Übrigen wahr, dass ich dem Buch, in das ich das Beste meines Denkens, ja meines Lebens gelegt habe, unendlich mehr Bedeutung zumesse als allem, was ich bisher gemacht habe."


Horror of Collier County
Horror of Collier County
von Masamune Shirow
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Indie-Horror, 19. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Horror of Collier County (Taschenbuch)
Sympathische Indie-Horror-Story, die ich irgendwo zwischen Sala und Burns verorten würde. Junge alleinerziehende Mutter kehrt nach dem Tod ihres Mannes von New York nach Florida zurück, wo ihre Mutter lebt. Dort benehmen sich die Nachbarn äußerst merkwürdig, und Paranoia heißt bekanntlich nicht, dass man nicht verfolgt wird...
Ich hätte mir plotmässig etwas mehr Substanz gewünscht, aber dann wäre es eine andere Art des Erzählens und der spezifische Charm wäre vermutlich auf der Strecke geblieben.
Aufgerundet 4 Sterne.


The Fates
The Fates
von Thomas Tessier
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Morde & Mirakel: Was ist los in Millville, New England?, 14. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: The Fates (Gebundene Ausgabe)
Als zum ersten Mal die Schiffe der spanischen Armada vor Amerikas Küste auftauchten, konnten die amerikanischen Ureinwohner darin – so heißt es – nicht die sich nähernde Flotte erkennen, da ihnen solche Schiffe vollkommen unbekannt waren. Ähnlich ergeht es den Bewohnern des Städtchens Millville, das von plötzlichen gewaltsamen Todesfällen und Vandalismus heimgesucht wird: was hat es mit dem sonderbaren blauen Leuchten im Wald auf sich? Ist es die Jungfrau Maria, die Kinder in der Erscheinung erkannt haben wollen, oder vielleicht ein UFO, wie andere glauben? Sheriff Sturdevent tappt genauso im Dunkeln wie der katholische Priester Lombard, denn die unerklärlichen Phänomene sind genauso schwer als Verbrechen wie als Kirchenwunder erklärbar.
Der Tonfall in Tessiers erstem Roman ist unaufgeregt, fast sachlich reiht er die Ereignisse aneinander: hier eine grausam verstümmelte Kuh, dort ein Auto, das sich ohne erkennbare Ursache total zerlegt; Scheiben, die aus den Rahmen gesprengt werden und Bücher und Gegenstände, die plötzlich mit Wucht aus den Regalen schießen; und schließlich auch mehrere unerklärliche Todesfälle, die nicht nur dem Sheriff Rätsel aufgeben. Der fleißige Leser von Horrorromanen wird sofort dämonische Aktivitäten Argwöhnen, der Leser von Science Fiction-Romanen UFOs dafür verantwortlich machen. Den Einwohnern von Millville aber drängt sich keiner dieser Erklärungsätze auf, die uns im Alltag ja auch nur ein Kopfschütteln abnötigen würden. Überhaupt werden Ursache und Wirkung lange Zeit gar nicht in Zusammenhang gebracht, und genau das macht für mich den Reiz aus. Hier wird kein UFO gesichtet und sofort gewusst, dass es vom Mars (oder der Venus) kommt, sondern seltsame Phänomene und Ereignisse stehen lange unverbunden nebeneinander.
Die Vorstellung, jemals einem UFO zu begegnen, hat etwas zutiefst erschreckendes, und so macht es auch absolut Sinn, wie Tessier die künstliche Grenze zwischen SF und Horror missachtet.
Als die Katastrophe eskalierend ihren Lauf nimmt, deutet sich schließlich eine andere Erklärung an, die mich nicht ganz zufrieden gestellt hat, aber das ist Geschmackssache und war zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung vermutlich in gewisser Weise aktuell.


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